Argentinien weist den Weg

von am 22. Mai 2012 in Allgemein

Ein Blick nach Argentinien, ein Land das sehr schön zeigt, dass es nach der Lösung der Dollar-Bindung, sehr wohl zügig in Richtung Wachstum und einer Auflösung der zu Grunde liegenden Ursachen der argentinischen Krise ging. Nachdem es in der zweiten Hälfte der 90er Jahre, in Folge der Dollar-Bindung zu unhaltbaren Leistungsbilanzdefiziten und zu hoher Neuverschuldung des Staates kam, versank Argentinien 1999 in einer Rezession und 2001/02 ging das Land in einem wirtschaftlichen Sturzflug über, einer fatalen Krise die einem volkswirtschaftlichen Schock gleichkam. Das reale BIP brach während dieser Zeit, von 1998 bis 2002 um -21% ein, die Arbeitslosigkeit explodierte auf 23%. Kommt einem doch irgendwie bekannt vor, ähnliche Daten gibt es in Griechenland zu “bestaunen”. Nun wird zunehmend in etlichen Medien, von Politikern oder Experten mittels Nebelkerzen betont, dass es in Griechenland ohne Euro noch schlimmer käme, nur das argentinische Beispiel zeigt, wenn sicher auch nicht 1:1 auf Griechenland übertragbar, dass diese Argumentation sehr wahrscheinlich wenig Substanz hat.

Die Entwicklung des argentienischen realen BIPs in Prozent zum Vorjahresquartal seit Q1 1994 bis Q4 2011 im Chart. Nachdem Anfang 2002 das Korsett der Dollar-Bindung aufgegeben wurde, kam es bereits in Q1 2003 wieder zu einem realen Wirtschaftswachstum, sogar relativ stetig, nur in Folge der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise kurzeitig 2009 mit nach unten gezogen. In Q4 2011 wuchs das reale BIP um +7,3% zum Vorjahresquartal und im Gesamtjahr 2011 real um +8,9% zum Vorjahr!

Die Entwicklung des unbereinigten Industrieproduktionsindex seit Januar 1994 bis März 2012 im Chart. Deutlich sichtbar, der Einbruch 2001/2002, aber auch in Folge die stetige Aufwärtsentwicklung. Zum Tief im Februar 2002 mit 57,3 Indexpunkten ist der Output bis März 2012 um +131,6% gestiegen auf 132,7 Indexpunkte.

Die Entwicklung des unbereinigten Export- (rot) und Importvolumens (blau) bei Waren und Gütern in Mrd. Dollar seit Januar 1980 bis Dezember 2011 im Chart. 2002 kam es nach mehreren Jahren Handelsbilanzdefiziten zu einem brachialen Einbruch der Importe, seitdem funktionierte die Feinsteuerung über die eigene ungekoppelte Währung, denn die Importe blieben per Saldo des Jahres immer deutlich unter den Exporten und dies führte zu Überschüssen.

Diese Handelsbilanzüberschüsse und in Folge Leistungsbilanzüberschüsse halfen eine Nettoauslandsverschuldung aller Bereiche der Volkswirtschaft Argentiniens in einen Nettoauslandsvermögen umzuwandeln.

Die Entwicklung des NIIPs Argentiniens seit 1991 bis 2010 im Chart. Zügig gelang es eine nahezu hoffnungslose Situation umzukehren und am Ausgang der Krise mit einem Nettoauslandsvermögen zu glänzen.

Das NIIP ist die Saldierung aller Auslandsforderungen und Auslandsverbindlichkeiten, der Vermögensstatus eines Landes und spiegelt die Nettoauslandsverschuldung oder eben das Nettoauslandsvermögen wider.

Auch die Staatsverschuldung im Verhältnis zum nominalen BIP konnte von 166,4% im Jahr 2002 auf zuletzt 42,4% in Q3 2011 zurückgedreht werden. Nur der Rückgang der Schuldenquote in Q3 2011 zum Vorjahresquartal betrug beachtliche 4,3 Prozentpunkte!

Diese Betrachtung ist ausschließlich eine anhand der vorliegenden statistischen Daten, dies sagt nichts zu den sicher weiterhin auch in Argentinien schwelenden Problemen und potentiellen Fehlentwicklungen, aber diese Daten zeigen sehr wohl, dass man eben mit einer richtigen Wirtschafts- und Finanzpolitik und den dazugehörigen Entscheidungen, selbst aussichtlose Fälle in Punkto Defizite und Verschuldung ins Positive drehen kann und man staune, selbst obwohl überall auf der Welt produziert wird und vermeintlich Überkapazitäten herrschen, auch eine Industrie entwickeln und deren Output mehr als verdoppeln kann. Das alternativlose Geschwätz vom Untergang des Abendlandes bei einem Verlassen des Euros sollten die Griechen zügig beiseiteschieben und sich auf die Chancen konzentrieren, die eine eigene Währung mit der entsprechenden Geldpolitik generieren kann.

Quelle Daten: Indec.gov.ar/Argentienisches Statistikamt

Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

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57 KommentareKommentieren

  • Frank Bell - 22. Mai 2012

    Hallo, auch Island wird gerne als Beispiel genommen, wie es schnell besser wird, wenn man nicht auf den IMF und Konsorten hört. (Wobei ich gerne wüsste, ob es den Menschen WIRKLICH besser geht, oder nur die Statistik geschönt wurde.)

    • Querschuss - 22. Mai 2012

      Hallo Frank Bell,
      ein Nettoauslandsvermögen lässt sich wohl kaum fälschen, hinterfragen kann man höchstens die Qualität der Forderungen die dahinter stehen, nur dieses Problem haben Alle, insbesondere Deutschland, wegen den massiv darin enthaltenen uneinbringbaren Forderungen.

      Ich sehe auch wenig Sachgrund, warum die anderen Wirtschaftsdaten Argentiniens mehr gefälscht sein sollen als irgendwo anders auf der Welt.

      Gruß Steffen

  • Ulrich - 22. Mai 2012

    @Frank: Da gebe ich dir Recht. Da müsste man mal in Argentien vor Ort sich umschauen. Wer weiß wo diese Überschüsse landen. Ehrlich gesagt muss ich sagend as IWF & Co bis jetzt, in Griechenland., keinen besonderen Job geleistet haben. Da erhofft man sich doch mehr…

  • Frankenfurter - 22. Mai 2012

    erschließt sich mir nicht die Beweisführung. Die Gauchos haben eine Deinvestitionsphase von 10 Jahren (1993-2003) hinter sich gebracht bis wieder Geld ins Land floss. Und wenn ich mir das BIP pro Kopf anschaue, erkenne ich nicht, dass seit der Dollartrennung 1998 eine Verbesserung eingetreten ist ggü. Vorkrisenniveau in Dollar nicht und in Peso nicht wirklich…

    • Querschuss - 22. Mai 2012

      Hallo Frankfurter,
      wo hast du denn das BIP pro Kopf als Zeitreihe her? Kann mir nicht vorstellen, das dieses seit 2002 nicht verbessert haben sollte, bei dem kräftigen realen BIP-Wachstum. Eine Umkehrung des NIIPs ist doch ein schöner Erfolg und Beleg, dass sich die Lage der Verschuldung grundlegend positiv aufgelöst hat.

      Gruß Steffen

      • aquadraht - 22. Mai 2012

        Was Frankenfurter behauptet, ist trivial falsch, siehe http://en.wikipedia.org/wiki/List_of_countries_by_GDP_%28real%29_per_capita_growth_rate . Die Fünfjahres-Annualisierung erfasst zwar blöderweise den Zeitraum 2001-2005, und damit die Jahre vor und nach dem Schuldenschnitt ungefähr zu gleichen Teilen. Der Folgezeitraum zeigt dann deutlich, dass auch das GDP/capita kräftig gewachsen ist.

        Ich frag mich manchmal, was die Leute hier so ins Blaue rein behaupten. Und das mit Wiki war jetzt nur ein Schnellschuss, ich bin kein Lateinamerikaexperte.

        a^2

        • Georg Trappe: - 23. Mai 2012

          BIP pro Kopf ist eine Sache und verstellt so manchem den Blick fuers Eingemachte.
          Wie sie die Einkommensverteilung aus?
          Wie die Vermoegensverteilung?
          Theil Index oder Gini Koeffizient ueber Zeit?
          Viele Gruesse
          Georg Trappe

          BTW, Alle! PIGS hatten vor der Euro Einfuehrung deutlich hoehere Gini Koeffizienten als die Nordlaender. Allerdings sanken diese im Zeitraum 199x bis 2000. Im Norden stiegen sie im gleichen Zeitraum an. Nach Euroeinfuehrung weiss man nichts genaues. Zumindest habe ich noch nichts belastbares gefunden. Mein Tip sie stiegen auf breiter Front.
          http://www.uib.es/congres/ecopub/ecineq/papers/100Dominguez-Nunez.pdf

  • Systemfrager - 22. Mai 2012

    Athen müsse unbedingt “in der Euro-Zone bleiben”, heißt es im
    Gipfel-Kommuniqué.

    WARUM?

    1:
    Ist GR weg, dann kann nur Spanien der Prügelknabe unserer
    verbrecherischen neoliberalen “Eliten” sein, und dann hat man ein Problem.
    Den Griechen ist es so bequem vorzuwefen, der Staat habe an die Bürger
    Geschenke gemacht, das neoliberale Mantra “Leben über Verhältnisse” !!!!
    In Spanien ist die Privatwirtschaft der Schuldenmacher. Nicht der Staat.
    Der Stat soll nur die Verluste, also den Raub der Banken und des
    Kapitals finanzieren

    2:
    Nur so kann man GR endgültig ausplündern.
    Was in GR passiert ist Zinsknechtschaft wie aus dem Bilderbuch – und
    ein typischer neoliberaler Genozid und Völkermord.
    Nichts zu ändern bedeutet für die Griechen
    - weitere 100 Generationen als Sklaven für die Banken und Kapital zu
    schuften
    - mittlerweile wird man den Griechen alles “abkaufen” was sie überhaupt
    haben

    • HaPennyBacon - 22. Mai 2012

      Fehlt noch:
      3. Man hat panische Angst das das Schule macht. Wenn Griechenland austritt und sich dort die Situation zu bessern beginnt, dann würden die übrigen PIGS sehr schnell folgen.

  • titoslavija - 22. Mai 2012

    mittlerweile gehört argentinien ähnlich wie venezuela zu den schurkenstaaten aus sicht amerikas, weil man versucht hat sich aus der dollarherrschaft zu lösen, und argentinien genau wie venezuela ernsthaft versucht die sozialen probleme im land zu lösen. allerdings gehen die überschüsse des landes wie richtig angemerkt von ullrich in die taschen einiger weniger oligarchen zu denen die usa beste verbindungen pflegt (die versucht haben chavez umzulegen).
    die wirtschaftliche entwicklung eines landes hat allerdings nichts damit zu tun in wessen taschen das geld fließt, das ist wie überall auf der welt nicht viele, die abkassieren.
    denn och hat argentinien ähnlich wie venezuela und jetzt bolivien wie eine positive entwicklung der wirtschaft ohne enge anbindung an den dollar (das gleiche gilt übrigens auch für den iran) möglich ist, wenn es jetzt gelingen sollte den oligarchen ein wenig geld abzunehmen und es insgesamt gerechter zu verteilen, dann weren wir bald wieder eine auswanderungswelle aus europa nach südamerika haben. allerdings wird da amerika versuchen die südamerikaner arm zu halten.

  • Delta120 - 22. Mai 2012

    Der argentinische Weg wäre durchaus für Griechenland gehbar, jedoch nur außerhalb der Eurozone. Dies ist jedoch von der politischen Elite absolut nicht erwünscht!
    Man würde ja vor einem Problem eines wirtschaftlichen Zwergenstaat kapitulieren.

    Eine Heilung der Südschiene soll innerhalb der Eurozone durchgeführt werden. Wie jedoch die aussehen könnte, ist mir fremd. Selbst von dem UltralinkenTsipras höre ich nur, dass neues Geld gefordert wird, aber keine Arbeitsplätze um Leistungen für die Geberländer zu erzeugen.

    Ich befürchte, dass außer “Geld drucken” nichts brauchbares passiert und das nach dem Strohfeuer ein noch kälterer Winter in den südlichenLändern einzieht. Man ist Gefangener der eigenen neoliberalen Politik, die ja bis vor ca. 4 Jahren recht erfolgreich war. Doch unscheinbar kam es im inneren der Wirtschaftzone zum Monopoly Effekt und die Südschiene gehört nicht zu den Gewinner des Spiels.

    Vielleicht ist der Weg der jetzt gegangen werden muss, der mehr dirigistische Weg wie Ihn z. B. Argentinien und China gehen?

  • titoslavija - 22. Mai 2012

    schlussfolgerung: griechenland muss so schnell wie möglich austreten ansonsten wird dort die schere zwischen arm und reich bald so sein wie in südamerika.

    • TrooperCooper - 22. Mai 2012

      Euro-Ausstieg seitens Griechenland ist die unilaterale Option welche von Griechenland in die Wege geleitet werden könnte um wieder eine Kapazitätsauslastung und Wachstum anzugehen (und früher oder später werden sie das selber in die Wege leiten, wenn man sie wie bisher von unserer Seite am langen Arm verhungern lässt). Es ist aber nicht zwangsweise die einzige Option.

      Die (aktuell versuchte) interne Abwertung funktioniert nicht, da die Belastungen des Binnenmarktes und die Wettbewerbsfähigkeitsdivergenzen zu groß sind.

      Daher kann eine Kurierung innerhalb des Währungsverbundes nur als konzertierte Aktion aller beteiligten Volkswirtschaften stattfinden. Die Nordeuropäer (um nicht zu sagen: die Deutschen) müssen durch stärkere Lohnsteigerungen (und damit Inflationsraten) dabei helfen, die Lücke in den Wettbewerbsfähigkeiten zu schließen. Hilfsmittel wie Euro-Bonds, Stützungsmaßnahmen der EZB und Rettungsschirme müssen gleichzeitig helfen, die Zeit der Anpassung zu überbrücken.

      Aber ich würde wetten, jeder der in Berlin fordert Deutschland müsste seine Exportüberschüsse aufgeben wird angeschaut wie ein Wesen vom anderen Stern. ;-)

    • Rückrat - 22. Mai 2012

      Dito. Das Problem wird dann sein, dass die Europäer diese Schere zwischen Arm und Reich nicht mehr “gewohnt” sind und aufbegehren werden. Dabei wird aber eher ein Zerreiben der Schwachen an den Schwächsten stattfinden, als dass man die Profiteure und Verursacher angeht.

      Ich frage mich beispielsweise wie es angehen kann, dass Griechenland dem Vermögensabfluss zuschaut, anstatt über Nacht und ohne Ankündigung Kapitalverkehrskontrollen einzuführen. Wer Kapitalflucht betreibt, sollte “zu Hause” enteignet und kriminalisiert werden. Aber vergleichbar mit Russland und Südamerika hat sich in Griechenland eine Oligarchie ans Reedern und einigen wenigen reichen Familien den Staat zur Beute gemacht… Und der internationale Mopp pisst sich gegenseitig ans Bein. Das kann nur im Sinne der Verursacher und Schuldigen sein.

      Der Unterschied zwischen Argentinien und Griechenland besteht in einer sehr leistungsfähigen Landwirtschaft der Argentinier. Die Griechen hätten ohne Europa einen Steinzeitkapitalismus zu erwarten, in dem man täglich um den vollen Magen zu kämpfen hätte (was in Südamerika auch Massen von Leuten tun müssen, aber seit Urzeiten gewohnt sind).

  • Ro - 22. Mai 2012

    Als Ergänzung:

    “Europa fährt mit vollem Rohr und durchgetretenem Gaspedal gegen die Wand

    von Boris Johnson (Bürgermeister von London): Der G8-Gipfel hat eine brillante Lösung für die Probleme der Eurozone. Präsident Obama hat verkündet, dass jetzt die Zeit für „Wachstum und Arbeitsplätze“ gekommen ist. Sehr schön. Goldrichtig. Ich zeige Ihnen jetzt, wie man Arbeitsplätze schafft – nach der Brüsseler Methode.”

    weiter Inhalt des Artikels, welchem ich zu 99 % umfänglich (bis auf die Wachstumsdogmatik) :
    zustimmen möchte:

    http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/europa_faehrt_mit_vollem_rohr_und_durchgetretenem_gaspedal_gegen_die_wand/

    Argentien weist den ersten nächsten Schritt für Teile des Eurodiktats.

    Weiter müssten folgen.

  • Petra Zitzl-Dumont - 22. Mai 2012

    Na endlich mal ein gutes Beispiel, wie die ganze Sache gelöst werden kann.
    Die Charts zeigen deutlich ein gesundes Wachstum seit 2002 an.
    Eine Verdoppelung des Industrieproduktionsindex in 10 Jahren, eine Verachtfachung der Importe und eine Vervierfachung der Exporte innerhalb von 10 Jahren sind klare Indikatoren einer nachhaltigen und gesunden Expansion und dürfte, falls sich Argentinien einigermaßen gut abkoppeln kann, auf die Sicht von einigen Jahrzehnten (natürlich mit kleineren Ausrutschern nach unten) auch mit ähnlichen Raten (ca. 7% pro Jahr) weitergehen.
    Argentinien hat enormes Potential v.a. im Bereich der Landwirtschaft, da das Land völlig unterentwickelt ist und enorm große ungenutzte und brachliegende Flächen hat, die es gilt zu erschließen.
    Überhaupt ist der gesamte südamerikanische Kontinent eine unentdeckte Perle und hat die Möglichkeit zu einem Produktionsstandort für riesige Mengen an landwirtschaftlichen Erzeugnissen, Rohstoffen, Strom usw. zu werden. Die für Europäer unvorstellbar großen Flächen, die nur darauf warten erschlossen zu werden, lassen das Herz jedes Unternehmers aber auch Konsumenten höher schlagen.
    Was Argentinien, Brasilien, Chile usw. in den letzten Jahren geleistet haben lässt auf eine famose Zukunft für diese Staaten und seine Bürger schliessen.
    Kann man nur hoffen daß wir auch ein bißchen von dem riesigen Kuchen abbekommen.

  • marcito - 22. Mai 2012

    EINSPRUCH!

    In Argentinien ist leider gar nichts gelöst worden.

    Ich habe in Argentinien gelebt und auch den Staatsbankrott miterlebt. Bis zum heutigen Tage habe ich Freunde in Argentinien. Leider ist es nicht so positiv und einfach wie es die Charts und Statistiken zeigen. Auch hier gab es nur eine Umverteilung von den 99% zu den 1% und es enstand ein subventionierter und schuldenfinanzierter Konsumboom sowie eine Liquiditätsblase.
    Argentinien ist eigentlich nach wie vor Pleite und wird auch wieder massivste Probleme erhalten sobald das Geld rausfließt.

    Island hat es m.e. nach bisher ganz richtig gemacht, aber auch hier Ende noch offen.

    lg marcito

    • Querschuss - 22. Mai 2012

      Hallo Marcito,
      ich habe doch im Artikel eingeräumt das dies nur die rein statistische Sicht ist und aus dieser wurde aus einer Nettoauslandsverschuldung eben ein Nettoauslandsvermögen erzielt, so das zumindestens von einer Schuldenkrise keine Rede mehr sein kann. Das die Umverteilung auch in Argentinien ein Problem ist, überrascht mich nicht, denn diese Umverteilung ist mittlerweile global und systemimmanent. Trotzdem dürfte eine über 130% Steigerung der Industrieproduktion und Exportüberschuesse und ein Nettoauslandsvermögen sich auch irgendwo im Schnitt für die Bevölkerung positiver darstellen, als ein Einbruch der Industrieproduktion von -33%, wie in Griechenland, hohe Arbeitslosigkeit und eine hohe Nettoauslandsverschuldung.

      Gruß Steffen

      • marcito - 22. Mai 2012

        gebe ich dir zu 100% recht, steffen.
        mein kommentar ging auch an “Petra Zitzl-Dumont “

    • titoslavija - 22. Mai 2012

      verssteh ich nicht, argentinien hat aber einen deutlichen exportüberschuss und gibt nicht mehr aus als es einnimmt.

  • Rainer - 22. Mai 2012

    Ob Argentinien heute tatsächlich auf dem Weg der Besserung ist, kann ich nicht beurteilen.

    Was definitiv feststeht: Argentina ist das Paradebeispiel für eine verfehlte Währungsanbindung. Um so beeindruckender ist die Sturköpfigkeit, mit der dieser gigantische Fehler in Europa wiederholt wurde.

    Wäre man an dieses Projekt einfach nur sachlich herangegangen, hätte es den Euro niemals geben dürfen. Der politische (ideologische) Überbau ist die zweite Katastrophe.

    Gruß

  • dank - 22. Mai 2012

    Haben sich nach der Rezession einheimische Oligarchen die ganzen argentinischen Schnäppchen “geleistet” – mit Connections und Geld, das sie vorher schön in Sicherheit gebracht haben (wie die TOP1000 in GR)? Und wenn keiner kommt, der ihnen die Spielzeuge wieder wegnimmt – dann gehts auch aufwärts, aber mehr auf deren Konten, als in der breiten Bevölkerungsmasse oder im Land.
    Aber grundsätzlich widersprich dies ebenso nicht dem Tenor des Artikels:
    Außerhalb des Euro wirds für GR sicher kein Spaß, aber es hat bessere Chancen. Allerdings hab ich wegen der GR Milliardäre und deren Einkaufsmöglichkeiten (mit den gebunkerten schweizer Euros) ganz ehrlich auch meine Bedenken, dass sich für die GR Bevölkerung viel verbessert – aber das ist ein anderes Thema…

  • Frankenfurter - 22. Mai 2012

    @aquadraht
    sie haben Recht. Meine Bipzahlen für Argentinien gehen nur bis 2006. siehe Wikipädia: “Agentinien”. Bedeutet:es hat volle 8 Jahre gedauert bis die Kennzahlen für Bip- pro-Kopf annähernd Vorkrisenniveau (1998) erreicht haben. Und das nur in Pesos gerechnet NICHT in Dollar. Achja die galoppierende Inflation, ist die eigentlich gestoppt in Argentinien? Ich glaube nicht. Wie lange dauert eigentlich die Griechenlanddepression? Ich habe den Eindruck hier wird Pest mit Cholera verglichen unter Missachtung der Zeitachse….

    • Querschuss - 22. Mai 2012

      Hallo Frankfurter,
      warum kommst du immer mit 1998, Anfang 2002 wurde die Dollarbindung aufgehoben. Auf die Idee das deine Zeitachse vielleicht nicht stimmig ist kommst du natürlich nicht. Die Fakten, dass das reale BIP schon ein Jahr später ansprang, die Industrieproduktion stieg und ein stetiger Handelsbilanzüberschuss generiert wurde und in Folge aus einer Nettoauslandsverschuldung ein Nettoauslandvermögen wurde, kann man doch nicht einfach wegwischen. Argentinien, als Summe der Bereiche der Volkswirtschaft hat die Schuldenkrise in Folge der Lösung vom Dollar überwunden. Nicht mehr und nicht weniger lautete die These im Artikel.

      Hier noch das BIP je Kopf in Dollar zu den jeweiligen Preisen laut der IMF-Datenbank:
      1995: 7,418.418
      1996: 7,734.132
      1997: 8,228.655
      1998: 8,306.193
      1999: 7,794.030
      2000: 7,733.407
      2001: 7,241.073
      2002: 2,738.448
      2003: 3,420.614
      2004: 4,002.927
      2005: 4,741.804
      2006: 5,492.074
      2007: 6,659.457
      2008: 8,255.830
      2009: 7,732.795
      2010: 9,131.328
      2011: 10,944.712
      2012: 11,453.401 (geschätzt)

      Auch ein Blick auf die Kaufkraftparität pro Kopf ist aufschlußreich, denn der freifloatende Peso hat im Inland mehr Kaufkraft als die Messung in Dollar es nahelegt.
      Selbst wenn man den Ausgangspunkt vor der Krise 1998 nimmt, dort waren es 9’455 Dollar in purchasing-power-parity (PPP) per capita GDP und dann 2011 17’516 Dollar, was doch durchaus eine sehenswerte Entwicklung darstellt. Immerhin ein Anstieg von +85,3% und damit höher als der Anstieg in Deutschland seit 1998 mit +57,9% gemessen in Kaufkraftparität je Kopf.

      Gruß Steffen

  • Roland - 22. Mai 2012

    Griechenland hat 20 Jahre der De-Industrialisierung hinter sich.

    Es gibt dort praktisch keine Industrie mehr, die bei einem Umstieg auf die Drachme anspringen könnte.
    Dem Land ist nur mit einem europäischen “Marshall-Plan” zu helfen.

    Wenn dies nicht geschieht, wird die Verelendung weitergehen und sich möglicherweise über kurz oder lang eine richtige Revolution mit radikaler Enteignung der Reichen Bahn brechen.

    • Rückrat - 22. Mai 2012

      Dumm nur, dass sich die richtig Reichen schon abgesetzt haben.

      Einen Marshall-Plan sehe ich nicht, da sich damit die anderen Europäer = Wettbewerber ins eigene Knie hacken würden. Was hätte wohl Deutschland für ein Interesse einen griechischen Mittelstand zu päppeln, der dann den Süddeutschen mit niedrigeren Löhnen ans Bein pisst. Schon in Ostdeutschland wurde praktiziert, wie man sich das System vorstellt. Hier wurde auch ALLES heruntergefahren und nach 1990 vom Joghurt bis zum Klopapier alles aus dem Westen “importiert”. Vorher lebte die DDR versorgungstechnisch (Nahrung) dagegen relativ autark.

      Ich kenne Bauern, die haben nach 1990 teilweise die Ernten vergammeln lassen, weil im Osten einfach keine Verarbeiter mehr da waren und wir blöden Ossis die Milch aus dem Westen gesoffen haben.

      So läuft es auch in Griechenland, Portugal etc. Man wird “beliefert” und dabei ausgeweidet ohne es zu merken. Dieses Rad zurückzudrehen hieße, nicht mehr beim Deutschen zu kaufen. Wäre konsequent und wird früher oder später auf Grund steigender Energiepreise eh wieder so werden.

  • hunsrückbauer - 22. Mai 2012

    GR wird möglicherweise aus der €-Zone ausgetreten und sich diesen Austritt von seinen Gläubigern vergolden lassen als eine Art Restarthilfe. GR wäre schön blöd, wenn es seine Peiniger nicht noch einmal melken würde bevor es diese in den A tritt.
    Andere werden dann folgen. Über bleiben wird D mit dem € dann zu Grabe getragen. Bin übrigens ein großer Fan von Chavez, La Lula, Kirchner. Noch mehr davon und der Ami kann garnicht so viele $ drucken wie Krieg führen müßte um ihn am Leben zu halten. Das allein wäre doch schon ein Erfolg.

  • Bernd Rickert - 22. Mai 2012

    Die südamerikanische Schuldenkrise war durch einseitige Handelsbeziehungen der lateinamerikanischen Staaten zu ihren industrialisierten “Patronatsstaaten” verursacht.
    Handelsbeziehungen innerhalb Südamerikas existierten fast nicht.

    Die Investoren in der Peripherie hatten dort Tochtergesellschaften gegründet, die ihre Profite in die Muttergesellschaften abführten, indem sie von dort Schrott zu überteuerten Preisen importierten, was zu Handelsbilanzdefiziten führte.

    • Bernd Rickert - 22. Mai 2012

      “indem sie nach dort Schrott zu überteuerten Preisen exportierten” sollte es korrekterweise heißen.

  • Ed - 22. Mai 2012

    Pest oder Cholera – das ist die Frage bei Griechenland. Fakt ist, dass der Austritt/Ausschluß GR aus der gemeinsamen Währung zu ähnlichen Verwerfungen wie in Argentinien führen wird – nämlich zu bürgerkriegsähnlichen Zuständen und glaube nur keiner, dass sich einer der “großen” Wortführer die jetzt vor den Wahlen ihre Reden schwingen auch nur ein paar Wochen an der Macht halten kann. Argentinien hat glaube ich 5 Präsidenten im Nu verschlissen.Außerdem hat GR den Euro als Währung – Argentinien hatte es hier wesentlich leichter in der parktischen Umsetzung des Staatsbankrotts.
    Ich bleibe dabei: Entweder reset der ganzen Eurozone, oder hohe Inflation ( Müller spricht von 10% offiziell = 15/16/20% inoffiziell) – oder erst das eine dann das andere als logische Konsequenz. Fakt ist, dass die Guthaben/Einlagen in welcher Art auch immer herangezogen werden MÜSSEN.

  • Vogel - 22. Mai 2012

    Nun wird zunehmend in etlichen Medien, von Politikern oder Experten mittels Nebelkerzen betont, dass es in Griechenland ohne Euro noch schlimmer käme, nur das argentinische Beispiel zeigt, wenn sicher auch nicht 1:1 auf Griechenland übertragbar, dass diese Argumentation sehr wahrscheinlich wenig Substanz hat.

    Die Analogie zu Griechenland könnte in einem Punkt kranken: Argentienien konnt natürlich nicht den Dollar durch Aufhebung der Bindung gefährden – ob ein Austritt – wie auch immer geartet – von GR den €uro völlig unberührt lässt? Man darf Zweifeln!

    Am Ende heißt’s dann : “Jo, wenn mir dess vorher gewussd hädde, dann hädde mir des anners gemacht!” Wir werden’s erleben.

  • Vogel - 22. Mai 2012

    Nachsatz:

    Bei allem was richtig ist: Es wird idR zu technisch, zu sachlich – iSv ‘zu unmenschlich’ – argumentiert, siehe auch Kommentar von marcito. Das kann man dann nicht mit der einen oder anderen Einräumung abtun – Steffen, versteh’s nich als Vorwurf, nur als Feststellung, es trifft ja auch viele “technische” Kommentare – nach nix im Portmonnaie kommt halt garnix!

    Natürlich hat auch der ‘kleine Mann’ ein klein bisschen von ‘laisse faire’ profitiert – während der ‘große Mann’ sich die 50 m-Yachten gekauft hat – und will jezz “nach 38 Jahren auf dem Bau” seine 704 € Rente aufessen. “Nein” heißt es, “auch du hast ‘über deine Verhältnisse’ gelebt – und deshalb kürzen wir jezz deine Rente um 15 %” … da iss nix mit technischen, statistischen, sachlichen Argumenten … der Kerl muss Miete zahlen, braucht ne neue Jacke, Hemd & Hose … und hat auch noch Hunger.

    Abhilfe: Politisch entscheiden, den Menschen hier erklären warum der Marshallplan jetzt für die nächsten 30 Jahre in Griechenland zu Hause ist. Notfalls muss man die Menschen hier auch einfach nur fragen: “Was du nicht willst das man dir tu’ das füg’ auch keinem andern zu – oder?”

    • Querschuss - 22. Mai 2012

      Hallo Vogel,
      die Daten zu Argentinien wurden genauso bereitgestellt und bewertet wie alle anderen Daten hier im Blog auch, dass Marcito Freunde in Argentinien hat denen es nicht gut geht, ok., ich kenne in Deutschland auch einige Leute denen es nicht gut geht, das schließt sich mit Exportüberschüssen, steigender Industrieproduktion und Nettoauslandsvermögen nicht aus. Das sind hier immer latent makroökonomische Betrachtungen, dies hat nichts mit unmenschlich zu tun, sondern hier werden nun mal statistische Daten dargestellt und das beeinhaltet nun mal technisches.

      Marcitos Behauptung, “Argentinien ist eigentlich nach wie vor Pleite” ist aus der Sicht des NIIPs falsch, im Gegenteil Argentinien hat seine Nettoauslandsverschuldung in ein Nettoauslandsvermögen gekehrt.

      Aber irgendwann bin ich es hier leid, egal was für Daten präsentiert werden und wie eindeutig diese sind, sie werden ins Gegenteil verkehrt, ignoriert oder in einem Zusammenhang gesetzt wo sie nicht hingehören. Das ein Blog primär mit Daten auch nur eine beschränkte Sichtweise hat ist logisch und wie könnte ich als Einzelner ohne vor Ort zu sein auch allumfassende Einschätzungen geben. Ich verspüre aber immer weniger Lust neben der aufwendigen Arbeit, der Suche nach den Daten, der Erstellung von Charts mich hier auch noch jeden Vorwürfen, Verdrehungen oder Interpretationen zu stellen die meine Texte gar nicht hergeben.

      Gruß Steffen

      • Benedikt - 22. Mai 2012

        Argentinien hat sich aber bis heute nicht mit seinen Gläubigern über die Rückzahlung der Schulden geeinigt. Man liest ab und an, das manche Gläubiger auch das Vermögen von Argentinien Pfänden möchten. Ohne Einigung kann Argentinien keine Schulden im Ausland machen.

      • onepiece - 22. Mai 2012

        Nicht ärgern lassen.

        Ich verstehe auch ehrlich gesagt nicht, was die Einwände bzgl. “aus Sicht des Einzelnen” sollen. Natürlich kann es aus Sicht des einzelnen Menschen ganz anders aussehen.
        Das ist aber auch überhaupt nicht darstellbar, denn wie sollte man den Durchschnitt der Menschen abbilden? Darüber hinaus können wir wohl nur anhand von “harten Fakten” halbwegs sinnvolle Bewertungen treffen, auch, wenns hart klingt, aber das ist wenigstens “ehrlich”, statt das ewige Geschwätz von “alternativlos” und co. Und ich denke auch, dass ein allgemeiner Aufschwung, selbst, wenn er primär die Reichen reicher macht, doch die Ärmeren zumindest nicht ärmer macht. Mehr hat der Artikel doch auch gar nicht gesagt…

        Zum Inhalt selbst: Sehe ich wie Du, die Analogie zu Gr. ist zwar nicht vollkommen, aber die Grundsätze legen doch sehr nahe, dass eine ähnliche Entwicklung möglich ist, wenn auch mit etwas Verzögerung, da die griechische Wirtschaft im Gegensatz zur argentinischen, (noch) nicht die nötigen Kapazitäten hat, die überhaupt “wachsen” könnten. Werden die aber unter einer neuen Währung geschaffen, so scheint mir, dass die Griechen schneller als gedacht wieder auf die Beine kommen könnten…

      • Vogel - 24. Mai 2012

        N’ Abend Steffen,

        stimmt, Du hast recht. Meine o.g. Gedanken (Nachsatz) gehören nicht in dieses Blog.

        Verspreche mich zu bessern!

  • Bernd Rickert - 22. Mai 2012

    Wenn man den argentinischen Staatsbankrott mit dem griechischen vergleicht, sollte man zumindest hinterfragen, wo die Industrienationen nach der Südamerikapleite und dem strategischen Kurswechsel der Weltbank zu mehr unabhängigen, lokalen Handelsbeziehungen ihren abgeschriebenen Maschinenpark möglichst gewinnbringend entsorgen. In Asien, in China, in der neusprech ;) europäischen Peripherie ? In Afrika jedenfalls nicht.

  • Benedikt - 22. Mai 2012

    In Südamerika werden auch gerne hohe Strafzölle für Importe genommen. Wenn die Südschiene keine Geld mehr vom Norden bekommt, werden die auch ihre Märkte abschotten.
    Damit die Exportstartke Industrie bei uns ungestört nach China Exportieren kann, durfte China die Industrie der Südchina kaputt machen. Von dort sind keine Fabriken nach Deutschland gewandert, sondern nach China!
    Wenn der € untergeht, wird es eine Welle von Strafzöllen in Europa geben. Die Industrie weiß was die am Euro hat. Die € Rettung zahlt auch nicht die Industrie sondern der Steuerzahler und Rentner.

  • Boris - 23. Mai 2012

    Salü Steffen
    Nimm’s nicht persönlich – das wegen der Statistik. Als “Normaler” bekommt man bei dieser Medienlandschaft einfach ein etwas ungutes Gefühl bei Statistiken. Wer die zweifelhafte Ehre hatte, das Fach auch in der (Hoch)schule zu studieren, der sah immer mehr, dass dieses Gebiet dazu benützt wird Unklarheit zu schaffen.

    Zu Griechenland. Mag dumm von meiner Seite sein, doch lange konnte ich mir nicht erklären weshalb sich so viele (vor allem Politiker) für dieses “wirtschaftlich” unwichtige Land – derart interessierten? Bezweifelte, dass die Sorge der Bevölkerung galt. Wo doch z.B. eine Merkel sich nicht mal um Mindestlöhne im eigenen Land kümmert. Von anderen “politischen Führern” will ich gar nicht sprechen. In deinem Blog fand ich einleuchtende Antworten und schon deshalb hoffe ich, dass er erhalten bleibt!

    Island ist vielleicht ebenfalls kein schlechter Vergleich? Scheinbar erholt sich das Land – ohne “Hilfe” von aussen. Und wenn nicht, dann hat die neue Regierung dort wenigstens das getan, was die Bevölkerung wollte. Bei Griechenland ist zu befürchten, dass die restliche EU ihnen Steine in den Weg legen wird, falls die neue Regierung raus will. Natürlich nur hinterhältig und versteckt – sonst “akzeptiert” man den Entschluss selbstverständlich ganz demokratisch. Denn vielleicht sind ja nicht nur die Griechen die Schuldigen, welche in Europa auf Kosten anderer gelebt haben? Etwas, dass man leider zu häufig lesen darf.

    • dank - 23. Mai 2012

      (Keine Kritik an Boris)

      “Denn vielleicht sind ja nicht nur die Griechen die Schuldigen, welche in Europa auf Kosten anderer gelebt haben? Etwas, dass man leider zu häufig lesen darf.”

      Glaube fest, dass es nicht DIE Griechen sind – Annahme:
      Morgen erhält jeder der Leser (und deren Kollegen/innen) von querschuesse 6% mehr Lohn – für die nächsten – sagen wir – 7 Jahre – wer würde da nein sagen?
      Sehr wahrscheinlich keiner – die Menschen “untern” nehmen das an und freuen sich. Bis der Tag der Abrechnung kommt. Die wussten das nicht – ganz einfach und banal und plötzlich stehen sie in Euroland als Schmarotzer da (nicht zurecht) und jetzt heißts 30% Minus vom Lohn – sehr nice. Gar nicht nice.
      D, L, NL (anfangs), AT und selbst CH (Fluchkapital) hats genutzt – wir sollten uns freuen. Quatsch – denn es fällt ja doch wieder zurück. Es war nur eine Beruhigungspille der Politik; nicht mehr.

      Zurück zu Satz eins: So lief es einfach im gesamten Club Med – deren Politiker fandens toll (und wurden haufenweise wiedergewählt [mind. parteitechnisch] und bestätigt) und die Politiker in den Zahlerstaaten waren einfach zu blauäugig – gutgläubig und berechnend.
      (Wenn ich jetzt “dumm” schreibe bekommen die von mir nur Absolution und DAS will ich nicht) ;-)

      Grüße&
      dank

  • Frankenfurter - 23. Mai 2012

    Hi Steffen,vielleicht brauche ich eine Brille, aber ich sehe bei deinen IWF-Zahlen zum BIP, dass es zehn Jahre gedauert hat, bis sich rein statistisch nachweisen lässt, dass das Land die sog. “Argentinien-Krise” ( 1998-2002) überwunden hat. Erst im Jahre 2008 war das BIP pro Kopf so hoch wie 1998. Wie lange dauert die akute Griechenlandkrise nun, 2 Jahre, 4 Jahre? Das ist es, worauf ich hinweisen wollte.

    • Querschuss - 23. Mai 2012

      Hallo Frankenfurter,
      im Artikel wurde über das BIP pro Kopf keine Aussage getätigt, sondern nur darüber das bereits nach einem Jahr nach der Auflösung der Dollarbindung das reale BIP und die Industrieproduktion ansprang. Gleichzeitig wurde das Handelsbilanzdefizit in einen Überschuss gekehrt und selbst das NIIP von einer Nettoauslandsverschuldung in Richtung Nettoauslandsvermögen. Das sind Fakten, nur zu diesen trifft der Artikel eine Aussage. Darüber hinaus habe ich beschlossen mich an anderen in den Raum geworfenen Teilaspekten oder zu vermeintlichen Aussagen die ich nie getroffen habe in Diskussionen nicht mehr zu beteiligen. Spart Zeit und Nerven, aber vor allem Zeit, denn die ist ein absolut rares Gut für mich, denn der Blog ist mein Freizeitvergnügen und die Zeit dafür wird eh gnadenlos von mir überstrapaziert. Im Übrigen ist es im globalen Kontext gesehen völlig wurscht, was ich hier schreibe, erst recht ob ich mich zusätzlich auch noch mit jedem Kommentar oder eben auch nicht auseinander setze.

      Gruß Steffen

  • Georg Trappe: - 23. Mai 2012

    Anderes Beispiel. Thailand
    Ausgangspunkt der Asienkrise 1997. Spekulation gegen den Thai Baht der damals ebenfalls an den Dollar gekoppelt war und Rueckzug des sog. “hot money” aus den Tiger Staaten inkl. Thailand. Ein verheerender Zusammenbruch ist die Folge. 1998 gruendet Thaksin die Partei Thai rak Thai = Thai lieben Thai(land). 2001 gewinnt er die wahlen mit grosser mehrheit und wird Ministerpraesident. Er entschuldet das land, macht alles richtig im Sinne des Washington Consensus und wird 2005 ebenfalls mit einer deutlichen Mehrheit wiedergewaehlt. Sein Erfolgsrezept, er tut auch was fuer die Armen, die Landbevoelkerung. Im Mai 2006 wird er raus geputscht, eine Uebergangsregierung eingesetzt und ein gutes Jahr spaeter wieder Wahlen angesetzt. Inzwischen ist Thaksin im Exil, seine partei aufgeloest und die 111 Spitzenpolitiker seiner Partei mit einem 5 jaehrigen.Verbot zur politischen Betaetigung belegt. Die Wahlen liefern eine ueberwaeltigende Mehrheit fier die Nachfolgepartei. Auch diese Regierung scheitert an den Querelen der Eliten und in einem merkwuerdigen Deal kommen die elitefreundlichen/US freundlichen “Demokraten” ans Ruder. Im Mai 2010 kommt es zu Unruhen in Bangkok bei denen die “Demokraten” das Militaer auf Demonstranten schiessen lassen. Scharfschuetzen erschiessen von Hochhaeusern aus Demonstranten u.a. einen uebergelaufenen Militaer im laufenden Interview in den Kopf. Die demonstranten ziehen sich demoralisiert zurueck. Im vergangene Jahr waren wieder Wahlen. Die “Demokraten” wurden abgewaehlt. Thaksins Nachfolgepartei gewinnt wieder haushoch. Seine Schwester wird Ministerpraesidentin und versucht seitdem das Unmoegliche> soziale Reformen durch zu bringen, ohne die das Land unregierbar wird, ohne die Eliten gegen sich aufzubringen.
    50% der Menschen leben von der landwirtschaft. Selbige traegt nur noch 9% zum BIP bei. Mindestlohn 160 baht = 4 Euro am Tag!!!! Eine Erhoehung ist in Aussicht gestellt aber nahezu nicht durchfuehrbar, trotz bequemer Mehrkheit im Parlament, weil die Eliten sich querstellen und Nachteile im Export befuerchten. Ich koennte nochmehr von diesem “Wunder” erzaehlen.
    Aber ich stoppe mal hier und weise daraufhin, das man ganz genau hinschauen muss um neoliberale “Erfolgsgeschichten” zu durchschauen. BIP pro Kopf Wachstum sagt nichts!
    Weder ueber die sozialen Zustaende noch die Nachhaltigkeit einer solchen Entwicklung.
    Sapere Aude!
    Georg Trappe

  • Frankenfurter - 23. Mai 2012

    hallo Steffen, ich wollte Dich nicht ärgern und schätze deine Arbeit hier……

  • tarzun - 23. Mai 2012

    Mal so ne Frage, wie kommt es, dass es bei dieser sehr gut laufenden argentinischen Wirtschaft zu Zwangsenteignungen kommt? Spanische Energieversorger fallen mir da an erster Stelle ein.

    Hier in Europa und den USA werden bankrotte Firmen(Banken) verstaatlicht,
    in Argentinien gut laufende chashflow generierende Firmen.

    Warum? Sozialistisch? Oder gibts da einfach nur langfristigen Geldbedarf?
    (Kein Schuldendienst – keine neuen Kredite – keine freiwillige Investition)

    So weit ich informiert bin, kann ich nicht einfach nach Argentinien exportieren,
    ohne von dort Waren im gleichen Umfang auszuführen.

    Freie Marktwirtschaft?

    Kriminalität, ist ja wohl auch ein Indikator für wirtschaftlichen Wohlstand.
    Sofern richtig erfasst, will ich nicht die dt. Kriminalitätsrate mit der argentinischen tauschen.

    Hier werden noch nichteinmal Äpfel mit Birnen verglichen.
    Trotzdem Danke für die unermüdlichen Darstellung ökonomischer Faktoren.

    • Michael S. - 23. Mai 2012

      Lächerlich so ein Kommentar.

      “Sofern richtig erfasst, will ich nicht die dt. Kriminalitätsrate mit der argentinischen tauschen.”

      ….

  • tarzun - 23. Mai 2012

    @Michael S

    http://www.heuni.fi/Oikeapalsta/Search/1266333832841

    ist sicherlich nicht zum lachen, auch wenn mein Kommentarbesser formuliert sein könnte.

  • chris - 23. Mai 2012

    Es stimmt, dass es nach wie vor Probleme mit Armut gibt, und diese werden sich auch nicht so schnell lösen lassen, da diese sehr stark mit den Schul und Ausbildungssystemen verbunden sind. Was die wirtschaftliche Entwicklung angeht, so haben sich die angeführten Staaten eigentlich sehr gut entwickelt.
    Argentinien hat im Vergleich zu Griechenland wesentliche Vorteile, was die Rohstoffe und die landwirtschaftliche Produktion betrifft.
    Auch die Entwicklung in zum Staatsbankrott kann nicht alleine an der Dollarfixierung festgemacht werden. Mitverantwortlich an der Misere, und da sehe ich eine Wiederholung der Geschichte, war der IMF, der mit seiner Politik das Land in noch grössere Probleme gebracht hat.
    Natürlich darf auch die Korruption in Argentinien nicht unerwähnt bleiben, auch hier liegt ein Grund für die grossen Probleme des Landes.
    Klar ist jedoch, dass Argentinien -mit Beibehaltung der Dollarbindung- voll gegen die Wand gefahren wäre.
    Und was die Rückzahlung der Kredite betrifft, so denke ich, dass diese durch den Zinsenzins der in den letzten 30 Jahren geflossen ist bereits getilgt ist. Was jetzt noch an Papieren in der Welt herumgeistert wird mit grosser Wahrscheinlichkeit nie bezahlt werden. Genauso wird es auch in Griechenland laufen.

  • chris - 23. Mai 2012

    @tarzun

  • chris - 23. Mai 2012

    @tarzun
    1. Die Privatisierung des angesprochenen Unternehmens hat während der Regierung von Menem stattgefunden. Hat sich da jemand in Europa über die korrupte Vorgehensweise jemand beschwert?
    2. Die Nationalisierung von Bodenschätzen ist durchaus vertretbar. Die Anteileigner werden entschädigt. Natürlich nach Abzug der Reparationskosten für die angerichteten Umweltschäden. Oder soll Argentinien sich dem Gutwill eines internationalen Konzernes aussetzen. Zu Ihrer Information sollten Sie sich einmal die Ecuador Ausbeutung durch die Oelkonzerne und deren “Hinterlassenschaft” ansehen.

  • Michael S. - 23. Mai 2012

    Ich schäme mich für einige Kommentare hier!

    Hier wird entweder:

    1. Steffen Dinge in den Mund gelegt, die er gar nicht geschrieben hat!

    2. Man bringt “vermutete Gegenargumente” und Steffen soll dann SELBER die Daten suchen.

    3. Hat ER das dann gemacht (BIP pro Kopf) sagt man dann es wäre irelevant

    4. Man vergleicht selber Äpfel mit Birnen und wirft das anderen vor “dt. Kriminalitätsrate”

    Steffen ist nicht eure ” Mama ”

    Deswegen wird Deutschland auch von solchen Politikern regiert!

    Sobald jemand auch nur den Hauch von einem Lösungsvorschlag macht…

    Hoffentlich werden die TINA Leute hier auch ordentlich bezahlt dafür!

    Michael S.

  • Bernd Klehn - 23. Mai 2012

    Nettoauslandsschulden, Reset durch Insolvenz

    Die Altlasten Argentiniens, nur 60% Nettoauslandsschulden, sind komplett , so wie es sich gehört , in der Insolvenz 2001/2002 aufgelöst worden. Sicherlich hat Argentinien anschließend keine Kredite mehr auf dem internationalen Finanzmarkt bekommen, war aber auch nicht nötig, da ab dann Leistungsbilanzüberschüsse erzielt wurden. Das ist der Weg für die überschuldeten Länder, abwerfen der Altlasten durch Pleite, Lebensstandardreduzierung durch Einschränkung der Ausgaben bei gleichzeitiger Outputsteigerung, so wird innerhalb kürzester Zeit aus einem hoffnungslosen Schuldner ein sehr solventer Gläubiger. Dieses Konzept funktioniert auch innerhalb des Euroraums. Blöd nur, dass mittlerweile die Deutsche öffentliche Hand der Hauptgläubiger der Eurokrisenländer ist.

  • Vielklang - 23. Mai 2012

    @Michael S.: Vielen Dank für deinen Kommentar!!! Absolute Zustimmung meinerseits…

    Steffen, laß dich nicht ärgern ;-)

  • paernu - 23. Mai 2012

    @Bernd Klehn
    Nicht nur die öffentliche Hand, sondern in einem sehr grossem Rahmen die zusätzlichen privaten Altersvorsorgesysteme, die viele von uns direkt oder indirekt haben.

    Daneben viele Spezialfonds die Kapital der öffentlichen Hand zurückgestellt haben z.B. für Entsorgung von Mülldeponien. Weiter Berufsgenossenschaften, auch Gewerkschaften (z.B. Streikkassen) überall wo Kapital möglichst “sicher” in den letzten 15 Jahren angelegt wurde, ist der PIIGS Dreck drin.

    Ganz werfrei ob ich das gut oder schlecht finde, dass die PIIGS zahlen oder nicht. Wenn diese Länder nicht zahlen, wird uns alle dass massiv in unserer Vermögenssituation treffen. Auch diejenigen die jetzt noch der Meinung sind, das ist nicht richtig, dass diese Länder soviel zahlen sollen.

    Das wird die nächste grosse Enttäuschung wenn die Babyboomer, insbesondere die Alt-68er, merken was es an Renten aus den “nichtstaatlichen” Systemen gibt. Bin mal gespannt ob die dann auch noch dafür sind, dass die Griechen, Spanier etc nicht alles zurückzahlen sollen.

    • Erich - 23. Mai 2012

      Es macht keinen Sinn sich an Illusionen festzuhalten, wir dürfen froh sein wenn wir irgendwann von Griechenland mal 10 bis 20 % zurückbekommen. Von Portugal und Spanien vielleicht ein bisschen mehr. Aber das wars dann.

      Auslandsinvestitionen sind halt nun mal unsicherer als die im Inland. Jedes Land muss auf seine eigenen Leute achten, da fallen dann schon mal in der Krise Ansprüche von ausserhalb weg. Würden wir genauso machen.

      Eigentlich geht es nur darum, den Schaden möglichst zu begrenzen, einem Schuldner gutes Geld dem Schlechten hinterher zu werfen, hat noch nie was gebracht. Im Augenblick sind vielleicht mal so 1 bis 2 Billion Euro über den Jordan. Wenn wir so weitermachen, wird es jeden Monat mehr. Wenn man dem Vorschlag von Issing vorletztes Jahr gefolgt wäre, (und ich glaube Steffen lag da ähnlich?), dann wäre für die Griechen das schlimmste wohl schon vorbei. Und wir hätten uns ein paar hundert Mrd Euro gespart.

      In Portugal und Spanien wirds wohl ähnlich sein, wobei wir da sicherlich auf eine höhere Quote zählen dürfen, solange wir damit nicht zu lange warten.