Deutsche Bank im freien Fall

von am 12. September 2011 in Allgemein

Die Implosion des europäischen Bankensystems in Folge der Schuldenkrise, die eine Systemkrise ist, schreitet täglich voran. Auch der Aktienkurs der Deutschen Bank kommt weiter unter die Räder, gegen 14:00 Uhr weist die Aktie einen Verlust zum letzten Handelstag von -8,7% aus und fällt auf 20,94 Euro. Die Marktkapitalisierung des größten deutschen Bankinstituts beträgt nur noch 19,09 Mrd. Euro. Dies ist durchaus bemerkenswert, betrug doch allein das Eigenkapital der Bank per Ende Juni 51,678 Mrd. Euro. Dies kann nur bedeuten, die Marktteilnehmer irren oder das auch die Deutsche Bank seine potentiellen Verluste in der Bilanz nicht mit dem vorhandenen Eigenkapital abfedern kann.

Die Entwicklung des Aktienkurses der Deutschen Bank seit Januar 1992 im Dailychart. Heute sinkt die Aktie um weitere -8,7% zum letzten Handelstag auf 20,94 Euro . Die Marktkapitalisierung liegt nur noch bei 19,09 Mrd. Euro, zum Hoch am 11.05.2007 mit einem Aktienkurs von 101,95 Euro betrug der Börsenwert 111,92 Mrd. Euro. Die Aktie ist seit dem Hoch um -79,46% eingebrochen! 

Die 51,678 Mrd. Euro an Eigenkapital müssen der Anker sein, für die vergebenen Darlehen in Höhe von 394,728 Mrd. Euro, für ein Handelsbuch, dass nach Fair Value bewertete finanzielle Vermögenswerte von insgesamt 1,025343 Billionen Euro ausweist, darunter 892,326 Mrd. Euro an Level2 Assets und 45,521 Mrd. Euro an Level3 Assets. Über die Qualität dieser Assets (Vermögenswerte) sagen die verwendeten Bewertungsmethoden viel aus, denn Level 3 Assets sind Vermögenswerte, die nicht handelbar sind und für die es keine verfügbaren Marktpreise gibt, de facto werden diese illiquiden Vermögenswerte mit Fantasiebewertung nach “Mark to Model” bewertet. Selbst bei Level2 Assets besteht noch großer Bewertungsspielraum, denn hier werden bei nicht direkt vorhandenen Marktwert oder nicht ausreichend liquiden Märkten einfach vergleichbaren alternativen Marktpreisen zur Bewertung herangezogen.

Die Deutsche Bank ist hochgehebelt mit einem Leverage Ratio (Verhältnis Aktiva zu Eigenkapital) von 36! Man kann es auch so umschreiben, bei den Vermögenswerten der Deutschen Bank sind auf 1 Euro Eigenkapital 36 Euro Fremdkapital gehebelt. Nur wenn man die Bilanz nicht nach IFRS (Rechnungslegungsstandard in Europa) ausweist, also mit dem Marktwert (oder auch Wiederbeschaffungswert) der eingegangenen Derivate-Wetten, sondern wie nach US-GAAP (Rechnungslegungsstandard in den USA), nur mit dem Netting, dem gegenseitigen Verrechnen der Derivate Positionen, schrumpft die Bilanzsumme von 1,85 Billionen Euro auf 1,209 Billionen Euro und damit auf ein Leverage Ratio von 23! Die spekulative Ausrichtung der Deutschen Bank, mit dem enorm hohen Anteil an Derivate-Marktwert in der Bilanz, könnte bei einer weiteren Zuspitzung der Lage der Deutschen Bank auf die Füße fallen, ebenso wie die hohen Ausgaben für Löhne, Gehälter und Boni in Höhe von 7,643 Mrd. Euro im 1. Halbjahr 2011, ein Anstieg von +15,59% zum Vorjahreszeitraum (6,612 Mrd. Euro). Denn ganz klar, angemessener wäre es wohl gewesen, weniger Boni zu zahlen und dafür die Eigenkapitalbasis zu stärken.

Quellen: Deutsche-bank.de/Zwischenbericht 30. Juni 2011, Deutsche-bank.de/Financial Data Supplement Q2 2011

Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

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