Deutsche Exporte kühlen weiter ab

von am 8. September 2011 in Allgemein

Der deutsche Export von Waren und Gütern schwächte sich im Juli 2011 laut den heutigen Daten des Statistischen Bundesamtes erneut ab. Zum Vorjahresmonat ging es nur noch um +4,5% aufwärts. Im Vergleich zum Vormonat ging es bei den unbereinigten Daten um -2,72% abwärts, auf 85,9 Mrd. Euro, nach 88,3 Mrd. Euro im Juni. Das Rekordexportvolumen wurde im März 2011 mit 98,2 Mrd. Euro markiert.

Die prozentuale Entwicklung des deutschen Exportvolumens bei Waren und Gütern im Vergleich zum Vorjahresmonat (an Hand der original unbereinigte Werte) seit Januar 2000.

Im Juli 2011 wurden Waren und Güter in einem unbereinigten Volumen von 85,9 Mrd. Euro ausgeführt, nach 88,3 Mrd. Euro im Juni und nach 82,2 Mrd. Euro im Vorjahresmonat. Im Chart die monatlichen Exportdaten seit Januar 1991 mit damals 29,2 Mrd. Euro an Exportvolumen.

Auch Kalender- und saisonbereinigt (gemäß X-12 ARIMA Verfahren) sanken die Exporte im Juli 2011 um -1,8% zum Vormonat, nach -1,2% im Juni.

Der Schwerpunkt beim deutschen Exportvolumen (unbereinigt) lag auch im Juli 2011 weiter in Europa, denn 49,7 Mrd. Euro bzw. 57,86% (61,15% im Vormonat) aller Exporte von Waren und Gütern gingen in die Länder der EU27. In die Eurozone (EU17, mit dem Euro als gemeinsamer Währung) wurde ein Volumen von 33,3 Mrd. Euro bzw. von 38,76% (41,79% im Vormonat) aller deutschen Exporte geliefert. In Drittländer (alle Länder außerhalb der EU 27) wurden Waren und Güter in Höhe von 36,1 Mrd. Euro geliefert, der Anteil lag bei 42,02% (38,84% im Vormonat).

Sehr interessant sind diese Daten, denn eventuell wird Deutschland erstmals selbst eingeholt, von seiner in aktiver Rolle betriebenen Austeritätsmaßnahmen für die Südperipherie der Eurozone, den Sparmaßnahmen die dort die Wirtschaft abwürgen, denn die Exporte in die Eurozone sanken um -3,6 Mrd. Euro zum Vormonat und dieser Rückgang war höher, als der gesamte Rückgang aller Exporte mit -2,4 Mrd. Euro im Juli:

Das deutsche Exportvolumen in die Eurozone in Mrd. Euro seit Januar 1991 bis Juli 2011 im Chart. Zum Hoch im März 2011 mit einem Exportvolumen in die Eurozone von 39,55 Mrd. Euro betrug der Einbruch bis Juli 2011 -6,25 Mrd. Euro.

Die gesamten deutschen Importe stiegen im Juli 2011, um unbereinigte +9,9% zum Vorjahresmonat, auf 75,4 Mrd. Euro, nach 75,6 Mrd. Euro im Juni 2011 und nach 68,6 Mrd. Euro im Juli 2010. Im Vergleich zum Vormonat sank das Importvolumen unbereinigt um -0,26%. Kalender- und saisonbereinigt (X-12 ARIMA Verfahren) sanken die Importe im Juli 2011 um -0,3% zum Vormonat.

Die Entwicklung der unbereinigten Originaldaten bei den Exporten (rot) und Importen (blau) von Waren und Gütern in Mrd. Euro seit Januar 1991.

Die Entwicklung der unbereinigten monatlichen deutschen Handelsbilanz bei Waren und Gütern seit Januar 1971 im Chart. Der deutsche Handelsbilanzüberschuss sank im Juli 2011  auf 10,4 Mrd. Euro, nach 12,7 Mrd. Euro im Juni und nach 13,6 Mrd. Euro im Vorjahresmonat. Diese Daten sind weiter Beleg für die enormen fundamentalen Ungleichgewichte im Handel Deutschlands mit der Welt.

Im Gesamtjahr 2010 wurde ein Handelsüberschuss von 154,5 Mrd. Euro erzielt, ein Anstieg von +11,2% zu 2009 mit 138,7 Mrd. Euro. Im breiten 7-Monatszeitraum von Januar bis Juli 2011 stiegen die Handelsbilanzüberschüsse Deutschlands nur noch um +0,79% auf 89,6 Mrd. Euro, im Vergleich zum Vorjahreszeitraum mit 88,9 Mrd. Euro.

Die Leistungsbilanz, die Summe aus Handelsbilanz, Dienstleistungsbilanz, Übertragungsbilanz und Ergänzungsbilanz sank im Juli 2011 auf +7,5 Mrd. Euro, nach +11,9 Mrd. Euro im Juni und nach 10,4 Mrd. Euro im Vorjahresmonat:

Die Entwicklung der monatlichen deutschen Leistungsbilanz seit Januar 1971 bis Juli 2011.

Die Leistungsbilanzüberschüsse stiegen im Jahr 2010 um +10%, im Vergleich zu 2009, auf  kumulierte 131,6 Mrd. Euro an. Im breiteren 7-Monatszeitraum, Januar bis Juli 2011, sanken die Leistungsbilanzüberschüsse Deutschlands leicht um -4,6% auf 70,0 Mrd. Euro, im Vergleich zum Vorjahreszeitraum mit 73,4 Mrd. Euro.

Die Leistungsbilanz Deutschlands mit den Mitgliedern der Eurozone seit Q1 1971 bis Q1 2011 in Mrd. Euro, gemäß den letzten verfügbaren Daten der Bundesbank. Der Leistungsbilanzüberschuss Deutschlands betrug 2010 +86,379 Mrd. Euro. Seit der Bargeldeinführung des Euro 2002 kumulierte sich ein Leistungsbilanzüberschuss Deutschlands mit den Mitgliedern der Eurozone von +745,285 Mrd. Euro.

Die Leistungsbilanzüberschüsse Deutschlands erhöhen auch immer weiter die Gläubigerposition Deutschlands gegenüber dem Ausland und sind Teil der Schuldenkrise.

Sehr wahrscheinlich haben die deutschen Exporte ihre Hochs gesehen und nun wird das Abwürgen der wirtschaftlichen Aktivität in der Südperipherie der Eurozone und die schwächere weltwirtschaftliche Aktivität negativ auf die Exporte zurückkoppeln.

Quellen: Destatis.de/Pressemitteilung Außenhandel Juli 2011, Genesis.destatis.de/DatenbankBundesbank.de/Datenbank,

Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

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