Detaillierte spanische BIP-Daten

von am 16. Februar 2012 in Allgemein

Das spanische Statistikamt INE lieferte heute bereits detaillierte BIP-Daten zum 4. Quartal 2011. Das saisonbereinigte reale BIP sank im Vergleich zum Vorquartal um -0,3%, nach +/-0,0% im 3. Quartal 2011. Im Vergleich zum Vorjahresquartal ging es noch um +0,3% aufwärts. Dies sind auf den ersten Blick sogar noch moderate Daten zur Wirtschaftsentwicklung in Spanien, aber die Details verraten einen verdeckten Griechenland-Style und einen etwas inkonsistenten Datensatz.

Die Entwicklung des spanischen saisonbereinigten realen BIPs zum Vorquartal seit Q1 2000 bis Q4 2011 im Chart. In Q4 2011 ging es um -0,3% abwärts, nach +/-0,0% im 3. Quartal.

Ein nicht unerheblicher Anteil an Griechenlandstyle wird bei der Entwicklung der Summe der Arbeitnehmerentgelte deutlich:

Die Entwicklung der realen unbereinigten Arbeitnehmerentgelte jeweils im Vergleich zum Vorjahresquartal seit Q1 2000 bis Q4 2011 im Chart. In Q4 2011 ging es bei den Arbeitnehmerentgelten (preisbereinigt um den spanischen VPI), real um -4,7% zum Vorjahresquartal abwärts, bereits seit zwölf Quartalen im Vergleich zum Vorjahresquartal in Folge.

Die Arbeitnehmerentgelte sind die Gesamtbruttosumme aller Löhne und Gehälter der Arbeitnehmer, Angestellten, Beamten, inkl. aller in einem Arbeits- oder Dienstverhältnis stehenden, inklusive der Sozialbeiträge der Arbeitgeber.

Selbst nominal ging es in Q4 2011 bei der Summe aller Arbeitnehmerentgelte in Spanien abwärts um -2,07% zum Vorjahresquartal auf 132,369 Mrd. Euro. Zum Hoch in Q1 2008 sanken die saisonbereinigten realen (preisbereinigten) Arbeitnehmerentgelte immerhin um -14,24%! In Spanien reflektiert diese stark geschrumpfte Summe aller realen Arbeitnehmerentgelte allerdings primär die steigende Arbeitslosigkeit und weniger die Lohnkürzungen, denn noch ist die Lohnentwicklung automatisch an die Inflation gekoppelt, was als Errungenschaft erkämpft wurde und wovon deutsche Arbeitnehmer nur träumen, erweist sich in der Eurozone aber seit Jahren als Wettbewerbsnachteil und so dürfte es nur noch eine Frage der Zeit sein, bis dieser Automatismus gekippt wird.

Während die Summe der realen Arbeitnehmerentgelte in Q4 2011 unbereinigt um -4,7% zum Vorjahresquartal sank, sanken die Ausgaben der privaten Haushalte angeblich unbereinigt real nur um -1,02% zum Vorjahresquartal:

Die Entwicklung der saisonbereinigten realen Konsumausgaben der privaten Haushalte (2008=100) seit Q1 2000 bis Q4 2011 im Chart. In Q4 2011 lagen die realen Konsumausgaben der privaten Haushalte nur um -6,76% unter dem Hoch von Q4 2007, die Summe der saisonbereinigten realen Arbeitnehmerentgelte schrumpfte dagegen um -14,24% zum Hoch in Q1 2008.

Die relativ starken realen Konsumausgaben sind nicht wirklich schlüssig und stellen einen inkonsistenten Datensatz dar, denn selbst wenn die schrumpfenden Konsumausgaben der Arbeitnehmer von den Unternehmern, Selbständigen und Vermögenseinkommen kompensiert worden sein sollten, wo flossen sie hin die privaten Konsumausgaben?

Die Entwicklung der Baugenehmigungen für Wohnimmobilien (Index 2005=100) in Spanien seit Januar 1995 laut den Daten von Eurostat. Zuletzt im Oktober 2011 lag der Index bei schlappen 10,70 Indexpunkten, ein Einbruch zum Hoch im September 2006 von -92,36%! Private Konsumausgaben?

Die Entwicklung der realen Einzelhandelsumsätze ohne Kfz-Handel seit Januar 1995 im Chart. Zum Hoch im März 2007 sanken die spanischen realen Einzelhandelsumsätze um -22,52%. Private Konsumausgaben?

Die Entwicklung der PKW-Neuzulassungen seit Januar 1990 im Chart. Zuletzt im Januar 2012 lagen die Neuzulassungen mit 54’961 um -68,43% unter dem Hoch von März 2006! Private Konsumausgaben?

Der Einbruch der saisonbereinigten realen privaten Konsumausgaben von nur -6,76% zum Hoch in Q4 2007, bleibt eine schwer nachvollziehbare Hausnummer, erklärt aber die relativ guten BIP-Daten, denn weiter ist das BIP getragen vom privaten Konsum! Nicht getragen ist es von den Bruttoanlageinvestitionen, die ebenso ein wenig Griechenland-Romantik anzeigen. Die realen Bruttoanlageinvestitionen sinken bereits das 16. Quartal in Folge, im Vergleich zum Vorjahresquartal:

Die Entwicklung der realen Bruttoanlageinvestitionen in Prozent zum Vorjahresquartal seit Q1 2001 bis Q4 2011. In Q4 2011 sanken die Bruttoanlageinvestitionen um weitere -6,89% zum Vorjahresquartal. Seit dem Hoch im 2. Quartal 2008 sind die realen Bruttoanlageinvestitionen um -33,17% bis Q4 2011 gesunken!

Weiterhin bleibt die industrielle Wertschöpfung in Spanien stark unterentwickelt, die nominale Bruttowertschöpfung der breit gefassten Industrie (Bergbau, Energieversorgung und Verarbeitendes Gewerbe) betrug in Q4 2011 nur 14,7% des nominalen BIPs. Das Verarbeitende Gewerbe mit einer nominalen Bruttowertschöpfung von nur 32,572 Mrd. Euro hatte nur einen Anteil von 11,7% am nominalen BIP, in Höhe von 277,988 Mrd. Euro.

Beleg dafür liefern auch die Industrieproduktionsindizes:

Die Entwicklung des saisonbereinigten Outputs der breit gefassten spanischen Industrie (Bergbau, Energieversorgung und Verarbeitendes Gewerbe), ohne Baugewerbe, im Langfristchart seit Januar 1980 laut Eurostat. Im Dezember 2011 stieg der saisonbereinigte Output (Volumen) auf 81,69 Indexpunkte, nach 80,98 Indexpunkten im Vormonat November. Damit lag der  saisonbereinigte Output aber auf einem Niveau von Mitte 1996!

Noch schlimmer gestalten sich die Daten zum gesamten Produzierenden Gewerbe, also inklusive dem Baugewerbe und diese Daten offenbaren das Spanien kein Geschäftsmodell hat, vom Tourismus abgesehen:

Die Entwicklung des saisonbereinigten Index für das Produzierende Gewerbe (breit gefasste Industrie und Baugewerbe) seit Januar 1980 im Chart. Dieser Chart offenbart das spanische Desaster, nach dem Platzen der Immobilienblase, weder Industrie noch Bauwirtschaft leisten einen relevanten Beitrag zu Jobs, Einkommen und Wertschöpfung. Im Dezember 2011 befand sich der Index mit 66,92 Indexpunkten, nur um schlappe +3,8% über dem Niveau von 1980, dem Beginn der Datenreihe. Zum Hoch im Dezember 2006 ist der Index des Produzierenden Gewerbes um -36,79% bis Dezember 2011 eingebrochen, Wahnsinn!

Auf diese strukturell unterentwickelte Volkswirtschaft, dessen letzte Zugpferde der Konsum und der Tourismus sind mit alleiniger Austerität zu antworten, ohne wenigstens zusätzliche Investitionen in industrielle Wertschöpfung zu organisieren ist absurd und wird auch in Spanien den irreparablen wirtschaftlichen Zustand verfestigen.

Quellen: Ine.es/PDF Quarterly Spanish National Accounts Base 2008, Fourth quarter of 2011, Ine.es/Datenbank Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung, Eurostat.ec.europa.eu/Datenbank

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19 KommentareKommentieren

  • henne - 16. Februar 2012

    Als Ergänzung zu Spanien:
    http://www.tagesspiegel.de/kultur/spanien-die-politik-der-messer/6214090.html

    • Querschuss - 16. Februar 2012

      Hallo Henne,
      Danke für den Link, die Spanier kommen vom Regen in die Traufe.

      Gruß Steffen

      • Canpichurri - 17. Februar 2012

        Derzeit wird in ganz Europa (auch in D !) die Basisdemokratie zum Wohle der Banken und der Politiker ausgehebelt und in Frage gestellt. Wer hätte vor 2-3 Jahren daran geglaubt, dass (a) Griechenland zum Protektorat (von Berlin) wird (mit Sperrkonten und Verlust der Eigenständigkeit), dass (b) Italien die Demokratie verliert und von einem ungewählten Gremium regiert wird, dass (c) in Portugal die Rentenkassen geplündert werden um die negative Staatsbilanz aufzubessern, dass (d) Minister Schäuble Hitler Deutschland als den letzten souveränen deutschen Staat bezeichnet und dass (e) alle Rechte der Bürger in Spanien beschnitten werden? Alles zum Wohle der EU …!?!?!?!
        Was steckt dahinter? Haben die Bilderberger nun offen die Macht übernommen und werden sie die Europäische Union in einen totalitären Wirtschaftsstaat umfunktionieren in denen Arbeiter und Angestellte als eine Art Sklaven dienen? Wo ist jetzt der Aufschrei?
        Er wird kommen, so die Historie, aber dann werden Menschen an Bäumen baumeln, die Guillotine täglich ihre Arbeit verrichten – Ende, Aus, Chaos.
        Mir wird Angst und Bang wenn ich auf das Ende sehe. Können wir das jetzt noch aufhalten?

  • dank - 16. Februar 2012

    So, heute wieder mal von mir zwei weitere “dumm nachgefragt”:

    Wer zahlt die Zeche wenn die EZB und Notenbanken hier angeblich Gewinn machen – da muss es ja jemanden mit Verlust geben?!
    http://www.n-tv.de/wirtschaft/Athen-Bonds-werden-umgetauscht-article5520786.html

    **

    Zum Zweiten:

    Gibt es einen Zusammenhang zw. Steffens “Die relativ starken realen Konsumausgaben sind nicht wirklich schlüssig und stellen einen inkonsistenten Datensatz dar, … , wo flossen sie hin die privaten Konsumausgaben?”
    und
    http://www.n-tv.de/wirtschaft/EU-wirft-Spanien-Trickserei-vor-article5502711.html

    Dankeschön!

    @henne
    Sehr interessant!

    **

    Nach dem Lesen des Artikels kam mir der Gedanke, dass für jedes Land ein neuer Versuchsaufbau getätigt wird, um in nicht all zu ferner Zukunft dann vielleicht doch die ein oder andere böse böse böse unwahre VT wahr werden zu lassen.
    Und immer die Frage: “Wie weit können wir gehen – was halten die einzelnen VWs; deren Bürger, aus. Wann gibt es massive Proteste und wann beginnen die ersten Gebäude zu brennen.”

    Wie den Hunden wird sie uns eingeprügelt werden – die neue Lehre – vom neuen freien Leben.

    • Michael S. - 16. Februar 2012

      Witzig den ntv-Artikel wollt ich grad posten…

      Das ist bei den Zentral(-bankstern) halt Bilanzgewinn aber was die Griechen schon lange wisssen:
      Einem nackten Mann kann man nicht in die Tasche greifen!
      Da können die soviel Alt gegen neu Schulden tauschen wie sie wollen – Insolvent ist Insolvent.

      Schlimm ist nur wenn die Welt bzw NTV dann Volksverdummung betreibt indem sie den Lesern suggeriert hier wird Gewinn gemacht… am Ende glaubt das noch manch einer.

      Gruß Michael S.

    • Roland - 17. Februar 2012

      Die Notenbanken haben den Geschäfts-Banken griechische Staatsanleihen stark diskontiert abgekauft und verkaufen diese dem “Rettungsfonds” mit einem Gewinn weiter.
      Evtl. Verluste beim Weiterverkauf an den griechischen Staat fallen dann also beim “Rettungsfonds” an.
      Schönes Spielchen, nicht wahr ?

      Zu den Konsumausgaben:
      Der Spanier “an sich” spart NIE. Er haut schon am Monatsanfang den Großteil seines Gehaltes auf den Kopf. Ende des Monats wird es immer enger, dann werden zuhause Nudeln gegessen, manche können sich nicht einmal mehr den Bus zur Arbeitsstelle leisten.

      Vermutlich werden jetzt alle Ersparnisse mobilisiert, auch die von Oma und Opa.

      • Holly01 - 17. Februar 2012

        ” Zu den Konsumausgaben:
        Der Spanier “an sich” spart NIE. Er haut schon am Monatsanfang den Großteil seines Gehaltes auf den Kopf. Ende des Monats wird es immer enger, dann werden zuhause Nudeln gegessen, manche können sich nicht einmal mehr den Bus zur Arbeitsstelle leisten.

        Vermutlich werden jetzt alle Ersparnisse mobilisiert, auch die von Oma und Opa.”
        .
        statistisch belegt? manchmal macht lesen mir Angst ……..

      • Querschuss - 17. Februar 2012

        Hallo Roland,
        selbst wenn die Esparnisse mobilisiert werden, auch die von Oma und Opa, müssten sich diese Konsumausgaben irgendwo niederschlagen, bei den Immobilien tun sie es nicht, bei den Einzelhandelsumsätzen auch nicht, bei den PKW-Käufen ebenfalls nicht. Deshalb stellte ich ja die Frage wo fließen sie hin die angeblich relativ stabilen privaten Konsumausgaben?

        Gruß Steffen

      • Roland - 17. Februar 2012

        Hallo Steffen,

        die anekdotische Anmerkung sollte einen Hinweis darauf geben, dass ich die Konsum-Lage in Spanien NICHT in der Konsum-Statistik widergespiegelt sehe.

        Aus meiner persönlichen Erfahrung heraus, halte ich sie für schlechter.

  • Holly01 - 17. Februar 2012

    Vielleicht kommen einige weiter wenn sie sich von der rein wirtschaftlichen Sicht der Dinge trennen. Die kirchlich/geschichtliche Sicht kann sehr viel helfen und erklärt auch die Frontverläufe besser.
    Ich bitte Hr. Prof. Dr. Nieschmidt um Verständniss darum, dass ich seinen Vortrag zu diesem Zweck aus seinem Kontext reisse und hier verlinke.
    Ich möchte auf die Brillanz des Vortags hinweisen, aber auch darauf, das der von mir betrachtete Inhalt, beim Vortrag nur der Aufwärmer und nicht zentraler Inhalt ist.
    Es geht mir um die ersten 30 min. bis der/die/das Vorgesetzte zum ersten Mal auftaucht. Die geistige Haltung und ein Teil ihres Ursprungs erklärt die wirtschaftlichen Probleme unserer Zeit.
    Es erklärt auch viel vom Unverständniss und der Unversönlichkeit der Calvinistischen Nordstaaten in der EU und der katholischen Südstaaten der EU.
    Ein Dissenz der Grundhaltung die alleine Deutschland über hunderte Jahre im Kriegszustand gehalten hat und das völlige Unverständniss anderer (z.B. fernöstlicher Kulturen) erklärt.
    .
    http://www.microsoft.com/de-ch/showcase/details.aspx?uuid=5bfc069b-7cb9-43b6-
    a564-ae07eb75af30
    .
    Der Vortrag hat 2 Teile, ich finde beide sehr interessant, aber das liegt immer im Auge des Betrachters.

  • Detlef Guertler - 17. Februar 2012

    1. Anders als die Arbeitnehmerentgelte sollten zwei andere Einnahmeposten der privaten Haushalte in den vergangenen Jahren gestiegen sein: die Renten und die Sozialleistungen.
    2. Langlebige Konsumgüter brechen in Rezessionen immer stärker ein als der Gesamt-Konsum: Ein neues Auto kann noch ein oder zwei Jahre warten, ein neues Brot hingegen nicht.
    Beide Effekte zusammen sollten die Zahlen wieder halbwegs konsistent machen – wenn die Spanier mit Statistik lügen, dann nicht so billig.

    • Querschuss - 17. Februar 2012

      Hallo Detlef,
      das neue Brot reflektieren die Einzelhandelsumsätze und die sind auch mit Chart und Daten dargestellt, leider liefert dein Ansatz keine Erklärung.

      Gruß Steffen

  • july - 17. Februar 2012

    und spanien wird auch rausgehen aus der eu/euro wenn es denn diese dann noch gibt!
    ebenso italien, irland, belgien…..

  • Detlef Guertler - 17. Februar 2012

    Die Differenz zwischen Arbeitnehmerentgelten und Konsumausgaben müsste sich durch Renten und Sozialleistungen erklären lassen – die Differenz zwischen Konsumausgaben und Einzelhandelsumsätzen hingegen nicht. Hier wären möglich z.B.
    - ein deutlicher Rückgang der Ausfuhren von Touristen (früher haben z.B. englische Touristen säckeweise Zigaretten aus Spanien mitgenommen, durch die höhere Tabaksteuer hat das stark nachgelassen)
    - ein Anstieg der Schattenwirtschaft mit entsprechend geringeren offiziellen Umsätzen.

  • Nepumuk - 17. Februar 2012

    Guten Morgen,

    auch ich kann leider nichts zur Lösung der verschwundenen Konsumausgaben beitragen… habe grade schon unter meinem Sofa nachgesehen…
    aber da sind sie auch nicht.

    Allerdings habe ich noch eine frage ide mir schon seit Tagen im Kopf umhergeistert.

    In dieser Woche hat Herr Dirk Müller in einer Talkshow ausgeführt, das durch die schwachen EU Länder der Euro ein wenig nach unten gezogen wird ( im Aussenwert)
    Dadurch sind unsere (DE) Exporte billiger mit dem Effekt den wir alle kennen (Viezeweltmeister)

    Allerdings wurde damit auch die Kaufkraft der breiten Bevölkerung gesenkt, da wir ja alle privat auch Importe verkonsumieren (Benzin,Gas usw)

    Jetzt zur Frage.

    Gibt es geschätzte Zahlen die belegen wie die Preise (für die Endverbraucher) sich in DE entwickeln würden wenn wir eine DM bekommen würden ?
    Ich meine dies schon an konkreten Beispielen.

    Was würde z.B. Milch,Brot, Benzin kosten wenn man die dann durch die Aufwertung gesunkenen Importpreise mit in die Kalkulationen einrechnet ?

    Ich währe ihnen sehr verbunden wenn sie etwas in dieser Richtung ausgraben könnten, ich haben dazu leider nichts gefunden.

    Nepumuk

    • Holly01 - 17. Februar 2012

      Seriöse Schätzungen dazu sind mE unmöglich. Man kann weder absehen, wie viel der Euroausstieg kosten würde, noch kann man absehen, wie die Finanzmärkte wirklich eine deutsche Alleinstellung aufnehmen würden.
      GB wurde von Soros zu einem Zeitpunkt aus dem Wechselkurssystem gezwungen, als man dort noch viel besser da stand als jetzt.
      Japan verbraucht fast seine gesamten Handelsüberschüsse, um die deflationären Auswirkungen des aufwertenden Yen unter Kontrolle zu halten und verschuldet die öffendliche Hand über alle Maßen. Aber das ist dort gesellschaftlich Konsens.
      Die Szenarien für Deutschland sind reine Theorie. Von in Summe nichts passiert, bis hin zu radikaler Aufwertung, mit deflationärem Schock und Wirtschaftszusammenbruch, mit Massenarbeitslosigkeit bzw. am Ende quasi Griechenland Szenario, also von den Schulden erdrückt.
      Ich tendiere zum Schweiz Szenario. Wobei die Schweiz mit der Ankopplung an den Euro alle Lasten mitträgt, ohne an den Entscheidungen teilnehmen zu können.
      Wenn der Weg nicht absehbar ist, dann sind die Auswirkungen (bis hin zu Einzelpreisen) erst recht Glaskugelwissen.
      Leicht hat die Schweiz es imo jedenfalls nicht.

      • Nepumuk - 17. Februar 2012

        Vielen dank für diese Betrachtung.

        Allerdings würde mich wirklich die Meinung des Herrn Eichner dazu interessieren.

        Ich meiner bescheidenen Denke würde ich meinen,
        das durch eine Aufwertung nach aussen ( durch einer DM oder einen Kern Euro)
        es einen kräftigen Kaufkraftzuwachs bei der Bevölkerung geben wird.

        Auf der anderen Seite wird es sicherlich einen Dämpfer bei den Exporten geben.

        Allerdings halte ich die Schreckenszenarien die von vielen Stellen ausgegeben werden für schlicht übertrieben.

        Da ja Industrie und Handel nicht nur am gestiegenen Aussenwert der währung leiden würden, sondern auch massiv davon profitieren.

        Im Einkauf währen Halbfertigprodukte,Energie und Rohstoffe im Verhältniss zur aufwertenden Währung günstiger zu haben .

        Nepumuk

    • gilga - 17. Februar 2012

      Für die Wecheslkurse gibt es natürlich Kaffesatzleserei… z.B.
      “Nomura Presents The Fair-Value Of European Currencies In A Euro Breakup Scenario”: http://www.zerohedge.com/news/nomura-presents-fair-value-european-currencies-euro-breakup-scenario

      Die restliche Kalkulation ist schwierig, da es hier ja unzählige Faktoren gibt die man berücksichtigen muss. Jedoch betonen viele der Personen die Art/Zeitpunkt/… der Einführung des Euro schon zu Beginn kritisiert hatten immer wieder an, dass die Aufwertung einer DM eben auch positive Effekte hätte. Und dort wo negative Effekte entstehen haben auch diese eine gewisse positive Wirkung: Es entsteht stärkerer Innovationsdruck => und genau das macht der “Industrie” der “Südstaaten” ja zu schaffen. Eine über Jahrzehnte auch durch den Druck einer “starken” Währung auf Effizienz getrimmte Industrie in Dtl.

  • dank - 17. Februar 2012

    Mir fiel eben ein wohin die relativ stabilen privaten Konsumausgaben fließen:

    Die spanische Regierung legt sich auch auf Umwegen einen “vergessenen” Fond an, um später in der Eskalationsphase, noch kurz medial bremsen zu können, damit die Abfahrt an den Märkten nicht so ruppig wird wie in GR.

    Let’s do it greek! ala

    http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,789861,00.html
    ;-)

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