Bundesbank: Target2 Saldo sinkt um -31,853 Mrd. Euro

von am 11. Januar 2012 in Allgemein

Heute veröffentlichte die Deutsche Bundesbank die Daten zum Target2 Saldo. Die Forderungen der Deutschen Bundesbank (Buba) aus Target2 sanken im Dezember 2011 um -31,853 Mrd. Euro zum Vormonat auf 463,311 Mrd. Euro. Zum Vorjahresmonat zog der Target2 Saldo um +137,758 Mrd. Euro an, dies entsprach einem prozentualen Anstieg von +42,3%. Die Forderungen aus Target2 bilden den positiven Saldo der Bundesbank aus dem so genannten Echtzeit-Bruttozahlungssystem gegenüber den nationalen Zentralbanken der Eurozone ab, formal besteht diese Forderung gegenüber der EZB.

Die Forderungen aus Target2 der Deutschen Bundesbank gegenüber den nationalen Notenbanken (innerhalb des ESZB/Sonstige Forderungen netto) auf Monatsbasis in Mrd. Euro seit Januar 1999 im Chart. Vor Ausbruch der Finanz- und Wirtschaftskrise von 1999 bis 2006 lagen die Forderungen der Deutschen Bundesbank im Durchschnitt monatlich bei nur 1,57 Mrd. Euro.

Der Rückgang des positiven Target2 Saldo der Deutschen Bundesbank kommt etwas überraschend. Ganz klar Entwicklungen verlaufen nicht linear, sicher auch nicht bei Target2, trotzdem ist der Datensatz etwas suspekt. Dieser könnte auch ein Indiz dafür liefern, dass der Saldo nicht nur Ergebnis von “natürlichen” Überweisungen im Echtzeit-Bruttozahlungssystem ist, mit dem alle Geschäftsbanken und nationalen Zentralbanken ihre grenzüberschreitenden Zahlungen im Euroraum ausführen. Denn warum sollten sich die Zahlungsströme mittels Zentralbankgeld, gerade in Richtung Niederlande mit einem Target2 Saldo von +110,093 Mrd. Euro und Finnland mit +66,088 Mrd. Euro bewegt haben, aus den PIIGS hinaus und selbst aus Deutschland? Die “natürlichen” Zahlungsströme über Target2 richten sich normaler Weise nicht danach, welche NZB noch Platz beim Aufblasen der Bilanz mittels positiven Target2 Saldo hat. Oder vielleicht doch, als natürliche Kapitalbewegung hin zu einer höheren Sicherheit, als es Deutschland und die Buba mit der bereits enorm aufgeblasenen Bilanz bietet? Aus den realen Transaktionen in Hinblick Leistungsbilanz kann der Abfluss bzw. die sinkende Target2 Forderung auf jeden Fall nicht resultieren. Zugegeben, alles etwas sehr spekulativ und keine wirkliche Antwort bzw. Erklärung.

Target2 Salden sind immer Ausdruck der Zahlungsbilanz und beinhalten Leistungsbilanz und Kapitalbilanz.

Vereinfacht, ein negativer Target2 Saldo kann entstehen als Differenz der Leistungsbilanzdefizite abzüglich der geringeren privaten Nettokapitalzuflüsse oder eben aus der Summe der Leistungsbilanzdefizite zuzüglich der privaten Nettokapitalabflüsse (Kapitalflucht). Der positive Target2 Saldo ist das Pendant dazu, die Differenz der Leistungsbilanzüberschüsse abzüglich der geringeren privaten Nettokapitalabflüsse oder eben als Summe der Leistungsbilanzüberschüsse zuzüglich der privaten Nettokapitalzuflüsse. Bei einem Leistungsbilanzdefizit das dem privaten Kapitalzufluss entspricht oder einem Leistungsbilanzüberschuss dem ein adäquater privater Nettokapitalabfluss entgegensteht, gibt es keine Target2 Salden.

Quelle Daten: Bundesbank.de/Zeitreihe Target2 Saldo

Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

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11 KommentareKommentieren

  • Mark - 11. Januar 2012

    Wohl nur ein Tippfehler bei der Bundesbank. +563 Mrd. erscheint mir realistischer. ;-)

  • Bernd Klehn - 11. Januar 2012

    Lieber Steffen,

    danke, schließ mich deinen Überlegungen an. Eigentlich müsste man abwarten bis man alle Dezemberdaten hat, ist aber schwer bei den Nachzüglern wie Frankreich. Insgesamt macht es natürlich Sinn, bei dem großen Unterschied zwischen Anlage und Ausleihe 0,75%, erstmal dieses sicheren Banken (Töchtern im Ausland) zuzuschieben, die im Ausland sind und noch ein Minus haben. Danach allerdings nicht mehr, wahrscheinlich ist dieser Punkt Ende Dezember erreicht worden, deswegen in den ersten beiden Januarwochen die stark steigende Einlagenfazilität.

    Gruß

    Bernd

  • Bernd Klehn - 11. Januar 2012

    Lösch mal bitte das vorherige Posting, ist ja fürchterlich was ich da zusammengestoppelt habe.

    Übrigens Steffen,

    Du wolltest doch, dass ich meine These der Geldwaschanlagen Luxemburg und London etwas untermauere:

    Hier hast Du das Volumen, was von Luxemburg heraus aus Deutschland abgezogen wird:

    http://www.bundesbank.de/statistik/statistik_zeitreihen.php?lang=de&open=&func=row&tr=ED1091

    und hier das Volumen, das uns aus London zufließt:

    http://www.bundesbank.de/statistik/statistik_zeitreihen.php?lang=de&open=&func=row&tr=ED1108

    Gruß

    Bernd

  • Bubblegum - 11. Januar 2012

    Könnte es etwas damit zu tun haben, dass NZBen, die nicht zum Euroraum gehören, aber dem Clearing- System angeschlossen sind “ausgeholfen” haben, z.B. die polnische und norwegische
    Notenbank?

    http://www.bundesbank.de/download/zahlungsverkehr/zv_infoblatt_t2s.pdf

    Viele Grüße Bubblegum

  • Nepumuk - 11. Januar 2012

    Ich hätte auch noch eine Vermutung…

    kann es mit den 500 Mrd zusammenhängen die von der EZB so großzügig verteilt worden sind ??

    Z.B. das sich die Banken in den süd Ländern bei der EZB vollgesogen haben und einen Teil der Verbindlichkeiten mit dem Geld abgetragen haben ?

    Nepumuk

  • Benedikt - 11. Januar 2012

    Vielleicht wissen da einige mehr als wir. Gerade auf Bloomberg gelesen:

    http://www.bloomberg.com/news/2012-01-11/germany-on-brink-of-recession-as-sovereign-debt-crisis-weighs-on-exports.html

    “Europe’s largest economy shrank “roughly” 0.25 percent in the fourth quarter from the third, the Federal Statistics Office in Wiesbaden said today in an unofficial estimate.”

    Statt XXL Wachstum ein 0,25% Rückgang!!!

    “German growth will slow to 0.6 percent this year”

    Brüderle hat zur Rechten Zeit abgedankt. Andere rechnen schon mit einen BIP Rückgang in Q1 u. Q2 12

    Deutschland hat nach der Krise vom Luxusauto- und Maschinenhunger der Entwicklungsländer gelebt. Wenn man sich nicht mehr das Luxusauto leisten kann, und auch die Produktion nicht mehr ausweitet, wird der Export übel Einbrechen. DE lebt ja vollständig vom Export. Dann ist das mit den Ankerfunktion für den € auch vorbei.

  • Stefan Vogel - 12. Januar 2012

    Meine Vermutung derzeit ist, dass viel Geld nach FNÖ (Finnland, Niederlande, Österreich?) fliesst. Bei Österreich bin ich mir nicht so sicher. Deren Staatsanleihen sind deutlich besser verzinst als die Deutschen. Es wird auch so sein, dass viele große Konzerne (z.B. Siemens) schon auf Einkaufstour in der Südperipherie sind.

    Wenn Frankreich keine Eröhung der Target2 schulden verzeichnet rechne ich derzeit mit 195 Mrd. plus für die Niederlande. Hierbei habe ich angenommen, dass Österreich 20 Mrd. aufnimmt.

    Da sieht dann nicht gut aus für die Niederlande (über 30% vom Bip als Target 2).

    Was denkt Ihr so?

    Stefan

    • Benedikt - 12. Januar 2012

      In der Südperipherie gibts nicht all zu viele gesunde Unternehmen zu kaufen. Außerdem vergeben die Banken kaum noch Kredite. Vielleicht schaut man sich den Süden an, gekauft wird eher nicht.
      Wenn Ungarn Pleite geht, bekommt Österreich üble Finanzprobleme. Die Niederlande sind wirtschaftlich nicht so stark wie Deutschland. Finnland hat kein Kapitalmarkt, wo das Fluchtgeld gebunkert werden könnte.

  • kurzdump - 12. Januar 2012

    Sieht so aus als würden die Banken mit dem zuströmenden Kapital in den Peripherieländern wieder einkaufen. Vielleicht wird ja auch bei der ein oder anderen Anleihen-Auktion mitgeboten; das würde den Einbruch der Renditen erklären.

    Nach dem Motto: Ihr zieht euer Geld in die Nordstaaten ab und wir refinanzieren damit eure Staatsschulden. Im Bedarfsfall tauschen wir die Anleihen bei der EZB eben wieder gegen frisches Geld ein. Verlieren können sie dabei nicht, die Renditen sind allemal besser als die der Einlagefazilität.

  • Wolfgang - 15. Januar 2012

    Banken und Versicherungen können, ohne entsprechendes Eigenkapital vorhalten zu müssen, ihr Geld zu Spitzenkonditionen anlegen.

  • Wolfgang - 23. Januar 2012

    Langsam werden die Risiken aus Target2 deutlich:
    http://www.deutsche-mittelstands-nachrichten.de/2012/01/36712/