Brent-Oil Preis zieht an und birgt enorme Risiken

von am 17. März 2012 in Allgemein

Die weltwirtschaftlichen Wachstumskräfte lassen sichtbar nach und ein potenter Wachstumshemmer dürfte die Situation weiter zuspitzen. Der Brent-Spot Ölpreis zog am Freitag auf 126,40 Dollar je Barrel an und der Brent-Oil Future stieg auf 126,06 Dollar. Für die Volkswirtschaften der Eurozone bedeuten diese Preise in Euro, auf Grund der latenten Schwäche der Währung gegenüber dem Dollar, Höchstpreise und diese sind zusammen mit der Schuldenkrise, ein starkes Hemmnis für eine wirtschaftliche Erholung! Die hohen Preise für Rohöl drücken zusätzlich auf den eh schon schwachen Konsum und letztlich damit auch auf die Produktion, wie die schwächelnden Industrieproduktionsindizes Anfang 2012 in vielen Eurozonenstaaten zeigen. Auch die lockere Geldpolitik und die Liquiditätsinjektionen der EZB in das Bankensystem sind eher kontraproduktiv, denn die Kreditvergabe an die Realwirtschaft haben die brachialen geldpolitischen Mittel nicht angekurbelt, aber die hohe Liquidität im System wirkt tendenziell Ölpreis treibend.

Damit fällt den “Euro-Rettern” nicht nur die zur Schwäche neigende Währung auf die Füße, sondern auch die Nebenwirkungen der Liquiditätsflutung der Banken und der Finanzmarktakteure, die den Ölpreis im Windschatten einer potentiellen Irankrise nach oben treiben. Gestern notierte der Brent-Oil Future in Euro bei 96,02 Euro je Barrel Rohöl, nur 14 Cent unter dem bisherigen Allzeithoch per Schlusskurs vom 24.02.2012.

Die Entwicklung des Brent-Oil Future (Endloskontrakt) in Euro je Barrel seit Januar 1999 im Dailychart. In Euro notierte gestern der Brent-Oil Future per Schusskurs bei 96,02 Euro!  Dieses hohe Preisniveau dürfte messbare volkswirtschaftliche Schäden in der Eurozone anrichten!

Sollte der Preisanstieg nicht nur der vorhandenen Liquidität, dem schwächelnden Euro, steigenden Förderkosten, sinkendem EROEI (energy returned on energy invested) und der bisher ungebrochenen Nachfrage aus Asien, insbesondere China, geschuldet sein, dürfte dies in unkalkulierbaren Risiken münden. Sollte sich eine echte Zuspitzung im Irankonflikt manifestieren, müssen sich die Verantwortlichen in Israel und den USA darüber bewusst sein, dass eine kriegerische Auseinandersetzung mit dem Iran, den Ölpreis durch die Decke gehen lassen würde, gerade angesichts der gigantischen Liquidität im Zombie-Bankensystem der Eurozone, UKs und der USA. Dies würde nicht nur eine weltweite wirtschaftliche Depression auslösen, sondern auch den Kollaps der aufgebauten Kreditpyramiden. Man kann nur hoffen, dass die Verantwortlichen sich diesem Fakt bewusst sind und eine Abwägung von Nutzen und Risiken vornehmen, die sich in einem Bereich der Realität und nicht des Wunschdenkens abspielt.

Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

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16 KommentareKommentieren

  • SLGramann - 17. März 2012

    Ich weiß, das ist jetzt hart am Verschwörungstheoretischen, aber ich gehe davon aus, dass die Einmischung des Westens in Libyen, vor allem aber in Syrien dazu dient, den großen Krieg gegen den Iran vorzubereiten, mindestens aber ihn für den Fall der Fälle möglich zu machen. Jede Wette, dass die sogenannten Aufständischen in Syrien von westlichen Geheimdiensten mit Informationen, Geld und Waffen gepampert werden. Die Hisbollah wäre im Kriegsfall eine massive Bedrohung für Israel. Aber was ist die Hisbollah ohne die Syrer wert? Wohl nicht viel.

    Also, wer gegen Iran ziehen will, muss zunächst Israels Flanke sichern und die Hisbollah bzw. Syrien ausschalten.
    Das ist es, was meiner Meinung nach gerade geschieht.

    Ich will das gar nicht abschließend bewerten, denn die Situation ist wirklich kompliziert. Was ich aber sagen will, ist, dass es sehr, sehr danach aussieht, dass der ultimative Golfkrieg – diesmal gegen Iran – vorbereitet wird. Soweit sein könnte es nach den Präsidentschaftswahlen in den USA, falls sich die Eigendynamik der Situation ans Drehbuch hält…

    • dank - 17. März 2012

      Mhm, ja, aber einen echten Grund wie einen Terroranschlag (von “offiziell” Irans Gnaden) oder den Fund einer schutzigen Bombe, die auf den Iran zurückzuführen ist, geht noch ab… Evtl. tuns auch ein paar Raketen die aus Richtung Iran in Israel einschlagen (und atomare Plutoniumspuren tragen, die auf den Nordvietnam zurückzuführen sind – ergo Iran) oder oder oder… Und vor allem das sollte besser vorbereitet sein, als ein Selbstmord-Schnellboot auf nen US Flugzeugträger oder ähnliches. Wäre doch mal was erfrischendes “nicht zweifeln zu müssen”. ;-) Das wäre damit wieder eine VT.

      In der Zwischenzeit saugen sich alle Länder, die Bescheid wissen mit Öl voll bis die Küsten triefen und legen richtig dicke Vorräte an. Das ist nicht allein für die Bevölkerung gedacht – mehr fürs Militär.
      Und der kleine Mann – ja, der staunt UND zahlt.
      Erstaunen ist teuer geworden in unseren Tagen.

    • Canpichurri - 19. März 2012

      Iran ist Persien und nicht Arabien. Schon in der Historie waren und sind Perser mental viel stärker auf kriegerische Auseinandersetzungen vorbereitet als Araber. Das wird kein “Spaziergang a la Lybien” – das wird wohl eher noch chaotischer ablaufen und mit wesentlich höheren Verlusten als im zerstörten Afghanistan. Wenn sich die westliche Welt wirklich auf einen Krieg mit dem Iran einlässt – getrieben von den israelis – dann sage ich mal einen Krieg von min. 10 Jahren voraus. Für die westliche Industrie muss das gar nicht so schlecht sein, denn Rüstung hat schon immer viele Arbeitsplätze geschafft (siehe 2. Weltkrieg).
      Wenn wir also schon bei Verschwörungen sind, warum nicht mal auch in diese Richtung denken? Ist gar nicht so abwegig. Unsere Regierungen müssen (!!) über den Zustand der Lage Bescheid wissen (sonst gehören die morgen auf die Strasse gesetzt), aber es fehlen ihnen die guten Ideen, aus der Misere wieder herauszukommen. Ein Kreditproblem kann man nicht mit mehr Kredit lösen (daher die Austeritätsmassnahmen), aber auch nicht mit Liquidität wie man jezt so schön sieht. Einziger Ausweg aus der Misere: einen Krieg anzetteln und sehen wie dadurch Schulden und Missstände durch Inflation und einer “alternativlosen Endlösung” wieder ins Lot gebracht werden.
      Die Bevölkerung ist dabei unwichtig – in Europa, in Amerika oder auch sonstwo.

  • Achim Hase - 17. März 2012

    Für die Volkswirtschaften der Eurozone bedeuten diese Preise in Euro, auf Grund der latenten Schwäche der Währung gegenüber dem Dollar, Höchstpreise

    Latente Schwäche? Erst hieß es in der Presse der Euro sei zu hoch, jetzt ist er latent schwach und der Unterschied sind nicht einmal 10%. Kurz nach dem Eurostart waren wir bei 0,82 Dollarcent, jetzt sind wir bei 1,32 — vor wenigen Jahren war dieses Niveau bereits eine extreme Eurostärke mit fatalen Auswirkungen auf die Exportindustrie.

    Ja, die volkswirtschaflichen Daten in den USA sind schlecht, das Zinsniveau ist niedrig, die Liquidität im Markt enorm und der Fair Value ist wo ganz anders. Nur sind Währungen selten bei ihrem Fair Value. Der Yen müsste geradezu implodieren.

    Ein hoher Ölpreis ist nicht unbedingt schlecht, wenn man die Konjunktur nicht als ein einfaches Auf und Ab des Status Quo sieht, sondern auf qualitatives Wachstum setzt. Man erinnere sich an die Elektroautoeuphorie um 2008/2009 und der zwischenzeitliche Schwenk zurück zu den geliebten V8 big block Pickups. Solange GM Gewinne schreibt, ist etwas faul.

  • Eric B. - 17. März 2012

    In der Eurozone schlägt nicht nur der raketenartig steigende Rohölpreis, sondern auch noch der vergleichsweise schwache Euro zu Buche. Deshalb erreicht der Ölpreis hier Rekordwerte, für einen Euro gibt es immer weniger von dem schwarzen Gold. Dies wiederum dürfte die Wirtschaft, die ohnehin in einer Rezession steckt, weiter abwürgen. Vor allem der krisengeschüttelte Süden wird darunter leiden, wie so oft.

    Man könnte also erwarten, dass sich nun die EU-Außenbeauftrage Ashton, Energiekommissar Oettinger und Wirtschaftskommissar Rehn zusammensetzen, um über die Folgen der Iran-Öl-Euro-Krise und eine mögliche Gegenstrategie nachzudenken. Sinnvoll wäre es zum Beispiel, den Sparkurs zu lockern und den Südeuropäern zu helfen, die das iranische Öl zu ersetzen.

    Doch eine solche ressortübergreifende Politik ist in der EU selten, eine Gesamtstrategie gibt es bisher gar nicht. http://lostineurope.posterous.com/das-ol-das-uran-die-eu

  • Querschuss - 17. März 2012

    Hallo Achim,
    latent schwacher Euro war in Bezug auf den Brent-Ölpreis gemeint. Am 03.07.2008 war das Allzeithoch in Dollar bei 146,06 Dollar je Barrel dies entsprach 93,05 Euro. Gestern 126,06 Dollar dies entsprach 96,02 Euro.

    Gruß Steffen

  • Georg Trappe: - 18. März 2012

    “Doch eine solche ressortübergreifende Politik ist in der EU selten, eine Gesamtstrategie gibt es bisher gar nicht. ”

    Es ist ja auch viel bequemer Herrn Draghi das alles mit geld- und finanzpolitischen Massnahmen
    regeln zu lassen. Den “Rest” erledigen dann die magischen Haende des Marktes und die Genies der Troika. Oder?

  • Frank - 18. März 2012

    an Achim Hase:
    “Ja, die volkswirtschaflichen Daten in den USA sind schlecht, das Zinsniveau ist niedrig, die Liquidität im Markt enorm und der Fair Value ist wo ganz anders. Nur sind Währungen selten bei ihrem Fair Value. Der Yen müsste geradezu implodieren.”

    Warum soll der Yen implodieren ? Die faire Kaufkraftparität beim Yen beträgt aktuell 102 – er ist also sogar derzeit extrem nah an seinem Fair Value.

    faire Kaufkraftparitäten auf Seite 18 des Devisenkompass vom 23.2.2012
    http://www.hsbctrinkaus.de/global/display/maerkteundresearch/devisen/devisenkompass

  • 2_Tone - 18. März 2012

    Hab da mal eine Frage weil es für mich nicht ganz erklärbar ist. Wenn Erdöl ein Weltweit gehandeltes Gut ist und die Preise des WTI und Brent Jahrelang beinahe gleich waren, wie kann es dann sein, dass jetzt seit einiger Zeit so ein Unterschied zwischen beiden ist? Es wird ja kaum noch Öl der Marke Brent verbraucht (erschöpfen der Quelle), sondern Öl aus aller Welt (Brent Öl deckt ja bei weitem nicht den Bedarf Europas). Woher kommt also der Unterschied? Dieser Unterschied müsste ja langsam ausgeglichen werden (durch Arbitragegewinne oder andere Möglichkeiten). Wo liegt mein Denkfehler?

    • micdinger - 18. März 2012

      Es gibt ja noch mehr Ölsorten. Brent und WTI sind nur die am häufigsten genannten Referenzkurse, und der WTI-Preis bezieht sich ja auf den Auslieferungsort Cushing in Oklahoma. Und dort sind die Lagerbestände noch sehr hoch. Von da muss dass Rohöl erst mal nach Europa gebracht werden.

    • MagnaBavaria - 18. März 2012

      Hallo,

      guck mal hier in den Bericht rein, da wird es ausführlich erklärt:
      http://www.erstegroup.com/de/Downloads/0901481b800999cc.pdf

  • Vogel - 18. März 2012

    Da bin ich aber froh, dass die Politniki nich nur auf die Sozialschmarotzer schimpfen kann, nee, auch die Schpekulanten sinns, der Ölpreis, die Heuschrecken …

  • Andres Müller - 18. März 2012

    Neben dem Öl stehen auch Preisexplosionen bei den seltenen Erden an. Die Chinesen haben keinen Spielraum oder Lust mehr um ihre Umwelt und die immer einflussreichere Arbeitnehmerschaft auszubeuten -nur damit der Westen billigst zu den Hightech -Metallen kommt. Ausserdem befürchtet man in China, dass die USA auf der Suche nach Arbeitsplätzen in “Roboterfabriken” made in USA investiert, z.B. für die Produktion von iPad und Co. ..und das geht nur mit diesen Rohstoffen.

    Bevor die Chinesen in er südlichen Mongolei mit der Förderung begannen, waren seltene Erden um 300-500% teurer als heute. So würde es auch wieder kommen, wenn es den USA und den Briten nicht gelingt die Chinesen zum Abbau zu zwingen. So billig wie in China abgebaut werden konnte wird das nirgends mehr möglich sein.

    Ich rechne mit Preissteigerungen von ca. 350% in den nächsten Jahren und Umweltzerstörungen in Indien, den USA, Kanada und Europa bei Wiedereröffnung lokaler Förderstätten. Durch die Verteuerung dieser Metalle wird die Lage auch nicht besser in Europa. Dann muss man noch erwähnen dass diese Elemente nicht nur bei der Förderung zu Umweltbelastungen führt, sie stehen auch im Verdacht via Produkte Krebs zu fördern, Autoimmunkrankheiten zu bringen, Missbildungen und Leber und Nierenleiden zu verursachen. So kommt es dass Wachstum einfach nicht mehr kommen will -das Zeitfenster des Raubbau an Natur und Umwelt hat wohl auch mit Fukushima den Zenit überschritten.

  • macsoja - 19. März 2012

    Aber wenigstens ist Erdgas in den USA noch billig.
    siehe http://www.ariva.de/erdgas_nymex-kurs

  • M.E. - 19. März 2012

    Ja macsoja,
    in der Tat gibt es in den USA derzeit eine gewisse Gasschwemme. Allerdings sind die USA immer noch Netto-Gasimporteur, mit einer Importgasmenge von 70 Milliarden Kubikmetern. Damit sind die USA immer noch der viertgrößte Gasimporteur weltweit. 2008 war die Importmenge aber noch bei 120 Mrd Kubikmetern.
    In den letzten 10 jahren konnte die in den USA geförderte Gasmenge um 15% gesteigert werden.
    Allerdings um den Preis einer Verdoppelung der Gasfördersonden auf mittlerweile deutlich über 500000. Damit sind die USA nicht nur zum größten Gasförderer noch vor Russland geworden, sondern beuten ihre Gasvorkommen auch am weitaus intensivsten von allen Ländern mit größeren Vorkommen aus. Was natürlich zu Lasten der Reichweite geht.
    Das konventionelle Erdgas hat in den USA die besten Zeiten klar hinter sich. Aber der Rückgang der konventionellen Gasförderung wurde überkompensiert durch die unkonventionelle Förderung.
    Nur wird das auch nicht von langer Dauere sein. Bei Flözgas und bei der Ölförderung anfallendem Gas ist nach meiner Kenntnis das Maximum bald erreicht und auch diese Gasförderung wird bald zurückgehen.
    Einen steigenden Beitrag brachte die Shale-Gasförderung. Die letzte mir bekannte Zahl war ein Anteil von 10% an der Gesamtförderung, es dürfte jetzt etwas mehr sein. In 34 Bundesstaaten, also in allen großen Gasshales, wird derzeit bereits gefördert. Mit zigtausenden von Sonden. Allerdings fällt die Fördermenge in einer Sonde schon kurz nach dem Maximum am Anfang steil ab, im Gegensatz zur konventionellen Förderung.
    Das Shale-Gas wird nach meiner Meinung stark überschätzt, was mögliche Fördermenge und Reichweite angeht, weil immer die Gesamtmenge des Gases in den Shales angegeben wird. Wirklich förderbar ist jedoch nur ein Bruchteil, weil durch den starken Druckimpuls beim Fracken große Mengen Gas in weite Bodenräume verteilt werden. Leider gibt es keine Angaben zur Recovery Rate. Meine Bauchschätzung lautet deutlich weniger als 20%.

    Fazit: die USA haben durch exzessives drilling den Abwärtstrend bei Gas und Öl vorübergehend etwas drehen können. Ab den 20er Jahren dürfte insbesondere beim Öl, aber auch beim Gas, dann der Rückgang um so heftiger ausfallen. Kein anderes Land der Erde beutet seine Vorkommen so intensiv aus, wie die USA.

  • Richard - 19. März 2012

    Es kann kein Zweifel daran bestehen, dass die israelische und die US-Führung sich über die Konsequenzen einer Auseinandersetzung mit Iran im Klaren sind. Das ist einer der Gründe, warum es zu einer solchen nicht kommen wird. Eine pro-israelische Stimmung wird sich in den USA nicht gegen eine absolute wirtschaftliche Zwangslage aufrecht erhalten lassen.

    Die Erhöhung des Drucks auf Teheran dient dazu, insbesondere angesichts des bevorstehenden Truppenabzuges aus Afghanistan hegemoniale Ambitionen des Iran zu dämpfen und die West- und Ostperpherie des Landes aus Sicht der USA “stabil” zu halten. Entsprechend lange wird man noch an der Aufrechterhaltung der Spannungen arbeiten. Das eigentliche ökonomische Risiko sehe ich einer Überbewertung dessen durch die Märkte, da zu diesem Zweck zwangsläufig viel Unsinn lanciert wird (wiederum ein Vorgehen, das aus taktischer Sicht klar gegen ein tatsächliches militärisches Eingreifen spricht).