Der Mindestlohn kommt: Eine Kapitulation vor der Ursachenbekämpfung

von am 3. Juli 2014 in Allgemein

Die SPD hatte den Mindestlohn 2013 zum Wahlkampfthema gemacht und nach der Wahl zur zentralen Bedingung für eine Große Koalition. Jetzt kommt er also, der gesetzliche Mindestlohn von 8,50 Euro – von Ausnahmen abgesehen. Das hat der Bundestag beschlossen.

Die Debatte, ob er die richtige Lösung ist, wird damit gleichwohl nicht beendet sein. Für die Gegner sind Mindestlöhne pointiert ausgedrückt Gift für die freie Marktwirtschaft und kontraproduktiv. Für die Befürworter ist der freie Markt heute kein Garant mehr für faire Löhne, so dass der Staat hier gefordert ist, eine Grenze einzuziehen.

Die Mindestlohn-Entscheidung schüttet ungelöste Probleme einfach zu

Die Frage, wer Recht hat oder ob es nicht auch ganz anders geht, das heißt, ob es eine bessere Lösung jenseits staatlicher Regulierung und blinden Vertrauens auf die Marktkräfte gibt, ist nicht beantwortet, nicht geklärt worden. Die politische Entscheidung für den Mindestlohn ist ein Kompromiss, bei dessen Zustandekommen auf die Klärung der Frage offensichtlich verzichtet werden kann.

Insofern drängt sich der Eindruck auf, dass der Mindestlohn lediglich das Ziehen der Notbremse darstellt, weil man die Probleme, für die er die Lösung sein soll, nicht mehr durchschaut oder nicht den Mut hat, sie wirklich anzupacken.

Denn die eigentlich zu beantwortende Frage lautet, warum der Markt so viele Fälle von prekären Beschäftigungsverhältnissen hervorbringt. Der gesetzliche Mindestlohn ändert per Vorschrift etwas an den prekären Beschäftigungsverhältnissen, ja, aber an den Marktverhältnissen ändert er nichts. Den Schwarzen Peter haben jetzt im Zweifel all diejenigen Unternehmen, für die der Markt diesen Mindestlohn schlicht tatsächlich nicht hergibt. Das Problem hat folglich zwei Seiten, der Mindestlohn adressiert aber nur eine Seite.

Das Problem der niedrigen Löhne und prekären Beschäftigungsverhältnisse soll und darf nicht kleingeredet werden. Aber in einer Marktwirtschaft sollte unter normalen Umständen Wettbewerb dafür sorgen, dass faire Löhne gezahlt werden und vor allem auch Löhne, von denen man leben kann. Wenn das dauerhaft nicht der Fall ist, so wie heute, kann das an den gesetzlichen Rahmenbedingungen liegen und/oder daran, dass der Wettbewerb nicht effektiv funktioniert.

Kostensenkung fördern, Niedriglöhne ernten, Mindestlöhne fordern

Mit der Agenda 2010 und den Hartz-Reformen wurden wesentliche Voraussetzungen für eine Ausweitung der niedrig entlohnten Beschäftigung geschaffen. Beispiele sind Minijobs und die Zeitarbeit. Mindestlöhne sind insofern zum Teil der Versuch, die Folgen der angesprochenen Reformen zu korrigieren anstatt die Reformen selbst.

Zum anderen Teil sind sie eine Kapitulation vor der Frage, unter welchen Voraussetzungen auf wettbewerblichen Märkten überhaupt faire Löhne zustande kommen können – und dies gilt sowohl für die Befürworter als auch für die Gegner von Mindestlöhnen.

Die Gegner unterstellen schlicht, dass Märkte selbstregulierend und effizient sind oder mit anderen Worten prinzipiell effektiver Wettbewerb besteht und insofern auch die Löhne, die jeweils gezahlt werden, fair sind – abgesehen von regelwidrigem Verhalten bzw. Gesetzesverstößen. Die Befürworter schütten dagegen gleich das Kind mit dem Bade aus, weil sie mit der Forderung von Mindestlöhnen das Zustandekommen von angemessenen, fairen Löhnen auf wettbewerblichen Märkten implizit für unmöglich erklären. Intensiver Kostenwettbewerb auf allen wichtigen Märkten, der massenhaft prekäre Beschäftigungsverhältnisse produziert, wird damit von Befürwortern und Gegnern des Mindestlohns nicht nur zur Normalität erklärt, die sie „soziale Marktwirtschaft“ nennen, sondern schlimmer noch, politisch massiv unterstützt und gefördert.

Das ist grotesk und der Mindestlohn ist es so betrachtet letztlich auch.

Märkte sind nicht selbstregulierend – aber wie funktionieren sie dann?

Spätestens seit der Finanzmarktkrise wissen wir, dass Märkte nicht prinzipiell selbstregulierend sind und auch nicht immer effizient. Insofern ist es also nur konsequent zu fragen, ob die beträchtliche Ausweitung prekärer Arbeitsverhältnisse nicht ebenso wie die verbreitete Wachstumsschwäche in erster Linie die Folge eines – volkswirtschaftlich gesehenineffektiven Wettbewerbs ist.

Eine einfache Kontrollfrage: Nennen Sie bitte einmal einen volkswirtschaftlich bedeuten­den Markt, auf dem heute kein intensiver Kostenwettbewerb herrscht.

Sie werden Schwierigkeiten haben, einen zu finden und genau das ist das Problem.

Heißt das dann aber zugleich auch, dass Wettbewerb immer so ist? Nein, eben nicht.

Jeder redet immer nur von dem Wettbewerb und meint damit implizit, dass es überhaupt nur eine einzige Form von Wettbewerb gibt oder anders ausgedrückt: entweder es herrscht Wettbewerb oder es herrscht kein Wettbewerb. Wirtschaftsliberale Vertreter in der Politik spitzen dies gerne auf den Ausspruch zu, entweder man sei für die Marktwirt­schaft oder dagegen.

Der Ausspruch bringt es eigentlich gut auf den Punkt. Denn er entspricht dem, was die klassische liberale und die neoklassische Wirtschaftstheorie uns lehrt: selbstregulierende, effiziente Märkte, sind Märkte, auf denen Wettbewerb herrscht und dieser ist prinzipiell effektiv. Das Problem ist nur, dass dies – auf die Realität übertragen – nicht stimmt, wie oben bereits angesprochen und das liegt vor allem daran, dass dieses Wettbewerbsverständnis der Entwicklung von Märkten nicht gerecht wird und auch nicht gerecht werden kann. Als Blaupause für politisches Handeln in der Realität taugt es deswegen eigentlich ziemlich wenig.

Im Zuge der Entwicklung von Märkten verändert sich der Wettbewerb

Wettbewerb wird entscheidend geprägt von den strukturellen Gegebenheiten auf Märkten, also unter anderem von der Zahl und Größe der Anbieter und Nachfrager, von der Marktransparenz, aber auch von den handlungsleitenden Motiven der Anbieter und Nachfrager. All das ist in der zeitlichen Entwicklung von Märkten Veränderungen unter­worfen und damit ändern sich auch die Voraussetzungen für die Wettbewerbsführung, das heißt: der Wettbewerb verändert sich.

Vereinfacht ausgedrückt bedeutet dies Folgendes:

Auf jungen Märkten ist das Marktpotenzial noch weitgehend unerschlossen, Produkte/ Dienste und Verfahren befinden sich noch am Anfang ihrer Lernkurve, die innovative Dynamik ist infolgedessen hoch (bedeutende Produkt- und Verfahrensinnovationen, innovative Angebotsvielfalt), funktionale und im weitesten Sinne qualitative Faktoren sind wettbewerbsentscheidend.

Gerade deswegen sind auf jungen bzw. dynamisch-innovativen Märkten Wissen und Fertigkeiten der Arbeitskräfte ein ganz entscheidender Faktor im Wettbewerb.

Auf ausgereiften Märkten ist das Marktpotenzial ausgereizt, Produkte/Dienste und Ver­fahren sind ausgereift (Stichworte: ein bestimmtes Produktdesgin hat sich durchgesetzt, ebenso eine „best practise“, Standardbauteile, gemeinsame Plattformen usw.), die inno­vative Dynamik des Marktes ist dementsprechend schwach ausgeprägt (Verbesserungs­innovationen), die Kosten sind wettbewerbsentscheidend.

Auf ausgereiften bzw. transparenten, wenig dynamischen Märkten sind folglich nicht das Wissen und die Fertigkeiten der Arbeitskräfte ausschlaggebend, sondern zu welchem Preis Arbeitskräfte für bekannte und standardisierte Prozesse von den Unternehmen „eingekauft“ werden können (Stichwort: Debatte über den „Fachkräftemangel“).

Die Entwicklung von Märkten ist aber keine Einbahnstraße. Aus ausgereiften Märkten können durch eine entsprechende Innovationsdynamik wieder „junge“ Märkte werden. Bill Gates hat das beispielsweise mit Microsoft Anfang der 80er bewiesen. Heute hingegen steht Microsoft für einen ausgereiften, oligopolisierten Markt. Frischer Wind ist dort nötig.

Auf ausgereiften, oligopolisierten Märkten gehen die Löhne in den Keller

Wir haben es heute auf den allermeisten, volkswirtschaftlich und global bedeutsamen Märkten mit gesättigten, ausgereiften und nicht selten unter Überkapazitäten leidenden Märkten zu tun. Auf solchen Märkten herrscht harter Kostenwettbewerb vor, weil es sich um oligopolisierte und von wenigen, großen Unternehmen dominierte Märkte handelt, die im Wesentlichen eines im Sinn haben: Ihre Marktposition erfolgreich zu verteidigen.

Die Politik hilft ihnen dabei, das heißt, sie unterstützt die Unternehmen und Banken bei ihren Bemühungen, international kostenwettbewerbsfähig zu sein und zwar seit vielen Jahren. Dies war z.B. auch schon der Zweck der Agenda 2010.

Angesichts solcher Marktgegebenheiten bzw. der fortgeschrittenen Entwicklung/Aus­reifung vieler Märkte stellt sich Wettbewerb heute – sofern er nicht schon mehr oder weniger ausgeschaltet wurde – überwiegend als harter Kostenwettbewerb dar. Dass die Politik diesen zusätzlich noch massiv fördert, ist kontraproduktiv und macht den Mindestlohn zu einer Farce. Denn unter diesen Bedingungen kann sich auf den Märkten keine dynamische Entwicklung ergeben, die die Voraussetzung für eine Aufwertung des Wissens und der Fähigkeiten der Arbeitskräfte auf den Märkten und vor allem auch für neues Wirtschaftswachstum wäre. Unter solchen Marktgegebenheiten gehen die Löhne in den Keller.

Das wirksamste Mittel für faire Löhne ist das Aufbrechen der oligopolistischen Strukturen

Wer will, dass die Abwärtsspirale bei den Löhnen gestoppt wird, der ist insofern gut beraten, in erster Linie auf Veränderungen der verkrusteten oligopolistischen Marktstrukturen und auf eine neue, innovative Dynamik auf den Märkten hinzuwirken, die kleinen und mittelgroßen Unternehmen und Arbeitskräften gleichermaßen wieder deutlich verbesserte Chancen eröffnet, mit ihren Leistungen angemessen erfolgreich zu sein. Denn das ist es, was effektiven Wettbewerb volkswirtschaftlich gesehen ausmacht.

Tatsächlich geschieht jedoch das Gegenteil. In den letzten Monaten wurde eine ganze Reihe von neuen Megafusionen beschlossen und von den Wettbewerbsbehörden genehmigt. Mit effektivem, „freiem“ Wettbewerb hat es nicht mehr viel zu tun, wenn große, globale Märkte nur noch von drei oder vier großen Konzernen dominiert werden. Es ist die Zementierung des Kostenwettbewerbs und des Kostensenkungswettlaufs nach unten und zugleich eine Garantie für die anhaltende Instabilität unseres Wirtschafts- und Finanzsystems.

Fazit

Die Probleme auf dem Arbeitsmarkt sind nicht wegzudiskutieren. Aber Mindestlöhne kurieren nur an den Symptomen. Sie sind keine Lösung, sondern stützen im Ergebnis lediglich die unhaltbar gewordene Form der Wettbewerbsführung von Oligopolisten auf überwiegend ausgereiften, stagnierenden Märkten. Ausbaden müssen das die kleinen und mittelgroßen Unternehmen, die das letzte Glied in der Kette des von oben erzeugten Kostendrucks sind und diesem nicht ausweichen können und die Masse der Arbeitnehmer – ganz besonders die in Entwicklungsländern.

Es gibt also genau genommen wenig Grund für die Bundesregierung und noch weniger Grund für uns alle, das Gesetz über den Mindestlohn zu feiern.

von Stefan L. Eichner
Kontakt: info.sle@web.de

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94 KommentareKommentieren

  • Tim - 3. Juli 2014

    Interessant, aber nicht ganz richtig. Der Grund, warum in Deutschland nicht genügend attraktive Beschäftigung entsteht, liegt darin, daß seit 20 Jahren von den Unternehmen zuwenig in Deutschland investiert wird. Der Grund dafür ist eine teilweise irrsinnige Überreglementierung auf ganz unterschliedlichen Feldern, die – da hast Du nun wieder recht – die kleinen und mittleren Unternehmen besonders hart trifft.

    Wie man es unter denselben globalen Bedingungen viel besser macht, zeigt das Beispiel Schweiz. Viel weniger Gesetze und Bürokratie, dafür viel höhere Löhne.

    • thewisemansfear - 3. Juli 2014

      Zum “Erfolgsfaktor” Schweiz gehört ein klitzekleines Detail namens Bankgeheimnis. Aber das ist deiner Meinung nach wahrscheinlich vollkommen unwesentlich. ;-)

      • Tim - 4. Juli 2014

        Es gibt in der Schweiz kein Bankgeheimnis (mehr), und die Finanzbranche ist für den Wohlstand der Schweiz auch längst nicht so bedeutend, wie viele immer noch glauben.

        • Thorsten Eckau - 4. Juli 2014

          Hast Du für den zweiten Teil Deiner Aussage zufällig Belege als Link zum Nachlesen? Ich würde blind Geld darauf verwetten dass die Schweiz maßgeblich von der Finanzindustrie lebt. Ganz maßgeblich sogar… Von der Schwerindustrie lebt sie sicherlich nicht und auch die Summe aus Bergkäse und Taschenmessern plus Luxusartikeln dürfte nicht ansatzweise ausreichen. Aber ich lasse mich gerne von gegenteiligem überzeugen…

          • yota-berlin - 5. Juli 2014

            “Der Wohlstand der Schweiz beruht nur zu einem kleinen Teil auf der Wertschöpfung der Banken.
            So war vor einem halben Jahr, gestützt auf den Bankenbericht der Schweizerischen Nationalbank, in der Tagespresse zu lesen: «Die Wertschöpfung der Schweizer Banken sinkt kontinuierlich: Ende 2012 betrug sie noch 35 Mrd. Franken, was einem Anteil am Bruttoinlandprodukt (BIP) von knapp 6 Prozent entspricht.» (vgl. «20 Minuten» vom 17. Juni 2013)
            Tatsächlich basiert die Schweizer Wirtschaftskraft in erster Linie auf den Kleinen und Mittleren Unternehmungen (KMU), die über 90 Prozent der Betriebe ausmachen.
            http://zeit-fragen.ch/index.php?id=1695

  • Roberh - 3. Juli 2014

    Das sind ja alles sehr schöne Worte, aber was wären denn nun konkrete Maßnahmen für “das Aufbrechen der oligopolistischen Strukturen”, stärkere Kartellregeln? Dafür durfte es aber schon zu spät sein, da das während des Marktaufbaus geschehen muss und nichts bei abegeschlossenen Konzentrationsprozessen bewirkt. Unternehmensaufbrechungen? :D

    Oder vielleicht die Förderung junger Märkte. In Bezug auf den verkrusteten Energiemarkt müsste sogesehen die Energiewende vorangetrieben werden, da dieser Markt relativ jung ist und eher im Bereich kleinerer und mittlerer Unternehmen stattfindet, auf denen am ehesten der von ihnen gewünschte Wettbewerb stattfindet.

    Und das mit Microsoft als leuchtendem Beispiel verstehe ich net, das ging ja ziemlich fix, dass die marktbeherrschend waren.

  • hirni - 3. Juli 2014

    Hmm … tendenziell kann ich durchaus zustimmen, aber irgendwie verstehe ich noch was nicht:

    Nehmen wir z.B. Friseure oder Altenpfleger oder Krankenschwestern oder Brieftraeger.

    Wettbewerb ? – gibt’s genug.
    Verlagerbar nach China: geht nicht.
    Oligopole usw ? – eher nicht.

    Und trotzdem verdienen die meisten (aktuell) in diesen Branchen weniger als den zukuenftigen Mindestlohn.
    Und DAS trotz ‘richtiger’ Ausbildung (lassen wir mal Brieftraeger aussen vor) und stetiger Nachfrage nach der Leistung.

    d.h. hier ist noch irgendwas anderes im Markt-Getriebe… nur WAS ?

    Anderes Beispiel ein Altenheim/Pflegeheim Platz.
    Die meisten Rentner koennen sich so einen Platz fast NIE aus dem eigenen Einkommen leisten.
    Und DAS – obwohl doch alle nur zu Mindestlohn-aehnlichen Preisen da arbeiten.
    Und die Qualitaet dieser Einrichtungen hat sich gegenueber vor 10/20/30 Jahren wohl kaum gross geaendert.

    Noch ein Beispiel:
    Frueher – konnte man als Brieftraeger bei der Deutschen (Bundes)Post noch von dem Lohn leben oder sogar ein eigenes Haus kaufen/abbezahlen.
    Heute kann ein outgesourcter Brieftraeger bei einer Sklaven-Treiber-Firma das nicht – muss aufstocken.
    Und die Briefe/Pakete sind ja mindestens genauso teuer wie frueher.

    Die eigentlichen Ursachen hierzu – dass so viele Leute in ‘Nachfrage sicheren’ Berufen/Taetigkeiten frueher von ihrem Lohn leben konnten, und heute nicht mehr – das verstehe ich nicht. (bzw. was sich hier geaendert hat ist mir unklar)

    • SLE - 3. Juli 2014

      Hallo Hirni,

      denken Sie mal an die Nachkriegszeit in Deutschland. Die innovative Dynamik in Kombination mitklein- und mittelständischen Strukturen, auf breiter Front vorhandene Nachfrage und steigende Einkommen bei allen, das hat damals auch die Friseure gut verdienen lassen. Es ist ein ganz anderes Bild als heute, beinahe das komplette Gegenteil.

      Das Beispiel mit den Rentnern ist ein bisschen schwierig, weil es dabei um das Pensionssystem geht und nicht um Einkommen. Zudem ist aber auch im Gesundheitssektor – bei den Krankenkassen und der Pflege ganz besonders – ein durch den Gesetzgeber hoher Druck zur Unternehmenskonzentration gegeben und (unglücklicherweise) gewollt.

      Das letzte Beispiel passt auf das, was ich angesprochen habe, weil auch in diesem Bereich die Unternehmenskonzentration sehr hoch ist. Außerdem spielt aber in diesem Fall die Internetkonkurrenz eine gorße Rolle (E-Mail).

      Das alles – in Ihren Beispielen – irgendwie weder viel besser noch billiger als früher ist, hängt ebenfalls mit den oligopolistischen Strukturen un ineffektivem Wettbewerb zusammen. Es besteht m.E. in vielen Fällen Preissetzungsmacht (denken Sie an Öl- und Strompreise), d.h., wir haben vielfach keine wettbewerblichen Preise auf von wenigen großen Konzernen dominierten Märkten. Denken Sie an die vielen aufgedeckten Fälle von Preisabsprachen, aber auch an die durch Spekulanten und die Geldschwemme getriebenen Rohstoffpreise oder schauen Sie sich an, was ein und dasselbe Medikament eines Pharmakonzerns in den 28 EU-Staaten jeweils kostet (oder auch Autos / Rabattschlacht inklusive).

      Der Kostenddruck, der im Wettbewerb zwischen den Großen (etwa Autohersteller) existiert, wird an die Zulieferer durchgereicht, die Profite bleiben bei den Großen.

      Viele Grüße
      SLE

    • Oblomow - 4. Juli 2014

      @hirni
      Ihre Fragen sind nicht unberechtigt. Und sie lassen sich hier nicht gänzlich beantworten. Nur so viel:

      Der Artikel beschreibt die Problematik grundsätzlich und im Wesentlichen richtig. Aber nicht alles lässt sich allein mit den staatlichen Interventionen, den Eingriffen in das Handeln der Menschen und den daraus resultierenden Fehlentwicklungen erklären.
      Für Ihr Friseur-Beispiel reicht das eben gerade nicht. Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten solcher Betriebe lassen sich tatsächlich nicht -allein- mit marktverzerrenden rechtlichen Staatseingriffen erklären.
      Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, dass Friseurunternehmer ihren Mitarbeitern nur geringe Löhne zahlen können, weil die Kunden nicht soviel für die Leistung zahlen, dass es mehr sein könnte? Warum aber wird immer weniger für die Frisur ausgegeben? Weil die Kunden böse sind? Oder eher weil ihre finanziellen Mittel -Geld- knapper geworden sind und sie nicht mehr genügend davon zur Verfügung haben? Wenn das Geld der Kunden knapp ist, werden sie es doch vornehmlich für den Einkauf solcher Waren oder Dienstleistungen verwenden, die ihnen wichtiger erscheinen als die Frisur.
      Damit sind wir bei der Frage angelangt, wie es in einem -angeblich – so immens reichen Land wie DL angehen kann, dass bei der Mehrheit das Geld knapp geworden ist. Nun, die radikale Schröpfung mittels Steuern ist ein Grund. Denken wir nur an die kalte Progression.
      Die Entwertung der Kaufkraft des Geldes (“Preisinflation”) ist ein weiterer Grund. An dieser Stelle ist eine Beschäftigung mit unserem derzeitigen Geldsystem nötig. Der Platz hier reicht nicht, um das zu erklären. Aber es gibt genügend Bücher dazu. Recht neu und gut ist zB: “Warum andere auf Ihre Kosten immer reicher werden”.

      Und dann sind da noch die Umverteilungssysteme, verfälschend und lügnerisch “Sozialversicherung” genannt. Jetzt sind wir bei Ihrem Rentner, der die Kosten seiner Pflege im Pflegeheim nicht mit seiner Rente bezahlen kann.
      Der Rentner zahlte seine Beiträge zur Rentenversicherung nie für sein Alter, sondern für die während seines Erwerbskebens Alten (Stichwort: Umlage-System, eben keine Versicherung des eigenen Altersrisikos). Er ist damit der Willkür der Politik letztlich ungeschützt ausgesetzt.
      Zwischen den Pflegeheimen gibt es keinen wirklichen Wettbewerb. Dies liegt daran, dass den Heimen von den Politikern (Gesetzgeber) vorgeschrieben wird, welche Leistungen sie anbieten müssen. Damit nicht genug, darf der Rentner aus Ihrem Beispiel aber auch die Preise mit dem Pflegeheim nicht frei aushandeln. Das machen andere für ihn. Vertreter der Pfegekassen u.a. Das Geld, das für deren Bezahlung verwendet wird, steht für die Pflege des Rentners nicht mehr zur Verfügung. Das muss so sein? Nein, muss es nicht. Bis zur Einführung der Pflegeversicherung in 1994/1995 gab es das nicht. Des Steuerzahlers und des Beitragszshlers Groschen/Cent kann aber nur einmal ausgegeben werden. Mit dem Geld, mit welchem all die in den Pflegekassen neu geschaffenen Arbeitsplätze finanziert werden, kann eben keine Pflege mehr bezahlt werden. Gar so kompliziert ist das alles nicht. Zum Wohlfahrtsstaat können Sie zB. einmal das Buch von Habermann “Der Wohlfahrtsstaat-Ende einer Illusion” lesen.

      Damit sind nicht alle Fragen beantwortet. Das geht auf diesem Wege auch nicht. Jeder muss sich selbst um Informationen und Verstehen bemühen. Bücher und Infos im Internet gibt dazu inzwischen in großer Zahl.

      Einen Bogen zum Mindestlohn kann ich aber noch spannen: Er wird neue Arbeitsplätze schaffen, etwa 1.600, wie man vernimmt. Wo? Beim Zoll, im Staatsapparat. Die sollen kontrollieren, ob die Zerstörung der traurigen Reste der Marktwirtschaft; pardon, ob die Auskehrung des für gerecht erkannten Lohnes gelingt. Falls nicht, wird nschgezahlt und der Unternehmer-Depp zu Bußgeldern verdonnert, die schnell bei 40.0000 Euro liegen könnten.
      Wer das letztlich bezahlt?
      Nun, u.a. der Rentner? Der, welcher eigentlich was ganz anderes wollte?

      • Skyjumper - 4. Juli 2014

        Ja, an die Einführung der Pflegeversicherung muss ich beim Thema Mindestlohn auch denken. Ich fürchte hier werden sich zukünftig Paralellen feststellen lassen.

        Die unter gewissen Umständen erforderliche Pflege von Mitbürgern funktionierte bis zur Einführung der gesetzlichen Pflegeversicherung mehr schlecht als recht (was bewußt so herum geschrieben ist), und basierte zu einem nicht unerheblichen Teil auf privater Basis.

        20 Jahre später ist die Pflegeversorgung nicht signifikant verbessert (unter Qualitätsaspekten ggf. sogar schlechter), aber richtig richtig teuer geworden. Eine typische Entwicklung wenn staatliche Verantwortung an die Stelle privater Verantwortung tritt.

    • Vandermonde - 7. Juli 2014

      Der grundlegende Unterschied zwischen Industrierzeugnissen und Dienstleistungen ist das vorhandene Potential der Produktivitätssteigerung. Das ist bei Industrieerzeugnissen i.a. deutlich stärker gegeben als bei Dienstleistungen (eine Ausnahme stellen vielleicht Finanzdienstleitungen dar, aber das könnte man strukturell auch als eine Art von erzwungenem Wegzoll betrachten).

      Zusätzlich wird der Gewinn der Industrieunternehmen z.B. in Deutschland nicht ausreichend im Inland investiert und führt somit zu einer Schwächung der Binnennachfrage. Und das führt wiederum zu stagnierenden Löhnen gerade in den lokal orientierten Dienstleistungsbereichen.

      Man kann aber auch beobachten, dass die Investitionen der Unternehmen in ihre eigenen Prozesse zunehmend sinken. Das kann unter anderem auch eine Konsequenz der niedrigen Löhne sein, die den Optimierungsdruck auch im Bereich der Industrieprodukte verringert.

      Betrachtet man diese Elemente zusammen, ergibt sich eine Lohn- Preis- und Investitionsspirale nach unten.

  • Nicolas - 3. Juli 2014

    Danke für den interessanten Artikel! Ich bin auch gegen den Mindestlohn und zwar nicht weil ich es dem ausgebeuteten Arbeitnehmer nicht gönne sondern wie es hier schön beschrieben es an der falschen Schraube dreht (warum gibt es überhaupt so niedrige Löhne?).

  • Bubblegum - 3. Juli 2014

    @SLE,

    Ihrem Kommentar merkt man an, dass Sie das Vokabular eines Faches brav verinnerlicht haben, das Wissenschaftlichkeit für sich in Anspruch nimmt, aber keine Wissenschaftlichkeit besitzt, der VWL.
    Einer ihrer wesentlichen Vor”denker” auf den sie sich beruft, Adam Smith, war Theologe. Also wabern in der VWl, zumindest, derjenigen, mit denen die armen Bachelors in den Anfängervorlesungen noch immer immer traktiert werden, so nebulöse Begriffe wie Markt=Ort an dem Angebot und Nachfrage aufeinandertreffen durch die Gegend. Man ist geneigt, sofort dazwischen zu rufen und den Sketsch von auf der Rennbahn: “Wo laufen sie denn?” anzubringen. Es wird immer dann davon gefaselt, alle Vertragspartner müßten in diesem Modell des vollkommenen Marktes über die gleiche Informationsqualität verfügen. Wäre dem so, würde niemals und nirgendwo auf der Welt ein Vertrag zustande kommen. Und deswegen halten dann auch Ihre Überschriften einer näheren Überprüfung nicht stand:

    “Auf ausgereiften, oligopolisierten Märkten gehen die Löhne in den Keller!

    Bringt man Poppers Falsifizierungskriterium in Anwendung, dann müßten in den Energiemärkten (oligopolistische bis monopolistische Strukturen) die Mitarbeiter am schlechtesten verdienen! Ob Energieträgerförderung
    (Ölplattformen, Untertage- oder sogar Übertagebergbau, Raffineriewirtschaft etc.) überall auf der Welt, von Südafrika bis Alaska etc., in jedem Land dieser Welt verdienen die Mitarbeiter dieser Industrien im Vergleich zum allgemeinen Durchschnittslohn deutlich mehr!

    Umgekehrt, in der Gastronomie, die so total zersplittert ist, daß nicht einmal der Begriff Polypol zur beschreibenden Anwendung kommen dürfte, wird vom Gast geradezu nötigend erwartet, dass er das Lohndumping der Inhaber durch Trinkgeld an seine Angestellten ausgleicht.
    In den USA ist der 10% Satz für Trinkgeld schon einer Zwangsabgabe gleichzusetzen!

    “Das wirksamste Mittel für faire Löhne ist das Aufbrechen der oligopolistischen Strukturen”
    Damit hält die Überschrift des Absatzes einer Realitätsüberprüfung nicht Stand.
    Bitte nicht persönlich nehmen! Aber es wird Zeit das verquaste Fach VWL vom Kopf auf die Füße zu stellen! Es wird Zeit, dieses ganze Unfugsvokabular zu hinterfragen. Zu begreifen, das Markt und die sich daraus ergebende Preisbil-dung das Ergebnis eines vernetzten, rückgekoppelten Systems aus Vertragsab-schlüssen ist. Abschlüssen, die bereits getätigt wurden, dann existiert ein Preis als Information bzw. zum Abschluss anstehen (=Angebot bzw. Nachfrage). Und, weil jeder Vertragsabschluss dem Nullsummenprinzip unterliegt, macht auch die Beschreibung und Einteilung von Märkten nach Alter (jung, reif) oder Zahl der Marktteilnehmer (Mono,Oli- Polypol) wenig bis gar keinen Sinn mehr!
    Viele Grüße und nichts für ungut Bubblegum

    • SLE - 3. Juli 2014

      Hallo Bubblegum,

      so richtig nachvollziehen kann ich Ihre Argumentation nicht. Die Ölindustrie ist eine der Industrien, in denen die höchsten Profite eingefahren werden, wobei dafür die Kosten soweit gedrückt werden, dass wir ab und zu halt Ölkatastrophen erleben. Die Mitarbeiter auf Plattformen gehen also immense Risiken ein. Sie meinen also, die würden angemessen entlohnt – in Relation wozu, zum Risiko? Zu den Profiten, die die Ölkonzerne einfahren und ausschütten?

      Warum die Einteilung in junge und alte Märkte bzw. die Betrachtung der Entwicklung von Märkten keinen Sinn machen soll, das verstehe ich nicht. Der größte Vorwurf an die VWL-Lehre ist doch gerade, dass sie es nicht tut!

      Außerdem irren Sie, wenn Sie meinen, ich bezöge mich nur schon deswegen auf Adam Smith, weil ich den Begriff “freier” Wettbewerb benutze. Bei übermäßiger Marktmacht ist der Wettbewerb nicht frei. Darum geht es mir. Was Sie wahrscheinlich meinen, ist das Konzept “freier Wettbewerb” oder “Wettbewerbsfreiheit”, das von selbstregulierenden Märkten ausgeht und unterstellt, dass Wettbewerb frei ist, wenn sich der Staat nicht einmischt, sprich dereguliert. Davon habe ich nicht geredet. Wenn Sie es genauer wissen wollen, dann empfehle ich die entsprechenden Aufsatzreihen hier auf Querschuesse zum Thema “In der Wachstumsfalle …” (3 Teile) und “Vom Problem der Überwindung der Rechts-Links-Logik (4 Teile) oder auch “Krisenstrategien in der Sackgasse (Teil 2) (siehe oben in der Rubrik SLE).

      Viele Grüße
      SLE

  • Erhard - 3. Juli 2014

    Die Kritik an den Mindestlöhnen halte ich für falsch. Mindestlöhne gibt es seit Jahrzehnten, in so unterschiedlichen Ländern wie Frankreich, China und USA, und sie haben weder “den Wettbewerb” be- oder verhindert noch massenweise Unternehmen in den Ruin getrieben.

    Ich halte auch die Behauptung für falsch, dass es auf “reifen Märkten” quasi schicksalhaft zu Billglöhnen unter dem Existenzminimum kommt. Mehrere skandinavische Länder zeigen, dass es zu Dumpinglöhnen Alternativen gibt.

    In Deutschland gab es bis zur Agenda de fakto Mindestlöhne durch die Grenzen von Arbeitslosen- und Sozialhilfe. Die wurden ausgehebelt, und mit ihnen die Arbeitsmarktmacht der Arbeitenden. Insofern stimmt, dass Agenda und Austeritätspolitik ein grösseres Problem sind als das Fehlen von Mindestlöhnen.

    Den Blues über die armen Unternehmer, die ohne Nulleurokräfte verhungern müssen, empfinde ich gleichwohl als obszön.

  • thewisemansfear - 3. Juli 2014

    Ich sehe es ähnlich wie Erhard. Die Mindestlöhne mögen in der jetzigen Situation nach jahrelanger Agendapolitik wie ein Pflaster aussehen, dass die wunde(n) Stelle(n) einfach überkleben soll.
    Schade, dass es erst einer solchen Schieflage bedurft hat, um sie überhaupt einzuführen, denn über die Unter- wie die Obergrenzen der Spielwiese “Markt” bestimmt eine Gesellschaft als Ganzes. Was da wann als sinnvoll erachtet wird, ist Ausdruck des allgemeinen Konsens.

    Vielleicht sollte mal diskutiert werden, was an einem “freien Markt” eigentlich frei ist? Der ist eigentlich voll von Regularien, die die Gemeinschaft als selbstverständlich betrachtet. Ein paar Gedanken dazu: http://www.theguardian.com/commentisfree/2013/apr/05/company-profits-welfare-payments-society

    Die Mindestlöhne mit falscher Medizin zu vergleichen, passt in meinen Augen nicht zusammen. Die Politik scheint sich der Problematik, dass es so etwas wie eine Sättigung überhaupt geben kann, gar nicht bewusst. Wie auch? Die Hauptverantwortlichen sind viel zu beschäftigt, den Karren wieder auf “Wachstumskurs” zu bringen. Da muss man schon mal Prioritäten setzen.
    Kollege deedls Gedanken dazu: http://deedls.blog.de/2014/07/03/wachstumswahn-spurensuche-18778662/

    Es ist vollkommen richtig, dass in gesättigten Märkten (Verdrängungs-)Wettbewerb fast ausschließlich über den Preis stattfindet. Das betrifft u.a. Löhne und auch Steuern.
    Kommunen, Länder, Staaten unterbieten sich gegenseitig, um Industrie + Arbeitsplätze anzulocken. Du warst nicht billig genug und dein Nachbar hat den Zuschlag bekommen? Pech gehabt. Doppelt Pech, wenn nun deine Einnahmen die Ausgaben nicht mehr decken und Du gezwungen wirst, die Steuern anzuheben oder den Rotstift rauszuholen. Der, der das “wagt”, verliert erst recht und wird mit Abwanderung gestraft.
    Mir fehlt da ehrlich gesagt auch eine gescheite Exit-Strategie…

    Oligopolistische Strukturen aufzubrechen, so dass sich wieder kleinere Einheiten auf dem gut befüllten Terrain “Markt” austoben können, bedeutet: wo Gewinner, da auch Verlierer. Es würde in der Idealvorstellung also auf ein “Werden und Vergehen” von Unternehmen hinauslaufen, expandiert werden kann ja relativ gesehen nur auf Kosten Anderer (was, wenn nicht unterbunden im Fettaugensyndrom resultiert).
    Das Werden und Vergehen heißt aber jeweils so viel wie Einstampfen und neu aufbauen – und das kostet Energie(ressourcen). So lange man genug davon hat, kein Problem, kann man das immer so weiter betreiben. Damit sind wir aber wieder bei der Problematik, die deedl (oben verlinkt) beschreibt. So lange unsere Energieversorgung hauptsächlich auf Öl/Kohle/Gas basiert, ist ein solches Unterfangen ganz einfach unökonomisch.

  • JL - 3. Juli 2014

    Der Artikel entspricht auch meiner Sichtweise.

    Aber dies ist wohl nur die eine- bereits angesprochene Seite- der Medaille, denn durch die staatlich geförderten Lohnabsenkungen und dem unkontrolliertem Zuzug fremdländischer Arbeitswilliger, welche einen zusätzlichen Lohndruck erzeugten, wurde der Staat selbst zur Kasse gebeten.

    Die sogenannten „Aufstocker“, die den ganzen Tag Arbeiten und immer noch unter der Armutsgrenze vegetierten, mußten also zusätzlich vom Staat gestützt werden.

    Und genau hier setzt der Mindestlohn an. Er ist nichts anderes als eine sozial verpackte Entlastung des Staates, welche durch politische Fehlentscheidungen zuvor entstanden.

    Beachtenswert ist dabei aber auch der indirekte Eingriff des Staates in die autonome Tarifhoheit der Gewerkschaften. Zukünftig legt also der Staat die Grundregeln tariflicher Regelungen formal und vorab schon mal fest und nicht Gewerkschaften.

    Das dies defacto einer zukünftigen staatlichen Tarifhoheit entspricht muß hier sicher nicht gesondert erwähnt werden.

    Mit freundlichen Grüßen

    JL

    • thewisemansfear - 3. Juli 2014

      Hallo JL,
      das klingt aber schon etwas an den Haaren herbeigezogen?
      Der Staat setzt Grenzen, ob das nun Mindest- oder Höchstgrenzen sind, ist dabei egal. Das hat doch mit Eingriff in die Tarifautonomie nichts zu tun.
      Hätten die Gewerkschaften für ein Ende der Leibeigenenschaft oder gegen Kinderarbeit kämpfen und dies durchsetzen sollen?
      Wenn das etwas anderes sein soll – inwiefern?
      Eine wirkliche Unabhängigkeit gibt es in meinen Augen nicht. Formal vielleicht schon, aber nicht wo soziale Wesen wie Menschen miteinander interagieren.

      • JL - 4. Juli 2014

        Hallo thewisemansfear

        Jetzt überlegen Sie mal.

        Seit wann gibt es diese sittenwidrigen Lohnstrukturen? Unzweifelhaft sicher seit Schröders Agenda 2010 sowie der Öffnung des deutschen Arbeitsmarktes. Hier hat der Staat also bestehende Regeln und Grenzen abgeschafft. Da Angebot und Nachfrage auch auf dem Arbeitsmarkt den Preis (Lohn) bilden, mußte es gerade in weniger qualitativ anspruchsvollen Beschäftigungsverhältnissen zu Lohndumping kommen.

        Im Ergebnis dessen versucht man sich nun an einem staatlich festgelegten Mindestlohn. Hat die Abschaffung von Regeln und Grenzen schon zu Markt(Lohn)- Verwerfungen geführt, wird die Einführung neuer Regeln wiederum zu Verwerfungen führen- wenn möglich werden betroffene Unternehmen verstärkt „auswandern“.

        http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2014/04/22/mindestlohn-beschleunigt-das-globale-lohndumping/

        Hier muß man sich einerseits nun fragen, seit wann der Staat überhaupt in der Lage ist marktgerechte und branchenübergreifende Lohnniveaus zu erkennen. Andererseits werden verschiedene Branchen (z. B. Zeitungszusteller) vom Mindestlohn ausgenommen.

        Und genau dies greift wiederum in das Kernsegment der Gewerkschaften deren Aufgabe es bisher war für jede Branche tariflich festgelegte Mindestlöhne mit den Arbeitgebern zu vereinbaren. Gerade im Dienstleistungsbereich werden Gewerkschaften zunehmend überflüssig werden. Gleichzeitig wird mit einer zukünftigen staatlichen Anhebung des Mindestlohnes schon mal die „Hausnummer“ für gewerkschaftliche Forderungen vorgegeben. Halten diese sich nicht an die staatlich vorgegebenen „Regeln“ können diese politisch an die Wand gespielt werden.

        http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2014/04/16/gewerkschaften-ueberfluessig-mindestlohn-gefaehrdet-tarifautonomie/

        Im Ergebnis dessen hat man dann mittelfristig zwei Dinge:

        1. Gewerkschaftliche Vereine in Anlehnung an den FDGB.
        2. Erneute staatliche Markteingriffe als Ergebnis vorheriger staatlicher Markteingriffe.

        Mit freundlichen Grüßen

        JL

  • Skyjumper - 3. Juli 2014

    Ich finde es ein Armutszeugnis für eine Gesellschaft, wenn man von der Entlohnung für eine Vollzeitarbeitsstelle nicht angemessen leben kann. Ich habe überhaupt nichts dagegen das es Unterschiede in der Entlohnung gibt. Gerne auch grosse Unterschiede.
    Aber wer 40 Stunden die Woche einer Arbeit nachgeht die eine Ausbildung erfordert hat, damit meine ich primär eine Lehrausbildung, sollte damit sich UND seine Familie anständig durchbringen können. Eigentlich. Ein vernünftiger, einem Einkommen am unteren Ende der Skala angepaßter Lebenstil vorausgesetzt, sollte es möglich sein in der Regel sorgenfrei zu leben. Das ist mit einer Vielzahl von prekären Arbeitsstellen heute nicht möglich. Und das ist alles mögliche, nur nicht in Ordnung.

    Trotzdem bin ich gegen einen gesetzlichen Mindestlohn. Das ist tatsächlich nur ein Pflaster auf einem Problem was nach meiner Überzeugung an ganz anderer Stelle angegangen werden müßte als durch einen staatlichen Eingriff.

    Was ist eine Gesellschaft eigentlich, bzw. sollte es sein? Eigentlich eine Wertegemeinschaft. Diese Wertegemeinschaft überträgt einer Staatsgewalt die Hoheit über Angelegenheiten die für den Einzelnen nicht regelbar sind, oder sein sollen. Die Spielregeln für den allgemeinen Umgang miteinander sollten eigentlich nicht dazu gehören, denn man ist ja eine Wertegemeinschaft, hat also einen grundsätzlichen Konsens darüber wie man miteinander umgehen möchte. Nun gibt es immer den ein oder anderen Quertreiber, der es gerne anders haben wollte. Der meint z.B. seinen Lebensunterhalt durch Raub oder Mord bestreiten zu können. Hier greift der Staat verhindernd und ggf. sanktionierend ein. Innere und äussere Sicherheit: Das sind die originären Aufgaben des Staates.

    Dem Staat jedoch Aufgaben zukommen zu lassen (oder auch nur zuzulassen das er sie an sich zieht) die eigentlich im freien Wechselspiel der gegenseitigen Beziehungen austariert werden sollten (immer im Hinterkopf das man ja eine Wertegemeinschaft darstellt), ist eine Kapitulation. Es bedeutet das die freie Wertegemeinschaft nicht mehr existiert. Das wir unsere PERSÖNLICHE moralische Verantwortung gegenüber unseren Mitmenschen aufgegeben haben und es stattdessen einer Staatsgewalt überlassen UNSERE Verantwortung zu definieren und zu kontrollieren. Wieder geben wir ein Stück Eigenverantwortung an der Garderobe ab und zahlen schulterzuckend an der Kasse den Preis dafür.

    Die lohntechnische Situation am Arbeitsmarkt würde eine gesellschaftliche Diskussion erfordern, eine breite bürgerliche Auseinandersetzung über unseren Wertekonsens in der Frage der Arbeitsentlohnung. Denn es geht jeden von uns an. Sei es als Arbeitnehmer, oder als Arbeitgeber.

    Ein Gesetz dazu ist deshalb falsch, weil es uns erlaubt dieser Diskussion, dieser Erneuerung unseres Wertenkonsens, erneut auszuweichen. Uns davor zu drücken uns selbst zu positionieren.

    • JR - 4. Juli 2014

      >>breite bürgerliche Auseinandersetzung
      Wo soll diese denn bitte stattfinden? In unseren Medien? Bis auf 2 Ausnahmen gehören die 20 meistverkauften Zeitungen Deutschlands Familien die unter den 500 reichsten Deutschlands zu finden sind.
      Bleiben noch unsere unabhängigen ÖR. Sagte ich unabhägig? Mein Fehler.
      Diese – eigentlich notwendige Diskussion – wird also nicht stattfinden.
      Sie findet hier bei querschüsse statt – leider unter Ausschluß der Öffentlichkeit.

      >>Es bedeutet das die freie Wertegemeinschaft nicht mehr existiert.
      So sieht es aus und ohne die “breite bürgerliche Auseinandersetzung” (die nicht stattfindet) wird sich daran auch nichts ändern.

      Also brauchen wir doch ein Mindestlohn-Gesetz?!

      • Skyjumper - 4. Juli 2014

        @JR

        “Also brauchen wir doch ein Mindestlohn-Gesetz?!”

        Nicht das ich nicht genau wissen würde was Sie meinen. Aber ganz ketzerisch gefragt: Wozu eigentlich? Wenn wir diese freie Wertegemeinschaft nicht haben, diesen Konsens nicht herstellen können, ja nicht einmal wollen, warum sollte dann ein anderer für uns tun dürfen, was wir offenbar nicht für wichtig genug halten?

        Warum soll ich mir etwas vorschreiben lassen für das es keinen Konsens gibt? Warum soll ich überhaupt irgendwelche Abgaben leisten wenn die Basis der Abgabebereitschaft, die Wertegemeinschaft, nicht mehr existiert?

        Ohne diese Wertegemeinschaft, den Konsens innerhalb der Gesellschaft, fehlt dem Staat und seiner Machtausübung die Legitimation, der philosophische Unterbau.

        Mir ist natürlich sehr bewußt, dass eine moralische und/oder philosophische Betrachtung allein die Kuh nicht vom Eis bringt. Aber die Bedeutung der Moral für unser Zusammenleben wird nach meinem Dafürhalten dramatisch unterschätzt. Letztlich ist es nur das was eine Demokratie (im neueren Verständnis) von einer Diktatur unterscheidet.

        Traumtänzerisch von mir, ich weiß. Aber eigentlich existenziel.

  • Tappy - 3. Juli 2014

    Sorry,

    aber ich halte die Argumentation im Artikel für unzutreffend.
    Die empirischen Beispiele wurden weiter oben schon von hirni genannt.

    Die Frage warum der Markt so viele Fälle von prekären Beschäftigungsverhältnissen hervorbringt ist ganz einfach zu beantworten: Weil Gewinn das Residuum aus Kosten und Verkaufspreis ist und Gewinnmaximierung den Kostendruck verursacht.
    Dabei ist es prinzipiell egal um welche Art Marktstadium es sich handelt.
    Mindestlöhne sind strukturell Gewinncappings.
    .

    ” …unter welchen Voraussetzungen auf wettbewerblichen Märkten überhaupt faire Löhne zustande kommen können …”

    “Faire Löhne” sind eine Frage der Verteilung von Lohnkosten und Gewinnen, aber keine Frage der Marktvoraussetzungen.

    Eine “faire” Entlohnung, die die Märkte von selbst hergeben kann m.M. nur steuerpolitisch erreicht werden.

    Beste Grüße

    • SLE - 4. Juli 2014

      Hallo Tappy,

      ich denke, Ihre Argumentation ist nicht ganz schlüssig. Unternehmenskonzentration ist ein Kennzeichen der Marktentwicklung bzw. der Reifung von Märkten. Insoweit im Zuge dieser Reifung von Märkten und von Konzentrationsprozessen der Wettbewerb weniger effektiv wird, also die Chancen, Profite zu erzielen zunehmend ungleich verteilt sind, ist auch der genaue Verlauf der Marktentwicklung nicht irrelevant oder genauer gesagt, ob ein Markt im Reifestadium bei hoher Unternehmenskonzentration verharrt respektive verkrustet.

      Es ist doch gerade unser seit Jahren bestehendes Problem, dass die großen Aktiengesellschaften hohe Profite einfahren und große Teile davon ausschütten, während die Reallöhne bestenfalls stagnieren. In eine klein- und mittelständischen Wirtschaft existieren solche Möglichkeiten für die Unternehmen gar nicht, die die Konzerne heute haben. Schauen Sie sich dazu auch die Einkommens- und Vermögensentwicklung an bzw. die sich weltweit zunehmend öffnende Schere. Das ist es, was die gegenwärtig auf vielen und vor allem globalen Märkten gegebenen Marktvoraussetzungen produzieren.

      Viele Grüße
      SLE

      • Tappy - 4. Juli 2014

        Hallo SLE,

        tut mir leid, aber Sie haben mich nicht überzeugt.
        Back to the basics:
        Jeder Produktpreis setzt sich zu 100% aus Einkommen zusammen. Aus Unternehmereinkommen und aus Lohneinkommen. Und das ist völlig unabhängig von Marktstadium, -konstitution oder Wettbewerbseffizienz.
        Sie sagen es doch in Ihren letzten beiden Sätzen der Antwort selbst.
        Die relevante Frage ist letztlich nur zu welchen Verhältnissen werden Löhne und Gewinne aufgeteilt? Oder anders formuliert: Welchen Gewinnanteil kann ein Unternehmer “durchdrücken” gegen die Belegschaft und seine Lieferanten?

        • SLE - 4. Juli 2014

          Hallo Tappy,

          ja, ich gebe Ihnen Recht. Allerdings drückt die prozentuale Verteilung vom gesamten Einkommen bezogen auf den Produktpreis doch nichts darüber aus, wie hoch dieser absolut in einem konkreten Fall ist und inwieweit er durch effektiven Wettbewerb zustande gekommen ist. Ihre Rechnung stimmt ja auch für Monopolpreise.

          Ferner ist die Frage, ob es eine Schiefe in der Verteilung von Einkommen und Unternehmereinkommen gibt, ganz sicher nicht unabhängig von den marktstrukturellen Gegebenheiten und dem Reifegrad eines Marktes zu sehen. Geanu das ist ja auch ein ganz wesentlicher Grund für die heute so weit geöffnete Schere bei Einkommen und Vermögen.

          Anders ausgedrückt hat das mit der Machtbalance zu tun. Diese verschiebt sich im Zuge der Marktentwicklung, was unmittelbar einsichtig ist, wenn man die in der Reifephase dominierenden Oligopolisten als Gewinner und zunehmend als “ewige” Gewiner des Marktentwicklungsprozesses sieht. Die wirken auf die auf Märkten abgreifbaren Profite wie ein großer Staubsauger und ebenfalls zum Teil mit aufgesaugt und an die Eigentümer ausgeschüttet werden Lohneinbußen sowie durch Entlassungen eingesparte Lohnkosten.

          Das alles ist ein Resultat der Veränderungen der Gegebenheiten auf Märkten und vor allem auch des Wettbewerbs selbst im Zuge der zeitlichen Entwicklung. Wenn wir heute mithin sagen, wir hätten eine Art Raubtierkapitalismus, dann ist das nichts anderes als ein Ausdruck für diese – durchaus typischen – Veränderungen.

          Viele Grüße
          SLE

          • Tappy - 5. Juli 2014

            Hallo SLE,

            ich bin nicht sicher ob ich verstanden habe auf was Sie im ersten Absatz Ihrer Antwort hinaus wollen.

            Dass die Rechnung auch für Monopolpreise stimmt und die prozentuale Verteilung der Einkommen nichts über den Produktpreis aussagt ist doch unerheblich für die Frage ob die Löhne “gerecht” sind. Weil der Quotient aus Löhnen und Gewinn eines Unternehmens nicht fix festgelegt ist. Es gibt ja genug Beispiele bei denen in Monopolen oder Oligopolen eben kein Lohndumping betrieben wird. Auf was die prozentuale (Ungleich-)Verteilung der Einkommen jedoch Einfluß hat ist makroökonomisch das Preisniveau und damit auf die relevanten Kriterien Reallöhne und Kaufkraft.

            Die Frage nach dem Marktstadium spielt dabei sicher auch eine Rolle, ganz platt ausgedrückt: In jungen Märkten wird am Produkt gearbeitet, während in ausgereiften Märkten am Absatz gearbeitet werden muß.
            (Was dabei allerdings unberücksichtigt bleibt ist die Tatsache, dass ausgereifte Produkte auch einen höhere Produktivität bei ihrer Nutzung besitzen als ihre Vorgängermodelle zu Zeiten als der Markt noch unausgereift war. Ihr Beispiel Microsoft belegt das exemplarisch)
            Der Quotient aus Löhnen und Gewinn eines Unternehmens wird da bestimmt durch den Konkurrenzdruck von außen und den produktionsqualitätbedingten Kosten von innen, deren Verhältnis sich mit der Marktreifung durchaus verschieben können.

            Jetzt kommt jedoch das große “aber” der kausalen Abläufe: Der Konkurrenzdruck von außen durch den Markt, unabhängig von seiner Konstitution, wirkt nur auf die Summe aus Löhnen und Gewinn eines Unternehmens. Der Druck auf die Löhne allein resultiert jedoch aus dem Gewinnmaximierungsstreben innerhalb des Unternehmens. Und das hat wiederum die lohndrückenden Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt und die Nachfrage nach Arbeitskräften.
            Das heißt aus meiner Sicht: Der Reifegrad von Märkten ist lediglich “gewachsene Umweltbedingung” für die Produktion aber keine originäre Ursache für den Lohndruck.

            Zufällig ist gestern unter
            http://www.flassbeck-economics.de/aufgelesen-bei-joseph-stiglitz/
            ein Artikel erschienen, der dieses Thema auch streift. Unter anderem wird dort gesagt “…Insofern ist es kein Zufall, sondern vollkommen logisch, dass eine insgesamt schlechte Lohnentwicklung mit einer zunehmenden Ungleichverteilung einhergeht…”
            Was für mich heißt: Der Grenznutzen eines Euros beim Lohnzuwachs ist höher als sein Grenznutzen als Gewinnzuwachs. Das entspricht meiner These von der steuerpolitischen Option zur “faireren” Entlohnung wenn man den gemeinschaftlichen Benefit der Steuerverwendung als “Grundeinkommen” für alle betrachtet.

            Beste Grüße

            • SLE - 5. Juli 2014

              Hallo Tappy,

              ich bewege mich nicht im neoklassischen Erklärungsrahmen, auch nicht im (rein) angebotstheoretischen und beziehe mich auch nicht auf die neoklassische oder klassische Wettbewerbssicht. Es dürfte schwierig sein, das auszudiskutieren, wenn sie die dynamische Marktheorie, die ich ansprach und auf die ich mich beziehe, nicht gut kennen. Kennen Sie die?

              Sie schreiben jedenfalls: “Der Reifegrad von Märkten ist lediglich “gewachsene Umweltbedingung” für die Produktion aber keine originäre Ursache für den Lohndruck.”

              Aus meiner Marktsicht ist es ein Kennzeichen der Reifung von Märkten, dass der Kostendruck steigt und dieser Kostendruck an die Arbeitnehmer weitergegeben wird. Das hängt mit der Wettbewerbsform zusammen, die auf reifen Märkten in der Regel vorherrscht. Nicht bei jeder Wettbewersform stehen Kosten im Zentrum. Wenn es einen innovativen Bruch auf einem reifen Markt gibt, sind die Kosten nicht mehr wettbewerbsentscheidend, weil sich dadurch bedingt die Wettbewerbsform ändert. Das heißt mit anderen Worten, Marktentwicklung und Wettbewerbsform wirken sich auf das Verhältnis von Löhnen zu Gewinnen aus.

              Wenn auf reifen, oligopolisierten Märkten Kostenwettbewerb vorherrscht, ist der Faktor “Arbeit” in erster Linie ein Kostenfaktor. In einem hoch innovativen, dynamischen Marktumfeld ist er das nicht. Und das schlägt sich in den Einkommen nieder.

              Viele Grüße
              SLE

  • dicke Bertha - 3. Juli 2014

    “das Aufbrechen der oligopolistischen Strukturen”

    Als Voraussetzung dafür müßten die USA und Europa das Patentunwesen abschaffen.

    Was passiert stattdessen, die Finanzmärkte sollen stärker dereguliert und ‘geistiges EIgentum’ stärker ‘reguliert’ (geschützt) werden.

    Tatsächlich wird Wettbewerb weiter eingeschränkt.
    Da die grossen Stückzahlen niedrige Produktionskosten unter dem Patentunwesen garantieren.

    Die niedrigen Löhne werden nach japanischem Vorbild in den nationalen Zulieferbetrieben gezahlt. Diese werden erpresst. Und in den Kostensenkungswettbewerb gedrückt. Während die Facharbeiterelite in den grossen Konzernen von der Politik geschützt wird. Dort werden hohe Löhne gezahlt. Und immer mehr einfache Tätigkeiten an die Zulieferer ausgelagert.

  • Bubblegum - 3. Juli 2014

    Veehrter SLE,

    1.ich kann mich nicht erinnern, bei dem Begriff Entlohnung die Eigenschaft angemessen verwendet zu haben. Ich habe nur aufgezeigt, dass ihre Aussagen den Popperkriterien nicht standhalten.

    2. Sie verknüpfen die Eigenschaften junge Märkte mit dynamisch. Was bitte schön ist den das
    Kriterium für einen jungen Markt? Die Neuheit seiner Produkte, das Alter seiner Anbieter und
    Nachfrager? Und seit wann bedeutet jung automatisch dynamisch? Gerade junge Märkte
    sind durch den Patentschutz stark monopolisiert oder oligopolisiert! Nach Ihrer These
    müßten die Löhne in diesen Branchen besonders niedrig sein! Können sie ehrlicherweise
    eine solche These weiter vertreten? Schauen Sie sich den reifen Markt für Vinyl-Schallplatten
    an! Seit Jahren entwickelt sich eine neue Dynamik bei den Umsätzen, auch für neuartige
    Abspielgeräte. Was also sind die genauen Kriterien für reife bzw. junge Märkte?
    Umsatz- Renditeentwicklung? Mitarbeiterzahl? Also bleiben deren Eigenschaften und
    Merkmale sehr nebulös, taugen damit auch kaum für eine sinnvolle Analyse und
    Diskussionsgrundlage! Darauf wollte ich aufmerksam machen!
    Viele Grüße Bubblegum

    • SLE - 4. Juli 2014

      Hallo Bubblegum,

      zum ersten Punkt kann ich nur sagen: o.k.

      Zum zweiten Punkt gehören zur Beschreibung eines “jungen Marktes” all jene Kennzeichen, die in der Industrieökonomik und der dynamischen Markttheorie angesprochen werden, also unter anderem dass sich Produkte und Produktionsverfahren am Anfang der Lernkurve befinden, dass es stark unterschiedliche Produktkonzepte gibt sowie häufige, signifikante Produkt- und Prozessinnovationen. Das heißt, es hat sich noch kein dominates “Produktdesign” und noch keine “best practise” durchgesetzt. Dies und anderes habe ich im Post aber auch schon angesprochen.

      Die Bezeichnung “junger Markt” ist eine verkürzte und vor allem exemplarische Darstellung des Sachverhalts, den ich angesprochen habe. Es geht nicht ausschließlich um jeweils komplett neue Märkte, sondern insbesondere um sich erneuernde oder – gemessen an den Marktverhältnissen und -kennzeichen – “verjüngende” Märkte. Das geschieht durch eine aufkommende stärkere innovative Dynamik und mithin insbesondere durch das Auftreten ökonomisch signifikanter Innovationen, wie z.B. Basisinnovationen. Sie dürfen mich bitte nicht dafür verantwortlich machen, dass sie die industrieökonomische Literatur nicht so gut kennen und auch die daynamische Markttheorie nicht.

      Das von Ihnen angesprochene “Problem” des Patentschutzes, ergibt sich nicht aus der Marktentwicklung, sondern stellt genau genommen eine – für die von Ihnen angesprochene Situation – unangemessene Intervention oder Rahmensetzung dar. Das Problem ist i.d.Z. ja generell, dass bedingt durch die Mängel in der herrschenden ökonomischen Lehre (insb. die Nicht-Berücksichtigung der Entwicklung) die Vorstellung vorherrscht, bestimmte Maßnahmen seien generell gut oder schlecht für die Marktwirtschaft und für alle Marktteilnehmer müssten zu jeder Zeit dieselben Regeln und Bestimmungen gelten. Letzteres wäre richtig, wenn Markt und Wettbewerb selbstregulierend wären und unabhängig von zeitlichen (Entwicklungsstadium) sowie räumlichen Gegebenheiten (wirtschaftliche Disparitäten). Dem ist aber nicht so und diese Unterschiede und vor allem Ungleichgewichte lösen sich auch nicht von selbst auf. Also sind differenzierende Maßnahmen und bestimmungen mitunter absolut erforderlich. Das gilt auch mit Blick auf den Patentschutz.

      Viele Grüße
      SLE

  • maki - 4. Juli 2014

    Ist es nicht falsch, von einem “gesetzlichen Mindestlohn” zu reden?

    Ein wichtiger Grundsatz lautet doch: vor dem Gesetz sind alle Menschen gleich!

    Da der Mindestlohn für gewisse “Menschen” nicht gültig ist, ist der Begriff “gesetzlicher Mindestlohn” doch eigentlich falsch.

    Genau so gut könnte man einen “gestzlichen Mord” vorbringen, bei dem gewisse Leute einen Mord verüben dürfen und andere nicht.

    • Skyjumper - 4. Juli 2014

      “Genau so gut könnte man einen “gestzlichen Mord” vorbringen, bei dem gewisse Leute einen Mord verüben dürfen und andere nicht.”

      Wenn wir uns nicht zu explizit an der Definition für Mord festhalten ist es doch auch so. Polizisten, Militär und weitere Ordnungskräfte sind gesetzlich legitimiert unter bestimmten Voraussetzungen zu töten.

      Und der von Ihnen benannte Grundsatz ist doch heutzutage löchriger als ein Fischernetz. Ohne hier auch nur annährend einen Beweis antreten zu können würde ich auch behaupten wollen, dass dies noch nie wirklich umgesetzt war.

  • Holly01 - 4. Juli 2014

    Hallo,
    die Preisfindung für den Faktor “Arbeit” funktioniert nicht, weil es keine freie Preisfindung gibt.
    Die Politik tut seit den 70ern alles, um das Angebot an Arbeit zu erhöhen.
    Die Industrie tut alles, um die lokalen Arbeiter gegen “Billiglohnländer” auszuspielen.
    Billig ist nie billig genug.
    Die billigen Arbeiter haben aber keinerlei Vorteile. Die “Preisfindung” in diesen Ländern ist ebenfalls massiv gestört, denn dort werden die Gesellschaften mit “Investitionen” und “Arbeitsplätzen” erpresst.
    Die Bulgaren und Rumänen in Europa können das hohe Lied der Märkte im Choral singen.

    Mit TTIP sollen aber Schleuser legalisiert werden, damit die billigen Arbeiter monatelang in Containern gehalten und wie Nutzvieh ausgebeutet werden können.

    Wir haben ein grundsätzliches Problem mit unserem Menschenbild und daraus resultieren mit dem “gerechten Preis” für Waren und Dienstleistungen.
    So lange jemand schreiben kann 3€ für Nahrung sind für ein H4 Kind genug, weil die Eltern ja Wurfmaschinen sind, denen es auch nichts ausmacht, so lange sind wir eine asoziale Gesellschaft.
    Eine asoziale Gesellschaft wird keinen “gerechten” Preis für Arbeit bilden.
    Eine asoziale Gesellschaft bootet die Leute aus, spielt sie gegeneinander aus und treibt sie mit Ideologie gegeneinander.
    Die Preisfindung ist nur durch das pure kurzfristige Verhungern begrenzt.

    H4 bedeutet Alterarmut und Sozialverlierer. Das interessiert die Leute die sich über Sozialtransfer aufregen einen Scheiss. Da ist Sozialtransfer ok.

    Eine Rente wurde eingeführt, weil die Arbeiter sonst nicht die Sicherungssysteme der Gemeinden und Landwirtschaften verlassen hätten.
    Ziel war es, daß jedem Arbeiter garantiert wird, nach einem Leben voller Arbeit, an dem Punkt an dem das körperlich nicht mehr geht, ein Auskommen zu haben.

    Schon damals war das dem Kapital nicht zu vermitteln.
    Das ist der Grund für die staatliche Absicherung.

    Alle Alternativsysteme haben sich auch als langfristiger Betrug herausgestellt.
    Lebensversicherungen werden gerade rasiert (private Vorsorge).
    Riestern ist ein Witz.
    Betriebliche Sozialkassen sind Betriebsbesitz und werden früher oder später geplündert.

    Bewährt hat sich ausschliesslich das Umlagesystem und das hat die SPD im Auftrag von Bertelsmann verraten und zerstört und gleichzeitig die Arbeit weiter entwertet.

    Die Politik ist ebenso asozial wie die Arbeitgeber. Da sitzen die gleichen gleichgültigen Profitmaximierer wie bei den Banken, die für sich keine gesellschaftliche Verantwortung sehen.

    Arbeitsmarkt ….. alleine das Wort ist ein Hohn.

  • Holly01 - 4. Juli 2014

    Genau dieses Menschebild benötigt man auch, um wieder Menschen in Kriegen verheizen zu können.
    In der Soziologie und Gesellschaftlehre gibt es einen Fachausdruck für die Betreiber solcher Entwicklungen:
    “moralisch abgestumpftes asoziales Dreckspack”
    kann man gurgeln.

  • Chotschen - 4. Juli 2014

    Hallo SLE.

    Ich finde ihr Argumentation geht leider an dem Kern der Sache vorbei.

    Meiner Meinung nach ist das Ganze etwas einfacher. Es geht vor allem um die Verhandlungsmacht des Arbeitnehmers, aber auch in einigen Fällen um die subjektive Wertschätzung durch den Arbeitgeber. Verhandlungsmacht (Vor allem Konkurrenz zwischen Bewerbern um einen Job) wird beeinflusst durch die Höhe der Arbeitslosigkeit, spezielle Praxiserfahrung/Berufsausbildung und die tendenzielle Mentalität der Berufsgruppe (Personen in sozialen Berufen sind z:B. oft idealistisch und nicht sehr aufmüpfig gegenüber ihren Arbeitgebern). Die subjektive Wertschätung hängt natürlich von der Art des Arbeitgebers ab, aber auch von den Wettbewerbsbedingungen, denen ein Arbeitgeber ausgesetzt ist. Je härter der Wettbewerb bei den Gütern ist, desto eher wird man dazu gezwungen, auch Druck auf die eigenen Leute zu machen, niedrige Löhne zu akzeptieren.

    So sehr ich auch ein Freund der Förderung kleiner & mittlerer Unternehmen bin, die Art der Wettbewerbsstruktur hat eher negative Auswirkungen auf die Lohnhöhe. Neue Unternehmen mit großen innovativen/neuartigen/speziellen Gütersegmenten mögen sicherlich oft eine gewisse Praxiserfahrung verlangen, die so speziell ist, dass sie ihren neuer Arbeitnehmern ein entsprechend hohes Gehalt zahlen müssen, um sie nach dem Einarbeiten zu halten (Also die Verhandlungsmacht von in neuen Gütermärkten eingearbeiteten Arbeitnehmern, die fast keine Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt haben, ist sehr hoch). Doch es ist sehr “träumerisch” so glauben, dass Wettbewerb automatisch etwas mit großer Innovation zu tun hätte, der dann sofort der Arbeitnehmern zugute kommt. Hoher Wettbewerb kann noch sicherstellen, dass die Unternehmer ihre Gewinnmaren nicht beliebig erhöhen können, so dass die Preise nicht zum Nachteil der Lohnempfänger erhöhten werden können, aber Verzerrungen innerhalb der Lohnstruktur kann man so nicht bekämpfen.

    Der Grund, warum es viele Oligopole gibt, hat auch gerade damit zu tun, weil es auf vielen Märkten einfach keine großen Innovationsspielräume gibt (oder zumindest keine Innovationen, die sich gut verkaufen können), so dass es dann einfach irgendwann ein paar Große Unternehmen gibt, die auch genug Geld aufbringen können, um teure Anschaffungen zu tätigen, die wirtschaftliche Produktion heute fast immer abverlangt. Aber eigentlich hätte ich das gar nicht erzählen zu brauchen, denn es kommt immer darauf an, wieviel Konkurrenz der Arbeitnehmer hat, und welchen Spielraum ein arbeitnehmerfreundlicher Arbeitgeber unter den Voraussetzungen seines Marktes hat, um seine Mitarbeiter zu bezahlen. Dieser Spielraum wird jedoch um so kleiner, je härter der Wettbewerb auf einem Markt ist, weil die freundlich gesonnen Unternehmer dann möglicherweise unter einem solchen Kostendruck stehen, dass sie ihre soziale Ader nicht dauerhaft durchhalten können.

    • SLE - 4. Juli 2014

      Hallo Chotschen,

      in vielen Punkten stimme ich Ihren Argumenten und ergänzenden Erläuterungen zu. Aber woher kommt denn der große Druck auf die Arbeitnehmer? Er kommt daher, dass Märkte reifen und an die Grenzen ihres Nachfragepotenzials gelangen, das von großen Oligopolisten ausgeschöpft wird, die ihre einmal erreichte Marktposition abzusichern versuchen – vor allem auch gegen neue, innovative Wettbewerber.

      Deswegen gibt es auch das Problem von Schubladen-Patenten, das heißt, es wird nicht alles innovativ umgesetzt, was eine echten Verbesserung aus Sicht des Kunden darstellt. bedingt durch die Marktmacht und die überlegenen finanziellen Ressourcen ist es für große Oligopolisten auch viel einfacher, ihre Marktposition im Preis- und Kostenwettbewerb zu verteidigen. Da kommt kein kleines und mittelständisches Unternehmen mit. Im Ergebnis gibt es auf solchen Märkten – also bedingt durch die Verteidigungsstrategie der Oligopolisten – eine Art “Innovationsstau”. Das heißt, die Märkte “verkrusten”, aber der Kostendruck bleibt und der wird an die Zulieferer und an die Beschäftigten weitergegeben und spült letzten Endes dann doch immer mehr “entbehrlich” gewordene Arbeitskräfte aus dem System.

      Das heißt, auf ausgereiften und seit längerem oligopolisierten Märkten zahlen die Arbeitnehmer den Preis für die Verteidigungsstrategie der großen Oligopolisten. Denn dadruch wird das Heer der Arbeitslosen groß und größer und die Löhne oder stagnieren bestenfalls.

      Das nennen Sie “je härter der Wettbewerb … ist, desto eher wird man gewzungen, auch Druck auf die eigenen Leute zu machen, niedrige Löhne zu akzeptieren”.

      Ich nenne es volkswirtschaftlich gesehen ineffektiven oder nicht wirksamen Wettbewerb. Denn wenn Wettbewerb so funktioniert, was mit den Marktgegebenheiten und dem drauf bezogenen Handeln der Politik zusammenhängt, dann bekommt eine Volkswirtschaft auf Dauer Wachstums- und vor allem Beschäftigungsprobleme. Der Mindestlohn ist m.E. keine adäquate Antwort darauf.

      Allerdings haben Sie völlig recht, dass in mittelständischen Unternehmen nicht dieselben hohen Löhne gezahlt werden wie in Großunternehmen. Andererseits muss man erstens bedenken, wie viele denn überhaupt von diesen hohen Löhnen profitieren und was sie dafür selbst bezahlen müssen (z.B. gesundheitlich infolge von Arbeitsbelastung und Stress). Zweitens möchte ich zu bedenken geben, dass etwa selbst der DGB bei der beschäftigung die lohnhöhe nicht über alles stellt. Im Gegenteil gibt es beim DGB – gerade wegen des von mir angesprochenen ersten Punktes – sogar eine Definition für “Gute Arbeit”, die eine reihe von nicht-monetären Indikatoren umfasst.

      Viele Grüße
      SLE

      • Chotschen - 4. Juli 2014

        Vielen Dank für ihre Stellungnahme.

        Wenn es Ihnen um den Punkt geht, dass durch Oligopolmärkte Markteintrittsschranken entstehen, die den Eintritt von Wettbewerbern behindern, die eventuell auch verstärkt forschen würden, dann kann ich ihn insofern zustimmen, dass dadurch sicherlich Investitionen (Sowohl durch den Markteintritt in Wirtschaftsstrukturen, aber auch durch Forschungsinvestitionen) verhindert werden oder ausfallen, die ansonsten die Arbeitslosigkeit niedriger gehalten und den Druck am Arbeitsmarkt abgebaut hätten. In diesem Fall wäre es aus der Sicht der Politik ratsam, Möglichkeiten zu schaffen, um Wettbewerb zu fördern. Auch deshalb, weil diese Investitionen bei bestehenbleiben dieser neuer Wettbewerbsmärkte dauerhaft stattfinden könnten, so dass es man nicht auf absehbare Zeit mit einem Einbruch der Investitionen rechnen muss, es also nicht nur einen Einmaleffekt gibt.

        Trotzdem würde ich auch in diesem Fall überlegen, wie groß die realistischten Effekte sein könnten, die durch effektiveren Wettbewerb entstehen würden. Unternehmen, die auf ein recht umfangreiches Sachvermögen angewiesen sind, kann man nicht so einfach aus dem Boden stampfen, so dass auch der realistischen Unternehmensförderung Grenzen gesetzt sind. Die Frage ist zudem, ob durch etwas höhere Innovationen in bestimmten Märkten, diese Märkte auch direkt mehr Güter verkaufen können. Entsteht im Pharmabereich z.B. ein neues Unternehmen, dass innovativer ist, als ein Großunternehmen, so dass es dem Großunternehmen Marktanteile wegnimmt, steigt die Nachfrage nach Medikamenten insgesamt kaum bis gar nicht. Dann wäre auch ein Teil der Investitionskosten, die die neuen Unternehmen zum Aufbau ihrer Strukturen vornehmen, nicht wirklich produktiv, sondern nur dazu da, um die größeren Unternehmen zu verdrängen. Man tauscht also nur Arbeitsplätze von großen zu kleineren Unternehmen. Auch muss man sich fragen, wieviele Märkte realistisch in einen “besseren” Wettbewerb versetzt werden können. Wenn man effektiv nur realtiv wenige Märkte mit jeweils nur etwas höheren Investitionen anregen kann, wäre es sicherlich ein Punkt im Kampf gegen Arbeitslosigkeit und die schwache Lohnentwicklung, den ich auch begrüßen würde, aber als Allheilmittel gegen die Investitionsschwäche und Arbeitslosigkeit würde ich ihn nicht bezeichnen.

        Um ehrlich zu sein, ich persönlich glaube sogar, dass die Wirtschaftspolitik an einem Punkt angelangt ist, an dem der Pool an attraktiven Investitions- & Innovationsmöglichkeiten unabhängig von dem angesprochenen Verbesserungspotential deutlich erschöpft ist, was auch ein wenig an dem schwachen Produktivitätswachstum im Vergleich zu früheren Zeiten ablesbar ist (zumindest vorübergehend erschöpft, solange keine neuen Ideen aufkommen, die umgesetzt werden können). Das Problem ist, dass selbst in einer Zeit der Vollbeschäftigung es immer Unternehmen/Branchen geben kann, die mit ihren Investitionen die Wirtschaft angregen, sie diese Investitionen aber irgendwann ausgesetz müssen, weil sie nicht mehr profitable sind. Gibt es diese Teile und brechen solche Teile der Wirtschaft samt Belegschaft weg, ohne, dass jemand auf absehbare Zeit für irgendetwas mehr Geld aufnimmt, um dieArbeitslosen wieder einzustellen, ist die Arbeitslosigkeit vorerst nicht mehr wegzubekommen. Man muss es irgendwie schaffen, den Anteil der Beschäftigung, der durch Unternehmen mit absehbaren Überinvestitionen gehalten wird, zu reduzieren, und ihn durch nachhaltige Ausgaben ersetzen. Das ist aber schwer möglich, weil es keinen Automatismus gibt, der die Wirtschaftsteilnehmer zum Geld ausgeben mobilisiert, es immer Unternehmen mit mehr oder weniger riskanten Investitionen gibt und auch eine wirtschaftspolitische Absprache unter Nationen erfolgen müsste, damit man in dieser Hinsicht vernünftige Rahmenbedingungen setzen kann. Das Wirtschaftssystem ist meiner Meinung nach leider einfach zu instabil, um ein dauerhaftes Allheilmittel gegen Arbeitslosigkeit finden zu können.

        Ansonsten haben sie natürlich mit Ihrer indirekten Aussage Recht, dass es langfristig gesehen vorteilhaft wäre, den Druck auf Einkommen durch einen Abbau von Arbeitslosigkeit zu bekämpfen. Doch so lange man kein Patentrezept gegen die Arbeitslosigkeit gefunden hat, empfinde ich Mindestlöhne und Tarifverträge als sinnvolle Möglichkeit, um den Druck auf die Einkommen abzufedern.

        • Skyjumper - 4. Juli 2014

          Wie wärs denn mit folgender Stammtischweisheit:

          Der Staat hält sich einfach zurück, was in diesem Fall zunächst einmal bedeuten würde, dass er die aktive Unterstützung von Einwanderung (ich spreche nicht von Asylrecht) stoppt. Bei dem behaupteten Fachkräftemangel würde das die Verhandlungsposition der Fachkräfte nämlich durchaus stärken. Und höhere Löhne im Fachkräftesegment ziehen meist auch die unteren Lohnsegmente nach.

          Das löst das zugrundeliegende Problem der Wettbewerbsfähigkeit natürlich nicht, wäre aber ein genauso kurzfristig hilfreiches Pflaster wie gesetzliche Mindestlöhne und das ohne einen weiteren Staatseingriff in einen Markt.

        • SLE - 6. Juli 2014

          Hallo Chotschen,

          Ihre Argumentation ist nachvollziehbar. Wenn man einmal davon ausgeht, dass die Finanzkrise gezeigt hat, wie unzureichend die klassische liberale und die neoklassische Lehre die wirtschaftliche Realität erklären, dann müssen wir wohl anerkennen, dass wir die Wirkungszusammenhänge – auch wenn wir auf andere Erklärungsansätze zugreifen (können) – bisher und vielleicht auch nie exakt verstehen werden. Sie könnten also mit Ihrer Einschätzung richtig oder irgendwo in der Nähe der Wahrheit liegen – vielleicht. Ich sehe es, wie dargelegt, etwas anders.

          Aber noch mal zurück zu ihren Ausführungen. Sie fragen im Kern, was der Vorteil eines Umbaus der Wirtschaft (keine engen Oligopole, sondern mehr KMU) wäre. Ein völlig berechtigte Frage, die man ganz gewiss nicht in allen dabei zu berücksichtigenden Punkten positiv beantworten kann -abgesehen davon, dass wir – wie zuvor gesagt – es ex ante nicht wissen.

          Deswegen versuche ich es einmal mit einem Bild zu verdeutlichen und hoffe nur, es ist einigermaßen passend und hilft, sich die Unterschiede vorzustellen.

          Stellen Sie sich zwei Bäume vor, deren Wachstum sie über einen langen Zeitraum nicht nur beobachten, sondern in das Sie auch selbst (wie der Staat in die Wirtschaft) eingreifen.

          Dieses Eingreifen besteht darin, dass Sie die Bäume immer wieder gezielt beschneiden.

          In einem Fall legen Sie es dabei darauf an, dass der Baum von allen kleinen Asten immer wieder “befreit” wird, damit Sie im Zuge das Wachstums einen Baum mit wenigen, besonders starken Ästen bekommen.

          Im anderen Fall beschneiden Sie den Baum so, dass es dadurch immer mehr, immer neue Verzweigungen gibt, weil Sie einen Baum mit einer buschigen, weit verzweigten Krone haben wollen.

          Es mag sein, dass der erste Baum vielleicht höher ist. Aber ist er stabiler, ist er lebensfähiger? Es er krisenresistenter. Trägt er besser oder – nehmen wir an, es ist ein Obstbaum – versorgt er uns besser?

          Sie können sich selbst weitere Fragen ausdenken. Ich denke, es kommt für uns darauf an, dass wir die Wirtschaft nicht mehr als ein mechanistisches Räderwerk sehen – denn das ist sie nicht. Soziale und kulturelle Prozesse spielen darin eine viel größere Rolle, als uns die führenden Ökonomen suggerieren.

          In diesem Punkt kann ich nur Skyjumper zustimmen.

          Was für eine Wirtschaft wollen wir also? Auf welche Eigenschaften kommt es uns an, auf welche Resultate der Prozesse? Und ganz wichtig: Auf was sind wir bereit, zu verzichten, denn ein Umbau in der angesprochenen Weise – weg von den engen, oligopolistischen Strukturen – hat ihren Preis. Das steht außer Frage.

          Ich will das nicht weiterführen, sondern lasse es an dieser Stelle einfach offen.Denn das kann niemand für uns entscheiden oder “vorkauen”. Darüber muss sich jeder selbst Gedanken machen und sein Urteil fällen.

          Viele Grüße
          SLE

  • Rolmag - 4. Juli 2014

    “Angesichts solcher Marktgegebenheiten bzw. der fortgeschrittenen Entwicklung/Aus­reifung vieler Märkte stellt sich Wettbewerb heute – sofern er nicht schon mehr oder weniger ausgeschaltet wurde – überwiegend als harter Kostenwettbewerb dar. Dass die Politik diesen zusätzlich noch massiv fördert, ist kontraproduktiv und macht den Mindestlohn zu einer Farce.”

    Und vor allem ist das pures Gift für die Innovationsfreudigkeit und Motivation der Mitarbeiter.

    Meiner Meinung nach zeigt das die gesamte Unfähigkeit der Politik in einem selten eindrücklichen Maß, sich so aufopferungsvoll um die Banken und Versicherungen zu kümmern, die weit über den Rest der Wirtschaft zu stellen. Hauptsächlich vermutlich weil die Politik dort Unsummen für ihre zunehmend wirren Zeile abfasst und weil sie keine Ahnung haben wie schnell man heutzutage weg vom Fenster ist, wenn man nur ein paar Jahre verschläft. Die erbärmlichen F&E-Unterstützungsprogramme für den Mittelstand, die kaum einer annimmt, weil dann die Entwickler über Monate fehlen und der Staat ultraumfassend informiert werden soll, am besten per allgemeiner Veröffentlichung, zeigen doch ganz unmittelbar, welche Mutanten uns regieren.

    Problem halbwegs erkannt und auf die schlechtestmögliche Weise “gelöst”.

  • JK - 4. Juli 2014

    Wenn also die Symptome kuriert werden sollen, dann muss zuerst die Agenda 2010 rückabgewickelt werden und der neuen Wirklichkeit angepasst werden.

    1. Der Staat muss da Steuern erheben wo viel Geld ist. Beim Vermögen. Siehe auch sinkender Beitrag der Einkommen am BIP.
    Vermögenssteuern sollten bei hohen Vermögen schmerzhaft sein, rückwirkend erhoben werden können und für europ. Staatsbürger weltweit eingetrieben werden, nötigenfalls auch durch Kapitalverkehrskontrollen (siehe Island) am abfließen gehindert werden.
    Ein Arbeitnehmer lässt sich beim Einkommen ja auch in die “Karten gucken”, für leistungslose Vermögenseinkünfte sollte das erst Recht gelten.

    2. Da ich Vollbeschäftigung für Illusion halte muss es ein Sozialsystem geben, das jedem Menschen ein würdiges Leben ermöglicht. Bereits für den Konsum werden alle gebaucht. Durch die Besteuerung von Vermögen sollte ja genug Geld da sein.

    3. Beitragsbemessungsgrenze anpassen. Alle einzahlen lassen. Renten erhöhen (vor allem das Rentenniveau wieder auf die mindestens 60% erhöhen), Kranken- un Pflegeversicherung stabilisieren. Wer darüberhinaus gerne am Finanzmarkt mit seiner privaten Rente spielen will darf das ja gerne tun.

    Wir stärken den Binnenmarkt und mit den neuen Staatseinnahmen stocken wir zu niedrige Gehälter auf.
    Die Unternehmen haben es schließlich nicht hinbekommen höhere und/oder menschwürdige Löhne für ihre Angestellten zu zahlen, also übernimmt das ab jetzt der Staat.

    Sehe ich das falsch? Zuviel Utopie?

    • Skyjumper - 4. Juli 2014

      “Sehe ich das falsch? Zuviel Utopie?”

      Solange Sie das auf freiwilliger Basis, von mir aus auch noch gekoppelt an den Lebensmittelpunkt, umsetzen, kann ich Ihren Ausführungen gerade noch so folgen. Ich würde Sie nicht richtig finden, aber ich kann mich dem ja noch entziehen. Insofern ist es meine Wahl ob ich mich den Verhältnissen unterstellen möchte oder nicht.

      Aber das hier:

      “………..und für europ. Staatsbürger weltweit eingetrieben werden, nötigenfalls auch durch Kapitalverkehrskontrollen…….”

      Warum wollen Sie mir nicht gleich schwarz-weiß gestreifte Kleidung anziehen, ein solides Kettenstück zwischen die Fussgelenke schmieden und gut ist? Wundern Sie sich aber bitte nicht wenn ich versuchen sollte zu fliehen und Ihnen beim Fluchtversuch mit Freuden den Schädel einschlagen möchte.

      Nein, im Ernst: Ich dachte solche Methoden der Volkskontrolle hätten wir mit dem Zusammenbruch der DDR und des Ostblocks erfolgreich abgeschlossen.

      • JK - 10. Juli 2014

        US-Bürger sind mit ihrem weltweiten Einkommen in den USA steuerpflichtig und sogar die Abgabe der US-Staatsbürgerschaft kann für den Steuerflüchtling sehr kostspielig werden.

        Ganz ruhig bleiben ;)
        Mein Vorschlag führt also keineswegs in einen völligen Überwachungsstaat. Aber wenn sich ein Hartz4-Empfänger vollständig entblößen muss um ein ihm zustehendes Recht zu erlangen, dann kann ich das auch von Super-Reichen fordern deren Vermögen ich als unmoralisch bezeichnen würde.

  • MFK - 4. Juli 2014

    Guter und wichtiger Diskussionsbeitrag von SLE. Fakt ist wohl, dass die Preisfindung auf dem Arbeitsmarkt jedenfalls derzeit gestört ist. Dieses auf oligopolistische Strukturen zu schieben erscheint mir jedoch nicht zwingend zu sein. Tatsache ist, dass sich der Kapitalismus in der Nahrungskette nach unten frisst. Friseurketten gab es meines Wissens in den Anfangszeiten der Bundesrepublik nicht, Mister Minit Schuhreparaturen, Heizungsablesungsfirmen auch nicht. Diese Firmen arbeiten billiger als der alte Friseur- oder Schuhmachermeister. Dieses führt dazu, dass auch diese unter Preisdruck geraten. Oligopolistisch würde ich diese Industrien jedoch nicht nennen. Dafür ist deren Marktanteil zu gering. Sie haben allerdings zu erheblichen Preisdruck geführt. Nun sind diese beispielshaft angeführten Industrien allesamt nicht ins Ausland verlagerbar. Dieser Umstand kann also keine Auswirkungen auf das Marktversagen haben. Meines Erachtens kommt hier der Staat ins Spiel. Mit einer Staatsquote von ca. 50% wird einfach zu stark auf den Markt eingegriffen. der Handwerker, der privat eine andere Handwerksleistung einkauft muss erst einmal das doppelte dessen verdienen, was er dem anderen Handwerker bezahlt und bei dem kommt auch nur noch die Hälfte dessen an. Man kann aber jede Mark, die man verdient hat, nur einmal ausgeben. Das heißt, dass eine Dienstleistung, die nicht ins Ausland verlagerbar ist, auch zu einem Preis, von dem der andere leben kann, nicht unbedingt nachgefragt wird. Hinzu kommt jetzt die Öffnung der Arbeitsmärkte in der EU. Dieses führt zu einem weiteren Anpassungsdruck in den Ländern mit überdurchschnittlich hohen Löhnen, weil Arbeitskräfte aus Niedriglohnländern in diese Länder abwandern. Dieser Anpassungsdruck ist noch lange nicht ausgestanden, weil immer mehr Länder in die EU aufgenommen werden bzw. die Arbeitsbeschränkungen entfallen.
    Die Lösung dieses Problems? Da bin ich auch überfragt. Noch mehr staatliche Einflussnahme erscheint mir jedoch der falsche Weg.

  • BigBob - 4. Juli 2014

    Hier sind viele interessante Sachen gesagt worden, der Artikel ist auch eine interessante Sichtweise. Es bleiben aber auch viele Fragen ungeklärt.

    1. “Aufbrechen oligopolistischer Strukturen” – diese sind doch durch den Preisdruck überhaupt erst entstanden. Schauen Sie sich an wie viel Investitionen das Einführen einer neuen Automarke z.B. bei BMW kostet. Das kann kein kleines oder mittelständisches Unternehmen tragen. Im 19. Jahrhundert begann die Oligopolisierung, weil sie aus Effizienzgesichtspunkten richtig ist. Stichwort Hochöfen. Es ist einfach effizienter wenn ein großer Produzent riesige Anlagen besitzt und damit produziert, als dass jeder Handwerker sein eigenes Eisen herrstellt. Bei den großen Aktienunternehmen (Automobilindustrie, Software, Chemie- und Pharmaindustrie) sind einfach zu hohe Investitionen notwendig. D.h. die oligopolistischen Strukturen sind ökonomisch richtig (Lektüre: Ulrike Herrman “Der Sieg des Kapitals – wie der Reichtum in die Welt kam”). Der Artikel beginnt selbst mit der Aussage, dass Märkte nicht immer effizient sind und will dann doch über perfekte Märkte Effizienz herstellen. Das wird so nicht klappen.

    2. Ich bin zu jung (24 Jahre) um einschätzen zu können, ob es “früher” kein Lohndumping gab. Ich kann mir aber Zeitreihen angucken die mir Dinge sagen wie 1) die Reallöhne sind seit dem Jahr 2000 faktisch nicht mehr gestiegen oder damit in Verbindung 2) der Anteil der Löhne am Volkseinkommen ist im Vergleich zu den 1970ern von etwa 55% auf 45% gesunken. Zwei Seiten derselben Medaille. Offensichtlich wird mehr produziert, aber die Leute können sich nicht mehr leisten weil sie real nicht mehr verdienen. Deswegen verdient die Friseurin auch immer weniger (falls das denn stimmt): früher gabs einfach kein iPad für mein Geld zu kaufen, also ist anteilsmäßig mehr für die Frisur übrig geblieben. Je mehr Güter wir haben, ohne eine gleichartige Einkommenserhöhung zu haben, desto größer wird der Preisdruck. Und nachgeben muss dann der mit der schwächsten Verhandlungsposition.

    3. In Verbindung mit den Zahlen von oben fehlt noch etwas: wenn die Löhne bestenfalls konstant bleiben, der Anteil der Löhne am Volkseinkommen aber zurück geht, dann fehlt ja noch was: nämlich Einkommen durch Besitz. Und die sind gestiegen, auch während der Krise. Und weil genau wegen dieses Anstiegs verschärfter Preisdruck in den Unternehmen herrscht (siehe mein 2. Punkt) will das Geld auch niemand in der Realität investieren. Also ab damit ins Finanzkasino (denn Menschen, die von Einkommen aus Besitz leben haben schon alles konsumiert, was sie wollen): wie wir alle wissen ist die Geldmenge, die in der Finanzwirtschaft zirkuliert größenordnungmäßig 10mal so viel wie die Geldmenge in der Realwirtschaft, Tendenz steigend.

    Fazit: Oligopolistische Unternehmen sind aus Effizienzgründen nötig, stagnierende Lohneinkommen bei Wirtschaftswachstum erzeugen dagegen die Verwerfungen. Die gestiegenen Vermögen werden indes keinem gesellschaftlichen Nutzen zugeführt sondern zirkulieren in der halb-virtuellen Welt des Finanzkapitalismus.

    Vorschlag: Gesetze, durch die Wirtschaftswachstum wieder in die Menschen (Löhne) investiert wird und nicht in immateriellen Besitz (Geld an den Finanzmärkten). Und diese wären Stärkung der Verhandlungsmacht von Arbeitnehmern, z.B. durch Stärkung der Gewerkschaften, durch Entschärfung der Hartz-Gesetze (die mich zu Arbeit zwingen, egal ob sie fair entlohnt ist oder nicht), eine sinnvolle Reichensteuer (60000 Euro Jahreseinkommen für den Spitzensteuersatz ist ein Witz, das ist Mittelstand!), etc. Übrigens glaube ich nicht, dass es sich ökonomisch etwas nimmt ob ich Sozialhilfe ohne Arbeitszwang habe und dafür Reiche schröpfe oder ob ich einen Mindestlohn einführe und den Arbeitszwang beibehalte. Mit dem Unterschied dass die Leute ohne Arbeitszwang wahrscheinlich produktiver weil freier sind. Der Mindestlohn ist also nur ein rumdoktern an den Symptomen, aber wer nimmt bei großem Schmerz nicht erstmal Schmerztabletten, bis Heilung eingetreten ist?

    Also “ja” zum Mindestlohn, denn wir brauchen ihn. Er lindert die Not. Aber die Lösung des Problems, der Heilsbringer? Nein, das ist er wahrlich nicht.

    • SLE - 4. Juli 2014

      Hallo BigBob,

      danke für die umfangreichen Anmerkungen.

      Zu Ihrem ersten Punkt:
      Die oligopolitischen Strukturen sind genau genommen nicht durch den Preisdruck entstanden, sondern der Preisdruck entsteht infolge der Reifung eines Marktes. Das heißt, es ist eine Konsequenz der Lernkurve bei Produkten und Prozessen in Kombination mit der sukzessiven Erschließung des Marktpotenzials sowie der anschließenden Annäherung an die grenzen des Marktvolumens. Im frühen Abschnitt der Entwicklung eines Marktes sind Produkte und Prozesse noch stark verbesserungsfähig und zudem – was sehr wichtig ist – existieren meist konkurrierende Produktkonzepte und mithin auch unterschiedliche Produktionsverfahren. Im Zuge der Marktentwicklung kommt es zur Auslese und es setzt sich ein sogenanntes “Dominant Design” sowie eine “Best Practise” durch. Gutes Beispiel dafür, das jeder nachvollziehen kann: Autos! Sie sehen sich äußerlich sehr ähnlich, egal von welchem Hersteller sie kommen, sie verwenden ziemlcih genau dieselbe Technik mithin sogar dieselben Bauteile/Module und werden mit denselben Verfahren gefertigt. Es ist deswegen vollkommen klar, dass der Automobilmart ausgereift ist, dass es (nur noch) auf Effizienz und Kosten ankommt, um sich im Wettbewerb behaupten zu können. Das ändert sich dann, wenn beispielsweise Toyota mit seinem Brennstoffzellenauto (Markteinführung Anfang 2015) einen großen Erfolg landen würde. Es ändert sich möglicherweise aber auch, wenn die vielen kleinen Hersteller von Elektroautos in ihrer Nische sehr aktiv und sukzessive erfolgreicher werden.

      Zu Ihrem zweiten Punkt:
      Das widerspricht, wenn ich Sie richtig verstehe, meinen Ausführungen eigentlich nicht. Dass sich die Einkommens- und Vermögensschere weiter öffnet bzw. die Einkommens- und Vermögenskonzentration steigt, ist eine logische Konsequenz der Reifung und Oligopolisierung globaler Märkte (fortschreitender Unternehmenskonzentrationsprozess) auf breiter Front. Dass die Reifung und der Unternehmenskonzentrationsprozess inzwischen, das heißt nach drei bis vier Dekaden, in denen die Wirtschaftspolitik in allen Industriestaaten dies massiv gefördert hat, auf breiter Front, das heißt auf so vielen volkswirtschaftlich bedeutenden und globalen Märkten den Zenit erreicht hat, macht die Sache so problematisch.

      (Die Reallöhne in Deutschland stagnieren, wenn ich die Zahlen jetzt richtig im Kopf habe, sogar schon länger – seit Anfang/Mitte der 90er Jahre.)

      Zu Ihrem dritten Punkt:

      Das sehe ich auch so. Es ist aber – zu einem nicht unwesentlichen Teil – auch bedingt durch die gerade zuvor von mir angesprochene Ausreifung vieler bedeutender Märkte bedingt, dass das geld ins Finanzkasino fließt und der Derivatemarkt, der in weiten Teilen gar keinen Bezug mehr zur realwirtschaft hat, boomt. Die dadurch in den letzten Jahren erzeugten bzw. erzielten Profit haben das darunter liegende Problem ausgereifter realwirtschaftlicher Märkte und der damit verbundenen Probleme unglücklicherweise nahezu vollkommen in den Hintergrund rutschen lassen, so dass sie eigentlich niemand wirklich wahr, geschweige denn ernst nimmt.

      Zu Ihrem Fazit:

      Ihr Fazit ist m.E. nicht haltbar, spiegelt aber exakt das Denken unserer Politiker wider und erklärt damit auch, warum diese Politiker – zumindest viele – den Mindestlohn für eine adäquate Lösung halten. Nein, oligopolitische Unternehmen sind nicht nötig, sie werden nur – weil sich Ende der sechziger Jahre diese Vorstellung in den Wirtschaftswissenschaften und in der Politik in den Industriestaaten durchsetzte (Wettbewerbstheorie namens “funktionsfähiger Wettbewerb” bzw. “workable competition”) – für notwendig gehalten. Das Porblem damit ist, dass diese Vorstellung der Ökonomen bzw. die dahinter stehende Theorie vom wachstumsfördernden Wettbewerb auf Märkten, mit gravierenden Fehlern behaftet ist. Und genau deswegen geht die Rechnung heute auch nicht mehr sprich deswegen haben wir überall in den Industriestaaten mit Wachstumsschwäche, mit enormen wirtschaftlichen Ungleichgewichten, mit einer hohen Einkommens- und Vermögenskonzentration sowie anhaltender Instabilität unseres globalen Wirtschaftssystems zu tun.

      (Falls Sie das mit der Wettbewerbsvorstellung “funktionsfähiger Wettbewerb” nachlesen möchten, empfehle ich Ihnen meine Aufsätze hier im Blog (siehe in der Rubrik SLE oben auf der Seite) die Folgenden: “In der Wachstumsfalle” (3 Teile), Krisenstrategien ind der Sackgasse II sowie “Vom Problem der Überwindung der Rechts-Links-Logik” Teil 3 und 4)

      Viele Grüße und auch vielen Dank für Ihre Vorschläge
      SLE

      • n8igall - 4. Juli 2014

        @SLE & Big Bob:

        Ich wuerde behaupten, dass unreife (junge) Maerkte (und damit nicht-oligopolisch nach SLE) in der Regel ineffizienter sind (ausser vielleicht, wenn der Reifungsprozess sehr schnell war und keine Zeit fuer Effizienzsteigerungen da war). Ineffiziente Maerkte benoetigen jedoch mehr Arbeitskraft (im Verhaeltnis zu Produktionsmitteln) und die Arbeitskraft ist deshalb mehr Wert (hoeherer Lohn). So gesehen, waeren unreife Maerkte wuenschenswert fuer eine sozialere Verteilung. Diese Verteilung koennte jedoch auch erreicht werden durch politische Massnahmen (Verknappung der Arbeitskraft durch Begrenzung der Arbeitszeit, Mindestloehne, Besteuerung von hohen Einkommen, Besteuerung von hohen Vermoegen, Kappung von Vermoegen etc).

        Oligopolische Unternehmens-Strukturen sind verkrustet und hemmen daher in der Regel sicherlich staerker den wissenschaftlichen und technologischen Fortschritt und sind aus diesem Grund wenig wuenschenswert. In wenigen Faellen moegen sie noetig sein (sehr hoher Kapitaleinsatz noetig). Aber Maerkte kuenstlich unreif zu halten ist sicherlich auch nicht einfach und vielleicht auch nicht wuenschenswert.

        Als wichtiger als die Reduktion oder gar Zerschlagung der oligopolischen Unternehmensstrukturen, erachte ich jedoch die Reduktion der Vermoegensungleichheit (“oligopolische Privatpersonenstrukturen” gewissermassen).

  • mister-ede - 4. Juli 2014

    Die Diskussion um Wettbewerbsfähigkeit führt vielfach an der Kernproblematik vorbei. Die Senkung von Löhnen kann niemals eine Nachhaltige Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit hervorbringen, sondern lediglich eine generelle Absenkung des Lohnniveaus

    http://www.mister-ede.de/wirtschaft/taeuschung-der-relation/2377

    Veränderungen am Arbeitsmarkt sind:
    1. Schnellere Substitution von Technik und Wissen, schneller als der Mensch standhalten kann.
    2. Globalisierung, Wettbewerbsdruck erhöht sich.
    3. Technisierung, Digitalisierung. Einfache Tätigkeiten werden durch Technik ersetzt.

    http://www.mister-ede.de/politik/probleme-des-arbeitsmarktes/851

  • Erhard - 4. Juli 2014

    Ich will mal kurz auf das berüchtigte Friseurbeispiel eingehen, wo angeblich die Billiglöhne so nötig sind. In diesen Kettenläden werden Haarschnitte für 12-14€ angeboten (anfangs 10€), rund die Hälfte von dem, was handwerkliche Friseurläden vorher als billigen Standardschnitt hatten, andere Dienste wie Coloration, Strähnen etc. kosten zwischen 20 und 30€. Dafür sind die Läden auf hip aufgemacht und haben 10-15 Plätze, die aber nicht immer besetzt sind.

    Die dort Arbeitenden haben meist Minijobverträge, sie arbeiten einige Stunden am Tag und fertigen in dieser Zeit jede Stunde 3-5 Kunden ab. In “ruhigeren” Zeiten werden die meisten nach Hause geschickt. Oft müssen sie sich auf Handyabruf bereit halten.

    Jetzt erzähle mir bitte einer, wieso da keine 8.50€ Stundenlohn drin sein sollen. Ich empfinde das angesichts der Umsätze als Hungerlohn.

    Noch etwas zum “Argument”, der Mindestlohn nutze “dem Staat”, der dann weniger oder keine Aufstocker bezahlen müsse. Das ist wohl auch verdammt fair. Wieso soll jemand trotz Arbeit noch bei den Sozialkassen um Hilfe betteln müssen? Wieso fordert das Pack nicht gleich die Wiedereinführung von Kinderarbeit und Sklaverei?

    Was auffällt: in meinem Viertel mit mehreren zehntausend Einwohnern gab es früher eine Handvoll Friseursalons, meist mit Chef/in und ein paar Angestellten. Seit der “Liberalisierung” gibt es allein auf den vier Wohnblocks um meine Wohnung drei solcher Kettenfriseurläden. Die entstehen und vergehen ähnlich wie Handyläden.

    Damit wurden die alten Frisiersalons praktisch kaputtgemacht.

  • klaus - 4. Juli 2014

    Hallo an Alle.

    Es gibt KEINEN Mindestlohn.

    Es ist nur die von den ewigen CDUlern leidig geduldete Lohnuntergrenze.
    Frau Nahles hat Ihr Wort gebrochen um die Ruhe in der Koalition zu wahren.
    Damit der Sigi strahlen kann und Steinmeier der SPD zu Größe verhelfen kann.

    Pech haben exakt die Personen, die schon vorher in den “Arbeitsdienst”
    unter dem Mindestlohn mussten.
    Resultat sind junge Mädchen, die vom Jobcenter-Mitarbeiter wie in der
    Bild berichtet evtl. mit Sex gegen Job zahlen.
    Männer haben nix zum zahlen, denen bleibt die Kriminalität.
    Und folgt die nicht, ermittelt man nach anderen Einkommensquellen.

    Wollte man DAS abschaffen, müsste man den Arbeitszwang aus der
    der Eingliederungsvereinbarung des JobCenters streichen.
    Damit wären die Arbeitslosen und Hartz4ler auch aus der
    arbeitsdienstähnlichen Situation.
    NEIN, exakt das will exakt der wirtschaftskompetente CDUler nicht.
    Dazu melden sich immer die gleichen Gesichter.

    Ohne den Arbeitszwang würde sich der Lohn auch höher einpendeln.
    Auch hier hat die SPD versagt.

    Es bleibt also den Leuten mit Ausbildung nur die Möglichkeit
    des ökonomischen Prinzips.
    Gegebenen Lohn mit möglichst wenig Aufwand zu erreichen.
    Oder besser gesagt -
    So lange mein Chef behauptet er würde mich ordentlich bezahlen,
    mach ich, als ob ich ordentlich arbeite.

    Unzufriedenheit treibt die Jungen in die Großstädte.
    Andere planen die Abwanderung.
    Demographie und Landflucht treffen die Landbevölkerung
    in den nächsten Jahren erheblich.
    Es will keiner Fronarbeit auf dem Land machen.
    Und Intelligentere verzichten auf deutsches Obst,
    da man im Fernsehen mitbekommt, das bei diesen
    Bauern kein Mindestlohn gezahlt wird.
    Wozu sollte man deutsche Produkte kaufen,
    wenn man selbst auf der Billiglohnliste steht.

    Die letzte Phase der Schwarzgeld-Lokalisation ist
    in Kraft getreten. Die Kirchensteuer wird über die
    Bank entrichtet. Nur, wie geht das bei den
    Konfessionslosen?

    Es ist kein Geld mehr im Umlauf um kleine Kredite für
    Unternehmen zu bewilligen.
    Es fehlt Geld für den Wohnungsbau, die KFW wird
    genauer und gespart werden muß.

    An Krankenkassenkosten werden ein paar Euro gespart,
    an Lebensversicherung, usw.
    Und schließlich fordert Fr.LaGarde die Schulden über
    Lebensversicherung/Rente und Bundesanleihen mit
    evtl. Umwandlungsoption auf 30 Jahre und Ähnlichen
    Spielchen, zu tilgen.
    Bankenrettung durch den Sparer also.

    Im Moment sparen wir, um uns die Ukraine-Problematik leisten
    zu können.
    Die Russen verkaufen Gas nur noch gegen Euro /Renminbi/…
    und lassen den Dollar links liegen.
    Die überschüssige Dollarmenge wird auch noch für
    Furore sorgen.

    Und da nix übrigbleibt, soll der kleine Arbeitnehmer die
    Subvention für seinen Grenzbetrieb(der evtl. schon die Insolvenz eingereicht hat)
    als Billiglöhner zur Verfügung stellen.

    Grenzbetriebe sollten zumachen und nicht die Leute ausschmarotzen.
    Und wer als Maurermeister mehrere 100 Millionen verwaltet und
    vor der Pleite steht, dem sollte man nicht helfen, sondern seinen
    Leuten.
    Wer keinen Betrieb führen kann, sollte auf die Finger bekommen.

    Deutschland ist Billiglohnland mit allen Nachteilen.
    Im Hackfleisch ist Plastik, die Gurken im Glas sind schlecht gewaschen,
    das Brot knirscht.

    Und wer kein Fussball – Fähnchen kauft ist böse.
    Konsumverweiger sind am wirtschaftlichen Abstieg schuld.
    Nur die Einkommenseite der Konsumverweiger sieht eh keiner.

    Bildung ist gut und teuer. Sie wird von irgendwelchen Spinnern jetzt über
    Internet vermittelt oder in der Gruppendynamik krümelweise
    an die “Kunden” verteilt.
    Bald gibt es ne neue Rechtschreibreform.
    Wir haben viele ausländische Gäste und die Printmedien sind
    am Sterben.
    Die Digitale Wirtschaft sagt, ihre StartUps können NUR 1400 Euro
    monatlich zahlen.
    Welch eine Perspektive für Informatiker.

    Und die Führung wundert sich über Gleichgültigkeit, Unpünktlichkeit
    und Unwissenheit.
    Für den Putzfrauenlohn braucht man auch nur soviel wie die
    Putzfrau zu wissen.

    Lieber SLE, ich glaube
    nicht das sich etwas ändert.
    Wir gehen bereits den gleichen Weg wie Griechenland.

    Billiglohn-StartUps machen die kleinen Firmen kaputt,
    danach verschwinden die StartUps und die Konzerne
    liefern als Konkurrenz zu ALDI/LIDL per DHL auf die Haustür.
    Das wars.
    Da muß es dem Billiglöhner völlig egal sein, ob in Bangladesh
    was kaputtgeht. Er selbst steckt ja voller Probleme.
    Falls der Billiglöhner noch intelligent ist, kriegt er noch
    ein nervöses Magenleiden dazu.
    So muß wenigstens die Pharma-Industrie nicht klagen.

    Grüße klaus

    • Frank Bell - 5. Juli 2014

      @ klaus

      Es fehlt Geld für den Wohnungsbau

      Ist das ein Witze? Satire? Der Versuch von Komik?

      Komm bitte ins Rheinland, da wird wie BLÖDE gebaut. DAS ist einfach nicht mehr normal, was hier abgeht. So einen Bauboom wie seit 3 Jahren habe ich davor noch nicht erlebt. Hier wird jeder kleine Fleck mit Ein- und Mehrfamilienhäusern zugebaut. Die Einfamilienhäuser sind freistehend und keineswegs billig.

  • Frank Bell - 5. Juli 2014

    @ SLE

    Was würdest du Nick Hanauer (er ist Milliardär) antworten, der Mindestlöhne (in den USA) befürwortet?

    http://www.politico.com/magazine/story/2014/06/the-pitchforks-are-coming-for-us-plutocrats-108014.html

    • Georg Trappe - 5. Juli 2014

      Danke fuer den Hinweis auf den grossartigen Artikel von Nick Hanauer.
      Der Mann ist naeher am Kasus Knacktus als ihm wahrscheinlich bewusst ist. Denn Amazon unter Jeff Bezos verfolgt die einzige Strategie, die unter den vorherrschenden Verhaeltnissen “erfolgversprechend” ist. Kreative Zerstoerung bestehender Strukturen mit dem Ziel groesst moegliches Wachstum zu generieren unter (temporaerer) in Kaufnahme einer schwarzen Null.
      http://www.heise.de/tr/artikel/Die-Amazon-Strategie-2041687.html
      Das zentrale Motiv der vorherrschenden Wirtschaftsweise drueckt sich aus im allgemeinen Streben nach “Mehr”. “Mehr” und damit “Erfolg” ist nun aber eine relative Sache. D.h., da wo es “Mehr” gibt, muss es auch immer “Weniger” geben. Dabei sind die zwei Dimensionen Zeit, heute mehr als gestern und morgen mehr als heute, sowie soziale/wirtschaftliche Umgebung, mehr als mein Nachbar, mehr als mein Mitbewerber, mehr als andere Volkswirtschaften dominierend. Es sind anders ausgedrueckt Wachstum (Zeit) und Wettbewerb (Umfeld).
      Nun ist es leider so, dass wenn alle wirtschaftlich Aktiven nach Erfolg = Mehr in diesem Sinne streben nicht nur Wachstumsprozesse in Gang kommen, die das Allgemeinwohl heben, sondern unausweichlich auch Konzentrationsprozesse ablaufen. Das haengt damit zusammen, dass die individuellen Erfolge = Wachstumsraten ueber Zeit und betrachtete Population streuen. Und je staerker die Streung des Erfolgs = der reinvestierbaren Renditen und damit des Wachstums, um so schneller schreiten die Konzentrationsprozesse fort. D.h. wenn jemand antritt und sich nicht in die bestehenden Strukturen einreihen will, sondern den Ehrgeiz entwickelt an die Spitze vorzustossen, dann bleibt ihm nur die Amazon Strategie = alles zu tun um schneller zu wachsen als alle anderen. Wenn das gelingt, bedeutet dies auch eine weitere Spreizung der Streuung des Erfolgs und damit eine weitere Beschleunigung der Konzentrationsprozesse.
      -
      Hanauer erwaehnt in seinem Aufsatz nun auch Tipping Points. Diese spielen in meiner Vorstellung von der zugrundeliegenden Problematik ein herausragende Rolle. Jedes wachsende System ist in dieser Vorstellung ein System im Ungleichgewicht, das so lange waechst bzw. sich entwickelt, bis es an Grenzen und Gegenkraefte stoesst, die ein weiteres Wachstum begrenzen bzw. die Entwicklung in eine andere Richtung lenken. Diese Gegenkraefte koennen von ausserhalb des Systems entstehen oder aber auch innerhalb, da wichtige Systemkomponenten die zur Funktion unabdingbar sind, der Dehnung, die durch stetiges Wachstum und / oder Konzentration ausgeloest wird, nicht standhalten.
      Und ja Hanauer hat vollkommen recht, wenn er den sozialen Zusammenhalt einer Gesellschaft fuer das Funktionieren einer arbeitsteiligen Wirtschaft fuer unabdingbar haelt und in grosser Gefahr sieht.
      Der Punkt, den SLE hier aufzeigen moechte, dass Wirtschaftssysteme dominiert durch hoch konzentrierte Oligopole zunehmend in Gefahr geraten gigantische Fehlleistungen zu produzieren, wie wir sie nur von zentral gelenkten Wirtschaftssytem her kennen kommt da noch hinzu und ist leider ein vollkommen unterschaetztes Problem. Keiner will wahr haben, dass eine Bank wie die Deutsche Bank die macht eines zentralen Planungsbueros hat. Es ist ein absoluter Witz wenn deratig monstroese Konzerne sich als Garanten freier Marktwirtschaft darstellen. Das genaue Gegenteil ist der Fall.

      • Georg Trappe - 5. Juli 2014

        Ein Beispiel fuer die Anfaelligkeit moderner zentralistischer Strukturen:
        http://www.computerwoche.de/a/blitzschlag-nimmt-cloud-rechenzentren-von-amazon-und-microsoft-offline,2492369
        Hoch effizient aber nur ein Gewitter, kein Tsunamie oder Erdbeben, reicht offenbar aus erhebliche Teile elektronischer Geschaeftsabwicklung Stunden- und zum teil Tagelang lahm zu legen.

      • SLE - 6. Juli 2014

        Hallo Herr Trappe,

        vielen Dank für die Ausführungen. Ich hätte es – wie wir beiden wissen – sehr ähnlich gesagt, nur mit andern Worten.

        Einen Schlüsselsatz aus Ihrem Kommentar möcht ich hier noch besonders hervorheben. Es ist der Folgende:

        “Jedes wachsende System ist in dieser Vorstellung ein System im Ungleichgewicht, das so lange waechst bzw. sich entwickelt, bis es an Grenzen und Gegenkraefte stoesst, die ein weiteres Wachstum begrenzen bzw. die Entwicklung in eine andere Richtung lenken.”

        Genau das ist der Punkt. Die führende ökonomische Lehre geht von der Wirtschaft als einem gleichgewichtigen System aus, das mitunter gestört wird, aber von sich aus immer wieder ins Gleichgewicht strebt. Die massiven Ungleichgewichte – zwischen Volkswirtschaften, bei Einkommen und Vermögen – zeigen, dass genau das nicht geschieht. Diese Vorstellung ist also der falsche Ansatz zur Erklärung realer wirtschaftlicher Prozesse und der wirtschaftlichen Realität.

        Zudem, und das ist der zweite wichtige Punkt in dem zitierten Satz Ihres Kommentars, ist auch unsere aus der neoklassischen Theorie abgeleitete Wachstumsvorstellung problematisch. Die Bäume wachsen nicht unbegrenzt in den Himmel, sondern deren Äste verzweigen sich einfach immer wieder. Und das ist eine andere, treffendere, weil realitätnähere Wachstumsvorstellung, an die merkwürdigerweiser aber in der ganzen Wachstumsdebatte nie jemand zu denken scheint.

        Viele Grüße
        SLE

        PS: Ich habe das Beispiel mit den Bäumen und den Verzweigungen im Zusammenhang mit der Marktstruktur- und Wachstumsfrage oben in meiner Antwort an Chotschen übrigens interessanterweise gewählt, bevor ich Ihren Kommentar gelesen hatte.

        • Georg Trappe - 6. Juli 2014

          Hallo Herr Dr. Eichner,

          das Bild mit dem Baum ist sehr gut gewaehlt. Und nebenbei bemerkt, auf die Idee die Entwicklung einer Pflanze mit Gleichgewichtstheorien aus dem Dampfmaschinenzeitalter zu erklaeren, wuerde wohl jeder sofort als abwegig erkennen. Wenn man sich aber mit der Entwicklung von Zellen und den Ablaeufen in Zellen bei Pflanzen oder Lebewesen beschaeftigt, dann kommt man den Vorgaengen die bei Prozessen die durch einen Energiestrom angetrieben fernab von Gleichgewichten ablaufen schon deutlich naeher.
          Da findet man dann Gradienten die sich aufgrund von Konzentrationsprozessen und entsprechenden Stofftransporten zumindest zeitweise steiler aufrichten.
          -
          Hierachie- und Strukturbildung ist ja nicht ansich schlecht sondern doch auch Voraussetzung fuer die Entstehung von etwas lebendigem. Aber es gibt eben auch die pathologischen Faelle wo es zu bedrohlichen und zerstoererischen Wucherungen kommt.
          -
          Wie Sie oben zutreffend schreiben ist es im Fall von Wirtschaft wohl eher die Frage was man will und welche Art der Kultivierung man betreiben moechte.

    • Georg Trappe - 5. Juli 2014

      Und ich frage mich wofuer wir Kartell- und Wettbewerbsbehoerden haben, wenn Merger wie O2 (Telefonica) und E-Plus abgesegnet werden. Soetwas ist das reine Gift und die Effizienzsteigerungen werden durch vollkommen ignorierte gegenlaeufige Effekte mehr als aufgehoben. Nur wir diese Gegenrechnung nicht gemacht. Keiner kalhuliert die Rettungsmillarden, die notwendig werden, wenn deratige Giganten in Straucheln geraten. Das ist vollkommen absurd. Und wie weit die Absurditaet geht zeigt folgender Aufsatz vom damaligen Sprecher des desastroesesten Zentralplanungsbueros bundesdeutscher Wirtschaftsgeschichte:
      http://www.zeit.de/2000/18/200018.5._gewalt_.xml
      Und keinem faellt auf, dass die Banken, also der Staat im Staat, alleine fuer das fuehren der Buecher jedes Jahr fast 200 Mrd in Rechnung stellen.
      http://georgtsapereaude.blogspot.de/2012/10/darf-es-auch-etwas-mehr-sein.html
      Diese Agglomerationen wirtschaftlicher Macht, diese hyperbuerokratischen Wolkenkratzer, sind die Krebsgeschwuere, die alles, aber wirklich alles von innen her zersetzen.

    • Georg Trappe - 5. Juli 2014

      In diesem Zusammenhang ist auch interessant, wie es um die “wissenschaftliche” Absegnung dieser Zustaende bestellt ist:
      http://www.forbes.com/sites/stevedenning/2014/07/01/what-stiglitz-misses-on-inequality-the-responsibility-of-economists/

  • Heinz Göd - 5. Juli 2014

    Ja. Die niedrigen Löhne sind ein Versagen der Marktwirtschaft – das GeldSystem miteingeschlossen.
    Seit der Einführung der GeldWirtschaft gab und gibt es immer benachteiligte Bevölkerungsgruppen: Sklaven, Leibeigene, Tagelöhner, Hilfskräfte.
    Die Zeit von 1945 bis 1975 war eine Ausnahmezeit:
    …WiederAufbau nach einem verheerenden Krieg
    …Steigerung des Lebendstandards, z.B.fließendes Warmwasser
    …Erfindung vieler begehrenswerter Dinge, z.B. Transistor-Radio …
    …Automobilisierung
    …nationale(=keine globalisierten) Konzerne
    …SystemKonkurrenz zum Ostblock
    Die Schattenseite der ‘Blüte’ war Umweltverschmutzung:
    http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-43365482.html
    In dieser AufstiegsZeit verdienten auch Menschen in der Basis der ArbeitsPyramide ausreichend gut, weil Bedarf nach Arbeitskraft wirklich vorhanden war.
    Die Arbeitgeber glaubten, dass dies so bliebe – und taten etwas dagegen: man holte FremdArbeiter ins Land, um durch
    Wettbewerb die Lohnsteigerungen zu verringern, siehe
    http://www.zeit.de/2011/43/50-Jahre-Migration-Schmidt
    (Suchbegriff: Ludwig Erhard )
    Mitte der 1970-er begann die Wirtschaft zu klemmen, siehe
    Entwicklung von BIP, Kapital und Einkommen un D
    http://members.aon.at/goedheinz/GOD_Deutsch/Archiv/Wirtschaft/ArbBIPKap_DB.jpg
    Arbeitslosigkeit in D
    http://de.wikipedia.org/wiki/Arbeitslosenstatistik#Entwicklung_der_Arbeitslosenquote_in_Deutschland
    Verlauf von Wirtschaftswachstum und Staatsausgaben
    http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,grossbild-1374973-594654,00.html
    Die Arbeitslosigkeit machte die Menschen erpressbar(@Chotschen), der Staat verschuldete sich immer mehr – und daher wurde ‘reformiert’.
    Ein System, in dem menschliche Arbeitskraft wie eine Ware gehandelt wird und die meisten Menschen ihre Arbeitskraft auf dem ‘Arbeits-Markt’ anbieten müssen, um überleben zu können, so ein System führt immer zu niedrigen Löhnen, sobald es mehr Bewerber als Arbeitsplätze gibt. Es findet sich fast immer ein Mensch, der sich billiger verkauft als die anderen, weil er überleben will. Zudem hängt der Lohn noch davon ab, was der Arbeitgeber, z.B.KleinUnternehmer, zahlen kann. Das Ganze wird dann volkswirtschaftlich eine Schraube nach unten.
    Ein überzeugendes Konzept, wie im derzeitigen System alle Menschen halbwegs in Wohlstand leben könnten(@Skyjumper), habe ich noch nicht gefunden – geht sich wahrscheinlich auf Dauer auch ökologisch nicht aus :
    http://www.sswm.info/sites/default/files/toolbox/UNEP%20et%20al%201997%20soil%20degradation.png
    http://www.footprintnetwork.org/de/index.php/GFN/page/world_footprint/
    Die Arbeits- und Lohn-Problematik ist gefährlich, weil sie Menschen möglicherweise in ExistenzAngst bringt und in der Folge entweder trübsinnig oder ‘radikal’ werden lässt – und bei Existenzangst ist der Mensch zu vielem fähig, aber nur selten zu klarem Denken.
    Das kanns für die Zukunft doch nicht sein – auch noch aus anderen Gründen, wie @hirni,@thewisemansfear ausführen -,
    wir werden uns da wohl etwas Intelligenteres ausdenken müssen.
    Vorschläge für andere Gesellschafts- und Wirtschaftssysteme gibt es bereits, eine Zusammenstellung auf
    http://members.aon.at/goedheinz/GOD_Deutsch/Zusammenarbeit/IQOAsD.html
    Falls das richtige noch nicht dabei ist,
    so müssen wir halt weitersuchen -
    auf jeden Fall müsste die breite Bevölkerung mitdenken und mitarbeiten und dazu müsste die Bevölkerung in der Breite informiert werden – aber die Massenmedien sind in der Hand der Systemprofiteure.

  • Traumschau - 5. Juli 2014

    Hallo zusammen, Hallo SLE!
    Ich finde, deine Ausführungen sind sehr gut nachvollziehbar und stimme Ihnen deshalb auch zu!
    Könnte man vereinfacht sagen, dass das “Shareholder-Value” – Prinzip zwangsläufig auf die von Ihnen beschriebene Konzentration hinausläuft? Ist das einer der Grundfehler im System?
    Dass der Mindestlohn JETZT ein (für viele Menschen) notwendiges, aber keinesfalls hinreichendes Pflaster ist, wie einige Foristen hier geäußert haben, sehe ich ähnlich.
    Ändern wird das aber nichts an den grundsätzlichen Problemen. Aus meiner Sicht haben sich auch gerade durch die Möglichkeit eines Lohndumpings Unternehmen entwickelt, denen durch ein Mindestlohn sozusagen die Basis ihres “Geschäftsmodells” entzogen würde. Das ist ein Dilemma!
    Die Machtverteilung ist so wie sie ist und auch so bald nicht veränderbar: Schwächelt der Absatz in der Autoindustrie, dann gibt es sofort einen Auto-Krisengipfel im Kanzleramt mit den Konzernspitzen! Das allein zeigt schon die ganze Absurdität unseres Wirtschaftsmodells.
    Wann und unter welchen Bedingungen wird sich jemals etwas verändern? Ich bin da leider wenig optimistisch …
    LG Traumschau

  • MFK - 5. Juli 2014

    Nachtrag: Im Friseurgewerbe beträgt der Marktanteil von Essanelle, eigenen Angaben zufolge die größte Kette, gerade einmal 2%. Die Masse der Marktteilnehmer sind Kleingewerbetreibende. Der Schwarzmarktanteil beträgt um die 20%. Das Friseurgewerbe erscheint mir typisch für den personengebundenen Dienstleistungsmarkt.Hier finden sich auch die meisten prekären Arbeitsverhältnisse. Oligopolistische Strukturen herrschen hier sicher nicht. Ursache für die schlechte Bezahlung ist hier m.E. die fehlende Kaufkraft der Kunden.

    • Erhard - 5. Juli 2014

      Nochmal: Rechne mir bitte vor, wie bei Dienstleistungspreisen von 12-30€ und 3-5Kunden/Stunde ein Lohn unterhalb 8,5€ gerechtfertigt werden kann.

      Dass der Markt nicht hochkonzentriert ist, mag sein. Die Ketten in meiner Umgebung haben auch nur jeweils 5-10 Filialen, teils nur in Berlin-Brandenburg, teils in Berlin plus München oder Hamburg etc., es sind wohl schnell hochgezogene GmbHs, die oft auch nach kurzer Zeit wieder eingehen. Was den “Schwarzmarktanteil” angeht, den hat es schon immer gegeben.

      Ob und wie weit das mit der Kaufkraft stimmt, ausser, dass die Kaufkraft in D eh ziemlich im Arsch ist, kann man unterschiedlich sehen. Die Kettenpreise scheinen mir recht einheitlich zu sein, und sie liegen unter dem, was früher Frisiersalons verlangt haben. Aber eine so extreme Unterbezahlung, dass es nicht einmal zum Mindestlohn reicht, rechtfertigt das nicht.

      a^2

  • Frankenfurter - 5. Juli 2014

    Soziologisch betrachtet ist das Gegenstück zu monopolisierten Märkten die Konzentration von Vermögen und Kapital auf eine absurd kleine Gruppe von Besitzern. Diese kleine Elite erhält aber von einem deutlich größeren Personenkreis politische und mentale Unterstützung. Alles hundertfach erforscht und festgestellt.

    Ich frage mich, ob es ordnungspolitsche Dummheit oder Käuflichkeit ist, wenn zum Beispiel ein gesellschaftliches Projekt wie der Ausstieg aus der Atomkraft und die Energiewende den tausenden kleinen und mittleren Investoren weggenommen wird und in die Hände der kapitalstarken Stromoligopole gelegt werden soll?

    • Georg Trappe - 5. Juli 2014

      Eines der besten Beispiel ueberhaupt an denen man glasklar erkennen kann, was da abgeht. Und Dummheit und/oder Kaeuflichkeit sind da noch viel zu hoefliche Attribute, die man diesem Verhalten zuschreiben muss. Das wird aber wohl erst dann begriffen, wenn einer dieser Atommeiler den Verantwortlichen selber um die Ohren fliegt.
      Anstatt also jedem Arbeitslosen und H4ler Solarpanels in den Garten zu stellen und ihm so ein Grundeinkommen zu ermoeglichen, beharrt man auf zentralistischen “Grossloesungen” wie Desertec und aehnlichem Krempel, der dann daran scheitert, dass es noch keine Weltregierung gibt. man will keine Dezentralisierung, man will sogar diejenigen, die sich allen Widerstaenden zum trotz fuer eine dezentrale Energieerzeugung entschieden haben, besteuern. Duemmer, dreister, widerwaertiger geht machtopportune Stiefelleckerei nicht.

      • Frankenfurter - 6. Juli 2014

        Hi Trappe, Solaranlagen im Süden von Spanien, Griechenland oder im Sahara-Gürtel könnten durchaus konkurrenzfähigen Strom liefern, wenn es verlustarme Übertragungsleitungen vom Süden in den Norden geben würde. Dann könnte preiswerter regionaler Strom etwa für die Stadt München durchaus auch von Sonnenkraftwerken aus Andalusien kommen. (Die Stadt hält zZt. sogar Beteiligungen an einem spanischen Solarkraftwerk). Und was das entgültig begrabene Desertec-Projekt anbelangt: Man kann den Nahen Osten nicht ständig destabilisieren und mit Kriegen überziehen oder Waffen zu den Scheichs nach Katar und Saudiarabien liefern, die sie postwendend an islamistische Terrorgruppen nach Afghanistan, Syrien oder in den Irak weitergeben UND ein Desertec für Europa haben wollen. Das geht nicht. Apropos Lybien ich habe auf der Facebookseite von Ken Jebsen einen Text gefunden, den ich hier (mit einigen Fragezeichen die ich habe) einmal zitieren möchte:

        “Was der Diktator und Tyrann Gaddafi seinem Volk alles antat, wird jetzt täglich Stück für Stück bekannt. Hier eine Aufzählung seiner Grausamkeiten unter denen die Libyer 4 Jahrzehnte leiden mussten.

        1. Es gab keine Stromrechnung in Libyen. Strom war kostenlos für alle Bürger. 2. Es gab keine Zinsen auf Kredite. Die staatlichen Banken vergaben Darlehen an alle Bürger zu null Prozent Zinsen per Gesetz. 3. Ein Zuhause zu haben galt als ein Menschenrecht in Libyen. 4. Alle Frischvermählten in Libyen erhielten 50.000 US-Dollar. Dieses Geld sollte den Menschen ermöglichen ihre erste Wohnung zu kaufen. Die Regierung wollte so zum Start einer Familie beitragen. 5. Bildung und medizinische Behandlungen waren frei in Libyen. Bevor Gaddafi an die Macht kam konnten nur 25 Prozent der Libyer lesen. Heute liegt die Zahl bei 83 Prozent. 6. Wollten Libyer in der Landwirtschaft Karriere machen, erhielten sie Ackerland, eine Bauernhaus, Geräte, Saatgut und Vieh als Schnellstart für ihre Farmen und das alles kostenlos. 7. Wenn Libyer keine Ausbildung oder medizinische Einrichtungen finden konnten die sie benötigten, hatten sie die Möglichkeit mit der Hilfe staatliche Gelder ins Ausland zu gehen. Sie bekamen 2.300 USD im Monat für Unterkunft und Auto gezahlt. 8. Wenn ein Libyer ein Auto kaufte, subventionierte die Regierung 50 Prozent des Preises. 9. Der Preis für Benzin in Libyen war 0,14 $ (12 Rappen oder ca. 0,10 Euro) pro Liter. 10. Wenn ein Libyer keine Arbeit bekam nach dem Studium, zahlte der Staat das durchschnittliche Gehalt des Berufs in dem er eine Arbeit suchte, bis eine fachlich adäquate Beschäftigung gefunden wurde.. 11. Libyen hat keine Auslandsschulden und ihre Reserven in Höhe von 150.000.000.000 $ sind jetzt weltweit eingefroren und wohl für immer verloren. 12. Ein Teil jeden libyschen Öl-Verkaufs wurde direkt auf die Konten aller libyschen Bürger gutgeschrieben. 13. Mütter die ein Kind gebaren erhielten 5.000 US-Dollar. 14. 25 Prozent der Libyer haben einen Hochschulabschluss. 15. Gaddafi startete Das Great-Man-Made-River-Projekt (GMMRP oder GMMR, dt. Großer menschengemachter Fluss-Projekt) in Libyen Es ist das weltweit größte Trinkwasser-Pipeline-Projekt für eine bessere Wasserversorgung von Bevölkerung und Landwirtschaft.

        Gott sei Dank haben Nato und Rebellen das libysche Volk davon befreit.”

        • Georg Trappe - 6. Juli 2014

          Hallo Frankenfurter, ich wollte Ihren Diskussionsbeitrag unterstreichen. Aber wenn das nun schon auf ein OT Gleis gefuehrt hat, dann stimme ich Ihnen insoweit zu, dass man den Dingen, die einem so vorgesetzt werden nicht ohne weiteres vertrauen kann. Ich habe mich mit Lybien nun noch garnicht beschaeftigt und kann mir da kein Urteil erlauben. Aber wie es einem Diktator ergehen kann, der sich zwischen alle Stuehle gesetzt hat, ist im Fall Rumaenien partiell ganz gut nachvollziehbar. Die folgende Arte Dokumentation dazu ist sehenswert:
          http://youtu.be/m7BEenUr6ZQ

          • Frankenfurter - 7. Juli 2014

            Hallo Trappe, sorry für meine eigenmächtige Ausweitung des Themas und danke für den Hinweis auf Nicolae Ceaușescus Ende. Da scheint es Parallelen mit dem Ende von Gaddafi zu geben……

          • Georg Trappe - 7. Juli 2014

            Ja, die scheint es zu geben. Und auch die Vorgaenge in der Ukraine haben fuer mich aus dieser Perspektive betrachtet einen strengen Geruch. Wie dem auch sei, die Lehre aus dieser Geschichte ist wohl, dass man garnicht misstrauisch genug sein kann, wenn man bei seiner Meinungsbildung nicht Opfer derartiger Manipulationen werden will.
            Besonders interessant fand ich am Fall Ceaușescus den Dreh- und Angelpunkt der toedlichen Falle, in die er sich begeben hat. Kredite des Auslands und die Wahl die ihm dabei gelassen wurde. Weitere Kredite unter der Bedingung “Demokratisierung”=eigenhaendiger Entmachtung oder Schuldentilgung mit der Folge wirtschaftlichen Niedergangs bis hin zur Revolution.
            Wenn man nun erfasst, dass der groesste Teil der Welt von den slebst ernannten Masters of the Universe ebenfalls vor genau diese Alternativen gestellt ist, wobei “Demokratisierung” je nach Gegebenheiten auch durch Liberalisierung oder “Strukturreformen” etc. ersetzt werden kann, dann hat man wohl in etwa erfasst, wo z.Zt. auf diesem Globus der Hammer haengt.
            Komischerweise kommen Masters of the Universe = geldschoepfende Banken in den Mainstream Theorien der sog. Wirtschaftswissenschaften ueberhaupt nicht vor. Und wenn dann als Durchreichestation von Spareren zu kreditnehmern. Aber niemals als Schoepfer des Geldes. D.h. in den vorherrschenden Theorien gibt es diese Macht nicht. Sie ist ausgeblendet. Dafuer wird behauptet alles strebt von sich aus auf Gleichgewichte zu. Cool, oder?

            Einen guten Start in die Woche wuenscht

            Georg Trappe

  • H.Ewerth - 5. Juli 2014

    Bereits Henry Ford erkannte, wenn er seinen Arbeitern 5 Dollar mehr Lohn pro Stunde zahlt, können sich seine Arbeiter auch einen Ford leisten. Denn Arbeiter sind auch immer Verbraucher. Verdienen Millionen Menschen aber so wenig, dass es nur noch für Miete, Energie und Lebensmittel reicht, und oftmals reicht der Verdienst nicht einmal mehr für das nötigste, und müssen aufstocken bzw. zur Tafel, dann können die sich eben nichts anderes mehr leisten, und fallen somit als Konsumenten aus. Ein Unternehmen aber wird nur dann investieren, wenn er seine Produkte verkaufen kann, aber das ist bei den Gegnern von Mindestlöhnen noch nicht angekommen. Das schlimme ist, das die Politik den einen Prozent der Superreichen noch dabei hilft. Die aber kaufen keine 1000 Hemden oder hundert Autos, warum auch, und so wächst der Reichtum bei den 1 % der Superreichen unaufhörlich weiter, bis es, und das wird kommen, die Massen sich wehren werden. So war es in der Geschichte schon immer gewesen, und es wird wieder kommen.

  • Aaron T. Schwarz - 5. Juli 2014

    Die Wirtschaft lebt vom Konsum. Konsumieren kann nur, wer Geld hat. Gibt man den Geringverdienern etwas mehr Geld, dann können die trotzdem nicht konsumieren. Folglich muss man dem Mittelstand mehr Geld geben, um die Wirtschaft anzukurbeln. Alle Reichen zusammen können nur einen Bruchteil von dem konsumieren, was der Mittelstand konsumiert. Wenn der Staat beginnt, in den Arbeitsmarkt einzugreifen, wird nichts besser, dafür vieles schlimmer:

    http://www.atschwarz.com/arbeitslos-dank-mindestloehnen/

    Die Schweizer haben das begriffen und einen Mindestlohn von etwa 18 Euro/h an der Urne mit 76.3% Nein wuchtig versenkt:

    http://www.atschwarz.com/abstimmungen_18052014/

    • Erhard - 5. Juli 2014

      Das ist doch dummes Geschwätz. Die Schweizer haben in einem ihrer dümmsten Voten auch die
      Religionsfreiheit “wuchtig versenkt” und fremdenfeindlichen Tendenzen gefrönt. Wenn man direkte Demokratie diskreditieren will, tönt man so dumm und ideologisch.

      Grundsätzlich ist vom Standpunkt der Massenkaufkraft jeder Cent bei den Geringverdienern ein hundertprozentiger Erfolg. Denn diese Bevölkerungsteile müssen und werden konsumieren, nicht an der Börse spielen oder Immobilien zocken wie der Mittelstand.

      Es ist völlig richtig, dass der Staat reguliert, Märkte schaffen keine Gleichgewichte.

      a^2

    • Frank Bell - 6. Juli 2014

      @ Aaron T. Schwarz

      Ihr Beitrag ist der dümmste Beitrag, den ich hier je gelesen habe.

      Denn sie bleiben uns die Begründung schuldig, warum es gut für den Mittelstand ist, wenn man die Löhne beliebig senken kann.

      Schade, dass man ihren Beitrag nicht “wuchtig versenken kann”.

  • MFK - 6. Juli 2014

    Noch einmal beispielshaft zu Essanelle, da hier behauptet wird höhere Löhne seien ohne weiteres drin:

    Konzernjahresumsatz 2013:€ 129,7 Mio. davon aus Friseurdienstleistungen € 111,7 Mio.
    Personalaufwand: 73,7 Mio.
    Miete und Nebenkosten 2014: € 25,6 Mio.
    Marketing und Vertriebsaufwendungen: € 11,4 Mio.
    EBIT: € 5,8 Mio.
    Jahresüberschuss: 3,4 Mio.

    Dass hier wesentlich höhere Löhne drin sind, sehe ich nicht. Essanelle zahlt jedoch laut Jahresbericht bereits seit August 2013 überall mindestens den Mindestlohn. Dieses betraf nur 1/4 der Salons, in den anderen wurde bereits vorher mehr gezahlt. Um diese Lohnerhöhungen zu kompensieren musste der Umsatz um 5% gesteigert werden.

  • MFK - 6. Juli 2014

    Nachtrag: Ich habe übersehen, dass der Begriff Mindestlohn von E. wie folgt verwendet wird: 2013: € 7,50 in Westdeutschland und 6,50 in Ostdeutschland, ab 2014 € 8/ € 7,50 sowie ab 2015 generell € 8,50. Die Anhebung des Mindestlohnes führt natürlich auch zu einer Anhebung der Löhne für Personal, welches vorher bereits mehr als den Mindestlohn verdient hat (z.B. Salonleiterin). Das wird in der Diskussion weitgehend ausgeblendet.

    • Holly01 - 6. Juli 2014

      Hallo MFK,
      mit der gleichen dünnen Grundlage kann ich behaupten, daß viele Arbeitgeber auf den Mindestlohn absenken.
      Es ist ja nun eine gesetzliche und gesellschaftliche Linie, die anzeigt, was die Arbeitnehmer haben müssen.
      Warum sollte irgend ein Personalleiter, Chef oder Eigenständiger mehr bezahlen?

      • MFK - 6. Juli 2014

        Das ist natürlich Unfug, weil es Arbeitsverträge gibt, die nicht einseitig zu Lasten des Arbeitnehmers geändert werden können.

        In dem personengebundenen Dienstleistungssektor liegt das Problem m.E. auch in der starken Zersplitterung, welches es den Gewerkschaften schwer macht, zu einer flächendeckenden Vertretung von Interessen der AN zu kommen. Nicht umsonst verdient ein Ungelernter auf dem Bau nach Tarif wesentlich mehr als eine Friseurin mit abgeschlossener Lehre.

        • Holly01 - 6. Juli 2014

          Werter MFK,
          der privat getragene Dienstleistungssektor ist geprägt von einem Überangebot an “Arbeit” gepaart mit einem massivem Mangel an “Geld” bei den Arbeitnehmern.
          Flankiert wird das durch den massiven Rückzug des Staates aus diesemganzen Bereich.
          Da ist das Vertrag, was zwischen den Parteien abgesprochen wird.
          Da ist das Fakt, was ein Arbeitgeber tut.

          Besuchen Sie doch einmal ein Arbeitsgericht. Schauen Sie was verhandelt wird.
          Dort treffen Sie aber die, die noch Masse haben und sich wehren können.

          Die breite Masse hat alle Möglichkeiten verloren, als das “Armenrecht” de facto abgeschafft wurde und wird jetzt mit dieser unsäglichen Kampagne zum “Bagatell”-Einspruch weiter entrechtet.

          Was wollen Sie hier erzählen? Denken Sie diese systemische Willkür und Entrechtung ist so unauffällig oder gehen Sie von so dummen Lesern aus, daß Sie hier so einen Inhalt einfach reinsetzen können und hoffen, das ginge do unreflektiert durch?

          Nein tut es nicht. Der Mindestlohn wird zu einem messbaren Rückgang von Arbeitseinkommen auf breiter Front führen.
          Bleiben Sie hier auf der Seite, dann können Sie das aktuell mitverfolgen …..

  • Holly01 - 6. Juli 2014

    3 Fakten sind unumstößlich:

    Wenn man Schulden abbauen will, muss man Vermögen vernichtet.
    Lohnsenkungen, Triokapolitik und öffentliche Haushalte laufen auf die Enteignung der breiten Masse hinaus.
    Enteignung der breiten Masse = Schuldenbegrenzung/-senkung der öffentlichen Haushalte
    Die Versorgungsgrundlagen der breiten Masse werden auf allen Ebenen gemindert.
    Rentenansprüche, Lebensversicherungen und Riestergedöns dienen dieser Vorgabe.

    Bleiben die Flußgrößen, das heisst der Zulauf der Vermögen.
    Alle Flußgrößen der 80% (antsprechend der nicht produktiven Masse, wie in der “Globalisierungsfalle” beschrieben) werden systematisch eingeschränkt.
    Das beinhaltet die staatliche Umverteilung und die laufenden Einkommen, die immer breiter in der Masse und immer zentraler in der Spitze verteilt werden.
    Ebenso bei den Zinseinkünften, die ein immer höheres Einkommen erzwingt, um Zinsgewinner zu sein.

    Das I-Tüpfelchden ist dei Abgabenpolitik/Steuerpolitik.
    Spitzensteuersatz massiv gesenkt, kalte Progression für die breite Masse der Erwerbstätigen.
    Deckelung der Arbeitgeberbeteiligung, bei Freigabe der Belastungsgrenzen für die Eintragszahler.
    Immer werden die Zwangssysteme belastet und die Kapitalinhaber werdne entlastet.

    Das passiert europaweit. Das ist vollkommen undemokratisch. Das ist ein klarer Beweis für unsinnige, unsouveräne Politik, die nur einen Sinn verfolgt:
    Die Geldhortung zu Gunsten der US-amerikanischen Dollarhegemonie zu maximieren.
    Diese Mittel sind aber weg. Die Amis zahlen nicht aus.
    Lächerliche 200t Gold wollte die Bundesbank aus den ausländischen Depos zurückführen, um etwas Ruhe an dieser medialen Front zu erreichen.
    Geliefert hat nur Frankreich im geplanten Umfang.
    Der Gedanke der Rückführung wird gerade leise beerdigt.

    Klar ärger ich mich in einem Vasallenstaat zu leben. Aber aufregen könnte ich mich über die Leute die sich prostituieren und das dann als tolle Leistung verkaufen wollen.
    Für mich ist das Landesverrat und sollte zu kleinen Eigentumswohnungen mit 4qm führe (Gefängniss, Rollstuhl geeignet), lebenslänglich, am besten mit anschliessender Sicherheitsverwahrung.

    Der Mindestlohn ist der Wert auf den nun alle gesetzlich abgesichert zurück geführt werden können. Nötig wurde dies, weil eine Agenda 2020 dem sterbenden Mittelstand nicht mehr vermittelbar ist.

    • Holly01 - 6. Juli 2014

      Da ein Rentensystem mit diesen Einnahmen nicht machbar ist, hat man in Griechenland eine Lösung bereits präsentiert:

      http://www.griechenland-blog.gr/2014/06/ende-der-renten-in-griechenland-ab-2015/138980/

      Die sind uns aber nur ein paar Jahre voraus.

    • Frank Bell - 6. Juli 2014

      @ Holly01

      “sterbenden Mittelstand” ?

      Dahin ist es aber (in D) noch ein sehr weiter Weg. Agenda 2030 vielleicht.

      Mein aktuelles Beispiel ist die unglaubliche Bauwut der “Mittelständler”.

      • Holly01 - 7. Juli 2014

        Hallo Frank Bell,
        der Mittelstand (oder das was mal bürgerlich und gehobene Arbeiterklasse war) wird gerade enteignet.
        Die Betreiber ist die GroKo die im September ihre Machtübernahme gefeiert hat.
        Keine Diskussionen
        Keine Oposition
        Keine Gegenwehr

        Aber eine neue Aussenpolitik, die amoralisch, enthemmt und widerrechtlich nach US Vorbild den Krieg nach Deutschland bringen wird.
        Ich warte täglich auf die deutsche false flag Attacke, mit der man den Widerstand in der Bevölkerung wegbomben wird.
        Es gibt praktisch nichts mehr, was ich diesen “Politikern” nicht zutrauen würde.

        • Frank Bell - 7. Juli 2014

          @ Holly01

          Die “Mittelständler” haben doch mit grosser Mehrheit die Merkel gewählt!

          Und die SPD ebenfalls.

          Dass von den Grünen nichts gescheites kommt, wundert mich nicht. Die Deppen haben ja Hartz IV mit verbrochen.

  • dicke Bertha - 6. Juli 2014

    “Auf ausgereiften, oligopolisierten Märkten gehen die Löhne in den Keller.”

    Im produzierenden Gewerbe läßt sich empirisch beobachten, dass die Produktivität stärker steigt als die Bruttowertschöpfung.
    Die Bruttowertschöpfung steigt sie stagniert nicht.
    Dank der Nachfrage aus dem Ausland?

    Seltsamerweise gibt es auch Wirtschaftssektoren in denen die Produktivität sinkt, z.B. bei den Unternehmensdienstleistern oder den privaten und öffentlichen Dienstleistern.
    Dort wächst die Beschäftigung rasant , aber die Löhne steigen nicht wie es aufgrund des starken Beschäftigungsaufbaues dem Theoriebuch gemäß eigentlich sein müßte.

    Sind Gesundheit, Soziales, usw. ausgereifte Märkte?

    Woher kam in nicht ausgereiften Märkten die zusätzliche Nachfragekaufkraft.

    Warum soll das saysche Theorem einmal gelten und dann wieder nicht?

  • klaus - 6. Juli 2014

    Hallo an Alle.

    Schön und gut. Ein Milliardär plädiert auf Vernunft und
    fordert in Minderzahl den Mindestlohn.
    Das nennt man LEVERAGE.

    Ganz einfach. Es braucht einen GESETZLICHEN MINDESTLOHN,
    weil es nicht angeht, das volkswirtschaftliche Leistung nicht
    oder nicht ausreichend monetär bewertet wird.
    Arbeit unter 8,50 Euro oder weniger ist keine Arbeit, sondern
    eine volkswirtschaftliche Subvention von Unternehmen.
    Schmarotzertum wird gefördert.
    In der Landwirtschaft bedeutet dies Knochenarbeit, deren
    Folgen im UNSEREM Gesundheitssystem erst sekundär
    mit Folgekosten abgebildet werden.
    In intelligenteren Jobs wird es zu Verweigerungsreaktionen
    führen, die ebenso monetäre/gesellschaftliche Folgen haben.

    Und wieviel bleibt vom Mindestlohn?

    Der Strompreis steigtt.
    Die Lebenshaltungskosten steigen.
    Die PKW-Maut trifft jetzt die Armen, die keinen
    kostensparenden Kleinwagen NEU kaufen können.
    Die Steuern ebenso.
    Die Kosten für Medizin wurden so verlagert, das trotz
    Zuzahlungsbefreiung das Orginalmedikament oder
    der gute Generika-Ersatz mit 2,50 Euro Zuzahlung hinzukommt.
    Die Pflegekosten hat man durch Erhöhung der Pflegebeiträge
    finanziert.
    Bereits bestehende Zuzahlung wurden/werden angehoben.
    Die Bemessungsgrenzen ebenso.
    Die Rentenerhöhung hat evtl. jetzt noch ein paar Klein-Rentner
    über die Steurgrenze gehoben und sie müssen Steuern zahlen.
    Und kennen sich evtl. nicht damit aus.
    Und wenn es fertig ist, zahlt der Kleine sogar noch Kirchensteuer.
    Ist er Single, will man Ihn noch mehr bestrafen.
    Und über 35 Jahre hat er sowieso weitere Bestrafung verdient.

    Und kriegt er keinen Mindestlohn?
    Ja, dann hat er Pech gehabt.
    Dann hat er wenigstens 30 Euro weniger im Portemonaie.
    Nein, das merkt er nicht, weil er ja erst einmal relativ gesund ist.

    Das ist noch ein Einknicker der SPD, den der kleine
    Mann Prof. Lauterbach verdankt.
    Oder ein Sieg für Jens SPAHN/GRÖHE gegen den
    kleinen,kranken Mann.

    Endlich geht es aufwärts. Gefördert von
    der Rentenkasse.
    Weiter so.
    Bald kommt der ZWANGSRIESTER.
    Die Rentenkasse ist bald leer oder schon leer.

    Bald wird die BILD wieder schreiben, das die SOZIALKASSEN
    überlaufen.
    Die müssen auch überlaufen. Denn die Europa-Expansion
    im Osten muß weitergehen.
    Gut nur, das der Mindestlöhner nix mehr gespart hat.
    Somit trifft es auch die Lebensversicherungen und auch den Mittelstand.
    Hartz4ler und Mindestlöhner zahlen keine Altersvorsorge.
    Das wird das Ende der Lebensversicherungen und
    der versicherungstechnischen Altersvorsorge.
    Die Bankenrefinanzierung über die Versicherungen wird
    auch schwieriger und zuletzt.
    landen wir trotz Technik in einer Zeit vor der französischen Revolution.
    Es wird keinen gesellschaftlichen Halt geben.
    Wer einen Unfall hat, wird aussortiert.
    Der darf zu Hause seine Wunden lecken wie ein Hund.
    Wie arrogant muß der heutige Mittelstand sein, um nicht zu
    erkennen, das auch er bei einer Weigerung/Schmälerung
    vom Unfallversicherer in 2 Jahren vor Hartz4 steht.
    Warum sollte in einem solchen Fall der Arbeitgeben so
    jemanden nochmal zu “normalen” Gehaltsbedingungen einstellen?
    Selbst die Firmen-Insolvenz reicht schon für diesen Ablauf.
    Warum sollte ein Hartz4ler diesem arroganten Mittelständler helfen?

    Und wenn alle mit Billiglohn laufen, warum sollte in Zukunft
    die Leistung eines Arztes viel über der Pfändungsgrenze liegen?
    Die NEUE Generation LANDÄRZTE wird schon den Dumpinglohn
    bringen.
    Blöd und arrogant, in ihrem elitären Wahn merken die Ärzte
    noch nicht einmal, das man auch beim Abgeben der Wahlstimme
    plötzlich wieder DENKEN muß.
    Das ist etwas mehr als 2 Rezeptkreuzchen und ne kraxlige Unterschrift.
    Und andere Akademiker trifft das ebenso.
    Horden von halb ausgebildeten Akademikern werden
    über das Land mit “Spritzscheinen” das Landarztgeschäft verbilligen.
    Steuerberater werden verschwinden, da nur noch normale
    Einkommen da sind, die sich mit Wiso-Steuer 2014/2050 abrechnen
    lassen.Die Bäcker werden von den Halbbäckern gefressen.
    Halbbäcker, weil sie Halbgebackens aufbacken.
    in den Altersfabriken/Pflegefabriken werden netten,
    meist nicht deutschsprachigen Zuwanderer, kaum auf die
    Leute eingehen können.
    Überall gibt es ein bischen weniger.
    Das macht nix. Amazon liefert per DHL auf die Tür.
    Da kann man noch günstiger seine Arbeit am Telearbeitsplatz
    für seinen Arbeitgeber verrichten.
    Und sich günstig ernähren, da TTIP und Co. für
    alles günstigere Lösungen finden.

    Und gesund bleiben wird Pflicht.
    Sonst kann man mit den Organen nix anfangen.

    Die Lohn-/Preisspirale geht bereits andersrum.

    Grüße klaus

    • Holly01 - 6. Juli 2014

      Hallo Klaus,
      man hätte nur den Repreesionsapperat der H4 Gesetzgebung abschaffen müssen.
      Wären die Leute nicht gezwungen für Hungerlöhne zu arbeiten, würden die es auch nicht tun.

      • thewisemansfear - 6. Juli 2014

        Hallo Holly,
        damit wäre aber der “Leistungsgedanke” nicht mehr zu vermitteln gewesen. Außerdem lassen sich so wunderbar Feindbilder aufbauen und aufrecht erhalten. “Nur wer arbeitet, soll auch…”
        Der Druck muss aufrecht erhalten werden. Sonst kommen die Menschen noch auf dumme Gedanken – siehe Mistgabeln ;-)

        • Holly01 - 6. Juli 2014

          Hallo thewisemansfear,
          habe ich gelesen. Ich habe den Eindruck, man sollte den Reichen mal vermitteln, das von denen keiner etwas will…….
          Sonst nässen die sich noch ein.
          Das Problem sind die Banken. Vielleicht noch die global player. Die Reichen sind die Profiteure, aber das ist systematisch und vernünftig handhabbar.

          Als Anfang sollte man die 50% aus dem Elend entlassen und im Gegenzug den Besitz garantieren.
          Dann geht es aber auch schon um das System.
          Banken verstaatlichen.
          Privatbanken nur mit harten Auflagen, wie kleiner Hebel und hohes Eigenkapital.
          Die global player versteuern dort, wo der Umsatz gemacht wird.
          Meinereins kann jeder Arbeiter und Konzern komplett streuerfrei gestellt werden.
          Dann halt per Umsatzsteuern und Umverteilung von oben nach unten.
          Völlig wurst so lange Investment- und Privatkundengeschäft nachher sauber getrennt ist und Banken nicht mehr schöpfen dürfen.
          Die Zinsbrechnung ist ja mittlerweile mehrheitsfähig, also was soll schon passieren?
          Wir schmeissen die Amis raus, verlassen die NATO, lösen die BW, auf und setzen unsere Geheimdienste an die Luft.
          Schon ist alles getan ….

    • Frank Bell - 6. Juli 2014

      @ Klaus

      > > Schmarotzertum wird gefördert.

      Genau. Gut erkannt. Wenn eine Firma so schlecht bezahlen muss, dass der Staat über die Hintertür subventionieren muss, dann ist die Geschäftsidee einfach nur Mist.

      > > ZWANGSRIESTER

      Den könnte ich z.B. NICHT zahlen. Das wäre zuviel.

      > > Wer einen Unfall hat, wird aussortiert. Der darf zu Hause (…)

      Das “zu Hause” ist er schnell los… Dank Hartz IV.

      > > Wie arrogant muß der heutige Mittelstand sein

      Der Mittelstand ist nicht arrogant, sondern dumm.

      Statt sich gegen die da oben aufzulehnen, treten die lieber nach unten.

      Und gucken Millionären beim Fussballspiel – Freizeitvergnügen – zu (WM).

  • Salatski - 7. Juli 2014

    Hm, an einigen Stellen finde ich die Debatte um den Mindestlohn nicht mit den richtigen Argumenten geführt.

    Wenn der Markt von allein keine fairen Löhne hervorbringt, dann stimmt, so denke ich, etwas ganz gewaltig mit dem Markt nicht, das ist korrekt.
    Aktuell ist es doch aber so, dass dem Markt gar keine Möglichkeit gegeben ist, faire Löhne zu erzeugen, da unser wertes Geldsystem auf Schulden basiert und Geld nur durch Schulderhöhung geschöpft werden kann. Zahlt man die Schulden zurück, ist das Geld weg.
    Das zusammen mit dem Fakt, dass die Zinsen für die Schulden nicht miterzeugt werden, ergibt den Zwang jedes Unternehmens, das Schulden gemacht hat, um zu investieren, immer mehr Geld zu verdienen, da man sonst seine Schulden nicht begleichen kann.
    Und die einzige Chance, solche Mengen Geld zu verdienen, ist, andere Firmen zu kaufen, zu zerschlagen, und immer weiter seinen Marktanteil auszubauen, bis man Monopol ist.

    Genau darin liegt das Problem. Gäbe es das System nicht, das in sich bereits zu einer Bereicherung der Banken zu Lasten des Bürgers führt, also überhaupt nicht fair sein KANN, selbst wenn man es versuchte, dann gäbe es automatisch auch fairere Löhne.

    Es ist doch krank, dass bereits eine Stagnation der Gewinne (nicht mal ein realer Verlust) für ein, zwei Quartale das Aus für einen ganzen Konzern von 300.000 Mitarbeitern bedeuten kann.

    Wenn wir dort ansetzen, hat sich die Debatte um den Mindestlohn bald erübrigt.

    Aber dazu müssten wir die Banken aus dem Land jagen, und all ihre Handlanger, insbesondere bestimmte Politiker, gleich mit.

  • Holly01 - 7. Juli 2014

    Flassbeck geht in Ironie auf:
    http://www.flassbeck-economics.de/welch-eine-freude-schulden-auf-null/

    Werter Hr. Flassbeck, es gibt ein Gut, das ist von der Zinssättigung nicht betroffen. Es gibt ein Gut das wird nicht wie der Gewinn und der Lohn verdrängt.
    Das ist der :

    Krieg

    Taralatata : Lösung …………….

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