Baltic Dry Index bei 702 Punkten

von am 30. Januar 2012 in Allgemein

Der Baltic Dry Index (BDI), der Preisindex für Frachtraten bei Massenfrachtgüter, wie Kohle, Eisenerze, Zement, Kupfer, Kies, Dünger, Kunststoff-Granulat und Getreide, zieht nun schon seit 29 Handelstagen in Folge kräftig Richtung Süden und markierte heute mit 702 Indexpunkten den tiefsten Stand seit dem 11.12.2008.

Der BDI befindet sich seit dem 12. Dezember 2011 mit 1’930 Punkten in einer kräftigen Abwärtsbewegung. Der BDI rauschte seitdem bis heute um -63,62% ab, auf 702 Indexpunkte. Ein 22-Jahrestief wurde während der Wirtschafts- und Finanzkrise am 05.12.08 mit nur 663 Punkten generiert, das Allzeithoch am 20.05.08 mit 11’709 Punkten. Im Chart bei Querschuesse die Daten seit Januar 1990 (Daily). Der BDI wird seit 1985 handelstäglich von der Baltic Exchange in London veröffentlicht.

Der BDI-Index bildet die Frachtpreise der Standardrouten ab und besteht aus vier Subindizes, je nach Art und Größe der Schiffe, aus Handysize, Supramax, Panamax und Capsize, jeweils mit 25% gewichtet. Der durchschnittliche Frachtpreis für einen Tag der Schiffsklasse Capesize bei den vier wichtigsten Frachtrouten (SPOT 4 TCE AVG), fiel heute um weitere -76 Dollar auf 5’490 Dollar ab. Beim Hoch am 5. Juni 2008 erzielten die Reedereien dagegen 233’988 Dollar als Frachtpreis für Massenfrachtgüter an einem Tag. Die aktuellen Spotpreise decken für die Reedereien nicht mal mehr die Betriebskosten, welche zuletzt 2011 bei 7’437 Dollar pro Tag lagen. Zusätzlich zu den Betriebskosten kommen noch Zinsen und Abschreibungen. Die durchschnittlichen Gesamtkosten (Betriebskosten, Zinsen und Abschreibungen) für ein Capesize-Schiff sollen laut einer Studie von JP Morgan Chase & Co. von November 2008 18’949 US-Dollar pro Tag betragen haben.

Die Frachtpreise für Rohstoffe sind ein Frühindikator für die Entwicklung der Weltwirtschaft und spiegeln die Nachfrage nach den Grundstoffen der Produktion wider. Allerdings werden die Frachtpreise auch von den geschaffenen Überkapazitäten bei Massengutfrachter (auch Bulkcarrier oder Schüttgutfrachter genannt) verzerrt. Allerdings bei -63,62% in 29 Handelstagen dürften neue Frachter nicht primär den Preisverfall erklären, sondern eine Mischung aus nachlassender weltwirtschaftlicher Aktivität, dem chinesische Neujahrsfest (gesetzliche Feiertage von 22.01 – 28.01.2012 in China) und dem Überangebot an Schiffen. Nun müsste eigentlich saisonal bedingt, mit dem Ende der Feiertage in China, der BDI wieder anziehen.

Quelle Daten: Bloomberg.com/Chart mit den täglichen Daten

Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

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6 KommentareKommentieren

  • Ert - 30. Januar 2012

    Im Zusammenhang zu Target2 sicher wichtig:

    “Die Bundesbank konnte grenzüberschreitende Überweisungen im Target-System zuletzt nur noch durch Aufnahme von Depositen ausführen und wurde so zum Nettoschuldner gegenüber den privaten Kreditinstituten!”. Quelle: http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/europas-schuldenkrise/geldpolitik-bundesbank-in-der-klemme-11630038.html

    Schlusssatz: “Schließlich gibt es aber auch die Möglichkeit, dass das Zeitfenster von den Anlegern genutzt wird, um ihr Kapital aus den Krisenländern weiter abzuziehen. Nicht im Rucksack, sondern über das Target-2-System und begünstigt durch gesenkte Sicherheitsanforderungen der EZB. Sollten Reformen weiterhin ausbleiben, so zeigt die historische Erfahrung in Ländern wie Mexiko, könnte diese Variante sehr teuer werden für die Steuerzahler!”

    Sehr direkt… für die FAZ – u.a. der Vergleich zu Mexico.

  • Roland - 30. Januar 2012

    Auch ein andere Konjunktur-Index, die Stahlpreise an der LME, zeigt heute weiter nach unten.

    Und Klöckner, ein Konjunktur-Seismograph, spürt eine deutliche Eintrübung des Geschäftes über praktisch sämtliche Abnehmerbranchen hinweg.
    Schätzung von Klöckner für dieses Jahr ist – 5%.

    Laut Vorstands-Vorsitzendem: “Es könnte aber auch schlimmer kommen”

  • saitham - 30. Januar 2012

    hier auch noch eine Bestätigung:

    http://www.zerohedge.com/news/europe-goes-deep-recession-so-does-half-worlds-trade

  • Song for BDI - 30. Januar 2012

    Jajaja, jetzt wird wieder in die Röhre geguckt,
    Wir mindern das Bruttosozialprodukt,
    Jajaja, jetzt wird wieder in die Röhre geguckt,
    Wir mindern das Bruttosozialprodukt….

  • King Balance - 30. Januar 2012

    Staatsfernsehen: EU-Staaten vereinbaren Fiskalpakt
    Alle EU-Staaten außer Tschechien und Großbritannien haben einen Sparpakt für mehr Haushaltsdisziplin vereinbart. Das teilte Gipfelchefe Herman Van der Rompuy beim EU-Gipfel in Brüssel am Militärflughafen der Presse mit. Die 25 Länder verpflichteten sich in diesem zwischenstaatlichen Vertrag zum Sparen und zur Einführung einer Schuldenbremse.

    Ob sich das positiv auf den Baltic Dry Index auswirkt sollte in “Anbetracht” der Lage einiger Länder (PIIGS) in Frage gestellt werden. Die bezahlen Schulden mit neuen Schulden und keine Sau versteht (bis auf wenige) was da wirklich abläuft. Das schlimme wird sein, wenn der Hunger kommt und die Bank und der Discounter zugesperrt ist. Kein Silber kein Gold um Nahrung zu kaufen (tauschen) beim Bauer. Achtet auf den Goldpreis und den Dollar!!!

  • Roland - 31. Januar 2012

    Schlechte Nachrichten aus China:

    Der Immobilienverkauf in den Neujahrs-Festwoche ist im Vergleich zum vorjährigen Fest um 66 % eingebrochen.
    Vorstufen-Hersteller wie Stahl – und Aluminium-Firmen melden Verluste.

    Hongkong ist im letzten halben Jahr in die Stagnation eingetreten und sieht einer Rezession ins Auge.

    Der Staat muß jetzt sofort dagegen halten, sonst ……