BUBA: Target2 Saldo explodiert auf 615,952 Mrd. Euro

von am 10. April 2012 in Allgemein

Wie zu erwarten war, explodierte nach den heutigen Daten der Bundesbank (BUBA) für März 2012, der positive Target2 Saldo auf ein neues Allzeithoch. Die Forderungen der BUBA aus Target2 stiegen im März 2012 kräftig an, um +68,905 Mrd. Euro bzw. um +12,6%% zum Vormonat, auf 615,952 Mrd. Euro.

Zum Vorjahresmonat mit 323,228 Mrd. Euro zog der Target2 Saldo um +292,724 Mrd. Euro an, dies entsprach einem prozentualen Anstieg von +90,56%. Die Forderungen aus Target2 bilden den positiven Saldo der Bundesbank letztlich gegenüber den nationalen Zentralbanken der Eurozone ab, aus dem so genannten Echtzeit-Bruttozahlungssystem (Target2), dem grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr via Target2 Zahlungssystem. Formal besteht diese Forderung gegenüber der EZB.

Die Forderungen aus Target2 der Deutschen Bundesbank gegenüber den nationalen Notenbanken (innerhalb des ESZB/Sonstige Forderungen netto) auf Monatsbasis in Mrd. Euro seit Januar 1999 im Chart. Vor Ausbruch der Finanz- und Wirtschaftskrise von 1999 bis 2006 lagen die Forderungen der Deutschen Bundesbank im Durchschnitt monatlich bei nur 1,570 Mrd. Euro. Im März 2012 explodieren die Forderungen (positiver Target2 Saldo) auf 615,952 Mrd. Euro.

Target2 Salden sind immer Ausdruck der Zahlungsbilanz und beinhalten Leistungsbilanz und Kapitalbilanz.

Vereinfacht, ein negativer Target2 Saldo kann entstehen als Differenz der Leistungsbilanzdefizite abzüglich der geringeren privaten Nettokapitalzuflüsse oder eben aus der Summe der Leistungsbilanzdefizite zuzüglich der privaten Nettokapitalabflüsse (Kapitalflucht). Der positive Target2 Saldo ist das Pendant dazu, die Differenz der Leistungsbilanzüberschüsse abzüglich der geringeren privaten Nettokapitalabflüsse oder eben als Summe der Leistungsbilanzüberschüsse zuzüglich der privaten Nettokapitalzuflüsse. Bei einem Leistungsbilanzdefizit das dem privaten Kapitalzufluss entspricht oder einem Leistungsbilanzüberschuss dem ein adäquater privater Nettokapitalabfluss entgegensteht, gibt es keine Target2 Salden.

Die stilisierten Bilanzen nationaler Zentralbanken mit negativen Target2 Salden, positiven Target2 Salden und neutralen Target2 Salden.

Die positive Target2 Position der BUBA ist zwar formal eine Forderung gegenüber der EZB, aber eben auch eine Forderung der EZB gegenüber den nationalen Zentralbanken von Portugal, Italien, Irland, Griechenland, Spanien, Belgien und Frankreich (PIIGSBF), die allesamt negative Target2 Salden als Passiva (Verbindlichkeiten) in der Bilanz halten und die auf der anderen Seite ihrer Bilanz als Aktiva, den vergebenen Krediten der nationalen Zentralbanken an die dortigen heimischen Banken entsprechen. Da über das Target2 Zahlungssystem den deutschen Banken Nettokapital zufließt und deren Einlagen steigen, sinkt der Refinanzierungsbedarf bei der BUBA. Da die deutschen Banken letztlich nicht entsprechend des Kapitalzuflusses die Kreditvergabe erhöhen, legen sie das zufließende Kapital bei der BUBA wieder an, als Guthaben, Einlagen auf Girokonten, Mindestreserve, Einlagefazilität.

Wie in den stilisierten NZB-Bilanzen angegeben, geht eine Explosion der Target2 Forderung mit dem Rückgang der Kreditvergabe an die heimischen Kreditinstitute auf der Aktiva-Seite einher und führt auf der Passiva-Seite der Bilanz zur Explosion der Einlagen der Kreditinstitute. So wie umgedreht in den PIIGSBF-Staaten die negative Target2 Verbindlichkeit auf der Passiva-Seite, die schwindenden Einlagen ersetzt und auf der Aktiva-Seite der Bilanz zur Explosion der Kreditvergabe an die dort heimischen Kreditinstitute führt. Gerade die jüngsten LTRO (Long Term Refinancing Operation) Injektionen versetzen die Banken der PIIGSBF überhaupt in die Lage die Kapitalflucht zu ermöglichen. Denn die Einlagen der Banken werden im Auftrag der Kunden zu den DNLF-Banken (Deutschland, Niederlande, Luxemburg und Finnland) transferiert und durch Target2 Verbindlichkeiten ersetzt. Ohne die LTROs wäre die Kapitalflucht in Ermangelung von Zentralbankgeld der PIIGSBF-Banken gar nicht möglich.

In der Realität stehen also den positiven Target2-Salden der DNLF-Zentralbanken, ein starker Anstieg der Kreditvergabe der PIIGSBF-Zentralbanken an die dort heimischen Kreditinstitute gegenüber. Was als harmloser Kreislauf missverstanden werden kann, verkennt, dass eine massive Verschiebung der Risiken zu den DNLF-Zentralbanken stattfindet. Statt privaten Kapitals (vor allem Banken, Interbankenmarkt) finanzieren in immer größeren Dimensionen die DNLF-Zentralbanken die Leistungsbilanzdefizite und die massiven Kapitalabflüsse aus den PIIGSBF-Ländern. Bei den Target2 Salden handelt es sich nicht nur um eine schlichte Umverteilung von Zentralbankliquidität innerhalb des Eurosystems, sondern sie reflektieren auch eine massive Ausweitung  der Bilanzen der PIIGSBF-Zentralbanken per Kreditgewährung mittels LTROs und/oder ELAs (Emergency Liquidity Assistance) an die Banken. Erst diese zusätzliche Liquidität versetzt die Banken der PIIGSBF in die Lage, den massiven Schwund der Bankeinlagen zu kompensieren, der beim Erfüllen der Transaktionen via Target2 Zahlungssystem entsteht. Also ohne die LTROs und damit Zentralbankgeld für die PIIGSBF-Banken gäbe es auch keine Explosion der Target2 Saldos bei der BUBA und der damit verbundenen Risiken. Die aktuelle Geldpolitik fördert zuvorderst Kapitalflucht innerhalb der Eurozone, aber das eigentliche Ziel, ein funktionierender Interbankenmarkt und eine steigende Kreditvergabe an die Realwirtschaft wird klar verfehlt.

Die Explosion der Target2 Salden steht weiter nicht nur für die Zahlungsbilanzkrise in der Eurozone, sondern vor allem für das generelle Fehlkonstrukt des gemeinsamen Währungsraumes.

Immer alle verfügbaren Target2 Salden aktualisiert inklusive Charts: Querschuesse.de/target2-salden/

Quelle Daten: Bundesbank.de/Definition Target2 Saldo der BUBA mit dem Stand vom 31.03.2012

Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

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51 KommentareKommentieren

  • M.E. - 10. April 2012

    Und währenddessen steigen die Renditen insbesondere von Spanien und Italien über alle Laufzeiten erneut kräftig an.
    Und heute früh freute sich die Wirtschaftspresse über die enorme Exportstärke Deutschlands.
    Hallo, liebe Schreiberlinge! Genau das ist eine wichtige Seite des Problems, in dem wir uns befinden!
    Unter anderem deshalb wird es einen Crash der Eurozone geben. Wegen der überhaupt nicht zusammenpassenden Volkswirtschaften.

    • Thatwasthepension - 10. April 2012

      Sollte es nicht besser heissen “der Schreiberling”? Wenn man die vielen Artikel miteinander vergleicht hat man schon den Eindruck, das alles von der selben Person stammt.
      Bis zum großen Crash gerade in Deutschland ist aber noch Zeit Die Banken werden ja alle 1/4 Jahre bis zum Abwinken mit frischer Kohle gemästet. Die schämen sich noch nicht einmal zu fordern das die 3 Jahre für die Tender im Prinzip zu kurz sind und man doch bitte längere Laufzeiten möchte. Am Besten wohl gleich 30 Jahre damit man sich überhaupt um nichts mehr kümmern muß. Lediglich die Forderungen nach höheren Boni dürfen dann diese Finanzakrobaten nicht mehr verschlafen.
      Das es bei den meisten Staaten auf der Einnahmeseite massive Probleme gibt wird gerade in Deutschland massiv unter den Teppich gekehrt. Gerade haben die Briten wohl begonnen sich mit dem Problem zumindest Verbal auseinander zu setzen.
      http://www.bbc.co.uk/news/uk-politics-17661011
      Das man dann zumindest die Steueroasen und Geldwaschanstalten zur Not auch militärisch in die Schranken weisen muss sollte wohl auch den Politikern klar sein.

  • Bernd Klehn - 10. April 2012

    Steffen Vorschlag;

    “Bei den Target2 Salden handelt es sich nicht nur um eine schlichte Umverteilung von Zentralbankliquidität innerhalb des Eurosystems, sondern auch um eine massive Ausweitung der Bilanzen der PIIGSBF-Zentralbanken per Kreditgewährung mittels LTROs u n d o d e r E L A s an die Banken. ”

    Gruß

    Bernd

    • Querschuss - 10. April 2012

      Hallo Bernd,
      ist eingefügt, Danke
      Gruß Steffen

  • Student - 10. April 2012

    Draghi sagte an Donnerstag bei der Pressekonferenz, dass sie sich die Target2-Salden täglich anschauen (neben Inflation und der Einlagenfaszilität). Schon interessant, laut den Zentralbänkern war Target2 bis jetzt doch nur ein Verrechnungsposten.

    Gruß,
    Student

  • Bernd Klehn - 10. April 2012

    Lieber Steffen;

    was nun? Wir sind uns vollkommen einig, und von Dir extrem gut geschildert, welche Mechnismen von LTROs, ELAs, Eurosystem-Staatsanleihenkäufe und Rettungsschirme und Traget2 in der Eurozone ausgehen. Es ist kein bisschen die erhoffte Wirkung, Beruhigung der internationalen Finanzbewegungen, erzielt worden, sondern nur Kapitalflucht gefördert und in den Krisenländern privates durch öffentliches Kapital der solventen Länder ersetzt worden. Wie lange will und kann das Eurosystem dem noch Vorschub leisten? Ich glaube das Eurosystem hat keinen Schuss mehr frei oder übersehe ich etwas?

    Gruß

    Bernd

    • Querschuss - 10. April 2012

      Hallo Bernd,
      was nun, da muss ich passen, im Prinzip dürfte das Ende der Fahnenstange der freien Schüsse erreicht sein, allerdings war es auch außerhalb meiner Vorstellungskraft, dass man 1 Billion Euro für 1% Zins für drei Jahre an die Banken verballert. Beim Wahnsinn ist vielleicht selbst jetzt noch nicht das Limit erreicht, wo bei dies genau mein Verstand sagen würde.

      Gruß Steffen

      • Lothar - 11. April 2012

        Genau das ist das Problem Steffen – wir wissen oder ahnen doch wohl langsam alle was aus diesem Wahnsinn noch alles geboren werden kann – und davor graut es mir. Das mein Geld weg ist ist noch nichtmal meine groesste Sorge …

  • M.E. - 10. April 2012

    Ja, die kriegen langsam schlotternde Beine bei der EZB.
    Wegen der ausufernden Target-Salden, wegen der wieder stark ansteigenden Renditen und damit der Demaskierung der zwischenzeitlichen Beruhigung an den Bond-Märkten als kurzes, künstlich herbeigeführtes Strohfeuer, wegen der einfach nicht zu stoppenden enormen Neuverschuldung in den Euro-Problemländern und deren Abdriften in eine immer tiefere Rezession usw.

  • Voltaire - 10. April 2012

    Die Graphik der “Forderungen innerhalb des Euro-Systems” der Deutschen Bundesbank erinnert mich an den “Josephspfennig”.

    Bei einem Startkapital von 0,01 Euro (entspricht 1 Cent), einer jährlichen Verzinsung von 5 % unter Berücksichtigung des aktuellen Goldpreises mit ca. 40.000 EUR / kg dauert es

    312 Jahre bis man sich durch Zins und Zinseszins 1 kg Gold kaufen kann
    406 Jahre für 100 kg Gold
    454 Jahre für 1 t (1000 kg) Gold
    ca. 1500 Jahre bis zur ersten Erde aus purem Gold

    Heute, im Jahre 2012 kann man sich dafür etwas mehr als 68.000.000.000 Erden aus purem Gold kaufen!

    Fazit: die Politik kann die Mathematik nicht aushebeln, der Euro wird daher in naher Zukunft durch eine neue Währung oder – was wahrscheinlicher ist – neue nationale Währungen ersetzt werden.

    Zitat Voltaire: “Papiergeld kehrt früher oder später zu seinem inneren Wert zurück – Null”.

    Die Geschichte lehrt uns, dass seine Aussage bis heute kein einziges Mal widerlegt wurde und daher – neben anderem – EM zur Erhaltung der Kaufkraft in jedes Portfolio gehören.

    Zum Nachrechnen der “Excel-Freaks” sind folgende weitere Annahmen der Berechnung zu Grunde gelegt:

    Dichte Au = 19.32 kg / dm³
    Erdradius = 6.375 km

  • M.E. - 10. April 2012

    Kurzes O.T.
    die Großhandelslagerbestände in den USA steigen mit zunehmender Geschwindigkeit.
    Diesmal um 0,9% zum Vormonat, und der Vormonat wurde zudem nach oben korrigiert auf 0,6%.
    Auch eine Möglichkeit, die Konjunktur anzukurbeln: Produktion auf Halde.

    • Marcus_W. - 10. April 2012

      Interessantes Verhalten… Es ähnelt den Chinesen. Die einen horten ihre Rohstoffe, die anderen ihre Produkte. Da bleibt genug Raum für Interpretationen.

  • dank - 10. April 2012

    Verstehe ich gar nicht, dass die JETZT schlotternde Knie bekommen bei der EZB?!

    Die T2-Forderung waren
    bei 200 Mrd. Euro: kein Problem
    bei 300 Mrd. Euro: nur ein Verrechnungskonto, nicht weiter wichtig
    bei 400 Mrd. Euro: ein komplett missverstandener Posten, geldpolitisch unrelevant, keinerlei Diskussion würdig
    bei 450 Mrd. Euro: total überschätz und falsch interpretiert, Grabenkämpfe wg. Traktoren vs. Besserwisserei
    bei 500 Mrd. Euro: medienwachrüttelnd, politisch unverstanden
    bei 550 Mrd. Euro: medieneinschläfernd, politisch weiterhin unverstanden
    bei 600 Mrd. Euro: Was soll denn jetzt sein? Ist doch nur 3 Mal mehr als vor knapp zwei Jahren
    …ironisch

    So mancher Politiker wird denken; phantasieren (wäre wohl besser):
    Na ist doch alles prima mit Sicherheiten gedeckt, vielleicht spielt Barcelona bald in der Bundesliga.
    bekommt Berlin ein paar griechische Tempel spendiert (wenn das einer vor 70 Jahren mit ähnlichen Plänen gewusst hätte…).
    gehören D bald 4 Mittelmeer- und 3 Atlantikhäfen (war auch schon da).
    wird D Mitglied im Commonwealth (oh, neu).
    wird die Türkei unser Nachbar (aua, da werden ein paar aus den schwarzen Reihen ganz schön blöd schauen).
    Please, dont’t stop the bailout! Go on! Na los BUBA, schnapp Dir alles! Die Sicherheiten sind viel mehr wert, als diese mit Falschfarbe bedruckten Zettelchen namens Euro bzw. diese Luftnummer von Buchgeld!!!
    …ironisch²

    Wie ists anders zu ertragen?
    Der Wahnsinn muss System haben, obwohl auch die menschliche Dummheit nicht begrenzt ist – Option 1 ist aber leichter zu verstehen und birgt vielleicht sogar noch so etwas wie Hoffnung.

  • Erich - 10. April 2012

    Vor 2 Jahren hätte man das noch mit Zwangsanleihen in den entsprechenden Ländern abmildern können, aber da wären wohl die dortigen Reichen (auch Politiker) betroffen gewesen. Aber heute ist das Geld wohl schon weg, und verteuern bei uns die Immobilien (irgendwann dann die Mieten).

    Ich hatte das damals in verschiedenen Blogs gefordert, aber irgendwie gabs da nirgendwo ein Echo. Dabei haben das doch die USA und GB nach dem Krieg auch schon gehabt, ohne dass sie als Kommunisten im Verdacht standen.

  • Wolfi - 10. April 2012

    Kennt jemand ein realistisches Ereignis, das in obiger Grafik noch einen Wendepunkt nach unten einleiten könnte, ohne dass es Euroland in alle Haupt- und Einzelteile zerlegt?

    • Bernd Rickert - 11. April 2012

      Die notwendige Fülle radikaler, realistischer Ereignisse widerspricht den Interessen der Spieler. Was bleibt ist die Flucht in pseudo-realistische Computer-Simulationen auf der einen und die Macht der Strasse auf der anderen Seite.

  • Ert - 10. April 2012

    Wege aus der Krise – Flassbeck

    Hauptvortrag: http://www.youtube.com/watch?v=mfKuosvO6Ac
    Fragen & Antworten: http://www.youtube.com/watch?v=soEjCDnhyHc

    Sehr zu empfehlen. Einer der besten Vorträge die ich in den letzten 12 Monaten gesehen habe. Flassbeck bringt das was hier diskutiert wird – ganz einfach und verständlich – auf den Punkt und zeigt konkrete Lösungen auf.

  • Bernd Klehn - 10. April 2012

    @ Ert

    Flassbeck zeigt neben keine Lösung auf, weil es in der augenblicklichen Situation auch keine mehr gibt. Zwar kann eine Währungsunion bei permanenten Leistungsbilanzunterschieden nicht halten so weit richtig, aber ein Leistungsbilanzabbau in Deutschland rettet Portugal, Spanien und Griechenland mit 100% Nettoauslandsschulden und permanenten weiteren Leistungsbilanzdefiziten nicht vor der Pleite, da der deutsche Leistungsbilanzüberschuss, in einer globalen Welt; nur einen sehr, sehr geringen Einfluß auf deren Nettoauslandsschulden und Leistungsbilanzdefizite hat, also deren mittlerweile unabwendbaren Pleite.

    • Ert - 10. April 2012

      Hallo Bernd,

      o.k., dann zeigt er das Problem und die grundsätzliche Richtung einer Lösung auf.

      Das die aktuelle Situation verfahren ist – ja, das ist klar. Dennoch fand ich Flassbecks Vortrag sehr gut. Die aktuellen “Lösungen” mit ESM & Co. sind aber um so schlimmer, desto weniger das grundsätzliche Problem der Leistungsbilanzunterschiede angegangen wird.

      Wenn D nicht abwerten kann, dann müssen die Löhne in D deutlich stärker steigen als in den anderen Euro-Ländern. Das vermindert unseren Exportüberschuss und schafft Binnennachfrage.

  • dicke Bertha - 10. April 2012

    “Flassbeck zeigt keine Lösung auf.”

    Doch er zeigt, dass die ‘relative Wettbewerbsfähigkeit’ der Währungsunion nach aussen durch den WECHSELKURS gegeben ist.

    Und die ‘relativen Wettbewerbsfähigkeiten’ innerhalb der Währungsunion durch die Lohnstückkosten gegeben sind.

    Spanien kann nur wettbewerbsfähiger werden, wenn es die Ausrüstung seiner Industrie modernisiert, die Qualifikationen seiner Arbeitnehmer verbessert, die deutschen Löhne STÄRKER als die spanischen Löhne steigen, …

    Es ist doch absurd, dass die Niederlande total verrückt spielen und jetzt 7% des BIPS jährlich im Staatshaushalt einzusparen versuchen.

    http://www.scilogs.de/blogs/blog/menschen-bilder/2012-04-10/sparma-nahmen-gemeinschaft-und-frieden

    DER DEUTSCHEN JUGEND GEHT ES JA SO BLENDEND.

    Ein Glück dass die Deutschen AUTOS produzieren können die in 10 Jahren so niemand mehr in diesem Umfang nachfragen wird.

    Stellt sich unsere Bundesregierung auf diese Herausforderung ein?

    • Ert - 10. April 2012

      Die Konzentration auf den Kfz Bereich innerhalb der deutschen Wirtschaft sehe ich auch kritisch – grundsätzlich und aus der Perspektive von Peak-Cheap-Oil.

      Ich sehe aber BMW und VW – mit einer eher langfristig orientierten Inhaberstruktur – recht gut aufgestellt. Ob beide Firmen adaptiv genug sind, sich in Zukunft ggf. sehr schnell an neue Trends und Gegebenheiten anzupassen – ja das wird die spannende Frage sein.

  • thomas - 10. April 2012

    explosion ist noch harmlos ausgedrückt,was diese graphiken zeigen.
    die 2 billionen machen wir zum spätsommer noch voll.muss sowieso keiner bezahlen.
    und dann solche typen wie flassbeck.http://www.flassbeck.de/pdf/2012/maerz2012/SchuldenundZukunft.pdf
    der sollte sich noch mal in der schule des echten wirtschaftsleben anmelden.akademiker im elfenbeinturm,der pseudolösungen anbietet.
    das geld ist weg,fertig aus.niemand haftet oder zahlt.staaten grundsätzlich nicht
    der europäische steuerzahler,weder der deutschmichel, oder andere.wovon auch,der mittel-
    ständler ist froh,wenn das girokonto nicht zu weit ins rote abdriftet.konsumentenkredit will
    ja auch bedient werden.der rest hat auch nix
    und was bleibt also?massiver bis totaler ausfall sämtlicher schuldner mit anschließender
    währungsreform? und dann weiter wie bisher?
    wenn ich prof.senf richtig verstanden habe,sind guthaben gleich schulden.
    wie soll ein neuanfang dann aussehen?
    freitags machen also die banken zu,ein paar wochen randale,mancher geht hungrig ins bett
    aber dann gibts ja neue zettel,genannt dm.2 dann ist ja gut,millionen produktionsarbeiter
    und industrie und bauaebeiter ,zich millionen verkäuferRINNEN,banker versicherungs
    angestellte nehmen wieder die arbeit auf die beamten auch alle..ist ja nix schlimmes passiert.
    und dann geht es munter weiter die nächsten 70 jahre.

    • Ert - 10. April 2012

      Flassbeck sagt klar im Vortrag das “das Geld weg ist” weil dieses unsere Forderung an die anderen ist, die es wegen der Leistungsbilanzunterschiede nie zurückzahlen können – zumindest solange u.a. wir darauf bestehen Leistungsbilanzüberchüsse zu machen und Lohndumping zu betreiben (ins. innerhalb der Eurozone).

      Ich erkenne zudem im verlinkten PDF nichts falsches. Zum Investieren benötigt es Kapital – und in unserem Geldsystem kommt das nun mal von Krediten oder von anderem Geld (dem ja auch eine Schuld/Kredit gegenübersteht) das direkt investiert wird. Daran ist erst einmal nichts falsches – nicht von der Mechanik her und auch nicht von der Sache her.

      Das verabschiedete Spardiktat kann nicht in unserer aktuellen Geld- und Wirtschaftsordnung funktionieren. Natürlich muss Verschwendung minimiert werden – nicht aber die Investition in die Zukunft der Gesellschaft.

      Die Fragen ob die Geldschöpfung rein Staatlich betrieben sein sollte, rein privat oder in Mischformen – sind davon erst einmal unabhängig.

  • Bernd Klehn - 10. April 2012

    @Ert

    Selbstverständlich muss Deutschland langfristig von seinen nicht haltbaren Leistungsbilanzüberschüssen runter, aber zuerst müssen die Krisenländer mehr Exportvolumen produzieren, sonst geht die gesamte Eurozone bei 14% Nettoauslandsschulden und Kapitalflucht aus der Eurozone pleite. Die Pleite von Griechenland, Portugal und Spanien lässt sich nicht mehr vermeiden. Der Neuanfang und das größere Exportvolumen lassen sich für mich leider nur nach einer Pleite dieser Länder realisieren.

    • Ert - 10. April 2012

      @Bernd

      Ob und wie auch immer eine Pleite von PGS aussehen wird – ohne das wir hier umsteuern kann sich auch nach der Pleite nicht viel ändern. Ich bin aber auch gespannt wie sich das ganze entwickeln wird.

      Und mit Pleite aber weiter Euro ist für PGS auch nichts gewonnen da ja auch Flassbeck richtig sagt, das eine Ab/Aufwertung über z.B. höhere Löhne in D nicht abrupt stattfinden kann. Wir haben >10 Jahre für das Problem benötigt und werden auch min. ca. 10 Jahre für den Ausgleich der Unterschiede benötigen.

      • Michael S. - 11. April 2012

        “…abrupt stattfinden kann. Wir haben >10 Jahre für das Problem benötigt und werden auch min. ca. 10 Jahre für den Ausgleich der Unterschiede benötigen.”

        Die Sozialversicherungsbeiträge komplett vom Arbeitgeber zahlen zulassen lässt sich innerhalb eines Monats beschließen, verringert die Lohnstückkostenschere innerhalb der Eurozone und stärkt die Binnennachfrage und senkt die deutschen Exportüberschüsse durch Importerhöhung.

        Gruß Michael S.

  • Bernd Klehn - 10. April 2012

    @ dicke Bertha

    Wechselkurse regeln im Finanzkasino die Leistungsbilanzunterschiede noch lange nicht. Siehe UK und USA. Eine vom internationalen Fianzkasino unangreifbare Währungsunion, auch einzelner Mitglieder muss folgende Randbedingungen erfüllen, leichte (+5%) Nettoauslandsguthaben, Leistungsbilanzüberschuss ca. 0,5%, Bandreite der Leistungsbilanzen innerhalb der Union +1% bis -0,5 und nicht zu strake Kapitalverflechtungen. So streng muss man haushalten, wenn man keine überraschenden Angriffe des internationalen Finanzkasinos will.

    • Michael S. - 11. April 2012

      Ja das sollte das Ziel sein. Aber in Berlin hält man sich schon für genial wenn man europäische Schuldenbremsen beschließen kann, die haben die Leistungsbilanzen gar nicht auf der “Agenda”, Target schon gar nicht und Nettoauslandsverschuldung…

      Gruß Michael S.

  • Delta120 - 10. April 2012

    An den Kommentaren der Politik und der EZB Vorständen bemerkt man, dass politisch Gesehen die hohen Target2 Salden eher gewünscht sind. Denn Kapitalflucht und Schulden auf der einen Seite und Forderungen und Überschüsse auf der anderen Seite, führen zu einer zwanghaften Haltung sich die Entwicklungen der anderen Länder der Eurozone genauer an zu sehen. Die Angst um Ihr Geld bewegt die Menschen sich um zu schauen. So wie der Katalysator eines Autos eine gewisse Betriebstemperatur um zu funktionieren braucht, so benötigt auch die Hohe Politik dieses Wirtschaftsproblem um sich den Fragen der europäischen Integration zu stellen:
    Warum sollen wir bis 67 oder länger arbeiten, wenn z. B. in Spanien 50% Jugendarbeitslosigkeit herrscht. Welche Waren oder Dienstleistungen kann Griechenland z. B. Deutschland anbieten, ohne das es nur zu einer alleinigen Jobrotation (Verlagerung von Arbeitsplätzen) kommt.
    Deutschland hat durch die Agenda 2010 gezeigt, dass es bereit und willig ist jede Abwertungsrunde nötigenfalls mit zu gehen, um seine Schlüsselindustrien zu verteidigen. Die hohen Exporterfolge zeigen Deutschlands Erfolg; jedoch um den Preis, dass Deutschland heutzutage nur noch ein Stück Papier erhält, welches auch sehr schnell – wie im Falle von Griechenland – zerfallen kann.
    Dann, so scheint es, ist man ganz schnell nicht der Camp sondern der Dumme, der für lau für andere arbeitet. Dies ist jedoch der Preis den wir in dem jetzigem dereguliertem europäischem Markt bezahlen müssen, damit unsere Industrie auch noch morgen existiert.
    Die kommenden Integrationsdebatten der Eurozone werden sich mit dem Thema “Welche Dienstleistungen und Warren können (im allgemeinem) die Südländer den Nordländern erbringen?” befassen müssen, denn ansonsten wird Europa mit den Füßen abstimmaen.

  • M.E. - 10. April 2012

    Wir sind hier detailverliebt in unserer Analyse.
    Es ist ja durchaus sinnvoll, einzelne Bereiche zu analysieren und ins Detail zu gehen, aber man sollte immer das ganze Bild im Blick behalten.
    Und das besagt:
    Japan: unrettbar überschuldet
    Großbritannien: unrettbar überschuldet
    Griechenland, Portugal, Irland, Spanien: unrettbar überschuldet
    Italien, Frankreich und USA: nahezu unrettbar überschuldet
    Deutschland und Niederlande: hoch verschuldet und bis Oberkante Unterlippe mit Bürgschaften befrachtet
    usw.

    All dies gilt schon für die jetzt zahlungswirksame Verschuldung (Staat, Firmen/Banken, Bürger)
    Noch viel mehr gilt dies, wenn man die künftigen Zahlungsversprechen auch nur der nächsten 10 Jahre mit reinrechnet.

    Und jetzt kommt der eigentliche Hammer: wenn diese Verschuldungs-/Überschuldungssituation bei Weitem geringer wäre, gäbe es mit Blick auf die nächsten 25 Jahre trotzdem keine Rettung. Denn das weitgehende Verschwinden des wichtigsten Energie- und Wertschöpfungsträgers aus dem grenzüberschreitenden Weltexportmarkt (ich weiß – grenzüberschreitend und Export ist doppelt gemoppelt) wird den Großteil der heutigen Wertschöpfungsketten in den ölimportabhängigen Ländern zerstören. Ähnliches gilt für eine Reihe weiterer wichtiger Rohstoffe.
    Es bedürfte also noch nicht einmal der Überschuldung praktisch aller wichtigen OECD-Staaten, um deren Wirtschaft in den nächsten 2 bis 3 Jahrzehnten den Garaus zu machen.

    Einzig möglicher Ansatz: den in diesem Zeitraum anstehenden wirtschaftlichen Schrumpfungsprozess und Komplexitätsreduzierungsprozess mit einem relativen Maximum an bewusster Gestaltung zu versehen hinsichtich der Transformation der Gesellschaft.
    Aber ich befürchte, selbst dies wird kaum gelingen, weil
    1. die Previligierten nicht freiwillig auf ihre Previlegien verzichten werden, und
    2. die Notwendigkeit einer solchen Transformation infolge genereller Problemleugnung oder zumindest Problemunterschätzung nicht erkannt wird.

    • Thorsten Eckau - 11. April 2012

      Hallo M. E.,

      schön auf den Punkt gebracht. Mir fehlt nur noch ein Schlusssatz von Dir: Und weil 1) und 2) gelten, wie wird es sich Deiner Meinung nach wohl höchstwahrscheinlich zutragen?

      LG
      Thorsten

  • Nachdenklich - 11. April 2012

    Target2

    http://www.querschuesse.de/buba-target2-saldo-explodiert-auf-615952-mrd-euro/

    Hallo Leute,

    danke für Euro Diskussion zu dem Thema. Viele Fakten waren mir neue. Danke dafür!

    … aber die Schicksalsergebenheit kann ich nicht verstehen.

    Nur wenn man nichts machen will kann man auch nichts machen.

    Da gab es doch einen Spruch: Das Geld ist nicht weg… es hat nur ein Anderer.

    Ich habe mal nachgeschaut wer

    Für Deutschland sieht das so aus:

    “Laut einer aktuellen Veröffentlichung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) war das Nettovermögen von hochgerechnet rund 6,6 Billionen Euro im Jahr 2007 (ohne PKW und Hausrat) sehr ungleich verteilt. Auf die – gemessen an der Höhe des Vermögens – oberen 10 Prozent der Personen über 17 Jahre entfielen 61,1 Prozent des Vermögens – allein das oberste Prozent konnte etwa 23 Prozent des gesamten Vermögens auf sich vereinen. 27,0 Prozent der erwachsenen Bevölkerung verfügten über kein Vermögen oder waren verschuldet. Die untersten 70 Prozent der nach dem Vermögen sortierten Personen hatten im Jahr 2007 einen Anteil am Gesamtvermögen von weniger als 9 Prozent.”

    http://www.bpb.de/nachschlagen/zahlen-und-fakten/soziale-situation-in-deutschland/61775/vermoegensentwicklung

    http://www.jjahnke.net/rundbr89.html#2598

    Für Westeuropa sind es allein fast 30 Billionen €.

    Und da soll wirklich nicht zu machen sein und deshalb alle Rentner die sich was auf die Seite gelegt haben oder die Familien die für Häuschen sparen die Zeche zahle??? Als so blond ist nicht einmal Frau von der Leyen, das Röschen.

    http://helmutjacob.over-blog.de/article-roschen-von-der-leyen-erst-ich-und-dann-aber-auch-nur-wenn-zeit-ist-die-anderen-63914903.html

  • M.E. - 11. April 2012

    Hallo Thorsten,
    holprig, teiweise chaotisch und eben alles quälend unfreiwillig. So wird es sich zumindest für die zutragen, die in der Annahme, alles ginge etwa so weiter wie bisher, nicht die geringsten Vorbereitungen treffen. (Manche auch nicht treffen können. Denn natürlich ist man im Vorteil, wenn man die materiellen Möglichkeiten hat, wenigstens ein gewisses Maß an Vorsorge zu treffen.)

  • Georg Trappe: - 11. April 2012

    Mir kommen in obiger Diskussion einige Dinge ganz entschieden zu kurz.

    1.) Jedem Euro oder auch US$ Schulden steht exakt je ein Euro bzw. US$ Guthaben gegenueber! Leider sind die beiden Seiten der Bilanz sehr unterschiedlich verteilt.
    Mir erscheint daher die “Frontlinie” mit DNLF vs. PIIGS nicht ganz richtig beschrieben. Target2 macht das Problem zwar auf dieser Ebene sehr deutlich sichtbar. D.h. aber nicht, dass die Glaeubiger entlang dieser Linie aufgestellt sind.

    2.) Selbst wenn man einen totalen Reset vollziehen wuerde, also alle Schulden und damit auch alle Guthaben loeschen wuerde, um von vorne anzufangen, wuerde mit grosser Wahrscheinlichkeit der alte “Fehler” wiederholt, weil er immer noch verdeckt ist, und zwar durch Theorien einer sog. Wirtschaftswissenschaft, die denjenigen, die ein Interesse an der Erhaltung dieses “Fehlers” haben, direkt in die Haende arbeitet.

    3.) Dieser “Fehler” wirkt auf allen Ebenen. Auf der Ebene der Individuen, der Firmen und der Staaten. Aus dieser Sicht betrachtet, waere die Beendigung des Euro / der Waehrungsunion keine Loesung. Auch wenn das immer wieder von interessierter Seite so dargestellt oder sehr geschickt lanciert wird.

    4.) Der “Fehler” besteht darin, dass das bestehende Wirtschafts- und Finanzsystem keine Mechanismen kennt, die die verheerende Wirkung des Fettaugensyndroms wirkungsvoll eindaemmen. Im Gegenteil. Der Neoliberalismus hat alles dafuer getan dieses Problem zu maximieren, in dem bestehende Ausgleichsmechanismen auf allen Ebenen Zug um Zug demontiert wurden. Das Banken- und Finanzsystem wirkt in seiner aktuellen Konstruktion sogar katalytisch.

    Bevor man sich also wiedereinmal in ein unabwendbar erscheinendes “TINA” Schicksal ergibt, muss schon die Frage nach den Ursachen, den Verursachern und den Profiteuren gestellt werden, um im Fall eines Resets den “Fehler” , seine Protagonisten und seine Profiteure nicht nur aus dem Verkehr ziehen zu koennen, sondern nach dem Verursacher- und/oder Tragfaehigkeitsprinzip an den Lasten zu beteiligen.

    http://michael-hudson.com/2012/04/debts-that-cant-be-paid-wont-be/
    http://fettaugensyndrom.blogspot.com/

  • M.E. - 11. April 2012

    Hallo Georg,
    ich für meinen Teil ergebe mich keinesfalls in ein TINA-Schicksal. Wie man an meiner Forderung einer Transformation der Gesellschaft sieht, die z.B. eine wesentlich gerechtere Einkommens- und “Reichtums”verteilung einschließt.
    Und die einschließt, dass die Gesellschaft mit sehr viel weniger materiellen Ressourcen in der weiteren Zukunft auskommen muss.
    Aber erst einmal liegt zu einem Zeitpunkt x in diesem Jahrzehnt erst einmal ein Systemcrash an, den ich in der Tat für unabwendbar halte. Und der bei allen schmerzlichen Begleiterscheinungen und Turbulenzen nachfolgend die Chance für ein Umdenken und eben eine Transformation der Gesellschaft bieten könnte. Im Idealfall.

    • Georg Trappe: - 11. April 2012

      Habe ich das richtig verstanden. Crash abwarten und dann schauen was uebrig bleibt, um das dann zu transformieren?

      • Thorsten Eckau - 12. April 2012

        Ich denke so war es gemeint in der Erkenntnis, dass die vorhandenen Konstellationen aus Kräften die den Status-Quo erhalten möchten und Kräften, die sich träge nicht bewegen keine andere Option zulässt. Optimistisch könnte man noch hoffen, dass der Crash sich treppenartig gestaltet und so jeweils bei jedem Stufenfall eine neue, höhere Chance/Bereitschaft für Transformationsschritte gegeben ist.

  • thomas - 11. April 2012

    @ert
    im flassbeck pdf steht zb:”Also Zukunft ohne Schulden. Man hätte stattdessen auch schreiben können „Zukunft
    ohne Investitionen“. Denn wenn es keine Schulden gibt, gibt es auch keine Ersparnisse,
    und wenn es keine Ersparnisse gibt, gibt es keine Investitionen, weil ja dann alles
    aufgegessen und sonst wie verbraucht wird. ”
    wer will entscheiden,was gute schulden(also laut flassbeck investitionen sind)
    und was schlechte schulden sind?
    ein kauf eines konsumartikels auf pump ist sowohl für den käufer eine investition,und für den verkäufer (kreditgeber) doch auch.er erwartet gewinn aus dem kredit(der zins) und die produktion kann weiter gehen.also laut flassbeck müsste es so weitergehen wie bisher.
    und dann sind wir wieder da,wo wir jetzt sind
    gruß

  • Bernd Klehn - 11. April 2012

    @ thomas

    “Denn wenn es keine Schulden gibt, gibt es auch keine Ersparnisse, und wenn es keine Ersparnisse gibt, gibt es keine Investitionen, weil ja dann alles aufgegessen und sonst wie verbraucht wird”

    Diese ist ein Kurzschluss. Eine Person, ein Unternehmen, der Staat kann sehr wohl ohne Schulden von irgendjemand investieren, nämlich aus den laufenden Einnahmen. Der Haupttreiber des Schuldensystems ist das Steuerrecht, Fremdkapital und deren Kosten können abgesetzt werden, während Eigenkapital zu versteuern ist. Wären Fremdkapital und deren Kosten nicht mehr absetzbar, würde sich der Verschuldungsanreiz erheblich reduzieren.

  • thomas - 11. April 2012

    @bernd
    “Diese ist ein Kurzschluss. Eine Person, ein Unternehmen, der Staat kann sehr wohl ohne Schulden von irgendjemand investieren, nämlich aus den laufenden Einnahmen”
    soll das ein später aprllscherz sein??
    wer kann aus der sogenannten mittelschicht(millionen zeitarbeiter will ich gar nicht erwähnen)
    sich geld zurücklegen,also sparen?bsp. ein neues auto muss her,unter 7000 ist nix zu machen.versuch mal 7000 euro zu sparen,wenn man nur 1500 netto hat.und das sind viele.
    sorry,aber ohne kredit würde unsere wirtschaft nicht funktionieren.
    und dann das:ich zitiere dich” Die Pleite von Griechenland, Portugal und Spanien lässt sich nicht mehr vermeiden”
    damit sind wir uns alle hier wohl einig!
    .” Der Neuanfang und das größere Exportvolumen lassen sich für mich leider nur nach einer Pleite dieser Länder realisieren”
    wie soll ein größeres exportvolumen entstehen,wenn nach dem schuldenschnitt alle pleite sind.
    wir haben doch heute schon eine überproduktion im bereich sogenannter langlebiger konsumgüter.
    werden zb.mehr autos verkauft und bezahlt!,weil vielleicht in italien oder spanien oder griechenland neue autofabriken entstehen?und was ist mit den bestehenden betrieben?
    ich weiß nicht,aber das kann alles mnicht gut enden.

  • Julian Konopka - 11. April 2012

    wie lange reicht der Target-Kreditrahmen eigentlich noch aus, bis das angeschwemmte Geld nicht mehr neutralisiert werden kann und inflationär wirkt? habe leider nur die veralteten Zahlen vom ifo-Institut Mitte 2011, seither gab’s ja die Geldmengenerhöhung und den ESM-Vorzug.

    • Georg Trappe: - 11. April 2012

      Es gibt keinen Target Kreditrahmen. Im Target2 System wird Zentralbankgeld geschoepft, wenn die Zahlungsstroeme ueber Landesgrenzen hinweg nicht ausgeglichen sind. Das ist seit Beginn der Krise 2007/2008 im zunehmenden Masse der Fall. Von der Art her ist es eine passive Geldschoepfung, da sie nicht aktiv von der Zentralbank initiiert ist., sondern per Kapitalflucht und nicht funktionierendem Interbankenmarkt erzwungen ist. Die Kapazitaet der Zentralbank(en) bei der Geldschoepfung ist unbegrenzt.

  • Duke van Hudde - 11. April 2012

    @thomas

    Wenn jemand einen KRedit von 7000 Euro bekommt geht die Bank im allgemeinen davon aus das der jenige zumindestens die Zinsne im Fall eines Autos im regefall sogar die Tilgung bezahlen kann.Wenn er das mit Schulden kann hätte das die Person auch ohne können.Von daher ist daS beispiel eher shclecht gewählt.

    Wobei ich es auch so sehe das im jetzigen Schuldgeldsystem für einzelne Akteure Sinn machen kann Schuld aufzunehmen und ohne Schulden würde es eh kein Geld geben und der jenige der Sparen wollte würde nirgends Geld finden wenn keiner Schulden machen wollte.

    • anon - 11. April 2012

      Das Beispiel ist perfekt, man darf nur nicht den Lauf der Zeit vergessen. So macht es einen riesen Unterschied ob man ein Auto mit Kredit heute nutzen kann oder erst am Ende der Sparphase. Zumal heutzutage ein Auto oft notwendig ist um Einkommen (aus dem man sparen kann) überhaupt erwirtschaften zu können.
      Sowie kaum ein Unternehmer ohne kreditbasierte Vorfinanzierung der Produktion überhaupt Umsatz hätte aus dem er Investitionen finanzieren könnte.

  • Julian Konopka - 11. April 2012

    @ Georg Trappe

    Jein. Es gibt zwar keine Target-Obergrenzen, aber ab einer gewissen Geldschöpfungshöhe kann die Geldschöpfung z.b. von den PIGS-ZBs nicht mehr von Zentralbanken der DNLF neutralisiert werden.

    Dazu: 41:35-43:35
    http://www.youtube.com/watch?v=tvcN1gkaEew

    Hier würden mich die aktuellen Zahlen unter Berücksichtigung der zwischenzeitlichen Entwicklungen (EZB-Tenders + ESM-Vorzug) interessieren.

  • Michael - 11. April 2012

    Kann mir jemand folgendes erklären? Die Risiken der Target Salden sind offensichtlich, aber es wird ja immer vorgehalten, dass wir “nur” zu 27% entsprechend unserem Kapitalschlüssel bei der EZB haften; den Rest übernehmen die anderen Euroländer (und wir anteilig die pos. Salden der Luxemburger, Finnen und Niederländer). ABER:

    Der Art. 32 des Protokolls über die Satzung des Europäischen Systems der Zentralbanken und der EZB heißt “Verteilung der monetären Einkünfte der nationalen Zentralbanken”. Verluste aus abzuschreibenden Target Salden stellen m.E. negative Einkünfte dar, für welche der Artikel 32.4 damit ebenfalls greift:
    “Der EZB-Rat kann (!!!) beschließen, dass die nationalen Zentralbanken für Kosten in Verbindung mit der Ausgabe von Banknoten oder unter außergewöhnlichen Umständen für spezifische Verluste aus für das ESZB unternommenen währungspolitischen Operationen entschädigt werden. Die Entschädigung erfolgt in einer Form, die der EZB-Rat für angemessen hält; diese Beträge können mit den monetären Einkünften der nationalen Zentralbanken verrechnet werden.”

    Wenn Target 2 Salden “währungspolitische Operationen” sind, ergibt sich folgende Konsequenz: Der EZB-Rat kann (!) sich für eine Entschädigung entscheiden, muß aber nicht. Im Zweifel kann sich der EZB-Rat also gegen eine Entschädigung der BB entscheiden, wenn keine Kapitalmehrheit für eine Kompensation entsteht. Das ist politischer Sprengstoff.

    Die Bundesbank schreibt in ihrem Jahresbericht: “Über einen Ausgleich möglicher Verluste der EZB entscheiden die nationalen Zentralbanken als Kapitaleigner im EZB-Rat mit Kapitalmehrheit.”

    Zurück zu meiner Frage: haften wir im Zweifel komplett für den Saldo, weil wir eine Kompensation juristisch nicht einfordern können? Dann ist alles noch viel schlimmer, als wir glauben.

    VG

  • khaproperty - 11. April 2012

    Im schlechtesten Falle, der regelmäßig einzutreten pflegt, sobald Politik involviert ist – wie etwa auch hier -, kann das bedeuten, daß all die schönen in die PIIGS so gerne exportierten Güter aus Deutschland von den Deutschen fast komplett selber bezahlt werden müssen.

    Wenn nämlich abseits all der schönen Verteilungsquoten des EZB-Systems (Deutschland wäre damit etwa zu 27% an Verlusten beteiligt) die lieben Freunde aus der Umgebung von PIIGS bis Niederlande und Luxemburg über Frankreich und Finnland ihre Quoten nicht zahlen möchten oder können – etwa im Falle des absehbaren Scheiterns der Währungsunion -, stünde Deutschland plötzlich (nein: leicht absehbar) ganz allein auf weiter Flur mit den bis dahin auf gut eine Billion oder mehr aufgelaufenen uneinbringlichen Forderungen.

    Dann gilt die bewährte Methode Schäuble/Merkel:
    was soll`s, der Michel zahlt`s die folgenden Gegerationen lang fleißig ab mit all dem weiteren Müll, den diese Herrschaften angerichtet haben.
    Noch immer reden sie davon, daß gar nichts (über 211 Mrd.) an Verpflichtung auf den Bürger zukäme – eine jetzt schon oft widerlegte Lüge.

  • Backtime8 - 11. April 2012

    Prof. Dr. Wilhelm Hankel über die Euro Geldpolitik
    http://www.youtube.com/watch?v=SkMDqS9801A

  • dank - 11. April 2012

    @Michael & khaproperty
    Na na, das Geld ist nicht weg – das hat nur jemand anderes.
    Unsere Global Player und deren Aktionäre zum Beispiel
    oder auch die Geldgeber des Club Med,
    vielleicht auch unser Finanzminister, wenn er dann im Rat der heiligen Geldhüter sitzt,
    oder die Zocker auf dem Rohstoffmarkt/Nahrungsmittelmarkt,…
    :-(

    Die Problematik von Target 2 zu verstehen ist das eine – aber eine öffentliche Diskussion über die Risiken, die die BUBA damit eingeht, eine ganz andere. Ersteres kann sich jeder durch Lesen aneignen. Zweiteres wäre Aufgabe unserer Medien gewesen – oder auch der Opposition – Pustekuchen. Es graut, wenn die möglichen Risiken mal offen zur Debatte stehen würden, alleine das Nachdenken darüber macht schwermütig.
    Aber keine Sorge, dann gibts auch ganz viel Geld für alle, wenn es soweit ist, oder gar keines mehr. Wir werden Millionäre oder Bettler. Ein ausgewogenes Mittel dazwischen im unteren Zehntel wäre jedem Normalbürger wohl lieber und schön zum Leben, dagegen stehen aber die, die bereits im vielfachen Millionärsdaseins schweben… Aber wie gesagt, keine Sorge, vielleicht holen wir die ganz schnell ein…

    Finde es unverantwortlich von der BUBA & Politik in D solche Summen aufhäufen zu lassen. Eine Blutgrätsche wäre mehr als angebracht. Wenns die Politik nicht macht, wirds das Volk tun – und diese Blutgrätschen tun richtig weh – für alle Beteiligten.

  • Bernd Klehn - 12. April 2012

    @ dank

    “Na na, das Geld ist nicht weg – das hat nur jemand anderes.”

    Falsches Verständnis von Geld. Die Zentralbank kann Geld erzeugen und verschwinden lassen ganz wie sie will. Es geht lediglich um die Frage ob man für das Geld , von dem man meinte, dass es einen zusteht, später noch den erhofften Gegenwert (Ware, Dienstleistung ) bekommt. Diese Illusion kann dadruch platzen, dass der Kreditnehmer das versproche Geld nicht liefern kann, eigentlich kann er gar nichts versprechen, siehe oben, oder das Geld halt nicht in die erhofften Gegenstände umgetauscht werden kann..

    • dank - 12. April 2012

      So weit hab ich gar nicht gedacht… War im Kopf bei den Haftungssummen und der Umverteilungspyramide und sollte Sarkasmus sein… ;-)
      Aber bezogen auf die Zentralbank und Target 2, wenn nun für Geld “Wert” gesetzt wird, dann würds wieder stimmen – nicht? “Der Wert ist nicht weg – den hat nur jemand anderes.” Ebenfalls Sarkasmus.