China: Ende des Rohstoff-(booms)?

von am 17. Juni 2012 in Allgemein

Ein Ende des Rohstoffbooms in China? Schon möglich, aber bisher ist nichts von einem signifikanten Einbruch der Rohstoffnachfrage aus China zu sehen, alles andere ist weiterhin nur Spekulation. Zwar sinken die Preise für Rohstoffe, nur primärer Faktor dabei dürfte nicht der Rückgang der Nachfrage aus China selbst sein, sondern die Krise in der Eurozone, der dortige Nachfrageeinbruch, eine schwächelnde weltweite Wirtschaft und der Rückzug des globalen spekulativem Kapitals aus den Rohstoffmärkten. Für den Rohstoffhunger Chinas ist der Preisrückgang alles andere als ein Problem, solange dieser nicht die eigene sinkende Nachfrage reflektiert. Im Mai 2012 waren die Rohstoffimporte ungebrochen kräftig und auch die inländische Produktion und Rohstoffförderung blieb stark. Ein paar Charts dazu:

Die Entwicklung des Outputs der Industrieproduktion (Bergbau, Energieversorgung und Verarbeitendes Gewerbe) in Prozent zum Vorjahresmonat seit Januar 1991 im Chart. Die Wachstumsrate schwächt sich zwar grundsätzlich ab, aber +9,6% im Mai 2012 zum Vorjahresmonat, von einer hohen Ausgangsbasis aus, ist immer noch mehr als solide!

Der Anteil der Bruttowertschöpfung der breit gefassten Industrie (Bergbau, Energieversorgung und Verarbeitendes Gewerbe) ist enorm und betrug zuletzt im Gesamtjahr 2011 satte 39,99% des nominalen BIPs bzw. nominale 18,857 Billionen Yuan (2,921 Billionen Dollar). Eine reale Wachstumsrate selbst von knapp 10% der Industrieproduktion, bei dem enormen Ausgangsniveau des Outputs, dürfte nicht wirklich ein Problem für die chinesische Volkswirtschaft darstellen, auch wenn die Rate sich weiter abschwächen sollte.

Die Entwicklung der chinesischen Rohstahlproduktion in Millionen Tonnen seit Januar 1990 im Chart. Im Mai 2012 lag der Output der Hüttenwerke bei 61,230 Millionen Tonnen, nur knapp unter dem bisherigen Allzeithoch aus März 2012 mit 61,581 Millionen Tonnen. Der Output ist monströs und hat sich seit 1990 verzwölffacht! Knapp die Hälfte der Rohstahlproduktion der Welt kommt aus China und China produziert etwas mehr als doppelt so viel Rohstahl wie die EU27, Nordamerika und Südamerika zusammen!

Wenn auf diesem Niveau die Wachstumsrate beim Rohstahl nicht mehr zweistellig ist, steht das mitnichten für einen Crash, sondern dies ist auf Grund des erreichten absoluten Produktionsvolumens völlig normal und aus der Sicht endlicher Ressourcen dringend nötig und somit begrüßenswert!

Zum Vergleich, wie eine wirkliche wirtschaftliche Kontraktion aussieht, ein Blick nach Spanien. Nach den letzten Daten aus April 2012 war in Spanien die Rohstahlproduktion um -37% zum Hoch im Mai 2008 eingebrochen, auf nur noch 1,225 Millionen Tonnen. In Griechenland war der Output der Rohstahlproduktion im April 2012 zum Hoch aus Mai 2008 um satte -43,7% eingebrochen, auf schlappe 147’000 Tonnen.

Kein anderes Bild liefert die Zementproduktion:

Die Entwicklung der Zementproduktion in China seit Januar 1998 im Chart. Im Mai 2012 generierte der Output der chinesischen Zementproduktion ein neues Allzeithoch mit 205,110 Millionen Tonnen. Die Einbrüche im Chart reflektieren immer das chinesische Neujahrsfest und den damit verbundenen Produktionsrückgang. China ist mit riesigem Abstand Zementhersteller Nummer 1 in der Welt und auf China entfällt fast die Hälfte des weltweiten Outputs! Seit 1999 hat sich der chinesische Output verfünffacht!

Zum Vergleich, wie eine wirtschaftliche Kontraktion aussieht, die diesen Namen verdient, in Spanien ging es seit dem Hoch im März 2007 um satte -73,15% abwärts, von 5,123 Millionen Tonnen auf 1,380 Millionen Tonnen im April 2012! Getoppt wird der Einbruch in Spanien noch von Griechenland, dort sank der Output der Zementproduktion um -83,9% zum Hoch vom Juli 2006, von 1,520 Millionen Tonnen auf schlappe 245’000 Tonnen. Zement war auch ein wichtiges griechisches Exportgut, umso dramatischer der Einbruch.

Zum Vergleich, die Zementproduktion in Spanien seit Januar 1955 im Chart. So sieht eine wirtschaftliche Kontraktion aus! Seit dem Hoch im März 2007 ging es um satte -73,15% abwärts, von 5,123 Millionen Tonnen auf 1,380 Millionen Tonnen im April 2012! Der Output der spanischen Zementproduktion kollabierte auf ein Niveau von Anfang 1971!

Felix Zulauf resümierte kürzlich in der Wirtschaftswoche, die “Schwäche” der chinesischen Wirtschaft manifestiert sich im schwachen Elektrizitätsverbrauch:

Die Entwicklung der Stromerzeugung in China in Mrd. kwh seit Januar 1998 im Chart. Im Mai stieg die gesamte Elektrizitätsproduktion um +2,7% zum Vorjahresmonat, auf 389,8 Milliarden kwh. Kumuliert Januar bis Mai 2012 ging es um +4,7% zum Vorjahresmonat aufwärts auf 1910,2 Mrd. kwh. Die bisherigen Spitzen im Chart reflektieren immer die Sommermonate, denn dann “glühen” auch in China die Klimaanlagen. Auch 2012 wird das bisherige Hoch aus August 2011 übertroffen werden. Die Stromerzeugung ist gewaltig und hat sich seit 1998 vervierfacht. Mehr Energieeffizienz lässt auch bei geringeren Wachstumsraten der Stromerzeugung ein Wirtschaftswachstum zu.

Die Entwicklung der chinesischen Ölförderung seit Januar 1998 im Chart. Im Mai 2012 lag die Ölförderung bei 17,12 Millionen Tonnen, die Rohölimporte markierten im Mai ein Allzeithoch mit 25,48 Millionen Tonnen. Zusammen aus eigener Rohölförderung und Rohölimporten mit 42,6 Millionen Tonnen, standen erstmals über 10 Millionen Barrel Rohöl pro Tag in einem Monat zur Verfügung (10,03 mb/d).

Die Entwicklung der chinesischen Fahrzeugproduktion seit Januar 1998 im Chart. Im Mai 2012 stieg der Output um +18,5% zum Vorjahresmonat auf 1,758 Millionen Einheiten. Im breiten Zeitraum Januar bis Mai 2012 waren es noch +6,2%, im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Die chinesische Fahrzeugproduktion ist seit 1998 um das 11-fache angestiegen.

China hat Jahre einer unvergleichbaren Explosion der wirtschaftlichen Aktivität und der industriellen Wertschöpfung hinter sich. Das erreichte Niveau ist enorm und die hohen Wachstumsraten sind schon alleine auf Grund der erreichten absoluten Stände kaum fortführbar. Allerdings zeigen die Langfristcharts, dass auch im Mai 2012, wie bereits seit 2 Jahren die China-Crash Propheten falsch lagen und bar jeder realwirtschaftlichen Faktenlage argumentieren. Ungeachtet dessen können sie irgendwann auch mal Recht bekommen. :)

Quelle Daten: Stats.gov.cn/Statisticaldata

Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

Print article

8 KommentareKommentieren

  • Peter - 17. Juni 2012

    Sollte Chinas Explosion in Sachen Rohstoffverbrauch kein Ende nehmen, dann können alle Prognosen über Peak-Coal, Peak-Oil, also die Verfügbarkeit der Rohstoffe weltweit, bequem in die Tonne getreten werden.

    Man sollte sich einmal vor Augen führen, welche enormen Mengen an fossilen Rohstoffen für eine solch gigantische Stahl- und Betonproduktion verbraucht werden. Allein der Energieverbrauch beträgt bei der Zementproduktion 100 kWh/t, bei Stahl 350 kWh/t.

    Die Autoren des Club of Rome oder der “Grenzen des Wachstums” mögen sich in dem Zeitpunkt ihrer Prognosen mehrfach geirrt haben, stets zu Gunsten der Menschheit. Das der Zusammenbruch irgendwann kommen wird steht jedoch außer Frage. Und Chinas Boom sorgt derzeit dafür, dass sich dieser Zeitpunkt erstmals entgegen der Prognosen nach vorn verlagert!

    Nicht vorstellbar, wenn im 1,2 Mrd-EW-Land Indien ein ähnlicher Boom einsetzen sollte…

  • M.E. - 17. Juni 2012

    Genau so ist es, Peter.
    Die Grenzen verschiedener Peaks, insbesondere des Peak Oil, wurden dank technologischer Fortschritte gegenüber früheren Annahmen nach hinten geschoben, keine Frage.
    Aber wie sagte der Chefgeologe der größten deutschen Förderplattform Mittelplathe in einer TV-Doku so treffend: “Wir fördern dank der neuen Technologien mehr Öl, aber wir fördern in erster Linie SCHNELLER.”

    Das, wovon wir also gegenwärtig noch profitieren wird in der Zukunft nach 2015 unser Nachteil sein.
    Cantarell oder die britischen und mittlerweile auch norwegischen Nordseefelder zeigen, was passiert, wenn eine zeitlang mehr und schneller gefördert wurde: ein brutaler Einbruch der Förderung im zumeist deutlich 2-stelliegn Prozentbereich pro Jahr.

    Segen jetzt, Fluch später. So, wie die Menschheit insgesamt heute tickt.

  • M.U. - 17. Juni 2012

    Bald darf China auch so glänzen. http://www.youtube.com/watch?v=FG0fTKAqZ5g Natürlich alles vollkommen regenerativ. Wer würde daran schon zweifeln?

  • Till - 18. Juni 2012

    Die Zementproduktion steigt noch – also geht der Immobilienboom noch weiter. Es ist nur nicht ersichtlich, ob es vor allem staatliche oder private Bauten sind.

    Der Vergleich mit der spanischen Zementproduktion ist gut, ich mache mal ein paar “Über den Daumen” – Rechnungen.

    Die chinesische Zementproduktion ist ca 40 mal so groß wie die spanische im Peak des Immobooms dort – und das dieser groß war ist unbezweifelbar.

    Spanien hat 47 Millionen Einwohner, China 1,33 Mrd (Zahlen Wikipedia), also 28 mal soviel Einwohner.

    Das heist, der Zementverbrauch (Haupttreibmittel von Immobilienblasen neben Krediten) ist jetzt pro Kopf schon wesentlich größer als in Spanien am Gipfel des Booms, und China schafft es immer noch zu beschleunigen.

    Besonders imposant ist dieses Wachstum unter Berücksichtigung, das sich viele Leute mangels ausreichender Bezahlung keine dieser neugebauten Wohnungen leisten können und somit nicht zum Boom beitragen können!

    50% Leerstand ist in Appartmentblöcken dort komplett normal, in neu errichteten ist er noch höher (Bekannte von mir wohnen in Shanghai). Mal sehen, wie das weiter geht – die Weltressourcen zu verschleudern um sinnloses zu bauen ist nicht gut, es sagt ja niemand etwas dagegen wenn sinnvolles gebaut wird.

  • Roland - 18. Juni 2012

    Daten von heute:
    Im Mai fielen die Immobilien-Preise in 54 von 70 untersuchten Städten (im April waren es noch 47 von 70).
    Der finanzielle Druck auf die Immobilien-Entwickler nimmt also weiterhin zu.

    Man wird sehen, ob die Luft aus der offenkundigen Immobilienblase kontrolliert entweichen kann -oder ob es einen Bumm macht wie in Spanien.

  • M.E. - 18. Juni 2012

    Hallo Till,
    dass in China in manchen Segmenten eine Überproduktion und eine Blase gibt, ist unbestritten. Und dass die Preisbereinigung überfällig ist, wobei das Preisniveau immer noch deutlich unter dem Level in den westlichen Metropolen liegt.
    Trotzdem ist der Vergleich mit Spanien nicht stichhaltig, denn Spanien hatte einen gesättigten Immobilienmarkt und eine weitestgehend abgeschlossene Urbanisierung.
    China dagegen ist immer noch in der Phase einer stürmischen Urbanisierung, denn der Urbanisierungsgrad dort liegt bei etwa 50%. Angestrebt werden meines Wissens 80% in den 30er Jahren.

    Ganz nebenbei: die Urbanisierung weltweit ist auf Sicht von 25…30 Jahren leider auch eine totale Fehlentwicklung – keinesfalls nur in China. Denn das Drama dieses Jahrhunderts wird sich insbesondere in den großen Städten abspielen, wenn der urbane, ölbasierte Wertschöpfungsmotor ins Stottern kommt und die weitverzweigte Infrastruktur garnicht mehr adäquat unterhalten werden kann und urbane Dienstleistungen (Müllabtransport, Wasserversorgung, Warentransporte in die Städte usw) nicht mehr ausreichend gewährleistet werden können. Dann kann es sein, dass es in manchen Ländern zu einer geradezu panikartigen Deurbanisierung kommt, vermutlich ab den 30er Jahren.

    • Till - 18. Juni 2012

      Wenn die Sozialwohnungen in Masse bauen würden, wie bei uns in den 50ern 60ern nach dem Krieg würde das ja einen Sinn geben – aber Appartments für die Mittelklasse weit über den Bedarf hinaus zu bauen und dann nicht vermieten ist sinnlos.

      Wegen dem Nachholbedarf schießen die auch über die spanischen Werte hinaus – aber wenn man sieht wie bescheuert in Spanien gebaut wurde, ist es kaum vorstellbar das dies noch getoppt werden kann.

      Viel der Industrieproduktion / Wachstum hängt auch an der Bauwirtschaft, das ist ganz natürlich. Baumaschinen / Elektrogeräte / Inneneinrichtung sind da nur ein Teil von.

      Die 1-Kind-Politik in China ist ja schon da, um solche zukünftigen Problemen wenigstens anzugehen – sonst wäre China jetzt schon bei 2 Mrd. Einwohnern.

    • Lothar - 18. Juni 2012

      Nein gerade dann wird sich die Urbanisierung auszahlen (wenn du nicht Suburbs wie in den USA meinst). Es ist einfacher Warentransporte fuer 1,000,000 zu organisieren als sie auf dem Land zu organisieren. Wenn es mal eng wird moechte ich nicht auf (deutschem) Lande leben – erst recht nicht wenn man mit Ende 40 schon zu alt fuer koerperliche Landarbeit ist.