Deutschland: Baugenehmigungen Dezember 2015

von am 19. März 2016 in Allgemein

Das Statistische Bundesamt (Destatis) hat in ihrer Datenbank die Anzahl der Baugenehmigungen von Wohnungen für den Monat Dezember 2015 aktualisiert. Zuletzt im Dezember 2015 stiegen die Baugenehmigungen für Wohnimmobilien um +29,2% zum Vorjahresmonat, auf 32’296 Einheiten. Im Gesamtjahr 2015 dokumentiert sich ein Anstieg von +8,5% zum Vorjahr, auf 308’978 Baugenehmigungen für Wohnungen. Das klingt zunächst gut, ist aber weiter deutlich abseits der Notwendigkeiten.

Destatis hat sehr spät die Daten aktualisiert und keine Pressemitteilung zu den Baugenehmigungen im Jahr 2015 herausgegeben, dies obwohl man einen schönen prozentualen Anstieg hätte vermelden können? Aber abseits der prozentualen Steigerung bleiben die Baugenehmigungen von Wohnungen zu schwach. Eine jüngste Studie im Auftrag des Immobilienverbandes IVD durch die Universität Freiburg ermittelte einen aktuellen Bedarf von 494’000 neuen Wohnungen pro Jahr, bis zum Jahr 2020, um den Rückstau aufzulösen und den Bedarf an Wohnraum, vor allem in den Ballungsgebieten der Republik zu decken.

An den Notwendigkeit gemessen sind die Baugenehmigungen trotz Steigerungen zu niedrig, wie auch der Langfristchart mit den Daten verdeutlicht. Brisant ist vor allem der enorme Bedarf an bezahlbaren Wohnraum in Deutschland, ein Segment was sich durch akuten Mangel auszeichnet und hart umkämpft ist von Jugendlichen, sozial Schwachen und Flüchtlingen. Man nimmt sichtbar soziale Verwerfungen in Kauf, denn es dokumentieren sich vor allem Baugenehmigungen von Eigentumswohnungen im Hochpreissegment in den Top-Lagen der Städte, wo die letzte Lücke mit Luxuswohnungen zugebaut wird.

S1473Die Entwicklung des saisonbereinigten Baugenehmigungen für Wohnungen, Index 2010=100, von Januar 1979 bis Dezember 2015 im Chart. Im Dezember 2015 lagen die saisonbereinigten Baugenehmigungen für Wohnungen  bei 194,6 Indexpunkten. Zum saisonbereinigten Hoch aus Oktober 1994 mit 413,5 Indexpunkten ging es immer noch um -52,9% abwärts. Selbst wenn man nicht den Bauboom der Wiedervereinigung Mitte der 90er als Maßstab nimmt, die aktuellen Baugenehmigungen für Wohnungen liegen auch noch deutlich unter der guten Phase in der alten Bundesrepublik von 1979 bis 1985!

Unbereinigt bei den Originaldaten wurden im Dezember 2015 32’296 Baugenehmigungen für Wohnungen erteilt, ein Anstieg von +29,2% zum Vorjahresmonat.  Im vierten Quartal 2015 stiegen die Baugenehmigungen um +18,8% zum Vorjahresquartal, auf 88’887 und im Gesamtjahr 2015 stiegen die Baugenehmigungen von Wohnungen um +8,5% zum Vorjahr, auf 308’978 Baugenehmigungen.

S1474Die Entwicklung der unbereinigten Originaldaten der Baugenehmigungen (Anzahl) bei Wohn- und Nichtwohngebäuden, deren Wohnungen und umbauter Raum, für Neubauten und für Baumaßnahmen an bestehenden Gebäuden auf Quartalsbasis von Q1 1979 bis Q4 2015 im Chart. In Q4 2015 wurden 85’887 Baugenehmigungen erteilt (+18,8% zum Vorjahresquartal). Zum Allzeithoch in Q4 1994 waren es 191’422 Baugenehmigungen und zum Zwischenhoch in der alten Bundesrepublik in Q2 1983 118’544 Baugenehmigungen.

S1475Die Entwicklung des ausstehenden Hypothekenvolumens des Privatsektors (private Haushalte und Unternehmen) in Mrd. Euro seit Q1 1970 bis Q4 2015. Am äußeren Rand zeichnet sich ein kleiner Ausbruch nach oben. In Q4 2015 stieg das ausstehende Hypothekenvolumen um +3,9% zum Vorjahresquartal, auf 1253,305 Mrd. Euro.

Das Hypothekenwachstum ist immer noch moderat, da gab es schon ganz andere Steigerungsraten, ein gewichtiger Teil des Kapitals was in den deutschen Immobilienmarkt fließt ist Eigenkapital.

S1476Die Entwicklung des ausstehenden Hypothekenvolumens des Privatsektors (private Haushalte und Unternehmen) in Prozent zum Vorjahresquartal seit Q1 1970 bis Q4 2015. In Q4 2015 ging es um +3,9% zum Vorjahresquartal aufwärts. Von Q1 1979 bis Q4 2007, bis zum Ausbruch der Wirtschafts- und Finanzkrise ging es im Durchschnitt um +7,4% aufwärts beim Hoch in Q3 1999 um +23,2%.

Spannend dürfte werden, ob sich die neue Wohnimmobilienkreditrichtlinie, ab 21. März 2016 Gesetz in Deutschland, negativ auf die Immobilienkreditvergabe auswirkt und wenn ja wie negativ, mit ihren schärferen Dokumentation- und Informationspflichten für die Kreditgeber.

S1477Die Entwicklung des vdp-Immobilienpreisindex für Wohnimmobilien seit Q1 2003 im Chart. In Q4 2015 stiegen die durchschnittlichen landesweiten Preise für Wohnimmobilien um +6,2% zum Vorjahresquartal, auf 132,0 Indexpunkte. Seit 2003 stiegen die Preise um +32,0%.

Die vdpResearch GmbH veröffentlicht diesen Immobilienpreisindex im Auftrag des Verbandes deutscher Pfandbriefbanken auf Basis der Transaktionsdatenbank der teilnehmenden Finanzinstitute.

Quelle Daten:  Genesis.destatis.de/DatenbankPfandbrief.de/Daten: vdp-Immobilienpreisindex

Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

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1 KommentarKommentieren

  • Erino - 20. März 2016

    Hier in München kosten die Wohnungen selbst am Stadtrand schon mehr als 6000 Euro pro qm, in guten Lagen zahlt man 10000 bis 20000 Euro. Natürlich gibt es hier auch das Modell, dass etwa ein Drittel der Wohnungen für Sozialwohnungen reserviert sind, aber dies führt natürlich dazu, dass die frei verkaufbaren Wohnungen ohne Mietbindung umso teurer werden. Für den Mittelstand ist das nicht mehr bezahlbar. Mietpreise von 20 Euro und mehr pro qm sind mittlerweile nicht mehr ungewöhnlich. Selbst Doppelverdiener haben da ihre Probleme. Man verdient in München zwar etwas mehr als im Norden, aber mit den höheren Abgaben (Steuern etc.) kann man das nicht ausgleichen. Der Mietspiegel von München ist ganz offensichtlich getürkt, nirgendwo findet man Wohnungen zu den Preisen, wie sie dort stehen. Billigere Genossenschaftswohnungen bekommt man nur, wenn man entsprechende Beziehungen hat. Für die sozial Schwächeren gibt es viel zu wenige Wohnungen, aber wenn sie mal eine haben, dann bleiben sie natürlich dort, so lange es geht. Selbst wenn sie dann wesentlich mehr verdienen, kaufen sie sich eher noch ein Wochenendhaus auf dem Land, als dass sie ihre günstigen Wohnungen aufgeben.