Deutsche Exporte schwächen sich ab

von am 9. August 2011 in Allgemein

Der deutsche Export von Waren und Gütern schwächte sich im Juni 2011 laut dem Statistischen Bundesamt ab. Zum Vorjahresmonat ging es nur noch um +3,1% aufwärts. Im Vergleich zum Vormonat ging es bei den unbereinigten Daten um kräftigere -4,23% abwärts, auf 88,3 Mrd. Euro, nach 92,4 Mrd. Euro im Mai. Das Rekordexportvolumen wurde im März 2011 mit 98,3 Mrd. Euro markiert.

Die prozentuale Entwicklung des deutschen Exportvolumens bei Waren und Gütern im Vergleich zum Vorjahresmonat (an Hand der original unbereinigte Werte) seit Januar 2000.

Im Juni 2011 wurden Waren und Güter in einem unbereinigten Volumen von 88,3 Mrd. Euro ausgeführt, nach 92,2 Mrd. Euro im Mai und nach 85,6 Mrd. Euro im Vorjahresmonat. Im Chart die monatlichen Exportdaten seit Januar 1991 mit damals 29,2 Mrd. Euro an Exportvolumen.

Auch Kalender- und saisonbereinigt (gemäß X-12 ARIMA Verfahren) sanken die Exporte im Juni 2011 um -1,2% zum Vormonat.

Der Schwerpunkt beim deutschen Exportvolumen (unbereinigt) lag auch im Juni 2011 weiter in Europa, denn 54,0 Mrd. Euro bzw. 61,15% aller Exporte von Waren und Gütern gingen in die Länder der EU27. In die Eurozone (EU17, mit dem Euro als gemeinsamer Währung) wurde ein Volumen von 36,9 Mrd. Euro bzw. von 41,79% aller deutschen Exporte geliefert. In Drittländer (alle Länder außerhalb der EU 27) wurden Waren und Güter in Höhe von 34,3 Mrd. Euro geliefert, der Anteil lag bei 38,84%.

Die deutschen Importe stiegen im Juni 2011, “nur” um unbereinigte +6,0% zum Vorjahresmonat, auf 75,6 Mrd. Euro, nach 77,4 Mrd. Euro im Mai und nach 71,3 Mrd. Euro im Juni 2010. Im Vergleich zum Vormonat sank das Importvolumen unbereinigt um -2,33%. Kalender- und saisonbereinigt (X-12 ARIMA Verfahren) stiegen die Importe im Juni 2011 noch um +0,3% zum Vormonat.

Die Entwicklung der unbereinigten Originaldaten bei den Exporten (rot) und Importen (blau) von Waren und Gütern in Mrd. Euro seit Januar 1991.

Die Entwicklung der unbereinigten monatlichen deutschen Handelsbilanzüberschüsse bei Waren und Gütern seit Januar 1991. Der deutsche Handelsbilanzüberschuss sank im Juni 2011  auf  12,7 Mrd. Euro, nach 14,8 Mrd. Euro im Mai und nach 14,3 Mrd. Euro im Vorjahresmonat. Diese Daten sind weiter Beleg für die fundamentalen Ungleichgewichte im Handel Deutschlands mit der Welt.

Im Gesamtjahr 2010 wurde ein Handelsüberschuss von 154,5 Mrd. Euro erzielt, ein Anstieg von +11,2% zu 2009 mit 138,7 Mrd. Euro. 2011 könnte es noch weiter aufwärts gehen, denn im breiteren 6-Monatszeitraum von Januar bis Juni 2011 stiegen die Handelsbilanzüberschüsse Deutschlands um +5,2% auf 79,1 Mrd. Euro, im Vergleich zum Vorjahreszeitraum mit 75,2 Mrd. Euro.

Die Leistungsbilanz, die Summe aus Handelsbilanz, Dienstleistungsbilanz, Übertragungsbilanz und Ergänzungsbilanz stieg im Juni 2011 auf +11,9 Mrd. Euro, nach +6,7 Mrd. Euro im Mai und nach 13,4 Mrd. Euro im Juni 2010:

Die Entwicklung der monatlichen deutschen Leistungsbilanz seit Januar 1991 bis Juni 2011.

Die Leistungsbilanzüberschüsse stiegen im Jahr 2010 um +10%, im Vergleich zu 2009, auf  kumulierte 131,6 Mrd. Euro an. Im breiteren 6-Monatszeitraum, Januar bis Juni 2011, lagen die Leistungsbilanzüberschüsse Deutschlands fast unverändert bei 62,9 Mrd. Euro, im Vergleich zum Vorjahreszeitraum mit 63,1 Mrd. Euro.

Die Leistungsbilanz Deutschlands mit den Mitgliedern der Eurozone seit Q1 1971 bis Q1 2011 in Mrd. Euro, gemäß den letzten verfügbaren Daten der Bundesbank. Der Leistungsbilanzüberschuss Deutschlands betrug 2010 +86,379 Mrd. Euro. Seit der Bargeldeinführung des Euro 2002 kumulierte sich ein Leistungsbilanzüberschuss Deutschlands mit den Mitgliedern der Eurozone von +745,285 Mrd. Euro.

Die Leistungsbilanzüberschüsse Deutschlands erhöhen auch immer weiter die Gläubigerposition Deutschlands gegenüber dem Ausland und sind Teil der Schuldenkrise. Gegenüber der Südperipherie der Eurozone findet die Defizitfinanzierung der Leistungsbilanz sowie die Liquiditätssicherung der irischen Banken u.a. auch über die Verrechnungssalden des Target 2 Systems im Europäischen System der Zentralbanken (ESZB) statt. Deshalb ein Blick auf den Stand im Juni 2011, wie hoch die Forderungen der deutschen Bundesbank gegenüber den nationalen Notenbanken vor allem von Griechenland, Portugal, Spanien und Irland sind:

Die Forderungen innerhalb des Eurosystems (netto) der Deutschen Bundesbank auf Monatsbasis in Mrd. Euro, gegenüber den nationalen Notenbanken der Eurozone und der EZB seit Januar 1999 im Chart. Zuletzt im Juni betrug die Forderung aus der Target 2 Position der Bundesbank 348,854 Mrd. Euro.

Quelle Daten: Destatis.de/Pressemitteilung Außenhandel Juni 2011, Genesis.destatis.de/DatenbankBundesbank.de/Datenbank, Bundesbank.de/Monatsbericht Bundesbank Juli 2011

Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

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