Baltic Dry Index bei nur noch 680 Punkten
Nicht ohne Grund wurde hier in den letzten Wochen vermehrt der Baltic Dry Index (BDI) präsentiert. Die Talfahrt des Preisindex für Frachtraten von Massenfrachtgütern, wie Kohle, Eisenerze, Zement, Kupfer, Kies, Dünger, Kunststoff-Granulat und Getreide war beeindruckend. Und auch heute ging es abwärts, den 30 Handelstag in Folge in Richtung Süden, auf nur noch 680 Indexpunkte, der tiefste Stand seit dem 10.12.2008 und auch zum 22-Jahrestief vom 5.12.2008 mit 663 Punkten fehlen nur noch -17 Punkte.

Der BDI befindet sich seit dem 12. Dezember 2011 mit 1’930 Punkten in einer kräftigen Abwärtsbewegung. Der BDI rauschte seitdem bis heute um -64,77% ab, auf 680 Indexpunkte. Das Allzeithoch wurde am 20.05.08 mit 11’709 Punkten markiert. Im Chart die Daten seit Januar 1990 (Daily).
Der durchschnittliche Frachtpreis für einen Tag der Schiffsklasse Capesize bei den vier wichtigsten Frachtrouten (SPOT 4 TCE AVG), fiel heute um weitere -111 Dollar auf 5’379 Dollar ab. Beim Hoch am 5. Juni 2008 erzielten die Reedereien dagegen 233’988 Dollar als Frachtpreis für Massenfrachtgüter an einem Tag. Die aktuellen Spotpreise decken für die Reedereien nicht mal mehr die Betriebskosten, welche zuletzt 2011 bei 7’437 Dollar pro Tag lagen. Zusätzlich zu den Betriebskosten kommen noch Zinsen und Abschreibungen. Die durchschnittlichen Gesamtkosten (Betriebskosten, Zinsen und Abschreibungen) für ein Capesize-Schiff sollen laut einer Studie von JP Morgan Chase & Co. von November 2008 18’949 US-Dollar pro Tag betragen haben.
Wenn man bedenkt das der BDI die nominalen Frachtraten abbildet und aktuell die Preise unter dem Niveau von 1995 liegen, bekommt man eine Vorstellung davon, welche Kontraktion der Weltwirtschaft im Anmarsch ist bzw. in was für einen ruinösen Wettbewerb sich die Reedereien befinden. Die Frachtpreise werden zwar sicherlich von den geschaffenen Überkapazitäten bei Massengutfrachter verzerrt, aber -64,77% in 30 Handelstagen sprechen andererseits auch eine klare Sprache.
Quelle Daten: Bloomberg.com/Chart mit den täglichen Daten
Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

marcito - 31. Januar 2012
das 22 jahrestief zu unterbieten dürfte er wohl diese woche noch schaffen.
mal schauen wo ein boden gefunden wird.
600?
500?
250?
0?
Roland - 31. Januar 2012
Jetzt bekommen auch Rohstoff-Spekulanten erste Zweifel:
Die kleine Rohstoff-”Ralley”, die in Spekulation auf eine von den USA ausgehende weltwirtschaftliche Erholung seit Mitte Dezember 2011 losgetreten wurde, scheint einen Dämpfer abbekommen zu haben. Der Rückwärtsgang ist eingelegt.
M.E. - 31. Januar 2012
Ja, ich denke, 2012 wird noch manche Spekulation zusammenbrechen.
Lazarus09 - 31. Januar 2012
Nun wird der BDI wohl den Keller durchschlagen … Anyone surprised ?
M.E. - 31. Januar 2012
Not surprised, but impressed.
Eurelios - 31. Januar 2012
@ M.E.
Zu Deinem Posting:
In recht seltenen Fällen wird sogar mal in der Wirtschaftspresse Klartext gesprochen:
http://www.wiwo.de/finanzen/boerse/banken-anleihe-kauf-im-schneeballsystem/6117846.html
Ich habe Heute folgende Mail an dem Autor geschrieben:
Sehr geehrter Herr Doll
Ihr Bericht ;; Anleihe-Kauf im Schneeballsystem ;; bringt es auf dem Punkt wie es gerade in unseren Finanzsystem steht
Nämlich grottenschlecht.
Danke dafür.
Wie bei jedem Schneeballsystem geht irgendwann der Schnee aus. Sie sind Fachmann wann ist Ihre Meinung nach der
Schnee alle? In 1, 2,3,4 Jahre oder kann man dies unendlich weiterlaufen lassen in dem man immer größere Schneemengen zuführt?
Meiner Meinung geht dies nicht weil es irgendwann zu einem Zusammenbruch kommen muß.
Wäre sehr dankbar für eine Antwort.
Mit freundlichen Grüßen
Günter Schmidt
Habe doch sage und schreibe nach 15 Minuten eine Mail von Rückmail bekommen.
Sehr geehrter Herr Schmidt,
herzlichen Dank für Ihre Nachricht.
Ja, das ist die Frage! Unendlich geht es gewiss nicht, irgendwann kommt der ganze Schnee zurück, alles auf einmal mit einer großen Lawine. Aber wann das genau passiert, kann ihnen weder ich, noch ein anderer „Fachmann“ beantworten, fürchte ich. Ich würde es ja auch sehr gerne wissen.
Mit freundlichen Grüßen,
Frank Doll
Das bestätigt meine Befürchtung das die jetztigen ;;Entscheidungsträger;; egal ob die Geldeliten oder die an ihrer Leine
geführten Politikeliten gar nicht so blöd sein können um nicht zu wissen was da in Zukunft auf uns zukommt.
Es geht doch nur noch um gekaufte Zeit um dieses unselige Geldsystem am Leben zu erhalten und da das Leben
dieser Eliten auch endlich ist denken die wir machen so weiter und je länger es geht ist gut für uns.
Alles ander ist denen egal.
Leider menschlich halt.
Grüße
Eurelios
dank - 31. Januar 2012
Wie sieht es in Relation zu den höheren Frachtkapazitäten aus – ist jemand vom Frachtfach und hat die Zahlen zur Hand?
In Relation wäre es doch sicher möglich zu sagen, wann es denn NOCH schlechter als Dez. 2008 ist – die Überkapazitäten rausgerechnet, oder?
Dazu sieht die Kurve ab Anfang 2004 verzerrt/ungesund aus – damit meine ich keinesfalls die Aufbereitung durch Steffen – aber irgendwie nervös und unstet. Wurde da etwas an der Bewertung oder den Inputzahlen des BDI geändert?
In letzter Zeit begegnen mir immer mehr dieser nervösen erdbebenkurvenähnlichen beklemmenden Grafiken…
mitwisser - 31. Januar 2012
Wenn man sich die Ausschläge so ab 2008 ansieht. dann scheint da auch viel Zockerei am Werk gewesen zu sein. Denn derartige Asuschläge lassen sich mit realen Kosten nicht unterlegen.
dank - 31. Januar 2012
Würde die Zocker fast auf Anfang 2004 rückdatieren.
Wie oben beschrieben zeigen viele Kurven diese Ausschläge – und was außer “zu viel Geld unterwegs” und Zockerei kann es sein?
Sieht auf vielen der Kurven aus wie eine konzentrierte Aktion.
Georg Trappe - 1. Februar 2012
Wann begannen Goldman Sachs und Citi Group / Bank vom “Commodity Hyper Cycle”, “Rohstoff Superzyklus” und aehnlichem zu reden, weil China alles an sich reisst? Und ab wann lagen die Analysten dieser Institute den Managern aller grossen Unternehmen in den Ohren und mahnten dort eine “China Story” = Verlagerung von Produktion nach China an? So funktioniert das “Bubble Engineering” . Siehe auch: http://www.scribd.com/doc/16752803/The-Great-American-Bubble-Machine
Historiker - 1. Februar 2012
@eurelios
Es geht nicht um “gekaufte Zeit”. Es geht um maßlose Bereicherung einer kleinen Kaste auf Kosten des werktätigen Volkes. Leider auch keine Neuheit. Wie schrieb ein Herr Marx vor 150 Jahren:
“Die Verschuldung des Staates war vielmehr das direkte Interesse der durch die Kammern herrschenden und gesetzgebenden Bourgeoisfraktion. Das Staatsdefizit, es war eben der eigentliche Gegenstand ihrer Spekulation und die Hauptquelle ihrer Bereicherung. Nach jedem Jahre ein neues Defizit. Nach dem Verlaufe von vier bis fünf Jahren eine neue Anleihe. Und jede neue Anleihe bot der Finanzaristokratie neue Gelegenheit, den künstlich in der Schwebe des Bankerotts gehaltenen Staat zu prellen – er mußte unter den ungünstigsten Bedingungen mit den Bankiers kontrahieren. Jede neue Anleihe gab eine zweite Gelegenheit, das Publikum, das seine Kapitalien in Staatspapiere angelegt, durch Börsenoperationen zu plündern, in deren Geheimnis Regierung und Kammermajorität eingeweiht waren. Überhaupt bot der schwankende Stand des Staatskredits und der Besitz der Staatsgeheimnisse den Bankiers wie ihren Affiliierten in den Kammern und auf dem Throne die Möglichkeit, außerordentliche, plötzliche Schwankungen im Kurse der Staatspapiere hervorzurufen, deren stetes Resultat der Ruin einer Masse kleinerer Kapitalisten sein mußte und die fabelhafte schnelle Bereicherung der großen Spieler..:”
Weltenbrand - 1. Februar 2012
@ Historiker
Herr Marx wurde gar noch deutlicher: “Das Kreditsystem, das seinen Mittelpunkt hat in den angeblichen Nationalbanken und den großen Geldverleihern und Wucherern um sie herum, ist eine enorme Zentralisation und gibt dieser Parasitenklasse eine fabelhafte Macht, nicht nur die industriellen Kapitalisten periodisch zu dezimieren, sondern auf die gefährlichste Weise in die wirkliche Produktion einzugreifen – und diese Bande weiß nichts von der Produktion und hat nichts mit ihr zu tun.“
Weltenbrand - 1. Februar 2012
@ Historiker
P.S. Wo in Marx’ Werk ist denn diese amüsante Passage zu finden?
Bitte um Antwort
Herzlichst
weltenbrand
Holly01 - 1. Februar 2012
Wenn man bedenkt, viele Investmentbanken haben Lagerkapazitäten aufgekauft und Rohstoffe künstlich durch Lagerung verknappt.
Nicht das ich da schadenfroh bin ……… aber da bekommen einige zu spüren, wie es ist gegen den Wind zu urinieren.
dont panik - 1. Februar 2012
http://egghat.tumblr.com/post/16831969859/nochmal-zum-baltic-dry-dont-panic-ii
@TeraEuro hat gestern einen interessanten Artikel getweetet, in dem behauptet wird, dass in diesem Jahr Schiffe mit einem Gesamtvolumen von
22,7%
der aktuellen Kapazität *aller* Schiffe, die aktuell auf den Weltmeeren rumtuckern, neu auf den Markt kommen sollen. Das Angebot an Schiffen soll also in nur einem Jahr um fast 23% steigen.
Baltic Dry fällt weiter – aber keine Panik.
Der Fall des Baltic Dry Index war hier schon ein paar Mal Thema. Kein Wunder, gilt er doch als guter Indikator für die weltweite Konjunkturentwicklung. Allerdings misst der Baltic Dry nur Teile der weltweiten Schiffscharterraten und außerdem ist er sehr volatil. Andere Indizes verhalten sich deutlich weniger dramatisch, siehe den oben erwähnten Harpex Index, der die Preise für Containerschiffe misst und sich stabilisiert hat.
Außerdem, so unkte ich schon in den älteren Posts zum Thema, tritt das Preistief oft Ende Januar auf. Der Preisrückgang ist also zum Teil normal.
Im großen Chart oben kann man diesen Effekt auch sehr gut erkennen. Der Tiefpunkt in der Mitte ist jeweils das chinesische Neujahrsfest (Betriebsferien, …). Die Charterraten fallen fast immer vorher und steigen fast immer nachher gleich wieder an. Das war 2008, 2009, 2010 und 2011 so. Auch 2012 ist es nicht anders.
Allerdings ist das Ausmaß schon ein anderes als in den Jahren zuvor. Erstens war der Einbruch vorher außergewöhnlich kräftig. Und zweitens bleibt die eigentlich fällige Erholung bis dato aus.
Roland - 1. Februar 2012
Harte Daten von heute aus Korea geben eine offensichtliche Erklärung für den Absturz der spot-Frachtraten:
Der Koreanische Export ist im Januar im Vergleich zum Vorjahresmonat um 6.6. % zurückgegangen (was übrigens zu einem Handelsbilanz-Defizit geführt hat)
Zuwächsen im Export mit China (moderat), Japan und USA (stark), stand ein sattes Minus von 44,8 % mit Europa gegenüber.
Europa ist das Bleigewicht, das die gesamte Weltwirtschaft nach unten zieht.
Dazu passen auch die heutigen Stimmungsindikatoren aus China: Der “offizielle” Einkaufsmanagerindex über der 50er Linie, die Indizes von Markit und HSBC darunter.
Benedikt - 1. Februar 2012
Mal sehen, welcher DE Schiffsfinanzierer als erster wieder staatliche Hilfsgelde abrufen wird. Das wird ein Kopf an Kopf rennen zwischen HSH und der Commerzbank.
Weltenbrand - 1. Februar 2012
Vielleicht kann man ja auch “ungedeckt” drauf wetten!?!
MagnaBavaria - 1. Februar 2012
Das Handelsblatt schiebt heute einen Artikel wegen der aktuellen Verluste nach:
http://www.handelsblatt.com/politik/konjunktur/nachrichten/konjunkturbarometer-stuerzt-ab-warum-der-baltic-dry-index-diesmal-luegt/6135760.html
Historiker - 2. Februar 2012
@weltenbrand
Das Zitat stammt aus “Die Klassenkämpfe in Frankreich 1848-1850″. Hier auch zu lesen:
http://www.mlwerke.de/me/me07/me07_012.htm