Archiv November 2010
Um die aktuelle fundamentale Schwäche des Euro zu betrachten, sollte man nicht einen Blick auf die Subprime-Währung Dollar werfen, sondern auf eines der ältesten Zahlungsmittel der Menschheit, dem nicht beliebig vermehrbaren Gold. [mehr…]
Europa "sei jeden Preis wert", meinte Deutsche Bank Chef Ackermann kürzlich und reihte sich damit in die Schar der hilflosen Status Quo Bewahrer ein. Nur ein weiter so wie bisher, ist in der ökonomischen Realität längst keine Option mehr, auch wenn die Banken mit Hilfe der Politik versuchen die Folgen der exzessiven Kreditexpansion der vergangenen Jahre auf die Steuerzahler abzuwälzen. Es wird nicht gelingen, zu groß sind die Verwerfungen und es ist keine Frage mehr von mangelnder Liquidität, sondern längst von mangelnder Solvenz bei Banken, wie auch bei den Staaten.
Die Finanzkrise und das Einstehen der Staaten für die maroden Banken erfordert seinen Preis, explodierende Staatsschulden und niemand sollte sich Illusionen machen, dass Ende der Fahnenstange ist noch nicht erreicht, denn Teile der vergebenen Kreditgarantien zur Rettung des Euro bzw. der Banken werden früher oder später den Garantierahmen verlassen und der Steuerzahler wird in die Haftung der dann entstandenen Zahlungsausfälle eintreten müssen.
Das Europäische Statistikamt Eurostat berichtete gestern, dass im September 2010 in der Eurozone die Auftragseingänge der Industrie um saisonbereinigte -3,8% zum Vormonat sanken. Dies war der stärkste monatliche Rückgang seit Dezember 2008. In der EU27 ging es um -2,5% abwärts.
Nachdem gestern hier bereits ein realistischeres und kritisches Bild zum Goldenen Konjunktur-Herbst? gezeichnet wurde, nun noch ein weiterer deutlicher Hinweis auf die Qualität der beschworenen Einkommenszuwächse der Arbeitnehmer. Im Monatsbericht November 2010 der Bundesbank ist das Lohnsteueraufkommen für das 3. Quartal 2010 mit 30,4 Mrd. Euro beziffert worden. Trotz Jobwunder und angeblichen Lohnsteigerungen sanken die staatlichen Einnahmen aus der Lohnsteuer um -5,3% zum Vorjahresquartal! Ein weiterer Fall von wahrgenommener kognitiver Dissonanz aus der gelebten Realität, an Hand belastbarer Wirtschaftdaten und der Propaganda u.a. mit den Stimmungsindikatoren von Ifo, Gfk und Co in den Medien.
"Dem großen Aufschwung-Sommer folgt ein goldener Konjunktur-Herbst", meint Wirtschaftsminster Brüderle und legt nach: "Es wird wieder investiert, die Beschäftigung nimmt dynamisch zu, die Einkommen steigen und der private Konsum trägt zunehmend das Wachstum in Deutschland.".....Allerdings manche Geschichten werden faktisch nicht besser, auch wenn man sie ständig wiederholt! Deshalb ein Blick auf die Realität der heutigen ausführlichen Daten zum BIP im 3. Quartal 2010 vom Statistischen Bundesamt:
Das Statistische Amt der Europäischen Gemeinschaften (Eurostat) gab heute die Daten zur europäischen Industrieproduktion für den Monat September 2010 bekannt. Der Output der Industrieproduktion sank in den Mitgliedsstaaten der Eurozone und in der EU27 im Vergleich zum Vormonat um -0,9% bzw. um -0,5%. Im Vergleich zum Vorjahresmonat ging es in der Eurozone noch um +5,2% aufwärts und in der EU27 um +5,8%! Die Aufwärtsdynamik lässt aber auch im Jahresvergleich deutlich nach.
Der Bundesverband Zeitarbeit (BZA) gab gestern die Zahl der deutschen Leiharbeitnehmer für den Monat September 2010 bekannt. Die Daten beruhen auf die an das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Auftrag gegebene Fortschreibung der amtlichen Daten der Bundesagentur für Arbeit. Die Zahl der Leiharbeitnehmer stieg im September um +3,1% bzw. um +28'000 zum Vormonat und um +39% zum Vorjahresmonat bzw. um +258'886 auf 921'000!
Gestern berichteten die chinesischen Zollbehörden (General Administration of Customs) die Daten zum chinesischen Außenhandel für den Monat Oktober 2010. Diese Daten sind im Gegensatz zu denen aus Deutschland und den USA bereits einen Monat voraus und sie bieten eine beachtenswerte Entwicklung! Das unbereinigte Exportvolumen von Waren und Gütern sank um kräftige -6,2% auf 135,98 Mrd. Dollar, nach 144,99 Mrd. Dollar im Vormonat. Im Vergleich zum Vorjahresmonat ging es allerdings noch um +22,5% aufwärts.
Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilte, stiegen die Exporte Deutschlands im September 2010 unbereinigt um +22,5% im Vergleich zum Vorjahresmonat an. Im Vergleich zum Vormonat ging es um unbereinigte um +15,7% aufwärts, dieser starke Anstieg zum Vormonat ist allerdings auch auf die saisonale Komponente zurückzuführen.
Im Oktober 2010 kam es zu einem etwas überraschenden Stellenaufbau in den USA von +151'000 Stellen außerhalb der Landwirtschaft! Damit betrug die Zahl der seit Dezember 2007 abgebauten Stellen noch -7,419 Millionen! Allerdings verbleibt es bei dieser positiven Headline, wenn man in die Tiefe des Arbeitsmarktberichts geht. Vor allem die mangelhafte Datenkonsistenz schlägt einem entgegen. Die USA schaffen es gleichzeitig im Oktober angeblich +151'000 neue Stellen (Nonfarm Payroll Employment-Establishment Data) zu schaffen und dabei zugleich -330'000 an Gesamtbeschäftigung (Employment-Household Data) zu verlieren. Solange die beiden Erhebungsmethoden im US-Arbeitsmarktbericht, die Establishment Data und die Household Data, solche divergierende Datensätze ausspucken muss man mit einer positiven Beurteilung des Arbeitsmarktes äußerst zurückhaltend sein.
Das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWI) berichtete heute von einem kräftigen Einbruch beim preis- arbeitstäglich- und saisonbereinigten (X-12 ARIMA) Auftragseingang der deutschen Industrie im September 2010 von -4,0%, im Vergleich zum Vormonat. Dies war der stärkste monatliche Einbruch seit Januar 2009. Die Inlandsaufträge sanken saisonbereinigt um -0,6%, während die Auslandsaufträge um kräftigere -6,57% einbrachen.
Im Gleichklang mit dem Anschwellen der Assetpreise, als Folge der Geldpolitik der US-Notenbank, steigt auf der anderen Seite des virtuellen Wohlstandes, auch in Folge der verfehlten US-Wirtschafts- und Finanzpolitik die reale Armut. Monat für Monat stoßen in skandalösen hunderttausender Blöcken bedürftige US-Bürger in das staatliche Lebensmittelprogramm SNAP (Supplemental Nutrition Assistance Program).
Die US-Notenbank löst mit Quantitative Easing 2 eine kräftige Rallye an den Finanzmärkten aus, der Dow Jones steigt heute um +220 Punkte bzw. um +1,96% auf 11'435 Indexpunkte und damit auf den höchsten Stand seit dem 08.09.2008. Neben den Aktienmärkten steigen aber auch Rohöl, Gold und die anderen Edelmetalle sowie fast alle Rohstoffe. Eine "grandiose" Liquiditätshausse, ausgelöst durch eine beschleunigte Geldentwertung im Fiat Money Systems.
Die unbereinigten US-Autoabsätze sanken im Oktober 2010 leicht um -0,92% zum Vormonat auf 950'165 verkauften Fahrzeugeinheiten, nach 958’966 verkauften Einheiten im September, nach 997’468 verkauften Einheiten im August und nach 1,050101 Millionen im Juli. Im Vergleich zum Vorjahresmonat mit unbereinigten 838'133 verkauften Kfz-Einheiten, stiegen die Autoverkäufe um +13,4%.
Die U.S. Social Security Administration veröffentlichte an Hand der Employer W-2 Filings (Lohnsteuerkarten) die Lohnstatistik 2009. Die daraus hervorgehenden Details sind erschreckend. Die Einkommensungleichheit auf Basis der Arbeitnehmerlöhne (Arbeiter, Angestellte, Beamte und aller anderen die sich in einem Arbeitsverhältnis befinden) ist noch weit größer, als man annehmen würde.
Der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) berichtete heute von einem Anstieg der Auftragseingänge im September 2010 von realen +28% im Vergleich zum Vorjahresmonat. Die Inlandsauftragseingänge beim deutschen Maschinenbau stiegen um +33% und die Auslandsauftragseingänge stiegen um +26% an, jeweils im Vergleich zum Vorjahresmonat.
Die Sparvorgaben der IWF- und EU-Bürokraten im Brünning- (schen) Gewand, führen in Griechenland zu einer beispiellosen Kontraktion der Wirtschaft und erhöhen die Wahrscheinlichkeit eines Zahlungsausfall Griechenlands innerhalb der nächsten 3-5 Jahre dramatisch. Zur Sanierung des Staatshaushaltes wurden u.a. die Einkommen im öffentlichen Dienst, bei Beamten und Rentnern rasiert und auch die hohe Arbeitslosigkeit die im privaten Wirtschaftssektor generiert wird, wirkt sich negativ auf die Einkommensentwicklung aus. Für 2010 ergeben sich als Folge daraus, sinkende durchschnittliche Reallöhne in der Gesamtwirtschaft von -8% im Vergleich zum Vorjahr und von beispielosen -17% im öffentlichen Sektor, so die griechische Zentralbank in ihrem Zwischenbericht zur Geldpolitik am 26.10.2010.
