Das Risiko eines politischen Blackouts: Beginnt die nächste große Krise in China?

von am 29. Juni 2014 in Allgemein

Wir hatten in den letzten Jahren reichlich Gelegenheit, Erfahrungen mit großen Krisen wie auch mit dem Krisenmanagement zu sammeln. Wir hatten eine Finanzmarktkrise, eine Weltwirtschaftskrise und mehrere Schuldenkrisen. Es ist sinnvoll, einmal eine Art Zwischenbilanz zu ziehen. Die könnte wie folgt aussehen:

Vier zentrale Lehren aus der Krise

1. Der gemeinsame Nenner all dieser großen Krisen ist, dass es sich dabei in letzter Konsequenz stets um eine krisenhafte Zuspitzung auf Märkten handelte.

2. Eine zentrale Lehre aus diesen großen Krisen und deren Bekämpfung ist, dass die Notenbanken sie offensichtlich tatsächlich regelmäßig eindämmen können, wenn sie erstens den Märkten das geben, was sie haben wollen – Unmengen billigen Geldes – und zweitens den Märkten das abnehmen, was sie loswerden wollen, aber nirgendwo loswerden können – zweifelhafte Wertpapiere.

3. Eine zweite zentrale Lehre ist, dass sich Krisen auf den Märkten so zwar eindämmen lassen, aber die Probleme, die diese Krisen hervorrufen, damit nicht behoben, sondern noch größer werden, was die Wahrscheinlichkeit neuer, schwerer Krisen erhöht.

4. Und schließlich lässt sich festhalten, dass große Krisen auf Märkten offenbar so lange verhindert werden können, wie der politische Wille und die politische Handlungsfähigkeit bestehen, dies zu tun.

Der letzte Punkt ist möglicherweise der wichtigste. Denn es sind nicht so sehr die Notenbanken, wie man meinen könnte, sondern es ist die Politik, auf die es ankommt.

Wer das bezweifelt, der möge sich daran erinnern, dass die Notenbanken – beispielsweise die Fed, aber auch die EZB – in der Krise bzw. in den verschiedenen Krisenphasen nur die Feuerwehr gespielt haben oder besser gesagt spielen mussten, weil die Politik gelähmt, zu zögerlich oder schlicht unentschlossen war. Sie war genau genommen nicht untätig, sondern hat das Problem der Krisenbekämpfung den Notenbankern immer wieder vor die Füße gekippt. Schauen Sie nach Japan, wo man unmittelbar erkennen kann, wo die Musik wirklich spielt: Die Bank of Japan war nicht von sich aus dazu bereit gewesen, den Markt mit Unmengen billigen Geldes zu fluten, sondern der damals neue Premier Shinzo Abe hat sie dazu gezwungen.

Warum ist das überhaupt wichtig, fragen Sie jetzt vielleicht?

Das Risiko eines politischen Blackouts: Krisenauslöser Nr. 1?

Es ist wichtig, weil wir vielleicht begreifen müssen, was den nächsten großen Crash, die nächste große Krise, die viele schon lange erwarten und für die es viele Anzeichen gibt, letztlich möglicherweise tatsächlich auslösen wird: Ein schweres politisches Versagen oder eine Art politischer Blackout.

Das ist eine These und eine ungesicherte noch dazu, gewiss. Doch gehen Sie einmal einen Moment lang davon aus, dass sie stimmt, dann ist die Frage, was die nächste Krise auslöst, plötzlich eine geographische Frage. Die Frage, die dann nämlich zu beantworten wäre, ist: In welchem wirtschaftlich wichtigen geographischen Raum ist mit einem schweren politischen Versagen oder einer Art politischem Blackout zu rechnen?

Tatsache ist zunächst einmal, dass es einen solchen politischen Blackout in den letzten Jahren nicht gegeben hat. Zwar gab es immer wieder gefährliche Zuspitzungen, aber er wurde letztlich dann doch jedes Mal abgewendet. Beispielsweise in den USA, wenn sich die Staatsverschuldung wieder der Schuldengrenze näherte und eine Zahlungsunfähigkeit drohte oder in Europa, wo in der Eurokrise wegen Uneinigkeit regelmäßig sehr spät, aber eben doch nicht zu spät gehandelt wurde, um das Schlimmste zu verhindern, etwa in der Griechenlandkrise.

In welchen wichtigen Wirtschaftsregionen gibt es ein politisches Blackout-Risiko?

Und das ist eine weitere, fünfte zentrale Lehre aus der jüngeren Krisengeschichte:

5. Wenn es ernst wird und der Druck der Märkte steigt, raufen sich die politischen Kontrahenten und Akteure letztlich doch immer zusammen.

Genau das würde es dann – wenn man bei der These bleibt – aber auch eher weniger wahrscheinlich erscheinen lassen, dass die nächste große Krise durch ein schweres politisches Versagen in Europa oder den USA ausgelöst wird.

Wo aber dann?

Wenn man einmal kurz die wirtschaftlich wichtigsten Nationen oder Wirtschaftsräume gedanklich bezüglich der Gefahren eines schweren politischen Versagens durchcheckt, dann bleiben nicht viele übrig. Man mag zu dem Schluss gelangen, dass es gegenwärtig letzten Endes vielleicht nur zwei sind: China und Japan.

Wieso?

Die Politik als Risikofaktor in Japan

Der japanische Premier hat sich mit seinen Abenomics und mit seinem provokativen außen- und verteidigungspolitischen Kurs gegenüber China sehr weit aus dem Fenster gelehnt. Ob das gut geht, daran gibt es Zweifel. Keine andere wirtschaftlich bedeutende Region hat sich politisch bedingt derart exponiert. Wenn sich die Zeichen verdichten, dass die Abenomics nicht den gewünschten Erfolg bringen, werden die Märkte darauf empfindlich reagieren und dann spielt auch eine Rolle, dass Japan so hoch verschuldet ist wie kein anderes Industrieland. Und der außen- und verteidigungspolitische Kurs von Abe könnte sich als Bumerang erweisen, wenn er sich negativ auf die Exporte in die Region auswirkt – China ist ein wichtiges japanisches Exportland.

Kurzum, Shinzo Abe hat sehr viel gewagt und darum steht für Japans Volks- und Finanzwirtschaft auch sehr viel auf dem Spiel. Ein politischer Blackout droht sicher nicht, ein Fall schweren und folgenreichen politischen Versagens indes schon.

Politische Blackout-Gefahr in China

In China liegt der Fall anders. Dort ist es der parteiinterne Machtkampf, von dem die Gefahr eines schweren politischen Versagens ausgeht, vielleicht auch eines politischen Blackouts.

Staatspräsident Xi Jinping hat sich vorgenommen, das Wirtschafts- und Wachstumskonzept Chinas umzukrempeln. Vereinfacht ausgedrückt basiert es bisher auf Exporten, künftig soll das Wachstum vom Binnenmarkt kommen. Aber das ist nur die halbe Geschichte und vor allem nicht der entscheidende Teil. Denn pointiert ausgedrückt ist die Geschichte des wirtschaftlichen Aufstiegs Chinas untrennbar verbunden mit dem finanziellen Aufstieg der Parteielite und dieser wiederum basiert auf Korruption und Vetternwirtschaft – auf allen Hierarchieebenen. Korruption ist folglich ein zentraler Bestandteil des bisherigen Erfolgsmodells Chinas. Sie ist wie der Kitt, der alles zusammenhält.

Das Problem: Genau gegen diese Korruption geht Xi Jinping seit Amtsantritt Ende 2012 energisch vor und zwar bis in die höchsten Parteikreise. Bo Xilai, ehedem Mitglied des Politbüros und ein ernster Anwärter für den Aufstieg in den obersten Machtzirkel, wurde bereits wegen Korruption zu lebenslanger Haft verurteilt. Ermittelt wird auch gegen Zhou Yongkang, der unter dem letzten Staatspräsidenten Hu Jintao Mitglied des „Ständigen Ausschusses“ des Politbüros und damit des obersten Führungsgremiums Chinas war. (1) (2) Noch nie ist in China ein Mitglied oder ehemaliges Mitglied des „Ständigen Ausschusses“ vor Gericht gestellt worden. Es wäre ein Tabubruch.

De facto rüttelt Staatspräsident Xi Jinping mit seiner Anti-Korruptions-Kampagne folglich an den Grundfesten des wirtschaftlichen Erfolges Chinas und der Macht der Kommunistischen Partei. Sein Kurs stellt die Partei vor eine Zerreißprobe, weil seine Pläne zum wirtschaftlichen Umbau, die Machtbasis und Quelle des Reichtums der Parteielite, die das Land alleine regiert, zerstört.

Innerhalb der Kommunistischen Partei Chinas findet deswegen ein zunehmend mit schärfer werdenden Mitteln ausgetragener Machtkampf statt (3) (4), von dem bedingt durch die drastisch verschärfte Zensur der Medien sowie des Internets und eines generell härteren innenpolitischen Kurses bisher nur wenig in Öffentlichkeit und die Außenwelt dringt.

Wie scharf dieser Machtkampf ausgetragen wird, das lässt sich unter anderem daran ablesen, dass laut Berichten allein zwischen September 2013 und März 2014 fast 60 Ermittler der für die Korruptionsbekämpfung zuständigen Abteilung und über 30 Staatsanwälte ermordet wurden oder spurlos verschwunden sind. Seit seinem Amtsantritt im November 2012 wurden Berichten zufolge vier Mordanschläge gegen den obersten Korruptionsjäger Wang Qishan verübt. (5) Wang ist Mitglied des siebenköpfigen „Ständigen Ausschusses“ des Politbüros, also des obersten politischen Führungszirkels. Zum Schutz der Korruptionsjäger haben Präsident Xi Jinping und das Militär Anfang April eigens eine Spezialeinheit mit der Bezeichnung „Leitendes Sonderbüro gegen Gewalt und Mordversuche“ eingerichtet, die direkt dem Politbüro unterstellt ist. Sie besteht aus zwei Abteilungen. Eine befasst sich ausschließlich mit der Untersuchung von Mordversuchen an Wang Qishan. (6) Jetzt wurde berichtet, dass Wang seit einigen Tagen nicht mehr öffentlich aufgetreten ist. Kein Wunder, dass das Spekulationen über die möglichen Gründe ausgelöst hat. (7)

Darüber hinaus kostet Xi Jinpings Kampf gegen Korruption und Verschwendung in der Partei Chinas Volkswirtschaft massiv Kraft. Der China-Ökonom der Bank of America in Hongkong beispielsweise schätzt, dass dadurch das Wirtschaftswachstum allein in diesem Jahr ein Prozent oder knapp 68 Milliarden Euro niedriger ausfallen wird. (8)

Je unnachgiebiger und weiter Xi Jinping den Kampf gegen Korruption und damit den Umbau des chinesischen Wirtschaftsmodells vorantreibt, umso größer wird die Gefahr, dass der damit verbundene parteiinterne Machtkampf Chinas die politische und wirtschaftliche Stabilität aushöhlt. Bildlich gesprochen sägt Xi am Ast auf dem Chinas Elite und Wirtschaft gegenwärtig sitzen. Dass ein solcher Umbau ohne Bruch, ohne Kollaps möglich sein kann, erscheint schwer vorstellbar. Doch genau darauf scheint Chinas Staatspräsident zu vertrauen.

Fazit

Seit Monaten wird vor den Gefahren der Immobilienpreisblase und platzender Kredite in China gewarnt. Auch das schwächelnde Wirtschaftswachstum Chinas wird immer mit Besorgnis gesehen. Denn beides stellt ein Risiko für die globalen Finanzmärkte und die Weltwirtschaft dar.

Der Versuch des Abschmelzens der Blase, der sukzessiven Rückführung der Kreditprobleme auf ein ungefährliches Maß und die Umstellung des Wirtschaftsmodells, ist zweifellos eine heikle Gratwanderung. Bisher sind Regierung und People´s Bank of China (PBoC) dabei erfolgreich und vor allem erfolgreicher als viele erwartet haben. Doch die oben angesprochenen Zusammenhänge sprechen dafür, dass sich die Absturzrisiken sukzessive vergrößern und zwar unweigerlich. Dabei geht jedoch das größere Risiko vielleicht nicht von der mangelnden technischen Beherrschbarkeit des Prozesses aus, sondern von der mangelnden Beherrschbarkeit der zunehmenden politischen oder besser gesagt innerparteilichen Spannungen.

So betrachtet spricht vieles dafür, dass das Risiko einer akuten Krise und mithin eines Crashs infolge eines politischen Blackouts gegenwärtig und auf absehbare Zeit gerade in China besonders hoch ist und vor allem so hoch wie in keiner anderen bedeutenden, politisch zusammenhängenden Wirtschaftsregion.

Die These, dass der zentrale Auslöser für die nächste schwere Krise auf den Märkten letztlich ein schweres politisches Versagen oder eine Art politischer Blackout sein dürfte, ist provokant und ungesichert. Andererseits treten Krisen an den Märkten immer plötzlich ein, weil kaum jemand den tatsächlichen Auslöser im Blick hat. Und im Ernst, welcher Beobachter der Märkte hat gegenwärtig das Risiko eines politischen Blackouts auf dem Hauptschirm?

von Stefan L. Eichner
Kontakt: info.sle@web.de

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14 KommentareKommentieren

  • Sven - 29. Juni 2014

    “Dass ein solcher Umbau ohne Bruch, ohne Kollaps möglich sein kann, erscheint schwer vorstellbar.” – Erinnert mich sehr an Gorbatschow. Zwar starten die Chinesen von einem höherem Niveau, allerdings sind sie vom Rest der Welt kaum auffangbar. – Danke für die Einschätzung. Deckt sich mit meinem Grundrauschen aus beruflichen Kontaktenmit deutschen Ingenieuren in China. Für deren Bauchgefühl fliegt den Chinesen ihr Land bald selbst um die Ohren aufgrund der inneren Spannungen. Kein Crash, aber so, dass sie stark mit sich selbst beschäftigt sein werden.

  • Skyjumper - 29. Juni 2014

    Ob die Grundthese ausreichend belastbar ist muss ich für mich erst noch genauer durchdenken. Aber die Fokussierung auf China halte ich nicht für plausibel.

    Der Ausschluß von Europa und Amerika als Ort eines politischen Blackouts beruht letztlich nur auf:
    “5. Wenn es ernst wird und der Druck der Märkte steigt, raufen sich die politischen Kontrahenten und Akteure letztlich doch immer zusammen.”

    Für die etablierten politischen Kräfte würde ich das auch annehmen. Aber sowohl in den USA (Teaparty) als auch in Europa (UKIP, FN, Syriza etc.) gibt es zunehmend neue politische Kräfte die sich m.E.n. (noch) nicht in dieses politische Handlungskorsett zwingen lassen. Die EU ohne GB ist vorstellbar. Die EU ohne Frankreich dagegen eine Illussion. Und ein Auseinanderbrechen der EU könnte sicherlich zu einem politischen Blackout in Europa führen. Eine Übernahme der Mehrheit innerhalb der Republikaner durch die Teaparty (bei gleichzeitigen Wahlerfolg der Republikaner) könnte ohen weiteres zu einer Neuauflage des amerikanischen Isolationismus führen, was ich gleichfalls unter der Rubrik “politischer Blackout” verorten würde. Beide Szenarien sind aktuell nicht zwingend, aber unter dem Aspekt einer Risikoanalyse auch nicht “unter ferner liefen” einzustufen.

  • thewisemansfear - 30. Juni 2014

    Woher der nächste Krisenauslöser kommt wird höchstwahrscheinlich nicht entscheidend sein. Viel interessanter und gewichtiger ist die Verzahnung der Weltwirtschaft, so dass ein umfallender Dominostein eine Kettenreaktion auslösen kann.
    Die Krisen”lösungen” der letzten Zeit (die keine sind), könnte mal als Versuch sehen, bloß nicht zum Auslöser zu werden.

    Wo wir bei der Macht der Zentralbanken wären. Durch die hierarchische Abstufung im Geldsystem hätte die ZB im Grunde genommen alle Macht der Welt, die Krise zu beenden. Wir hatten hier schon mal in einem anderen Thread Prof. Werners Ansichten dazu diskutiert. Statt den Umweg über die ZB-Reserven zu gehen, könnte man direkt faule Papiere aus den GB-Bilanzen in die der ZB verfrachten. Technisch möglich, die Frage ist vielmehr, wie man das dem Publikum verkauft :-)
    Hier der Vortrag, sind ca. 6-7Min.: http://youtu.be/x0FrF7wh_CE?t=12m24s
    Eine der wichtigen Aussagen am Ende: Das Ziel der BankOfJapan war nicht die Beendigung der Krise, sondern dass neoliberale Strukturreformen durchgeführt würden.
    Der Druck muss aufrecht erhalten werden…

    • Ert - 30. Juni 2014

      “Eine der wichtigen Aussagen am Ende: Das Ziel der BankOfJapan war nicht die Beendigung der Krise, sondern dass neoliberale Strukturreformen durchgeführt würden.”

      Ja, das beschreibt Werner in seinem Buch “Princes of the yen” sehr ausführlich. Pervers, wenn man sich vorstellt das dies ausser Werner keiner so klar sagt und “alle anderen” rumrätseln warum die ZB das getan hat was Sie getan hat.

  • Holly01 - 30. Juni 2014

    Hallo,
    der schwarze Schwan ist für mich: USA

    1.) Wirtschaftlich ein Zwerg
    2.) Dollarhegemonie bröckelt
    3.) auf Kriege angewiesen, die immer weniger akzeptiert werden
    4.) Auf Geldraubzüge angewiesen, die immer weniger einbringen
    5.) Die großen Fonds der USA sind finanziell ausgehöhlt
    6.) 50% der US-Amerikaner sind in massiven finanziellen Nöten und 70% der Wirtschaft besteht aus Konsum
    7.) Der Zusammenbruch der Fracking Phase.
    8.) Die Fliehkräfte der Föderalstaaten gegenüber der Zentralregierung.
    9.) Die pure Gier der 200 wirtschaftlich führenden Familien.
    10.) Der Zerfall der GOP
    11.) Die Überbewertung der Aktien und Immobilien.
    12.) Die Unruhe im Militär wegen der abgereicherten Uranmunition und der Selbstmordraten der Veteranen.
    13.) Der Zusammenbruch der IT-Industrie wegen der NSA und dem war on terror.

    Dazu kommt, das die USA ihren Kapitalstock verbraucht haben und nur noch auf dem Zahnfleisch der nicht reinbringbaren Kapitalforderungen laufen.

    Ich tippe mit absoluter Sicherheit auf die USA. Die europäische Politik ist inzwischen so panisch, daß die einen konventionellen Krieg gegen Russland zu führen bereit sind, damit die wahnsinnigen Amis nicht den präbentiven Atomschlag durchführen.
    Der Ami ist politisch inzwischen völlig unberechenbar und führt sich auf wie ein wildes Tier, daß weder Freund noch Feind kennt.
    Wer auch immer auf der Welt einen Trick kennt die Amis abzusägen, er hat viele Freunde ….

    • Roland - 30. Juni 2014

      Der “Flügelschlag des Schmetterlings”, der die ganze Welt ins Chaos stürzt, findet mit “absoluter Sicherheit” aber in Liechtenstein statt – oder in Swasiland.

    • Marc - 30. Juni 2014

      Absolute Zustimmung! Die USA zeigen mit ihrer Außenpolitik, dass sie mit dem Rücken zur Wand stehen.
      Überall auf dem Globus werden nun Konflikte entfacht, die aber eben nicht nur die USA, sondern auch ihre Verbündeten (oder besser nützlichen Idioten) in der NATO mit ausbaden müssen. Die USA sind gerade wie ein Hund, der in die Enge getrieben, nach allem schnappt und beißt, um bloß nicht zu offensichtlich werden zu lassen, wie schwach sie eigentlich geworden sind.
      Mit Schrottpapieren und Schulden hat die Wall Street zusätzlich noch die ganze Welt infiziert – was spätestens 2008/2009 sichtbar wurde, als man Lehman Bros. über die Klinge springen ließ.
      Noch nie gab es in den USA so viel Geld in so wenigen Händen. Genug Geld ist da, aber kein amerikanischer Politiker wagt es, sich das zu holen. Wer sich mit den Mächtigen und Reichen in den USA anlegt, überlebt das nicht. Und so muss die Politik wieder zum Krieg greifen. Es steht zu befürchten, dass es ihnen auch egal ist, ob es auch wieder einen großen Krieg in Europa gibt. Die USA denken da nur an ihren eigenen Hintern.
      Man kann nur hoffen, dass Putin besonnen bleibt und sich da nicht hineinziehen lässt!

  • paernu - 30. Juni 2014

    Interessanter Artikel.
    Könnte mir aber auch einen externen Effekt als Auslöser vorstellen. Grosse Naturkatastrophe oder ein massiver Terroranschlag.

    Ist alles eine grosse Strategie, siehe Brezinski: “Die einzige Weltmacht”.

    Gruss
    Paernu

  • aquadraht - 30. Juni 2014

    Offen gestanden finde ich die Analyse sehr schlecht. Ich kann im Falle Japans noch so weit zustimmen, dass die aggressive nationalistische Aussenpolitik Abes die Chancen der japanischen Wirtschaft auf dem wichtigen chinesischen Markt beeinträchtigt. Es ist auch richtig, dass die Abenoḿics praktisch gescheitert sind. Sie waren von vorneherein riskant, da eine Yen-Abwertung voll auf die Importe, vor allem die Energie- und Rohstoffimporte durchschlägt. Das hat zwar die Inflation erhöht, aber hier zeigte sich die Sinn- und Hirnlosigkeit monetaristischer Ansätze. Die Kaufkrafteinbussen haben eventuelle Entspareffekte überkompensiert.

    Und hier liegt die eigentliche Schwäche der Abenomics: das versprochene dritte Standbein, die Erhöhung der Masseneinkommen, wurde praktisch gar nicht implementiert.

    Derzeit ist die japanische Wirtschaft dennoch noch nicht in Gefahr, da die hohe Staatsverschuldung wesentlich Binnenverschuldung ist und die Nettozahlungsposition durch die Jahrzehnte der Zahlungsbilanzüberschüsse noch komfortabel ist. Auch bei den USA hat es Jahrzehnte gedauert, ehe sie vom Nettogläubiger zum Nettoschuldner wurden. Insofern hat Japan noch Zeit, aber nicht mehr endlos.

    Die “Analyse” zu China war, mit Verlaub, grottenschlecht. Allein schon die “Epoch Times”, das Zentralorgan der Falun-Gong-Sekte, spöttisch als Zeitung mit den meisten Falschmeldungen der Welt beschrieben, zum Beleg heranzunehmen, ist ein Armutszeugnis.

    Die anderen “Belege” für einen tendenziell katastrophischen Machtkampf in China sind nur moderat besser, wenn überhaupt. Es spricht Bände über die Chinakenntnis westlicher Journalisten, wenn sie unterstellen, alle 70 Millionen Mitglieder der KPCh (und noch einmal so viele der Kommunistischen Jugendorganisation) würden dieser zum Zweck der Selbstbereicherung beitreten, und ohne dies würde das System, das allein auf Korruption beruhe, kollabieren.

    Die Zhongnanhai-Astrologie mag ja ganz interessant sein, sie bewegt sich weitgehend auf dem Niveau der Soraya-Presse. Keiner der “Analytiker” liest die chinesischen politologischen, soziologischen und ökonomischen Periodika, meist nicht einmal das, was ins Englische übersetzt wird. Stattdessen spekuliert man über Personen.

    Ich weiss nicht, was mit Zhou Yonkang ist, und es interessiert mich höchstens marginal. Mag sein, dass er sich in Machtkämpfen verhoben hat, oder auch, dass er zu sehr der alten – nicht nur chinesischen – Unsitte der Guanxi-Netzwerke gefrönt, sich und seine Verwandten und Guanxi bereichert hat oder hat sich bereichern lassen. Dieses Gift der Korruption ist in der Tat
    ein grosses Problem, und nicht nur in China (im Westen ist das natürlich gaaanz anders). Und es ist auch nicht ausgeschlossen oder unwahrscheinlich, dass der Antikorruptionskampf in China von der gegenwärtigen Führung instrumentalisiert wird.

    Dennoch ist der Kurs der Xi-Jinping-Führung derzeit durchaus vernünftig. Die Ablösung des überwiegend export- und niedriglohngetriebenen Entwicklungsmodell wurde bereits von der vorherigen Führung von Hu und Wen betrieben, ebenso die sozial- und wohnungspolitischen Massnahmen. Und Wachstum über 7% ist wirklich kein Krisenzeichen. Die Spekulationsprobleme am Immobilienmarkt mögen nicht komplett überwunden sein, aber gegenüber 2010/11 ist die “Blase”, deren Platzen fast stündlich vorausgesagt wurde, erheblich geschrumpft.

    Eventuell ist es auch eine stillschweigende Bankrotterklärung der seit Anfang der neunziger Jahre anhaltenden China-Crashprophetie, wenn jetzt auf den politischen Knall spekuliert wird. Ich frage mich, was, selbst bei einer Palastrevolte in Zhongnanhai, eigentlich substanziell geändert werden soll?

    a^2

  • JL - 30. Juni 2014

    Im Vergleich zu 2008 gibt es heute eine Reihe erheblicher Krisenherde die zwar vor sich hin Köcheln aber durchaus das Potenzial für eine erneute weltwirtschaftliche Belastung haben.

    Europa:
    Hier wurde die Krise nicht wirklich beendet oder gar gelöst. Im Gegenteil, Kernstaaten die 2008 noch als Fels in der Krisenbrandung standen sind heute zunehmend Pflegefälle. Eurokritische Parteien im europäischen Parlament rückkoppeln auf die nationale Politik. Im Ergebnis dessen werden die Vorbehalte gegenüber Brüssel stetig größer. Die Ereignisse in der Ukraine spaltet Europa zusätzlich. Zunehmend möchte man nicht der verlängerte Arm der Amerikaner sein.

    USA:
    Die US- Staatsverschuldung ist seit 2008 explodiert. Muni- Bonds zu bedienen bereitet Städten und Gemeinden zunehmend Schwierigkeiten. Verschiedene Städte mussten bereits ihre Insolvenz erklären. Die Re- Industrialisierung ist kläglich gescheitert. Der Dollar als Weltwährung steht zur Disposition, genauso wie der Hegemonialanspruch der Amerikaner auch im eurasischen Raum selbst auch.

    Naher Osten:
    Dank amerikanischer „Fürsorge“ ist die ganze Region zu einem Krisengebiet mutiert. Es werden Stammeskriege, Interessenskriege und- viel schlimmer- zunehmend (vordergründig) Glaubenskriege unter Sunniten, Schiiten und Wahabiten ausgetragen. Selbst in den Feudalstaaten Saudi- Arabien und Katar gärt es. Weitere Eskalationen dort haben durchaus das Potential auf den Ölpreis durchschlagen zu können.

    Asien/ Eurasien:
    Die Anti- Korruptions- Bemühungen seitens Pekings sollen wohl drei Fliegen mit einmal treffen. Zum einen natürlich die Korruption an sich, zum anderen selbstherrliche Provinzfürsten entmachten (Stärkung der Zentralgewalt) und nachfolgend damit das „Schattenbankwesen“ ausmerzen. Die KP Chinas genießt mit dieser Aktion eine deutliche Zustimmung seitens der Bevölkerung.
    Mit dem Gasabkommen Russland/ China wurde nicht nur ein Liefervertrag unterschrieben, sondern eine langfristige Neuorientierung nicht nur dieser beiden Länder. Im Gespräch sind Anbindungen an Süd/ Nordkorea und- man Staune- Japan.

    Den Auslöser für den nächsten Krisenschub kann sicher niemand voraussagen, erkennbar aber ist, wen es am heftigsten erwischen wird.

    Mit freundlichen Grüßen

    JL

    • SLE - 1. Juli 2014

      Hallo JL,

      sehr richtig, wo es losgeht und wen es am härtesten trifft, auf diese Fragen ist die Antwort nicht notwendigerweise dieselbe. Im Gegenteil. Wer viel hat, der hat auch viel zu verlieren. Das gilt umso mehr, wenn die Finanzmärkte der Quell sind, aus dem es sprudelt.

      Und richtig ist m.E. auch, dass der Dollar angeknackst ist. Ironischerweise ist es gerade das mit erheblichen innenpolitischen Problemen kämpfende China – sowie auch Russland – das der Grund dafür ist (Aufbau des Renminbi zu einer voll konvertiblen Weltwährung, Ausbau des handels in Renminbi u.a. mittels entsprechender bilateraler Handelsabkommen). Ebenso wichtig ist sicher auch, dass die USA außenpolitisch in vielen Ländern einen zunehmend schweren Stand und deswegen an Einfluss verloren haben. Der Grund dafür ist zweifellos insbesondere auch die finanziell sehr angespannte Lage der US-Staatsfinanzen.

      Ich denke, die nächsten Daten zum Wirtschaftswachstum in den USA und Japan werden einen wichtigen Hinweis darauf geben, in welche Richtung sich die Dinge für beide Nationen entwickeln. Zur Erinnerung: In den letzten drei Quartalen gab es in den USA eine klar negative Entwicklung (jeweils annualisierte Werte):

      Q1-2013: +1,1%
      Q2-2013: +2,5%
      Q3-2013: +4,1% (inkl. positiver Effekt bedingt durch Umstellung der Statistik (geschätzt ca. +0,5%);
      Q4-2013: +2,6%;
      Q1-2014: -2,9%.

      In Japan war die Entwicklung des Wachstums über das Jahr 2013 – trotz Abenomics – negativ (jeweils annualisiert):

      Q1-2013: +4,1%
      Q2-2013: +2,6%
      Q3-2013: +1,1%
      Q4-2013: +0,7%
      Q1-2014: +6,7%.

      Dass das erste Quartal 2014 so stark war, hat natürlich mit der zum 1. April in Kraft getretenen Mehrwertsteuererhöhung zu tun, das heißt mit vorgezogenen Käufen. Bisher sieht es so aus, als könnte die Nachfrage im zweiten Quartal stärker zurückgegangen sein als erwartet. Die spannende Frage ist dann, ob und inwieweit sich die Wirtschaft im dritten Quartal wieder erholt.

      Viele Grüße
      SLE