Archiv Januar 2012
Wie Standard & Poor's (S&P) heute mitteilte, waren die S&P/Case-Shiller Home Price Indices, mit die wichtigsten Preisindizes zur Messung der Preisentwicklung am US-Wohnimmobilienmarkt, in den 10 größten Städten der USA im November 2011 um -3,56% zum Vorjahresmonat gesunken und beim 20-City Composite war ein Rückgang von -3,67% zum Vorjahresmonat zu verzeichnen. Damit bleiben wie erwartet die Immobilienpreise weiter schwach, saisonbereinigt ging es beim 10-City Composite um weitere -0,72% zum Vormonat abwärts und beim 20-City Composite ging es um -0,70% zum Vormonat abwärts.
Heute veröffentlichte das Conference Board die Daten zum US-Consumer Confidence Index für den Monat Januar 2012. Das Verbrauchervertrauen sank auf 61,1 Indexpunkte, nach 64,8 Indexpunkten im Vormonat. Dieser leichte Einbruch kam unerwartet, denn die 74 von Bloomberg im Vorfeld der Daten befragten Volkswirte sahen in der medianen Schätzung einen Anstieg auf 68,0 Indexpunkte beim Verbrauchervertrauen vorher. Vor allem die aktuelle Situation trübte sich deutlich ein, so sank der Present Situation Index auf 38,4 Punkte, nach 46,5 Punkten im Vormonat. Der Expectations Index, die Erwartungen für die nächsten 6 Monate fielen dagegen nur leicht von 77,0 Indexpunkte im Dezember 2011 auf 76,2 Punkte im Januar 2012.
Nicht ohne Grund wurde hier in den letzten Wochen vermehrt der Baltic Dry Index (BDI) präsentiert. Die Talfahrt des Preisindex für Frachtraten von Massenfrachtgütern, wie Kohle, Eisenerze, Zement, Kupfer, Kies, Dünger, Kunststoff-Granulat und Getreide war beeindruckend. Und auch heute ging es abwärts, den 30 Handelstag in Folge in Richtung Süden, auf nur noch 680 Indexpunkte, der tiefste Stand seit dem 10.12.2008 und auch zum 22-Jahrestief vom 5.12.2008 mit 663 Punkten fehlen nur noch -17 Punkte.
Heute veröffentlichte Eurostat die saisonbereinigten Arbeitslosenquoten für die EU17 und die EU27. In der Eurozone und in der EU27 lag die saisonbereinigte Arbeitslosenquote im Dezember 2011 unverändert zum Vormonat (aufwärtsrevidiert) bei 10,4% bzw. bei 9,9%. Die 10,4% Arbeitslosenquote in der Eurozone ist die höchste seit Bestehen der Gemeinschaft. Weiter gravierend stellen sich vor allem die hohen Arbeitslosenquoten in den Südperipherie-Staaten dar. So stieg die offizielle saisonbereinigte Arbeitslosenquote in Portugal im Dezember auf 13,6% (+0,4 Prozentpunkte), in Italien auf 8,9% (+0,1 Prozentpunkte) und in Griechenland, die mit ihrer monatlichen Datenerhebung immer hinterherhinken, stieg die Quote für Oktober auf 19,2% (+0,4 Prozentpunkte, jeweils im Vergleich zum Vormonat)! Die höchste Quote in der gesamten EU erzielte Spanien mit 22,9% im Dezember 2011, unverändert zum Vormonat.
Wie es eigentlich zu erwarten war, entblößen die harten belastbaren Daten zu den Einzelhandelsumsätze für Dezember 2011 aus Deutschland den angeblichen Konsumboom und Weihnachtskaufrausch, als das was er war - pure Propaganda. Laut den heute veröffentlichten Daten des Statistischen Bundesamtes (Destatis) zu den Einzelhandelsumsätzen für den Monat Dezember, stiegen die nominalen Einzelhandelsumsätze um +0,5% im Vergleich zum Vorjahresmonat und real sanken sie um -0,9% zum Vorjahresmonat.
Wie erwartet spitzt sich auch in Portugal die Situation weiter zu, die Rendite 10-jährige portugiesischer Staatsanleihen zog heute auf ein Rekordhoch mit 17,393%, nach 15,220% am Freitag. Die 5-Jährige schoss auf 22,874% und die 2-jährigen Staatsanleihen Portugals auf 21,008%. Damit folgt Portugal klar und absehbar dem griechischen Weg, Rückkehr an den Kapitalmarkt ausgeschlossen und den Zahlungsausfall fest im Visier.
Der Baltic Dry Index (BDI), der Preisindex für Frachtraten bei Massenfrachtgüter, wie Kohle, Eisenerze, Zement, Kupfer, Kies, Dünger, Kunststoff-Granulat und Getreide, zieht nun schon seit 29 Handelstagen in Folge kräftig Richtung Süden und markierte heute mit 702 Indexpunkten den tiefsten Stand seit dem 11.12.2008.
Gastbeitrag von Hajo
Die Datenreihe der sogenannten "Personal Consumption Expenditures" des Bureau of Economic Analysis (BEA) im U.S. Handelsministerium (U.S. Department of Commerce) suggeriert, es handele sich hier um "persönliche Verbrauchsausgaben", also wohl um Ausgaben durch Kauf von Konsumgütern und langlebigen Gütern. Am Freitag hatte das Bureau of Economic Analysis die Zahlen für Q4/2011 veröffentlicht:
Immer wieder aufs Neue zeigt sich, dass in der Bekämpfung der europäischen Schuldenkrise einzig immer noch mehr Geld und immer noch weiter gehende Sparmaßnahmen als Lösung angesehen werden. Was die Hilfsmittel und die ergriffenen Sparmaßnahmen bewirken und ob sie mit Blick auf die bisherigen Wirkungen überhaupt sinnvoll sind, spielt in jeder neu in den Medien angestoßenen Debatte angesichts des „dringenden“ Handlungsbedarfs keine Rolle. Die inzwischen sehr gut dokumentierte Abwärtsspirale, in der sich Schuldenstaaten wie Griechenland, Portugal und zunehmend auch Spanien deswegen befinden, wird ignoriert. Man könnte dieses Vorgehen aus diesem Grund auch als gewollten Blindflug bezeichnen, was – vor allem wenn man an die Weimarer Republik denkt - Grund zur Sorge ist, weil sich eine kritische Überprüfung des bisherigen Krisenkurses nicht einmal abzeichnet.
Bereits vor zwei Jahren wurde hier im Blog die desaströse Entwicklung Griechenlands vorgezeichnet und aufgezeigt, dass die fundamentalen strukturellen Probleme der griechischen Wirtschaft unter dem Korsett des Euro nicht zu lösen sind. Langsam aber sicher wird die finale Runde des Desasters eingeläutet, nachdem die Troika mit ihren Sparmaßnahmen die griechische Wirtschaft in die Depression katapultiert hat, die Schäden unverantwortlich maximiert wurden und die Schuldenkrise sich in Folge trotz Rettungspaket und Aufblähen der Bilanz der griechischen Zentralbank nicht entschärft.
Gestern berichtete das U.S. Bureau of Economic Analysis (BEA) in einer ersten Schätzung von einem saisonbereinigten und auf das Jahr hochgerechneten realen US-BIP-Wachstum (SAAR) von +2,8% im 4. Quartal 2011. Dies war der stärkste Anstieg seit Q2 2010, allerdings überzeichnet die SAAR-Angabe (auf das Jahr hochgerechnet) grundsätzlich das Wachstum. Nach herkömmlicher deutscher Lesart stieg das real US-BIP um +0,7% zum Vorquartal und um moderate +1,6% zum Vorjahresquartal. Abzuwarten bleiben auch die 2. Schätzung und die endgültigen BIP-Daten, denn es ist gelebte Praxis in den Schätzungen das BIP-Wachstum höher auszuweisen, um es später abwärts zu revidieren.
Der Baltic Dry Index (BDI), der Preisindex für Frachtraten bei Massenfrachtgüter, wie Kohle, Eisenerze, Zement, Kupfer, Kies, Dünger, Kunststoff-Granulat und Getreide, zieht nun schon seit 28 Handelstagen in Folge kräftig Richtung Süden und markierte gestern mit 726 Indexpunkten den tiefsten Stand seit dem 12.12.2008.
Heute erzielte die Rendite portugiesischer 10-jähriger Staatsanleihen ein neues Hoch mit 15,220%. Sicherlich kann man argumentieren, dass dies nicht weiter tragisch ist, schließlich muss sich Portugal nicht am Kapitalmarkt refinanzieren, sondern es refinanziert sich über das Rettungspaket mit einem Volumen von 78 Mrd. Euro. Nur eine Rückkehr an den Kapitalmarkt geplant für 2013 wird damit immer unwahrscheinlicher und die portugiesischen Staatsanleihen folgen der Entwicklung der Griechischen, die ebenfalls immer weiter stiegen. Der Anstieg der Renditen ist in beiden Fällen ein starkes Signal, dass der Kapitalmarkt immer weniger Vertrauen in die Zahlungsfähigkeit des Staates hat. Denn eine immer noch weiter steigende Staatsverschuldung geht mit sinkender wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit einher und damit ist der potentielle Zahlungsausfall auch in Portugal vorgezeichnet.
Das spanische Statistikamt INE berichtete heute die realen Einzelhandelsumsätze für den Monat Dezember 2011. Auch im Dezember ging es weiter abwärts, um unbereinigte reale -6,2% zum Vorjahresmonat und um saisonbereinigte -0,8% zum Vormonat. Die realen Einzelhandelsumsätze notieren in der saisonbereinigten Reihe auf dem Niveau von August 1999. Der private Konsum, gemessen an den Einzelhandelsumsätzen kontrahiert ungebrochen weiter.
Der Baltic Dry Index (BDI), der Preisindex für Frachtraten bei Massenfrachtgüter, wie Kohle, Eisenerze, Zement, Kupfer, Kies, Dünger, Kunststoff-Granulat und Getreide, zieht nun schon seit 27 Handelstagen in Folge kräftig Richtung Süden und markierte heute mit 753 Indexpunkten den tiefsten Stand seit dem 23.12.2008.
Wie das italienische Statistikamt ISTAT heute mitteilte, verharrte das Verbrauchervertrauen im Januar 2012, wie im Vormonat auf dem tiefsten Stand seit September 1993. Das Vertrauen der italienischen Konsumenten ist im Zuge der Schuldenkrise stark eingebrochen und dies ist für Italien ziemlich relevant, denn die Konsumausgaben der privaten Haushalte tragen zu knapp über 60% des nominalen BIPs Italiens bei.
Heute Morgen veröffentlichte die Nürnberger Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) ihren Konsumklimaindex und auch dieser Stimmungsindikator steigt weiter, auf aufwärts revidierte 5,7 Punkte im Januar 2011 und auf 5,9 Punkte für Februar 2012, der höchste Stand seit einem Jahr! Eine noch größere Dynamik nach oben zeigt der Subindex für die Kaufbereitschaft. Er legte im Januar um +14,4 Punkte auf 41,8 Punkte zu. Dies dokumentiert den höchsten Stand seit Dezember 2006. Der GfK Konsumklimaindex ist ein Stimmungsindikator und basiert auf einer Befragung von 2000 Konsumenten.
Die Initiative Occupy Wall Street schaffte es durch Proteste, die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit auf die soziale Schieflage in den USA zu lenken. Während die Armut in den USA immer stärker um sich greift, realisiert das oberste eine Prozent der US-Einkommenspyramide nach einem kurzen Einbruch infolge der Lehman-Pleite und der dadurch bedingten Finanzmarktkrise wieder hohe Einkommenssteigerungsraten.
Wie das britische nationale Statistikamt (ONS) heute in einer ersten Schätzung berichtete, sank das reale BIP in Q4 2011 um -0,2% zum Vorquartal. Zum Vorjahresquartal erzielte UK noch ein Wachstum von +0,8%. Nicht unerwartet verlor die Blasenökonomie auf der Insel vor allem dort, wo bereits die deutlichsten Defizite bestehen. Die Bruttowertschöpfung der breit gefassten Industrie (Bergbau, Energieversorgung und Verarbeitendes Gewerbe) schrumpfte um -1,2% zum Vorquartal und sogar um -2,6% zum Vorjahresquartal. Damit bleibt man der Strategie, mit heiß gehebelten Finanzprodukten virtuelle Wertschöpfung am Finanzplatz London zu tätigen, weiter treu und mit "müßigen" Dingen wie realwirtschaftlicher Produktion hält man sich nicht weiter auf.
