Bank of Greece im letzten Gefecht

von am 3. April 2012 in Allgemein

Die griechische Zentralbank (Bank of Greece) berichtete heute ihre Bilanzdaten für den Monat Februar 2012. Die Daten offenbaren alarmierendes. Man bemüht nicht mehr die offiziellen Refinanzierungsgeschäfte für die Banken im Eurosystem, sondern benutzt nun offen die eigene Druckerpresse per Emergency Liquidity Assistance (ELAs), spezielle Notfallfazilitäten, um den Liquiditätsbedarf des maroden griechischen Bankensystems zu decken. Die Explosion der ELA-Position der Bank of Greece dokumentiert die griechische Geldschöpfung außerhalb des Eurosystems. Im Februar 2012 stieg auf der Aktiva-Seite der Bilanz die ELA-Position unter Remaining- (Sundry) Assets verbucht, um +51,795 Mrd. Euro, auf 109,915 Mrd. Euro. Das finale Gefecht aus der griechischen Druckerpresse ist damit endgültig eröffnet.

Die Entwicklung der Remaining Assets der Bank of Greece und damit der Notfallfazilitäten (ELAs) im Chart. Der furiose Anstieg auf 109,915 Mrd. Euro im Februar 2012.

Gedeckt sind die ELAs durch den Artikel 14.4 der Satzung des Eurosystems der Zentralbanken und der europäischen Zentralbank: “Die nationalen Zentralbanken können andere als die in dieser Satzung bezeichneten Aufgaben wahrnehmen, es sei denn, der EZB-Rat stellt mit Zweidrittelmehrheit der abgegebenen Stimmen fest, dass diese Aufgaben nicht mit den Zielen und Aufgaben des ESZB vereinbar sind. Derartige Aufgaben werden von den nationalen Zentralbanken in eigener Verantwortung und auf eigene Rechnung wahrgenommen und gelten nicht als Aufgaben des ESZB.” Hinter diesen Sätzen verbirgt sich die Möglichkeit für nationale Zentralbanken, sich unabhängig vom Eurosystem der Druckerpresse zu bedienen.

Gedacht waren die autonomen ELAs, um im Falle eines Liquiditätsschocks sofort als “Lender of last Resort” eingreifen zu können. Bei ELAs sollte es sich, laut den Stellungnahmen der EZB, aber stets nur um kurzfristige Notfallhilfen handeln dürfen, die nur an illiquide, nicht aber an insolvente Finanzinstitute vergeben werden und einen “Strafzins” kosten müssten. Im Falle von Griechenland liegt es allerdings klar auf der Hand, dass mit den ELAs marode potentielle Pleitebanken künstlich am Leben erhalten werden, die keine verfügbaren Sicherheiten mehr besitzen, um an den regulären Refinanzierungsgeschäften im Eurosystem teilzunehmen. Auch die Wortspielerei kurzfristige Notfallhilfen gilt es zu tilgen, denn ganz klar, an eine schnelle Rückführung der Notkredite durch griechischen Banken ist nicht zu denken! Der Witz ist, für die ELAs bürgen die jeweiligen Regierungen und im Falle von Griechenland ist der Staat als Bürge kein Bürge und damit steigt immer weiter die Gefahr der schleichenden Erosion des Vertrauens in die Währungsunion der Narren, einer Union der wirtschaftlichen Ungleichgewichte und der extrem unterschiedlichen wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit!

Mit dem Anschwellen der ELAs explodiert auch die Bilanzsumme der griechischen Zentralbank weiter:

Die Entwicklung der Bilanzsumme der griechischen Zentralbank im Chart seit Januar 1999. Im Februar 2012 steigen die Total Assets der Bank of Greece auf 198,582 Mrd. Euro, nach 169,585 Mrd. Euro im Vormonat und nach 133,536 Mrd. Euro im Vorjahresmonat. Eine Dynamik bei der Bilanzausweitung vom Feinsten!

Noch fragwürdiger die OFF-BALANCE-SHEET ITEMS, die außerbilanziellen Assets der griechischen Zentralbank, zuletzt für Dezember 2011 veröffentlicht, mit ungeheuren 279,584 Mrd. Euro:

Im Dezember 2007 waren es nur 46,298 Mrd. Euro, auch dies spiegelt eine festhaltenswerte Dynamik wider:

 

Gemessen an einem griechischen nominalen BIP von 215,088 Mrd. Euro im Jahr 2011, Tendenz weiter fallend, ist eine Bilanzsumme der griechischen Zentralbank von 198,582 Mrd. Euro, davon 109,915 Mrd. Euro aus der Emergency Liquidity Assistance (ELA) und zusätzlich eine außerbilanzielle Position der Bank of Greece von 279,584 Mrd. Euro unverantwortlich! Auch wenn nicht klar ist, wie eine nationale Zentralbank wie die Bank of Greece, überhaupt so eine große außerbilanzielle Position halten kann und was sich genau hinter diesen Positionen verbirgt, klar ist jedoch – mit jedem Monat wie hier im Blog dokumentiert - wo sich die Ungleichgewichte weiter hochschaukeln und damit die im Raume stehenden Summen wachsen, wird die TINA (There Is No Alternative) – Position zur selbsterfüllenden Prophezeiung, denn eine kontrollierbare Abwicklung des Projektes Euro, ohne kräftige Kollateralschäden wird immer unwahrscheinlicher und damit steigt die Motivation, zu einem weiter so wie bisher, bis zum bitteren Ende.

Quelle Daten: Balance sheet of the Bank of Greece 

Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

Print article

40 KommentareKommentieren

  • Mark - 3. April 2012

    “die Währungsunion der Narren” — Schöne Formulierung, auch wenn die von Euch zum Thema Griechenland ausgegrabenen Fakten alles andere als schön sind. Mir scheint, dass der Endkampf begonnen hat (dafür sprechen auch andere Fakten, z.B. die Berichterstattung in den Mainstream-Medien und neuerdings sogar im Staatsfernsehen). Hmmmmm.

  • gilga - 3. April 2012

    Na da bin ich mal gespannt wie der Herr Weidmann und seine Kollegen das wegdiskutieren wollen. Bei Target2 war die Sachlage ja noch komplex genug, dass sich darüber eine schöne Nebeldecke ausbreiten lies. Mal schaun wie das nun beim offensichtlichen Gelddrucken per ELA funktionieren soll.

    Spätestens wenn die Zahlen im März eine ähnliche Entwicklung zeigen wird die Argumentation sehr schwer fallen (insofern die großen Nachrichtenanstalten das aufgreifen).

  • georg - 3. April 2012

    zahlen hin zahlen, her solange nichts passiert passiert nichts gruss georg

    • Querschuss - 3. April 2012

      Hallo Georg,
      etwas über die Hälfte der Total Assets der griechischen Zentralbank stammen aus ELAs, von wegen “passiert nichts”.

      Gruß Steffen

  • Ergo Sum - 3. April 2012

    Niemand wird behaupten, dass denkende Menschen diese Entwicklung nicht voraussahen, unsere Politiker natürlich nicht. Interessant sind jetzt nur die möglichen Reaktionen. Wird Merkel die Austerityschraube noch mehr anziehen? Wird das griechische Volk rebellieren? Wie werden die in 3 Wochen bevorstehenden griechischen Wahlen ausfallen? Wir leben in interessanten Zeiten.

  • Johannes - 3. April 2012

    Das wird wohl unter anderem der Grund dafür gewesen sein, dass die EZB die Griechen- Bonds wieder als Sicherheit akzeptiert hat. (Anfang März?)

    Bin aber schon neugierig, wie sich der Haircut letztendlich ausgewirkt hat.

    Vielen Dank Steffen für die aufschlussreiche Darstellung.

  • Tourist - 3. April 2012

    Hallo,
    Ich wusste garnicht,dass die “General Bank of Greece SA” eine Tochterbank der “Societe general” ist.

    Dir schmieren ja auch gerade an den Börsen übelst ab in letzter ZEit, also die griechischen Banken!! Also ist aus der Richtung auch noch die Finanzierung futsch!

    Jetzt verkauft aber bitte nicht eure griechischen Bankaktien, die kommen schon wieder, ganz sicher ;)

    Ganz im Sinne von Georg: “zahlen hin zahlen, her solange nichts passiert passiert nichts gruss georg”

    Also, in dem Sinne, den Flattermann wegstecken und zugucken, wie die Papiere absaufen, aber bitte, Nerven behalten und NIX verkaufen! Das macht alles nur schlimmer^^.

    Gruss zurück Tourist

    http://www.trendlink.com/aktienliste/Banken_Griechenland

  • Hayek2 - 3. April 2012

    Die Amerikaner machen sich Gedanken um die EU. Interessanter Artikel bei Gainspainscapital

    So what makes this time different?

    Several items:

    1) The Crisis coming from Europe will be far, far larger in scope than anything the Fed has dealt with before.

    2) The Fed is now politically toxic and cannot engage in aggressive monetary policy without experiencing severe political backlash (this is an election year).

    3) The Fed’s resources are spent to the point that the only thing the Fed could do would be to announce an ENORMOUS monetary program which would cause a Crisis in of itself.

    Let me walk through each of these one at a time.

    Regarding #1, we have several facts that we need to remember. They are:

    1) According to the IMF, European banks as a whole are leveraged at 26 to 1 (this data point is based on reported loans… the real leverage levels are likely much, much higher.) These are a Lehman Brothers leverage levels…..weiter unten mit Tabellen.

    http://gainspainscapital.com/?p=1601

    Gute Lektuere!

    • dank - 3. April 2012

      …wer Wind sät…
      Zwar war die ImmoKrise nur ein Brandbeschleuniger für das gesamte System (ebenfalls in Euroland, das falsch gebaut wurde), aber so manche schlauer folgenschwere NeoLib-Gedanke ist wohl den MoneyHeads und -analysts des Duos UKUSA zuzuweisen.
      Und in dem Gedanken ist nicht mal Schadenfreude vorhanden… Schade und Schande

    • Sochard - 5. April 2012

      Die in dem Artikel von der Phoenix Capital Research angeführten Zahlen bezweifle ich stark, speziell jene der USA halte ich für sehr geschönt.

  • Frank - 3. April 2012

    Internetaufruf: Holen wir unser GOLD heim !!!

    http://www.rottmeyer.de/initiativenauftakt-holt-unser-gold-heim-zeichnen-sie-mit/

    http://www.gold-action.de/mitmachen.html

    http://www.gold-action.de/erstunterzeichner.html

    Es sollte jeder Leser hier mitmachen. Renomierte Persönlichkeiten von Deutschland unterstützen diese Aktion. Wer weiß, wie dringend Deutschland noch das GOLD für die Zukunft brauchen wird, wenn man sich das ganze Drama um die Eurozone und den Target2 Salden ansieht.

    • Bernd Rickert - 3. April 2012

      Im Moment könnte ich etwas Platin gebrauchen. Für Gold habe ich keine Verwendung.

    • Thatwasthepension - 4. April 2012

      Scheiß was aufs Gold!
      Zermahlen den Plunder und in den Marianengraben versenkten ist die einzig vernünftige Lösung. Dann sind wir zumindest ein Erpressungsmittel los. Einfach nicht mehr das Zeug akzeptieren, denn es hat eh keinerlei wirtschaftlichen Wert.

  • klaus - 3. April 2012

    Will die EU-Kommission will an die Rente der Kumpels?

    http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/eu-richtlinie-betriebliche-zusatzrenten-in-gefahr/6471994.html

    Da steht zwar EU-Kommission, aber sind das
    nicht in der Hauptrolle Schäuble / Merkel , die
    dort das entscheidende Sagen haben.

    Na denn man Prost.
    Ohne Betriebsrenten/Knappschaft ginge jetzt wohl
    der letzte Euro ausser Haus.
    Damit wären die letzten Konsumenten wohl
    auch aus dem Rennen.

    Dann werden wohl wieder mehr Häuser
    versteigert.
    Und man kann weiter Geld drucken.

    Und der Süden Europas flüchtet mit seinem
    Geld nach Deutschland.
    Die Armen werden noch mehr geknechtet.

    Der 13. Mai wird zum Überleben wichtig.
    Man sollte die Wahl Ernst nehmen.

    Bevor 66 Prozent für den Fiskalpakt stehen.

  • schnauzevoll - 3. April 2012

    So ein Schwachsinn! Wenn sich einer dieser FDP-Trottel sorgt, dann nur um seine Klientel, den Privatversicherern. Es ist nur korrekt, wenn sich die Eigenkapitalquote erhöht.

  • schnauzevoll - 3. April 2012

    PS. Mit Schwachsinn meinte ich den Artikel, nicht den Klaus! ;)

  • Oeconomicus - 3. April 2012

    Zu dem hübschen Nebelkerzen-Tool “ELA” hier ein Querverweis aus unserer Krisenbeobachtung
    vom 23.März 2011
    http://www.fortunanetz.de/kbeobacht/2011/Maerz/Mar23.php

  • dank - 3. April 2012

    Also ists nun soweit mit den ELAs. Finde einfach interessant, auf welche Arten sich überall Geld erschaffen lässt, wenn den Euroländern danach ist. Munteres “darauf losdrucken”.
    Was im Moment etwas komisch scheint, ist dass die NZB Irlands Ihre Statistiken noch nicht geupdatet hat; normal sollten die bereits vor dem 01.04. aktuell sein?!
    Gibts auch hier einen etwas schnelleren ELA Anstieg? “To see”
    Könnte es vielleicht sein, das die Herren Finanzminister auf der letzten/vorletzten Sitzung für die Ausweitung der ELAs grünes Licht gaben? Dann wird es jetzt auch keine ernsthaften Widerworte aus dieser Ecke geben…

  • M.U. - 3. April 2012

    OT: Unter den Kommentatoren gibt es sicherlich die ein oder andere Leseratte. Vielleicht interessiert es den Einen oder den Anderen.
    Ich beginne zu glauben, dass es wieder Krieg geben wird: Was die Systemische Evolutionstheorie über unsere Zukunft verrät

  • Bernd Rickert - 3. April 2012

    Weh tut es, wenn die Verlierer nicht wissen, wann Schluss ist.

    Die deutsche Bundesregierung begreift anscheinend nicht, dass diese Länder Revolutionsgeschichte haben. Dabei kommt die Merkel doch aus dem Ostblock, aber sie wollte ihre Revolution ja wegen der D-Mark. (Zitat, 5. Febr. 2011, München). Sie sollte jedoch nicht von sich auf andere schliessen. In der Regel passieren Revolutionen um sich von einem Diktat zu befreien.

  • Tourist - 4. April 2012

    “Weh tut es, wenn die Verlierer nicht wissen, wann Schluss ist.”

    Neee!!!!!!

    Ein Problem mit dem Kapitalismus ist, dass wenn die Verlierer letztlich untergehen, die Gewinner es auch tun.

    Tourist

  • Andreas Heil - 4. April 2012

    “die Währungsunion der Narren” bleibt eine abwegige Floskel, soweit damit gemeint ist, dass die horrenden Verluste, die durchaus noch an der einen oder anderen Stelle aufschlagen können,

    ursächlich

    mit der Währungsunion verdrahtet sind. Glücklicherweise kann man die Ente mit einem kurzen Blick jenseits der Grenzen der EMU bestens, live und in Farbe auch sehen. Allerdings nur, wenn man will. Eine Menge andere Gründe, die Währungsunion als eine der Narren anzusehen, gibt es dagegen schon.

    Märkte liegen sowohl was die jeweils lokalen Zinsen anbelangt, als auch bei den relativen Devisenkursen häufig noch weiter von fundamental gerechtfertigten Preisen weg, als es die irre Wirtschaftspolitik inbesondere der Bundesregierungen innerhalb der EMU vermocht hat und die Herde galoppiert, wenn es allzu offensichtlich geworden ist, noch schneller irgendwo anders hin mit noch mehr Kollateralschaden für die wertschöpfenden Mehrheiten unter den Bevölkerungen.

    Nur manifestieren sich die Milliardenabschreibungen dann schlicht nicht so einfach anhand von zweifelhaften Bonds von Unternehmen oder Staaten, die freundlicherweise auch noch in Target-Salden oder ELA-Positionen gespiegelt werden.

    Als Beispiel sei die US-NIIP genannt, bei der die Finanzalchemisten von Wall-Street geschafft haben, kurz vor dem offenen Ausbruch der “großen Rezession” innerhalb von nur drei Jahren 2,4 Billionen Dollar (kein Übersetzungsfehler !) im globalen Casino zu erspielen.

    Freundliche Grüße
    Andreas

    • Querschuss - 4. April 2012

      Hallo Andreas,
      über die Wortwahl lässt sich sicher streiten, ob sie geeignet bzw. glücklich gewählt ist. Aber mit der “abwegige Floskel” meine ich eine gemeinsame Währung über extrem unterschiedlich leistungsfähige Volkswirtschaften auszubreiten. Das dies schiefgehen musste ist “Dank” der puren Datenlage wohl kaum bestreitbar, denn dies ist das zu Grunde liegende Problem, was es sicher nicht geben würde, wenn Deutschland allein mit Österreich und Finnland in einer Währungsunion wäre.

      Gruß Steffen

  • Oliver - 4. April 2012

    Hallo,
    meine Laienmeinung: Ich finde auch wie Georg solange nicht passiert , passiert nichts. Super Steffen welche Zusammenhänge du aufdeckst, aber wenn juckt es…das ist nicht bös gemeint, aber:
    Mit einer eigen Währung hätten die Griechen mit solchen Aktionen schon extreme Inflation, im riesigen Euroraum gehen solche Dinge unter bis……bis…..
    Es stellt sich für mich die Frage, ob es wirklich irgendwann explodiert, glaube ich nicht, oder weitergeiert wird, menschlich und höchstwahrscheinlich.

    • Querschuss - 4. April 2012

      Hallo Oliver,
      Fehlentwicklungen in Volkswirtschaften schlagen nie sofort spürbar für Alle durch, haben aber in der Summe mittel- bis langfristige negative Auswirkungen. “Nichts passiert” ist primär die Sicht aus der deutschen Brille, für viele hunderttausende Griechen, Portugiesen und Spanier ist eine Menge passiert, die zur Senkung ihres Lebensstandards führte.

      Die Auswirkungen auf Deutschland sind vielleicht noch nicht direkt spürbar, da man weiter Forderungen hochbucht, deshalb ist es trotzdem ein Fakt, dass große Teile der Forderungen Deutschlands gegenüber der Südperipherie uneinbringbar sind. Und das kommt früher oder später auf den Tisch und irgendwer wird die Verluste tragen müssen, wer dürfte kalr sein, da Teil des herrschenden TINA-Programms die Sozialisierung der Verluste ist.

      Gruß Steffen

  • Bernd Klehn - 4. April 2012

    Lieber Steffen,
    wieder recht vielen Dank für die Aufklärung

    Die Diskussionen um Sicherheiten im Zusammenhang mit Target2 waren und sind halt Nebelkerzen, denn ELAs haben keinen Bezug zu den Monatary Policy Intruments des Eurosystems. Allerdings gibt es hier auch keinen Haftungsstreit, deren Verluste, im Gegensatz zu den ELAs, ja durchaus per Beschluss (Deutschland 27% Stimmanteil) des EZB-Rates durch die EZB übernommen werden könnten, siehe Lehmann Deutschland. ELAs sind nun wirklich der allerletzte Schuss nach Dicker Bertha, Zins-, Sicherheiten- und Reservesatzsenkung um die Liquiditätsversorgung in den Krisenländern aufrecht zu erhalten. Steffen kann man die ELAs auch in den Bilanzen der anderen nationalen Zentralbanken isolieren und wo tauchen ELAs in der Eurosystembilanz auf gar nicht oder? Oder nur teilweise, wenn auf dieser Grundlage Geld gedruckt wird?

    Fernerhin, wer kann die Frage beantworten, wie die OFF-BALANCE-SHEET ITEMS hinterlegt sind und im welchen Zusammenhang diese mit der Liquiditätsversorgung in Griechenland stehen?

    Mit freundlichen Grüßen

    Bernd

  • der-oekonomiker - 4. April 2012

    Bis jetzt 27 Kommentare, von denen keiner auf des Pudels Kern kommt: Der gr. Notenbank bleibt überhaupt nichts anderes übrig, als Geld zu drucken. Der Anteil am “Rettungspaket” von 130 Mrd. Euro für die einheimischen Banken war viel zu gering, um die Kapitalabflüsse nach Lux, D, CH, usw. der Reichen auszugleichen (vgl. hier: http://der-oekonomiker.blogspot.de/2012/03/standpunkt-188-fata-margana.html). Von den knapp 500 Mrd. Liquidität der EZB gab es auch nichts (vgl. hier: http://der-oekonomiker.blogspot.de/2012/03/standpunkt-193-milliarden-probleme.html). EZB-Draghi behauptet, die EZB kaufe z. Zt. keine wertlosen Staatsanleihen an. Also, wo ist der Notausstieg? Logisch, bei den ELAs. Praktiziert Irland schon seit geraumer Zeit, interessiert nur niemand.

    Genauso wie es niemanden interessiert, dass die “wirtschaftlichen Ungleichgewichte” 0,0 an dieser Entwicklung schuld sind. Die griechische Wirtschaft war schon immer völlig unbedeutend in Europa. Wertvoll nur als dt. Absatzmarkt für Rüstung, Bauleistungen, usw., finanziert von dt. Banken und ihren Helfershelfern (um den wahren Umfang zu verschleiern). EU, EZB, IWF retten von Anfang an die maroden Banken (ausgenommen die griechischen), nie sollte der Staat gerettet werden. Die Deutsche Bank bspw. hat für 1 Euro EK 50 Euro Verpflichtungen in ihrer Bilanz stehen/versteckt. Ein Hebel, mit dem keine vergleichbare Bank auf der Welt arbeitet. Jedes Wirtschaftsunternehmen wäre unter diesen Umständen schon lange pleite, die DB wird – weil angeblich alternativlos – gerettet. Schon diese eine Bank ist wichtiger als ein ganzer Staat. Und bedient sich deshalb fleißig, selbst und über ihre div. Töchter, bei EZB und Rettungspaket. Wir haben eine Bankenkrise, keine Staatsschuldenkrise! Die Target2-Salden und ELAs sind doch nur die Säue, die durch das mediale Dorf gejagt werden…
    Übrigens, bei Dänemark können wir beobachten, wie ein angeblich grundsolider Staat (Triple-AAA, positiv) seinen Bankensektor mit Milliarden flutet. Knapp 16 Mrd. zu 0,7%. Klingt wenig, aber die Danske Bank, No. 1 im Land, hat schon rund 6 Mrd. von der EZB-Spritze bekommen… Schon vor Monaten haben wir davon der dänischen Krise berichtet, die nichts mit GR zu tun hat. Zitat aus “http://der-oekonomiker.blogspot.de/2011/09/standpunkt-ausgabe-75-triple-marchen.html” vom 23.09.2011: Dänemark wird bedroht von seinen schwächelnden Banken aufgrund von Problemen im – wie könnte es anders sein – Immobiliensektor. Alleine acht Institute des Landes stehen mit dem Rücken an der Wand. Trotz der geringen Arbeitslosenquote von unter 5% und der moderaten Staatsschuldenqoute von 47% hängt die Schwäche des Bankensektors wie ein Damoklesschwert über dem Land. Die Regierung hat bei bisherigen Bankenpleiten nicht eingegriffen. Fraglich ist aber, ob diese strenge Haltung weiter durchgehalten werden kann.

  • Bernd Klehn - 4. April 2012

    Lieber Steffen,
    danke für das Dokument:

    Den Zusammenhang zwischen den OFF-BALANCE-SHEET ITEMS und der Liquiditätsversorgung in Griechenland habe ich noch nicht verstanden. Irgendwann werde ich dieses auch noch kapieren. Hier aus dem Text folgender ein sehr bemerkenswerter Satz:

    “In a sense, Greece represents a new specie of financial crisis. It is a balance of payments crisis, a sovereign debt crisis, a banking crisis, a domestic political crisis and a crisis of international relations, all wrapped into one.”

    Wobei es für mich leider auch einen engen Zusammenhang zwischen diesem Ergebnis und der Konstruktion und des Selbstverständnisses des Eurosystems gibt und der Kumpanei der Beteiligten, Staat, Zentralbank, Geschäftsbanken, nach dem UK und US Vorbild untereinander. Wenn dieses richtig aufgearbeitet wird, ist und kann eine EU-Währungsunion, für alle EU-Staaten, auch bei komplett unterschiedlichen Volkswirtschaften sehr segensreich sein, nur die Randbedingungen müssen neben beachtet werden, keine riesigen Leistungsbilanzunterschiede und keine oder nur geringe Nettoauslandsschulden.

    Gruß

    Bernd

  • commonman - 4. April 2012

    in zeiten des “financial engineerings” ist es doch eigentlich egal, wer das “geld” erfindet. es profitieren doch sowieso immer die gleichen einschleuser.

    die adlaten im vordergrund sehen eh nicht mehr durch – und das ganz präzise > http://vimeo.com/39616245

    aber die meisten interessiert es nicht > http://vimeo.com/39625936 (3 kurze gute grundsätzliche gedanken im begleittext)

  • georg - 4. April 2012

    http://www.zerohedge.com/news/man-commits-suicide-broad-daylight-athens-syntagma-square-protest-occupation-government
    hallo wird in deutschland von der wohlfühlpropaganda total ignoriert . die ist ein beispiel für das was sich hinter den zahlen verbirgt , es ist fassbar ..
    gruss georg

  • Bernd Klehn - 4. April 2012

    Zentrales Papier aus 1999 zu “Zahlungsbilanzausgleich in der Währungsunion: viele Fragen, aber noch keine Antworten” von Klaus Reeh unbedingt lesenswert lieber Steffen und Co.

    http://ftdwirtschaftswunder.files.wordpress.com/2012/04/zahlungsbilanzausgleich.pdf

    • Michael S. - 4. April 2012

      Danke Bernd! Wirklich lesenswert!

      Gruß Michael S.

  • rundertischdgf - 4. April 2012

    Unser Gesprächskreis sieht diese Entwicklung mit großer Sorge an. Wir haben ganz konkret zunächst erstmal an FDP Abgeordnete folgende Fragen öffentlich gestellt.

    http://rundertischdgf.wordpress.com/2012/04/04/wie-volksvertreter-burger-abspeisen-wollen/

  • Andreas Heil - 5. April 2012

    Hallo Steffen,

    der eigentliche Punkt in meinem Beitrag war, dass die inzwischen z.T. auf erstaunlichem Niveau (wer hätte gedacht, dass wir alle so viel darüber lernen würden) verhandelten Details des Geldverkehrs und der Zentralbankbuchungspraxis sind schön und gut, blenden aber völlig aus, dass die am Ende eintretenden oder nicht eintretenden Verluste auch ohne Währungsunion drohen und auch ohne Währungsunion wenigstens zum Teil politisch zugewiesen und eben nicht in fairen Marktprozessen möglichst bei denen hängen bleiben, die sie auch verursacht haben.

    Das Problem sind ja nicht Griechische (etc.) Bonds “as such”, sondern dass sie in Unmengen als Vermögenspositionen des deutschen Casinos hängen (hängen müssen als Ausgleich der kumulierten Leistungsbilanzüberschüsse).

    Mit dem neuen Rezessionsschub kommen jetzt ja auch wieder die 200 Milliarden hoch, die das “nordische” Österreich überwiegend im strauchelnden Rest Europas im Feuer stehen hat – auf Deutschland umgerechnet (knapp Faktor 9) wären das alleine gewaltige 1,8 Billionen. Die sind aber nun gerade im Feuer, weil die Kreditnehmer nur bei den Krediten in Euro unterwegs sind und deswegen von der Devisenkursanpassung z.T. heftig getroffen sind. Wären die Kredite wiederum nicht in nomiert, schlügen Kursverluste der Devisenkursanpassung direkt beim Kreditgeber durch – und das nicht nur bei laufenden Zinsen, sondern auch in der Valutierung des Kredits selbst.

    Mir ist ferner schon klar, dass der Hauptaugenmerk gerne auf die unterschiedliche “Leistungsfähigkeit” gelegt wird, nur ist das eigentlich nicht der Punkt, denn “Leistungsfähigkeit” korreliert eben gewöhnlich auch mit passenden Reallöhnen. Und selbige waren zum EMU-Start zwar schon nicht nachhaltig (siehe einzelne Leistungsbilanzen), aber weitem nicht in dem Ausmaß.

    Der einzige Punkt, der definitiv nicht funktioniert, ist die Idee, in unterschiedlichen Ecken eines Währungsraums auf Dauer unterschiedliche Inflationsraten zu fahren. An der Stelle aber, kommt man nicht umhin, Ursache und Wirkung näher zu beleuchten und dann steht die Frage mit einigem Gewicht klar im Raum, ob nicht der freie Kapitalverkehr selbst schon das Problem ist, solange Länder mit einem gemeinsamen Markt keine kooperative ausgleichende Handelsbilanzpolitik fahren, sondern Neomerkantilismus. Anders ist kaum zu erklären, dass es Probleme, die innerhalb der EMU ziemlich groß sind, auch zwischen der EMU und vielen Drittstaaten aber auch ganz an Europa vorbei in ähnlichen Dimensionen gibt – und -.siehe oben am Ende zu ähnlich horrenden Abschreibungen führen. Könnte ja sein, dass Märkte weder in der Lage sind Devisenkurse nachhaltig zu “finden”, noch lokale Zinsen – denn genau letzteres wäre der simple Ausgleich innerhalb eines Währungsraums für lokale Besonderheiten (gewesen).

    P.S.: Mit Klaus Reeh habe ich vor ziemlich genau zwei Jahren mal zufällig ein sehr launiges Abendessen gehabt. Das war gespickt von einer Reihe “kultureller” Anekdoten zum Planet Bruxelles. Das Paper muss ich aber erst lesen, bevor ich mir ein Junktim erlauben will.

    Einen schönen Rest-Abend der versammelten Forschergemeinde
    Andreas

  • Bernd Klehn - 5. April 2012

    @ Andreas Heil

    Der Flassbeckweg bilateral und das Problem in der Eurozone über den Umweg Inflationsrate aufzudöseln führt unnötig verkürzt in die in die Irre. Hervorzuheben und zu unterstützen ist lediglich die Betonung des Zusammenhangs, dass die Inflationsrate langfristig von den Lohnstückkosten und nicht von der Geldpolitik bestimmt wird, zeitliche Irrungen von einzelnen Marktelementen, Immobilien usw., mal ausgenommen. Die Konzentration auf Waren und Kapitalströme in der globalen Welt, die wahrhaftig nicht die selben Wege nehmen, also auf Leistungs- und Kapitalbilanzen verschafft erst das klare Bild.

  • Realo - 5. April 2012

    Inflate or dy! Eine andere Alternative gibt es nicht, aber sie will sich – noch – nicht so kräftig einstellen, wie das die Schuldenmacher erhoffen. Doch man arbeitet mit Null-Zinsen bzw. negativen Zinsen schon kräftig daran, dass die Staatsanleihen endlich verkauft und Sachwerte erworben werden müssen, wenn man keinen Verlust erleiden will. Die Frage ist nur, wann ziehen die Zinsen wieder an als eindeutiges Zeichen für die Trendumkehr im Anlageverhalten der Großinvestoren? Derzeit halten die Notenbanken den Zins künstlich niedrig, – was geschieht aber, wenn die Konjunkturfaktoren, die nicht von den Notenbanken beeinflusst werden können, wie Krieg oder Naturkatastrophen, einen unerwarteten Zinsaufschwung bewirken? Dann kracht alles zusamen! Man will Inflation, aber keine hohen Zinsen, wobei hoch natürlich relativ ist. In den 70 er Jahren waren das Bundesanleihen mit 11 % auf 10 Jahre, heute wären das 4 %, was für viele Schuldner in Südeuropa schon zum Kollaps führen würde. Es bleibt also interessant.