Brent Oil am Allzeithoch in Euro
Während sich die Wirtschaften der Südperipherie der Eurozone in einer Rezession befinden, selbst Deutschland in Q4 2011 bereits deutliche Ermüdungserscheinungen beim Wachstum zeigte, zerrt der Brent Oil Future in Euro am Allzeithoch herum. Damit fällt den Euro-Rettern nicht nur die zur Schwäche neigende Währung auf die Füße, sondern auch die Nebenwirkungen der Liquiditätsflutung der Banken und der Finanzmarktakteure, die den Ölpreis im Windschatten einer potentiellen Irankrise nach oben treiben. Aktuell notiert der Brent Oil Future in Euro mit 93,01 Euro unmittelbar am Allzeithoch vom 03.07.2008 mit damals 93,05 Euro je Barrel Rohöl.
Die Entwicklung des Brent-Oil Future (Endloskontrakt) in Euro je Barrel seit Januar 1999 im Dailychart. In Euro notiert das Brent-Oil gegen 21:15 Uhr mit 93,01 Euro am Allzeithoch! Somit erwächst auch aus dem Brent-Oil Preis in Euro eine signifikante zusätzliche Wachstumsbremse für die Eurozone.
Auch die Feinunze Gold zieht in Euro, mit im Tageshoch 1344,70 Euro, unmittelbar in die Nähe des alten Allzeithochs.
Wer die Zombie-Banken unlimitiert mit Geld flutet und damit auch alle spekulativen Strukturen im System erhält, die eine der Ursachen der Finanz- und Schuldenkrise darstellten, braucht sich über den angerichteten volkswirtschaftlichen Schaden, den die nach Anlage suchende Liquidität mit einem steigenden Ölpreis anrichten wird, nicht wirklich wundern.
Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

M.E. - 22. Februar 2012
Wenn man bedenkt, wie billig Öl eigentlich immer noch ist…
159 Liter geballter gespeicherter Sonnenenergie mit einem Energieäquivalent von 20000…22000 menschlichen Arbeitsstunden, und selbst wenn man den lausigen Wirkungsgrad von Verbrennungsmotoren berücksichtigt immer noch 6000…8000 menschlichen Arbeitsstunden, und das zu einem himmlischen Preis von nicht mal 100 Euro, plus Raffinierungs- und Distributionskosten, die den Kohl aber auch nicht fett machen.
Keine Frage, wir leben in einem Schlaraffenland billiger Energie – immer noch.
Aber unsere ganze Wirtschaft und Gesellschaft hat sich dermaßen an ULTRAbillige Energie gewöhnt, dass es schon das wirtschaftliche Gleichgewicht ins Wanken bringt, wenn aus der ultrabilligen Energie billige Energie wird.
Ein Durchschnittsbürger des Westens hat heute eine zig fache Energieverfügbarkeit, wie ein Kaiser des Mittelalters. 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr. Unglaublich!
Und es gibt sogar Leute, die glauben, das würde immer so bleiben.
M.E. - 22. Februar 2012
Um nicht mißverstanden zu werden: natürlich gestehe ich zu, dass gemessen an heutigen Durchschnittsenergieverbrauchsmengen für immer mehr Menschen schon heute, im Zeitalter historisch gesehen immer noch sehr billiger Energie, Energie zunehmend zu einer Kostbarkeit wird.
Querschuss - 22. Februar 2012
Hallo M.E.,
alles richtig, nur reflektiert der aktuelle Preis keinerlei wirtschaftliche Schwäche und sinkende Nachfrage, sondern suggeriert das Gegenteil, aber dahinter befindet sich eben aktuell nicht steigende reale Nachfrage, sondern nur eine liquiditätsgetriebene Ölhausse.
Gruß Steffen
M.E. - 22. Februar 2012
Mit der liquiditätsgetriebenen Ölhausse gebe ich Dir recht, Steffen.
Allerdings gewinnt die steigende Nachfrage nach Importöl weltweit in Relation zur seit 6 Jahren sinkenden Weltexportmenge zunehmend an Bedeutung.
Und auch die Förder- und Verarbeitungskosten der teuersten Ölsorten ziehen nach unten einen ständig steigenden Boden, unter den der Preis nicht mehr fallen kann ohne partielle Angebotszerstörung.
Aber freilich spielt die Liquiditätsschwemme eine temporär beachtliche Rolle.
Argonaut - 22. Februar 2012
@Steffen,
Jeder (!) Haushalt kann zumindest seinen unmittelbaren Rohölbedarf “hedgen” .
Ich rede nicht von Hartz IV-Empfängern zumal die sich darum nicht sorgen müssen.
Jeder (!) Haushalt kann seinen durchschnittlichen Jahresverbrauch an Heizkosten zzgl.
Spritverbrauch feststellen und diesen Bedarf “sichern”.
Was große Industriekonzerne oder Airlines tun, dass kann auch der Privatverbraucher .
Ich fahre damit seit einigen Jahren erfolgreich und dass ohne Mathematikstudium.
Dass die Liquiditätsflutung zu einem großen Teil in den Rohölsektor fliesst würde ich gerne
bewiesen sehen – mag schon sein zumal “the trend is your friend”.
Generell gilt das Gesetz: ” Always go with the flow”
Gruß und weiter so – Alle !
Klaus - 23. Februar 2012
Da muss kein großer Anteil in den Rohölsektor fließen.. Da reicht schon weniger als 1% des neuen Luftgeldes, um die Preise jenseits der ökonomischen Gegebenheiten zu pushen.
Die Wirkung der Geldflutung lässt sich am besten im Jahre 2008 ablesen: Da brachen die Guthaben zusammen und gleichsam ging der Ölpreis die Luft aus. Auch bei Nahrungsmitteln und Metallen schulbuchmäßig erkennbar.
Ein starker Beleg für den Zusammenhang zwischen Finanzierungskosten und spekulationsgetriebenen Rohstoffpreisen.
Querschuss - 23. Februar 2012
Hallo Klaus,
so ist es.
Gruß Steffen
Anno - 23. Februar 2012
Der Ölpreis ist im Wesentlichen der von Goldman Sachs seit 2008 angepassten Taktik geschuldet. Seinerzeit wurde das (nach dem Crash billige) Öl erstens als kompensatorische Option für die einbrechenden Gewinne ausgedeutet , zweitens eine “Strafaktion” gegen die Europäer für den versuchten “Verrat am Dollar” (Ölhandel in Euro) ausgearbeitet.
Computergestützter (verdeckter) Eigenhandel zeitigt derzeit ggü. 2008 zusätzliche Margen in Höhe von ca. 150% auf die tatsächlichen Beschaffungskosten. Nach interner Einschätzung von GS stellt das Barrel derzeit einen “realen” Gegenwert von ca. $40 zzgl. QE-Inflation dar.
Habe eine Quelle im Core von GS sitzen, die gelegentlich ein wenig aus dem Nähkästchen plaudert. Da kann man sich alle Spekulationen über mögliche Hintergründe sparen.
Wie uns der BDI-Index zeigt, liegt zudem die Flotte der Großverbraucher völlig am Boden, es fällt somit ein erheblicher Abnehmer (Brennstoffverbrauch in 2001: ca. 300 Millionen Tonnen Schweröl) weitgehend aus.
Dass der Markt mit Öl überschwemmt ist, fundamentale Gründe für den aktuellen Preis also nicht vorliegen, mag man auch hieraus ersehen: http://www.cnbc.com/id/46445698
Einzig mögliche Gegenmaßnahme: Den Energiekonsum konsequent auf das absolut notwendige Minimum beschränken.
Argonaut - 23. Februar 2012
Noch ein Punkt:
Die Betreiber – bzw. Förderungskosten sind doch nicht im Sinkflug !!??
Wir hatten jüngst einige Ölkatastrophen welche enorme Schäden in der Umwelt
hinterliessen und deren daraus resultierenden Kosten kein Pappenstiel sind.
Alleine die Streitigkeiten zwischen Ölmultis und deren Platformbetreibern verschlingen
eine Menge Geld.
Dazu kommen die steigenden Versicherungsprämien und weitere intensivierte Maßnahmen
zur Unfallverhütung bzw. Notfallplänen – sprich Maßnahmen welche eine weitere ganze Stange
Geld kosten.
Diese Kosten werden immer als erstes auf die Abnehmer abgewälzt und das ist völlig legitim.
Das der Euro underperformed und der Iran mit den “Säbeln rasselt” ist natürlich ein weiterer
wesentlicher Baustein.
Ach ja, Winter ist ja auch – immer noch….
Ich sehe hier noch ein paar weitere Aspekte und nicht nur eine reine liquiditätsgetriebene Rohölhausse.
“Peak- Oil” kann ich schon lange nicht mehr hören auch wenn diese Ressource auf unserem
Planeten endlich ist.
Würden wir wirklich unmittelbar vor dem Erdölkollaps stehen, dann frage ich mich warum
sämtliche Solarstromfirmen und Windparkfirmen kurz vor der Pleite sind bzw. Pleite gehen.
Warum geben die großen Ölmultis nicht den Takt bei den alternativen Energien an ?
Wer bitte hat mehr Kapital ?
Oder sie warten einfach nur den richtigen Zeitpunkt ab und übernehmen Technologie und Resourcen am Ende für lau ?
Sollte doch mal auch so in Betracht gezogen werden ?
Ich würde eher davon sechen
Querschuss - 23. Februar 2012
Hallo Argonaut,
“Das der Euro underperformed und der Iran mit den “Säbeln rasselt” “, …steht doch auch im kurzen Artikel. Es steht übrigens nichts von Peak Oil als Ursache für den Preisanstieg, nicht weil es Peak Oil beim konventionellen Öl nicht gibt (aktuell weiter in der Plateauphase der Fördermenge), bzw. kein Peak Export oder ein sinkendes EROEI, sondern weil es sich aktuell nicht um ein manifestes Problem des Angebots von Öl handelt, Peak Oil und EROEI sind langfristige und übergeordnete Probleme aber kein Argument für die aktuelle Preisspitze.
Gruß Steffen
cashca - 23. Februar 2012
Hallo Argonaut –
Zitat: Das der Euro underperformed und der Iran mit den “Säbeln rasselt” ist natürlich ein weiterer
wesentlicher Baustein.–
——–
Nicht der Iran rasselt mit dem Säbel, sondern Isrel , die USA und im Schlepptau Europa.
Iran hat niemanden bedroht. Er geht lediglich einen Weg, der dem Rest der westlichen Welt nicht genehm ist.
Der Boykott – die Sanktionen gingen von den USA aus und die Europäer befolgten die Anordnung..
Wir werden sehen, wo das hinführt.
Argonaut - 23. Februar 2012
Stimme Dir zu und ich hoffe es entsteht kein Konflikt mit unübersehbaren Folgen
Russe - 24. Februar 2012
Die Hoffnung stirbt zuletzt. Habt ihr etwa Angst vor Krieg?
Holly01 - 23. Februar 2012
” (Und zu sehr “gegen den Strich” gehende Posts werden hier schlicht und einfach gelöscht !! ”
.
Ich kann mich über Löschungen bisher nicht beschweren. Was gelöscht wurde war offtopic blabla.
Der Blog heisst “Querschuesse”, da hat der Inhaber alle Rechte. Er haftet ja auch ein Stück weit für die veröffentlichen Inhalte.
Man sollte das alles auch nicht zu hoch hängen, Es ist schön sich mit dem tippern hier Luft zu machen oder von mir aus auch Selbstdarstellung zu betreiben, aber hier werden keine Schlachten geschlagen.
Überzeugen kann man online sowieso niemanden. Wie auch, man kennt die Schreiber nicht und ihre Qualifikation noch weniger. Da zählt (wenn überhaupt) nur eigenständiges Denken und da hat Querschuesse (zumindest bei mir) bisher nie gelöscht.
Querschuss - 23. Februar 2012
“Und zu sehr gegen den Strich gehende Posts werden hier schlicht und einfach gelöscht !! ”
Richtig, zumal wenn das Hauptbegehr des betreffenden Kommentartors primär Provokation ist, bzw. die geposteten Inhalte dem Blog Querschuesse abträglich sind. Werner’s Kommentare werden auch in Zukunft alle gelöscht, auch wenn er es immer wieder, auch zur Nachtzeit versucht.
Gruß Steffen
Roland - 23. Februar 2012
Sehr gut, denn kritische blogs müssen sich immer häufiger professioneller Astrotufer erwehren.
Zum Thema:
Ob die Öl-Hausse nur Liquiditäts-getrieben ist, bezweifle ich:
1. Katar scheint bei seinen Reserven massiv zu schummeln und bekommt jetzt schon Probleme mit der Förderung.
2. Und Saudi-Arabien muss jetzt ein seit 30 Jahren stillgelegtes Feld mit minderwertigstem Schweröl wieder in in Betrieb nehmen, da die angeblichen Zusatz-Kapazitäten wohl nur auf dem Papier stehen.
Es ist offensichtlich alles schon sehr viel enger als öffentlich verbreitet.
Querschuss - 23. Februar 2012
Hallo Roland,
natürlich nicht nur, klar steigen die Förderkosten, die latente Euroschwäche spielt eine Rolle, die potentielle Irankrise, aber die Preisspitze ist vordergründig liquiditätsgetrieben, denn die Nachfrage ist zur Zeit eben nicht an der Spitze. Bereits jetzt dürfte der hohe Ölpreis und in Folge der hohe Preis für Kraftstoffe nachfragezerstörend wirken, nicht nur in Griechenland sind die realen Umsätze von Kraftstoffen rückläufig.
Gruß Steffen
SLGramann - 23. Februar 2012
Was heißt schon “eingefleischte PeakOiler”? Es ist leider eine Tatsache, dass die Produktion des sogenannten “crude-Oil” (das ist das konventionelle Öl, das auf eine Art gefördert wird, wie sich das Hans und Franz so vorstellen) seit ungefähr 2005 stagniert. Wir sind – alle Preisspitzen und Preiszusammenbrüche hin oder her – bei crude ganz offensichtlich in der Plateau-Phase. Das ist kein PeakOil-Gelaber, das ist eine gemessene Tatsache.
Gleichwohl können wir die Menge an “all-liquids” (also crude + alle unkonventionellen Öle samt Biokraftstoffen) weiter steigern. Insofern wird uns 2012 mehr all liquids zur Verfügung stehen, als je zuvor. Das ist die nächste Tatsache.
Wo jetzt das Problem ist?
Das Problem ist, dass sich die Produktion von unkonventionellem “Öl” nicht schnell steigern lässt. Die Angebotsmengen bleiben tendenziell hinter der wachsenden Nachfrage aus bspw. Asien zurück. Das treibt langfristig den Preis.
Das nächste Problem ist, dass die Produktion von unkonventionellem Öl viel(!) teurer ist, als die Förderung von crude und die Kosten ständig steigen. Auch das treibt langfristig den Preis bzw. drückt auf die Angebotsmenge.
Um es kurz zu sagen: Es war früher immer(!) möglich, die Menge des billigen crude-Oils in dem Maße zu erhöhen, wie die Nachfrage stieg.
Seit 2005 ist das nicht mehr möglich. Wir haben deshalb begonnen zu “tricksen”.
Das ist ein neues Paradigma. Und das ist eine große Scheiße. Denn die Zeit billiger Energie ist ein für alle Mal vorbei. Die Auswirkungen dieses neuen Paradigma haben wir noch längst nicht alle auf dem Schirm. Dafür ist das alles noch viel zu neu und steht zu sehr am Anfang.
Vandermonde - 23. Februar 2012
Kurz zu der PeakOil Debatte. Auch wenn es ein bestechendes Erklärungsmodell ist (vor allem für die Pessimisten, die sich in diesem Blog herumtreiben
), sind die Zusammenhänge keineswegs so klar, wie das die ASPO gerne hätte.
Die besten Hinweise sind die vergangenen Peak Oil Vorhersagen von z.B. Campbell und anderen, die regelmäßig danebenlagen.
Ob es überhaupt einen “Peak” geben wird oder auch mehrere, steht nicht fest. Beurteilen wird man das erst im Rückblick von einigen Jahren bzw. sogar Jahrzehnten können. Ganz zu schweigen davon zu beurteilen, wie sich der Preis in Zukunft entwickeln wird. Gibt es einen Preisanstieg über 30 oder 40 Jahre wird sich die Weltwirtschaft vermutlich ganz gut darauf einstellen können.
AlienObserver - 23. Februar 2012
Falls sie zu Peak Oil zahlen brauchen um von der Unausweichlichkeit der Energiekrise überzeugt zu werden kann ich Ihnen den Blog “Do the math” empfehlen. Der Professor für Physik an der University of California, San Diego, kann, wie die querschüssen nur als erbarmuslos objektiv beschrieben werden.
Siehe: http://physics.ucsd.edu/do-the-math/
Die dort mit der Unbestechlichkeit simpler Zahlen zusammengetragenen Informationen sollten jeden der immernoch glaubt, dass wir die Ressoursenkrise abwenden können wenigstens dazu bringen seinen SUV abzuschaffen.
leslie - 23. Februar 2012
Wartet mal ab bis jeder Chinese ein Auto hat.
Da werden sich die Menschen nach einem Preis von 200 Euro je Barrel zurücksehnen.
Dann hat aber der Automobilwahnsinn hierzulande enlich ein Ende was mich am meisten freuen wird.
Mfg
jo - 23. Februar 2012
@Argonaut,
erzähl mal mehr wie ein jeder Haushalt den Ölkosten hedgen soll? Entsprechende Mengen Holz und Kaminofen?
Bin ernsthaft interessiert an neuen Erkenntnissen, manchmal sehe ich den Wwald vor lauter Bäumen nicht.
Gruss, jo
M.E. - 23. Februar 2012
Auch wenn ich langsam Fusseln an der Tastatur bekomme, noch einmal der Hinweis:
für uns Deutsche und für die ganz überwiegende Anzahl von Europäern geht es garnicht um Peak Oil (Peak all liquids).
Es geht für uns fast ausschließlich um Peak Exportoil. Und der ist schon vor Jahren klar überschritten worden. Bei gleichzeitig GLOBAL steigender Nachfrage nach Importöl.
An dieser steigenden Nachfrage ändern auch einbrechende Verbräuche in Ölverbrauchs-Peanuts-Staaten wie Griechenland und Portugal nichts.
Eine geringer werdende Angebotsmenge und eine tendenziell steigende Nachfragemenge passen nun mal nicht zusammen.
Da MUSS Nachfrage über den Preis eliminiert werden.
Die Liquiditätsschwemme wird, was sehr kräftige kurzzeitige Preisanstiege angeht, auch eine Rolle spielen. Aber der Hauptgrund ist klar Peak Exportoil mit einem globalen Mengenrückgang von mittlerweile 5% zum Hoch und sogar 10%, wenn man die Importmengen von China und Indien rausrechnet. Also die Ölexportmenge, die für alle anderen importabhängigen Staaten übrigbliebt.
Die jetzigen Preise sind also alles andere als überraschend. Und weitere Nachfrage wird in den kommenden Jahren über den Preis zu eliminieren sein.
Ert - 23. Februar 2012
Richtig M.E.
Für mich sind zwei Sachen wichtig:
- Das Exportlandmodell – auf das Du hinweist
- Und Peak Cheap Oil.
Der Investor James Dinnes wurde mal im Interview (glaube von C.Martenson oder J. Puplava) auf Peak Oil angesprochen, worauf Dinnes antwortete das er an “Peak Cheap Oil” glaube da Ihm insb. zu Peak Oil die Daten fehlen.
Ich denke, das man mit der Peak Cheap Oil Diskussion auch massiv weiter kommt – das ist Ökonomisch viel greifbarer, da absehbar ist das zukünftige Ölquellen sehr, sehr, sehr teuer werden.
Vivlos - 23. Februar 2012
Dass es einen Zusammenhang zwischen Liquidität und Aktienmarkt gibt, steht ausser Frage.
Das gilt auch für den Ölpreis, ich vermute aber eher zum grossen Anteil über den Umweg Aktienmarkt.
Da es offiziell in den USA kein QE3 gibt, hat scheinbar die EZB den Part QE übernommen.
Das ist der Grund nach meinen Überlegungen, dass gerade alles steigt.
Steigt der Dollar weiter, dürfte das schlecht für Aktien und Öl sein.
Miese Aktienkurse liegen aber nicht im Interesse der USA.
http://www.abload.de/image.php?img=qenpisw.jpg
lenin - 23. Februar 2012
ich dachte, seit dem Ende von Bretton Woods ist der Dollar quasi durch ÖL gedeckt? Da ist es doch nachvollziehbar, dass der Ölpreis bei der Dollarschwemme durch die Decke geht.
PS wer hier meint, Energie sei noch viel zu billig, der soll mir mal meinen Heizöltank voll machen, die 300 Liter Sprit pro Monat für mich und meine Frau bezahlen, damit wir auf Arbeit kommen, …ach und Strom… wäre auch toll. Ich habe nämlich keine 40 m² Wohnung in der Großstadt.
Ert - 23. Februar 2012
300 Liter Sprit/Monat Kfz? Das sind ca. 5000-6000 Km pro Monat?
Wer solch einen Wahnsinn macht ist selber Schuld – Sorry, Keiner zwingt Dich so weit von der Arbeit zu wohnen oder unwirtschaftlich zu handeln. Keiner zwingt Dich das mit dem eigenen Kfz zu machen – da gibts Alternativen.
Zu dem Standard Argument: “Die alternativen kosten mehr Zeit” – Das ist kein Argument sondern eine Entscheidung! Zeit kostet Geld. Der Luxus-Anspruch bestimmte Sachen mit einem eigenen Kfz zu machen kostet Geld – alles ganz normal.
Die Wohnung heizen kostet viel Geld? Wer hätte das gedacht. Hier wieder die gleiche Sache: Der eigenen Anspruch entscheidet über die Kosten/Ausgaben.
AlienObserver - 23. Februar 2012
Obwohl hier sehr viel Verstand versammelt ist, wird die Tragweite des Peak Oil Problems nur wenig begriffen.
Es ist nicht so, dass die nötigen Informationen zu diesem Problem nicht Verfügbar wären. Prominenteste Quelle von Informationen ist natürlich die IEA, die Energieagentur der OECD.
Wenn deren Leiter Fatih Birol zugibt, dass der Peak für crude oil schon 2006 erreicht wurde ist die höchst alarmierend. Mir scheint, viele reduzieren Rohöl auf seine Bedeutung als Energieträger. Unsere gesamte Wirtschaftsproduktion ist von Rohöl abhängig. (95% sagt diese Studie der Bundeswehr zu Pweak Oil http://derblickausderferne.blogspot.com/2011/05/studie-der-bundeswehr-zu-peak-oil.html)
So gut wie alles was wir Herstellen kann auf Erdöl als einen der entscheidenenden Rohstoffe zurück geführt werden. Ein Ersatz ist nicht in sicht. Möglicherweise ist Erdöl als energieträger langfristig abzulösen, aber eine niedrigere Verfügbarkeit von Rohöl betrifft weit mehr als den Energiemarkt.
Es ist Liebigs Gesetz vom Minimum das auch unsere Produktionskapazitäten bestimmt. Das Ausbleiben eines entscheidenden Rohstoffes muss die Gesamtwirtschaftsleistung Global massiv betreffen. Auch sind flüssige kohlenwasserstoffe als energieträger für den Transport nicht zu ersetzen (oder haben Sie schon von 40 Tonnern mit elektroantrieb gehört).
Nicht, dass all diese Probleme nicht mit genug Zeit und Aufwand ersetz werden könnten, aber gnau diese Zeit läuft uns davon. Wir befinden uns auf einem Plateau der Rohölförderung und steuern auf ein 5-6%ige Fördermengenreduktion in ca. 5 Jahren zu.
Nicht jetzt auf Alternativen zu setzen bedeutet Wirtschaftlichen zusammenbruch.
(auch hier wieder empfehlenswert duie Rechnungen von tom Murphy in “Do the Math”, http://physics.ucsd.edu/do-the-math/ )
Mehr zu Peak Oil und liebigs Gesetz : http://derblickausderferne.blogspot.com/2011/05/peak-oil-und-liebigs-gesetz.html
Ert - 23. Februar 2012
@AO
Die sache ist: Der Transportsektor schluckt glaube ich über 50% des Öls. Und wenn man dann noch die Reifen und die Erzeugung der Transportmittel rechnet….
Ich denke hier sind massive Sparpotentiale! Weiterhin gibt es eine gigantische Verschwendung in anderen Bereichen. Das alles ist langfristig (100+ Jahre) eine Lösung – wir haben dennoch die Möglichkeit den Ölverbrauch massivst zu strecken…. nur machen wir das aktuell nicht.
M.E. - 23. Februar 2012
Hallo Lenin,
natürlich ist Energie bezogen auf heute übliche Verbrauchsmengen schon teuer geworden und tut vielen Menschen schon verdammt weh.
Aber im historischen Vergleich (gerechnet in den Zeiten vor etwa 1950 und erst recht in noch früheren Zeiten ) ist Energie superspottbillig. Immer noch.
Natürlich ist diese Tatsache, für die, die jetzt schon sehr unter den gestiegenen Preisen ächtzen nur ein geringer Trost. Ist mir schon klar.
lenin - 23. Februar 2012
danke M.E. für Dein Veständnis, du hast ntürlich recht, nur mein Vater fuhr früher 4 km mit dem Moped, meine Mutter machte Heimarbeit – so war das damals. Da war auch ein Preis von 1,50 Ost-Mark erträglich.
Heizung? Freilich sparen wir – aber ist eine warme Wohnung heutzutage Luxus?
M.E. - 23. Februar 2012
Hallo Alienobserver,
und was ganz entscheidend ist: Öl ist die Varraussetzung, fast alle anderen Rohstoffe (von Kohle über Eisenerz, Uran und Kupfer bis zu Phosphaten und Kali) in heutigen Mengen und zu heutigen Preisen zur Verfügung zu stellen.
Ohne Öl werden alle anderen Rohstoffe dramatisch teurer und gehen in den Verfügbarkeitsmengen drastisch zurück.
Und natürlich bedeutet Öl auch, dass es 2 bis 3 Prozent der Bevölkerung schaffen, die übrigen 97 bis 98% zu ernähren.
Ohne Öl müsste mindestens der 10-fache Bevölkerungsanteil in den Industrieländern in der Landwirtschaft arbeiten. Also etwa 30%.
Ert - 23. Februar 2012
Ja M.E.
die 30% in der Agrarwirtschaft würden vielen wieder eine sinnigere Existenz und soziale Integration geben als heutzutage.
Ich habe als kleiner Bengel noch Stockrüben und Klette auf dem Acker ausgezogen. Heute spritzt man (zig mal) drüber, da das manuelle Ausziehen selbst mit einfachsten Arbeitskräften (wenn man die denn findet) nicht bezahlbar wäre.
Sollten wirklich wieder 30% auf dem Feld arbeiten – dann muss auch die Wertschöpfung an 10 mal so vele Leute verteilt werden oder die Produkte entsprechend teurer werden. Ich glaube viele wissen nicht was das heisst…..
Nicht umsonst hatte die EU in den 60ern die Parole ausgegeben: Das Essen muss billig werden, damit die Leute Kaufkraft für den (Industrie-) Konsum haben. Deswegen haben wir auch heute diese irrige Agrarpolitik. Schlechtes essen, kaputte Strukturen, kaputte Umwelt, damit der Konsum, der die Industrie Stützt weiter läuft.
Querschuss - 23. Februar 2012
Hallo M.E.,
alles richtig und grundsätzlich langfristig ausser Frage, auch das von Alienobserver, nur diese Erkenntnisse hatten wir bereits 2007/2008 im alten Wirtschaftsquerschussblog, dessen meisten Artikel nicht mehr online sind. Nur damals wie heute stellt sich die Frage, handelt es sich um eine akute Angebotsverknappung gar bereits als durchschlagendes Zeichen von einem globalen Peak Oil All Liquids? Nein ich denke nicht, momentan gibt es kein wirkliches Angebotsproblem, eher eine latent schwache Nachfrage, deswegen ist für mich die Preisspitze liquiditätsgetrieben, so wie die 148 Dollar 2008 auch eine primär spekulationsgetriebene Aktion war und kein akutes Zeichen von Peak Oil. Das grundsätzlich die Story ein wenig stimmig sein muss, ist klar, gegen ein eindeutiges Überangebot beim Öl würde auch nicht die Liquidität gejagt, Spekulanten sind ja nicht komplett blöd, aber die Story passt doch halbwegs, schwacher Euro, Iran und Heizsaison.
Gruß Steffen
AlienObserver - 23. Februar 2012
Dem kann ich durchaus zustimmen.
Verlässliche Zahlen für den Verlauf der Verknappung zu bekommen ist schwierig. Es ist durchaus nicht auszuschliessen, dass diese sehr bald (nächstes Jahr?) beginnt.
Der Grund: “If the real [oil reserve] figures were to come out there would be panic on the stock markets … in the end that would suit no one.”
(Colin Campbell, ehem. Direktor des Französischen Ölkonzerns Total:)
Die meisten Quellen sprechen von einem Plateau von 5 – 10 Jahren, lange werden die Auswirkungen also nicht mehr ausbleiben. Die momentane Preiserhöhung ist aber sicherlich besser auf die genannten Ursachen zurück zu führen.
M.E. - 23. Februar 2012
Ihr dürft Euch das nicht als Verknappung im Sinne von langen Autoschlangen vor Tankstellen vorstellen. Jedenfalls keinesfalls in der Regel.
Verknappung im eigentlichen Sinne wird es garnicht geben. Der Preis wird einfach so weit steigen, bis die reduzierte Nachfrage IN DEN IMPORTABHÄNGIGEN LÄNERN wieder zum rückläufigen Angebot SEITENS DER EXPORTLÄNDER passt.
5% der Nachfrage aller importabhängigen Länder ist bereits eliminiert worden. In den OECD-Ländern noch mehr, weil die z.B. China und Indien immer noch mehr nachfragen. Der Prozess der Angebotszerstörung hat also schon vor einigen Jahren begonnen in den meisten westlichen Ländern.
Die importabhängigen Länder des Westens sind klar post-PEAK in ihrer Ölverfügbarkeit! Manche mehr, manche weniger. Noch mit erträglichen Folgen. Wenn aber die Declinerate pro Jahr zunimmt, werden sich immer gravierende Folgen einstellen.
Der Niedergang Griechenlands, Portugals und Spaniens ist AUCH UNTER ANDEREM ein Ergebnis der dort sehr kräftigen Nachfragezerstörung bei Importöl. Auch dadurch wird realwirtschaftliche Wertschöpfung vernichtet, zusätzlich zu den Folgen der Schuldenkrise..
Während andere Ölimportländer mit größerer realwirtschaftlicher Stärke sich auch zu steigenden Kosten noch genügend Importöl leisten können. Bis das Preisniveau so stark steigt, dass auch bei denen eine Nachfrage- und damit Wertschöpfungserosion einsetzt.
Aber wie gesagt: eine physische Verknappung im Sinne von Warteschlangen wird es nie geben in der Regel. Alles geschieht über den Preis und die kaufkräftige Nachfrage.
Ert - 23. Februar 2012
@M.E.
Danke das Du dies auch noch mal sagst – kommentiere ich ja hier auch ewig so.
Meine Betrachtung der Auswirkungen von Peak (Cheap) Oil hat sich in den letzten Jahren auch immer weiter transformiert. Das größte Risiko sehe ich darin, wenn den Marktteilnehmern in der vollen Breite klar wird – das auf unabsehbare Zeit Morgen schlechter sein wird als heute. Dies kann dann zu irrationalen Sachen wie Exportstopps, Kontingentierung und weiteren künstlichen Verknappungen führen.
Öl nur noch im direkten Tausch für Gold/Ressourcen/Nahrung anstatt “Fiat” ist für mich durchaus vorstellbar.
AlienObserver - 24. Februar 2012
Als Verknappung sehe ich den Rückgang der weltweiten Fördermenge die den weiter wachsenden Bedarf der Länder trotz Einsparungen nicht mehr decken kann. Natürlich trifft eine solche Entwicklung zuerst die Länder die die daraus resultierenden Preiserhöhungen nicht mehr verkraften können.
Das Resultat der Verknappung ist der sogenannte “energy Gap” der sich auf die globale Weltwirtschaft auswirken wird und das globale BIP sinken lassen wird.
An Warteschlangen an Tankstellen habe ich als letztes gedacht.
Es kommt durch den Förderrückgang (wie oben richtig bemerkt) zu einer rasante Erhöhung aller Preise an den Rohstoffmärkten und einer massiven Verteuerung von Nahrungsmitteln, da die Produktion sinkt und immer mehr Agrarprodukte zur energiegewinnung abgezweigt werden.
Die Verfügbarkeit von Arzneimitteln und anderen wichtigen Produkten der Chemischen Industrie wird sinken. Transport von Gütern über weite Strecken wird immer teurer was zu einer Entglobalisierungstendenz führen wird.
All dies wird schwächere Volkswirtschaften schwer treffen und soziale Spannungen innerhalb der Länder eskalieren lassen. Weiterhin werden Länder um die verbleibenden Rohstoffreserven verbitterten Wettbewerb führen. Wahrscheinlich folgt eine Ausweitung der schon Stattfindenden Kriege um diese Rohstoffe.
Der Energieminister der Atommacht indien sagte einmal “Indien wird alle Mittel Einsetzen um den wachsenden Energiebedarf seiner Bevölkerung zu decken”.
Keine Ahnung wohin das Führen wird, denn der Energiehunger der Bevölkerungsreichen Schwellenländer wächst gewaltig.
Aus http://www.investorwissen24.de/rohstoffe/news/chindia-das-grosse-geschaeft-mit-dem-oel/ :
“Die USA mussten 1965 22% ihres Bedarfs durch Importe decken. Erst 1993 – also nach 27 Jahren – war es dann soweit, dass 50% durch Importe abgedeckt werden mussten.
China, das bevölkerungsreichste Land der Erde, erreichte diese Spanne nach gerade einmal neun Jahren. Zunächst betrug die jährliche Steigerung nur 7%. Seit dem Jahr 2000 war jedoch eine eklatante Steigerung zu beobachten, nämlich 16% pro Jahr. Heute beläuft sich der Prozentsatz von Chinas Bedarf an Ölimporten bereits auf 54%.
Indien, das zweitbevölkerungsreichste Land der Erde, muss seinen Ölbedarf seit 2000 mit einer Steigerung von 6% pro Jahr über Importe decken. Importe sichern heute 76% seines gesamten Ölverbrauchs ab”
Kurz, ich glaube nicht, dass wir es relativ gesehen als Problem empfinden werden, dass wir den X6 nicht mehr billig volltanken können.
M.E. - 23. Februar 2012
Exakt meine Meinung Ert.
Auch ich sehe es als wahrscheinlich an, dass z.B. in den 20er / 30er Jahren, nach weitgehendem Kollaps des Geldsystems, der internationale Güter- und Rohstoffaustausch (das, was dann davon übrig ist) zum nicht geringen Teil in einer Art Tauschhandel abgewickelt wird.
Länder, die weder wichtige Rohstoffe, Nahrungsmittel (über den eigenen Bedarf hinaus) oder bestimmte wichtige Industriegüter anzubieten haben, nehmen dann kaum noch am Welthandel teil.
Armes Griechenland. Armes Großbritannien.
Unter anderem.
Ert - 23. Februar 2012
GB hat dann zumindest noch marginale Fördermengen an Gas und Öl aus der Nordsee. Zwar haben die dann auch eine ganze Atomwirtschaft zu entsorgen – aber das Problem teilen wir mit denen.
Leider verschließen vor dieser Perspektive zu viele Leute Ihre Augen – und denken Ihre Lebensversicherung wird 2035 oder 2045 pünktlich in Kaufkraftbeständigen Euros ausgezahlt (Prust!).