Chart des Tages

von am 4. Mai 2012 in Allgemein

Bei Eurostat liegen aktualisierte Daten für März 2012 vor, zu den realen Einzelhandelsumsätze von Deutschland, Frankreich und der Südperipherie der Eurozone (Portugal, Italien, Griechenland und Spanien), wobei Griechenland und Italien mit den berichteten Daten immer um einen Monat hinterherhinken und diese Daten dokumentieren die “erfolgreiche” Anpassung der PIGS-Länder an die deutsche Wachstumsrate bei den realen Einzelhandelsumsätzen. “Auf Linie des Verzichtes” der breiten Masse beim Konsum muss noch Frankreich gebracht werden, wobei dies angesichts des potentiellen Wahlergebnisses schwerer fallen könnte:

Die Entwicklung der saisonbereinigten realen (preisbereinigten) Einzelhandelsumsätze (2000=100) von Deutschland (blau), Frankreich (rot), Portugal (grün), Italien (lila), Griechenland (türkis) und Spanien (orange). Dieser Chart dokumentiert eine festhaltenswerte Entwicklung, “Dank” Austerität liegen nun auch in den PIGS-Ländern die realen Einzelhandelsumsätze unter dem Niveau von 2000, wie seit Jahren in Deutschland. Nur Frankreich ragt noch hinaus. Zum Vergrößern den Chart bitte 1x anklicken!

Seit 2000 bis März 2012 sanken die realen Einzelhandelsumsätze in Deutschland um -2,43%, in Portugal um -3,57%, in Italien um -3,66% (bis Februar 2012), Griechenland  um -3,61% (bis Februar 2012) und in Spanien als Schlusslicht um -5,14%! Nur Frankreich verbleibt als letzter Konsummotor mit einem Anstieg seit 2000 von kräftigen +36,89%.

Die saisonbereinigten Indizes der realen Einzelhandelsumsätze (2000=100) zeigen die Entwicklung an, lassen aber keine Aussage zum absoluten Niveau der Einzelhandelsumsätze der einzelnen Länder zu, sondern die jeweiligen durchschnittlichen monatlichen realen Einzelhandelsumsätze des Jahres 2000 sind jeweils mit 100 Indexpunkte angesetzt.

Die Daten zeigen den Weg ganz klar, die Produktivitätsfortschritte und den potentiellen Produktionsoutput von 2012 mit einem Konsum von vor 2000 beantworten zu wollen, endet in einer sich verstärkenden europaweiten Rezession.

Quelle Daten: Eurostat.ec.europa.eu/Datenbank Eurostat

Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

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49 KommentareKommentieren

  • Roland - 4. Mai 2012

    Der Deutschland-Chef von Ford warnt heute in einem ftd-Interview vor einer “Rabattschlacht” in Europa.
    Er schätzt den Verkausfrückgang 2012 in Europa jetzt auf – 8,5 % oder -1,3 Mio Fahrzeuge.

    Nach den Wahlen in Frankreich und NRW gibt es eine Vollbremsung bei den europäischen Massenherstellern und dann wird die Sense geschwungen.

  • MagnaBavaria - 4. Mai 2012

    Der Chart von Frankreich macht auf mich den Eindruck, als würden die Franzosen nun das machen, was die Deutschen (die Spitze bei 09/10 im Chart) schon vor 1-2 Jahren gemacht haben.
    Augaben für Renovierung, Anschaffung langlebiger Güter etc. Hauptsache die Kohle ist runter vom Konto, man weiß schließlich nicht wo die Reise hingeht, geschweige denn wo sie enden wird.

    Kleine Anekdote am Rande:

    Am Starnberger See werden schon seit geraumer Zeit die Villen renoviert was das Zeug hält, egal obs Sinn (nötig ist) macht oder nicht…

    • gilga - 4. Mai 2012

      Und was passiert wohl, wenn die dafür eingesetzten Rücklagen dann verbraucht sind oder gar Kredite abgezahlt werden müssen?

      Da dürfte es einen gewaltigen Rutsch nach unten geben. Andererseits graust es einem auch vor der (keynesianischen) Antwort darauf die ohne Zweifel kommen aber eben auch nur Zeit kaufen wird, da sonst keine Alternative mehr besteht.

    • wonko - 4. Mai 2012

      bei Deutschland ist da keine “Spitze” – jedenfalls nicht in diesem Chart …

      … türkis ist Griechenland.
      http://www.querschuesse.de/wp-content/uploads/2012/04/1a219-450×334.jpg

  • udo - 4. Mai 2012

    Kleine Frage von einem interessierten Laien:
    Warum starten die Linien im Januar 2000 nicht alle bei 100?
    Das hätte ich bei der Aussage “2000=100″ erwartet.

    TIA,
    -udo

    • Querschuss - 4. Mai 2012

      Hallo Udo,
      richtig, dass Jahr 2000 = 100, das Jahr 2000 ist der Durchschnitt der Monate Januar bis Dezember 2000, also liegt es nahe das der Januar nicht genau 100 ist, sondern 99,3, 98,9 also ganz in der Nähe von hundert, so wie jeder einzelne Monat aus 2000, in der Regel leicht vom Durchschnitt Jan.-Dez. 2000 abweicht.

      Gruß Steffen

  • Deutscher Michel - 4. Mai 2012

    Es ist doch richtig, daß die Konsumorgien zu Ende gehen, was denn sonst? Ich verstehe nicht, was man daran falsch finden kann. Die Amis leben weiterhin auf Pump, weil es immer noch Dumme gibt, die das finanzieren.
    Das ist jedoch der Maßstab, der von einer untergehenden Weltmacht gesetzt wird, daran sollten wir uns nicht orientieren. Wir Kontinental-Europäer sind reformfähig, auch wenn das ziemlich holperig läuft, man hätte vieles besser machen können – wir werden noch aus unseren Fehlern lernen. Aber wir gehen unseren eigenen Weg, darauf habe ich lange gewartet.

    • HaPennyBacon - 4. Mai 2012

      Leider stimmt die Aussage, das die Konsumorgien zu Ende sind, so nicht. Man muss das alles mal in absoluten Stückzahlen pro Einwohner berechnen und nicht in einer Variablen namens Geld.

    • topperhopper - 4. Mai 2012

      “Es ist doch richtig, daß die Konsumorgien zu Ende gehen, was denn sonst? Ich verstehe nicht, was man daran falsch finden kann. Die Amis leben weiterhin auf Pump, weil es immer noch Dumme gibt, die das finanzieren.”

      –> Im Grunde hat der Michel mit diesen Sätzen ja recht.

      Alle Abschwünge in den letzten Jahrzehnten wurde keynesianistisch geglättet (sprich: die Zinsen wurden gesenkt und staatliche “Wachstums”programme wurden gestartet). Die Politiker haben den Wählern immer wieder ein kleines wärmendes Feuer angezündet – was in unserem politischen System gar nicht mal so unverständlich ist.

      Nur hat man danach immer wieder “vergessen”, die Zinsen anzuheben und zu konsolidieren.

      Es muss eine Bereinigung geben und es wird eine Bereinigung geben. Auf welchem Weg, ist offen. Da man eine Bereingung immer weiter aufschiebt, wird die Fallhöhe der Volkswirtschaften immer größer.

    • Querschuss - 4. Mai 2012

      Hallo Deutscher Michel,
      du verkennst bei dieser Sicht das Grundproblem der heutigen Zeit, hohe Produktivität und Technologien ermöglichen einen enormen Output mit weniger Mitarbeitern als noch von 10 oder 20 Jahren. Wenn nun diese Massenproduktion mit einem Konsum von vor über 10 Jahren beantwortet wird, löst dies nicht nur eine Rezession aus, sondern in der Rückkopplung des rückläufigen Konsums, fällt auch die Wertschöpfung, da die Waren nicht mehr absetzbar sind und die Produktion gedrosselt werden muss. Damit fallen auch Jobs und Einkommen. Ohne Jobs und Einkommen, dies sieht man in Spanien sehr gut, fallen aber erst recht die Kreditpyramiden. Wer meint mit Verzicht kann man das System gesunden irrt, dies sichert nur den Zusammenbruch, denn in Folge der dadurch ausgelösten Rezession sinkt die Schuldentragfähigkeit aller Bereiche der Volkswirtschaft noch schneller.

      Diese Probleme lassen sich niemals mit der Sichtweise einer schwäbischen Hausfrau lösen. Wenn die Konsumorgien zu Ende gehen, wobei diese Bezeichnung für den Einzelhandelsumsätze wohl überzeichnet ist, steht das ganze System auf dem Spiel, denn Massenoutput und Produktion bedingen Massenkonsum. Konsumverzicht unter der Agenda des jetzigen System verschlimmert das Problem nur.

      Eines der größten deutschen Lebenslügen dürfte sein, das alle Länder gleichzeitig Exportüberschüsse erzielen können. Die Länder die diese Überschüsse erzielen, generieren diese nur, da andere Länder kreditfinanzierte Defizite generieren. Fordert man also von den Anderen den Verzicht auf Defizite wird man in Folge notgedrungen einen Teil seiner Überschüsse verlieren. Sieht man primär die Lösung in Konsumkontraktion der Defizitländer endet dies in einer Rezession mit Potential zur Abwärtsspirale. Anders rum wird eher ein Schuh draus, die unterentwickelten Volkswirtschaften müssen zuvorderst ihre wirtschaftliche Leistungsfähigkeit entwickeln, die kommt aber nicht primär über Verzicht sondern nur über Investitionen in künftige Wertschöpfung.

      Gruß Steffen

      • topperhopper - 4. Mai 2012

        “Konsumverzicht unter der Agenda des jetzigen System verschlimmert das Problem nur.”

        Ganz genau Steffen. Deshalb sitzen wir ja auch in unserem Hamsterrad. Aber das System ist – wie alles – endlich. Wir sind zurzeit an einem Punkt, an dem das es mächtig stockt. Wir können vielleicht noch ein paar mal Luft reinblasen, um es am Laufen zu halten (sprich: “Wachstums”programme etc.), aber es wird irgendwann enden.

        Das klingt apokalyptisch, ist aber nur der ständige Lauf der Dinge.

        • Querschuss - 4. Mai 2012

          Hallo topperhopper,
          sollen die deutschen Forderungen gegenüber der Südperipherie nicht alle abgeschrieben werden, hilft primär nicht deren Konsumverzicht, sondern nur die Unterlegung der ausstehenden Kreditvolumen mit wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit. Davon kann zum Beispiel in Griechenland mit einem durchschnittlichen Exportvolumen von schlappen 1,6 Mrd. Euro im Monat keine Rde sein, übrigens pro Kopf der Bevölkerung ein Siebtel des Exportes von Deutschland. Nimmt man Spanien, ohne Bau, ok, geht in Folge der geplatzten Immobilienblase kaum anders, aber auch noch ohne nennenswerte Industrie, wie die Bruttowertschöpfung zum BIP zeigt geht nicht auch noch. Mit oder ohne Euro, die Südperipherie braucht ein Geschäftsmodell, dies muss entwickelt werden, ansonsten ist in den nächsten Jahren das Ende der Eurozone und damit auch unserer Forderungen vorprogramiert.

          Gruß Steffen

      • Georg Trappe: - 6. Mai 2012

        So ist es. Die Gedanken eines an Wirtschaft interessierten Ingenieurs dazu finden sich hier:
        http://deflationundkollaps.blogspot.com/
        Viele Gruesse
        Georg

  • Georg Trappe: - 4. Mai 2012

    Das ist ein ertsklassiges Chart!
    Vielen Dank dafuer. und viele Gruesse
    Georg Trappe

  • snozin - 4. Mai 2012

    @ holpriger Michel

    Auch wenn das nicht sehr reformfähig klingt: Darf ich mir noch schnell ein Nachthemd kaufen? (darauf habe ich lange gewartet) Vielleicht finde ich noch einen Dummen, der es finanziert.

    Danach, ich verspreche es, werde ich mit uns aus deinen Fehlern …äh …werde ich mit dir …aus unseren Fehlern lernen.

  • TrooperCooper - 4. Mai 2012

    Na, der Chart gibt ja mal echt ne Steilvorlage für die erwartbaren Pseudo-Argumente, dass Frankreich (insbesondere nach einer Wahl Hollandes) in der ewig-gestrigen, unreformierbaren Konsumhaltung verharrt, welche die Schulden und damit die Krise verursacht.

    Deutscher Michel’s (hoffentlich ironisch gemeinter Beitrag) deutet das sehr gut an…

  • Das Häschen - 4. Mai 2012

    Auch bei uns erfreut sich der Tischler höchster Beliebtheit. Ich denke der ist froh, wenn die Krise vorbei ist, dann kann er mal Urlaub machen. Möbeln waren 2009 sehr beliebt und sind es noch immer.

    Sehr interessante Analyse. Ich vermute es handelt sich um die Umsatzsteuer relevanten Umsätze. Das ist ein kleiner Unsicherheitsfaktor, der aber vermutlich nicht den großen Unterschied ausmacht.

    Zum Chart des Tages, aus dem 100 jährigen Unternehmerkalender folgende Weisheit:
    Vom Steuern zahlen wurde noch keiner reich.

    Besten Dank für den Link. Höchst interessante Statistiken – für das Wochenende und vielen Dank für die Mühe.

  • Sumpfhuhn - 4. Mai 2012

    Ist bei dem Chart die Inflation berücksichtigt? (sind immerhin 12 Jahre)
    Wenn nein, würde sich das Bild sehr ändern?

    • Querschuss - 4. Mai 2012

      Hallo Sumpfhuhn,
      ja, real ist immer preisbereinigt, natürlich nur um die offizielle Rate. Nominal dagegen ist immer zu den jeweiligen Preisen, also unbereinigt.

      Gruß Steffen

  • Thomas - 4. Mai 2012

    Vielen Dank! Dieser Chart wurde ja wieder mal Zeit! Ein schönes Wochenende allen…und lassen wir es nochmal unkommentiert…bis zum Ende. ;-)

  • wonko - 4. Mai 2012

    schöner Chart …

    … in Kombination mit dem Chart zur französischen Handelsbilanz besonders wertvoll:

    http://www.querschuesse.de/wp-content/uploads/2012/04/1a57.jpg

    im Übrigen scheint einigen Kommentatoren unklar zu sein, was “Einzelhandel” ist:

    “Definition:

    Der Einzelhandel ist eine Handelsunternehmung, deren Haupttätigkeit im Einkauf von Waren zum Weiterverkauf an private Haushalte besteht, wobei die Waren im allgemeinen in kleinen Mengen und im Zustand, in dem sie erworben werden (bzw. nach geringfügiger Bearbeitung), abgesetzt werden.

    Der Begriff entspricht der NACE Rev. 1-Abteilung Einzelhandel (ohne Handel mit Kraftfahrzeugen und ohne Tankstellen); Reparatur von Gebrauchsgütern. Sie umfaßt folgende Gruppen:

    - Einzelhandel mit Waren verschiedener Art (in Verkaufsräumen)

    - Facheinzelhandel mit Nahrungsmitteln, Getränken und Tabakwaren (in Verkaufsräumen)

    - Apotheken; Facheinzelhandel mit medizinischen, orthopädischen und kosmetischen Artikeln (in Verkaufsräumen)

    - Sonstiger Facheinzelhandel (in Verkaufsräumen)

    - Einzelhandel mit Antiquitäten und Gebrauchtwaren (in Verkaufsräumen)

    - Einzelhandel (nicht in Verkaufsräumen)

    - Reparatur von Gebrauchsgütern. ”

    quelle: eurostat
    http://ec.europa.eu/eurostat/ramon/nomenclatures/index.cfm?TargetUrl=DSP_GLOSSARY_NOM_DTL_VIEW&StrNom=CODED2&StrLanguageCode=DE&IntKey=16579335&RdoSearch=BEGIN&TxtSearch=Einzelhandel&CboTheme=16713670&IsTer=&IntCurrentPage=1&ter_valid=0

    Im Gegensatz zu Deutschland (ca. minus 5%) hat Frankreich (ca. +9%) in den letzten 10 Jahren die Löhne stetig inflationsbereinigt angehoben (ca. 1% über d. inflation)…
    … die Deutschen haben den Franzosen dadurch das Wasser abgegraben.

    http://img834.imageshack.us/img834/1023/lohn.png

    … die einen leben – die anderen graben…

  • Bernd Klehn - 4. Mai 2012

    Lieber Steffen,
    kannst du noch mal mitteilen, welche Chartfarbe zu welchen Land gehört, da in diesem Fall am Ende die Reihenfolge sehr schlecht auseinander zu halten ist.

    Gruß

    Bernd

    • wonko - 4. Mai 2012

      berechtigter Vorschlag…

      … einer der Kommentatoren hat doch glatt Deutschland mit Griechenland verwechselt
      (und beim zurechtbiegen seiner Theorie das Bau und Handwerksgewerbe zu den Einzelhandelsumsätzen hinzuaddiert … (wobei der Kerngedanke, die Inflation bei den Luxusimmobilien abzulesen natürlich nicht verkehrt ist – die volkswirtschaftlichen, stetig steigenden Gewinne fallen ja schliesslich an … nur landen diese eben nicht im Einzelhandel, sondern sind aufgrund der immensen Ungleichverteilung bei den “Einigen Wenigen” …. der Boomerang durch das Verleihen dieser Kapitalerträge kommt ja gerade schrittweise zurück – und wird mit Frischgeld indirekt glattgestellt… ))

    • Querschuss - 4. Mai 2012

      Hallo Bernd,
      stand und steht doch da, zugegeben Griehenland hellblau/türkis ist mit Deutschland (blau) zu verwechseln. Deutschland erkennt man daran, das man hier fast nie über hundert Indexpunkte geschaut hat.

      Gruß Steffen

      • Bernd Klehn - 4. Mai 2012

        Lieber Steffen,
        tut mir leid, dass ich nur die Grafik angeschaut, aber nicht die dazugehörige Erläuterung:

        Gruß

        Bernd

  • Deutscher Michel - 4. Mai 2012

    Hallo Steffen,
    daß es krachen wird, ist unvermeidbar, glaube ich. Die Bäume wachsen nicht in den Himmel. Die spannende Frage ist, wer löffelt das aus?
    Können sich die Hauptverursacher (volkswirtschaftlich gesehen), die als Hegemonialmacht mit geschickten Finanzpolitik seit Jahrzehnten zum Teil auf Kosten anderer leben, wieder einmal geschickt davonstehlen?
    Gruß
    Michel

    • ergo sum - 5. Mai 2012

      Hallo Steffen,
      Dies ist ein aufregender Chart. Keine Überraschung, dass unsere blaue Linie am Boden haftet — das ist natürlich wieder unser vielzitierter Mangel an Binnenkonsum. Aber gibt es eine Erklärung für Frankreichs steile Aufwärtsbewegung im Einzelhandel? Massenhafter ausländischer Luxustourismus? Man kann sich doch schließlich kaum vorstellen, dass die braven Hausfrauen der Banlieue plötzlich kaufwütig geworden sind.
      Gruß, Ergo

      • Querschuss - 5. Mai 2012

        Hallo Ergo,
        scroll mal ein wenig, hatte ich bereits im Kommentar geschrieben, ein höherer Anstieg der realen Arbeitnehmerentgelte in Frankreich und ein kräftiger Anstieg der privaten Verschuldung.

        Gruß Steffen

  • Ausser Rand und Band - 4. Mai 2012

    wohl war …
    aber trotzdem sirbt der T€uro

  • Marc - 4. Mai 2012

    Zu den Frankreich Chart.

    Wie ist eine solche Ausweitung der Umsätze zu erklären.

    Immense Vergrößerung der Bankbilanzen?
    Geldflutung?
    Immobilien?

    Organisch wächst eine Wirtschaft nur 1 Prozent im Jahr.
    Und Frankreich ist ja eine ganz andere Nummer als Länder wie Griechenland, Spanien oder Portugal.

    Hat hier jemand genaue und korrekte Zahlen zur Verschuldung Frankreichs?

    • Querschuss - 4. Mai 2012

      Hallo Marc,
      ganz einfach, die steile Entwicklung der realen Arbeitnehmerentgelte nach oben und eine massive Ausweitung der privaten Verschuldung in Frankreich. Letztlich zeigt das ständig wachsende Handelsbilanzdefit Frankreichs, das die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit weder den Anstieg der Arbeitnehmerentgelte, gerade im Vergleich zu Deutschland – massiver Wettbewerbsfähigkeitsverlust, noch die Kreditexpansion hergibt. Die Ungleichgewichte werden auch Frankreich zum Krisenfall machen. Einen Anteil daran hat auch Deutschland, wir müssten per Konsum in die Bresche springen, höhere Löhne in Deutschland würden auch die Wettbewerbsfähigkeit hier senken und vielleicht noch eine Chance der Konvergenz eröffnen, aber sehr wahrscheinlich ist auch die Divergenz zu Frankreich bereits irreparabel und wird sich irgendwann demnächst krisenhaft entladen.

      Ausstehende Verschuldung nur der privaten Haushalte in Frankreich zuletzt im Februar 2012 bei 1088 Mrd. Euro, Februar 2005 645 Mrd. Euro, Februar 2000 457 Mrd. Euro.
      Summe der realen (preisbereinigt) Arbeitnehmerentgelte in Frankreich von 2000 bis Q4 2011 +18,07%, in Deutschland: -0,54%!

      Gruß Steffen

      • Marc - 4. Mai 2012

        Danke für die schnelle Antwort.

        Also könnte der Absturz jederzeit kommen – 1 Monat oder 1 Jahr oder vielleicht schon nächste Woche, und je weiter dieser sich verschiebt um so härter wird der Aufschlag. Es bräuchte jetzt mindestens wieder 10 Jahre um diese Ungleichgewichte auszugleichen. Es stehen aber andere größere Probleme bevor. Ressourcenverknappung und Alterung der westeuropäischen Gesellschaften
        Stellt sich nur die Frage warum die Verantwortlichen nicht dagegen gehalten haben.

        Ich bin kein solcher Narr der glaubt das die Verantwortlichen so dumm wären. Welche Ziele verfolgt man aber ?

        Will man infolge des wirtschaftlichen Druckes infolge einer Depression die Vereinigten Staaten von Europa begründen, die in letzter Zeit immer wieder als verheisende Lösung vorgeschlagen wird.

        Glaubt jemand das sich Völker die sich in tausenden von Jahren entwickelt haben, einfach so unter die Knute von quasi totalitär agierenden Kommissaren die eng mit Großkonzernen verbandelt sind, unterordnen?

        • Marc - 4. Mai 2012

          werden?

          http://epp.eurostat.ec.europa.eu/cache/ITY_PUBLIC/3-02052012-AP/DE/3-02052012-AP-DE.PDF

          Frankreichs offzielle Arbeitslosenrate liegt bei 10%, bei den unter 25jährigen zwischen 22-23%.

          DE hat eine Arbeitslosenrate von 5,6 %, aber hat offiziell zwischen 9-10 Millionen Menschen die auf staatliche Leistungen angewiesen sind, weil sie von ihren Lohn, Rente oder Arbeislosengeld nicht leben können.

          Da kriege ich Wut und Hassgefühle, wenn ich die Wahrheiten von Tageeschau, RTL Aktuell oder Heute Sendung vernehme, die den Hyper Aufschwung und Ende der Krise herbeireden.

          • dank - 5. Mai 2012

            “Glaubt jemand das sich Völker die sich in tausenden von Jahren entwickelt haben, einfach so unter die Knute von quasi totalitär agierenden Kommissaren die eng mit Großkonzernen verbandelt sind, unterordnen?” (Vereinigte Staaten von Europa)

            Danke – geniale Frage – die komplett von der Politik und Wirtschaft ignoriert wird.
            Der oft bemühte Vergleich aus verschiedenen Richtungen mit USA und deren Werdegang hinkt alleine schon deswegen. Dazwischen irgendwo, dass auch der “kürzliche” Zusammenschluss der USA nicht als friedlich zu betrachten ist…
            Ein Europa wie “gemeinsam ist gut und gefällt” – ein Europa unter Zwang führt zur Spaltung.

  • Joachim Kaiser - 4. Mai 2012

    Hallo Steffen,
    ich bin farbenblind im Rot-Grünbereich, wie glaube ich ca 40% aller Männer, deshalb kann ich mit diesem Chart so ziemlich gar nichts anfangen.
    Könnte man die einzelnen Linien nicht strukturieren (strich-punkt, strich-strich oder punkt-punkt), dann könnte ich mehr unterscheiden und müsste nicht meine Frau zum Farberklären und zuordnen dazuholen.
    Nur ein Vorschlag.

    • Querschuss - 4. Mai 2012

      Hallo Joachim,
      nein besser bekomme ich es nicht hin, der Verlauf mit der höchsten Amplitude ist Griechenland (türkis), gefolgt von Spanien (orange), dann Portugal (grün). Die geringe Amplitude ist Italien (lila), die flachste Deutschland (blau), der stetige Anstieg Frankreichs (rot) ist gut zu erkennen.

      Die Grafiken kann man immer mit 1x anklicken vergrößern, spätestens dann ist es gut zu sehen.

      Gruß Steffen

  • dank - 5. Mai 2012

    “Chart des Tages” ist gut, aber triffts noch nicht genau.
    Halte es für den “Chart des Monats” unter dem Hinblick der Wahlen in Frankreich. ;-)
    Bezeichnend – erstklassig – genial.

    Unter dem Zeichen wäre es befremdlich, wenn Hollande das noch versemmelt – die Franzosen wollen konsumieren und nicht sparen. Womit ich aber nicht sagen will, dass sie das mit einem Wahlsieg von Hollande auch können oder ich den dann (vielleicht) eingeschlagenen Weg mit den Vorzeichen in der Welt (dieser Krisen) für sinnvoll erachte.

  • Georg Trappe: - 5. Mai 2012

    Hallo Steffen,
    gibt es eine entsprechende Datenreihe fuer die USA? Waere doch nett zu sehen, wie sich das vergleicht. Oder?
    Gruesse
    Georg

    • Querschuss - 5. Mai 2012

      Hallo Georg,
      in den USA sind die Einzelhandelsumsätze leider nur als nominale Datenreihen verfügbar.

      Gruß Steffen

  • Andreas - 5. Mai 2012

    “Eines der größten deutschen Lebenslügen dürfte sein, das alle Länder gleichzeitig Exportüberschüsse erzielen können.”

    zumindest, bis man einen anderen bewohnten Planeten gefunden hat. Ich habe bei einer Diskussion bei YT mal ein ganz einfaches Beispiel gebracht: Wenn 10 auf einer Insel stranden und sich Fische fangen und jeder nur seine eigenen gefangenen Fische ist, kann einer nur “über seine Verhältnisse leben”, wenn ein anderer drunter lebt, der eine gibt dann dem anderen Fisch ab. Wenn aber alle versuchen, gleichzeitig einen Teil ihrer gefangenen Fische einem anderen abzugeben, vergammelt die Hälfte der Fische.

  • ergo sum - 5. Mai 2012

    Eine der größten Eurolügen war es, allen Staaten der Eurozone gleichzeitig erhöhten Wohlstand vorzuspiegeln. Statt dessen wurde Deutschland reicher, WEIL andere ärmer wurden. Das Resultat dieser “beggar-thy-neighbour”-Politik spüren wir jetzt, wo die Armen den Reichen nichts mehr abkaufen können. Siehe Steffens Charts zum Einbruch der Neuzulassungen in Portugal und Griechenland um ca. 40%.

  • Bert - 5. Mai 2012

    MIr stellt sich bei Betrachtung des Charts eigentlich nur eine Frage: Wann bricht Frankreich ein? Ich wünsche mir das nicht, aber so wie die Sache derzeit läuft, kann das doch nur noch eine Frage der Zeit sein.

  • Illoinen - 6. Mai 2012

    Wenn ich hier die ganzen Kommentare so lese, ist für mich sehr auffällig, dass die Finanzmärkte, so gut wie gar nicht vorkommen? Wieso werden nicht die Verursacher hier genannt? Obwohl ich bei weitem kein Freund der USA bin, die haben seit 2008 wenigstens mehr als 60 Manager aus der Finanzindustrie angeklagt und verurteilt. Mehr als 200 Milliarden mussten die Banken an Strafen zahlen. Und in Europa? In Deutschland gibt es nicht einmal Gesetz, damit die wirklich Verantwortlichen verurteilt werden könnten? Warum wohl? weil in den Aufsichtsräten vieler Landesbanken Politiker sitzen. Solange die Finanzmärkte, so wie damals unter Rooesevelt, nicht massiv reguliert werden, könnten wir uns zu Tode sparen, und das so ersparte Geld wird im Nirwana der Finanzmärkte und Steueroasen weltweit “verpuffen”? Solange aber Springer, Burda, Bertelsmann, Holtzbrinck sowie Bauer das “Sagen” im Kanzleramt haben, wird wohl weiterhin die Propaganda verbreitet werden “wir hätten über unsere Verhältnisse gelebt”? Wie sagte schon Roosevelt damals sehr treffend: „ vom organisiertem Geld regiert zu werden, ist genauso schlimm, wie vom organisiertem Verbrechen regiert zu werden“

  • chriwi - 6. Mai 2012

    Oswald Metzger meint dennoch, dass Deutschland ein Erfolgsmodell sei

    http://endlessgoodnews.blogspot.de/2012/05/finde-den-widerspruch.html

    Man fragt sich wie Lobbyorganisationen bei solchen Pfeiffen so erfolgreich sein können.

  • Hans - 6. Mai 2012

    vielen Dank an dieser Stelle einmal für die stets eindrucksvollen Charts! Ich wünschte, die Wirtschaftsjournalisten der großen Zeitungen würden öfter mal hier vorbeischauen, statt ständig die selben leeren Phrasen der sich als Wissenschaftler gebenden Wirtschaftslobbyisten nachzubeten. Es reicht ein Blick auf eine Grafik, um zahlreiche neoliberale Lehnstuhlargumente zunichte zu machen …

  • Rainer Pauly - 9. Mai 2012

    ich kann es imme rnur wiederholfen:

    Das sog. “Bandbreitenmodell” ist das Lösungsmodell für das Dilemma der Marktwirtschaft.

    Die Frage ist doch:

    Wie kann man die Staats-Einnahmen und (!!) zugleich die Kaufkraft der breiten Masse dauerhaft steigern, um die BINNEN-KAUFKRAFT dauerhaft deutlich zu erhöhen?

    Wie kann man Arbeitseinkommen und Unternehmensgewinne komplett steuerfrei stellen, damit sich die Kaufkraft deutlich erhöht? Wie kann man endlich einmal die Staatsschulden bezahlen?

    Mit dem sog. “BANDBREITENMODELL”, im folgenden BBM genannt.

    Im BBM gibt es nur noch die Umsatzsteuer (keine Mehrwertsteuer). Alle Umsätze werden besteuert, kein Vorsteuerabzug.

    Das BBM hat natürlich eine gewisse Kompexität, es funktioniert prinzipiell wie folgt:

    Es gibt nur noch die Umsatzsteuer (ohne Vorsteuerabzug!!), macht bei 5,4 Billionen Binnenumsatz ca 1,1 Mrd Statteinnahmen – das DOPPELTE wie heute!

    Mit dem gewaltigen Überschuss können sämtliche Sozialsysteme (Renten-, Kranken-,Pflege- und Arbeitslosenversicherung) finanziert werden, ohne das auch hier der Faktor Arbeit belastet wird.

    Ergebnis: Arbeitnehmer-Netto = Arbeitnehmer-Brutto = Arbeitgeber-Brutto.

    Was das für die dauerhafte Kaufkraft der Kunden bedeutet, mag sich jeder Unternehmer selbst ausrechnen… !!! (Jeder hat das heutige Brutto-Gehalt zur Verfügung…).

    Schuldendienst zum Abbau der Staatsverschuldung könnte mit jährlich 100-150 Mrd geleistet werden…

    Importe werden mit einer höheren Umsatzsteuer belegt, bis diese Firmen in Deutschland produzieren.
    (Beispiel Brasilien: ein Pkw von VW kostet x Euro, wird jedoch ein Golf aus deutscher Produktion gekauft, kommen 70 % Steuern hinzu…..). Dies schafft Arbeitsplätze im Brasilien, nicht sonstwo.

    Bestimmte Rohstoffe etc. sind davon natürlich ausgenommen.

    Gewinne werden nicht versteuert und können ungestraft d.h. unbesteuert kumuliert und für Inverstitionen genutzt werden..Dezemberfieber entfällt. Banken wg. weniger Krediten weitgehend entmachtet! Geld im Ausland anlegen? Keine Problem mehr, ist schon alles versteuert !

    Produkte aus dem Ausland werden mit einer höheren Steuer belegt, bis der Produzent die Waren für den deutschen Markt in Deutschland produziert.

    Gleichzeitig wird der Umsatzsteuersatz eines Unternehmens in Deutschland individuell an den Beschäftigungsgrad gekoppelt. Je mehr Menschen (je Umsatzmillion) eingestellt sind, des geringer ist der Umsatzsteuersatz.

    Ich habe das zugrunde liegende Buch (“Die Geldlawine” von Jörg Gastmann) gelesen. Das ganze Modell wurde durchgerechnet. Wirklich erstaunlich, wie anders es gehen könnte, wenn die Politiker nur wollten.
    Aber leider können die Mächtigen und die Banken mit armen Menschen willkürlicher umspringen – daher nimmt kein Mächtiger dieses Konzeptes an.

    Jedes Land könnte das BBM einführen, lokale Produktion wäre wieder vorherrschend, die Bankkaste wäre entmachtet und die Staatsschulden zurückgezahlt Alles wäre für jeden viel billiger, da nicht mehr so viele Zinsen auf die Staatsschulden. Altersarmut weg, Geld für Umweltschutz wäre da. Wir bräuchten alle nur noch halb so viel zu arbeiten. Den Menschen bleibt dann Zeit, sich ihren Kindern und Älteren zu widmen, Bildung zu genießen….die Menschlichkeit bekommt einen unglaublichen Zufluss an Zeit und Geld, um wieder zu wachsen.