Archiv März 2012
Heute berichtete das griechische Statistikamt ELSTAT erneut von sinkenden realen Einzelhandelsumsätzen für Januar 2012. Um weitere -10,3% zum Vorjahresmonat sanken im Januar 2012 die realen (preisbereinigten) Umsätze (Dezember: -12,6%, November: -8,9%). Selbst nominal ging es noch um kräftige -8,5% zum Vorjahresmonat abwärts.
Wieder einmal wird das Märchen vom deutschen Konsumboom von harten belastbaren Daten entblößt. Auch im Februar 2012 warten die Daten zu den deutschen Einzelhandelsumsätzen mit Schwäche auf. Laut den heute veröffentlichten Daten des Statistischen Bundesamtes (Destatis) zu den Einzelhandelsumsätzen für den Monat Februar stiegen die nominalen Einzelhandelsumsätze zwar um +4,0% im Vergleich zum Vorjahresmonat und real stiegen sie um +1,7% zum Vorjahresmonat, allerdings hatte der Februar 2012 mit 25 Verkaufstagen einen Verkaufstag mehr als der Februar 2011. Berücksichtigt man also auch die Saison- und Kalendereffekte (nach dem Census X-12-ARIMA Verfahren) ging es im Vergleich zum Vormonat nominal um -0,2% abwärts, den fünften Monat in Folge und real um -1,1% zum Vormonat abwärts, den zweiten Monat in Folge.
Wie die griechische Zentralbank (Bank of Greece) mitteilte sind die Bankeinlagen der privaten Haushalte und der Unternehmen bei den griechischen Banken weiter geschrumpft. Im Februar 2012 sanken die Einlagen um -4,576 Mrd. Euro, nach -5,269 Mrd. Euro im Vormonat. Der zurückgetretene griechische Finanzminister Evangelos Venizelos rief noch am 21.02.2012, im Anschluss an den Beschluss zum zweiten "Rettungspaket" für Griechenland in Höhe von 130 Mrd. Euro durch die Eurogruppe, die Griechen dazu auf: "Bringen Sie Ihr Geld aus dem Ausland zurück, holen Sie es aus den Matratzen!"
Wie die New York Times in einem Artikel bezugnehmend auf eine Studie berichtete, welche die landesweiten Einkommenssteuererklärungen in den USA 2010 untersuchte, sind 93% der Einkommenssteigerungen gegenüber dem Jahr 2009 in die Hände der obersten 1% der Steuerzahler gefallen. Noch drastischer, auf die obersten 0,1% der Steuerzahler entfiel 37% des Einkommenszuwachses, auf die "untersten" 99% der Steuerzahler ging ein Anstieg von mageren 7% der gesamten Einkommenssteigerung.
Heute veröffentlichte die niederländische Zentralbank ihre Bilanz für den Monat Februar 2012, darunter auch die Forderung (Aktiva) aus Target2. Im Februar sank der positive Target2 Saldo um -25,117 Mrd. Euro zum Vormonat, auf +143,766 Mrd. Euro, nach +168,883 Mrd. Euro im Vormonat und nach +29,146 Mrd. Euro im Vorjahresmonat.
Wie Standard & Poor’s (S&P) heute mitteilte, waren die S&P/Case-Shiller Home Price Indices, mit die wichtigsten Preisindizes zur Messung der Preisentwicklung am US-Wohnimmobilienmarkt, in den 10 größten Städten der USA, im Januar 2011 um -3,86% zum Vorjahresmonat gesunken und beim 20-City Composite war ein Rückgang von -3,78% zum Vorjahresmonat zu verzeichnen. Damit bleiben die Immobilienpreise weiter schwach, saisonbereinigt ging es beim 10-City Composite um gebremste -0,13% zum Vormonat abwärts und beim 20-City Composite ging es marginal um -0,04% zum Vormonat abwärts.
Gestern haben vor allem die Äußerungen von Ben Bernanke und Angela Merkel die Aktienmärkte rund um den Globus beflügelt. Der Fed-Chef hält die Situation am US-Arbeitsmarkt trotz der zu konstatierenden leichten Verbesserung weiterhin für fragil und deswegen eine weiterhin lockere Geldpolitik zwecks Stimulierung des Wirtschaftswachstums für erforderlich. (1) Viele interpretierten Bernankes Aussagen dahingehend, dass eine neue Runde der quantitativen Lockerung (QE3) nun wohl doch kommen bzw. die Fed die Geldschleusen noch weiter öffnen könnte. Angela Merkel signalisierte hingegen erstmals ihre Bereitschaft, den Euro-Rettungsschirm weiter aufzuspannen sprich die verfügbaren Mittel – wenigstens temporär - aufzustocken, nachdem sie dies bisher stets kategorisch abgelehnt hatte. (2)
Gastbeitrag von Hajo
Am 9. März hat das U.S. Handelsministerium die Außenhandelsdaten für den Monat Januar 2012 veröffentlicht:
Aus diesem Bericht liefere ich nachfolgend einige Schlaglichter in deutscher Übersetzung.
- alle Exporte: 180,8 Mrd. USD
- alle Importe: 233,4 Mrd. USD
Bilanzdefizit: 52,6 Mrd. USD
Der ifo Geschäftsklimaindex für die gewerbliche Wirtschaft Deutschlands ist im März 2012, den fünften Monat in Folge leicht angestiegen. Er notierte im März, laut den heute veröffentlichten Daten bei 109,8 Indexpunkten, nach 109,7 Indexpunkten im Februar und nach 114,7 Punkten im Vorjahresmonat. Damit läuft die gemessene Stimmung und die realwirtschaftliche Lage durchaus etwas auseinander und die befragten Unternehmen zeigen eine gewisse Ignoranz gegenüber den harten belastbaren Wirtschaftsdaten. In Q4 2011 war zuletzt das saisonbereinigte reale BIP um -0,2% zum Vorquartal gesunken, der Output der Industrieproduktion stagnierte bestenfalls und lag unter den Hochs von Mitte 2011, der Auftragseingang war im Januar 2012 rückläufig und auch der Export lag zuletzt im Januar 2012 deutlich unter dem Allzeithoch aus März 2011.
Gastbeitrag von Hajo
Der US Blogger CalculatedRisk lieferte am 23.03. ein sehr interessantes Post zu den Verkäufen bestehender Häuser (Existing Home Sales) und neuer Häuser (New Home Sales). Warum er diesbezüglich den Ausdruck "distressing gap" verwendet, werde ich im Folgenden aufzeigen.
Wie das spanische Ministerio de Industria, Energía y Turismo bezugnehmend auf die Zollstatistik bereits am Dienstag mitteilte, sank auch im Januar 2012 das Außenhandelsvolumen im Vergleich zum Vormonat. Im Januar 2012 sanken die unbereinigten Exporte von Waren und Gütern um -2,5% zum Vormonat und die Importe um -6,1% zum Vormonat. Zum Vorjahresmonat stiegen die spanischen Exporte von Waren und Güter noch um +3,9% auf 16,579 Mrd. Euro. Die Importe sanken um -3,1% zum Vorjahresmonat auf 20,234 Mrd. Euro. Das Handelsbilanzdefizit bei Waren und Gütern betrug damit im Januar -3,655 Mrd. Euro.
Der europäische Automarkt steuert in die größte Krise seit Mitte der 1990er Jahre, so das Ergebnis einer Studie des Zentrums für Automotive Research (CAR) der Universität Duisburg-Essen. In den ersten beiden Monaten des laufenden Jahres seien 164'000 Fahrzeuge weniger verkauft worden als im Vorjahr. Das Minus habe im Februar bei neun Prozent gelegen (-9,7% zum Vorjahresmonat in der EU27). "In den nächsten Monaten muss mit weiter sinkenden Verkäufen in Europa gerechnet werden. 2012 wird das schlechteste Jahr in Europa seit 18 Jahren", meint der Chef von CAR, Ferdinand Dudenhöffer. Auch bei CAR scheint mit einem Delay von etlichen Monaten die Realität angekommen zu sein. Man muss nicht groß rätseln, wo die höchsten Einbrüche zu verzeichnen sind, in den von der Schuldenkrise und den Austeritätsmaßnahmen geplagten Ländern. Zuletzt im Februar 2012 sanken die PKW-Neuzulassungen in Portugal um -48,4%, in Irland um -8,6%, in Italien um -18,9%, in Griechenland um -45,2% und in Spanien um -2,1%, jeweils im Vergleich zum Vorjahresmonat!
Bereits am 09. März 2012 veröffentlichte das portugiesische Statistikamt (INE) detaillierte Daten zum Bruttoinlandsprodukt im 4. Quartal 2011. Wie anhand der gewählten Mittel zur Bewältigung der Schuldenkrise absehbar war, beschleunigt sich auch in Portugal die Abwärtsbewegung der wirtschaftlichen Aktivität. Einige Details sind regelrecht erschreckend und dokumentieren den Weg Portugals in Richtung Griechenlands. Im 4. Quartal 2011 sank das reale BIP um -2,8% zum Vorjahresquartal. Sieht man sich die Verwendungsrechnung des realen BIPs an, offenbart sich ein echter Hammer, denn die realen privaten Konsumausgaben schrumpften um die Rekordrate von -6,6% zum Vorjahresquartal, die realen Staatsausgaben sanken um -5,7% und die realen Bruttoinvestitionen um -24,3% zum Vorjahresquartal. Einzig der Außenbeitrag (Exporte-Importe) konnte sich verbessern, denn die realen Exporte stiegen um +5,8% und die realen Importe sanken um -13,5%, jeweils zum Vorjahresquartal. Immerhin hier stimmt die Richtung, aber der Außenbeitrag ist immer noch negativ und vor allem kann er die anderen brachialen Einbrüche beim Konsum und den Investitionen nicht abfedern.
Das griechische Statistikamt ELSTAT berichtete gestern erneut schlechte Daten zum Auftragseingang der Industrie, insbesondere die Inlandsaufträge schrumpften kräftig, wie schon seit vielen Monaten. Beim gesamten Auftragseingang ging es im Januar 2012 um -14,7% zum Vorjahresmonat abwärts. Die Inlandsaufträge schrumpften mit einer Rate von -25,2% zum Vorjahresmonat und sogar die Auslandsaufträge schmierten nun ab, um -5,9% zum Vorjahresmonat. Bei den Auslandsaufträgen sanken die aus der Eurozone um kräftige -14,0%, während die Auslandsaufträge aus der Nicht-Eurozone noch um +3,4% anstiegen, jeweils zum Vorjahresmonat.
Der Bund der Steuerzahler in Bayern e.V nimmt Stellung zum Beitrag des Bundesbankpräsidenten Jens Weidmann in der FAZ vom 12.03.2012 "Was steckt hinter den Target2-Salden?". Der BdSt stellt dieses Dokument heute Nacht unter www.target-2.de ins Netz. Querschuesse.de dokumentiert mit Genehmigung des Bundes der Steuerzahler in Bayern e.V diese Stellungnahme, welches gleichzeitig als Anschreiben an die FAZ und die Bundesbank ging.
Gastbeitrag von Hajo
In den beiden Container-Terminals des Großraums Los Angeles, Los Angeles und Long Beach, sowie dem Terminal von Oakland in der San Francisco Area werden fast 75 % aller Container aus dem asiatisch-pazifischen Raum ("Inbound") bzw. in den asiatisch-pazifischen Raum ("Outbound") umgeschlagen. Bei den Gesamtumschlägen in den USA haben diese Terminals einen Anteil von rund 50 %. Die Divergenz erklärt sich im Wesentlichen aus dem Sachverhalt, dass Kanada der Haupthandelspartner der USA vor China ist und ein erheblicher Teil der Container zwischen den Terminals an der Ostküste der USA bzw. den U.S. Terminals an den "Großen Seen" und den kanadischen Terminals an den "Großen Seen" transportiert wird.
Heute berichtete die spanische Zentralbank (Banco de España) die monatlichen Daten der spanischen Kreditinstitute zu den “Data on Doubtful Loans” für Januar 2012. Die Zahl der säumigen Kredite und Darlehen mit mehr als 90 Tagen im Zahlungsrückstand stieg weiter auf 7,91% aller vergebenen Kredite der spanischen Banken, nach 7,62% im Vormonat und nach 6,06% im Vorjahresmonat. Die aktuellen 7,91% aller Kredite im Zahlungsrückstand waren die höchste Rate seit 1994. Diese Rate entsprach einem neuen Rekordkreditvolumen im Zahlungsrückstand von 140,027 Mrd. Euro, bei einem Gesamtvolumen von 1,769675 Billionen Euro an vergebenen Krediten und Darlehen.
Während die Target2 Relativierer viel Energie mit Nebelkerzen zünden verschwenden, fühlt sich selbst der BUBA-Chef Weidmann angesichts der Realität unwohl in seiner Haut und bezog endlich mal Stellung in der Target2 Debatte über die FAZ. Den Kern des Problems beschreibt er u.a. richtiger Weise so: "Es wird nicht mehr nur das erforderliche Minimum an Zentralbankgeld bereitgestellt, sondern das Eurosystem ersetzt in größerem Maße den Interbankenmarkt und andere grenzüberschreitende Kapitalströme." ....Genau dies ist der Kern und nichts anderes zeigen die Target2 Salden an, inwieweit Zentralbankgeld Leistungsbilanz und Kapitalbilanz in Übereinkunft bringen muss, da private Nettokapitalzuflüsse nicht mehr die Leistungsbilanzdefizite der PIIGBF (Portugal, Irland, Italien, Griechenland, Belgien und Frankreich) finanzieren bzw. Zentralbankgeld zusätzlich auch noch die kräftigen privaten Nettokapitalabflüsse (Kapitalflucht) aus diesen Staaten abpuffern muss.
Das italienische Statistikamt ISTAT berichtete heute erneut schlechte Daten, diesmal zum Auftragseingang der Industrie. Beim gesamten Auftragseingang ging es im Januar 2012 saisonbereinigt um relevante -7,4% zum Vormonat abwärts. Zum Vorjahresmonat ging es beim unbereinigten Auftragseingang ebenfalls abwärts, um -5,6%! Inlandsaufträge und Auslandsaufträge schmierten gleichermaßen ab, saisonbereinigt um -7,6% bzw. um -7,3% zum Vormonat. Damit manifestieren sich weiter die zunehmenden rezessiven Tendenzen in Italien, die mit Austeritätsmaßnahmen im Troika-Style, wie in den anderen Ländern der Südperipherie "bekämpft" werden.
Die Daten der spanischen Zentralbank (Banco de Espana) für Februar 2012 Financing in the Eurosystem (February 2012) verbargen neben den Average of Daily Data des spanischen Target2 Saldos noch weitere brisante Daten. Bereits vor LTRO2 stiegen die Nettoforderungen der Banco de Espana gegenüber den spanischen Kreditinstituten auf ein neues Rekordhoch. Im Februar 2012 betrugen die Nettoforderungen durchschnittlich 152,432 Mrd. Euro. Die Nettoforderungen gegenüber den spanischen Kreditinstituten sind die Kreditgewährung aus den geldpolitischen Operationen der spanischen Zentralbank an heimische Kreditinstitute, abzüglich der Einlagefazilität spanischer Banken bei der spanischen Zentralbank. Die Explosion der Nettoforderung weist auf ordentlichen Stress im spanischen Bankensystem hin und auch auf Kapitalflucht aus ihm.
