Banco de España: negativer Target2 Saldo steigt weiter!

von am 14. Mai 2012 in Allgemein

Heute Morgen berichtete die spanische Zentralbank Banco de España mit den Daten zum Financing in the Eurosystem (April 2012), auch die Target2 Position der spanischen Zentralbank gegenüber dem Eurosystem, als Average of Daily Data für den Monat April 2012. Der negative Target2 Saldo der spanischen Zentralbank weitete sich auch im April 2012 deutlich aus, auf -284,549 Mrd. Euro, nach -252,097 Mrd. Euro im Vormonat. Die spanische Zentralbank ist die Einzige, die den Target2 Saldo auch als Average of Daily Data ausweist, der Datensatz hat allerdings den Vorteil das er als Langfristreihe seit Januar 1999 zur Verfügung gestellt wird und dieser Chart dokumentiert eindrucksvoll die Dynamik der Zahlungsbilanzkrise in Spanien.

Die Entwicklung des Target2 Saldos der spanischen nationalen Zentralbank seit Januar 1999 bis April 2012 als monatlicher Tagesdurchschnitt im Chart. Im April 2012 stieg der negative Target2 Saldo um 32,452 Mrd. Euro auf -284,549 Mrd. Euro.

Hier auch noch der Target2 Saldo der spanischen Zentralbank, als wie sonst üblich mit den Monatsende-Daten, diese werden aber erst Anfang Juni für April 2012 von der Banco de España veröffentlich, allerdings sind diese Daten bereits vom Institut für Empirische Wirtschaftsforschung der Universität Osnabrück errechnet worden und der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt. Ende April 2012 betrug der negative Target2 Saldo -302,840 Mrd. Euro:
Der Target2 Saldo der spanischen Zentralbank jeweils zum Monatsende in Mrd. Euro seit November 2007 im Chart. Im April 2012 stieg die Verbindlichkeit (negativer Target2 Saldo) um 26,807 Mrd. Euro zum Vormonat, auf -302,840 Mrd. Euro.

Der spanische negative Target2 Saldo, steht für die sich Monat für Monat hochschaukelnden Verwerfungen in der Eurozone und für die ungebrochene Zahlungsbilanzkrise in der Eurozone. Weiter machen diese Salden auch deutlich, dass die europäische Finanz- und Wirtschaftspolitik völlig versagt und keine Antworten zur Behebung der manifesten Zahlungsbilanzkrise hat.

Das Zentralbankgeld der NZBs im Eurosystem muss Leistungsbilanz und Kapitalbilanz in Übereinkunft bringen, da private Nettokapitalzuflüsse nicht mehr die Leistungsbilanzdefizite der PIIGSBF finanzieren und Zentralbankgeld nun auch noch zusätzlich die privaten Nettokapitalabflüsse (Kapitalflucht) aus diesen Staaten ausgleichen muss. Damit maximiert sich der Risikotransfer von Privaten (vor allem Banken) hin zu den Zentralbanken und damit in die öffentlichen Hände. Die Liquiditätsflutung des Bankensystems durch die Zentralbanken des Eurosystems per LTRO-Injektionen hat primär die Kapitalflucht innerhalb der Eurozone angefeuert und damit statt zu einer Stabilisierung direkt zu einer weiteren Destabilisierung der Eurozone beigetragen.

Ein negativer Target2 Saldo entsteht aus dem grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr via Target2, er ist die Differenz der Leistungsbilanzdefizite abzüglich der geringeren privaten Nettokapitalzuflüsse oder eben die Summe der Leistungsbilanzdefizite zuzüglich der privaten Nettokapitalabflüsse (Kapitalflucht), der positive Target2 Saldo ist das Pendant dazu, die Differenz der Leistungsbilanzüberschüsse abzüglich der geringeren privaten Nettokapitalabflüsse oder eben die Summe der Leistungsbilanzüberschüsse zuzüglich der privaten Nettokapitalzuflüsse. Bei einem Leistungsbilanzdefizit, das dem privaten Kapitalzufluss entspricht oder einem Leistungsbilanzüberschuss, dem ein adäquater privater Nettokapitalabfluss entgegensteht, gibt es keine Target2 Salden.

Die Target2 Salden bei den nationalen Zentralbanken des Eurosystems entstehen aus dem Target2 Echtzeit-Brutto-Zahlungsverkehrssystem womit der grenzüberschreitende Zahlungsverkehr, ausschließlich mittels Zentralbankgeld abgewickelt wird. An dem Target2 Zahlungssystem sind alle nationalen Zentralbanken des Eurosystems und alle relevanten Kreditinstitute angeschlossen. Fließt Banken eines Landes durch grenzüberschreitende Transaktionen mehr Zentralbankgeld ab als zu, entsteht bei diesen Banken ein Bedarf an Zentralbankgeld, der durch geldpolitische Refinanzierungsgeschäfte des Eurosystems gestillt wird.

Die Target2 Salden entstehen bei den nationalen Zentralbanken im Eurosystem, da eine Transaktion via Echtzeit-Brutto-Zahlungsverkehrssystem nur von der heimischen Bank an die dortige Zentralbank mit Zentralbankgeld ausgeführt wird. Der adressierten Bank im grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr bekommt jedoch die Buchung von ihrer heimischen Zentralbank, ohne das zwischen den beiden beteiligten Zentralbanken Geld floss. Die Zentralbank, die an die adressierte Bank die Gutschrift tätigte, erhält im Gegenzug eine Target2 Forderung gegenüber das Eurosystem und die Zentralbank dessen heimische Bank die Überweisung auslöste eine Target2 Verbindlichkeit gegenüber das Eurosystem (EZB).

Mit dem Target2 Zahlungssystem werden täglich grenzüberschreitende Zahlungen in einem durchschnittlichen Volumen von 2,5 Billionen Euro getätigt, ausgelöst durch täglich durchschnittliche 350’000 Zahlungsaufträge. Den via Target2 abgewickelten Zahlungsaufträgen können unterschiedliche Geschäfte zu Grunde liege, der Kauf oder Verkauf von Waren und Gütern, der Kauf bzw. Verkauf von Vermögenswerten, Wertpapieren, Anleihen usw., die Gewährung und Rückzahlungen von Krediten und vieles mehr.

Die heutigen Daten der Banco de España für April 2012 weisen auch nochmals auf die dramatisch steigenden Nettoforderungen der spanischen Zentralbank gegenüber den spanischen Banken hin, die Nettoforderungen sind die Forderungen aus geldpolitischen Operationen gegenüber den Banken abzüglich der Einlagefazilität der Banken bei den nationalen Zentralbanken im Eurosystem:

Die Entwicklung der Nettoforderungen der spanischen Zentralbank gegenüber den spanischen Kreditinstituten seit Januar 1999 bis April 2012 im Chart. Im April 2012 stiegen die Nettoforderungen auf 263,535 Mrd. Euro, nach 227,600 Mrd. Euro im Vormonat und nach 42,227 Mrd. Euro im Vorjahresmonat.

Aber die Daten verbergen noch eine enorme Brisanz, denn unglaubliche 68,9%, nach 62,9% im Vormonat, der gesamten Nettoforderungen des gesamten Eurosystems (Kreditgewährung aus den geldpolitischen Operationen minus Einlagefazilität) bestanden im April 2012 nur gegenüber spanischen Banken und dies steht für eine explosive Lage im spanischen Bankensystem:

Die Entwicklung der Nettoforderungen des Eurosystems gegenüber den spanischen Kreditinstituten in Prozent zu den gesamten Nettoforderungen des Eurosystems gegenüber allen Kreditinstituten der Eurozone seit Januar 1999 bis April 2012 im Chart. Im April 2012 explodierter der Anteil der Nettoforderungen gegenüber spanischen Banken auf 68,9%, nach 62,9% im Vormonat und nach 10,6% im Vorjahresmonat.

Die Nettoforderungen gegenüber den spanischen Kreditinstituten betrugen im April 2012 263,535 Mrd. Euro, während die gesamten Nettoforderungen des Eurosystems gegenüber allen Kreditinstituten der Eurozone 382,712 Mrd. Euro betrug! Dies entsprach einem Anteil der Nettoforderungen gegenüber spanischen Kreditinstituten von 68,9%. Das ist geldpolitischer Wahnsinn, angesichts der Tatsache das 2011 der Anteil der spanischen Wirtschaftskraft (nominales BIP) an der Eurozone 11,5% ausmachte, aber die Nettoforderungen des Eurosystems (EZB) gegenüber spanischen Banken satte 68,9% betragen! Unter der Macht des Faktischen erscheinen solche plumpem Durchhalteparolen: “Spanien ist auf dem richtigen Weg” ….”Die Zweifel der Marktteilnehmer seien nicht berechtigt”….”Die Spanier sagen: wir schaffen es alleine und ich glaube ihnen das.” (Bundesfinanzminister Schäuble), als das was sie sind - pures Wunschdenken - bar jeder Datenlage.

Die Entwicklung der Rendite 10-jähriger spanischer Staatsanleihen seit Januar 1998 im Dailychart. Stand der Rendite am 14.05.2012 um 11:15 Uhr bei 6,283%.

Die Entwicklung des spanischen Aktienleitindex IBEX seit Januar 1987 im Dailychart. Heute gegen 11:30 Uhr sank der Index um -192 Indexpunkte zum Vortag, auf 6’803 Indexpunkte. Seit dem Hoch am 31.10.2007 mit 15’890 Indexpunkten hat der spanische Aktienleitindex -57,2% verloren!

Immer alle verfügbaren Target2 Salden aktualisiert inklusive Charts: Querschuesse.de/target2-salden/

Quelle Daten: Bde.es/PDF BALANCE SHEET OF THE BANCO DE ESPAÑA

Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

 

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32 KommentareKommentieren

  • Peter Bed. - 14. Mai 2012

    Der Monatsendwert liegt sogar bei 302 Mrd. (lt. http://www.iew.uni-osnabrueck.de/8959.htm)

    • Querschuss - 14. Mai 2012

      Danke Peter für den Hinweis, ist in den Artikel mit eingeflossen.

      Gruß Steffen

  • SLGramann - 14. Mai 2012

    Der Austritt Spaniens aus dem Euro-System in 2 bis 3 Jahren wird wohl einigermaßen teuer für die Bundesbank…

    Steffen hat ganz recht damit, dass man nur abwarten muss, bis die unsäglichen Relativierer in der Target-Debatte von der Realität widerlegt werden.
    Leider werden das auch für alle anderen bittere Zeiten werden. :-(

    • ergo sum - 14. Mai 2012

      Wenn der griechische Ausstieg sich als machbar erweist, werden die Spanier (und andere?) womöglich schon eher aussteigen. Ich hege nämlich den Verdacht, dass man die Panikmache in Berlin absichtlich übertreibt, um mögliche weitere Aussteiger abzuschrecken.

  • M.E. - 14. Mai 2012

    Die Kapitalflucht aus den Südstaaten wird massiv zunehmen. Griechenland dürfte noch innerhalb der nächsten 6 Monate den Staatsbankrott erklären.
    Dann gibt es kein Halten mehr.
    Ich tippe auf einen Zusammenbruch zumindest des gesamten südlichen Euro-Teils noch in diesem Jahr. Alle Südstaaten werden von den Finanzmärkten unter Quarantäne gestellt werden.
    Das wird auch die EZB nicht schaffen, diesen massiven Liquiditätsbedarf aller Südländer zu decken.
    “Too big to bail” wird das Motto der zweiten Jahreshälfte werden.

    Alle Lebensversicherungen und Fonds schon aufgelöst, leibe Mitstreiter?

    • MagnaBavaria - 14. Mai 2012

      “Alle Lebensversicherungen und Fonds schon aufgelöst, leibe Mitstreiter?”

      Davon kannst du ausgehen, alles umgeschichtet :D

      • topperhopper - 14. Mai 2012

        Welche Fonds?

  • M.E. - 14. Mai 2012

    “liebe Mitstreiter” wollte ich schreiben.

  • philipp johannes - 14. Mai 2012

    danke stefan für die außergewohnlich super gute arbeit !

    @m.e. und @all

    die frage ist ja nun eher noch weniger ob fonds etc. aufgelöst, die frage ist vielmehr schon reichlich vorräte für die grundversorgung eingekauft ?
    der crash wird nicht spurlos an uns allen vorbeigehen was auch die lebensmittelversorgung u. ä. betriftt.
    bitte, ich will nicht schwärzer malen als es eh bereits ist, doch an das drübernachdenken auch an diese sachlagen erinnern.

  • ATK - 14. Mai 2012

    Zitat :
    Spanien ist auf dem richtigen Weg” ….”Die Zweifel der Marktteilnehmer seien nicht berechtigt”….”Die Spanier sagen: wir schaffen es alleine und ich glaube ihnen das.” (Bundesfinanzminister Schäuble), als das was sie sind – pures Wunschdenken – bar jeder Datenlage.
    Ha Ha Ha….
    Ja Ja der Schäuble….. außer dumme Sprüche und Inkompetenz ….
    nichts gewesen…
    Sollte wirklich als Komiker umschulen… das Gesicht hat er bereits ..
    …….
    Er bring uns wunderbar ins Verderben… Guten Nacht Europa

    • Alsterpirat - 15. Mai 2012

      Der Schäuble isch mitnichten dumm, nur reichlich gerissen und ein sehr geschickter strategischer Tiefstapler – zumindescht was das Verhältnis zwischen dem, was man weiß und dem, was man in der großen Öffentlichkeit kommuniziert, angeht…;-) – schreibt mir dem Schäuble nicht zu früh nicht ab, zumal wenn er bald Eurogruppen-Chef werden sollte (v.a. wenn der ESM fertig installiert sein wird)…- ein paar Kostprobe gefällig (höchstens dann vernehmbar, wenn max. ein kleiner erlauchter Kreis mithört) ?

      http://www.youtube.com/watch?v=2IRnDOtu1z8

      http://www.youtube.com/watch?v=n_rs9KyKZG4

      • Michael S. - 15. Mai 2012

        Die Wette aus dem ersten Video hat Schäuble verloren…

        Aber was interessiert Politiker auch das Geschwätz von Gestern.

        Gruß Michael S.

  • ATK - 14. Mai 2012

    an @ philipp johannes

    Du trägst deine Name mit Würde…. nach dem Apocalypse von Johannes…
    und leider hast Du auch Recht … weil es kommt noch SCHWARZER als anderer überhaupt meinen…
    Wenn die Lichter ausgehen, dann ist es zu spät um sich einzudecken und ann möchte nicht mich befinden in 1 LM-Geschäft !

  • Freiberufler - 14. Mai 2012

    Gestern bei Günther Jauch: Gabriel und Tritt-ihn versprechen mit der Finanztraktionssteuer “Wachstum” und Jugendarbeitsplätze in Spanien. Rösler halluziniert von “Wachstum” durch Strukturreformen und Ursula von der Leyen auf die Frage, ob sie sich ein Griechenland ohne Euro vorstellen könne: “Nein.”

    Bei solchen “Entscheidern” kann einem Angst werden.

  • alt-shift-x - 14. Mai 2012

    grad auf zerohedge

    “Spain also is getting hammered with CDS hitting a record wide of 526 bps overnight, and its 10 Year hitting 6.26% after the country sold 364 and 518-Day Bills at rates much higher rates than on April 17 (2.985% vs 2.623%, and 3.302% vs 3.11%).”

    ich würde mal sagen langsam können wir uns zurück lehnen und bei der Implosion Spaniens zusehen.

    ja klar Schäuble “Die Zweifel der Marktteilnehmer seien nicht berechtigt” M(

    ein facepalm reicht da gar nicht mehr, dazu bracuht man mittlerweile eine ganze Palmeninsel.

  • ö.ä. - 14. Mai 2012

    “Nach Schätzungen des Brüsseler Centre for European Policy Studies sind die Rückstellungen der spanischen Banken für künftige Kreditausfälle um €270 Mrd zu niedrig.”

    Quelle: Jandaya

  • dank - 14. Mai 2012

    Wenigstens gibt hier auf Querschuesse keine “Überraschungen”. Und das meine ich absolut positiv.

    Demgegenüber:
    http://www.welt.de/newsticker/bloomberg/article106306997/Industrieproduktion-in-der-Eurozone-faellt-im-Maerz-ueberraschend.html
    UNWORT 2012: “überraschend”

    Na, eigentlich passt ja alles prima zusammen, oder wie?

    Bricht denn gerade die Weltkonjunktur so hart (und damit meine ich extrem hart) ein, dass trotz der finanziellen Krise selbst Gold und Öl seit ~3 Monaten rückläufig sind? (Bitte nicht zu verwechseln mit den Preisen an den Tankstellen )
    Einerseits trieb das (durch die Welt) irrende [doppeldeut] Kapital die Börsen in ungeahnte Höhen und jetzt geht brutal die Luft raus – wohin fließt die Liquidität – oder wars nur alles geliehen und ebenfalls auf Kredit; verpackt in Wetten, praktisch die höchste Form der heißen Luft – Luftplasma!?
    Versteh das nur ich nicht?
    Oder zeigt das nicht eigentlich die echte Schwere der Krise(n) besser Krisenhydra an?

  • klaus - 14. Mai 2012

    Hallo Thorsten Eckau.

    Kaninchen gibt es erst wieder nach
    der amerikanischen Präsi-Wahl im November.
    Und auch die restlichen 230 Mrd von der
    neuen Firewall (430 Mrd ).

    Bis dahin wird es in Spanien erstmal Target2
    und FireSale im Housing-Market geben.

    Schätze ich mal.

    Daher braucht der Schäuble schnelle Unterschriften.
    Deutschland wollte wohl schnell 41Mrd von 200 Mrd Euro-Raum
    Beitrag da einbringen.

    Wir werden sehen.
    Jedenfalls China leiht keine Kaninchen mehr. Vorerst.

    Gruß klaus

  • schnauzevoll - 14. Mai 2012

    Jetzt bekomme ich doch langsam Angst. Ich habe noch einen zig Jahre alten Bausparvertrag, auf den ich 2,5% Zinsen bekomme. Auflösen und shoppen gehen oder liegen lassen und relaxen? Vielleicht steigt der Nord-Euro ja mal auf 2-3 $!?! Dann kaufe ich mir Wyoming. ;)

    • mitwisser - 15. Mai 2012

      Ich hab den gleichen und der wird in den nächsten 3 Monaten platt gemacht. Vermutlich füllt sich dann mein Heizöltank.

  • Wolli - 14. Mai 2012

    Ich habe da mal eine Frage, bin Volkswirtschaftlich nicht so sehr bewandert.
    Was passiert eigentlich mit den Ganzen Targetsalden wenn der Euro auseinander bricht.
    Muss dann die Buba ihre positiven Targetsalden in vermeintlich harter Neuwährung zurückzahlen?
    Der Umtauschkurs von New D-Mark wäre doch sicherlich erheblich unterschiedlich zu sagen wir mal New Pesta.

    • Wolli - 14. Mai 2012

      Peseta habe ich schreiben wollen.

  • bauagent - 14. Mai 2012

    @Wolli

    “Was passiert eigentlich mit den Ganzen Targetsalden wenn der Euro auseinander bricht.”

    Eine Frage, die im Moment bei dieser Gemengelage wohl niemand exakt beantworten kann.

    Das wahrscheinlichste Szenario dürfte sein, dass D mit den in Rede stehenden Ländern verhandeln muss. Also geht es um eine politische Lösung: Wollt ihr in Zukunft in unser Land erxportieren? Dann bezahlt ihr auch zurück.
    Möglicherweise Teile der gigantischen Summen die aufgelaufen sind, möglicherweise mit Laufzeiten und ZInssätzen, die unsere Kindeskinder noch beschäftigen werden.

    Die zweite Konstellation wäre die Durchsetzung der EU mittels ESM bzw. Ermächtigungsgesetz und einer in diesem Zusammenhang geplanten Währungsreform, auch Haircut genannt.
    Das wäre ein zwar unwahrscheinliches, aber dann geplantes Szenario. In diesem Fall zahlt der
    deutsche Mittelstand durch Cut der ( siehe oben ) Bausparverträge, Bankvermögen und Lebensversicherungen alles.

    Die dritte Konstellation ist ein Zusammenbruch der Weltwirtschaft ausgehend von anderen Ländern, die im Moment weniger auf dem Radar sind: China oder die USA mit einem Derivatecrash.

    Dann dürften wir einen massiven Krieg an der Backe haben mit Waffen, die es bisher auf der Welt noch nicht gab.

    Obwohl hier immer wieder theoretisiert wird, dass mit Investition statt mit Sparen, also weiteren Schulden, das Problem des Geldsystems gelöst werden könnte, ist dies in Wahrheit auf Sicht betrachtet unmöglich.

    Es muss zum Neustart kommen und dann hoffentlich mit einem System, dass nicht in vorchristlicher Zeit erfunden wurde. .

    • Querschuss - 14. Mai 2012

      Hallo Bauagent,
      “Obwohl hier immer wieder theoretisiert wird, dass mit Investition statt mit Sparen, also weiteren Schulden, das Problem des Geldsystems gelöst werden könnte, ist dies in Wahrheit auf Sicht betrachtet unmöglich.” ….Du interpretierst hier was rein was die Artikel nicht hergeben, nirgendwo wirst du einen Beleg in den Artikeln finden das noch mehr Schulden das Geldsystem retten!

      Hier wird nur darauf hingewiesen, das undifferenzierte Austerität bei unterentwickelten Volkswirtschaften mit hohen Verschuldungsgraden die Abwärtsbewegung unnötig beschleunigt und das man unterentwickelte Volkswirtschaften mit zweistellig sinkenden Investitionen nicht fit machen kann und dies dürfte mittlerweile mehr also offensichtlich sein.

      In dem man die Volkswirtschaften der Südperipherie an den Rand des Zusammenbruchs treibt, sichert man nur den Zahlungsausfall mit Ansage. Die Schäden daraus und die möglichen Dominoeffekte dürfte weit aus höher zu gewichten sein, als potentielle Schulden aus Investitionen, denn investiert werden muss so oder so, wenn es in der Südperipherie aufwärts gehen soll und es soll doch tatsächlich auch Investitionen geben, die sich rechnen und eine Rendite abwerfen können.

      Zeige mir eine Volkswirtschaft die brummt ohne Investitonen und eine ohne schrumpfendes BIP, wenn alle Bereiche der Volkswirtschaft gleichzeitig sparen?

      Gruß Steffen

  • paernu - 14. Mai 2012

    @wolli und bauagent

    Zurückgezahlt wird da garnichts. Wir werden alle verlieren Das System steht mit Sicherheit vor einer Neujustierung. Allerdings fällt mir eine zeitliche Prognose schwer. Alle Erfahrung zeigt, dass so etwas länger dauern kann als viele denken.

    Ich denke die Politiker und die EZB haben noch einiges an Massnahmen.

    Aber fies wird es. Aber irgendwie auch spannend und intellektuell anspruchsvoll.

    Gruss

    • Mark - 15. Mai 2012

      Ja, es wird ziemlich fies werden.

      Insbesondere die Frage nach dem “europäischen Friedensprojekt” ist interessant.

      Wenn sich nämlich die Target-Forderungen als uneinbringbar erweisen, dann wird irgendwann auch die breite Öffentlichkeit in Deutschland über “Target2″ informiert werden müssen. Die wird es nicht OK finden, wenn ein Drittel des deutschen BIP einfach so abgeschrieben werden soll. Man wird Fragen stellen. Und es wird auch herauskommen, dass es Kapitalflucht in großem Umfang gegeben hat.

      Und hier kommen die weiteren “Maßnahmen” ins Spiel. Ausländern aus der Eurozone mit Konto in Deutschland (aber ohne deutsche Staatsbürgerschaft bzw. ohne ersten Wohnsitz) könnte man z.B. das Konto sperren und die Gelder auf die Target-Salden anrechnen. Immobilien, die von solchen Personen erworben wurden, könnten kurzerhand zurückgeführt werden, in eine Art Target-Treuhand. So könnte man zumindest einen Teil der Schulden eintreiben.

      Bloß wird das unweigerlich das Zerbrechen der EU bedeuten, denn mit “Frieden” hat das ja alles nicht mehr viel zu tun. (Die so zur Kasse gebetenen Vermögensinhaber werden das gewiß nicht kritiklos hinnehmen.)

      Da sieht man mal, was uns Kohl, Waigel, und der Rest der Euromantiker eingebrockt haben.

  • alfie - 15. Mai 2012

    Wenn ich Bundesbankpräsident Weidmann richtig verstanden habe, passisert, wenn von den Target-Forderungen nichts zurück gezahlt wird, garnichts, da es sich um Verrechnungsgrößen handelt. Im Falle einer Währungsreform startet die Bundesbank allerdings mit negativem Kapital den Banen gegenüber. Dies ist aber offenbar möglich. Es gibt noch einen anderen Weg. Nämlich über Euro-Bonds und eine echte politische Einheit in Europa. Aber das kann sich hier offenbar keiner mehr vorstellen und man ist auch zu geizig dazu. Es ging in den drei parallelen Krisen in Europa, der Finanzmarkt-Krise, der Schuldenkrise und der Leistungsbilanzkrise schon immer auch um die Finalität der europäischen Einigung. Das Problem für mich als Europa zugewandtem Bürger ist allerdings das alle drei Probleme auf katastrophalen politischen Fehlentscheidungen beruhen. Woher soll man da Vertrauen schöpfen?

    • Mark - 16. Mai 2012

      > Wenn ich Bundesbankpräsident Weidmann richtig verstanden habe,
      > passisert, wenn von den Target-Forderungen nichts zurück gezahlt
      > wird, garnichts, da es sich um Verrechnungsgrößen handelt.

      Das halte ich eher für das berühmte “Pfeifen im Walde”, mit dem sich der Pfeifende (hier: Weidmann) die Angst vor der Dunkelheit nehmen will. :-)

      Das mit der “Verrechnungsgröße” ist von Prof. Sinn nun mehr als deutlich widerlegt worden. Die Bundesbank generiert (“druckt”) Geld im Auftrag der anderen NZBs der Nationalbanken und schreibt die generierten Beträge einer Geschäftsbank in Deutschland gut. Und die schreibt den Betrag einem Kundenkonto gut. Der Kunde hat also eine Forderung ggü. der Geschäftsbank, und die hat eine Forderung ggü. der Bundesbank. Und die Bundesbank? Bekommt eben nur eine Forderung ggü. der EZB als Ausgleich.

      Dummerweise verlassen aber im Gegenzug für diese Überweisung reale Güter das Land (Autos, Waffen), wechseln reale deutsche Immobilien und Firmen (Hochtief) den Besitzer. Mithin ist von uns “geliefert worden” im Austausch für eine Forderung ggü. der EZB. Wenn das kein “Kredit” ist, was dann? Wie Sinn schon sagt: Diese Diskussion ist bestenfalls rein semantischer Natur.

      Besser beschreibt die Mechanik der Wirtschaftswurm: http://www.wirtschaftswurm.net/2012/target-2-wortverdreherei-ein-notwendiger-versuch-der-entwirrung/ — In den Kommentaren übrigens meldet sich Olaf Storbeck mit einem weiteren Versuch, die Sachlage zu verschleiern.

  • Ausser Rand und Band - 15. Mai 2012

    gleich gilt Gute Nacht Europa und USA

  • Ulrich Schlüter - 17. Mai 2012

    Unter http://www.ideastv.de/broadcast/active/ ist das Interview “Bringt Griechenland die Währungsunion zu Fall?” mit Dr. Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank, verfügbar, und darunter oder über http://dl.tfiles.edge-cdn.net/17r7hj3.3cg/Skript_ideasTV_15052012.pdf das Sendeskript abrufbar. Interview und Sendeskript gehen auf die wachsenden Target-Salden ein. Im Sendeskript wird die weitere Entwicklung aus Sicht der Commerzbank dargestellt: was EZB und Politiker wahrscheinlich machen werden…