Baltic Dry Index bei 753 Punkten

von am 26. Januar 2012 in Allgemein

Der Baltic Dry Index (BDI), der Preisindex für Frachtraten bei Massenfrachtgüter, wie Kohle, Eisenerze, Zement, Kupfer, Kies, Dünger, Kunststoff-Granulat und Getreide, zieht nun schon seit 27 Handelstagen in Folge kräftig Richtung Süden und markierte heute mit 753 Indexpunkten den tiefsten Stand seit dem 23.12.2008.

Der BDI befindet sich seit dem 20. Dezember 2011 mit 1’878 Punkten in einer kräftigen Abwärtsbewegung. Der BDI rauschte seitdem bis heute um -59,9% ab, auf 753 Indexpunkte. Im Chart die Daten seit Januar 1995 (Daily).

Die Frachtpreise für Rohstoffe sind ein Frühindikator für die Entwicklung der Weltwirtschaft und spiegeln die Nachfrage nach den Grundstoffen der Produktion wider. Allerdings werden die Frachtpreise auch von den geschaffenen Überkapazitäten bei Massengutfrachter (auch Bulkcarrier oder Schüttgutfrachter genannt) verzerrt. Das Hoch beim BDI wurde am 20.05.08 mit 11’709 Punkten markiert und ein 22-Jahrestief wurde während der Wirtschafts- und Finanzkrise am 05.12.08 mit nur 663 Punkten generiert. Am 26.01.2012 liegt der BDI mit 753 Indexpunkten wieder in der Nähe des Tiefs.

Der durchschnittliche Frachtpreis für einen Tag der Schiffsklasse Capesize bei den vier wichtigsten Frachtrouten (SPOT 4 TCE AVG), stürzte heute um weitere -235 Dollar auf 5’732 Dollar ab. Beim Hoch im Juni 2008 erzielten die Reedereien dagegen 234’000 Dollar als Frachtpreis für Massenfrachtgüter an einem Tag. Die aktuellen Frachtpreise decken für die Reedereien nicht mal mehr die Betriebskosten, welche bei 6’615 Dollar liegen pro Tag liegen. Mit Zinsen und Abschreibungen liegen die gesamten Kosten der Reedereien für einen Tag bei einem Capesize Frachter bei 18’949 Dollar.

Quelle Daten: Shipping.capitallink.com/Daten-Zugriff nur nach Anmeldung mit Login, Bloomberg.com/Chart mit den täglichen Daten

Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

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18 KommentareKommentieren

  • Roland - 26. Januar 2012 Antworten

    Bitte berücksichtigen, dass es sich beim BDI nur um die spot-Preise handelt. Längerfristige Fracht-Verträge sehen schon noch anders aus.
    Die Lage der Weltwirtschaft ist (noch) nicht vergleichbar mit der von Dez. 2008.

    Dass es aber langsam nach unten geht, scheint ausgemacht.

    Offensichtlich gelingt es der USA und China nicht, die Bremswirkung, die von Europa ausgeht, zu konterkarieren.

    • Roland - 26. Januar 2012 Antworten

      Monster Worlwide, größte Job-Suchmaschine der Welt und Produzent des gleichnamigen Index erwartet für das erste Quartal 2012 einen Umsatz-Rückgang von 5-7 % und wird selbst 400 Angestellte (von 10.000) entlassen.

      Ein weiteres Anzeichen für die zunehmend lahmende Weltwirtschaft.

  • Bernd Klehn - 26. Januar 2012 Antworten

    Für mich ist es ganz natürlich, dass die Frachtraten weiter abschmieren und zwar sehr langfristig. Die Schiffsablieferungen in 2010 und 2011 haben je 52Mio CGT betragen. Das Mittel zwischen 2000 und 2005, dem Auftreten Chinas auf dem Weltmarkt, betrug nur 22Mio CGT. Zu allem Übel haben die Reeder in 2010 und 2011 für je 38 Mio CGT neue Schiffe bestellt, nachdem sie sich in 2009 mit 16Mio CGT zurückgehalten hatten, wahrscheinlich um sehr niedrige Preise mitzunehmen. Das Frachtvolumenüberangebot ist größer als nach der Wiedereröffnung des Suezkanals in 1973, welche eine 17jährige Frachtraten- und Schiffbaukrise nach sich zog.

    Alles schön abzulesen in der Cesa-Studie Seite 5 und 6.

    http://www.cesa.eu/presentation/pdf_viewer.php?cover=CESA_AR_2010_2011

    • Roland - 26. Januar 2012 Antworten

      Sehr interessanter link.
      Danke.

      • Roland - 27. Januar 2012 Antworten

        Die Analyse von cesa kommt zum Ergebnis, dass der Aufbau von Schiffbau-Kapazitäten ein irrwitziges Niveau erreicht hat und den tatsächlichen Neubaubedarf um 100 % (!) übersteigt.

        Noch gibt es einen (schmelzenden) Auftragsbestand. Wenn im Laufe des Jahres aber Reedereien in Existenz-Schwierigkeiten kommen und die Stornierungen zunehmen, könnte es eng werden.

        Dann rappelt es in den Werften Süd-Koreas und Chinas.

  • Bernd Klehn - 26. Januar 2012 Antworten

    O.T.

    Lieber Steffen,

    die Bilanzsumme des Eurosystems ist weiter wert bemerkt zu werden Sie ist wieder bei 2706Mrd. angelangt. Berücksichtigt man die Absenkung der Mindestreserve am 18.01. 2001 von 206Mrd. auf 103Mrd. Wächst die Bilanzsumme, wie schon langfristig um ca. 25Mrd. Woche für Woche.

    Mit sehr freundlichen Grüßen

    Bernd

  • M.E. - 26. Januar 2012 Antworten

    Ja, Bernd,
    wir werden wohl in den nächsten 2 Jahren einen weitgehenden Zusammenbruch des Reederei- und Schiffbaumarktes sehen.
    Und das werden nicht die einzigen Wirtschaftszweige sein, die vor einem Crash stehen.

    Immerhin – die Aktienmärkte signalisieren: alles im Griff auf dem sinkenden Schiff.

    • Lazarus09 - 26. Januar 2012 Antworten

      Der Verstorbene wurde auch zuletzt noch bei angeblich bester Gesundheit gesehen .. :-)

  • Querschuss - 26. Januar 2012 Antworten

    Hallo Bernd,
    “die Bilanzsumme des Eurosystems ist weiter wert bemerkt zu werden”, keine Sorge mache ich, nur seit der LTRO Injektion gibt es unterm Strich wenig Bewegung und auch wenn man jetzt wieder eine Bilanzsumme von über 2,7 Billionen Euro ausweist, liegt man noch um -27 Mrd. Euro unter dem LTRO-Level.

    Das die Frachtraten angesichts des Angebots von Massenfrachtgütern sicher lange nicht mehr hoch kommen, glaube ich gerne, trotzdem sind sinkende Frachtpreise in 27 Tagen in Folge und um knackige Raten bestimmt nicht darauf zurückzuführen das gerade in den letzten 27 Tagen massenhaft neue Frachter in Betrieb genommen wurden. Die Schwäche ist sicher ein Gemisch aus, zu vielen neuen Frachtern, nachlassender wirtschaftlicher Aktivität weltweit und dem chinesischen Neujahrsfest.

    Gruß Steffen

    • Bernd Klehn - 26. Januar 2012 Antworten

      Eurosystem Bilanzsumme:

      Bereingt man die Bilanz um die jetzt 103Mrd. weniger gebundenen Mindestreserven liegen wir jetzt schon wieder 75Mrd drüber.

  • hunsrückbauer - 26. Januar 2012 Antworten

    siehe MMnews.de:
    die USA boomt…

    • Lazarus09 - 26. Januar 2012 Antworten

      Yawn …wieder mal . Die “Lichtgestalt” Obama beschwört mal wieder mit markigen Worten den amerikanischen Pioniergeist, die Freiheit und Chancengleichheit .. vergisst aber wie alle anderen vor und mit Ihm zu erwähnen das man die auch bezahlen können muss in ” god’s country ” ! ….

      Denn Müll kann man unmöglich ernst nehmen .. :-)

  • Frankenfurter - 26. Januar 2012 Antworten

    Ein charttechnischer Vergleich des Baltic Dry Index mit den Indizes für Rohstoffe über einen längeren Zeitraum müßte den Frühindikator sichtbar machen können. Kann das mal wer machen, oder gibts den schon irgendwo? Ansonsten gute Arbeit hier, danke…..

  • Benedikt - 26. Januar 2012 Antworten

    Ein guter Teil der weltweiten Schiffskredite wurde von der HSH und der Commerzbank vergeben. Wenn das mit den Preisverfall so weiter geht, dürften da ganz viele der Schiffskredite ausfallen. Mal sehen, ob die das ohne Staatshilfe überstehen.

  • Kartoffel - 26. Januar 2012 Antworten

    Dieser Chart wäre ein Paradebeispiel für den Logarithmus.

  • Frankenfurter - 27. Januar 2012 Antworten

    Man soll nie Fragen stellen, die man auch leicht selbst beantworten kann.tsss
    http://www.markt-daten.de/blog/wordpress/wp-content/images/2009/03/20090306-trade-bdi.gif

    • Bernd Klehn - 27. Januar 2012 Antworten

      Danke gibt es auch aktuellere Daten?

  • Steffen B - 27. Januar 2012 Antworten

    Solange es besser ist, zu fahren als nicht zu fahren, also die Preise besser als die Differenz von Fahrtkosten zu Stilllegungskosten sind, können die Preise weiter sinken, auch wenn das ganze langfristig ruinös ist. So ist er halt, der Markt, wenn es ein Ueberangebot gibt. Wenn Fahrten sowieso gemacht werden, kann es sogar noch weiter gehen und jeder Euroeinnahmen lohnt sich (macht die Verluste geringer). Dann ist noch viel Platz bis 0 (logarithmisch gesehen).

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