Desaströse spanische und griechische Einzelhandelsumsätze
Gestern veröffentlichte das spanische Statistikamt INE die Daten zu den spanischen Einzelhandelsumsätzen im Juni 2011. Nominal sanken sie um -3,6% zum Vorjahresmonat und real (preisbereinigt) um satte -7,4% und damit um die höchste Rate in diesem Jahr und um die höchste seit Mai 2009. Diese Daten sind ein totales Desaster, sinkende reale Arbeitnehmerentgelte, zuletzt in Q4 2011 mit -4,2% zum Vorjahresquartal führen auch zu einer anhaltenden Kontraktion der Umsätze im Einzelhandel und damit letztlich zu weiteren Steuerausfällen des Staates aus sinkenden Lohnsteuer- und Umsatzsteuereinnahmen. Nach den heute von Eurostat aktualisierten Daten, zu den realen und saisonbereinigten Einzelhandelsumsätzen für Spanien, wurde im Juni 2011 der mieseste Umsatz seit November 1999 generiert.
Die Entwicklung der realen und saisonbereinigten Umsätze im spanischen Einzelhandel von Januar 1995 bis Juni 2011. Im Juni 2011 fielen die realen Einzelhandelsumsätze auf 85,24 Indexpunkte, der tiefste Stand seit November 1999. Mehr als ein Jahrzehnt reales Umsatzwachstum beim Einzelhandel wurde seit der Wirtschafts- und Finanzkrise und im Zuge der spanischen Austeritätsmaßnahmen ausgelöscht! Seit dem Hoch im März 2007 ging es um reale -20,59% abwärts, nur beim Südperipherie-Original in Griechenland sanken die realen Einzelhandelsumsätze seit dem Hoch noch tiefer, um -29,02%.
Die realen Umsätze im spanischen Einzelhandel und seiner Subsektoren im Juni 2011 im Vergleich zum Vorjahresmonat. Besonders krass war der Rückgang der realen Umsätze bei Haushaltswaren um real -18,1% zum Vorjahresmonat. Im Juni 2010 kam es in einigen einzelnen Subsektoren zu gewissen Konsumvorzugseffekten, da ab Juli 2010 die Mehrwertsteuer um 2 Prozentpunkte auf 18% erhöht wurde.
Betrachtet man die lange Datenreihe wird deutlich, Spanien wandelt Schritt für Schritt im Griechenland-Style! Auch das griechische Statistikamt ELSTAT berichtete heute ebenfalls desaströse Einzelhandelsumsätze, allerdings noch für den Monat Mai. Die griechischen Daten hängen immer um einen Monat hinterher. Aber sie hatten es in sich, um nominale -8,0% zum Vorjahresmonat sanken die Einzelhandelsumsätze und real sogar um -10,9%.
Die realen Umsätze im Einzelhandel und seiner Subsektoren im Mai 2011 im Vergleich zum Vorjahresmonat.
Saisonbereinigt mit den Daten von Eurostat seit Januar 2000, stellen sich die realen Einzelhandelsumsätze so dar.
Im Chart der Index der realen (verbraucherpreisbereinigten) und saisonbereinigten Einzelhandelsumsätze ohne Kfz-Handel seit Januar 2000. Im Mai 2011 gingen die realen Einzelhandelsumsätze saisonbereinigt um -1,94% zum Vormonat zurück auf 83,34 Indexpunkte, der tiefste Stand seit Dezember 2001. Zum Hoch im März 2008 sind die realen Einzelhandelsumsätze um kräftige -29,02% eingebrochen.
Diese Daten fügen sich nahtlos in die bisherige Entwicklung ein und sind Ausdruck der scheiternden Austeritätsmaßnahmen in der Südperipherie, die zu einem Schrumpfen der Wirtschaftsaktivität und in Folge zu berechtigten Zweifeln an der Tragfähigkeit der Staatsschulden führen. Statt Wachstum organisiert man Schrumpfung und die Schwäche der Wirtschaftsleistungen ruft die Ratingagenturen auf den Plan, so aktuell Moody’s, die ein weiteres Herabstufen der spanischen Kreditwürdigkeit prüft. Diese selbst organisierte Abwärtsspirale spult weiter, heute die Rendite 10-jähriger spanischer Staatsanleihen auf 6,081%.
Quelle Daten und Tabellen: Ine.es/Pressemitteilung Einzelhandelsumsätze Juni 2011, Statistics.gr/Pressemitteilung Einzelhandelsumsätze Mai 2011, Ine.es/Statistik-Portal, Statistics.gr/ELSTAT-Portal, Eurostat.ec.europa.eu/Datenbank
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