Arbeitskosten dokumentieren Fehlentwicklungen

von am 20. Juni 2011 in Allgemein

Wie Eurostat heute mitteilte stiegen im 1. Quartal 2011 die nominalen Arbeitskosten (Löhne, Gehälter und Lohnnebenkosten der Arbeitgeber) je Stunde in der Eurozone arbeitstäglich bereinigt um +2,6% zum Vorjahresquartal, nach +1,5% in Q4 2010. In der EU27 stiegen die nominalen Arbeitskosten um +2,7% zum Vorjahresquartal, nach +1,8% in Q4 2010.

In Deutschland stiegen in Q1 2011 die nominalen Arbeitskosten arbeitstäglich bereinigt um +2,9%. Die Daten zeigen aber auch die bescheidene Qualität, denn die Löhne und Gehälter wuchsen nur um +2,2% und dies lag nur marginal über dem Anstieg der Verbraucherpreise von +2,1% zum Vorjahresquartal. Damit läuft das deutsche Geschäftsmodell, mit enormen Produktivitätsfortschritten und einseitig exportorientiert, weiterhin wie gewohnt ohne entsprechende Partizipation an den Arbeitnehmern vorbei. Die Lohnnebenkosten hingegen zogen kräftig an, um +5,3% zum Vorjahresquartal und diese reflektieren den letzten Anstieg der gesetzlichen Krankenversicherungsbeiträge für die Arbeitgeber auf 7,3% und den Anstieg des Arbeitgeberanteils zur Arbeitslosenversicherung auf 1,5%. Da der Arbeitnehmeranteil für die gesetzliche Krankenversicherung und die Arbeitslosenversicherung selbstverständlich ebenfalls stieg, bleibt auch in Q1 2011 nach Abzug der Verbraucherpreissteigerungen nichts vom Anstieg der nominalen Arbeitskosten pro Stunde in der Geldbörse der Arbeitnehmer Netto hängen!

Zwar lag der Anstieg der nominalen Arbeitskosten pro Stunde in Deutschland etwas über dem Durchschnitt der Eurozone, was schon mal wenigstens in die richtige Richtung geht, allerdings zu Frankreich mit +3,8%, hinkt Deutschland, obwohl wettbewerbsfähiger zum wiederholten Male hinterher. Ein Blick auf die saison- und arbeitstäglich bereinigte Entwicklung der nominalen Arbeitskosten seit dem Jahr 2000 einiger ausgewählter Volkswirtschaften der Eurozone zeigt, dass in Deutschland auch wenn der Abstand nach lässt, die Entwicklung der nominalen Arbeitskosten deutlich niedriger war:

Die Entwicklung der nominalen Arbeitskosten pro Stunde der gewerblichen Wirtschaft (breit gefasste Industrie, Bau und Dienstleistungen) seit Q1 2000 (Jahr 2000=100) bis Q1 2011 im Chart. Deutschland hat sich seit Jahren weitere Wettbewerbsvorteile verschafft, durch schwächer wachsende nominale Arbeitskosten und damit zu den fundamentalen Ungleichgewichten in der Eurozone beigetragen.

Seit 2000 bis Q1 2011 stiegen die Arbeitskosten pro Stunde in Deutschland nominal um +22,08%  (real schlappe +3,09%) und selbst im Vergleich zu den leistungsfähigen Volkswirtschaften wie Österreich mit nominalen +31,77% und den Niederlanden mit nominalen +41,67% schlurft man hinterher bzw. verschafft sich damit Wettbewerbsvorteile. Geradezu exemplarisch für die Krise in der Eurozone der Abstand zu Frankreich mit nominalen +42,51% und vor allem zu Spanien mit nominalen +52,20%! In Griechenland begrenzten die drastischen Einbrüche von -6,8% in Q1 2011, von -6,5% in Q4 2010 und von -6,6% in Q3 2010, den gesamten nominalen Anstieg der Arbeitskosten seit 2000 auf noch +32,56%.

Selbst nur unter der Betrachtung der nominalen Arbeitskosten, wenn man die erzielte Arbeitsproduktivität  und die entscheidenden Lohnstückkosten, sowie die Qualität und Attraktivität der Produkte außen vor lässt, ist Deutschland wegen seiner moderaten nominalen Arbeitskosten kein wirklich teurer Standort, sondern bewegt sich im Mittelfeld:

Die nominalen Arbeitskosten pro Stunde laut den letzten verfügbaren Daten von Eurostat einiger europäischer Volkswirtschaften aus 2010 und 2009 in Euro.

Quelle Daten: Eurostat.ec.europa.eu/PDF: Arbeitskosten Q1 2011, Eurostat.ec.europa.eu/Datenbank

Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

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