Daten der Schande vom U.S. Census Bureau

von am 14. September 2011 in Allgemein

Gestern veröffentlichte das U.S. Census Bureau, das statistische Bundesamt der USA, seinen jährlichen Bericht zum Stand der Einkommen, der Armut und den der Krankenversicherten für das Jahr 2010. Diese Daten sind ein weiterer Beleg für ein degeneriertes System, welches per Saldo immer mehr Armut schafft. Die offizielle Armutsquote stieg im Jahr 2010 auf 15,1%, nach 14,3% in 2009 und nach 13,2% in 2008 und markierte in Prozent 2010 den höchsten Stand seit 1993. Beschämende 46,180 Millionen US-Bürger mussten 2010 unter der Armutsgrenze leben, die höchste Zahl seit Beginn der Datenerhebung vor 52 Jahren!

Die Entwicklung der Zahl der US-Bürger die unter der Armutsgrenze leben mussten seit 1966 im Chart. 2010 stieg die Zahl der unter der Armutsgrenze lebenden um +2,611 Millionen auf 46,180 Millionen, nach 43,569 Millionen in 2009, nach 39,829 Millionen 2008 und nach 37,276 Millionen 2007. Die Zahl der in Armut lebenden Menschen erreichte 2010 den höchsten Stand seit Beginn der Datenerhebung vor 52 Jahren!

Unter der Armutsgrenze lebten 15,730 Millionen Kinder und Jugendliche unter 18 Jahre bzw. sie hatten einen Anteil von 34,06% an allen Armen! Beschämende 10,666 Millionen Erwachsene waren trotzdem sie einer Arbeit nachgingen arm, dies waren immerhin 34% aller Armen über 16 Jahre! Landesweite 23,1% aller Schwarzen (10,675 Mio.) lebten 2010 unter der Armutsgrenze und 28,7% aller Hispanics (13,243 Mio.)! Die Armutsgrenze lag im Jahr 2010 für eine vierköpfige Familie bei einem Bruttojahreseinkommen von 22’314 Dollar! Für einen Single bei 11’139 Dollar (681 Euro Brutto im Monat)! Erweitert man den Begriff Armut auf 125% der offiziellen Armutsgrenze, dann waren sogar 60,443 Millionen US-Bürger bzw. 19,8% der Bevölkerung als arm zu klassifizieren!

Die Angaben des Census Bureaus zur Anzahl derer, die 2010 unter der Armutsgrenze lebten, korrelieren ziemlich gut zu den Daten aus dem US-Landwirtschaftsministerium (United States Department of Agriculture), zu den Beziehern von Food Stamps, die die moderne Version der staatlichen Lebensmittelmarken per Kreditkarte erhalten.

Die Entwicklung der Food Stamps Bezieher seit Januar 2006 im Chart. Alarmierende 45,183931 Millionen US-Bürger bezogen im Juni 2011 die moderne Version der Lebensmittelmarken. Anhand dieser aktuelleren Daten wird deutlich, dass der Trend der Verarmung von Teilen der Bevölkerung unaufhaltsam fortschreitet.

Auch die Zahl der US-Bürger ohne Krankenversicherung stieg 2010 weiter, auf 49,904 Millionen und damit auf 16,3% der Bevölkerung, nach 48,985 Millionen 2009. 2010 waren 7,307 Millionen Kinder und Jugendliche unter 18 Jahre ohne eine Krankenversicherung.

Zugleich lieferte das Census Bureau mit dem Bericht auch aussagekräftige Daten zur Einkommensentwicklung und zur Verteilung bei den privaten Haushalten:

Das reale mediane Jahreseinkommen (2010=100) der privaten Haushalte betrug 2010 nur noch 49’455 Dollar, nach 50’599 Dollar 2009, nach 50’939 Dollar 2008 und nach 52’823 Dollar 2007. 2010 markierten die preisbereinigten medianen Jahreseinkommen der privaten Haushalte den tiefsten Stand seit 1995! Seit 2007 sind die medianen realen Jahreseinkommen der Haushalte um -6,8% eingebrochen!

Beschämend bleibt die Einkommensverteilung, die unteren Einkommensgruppen (nach Quintile) partizipieren seit Jahrzehnten nicht am Produktivitätsfortschritt. Die untersten 20% der privaten US-Haushalte erzielten 2010 ein durchschnittliches reales (2010=100) Jahreseinkommen von nur 11’034 Dollar, nach 11’743 Dollar im Jahr 2009! Die realen mean Einkommen der untersten 20% fielen 2010 auf den tiefsten Stand seit 1993. Seit 1967 sind sie inflationsbereinigt nur um erbärmliche +1’902 Dollar gestiegen. Damit sind Jahrzehnte an unvergleichbaren Produktivitätssteigerungen am unteren Ende der Einkommensskala spurlos vorbeigegangen! Die obersten 5% der US-Haushalte hingegen generierten im Jahr 2010 ein reales durchschnittliches Einkommen von 286’686 Dollar, nach 300’264 Dollar 2009. Seit 1967 stiegen die Einkommen der obersten 5% um preisbereinigte +127’244 Dollar bis 2010!

Die Einkommensverteilung nach Quintilen (Fünftelwerten) inkl. der Top 5%. Die obersten 20% der Haushalte generierten 2010 laut Census Bureau 50,2% aller Einkommen. Die Top 5% sogar 21,3% der Einkommen. Die untersten 40% der privaten Haushalte erzielten dagegen nur einen 11,8%-igen Anteil am gesamten Einkommen. Dramatisch die Situation der untersten 20%, mit einem Anteil von nur 3,3% vom Einkommenskuchen!

Cost Cutting, Outsourcing, Downsizing und Offshoring der global agierenden US-Unternehmen haben in der Vergangenheit die Gewinne der Konzerne gesteigert, aber das Land nachhaltig deindustrialisiert und ruiniert! Einkommen wurden verhängnisvoller Weise durch Kredite ersetzt und die ungleiche Einkommens- und Vermögensverteilung ist der größte Hemmschuh für eine positive wirtschaftliche Entwicklung. Diese Daten vom U.S. Census Bureau sind der Beleg für ein degeneriertes Wirtschaftsystem, welches immer mehr Verlierer und Abgehängte, statt Wohlstand für Alle produziert.

Quellen: Census.gov/Release: Income, Poverty and Health Insurance Coverage in the United States: 2010, Census.gov/PDF: Income, Poverty, andHealth Insurance Coverage inthe United States: 2010

Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

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1 KommentarKommentieren

  • FDominicus - 9. Dezember 2011

    @M.E.
    “Ist ja logisch: wenn manche immer reicher werden MÜSSEN immer mehr immer ärmer werden.”

    Egal wie oft man das schreibt es ist und bleibt Blödsinn. Das passiert nur in einem Gebilde in dem sich diverse Leute den Goodwill des Staates sichern. Und das ist offenkundig mit das Problem der USA und dieses Problem liesse sich lösen indem man “Geld” als Wert hätte und keine “letzte”, “allerletzte” und “allerallerallerletzte” Verleiher. Denn offenbar wird in einem solchen System das Geld von allen an Wenige weitergereicht und NUR in diesem Fall stimmt dieser Satz. Ansonsten würde steigender Wohlstand alle erfassen. Nur wenn man eben arm ist und einem dann noch vom Gewaltmonopol etwas weggenommen wird dann kommt es eben zu den “Zahlen der Schande”.