Deutschland: detaillierte BIP-Daten zeigen das schiefe Wirtschaftsmodell

von am 25. Mai 2012 in Allgemein

Gestern berichtete das Statistische Bundesamt (Destatis) in der 2. Schätzung die Daten zum BIP in Q1 2012 und auch die detaillierten Daten zur Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung (VGR). Zunächst wurde das vergleichsweise solide Wachstum des realen (preis-, saison- und kalenderbereinigten) Bruttoinlandsprodukts (BIP) von +0,5% zum Vorquartal bestätigt, zum Vorjahresquartal ging es unbereinigt noch um real +1,7% aufwärts. Die detaillierten Daten zeigen leider aufs Neue, dass viel Zeit vertan wurde und das schiefe und einseitig aufgestellte deutsche Wirtschaftsmodell nicht wirklich korrigiert wurde.

Die Entwicklung des realen BIPs im Vergleich zum Vorquartal seit Q1 1992 bis Q1 2012 im Chart. In Q1 2012 ging es um +0,5% aufwärts, nach -0,2% in Q4 2011.

Die realen saison- und kalenderbereinigten Konsumausgaben der privaten Haushalte seit Q1 2000 bis Q1 2012 (2005=100) im Chart. In Q1 2012 stiegen die realen Konsumausgaben um +0,35% zum Vorquartal. Diese Daten dokumentieren eine Schwäche, denn seit dem Jahr 2000 bis Q1 2012 ist der reale private Konsum um “sagenhafte” +5,86% gestiegen.

Es geht zwar in die richtige Richtung, aber eine Korrektur des exportorientierten Wirtschaftsmodells ist damit nicht erzielbar. Der private Konsum stieg eher schwach und im Schlepptau des auch in Q1 2012 guten Exports und ist Folge der Effekte auf den vergleichsweisen hohen Grad der Beschäftigung in Deutschland. Auch der staatliche Konsum stieg verhalten, real und saisonbereinigt um +0,2% zum Vorquartal.

Wie schief das deutsche Wirtschaftsmodell grundsätzlich aufgestellt ist, zeigen nicht Vergleiche zum Vorquartal oder zu den Vorjahresquartalen, sondern die lange Datenreihe, wie in diesem Chart:

Die Entwicklung der realen Arbeitnehmerentgelte (grün), des realen Exportvolumens (rot) und der realen privaten Konsumausgaben der privaten Haushalte (blau) von Q1 2000 bis Q1 2012, alle Daten saisonbereinigt (Jahr 2000=100). Während die realen Exporte seit 2000 bis Q1 2012 um +84,44% stiegen, gab es bei den realen privaten Konsumausgaben einen lauen Anstieg von +5,86% und die realen Arbeitnehmerentgelten erzielten endlich ein Niveau von über dem Jahr 2000, mit einem Minianstieg von +0,59% seit 2000. So sieht sie aus, die wirkliche Genese des deutschen XXL-Aufschwungs!

Ganz klar, die Masse der Arbeitnehmer, als Summe aller Arbeitnehmerentgelte, partizipiert nicht adäquat an den Produktivitätsfortschritten und den permanenten Exporterfolgen Deutschlands, was ganz sicher Teil der deutschen wirtschaftspolitischen Strategie ist, die enorme Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Volkswirtschaft sichert und die Partner in der Eurozone an die Wand spielt! Wer profitiert von diesem Exportboom, ein Blick auf das nominale Exportvolumen und die Entwicklung der nominalen Unternehmens- und Vermögenseinkommen macht dies deutlich:

Die Entwicklung beim saisonbereinigten nominalen Exportvolumen und den nominalen Unternehmens- und Vermögenseinkommen verlief in der Vergangenheit ziemlich synchron. Blau (linke vertikale Achse) das Exportvolumen, rot (rechte vertikale Achse) die Entwicklung der Unternehmens- und Vermögenseinkommen, jeweils in Mrd. Euro auf Quartalsbasis von Q1 1991 bis Q1 2012. Die saisonbereinigten nominalen Unternehmens- und Vermögenseinkommen stiegen in Q1 2012 auf 168,43 Mrd. Euro und lagen noch leicht unter den alten Hochs, während das nominale Exportvolumen von Waren, Gütern und Dienstleistungen in Q1 2012, ein neues Allzeithoch mit 332,93 Mrd. Euro markierte!

Dass die Unternehmens- und Vermögenseinkommen am Ende des Charts nicht mehr ganz so steil am Exporterfolg partizipierten, dürfte an den Einkommen liegen, die an den Finanz- und Kapitalmärkten generiert werden, denn es wird im Zuge der Schuldenkrise immer schwieriger Erträge aus Festgeldern, Schuldtiteln und Aktien zu erzielen. Dies kann allerdings nicht mit Daten belegt werden, da Destatis die Unternehmens- und Vermögenseinkommen im Rahmen der VGR für die Quartale nicht getrennt angibt.

Die These, dass sich die einseitige Exportausrichtung Deutschlands, welche Bestandteil der wirtschaftlichen Ungleichgewichte in der Eurozone ist und diese befeuerte und in der Konsequenz der Ungleichgewichte zur Schuldenkrise der Südperipherie beitrug, im globaleren Blickwinkel der wirtschaftlichen Ungleichgewichte auch Teil der Krise in UK und den USA ist und sich diese Einseitigkeit nicht nur gegen die eigenen Arbeitnehmer richtet, sondern in der Endkonsequenz auch die Vermögenden in Schwierigkeiten bringt, auf Grund extrem unsicherer Finanz- und Kapitalmärkte, ist schlüssig! Zuletzt dürfte in einer finalen Phase der kumulierten Verwerfungen auch die Exportindustrie einen herben Einbruch erleiden, in Folge der kollabierenden Nachfrage und den daraufhin ausgelösten Dominoeffekten bis hin zu den BRIC-Staaten, die noch die Export-Umsatzrückgänge aus der Eurozone weitgehend kompensieren konnten.

Um sich von solchen Szenarien etwas unabhängiger zu machen und einen relevanten Beitrag zum Abbau der wirtschaftlichen Ungleichgewichte beizutragen, wäre ein kräftiger Schub bei der Binnennachfrage in Deutschland vonnöten, aber dieser bräuchte die entsprechenden Einkommenszuwächse. Es wuchs in den letzten Quartalen zwar der Beschäftigungsstand, was positiv ist, nur selbst real verharrte in Q1 2012 die Summe aller realen Arbeitnehmerentgelte nur marginal über dem Niveau von 2000 und das ist zwar ein kleiner aber lächerlicher “Erfolg” angesichts der Notwendigkeiten! Das deutsche Jobwunder ist primär mieser Qualität, denn die Mehrzahl der geschaffenen Jobs beinhaltet schlechte Löhne, so das aus ihnen heraus kein großer Stimulus für die Binnennachfrage entsteht, der den Nachfrageeffekt wesentlich übersteigt, als diese in Jobs gekommene Arbeitnehmer noch vollständig zu Lasten der Sozialsysteme ihren nötigsten Konsum deckten.

Zieht man von der Summe der Arbeitnehmerentgelte die Sozialbeiträge der Arbeitnehmer ab, erhält man die Summe aller Bruttolöhne und -gehälter und bricht man diese Summe dann auf die Anzahl der Beschäftigten im 1. Quartal 2012 und je Monat herunter, erhält man die durchschnittlichen Bruttolöhne und -gehälter je Arbeitnehmer und je Monat. Dieser betrug dann Brutto (nominal) 2’499 Euro, ein Anstieg von +1,38% bzw. von +34 Euro je Arbeitnehmer und je Monat zum Vorquartal. Real (preisbereinigt) stiegen die Bruttolöhne und -gehälter je Arbeitnehmer und je Monat im 1. Quartal 2012 um +0,72% bzw. um +15,92 Euro!

Zieht man weiter den Arbeitnehmeranteil für die Sozialbeiträge und die Lohnsteuer ab, erhält man dann die durchschnittlichen Nettolöhne und -gehälter je Arbeitnehmer und je Monat. Preisbereinigt, nach offizieller Lesart um den Anstieg der Verbraucherpreise (VPI), offenbaren die Nettolöhne und -gehälter je Arbeitnehmer und je Monat nach Steuern und Abgaben als lange Datenreihe seit Q1 1991 ein Desaster an mieser Partizipation in der Besten aller Exportwelten:

Die realen (preis- ,saison- und kalenderbereinigten) durchschnittlichen Nettolöhne und -gehälter je Arbeitnehmer und je Monat seit Q1 1991 bis Q 2012 (2005=100). In Q1 2012 ging es zwar aufwärts, um +10,92 Euro, auf preisbereinigte durchschnittliche 1’482,828 Euro (2005=100), dies ist aber immer noch um -3,93% unter dem Niveau des Jahres 1991 und um -2,45% unter dem Niveau des Jahres 2000!

Deutschland hat in Folge der Wirtschafts- und Finanzkrise 2008/2009 und angesichts der sich aktuell weiter aufbauenden systemischen Schuldenkrise, die die gesamte Eurozone bedroht und weltweite Kollateralschäden birgt, die verstrichene Zeit wenig genutzt um seine Exportlastigkeit abzubauen und damit einen relevanten Beitrag zum Abbau der Ungleichgewichte im Handel mit der Welt beizutragen. Dies bei vergleichsweise noch optimalen Bedingungen.

Wenn sich die weltwirtschaftlichen Aussichten weiter eintrüben und damit das einzige wirkliche Standbein des deutschen Erfolgsmodells, der Export einbrechen sollte, wird auch Deutschland vom realwirtschaftlichen Desaster getroffen, welches bereits in den Ländern der Südperipherie weit vorangeschritten ist. Zugegeben diese Analyse hielt den Fokus auf das schief aufgestellte Wirtschaftsmodell und überzeichnet damit in der Kritik die reale Lage, die vergleichsweise als gesamte Volkswirtschaft betrachtet komfortabel ist, aber die Jubelmeldungen hierüber werden gerne anderen Medien überlassen.

Quelle Daten: Destatis.de/Pressemitteilung: Ausführliche Ergebnisse zur Wirtschaftsleistung im 1. Quartal 2012, Genesis.destatis.de/Datenbank VGR

Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

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43 KommentareKommentieren

  • Achim Hase - 25. Mai 2012

    Fairerweise sollte man anerkennen, dass die Lohnabschlüsse der letzten Wochen in die richtige Richtung weisen. Eine Korrektur findet also durchaus statt.

    Das alles dominierende Thema der Politik von 2003 bis ca 2009 war es Leute in Arbeit zu bringen, das haben viele schon wieder vergessen. Genau das wurde geschafft, wenn auch zu einem Teil durch prekäre Arbeitsverhältnisse.

    Die Konsumneigung der deutschen Bevölkerung war immer vergleichsweise schwach ausgeprägt und relativ unelastisch zur Einkommensentwicklung. Der Export hat dann die Kapazitätslücke gefüllt und für Beschäftigung gesorgt. Wir mögen zwar stolz sein auf den Erfolg der deutschen Produkte in der Welt aber volkswirtschaftlich gesehen verschenken wir die Produkte.

    Wie sagte H.W. Sinn auf einem Vortrag kürzlich: “Unsere Vermögen sind futsch aber wir haben viel zu tun!”

    • Lorenz Beisheimer - 25. Mai 2012

      Hallo Achim,

      Sie schreiben:
      “Die Konsumneigung der deutschen Bevölkerung war immer vergleichsweise schwach ausgeprägt und relativ unelastisch zur Einkommensentwicklung. Der Export hat dann die Kapazitätslücke gefüllt und für Beschäftigung gesorgt.”

      Was glauben Sie, weshalb die Leute bei uns hier koreanische oder rumänische Kleinwagen fahren und nicht den 1er von BMW oder gar eine E-Klasse? Weil sie sich so gerne in den Sitz quetschen (gerade im Alter), oder vom unrund laufenden Motor zudröhnen lassen?? Das liegt doch einfach daran, dass hier mit Ausnahme von vielleicht 15% der Leute keiner mehr Geld hat ein deutsches Produkt zu kaufen. Dass die Preise im Ausland viel niedriger sind (Autos in den USA 40% billiger!!) kommt noch dazu.

      Ich kann diese Phrasen nicht mehr hören. Was hilft Arbeit, wenn sie keine Vermögensbildung zulässt und damit auch keine Perspektive für das weitere Leben eröffnet? Alle jene, diese “Working Poors” und unzähligen Ausgesteuerten (gerade Männer), sind faktisch von der Partnerwahl und damit Familiengründung ausgeschlossen und deklassiert – außer in ebenfalls der Unterschicht zugehörigen Kreisen die fast zwangsläufig mit asozialen Verhältnissen einher gehen.

      Diese Art, die Leute in Beschäftigung zu bringen, nämlich ohne sie angemessen zu entlohnen, wurde vom Adolf (selig?) und seinen Schergen vor 70 Jahren bereits zur Perfektion beherrscht und umgesetzt. Bezeichnenderweise sind jene Konzerne und deren Besitzerfamilien, die heute am meisten vom Exportboom und von der Vorenthaltung der gerechten Arbeitnehmerentgelte (Stichwort: Zeitarbeit) genau jene, die der große Führer aus Braunau damals auch schon am meisten verhätschelt hat bzw. sogar gegründet: VW in Wolfsburg (Hitlers Schwester unterzeichnete oft sogar mit dem Namen Paula Wolf!), usw.

      Jeder denke sich seinen Teil.

      • Andreas - 30. Mai 2012

        Den Deutschen freut’s halt, wenn er produzieren und den Gürtel so eng wie möglich schnallen kann. Und dann die anderen niedermachen, weil sie so dumm sind und unsere Waren kaufen und dabei so böse über die Verhältnisse leben.

    • Bernd Rickert - 25. Mai 2012

      Die Lohnabschlüsse weisen überhaupt nicht in die richtige Richtung, sofern Frust und Verteilungsungerechtigkeit für sie nicht die richtige Richtung sind.
      Es muss stark korrigiert werden. Die Politik hat doch alles falsch gemacht und genauso die Gewerkschaften. Jetzt setzt man den Arbeitnehmern wieder die gleichen Nichtigkeiten wie seit 20 Jahren vor, um danach doppelt und dreifach zu kürzen. So geht das nicht.

      Mit Neid hat das überhaupt nichts zu tun. Wer anderen alles wegnimmt, dem gehört ordentlich auf die Finger geklopft.

      • lenin - 25. Mai 2012

        Das mit den Lohnsteigerungen ist so eine Sache. Aus Angestelltensicht ist es sehr erstrebenswert, aber ich als Kleinunternehmer müsste für meine Angestellte, damit sie 100,- € mehr netto hat, so ca. 300,- mehr erwirtschaften. Ja und woher? Die Diskrepanz zwischen den Gesamtpersonalkosten und den Nettolöhnen ist viel zu groß.

        • Querschuss - 25. Mai 2012

          Hallo lenin,
          es mag aus vielen Sichten, z.B. eines Kleinunternehmers berechtigte Gründe geben, Lohnsteigerungen als nicht richtig bzw. zielführend für das Kleinunternehmen zu finden. Aus makroökonomischer Sicht ist dies anders, da ganz klar die Löhne den Produktivitätssteigerungen, dem Außenhandelserfolg, selbst den Preissteigerungen aus Sicht derer die einen hohen Anteil ihrer Löhne für Nahrungsmittel, Energie und Wohnen ausgeben müssen hinterherhinken.

          Gruß Steffen

        • Bernd Rickert - 25. Mai 2012

          In der Schweiz verdient ihre Angestellte bei geringeren Abgaben netto ungefähr 50% bis 100% mehr. Auch die Lohnnebenkosten fallen wesentlich geringer aus. Dafür sind die Kosten für den Lebensunterhalt wesentlich höher. Vergleicht man prozentual die Einkommen der Angestellten in der Schweiz und Deutschland steht sie in der Schweiz nur etwas besser da. Absolut hat sie aber mindestens doppelt bis dreifach soviel im Monat zur freien Verfügung. Ein höheres Lohnniveau bei geringer Inflation führt folglich zu mehr Wohlstand. Verständlicherweise bekämpft die Schweiz Dumpinglöhne sehr entschlossen, da diese die Staatsquote erhöhen. Deutschland verspielt seinen Wohlstand mit dem Niveauverlust auf der Ebene von Schwellenländern. Auf ein höheres Niveau zurückzuführen dürfte mit viel Energie verbunden sein. Statt dessen versucht Deutschland die Partner in der Eurozone zu sich hinunterziehen. Dabei steht Deutschland hinsichtlich der Verschuldung nicht besser da. Im Gegenteil träfe eine Weltwirtschaftskrise Deutschland wegen seines schwachen Binnenmarktes ungleich härter.

  • Lorenz Beisheimer - 25. Mai 2012

    Es gibt eine sehr einfache Lösung, diese Kurven anzugleichen: Deutschland tritt aus dem Euro aus, und führt die DM wieder ein! Diese würde gegenüber dem Rest-Euro um 50% und zu Dollar und Pfund um 30% aufwerten.

    Gleichzeitig bricht der Export ein und die Importe werden um 30% billiger. Die Kaufkraft der breiten Masse steigt um 30% auf einen Schlag.

    Durch die Abwertung der Altschulden in Euro gibt es dann Spielraum für Steuersenkungen bei Arbeitnehmern um ebenfalls 1/3, was die Kaufkraft dann noch einmal deutlich erhöht.

    Meiner Ansicht nach würde der Euro-Austritt Deutschlands allen Beteiligten nur nützen und wäre der erste Weg zu einer richtigen Gesundung, an dessen Ende natürlich die Wiederherstellung der vollen staatlichen und nationalen Souveränität Deutschlands und die Rückumwandlung der EU in eine reine Freihandelszone stehen muss.

    • Roland - 25. Mai 2012

      @ Lorenz Beisheimer

      Geht leider nicht auf, die “schöne neue Welt”, denn

      1. Verteuert sich das deutsche Exporte-Portfolio (Maschinen, Autos …usw.) gewaltig. Der Export bricht ein: Folge – Massenarbeitslosigkeit; Die Exportindustrie wandert ab, auch wenn sich ihre Vorprodukte verbilligen.
      2. Verbilligen sich für den Konsumenten die Importe von Konsumgütern weiter. Damit bekommt auch die deutsche inländische Konsumgüterproduktion den entscheidenden Nackenschlag.

      Die Herrschenden in D haben kaum mehr eine Möglichkeit, umzusteuern.
      Ein solches Umsteuern kann nur graduell erfolgen und braucht lange Zeit.

      Es ist vermutlich zu spät – und so wird wahrscheinlich am bisher “erfolgreichen” Weg festgehalten, bis alles in Scherben fällt.

      • Lorenz Beisheimer - 25. Mai 2012

        @Roland,

        diese Standardargumente sind mir bekannt, sie ziehen aber nicht in dem Maße.

        Es gibt viele Branchen, bei denen deutsche Produkte schlichtweg konkurrenzlos sind (weil die Konkurrenz die letzten 10 Jahre auch gezielt zerstört wurde9, aufgrund der Qualität. Hier ist der Preis nicht das primäre Verkaufskriterium und wenn die Maschine mehr kostet legt der Kunde das seinerseits auf den Verkaufspreis des Produktes um wenn sein Produkt konkurrenzfähig ist.

        Dann muss man klar differenzieren, wie hoch denn der Anteil der Lohnkosten an einem Produkt überhaupt ist, und wie hoch davon der Anteil der Steuern. Und dieses dann in Relation setzen zu den anteiligen Zinskosten und den Kosten für die Vormaterialen.

        Wenn heute eine Maschine oder noch besser ein Auto (nehmen wir das einfach mal als Beispiel, weil da können sich die meisten was vorstellen) sagen wir mal 30.000 Euro kostet im Verkauf, dann kostet es zur Herstellung 15.000. Davon wiederum ist der Lohnkostenanteil vielleicht 3.000 Euro (und da sind schon alle möglichen firmeninternen Overheads usw. mit verrechnet). 80% ist Material. Und vom Material wird 2/3 aus dem Ausland zugekauft. Machen wir eine einfache Dreisatzrechnung auf:
        - 20% steigen um den Faktor 50% (= DM2 wertet um 50% auf) ==> 0,2 x 1,5 = 0,3
        - 1/3 von 80% steigt um den Faktor 30% (weil da ja auch wieder Material drin ist das billiger wird im Einkauf) ==> ==> 0,33 x 0,8 x 1,3 = 0,35
        - 2/3 von 80% wird um den Faktor 30% billiger ==> 0,67 x 0,8 x 0,7 = 0,37

        Summe also nachher 0,3 + 0,35 + 0,37 = 1,02!! Das heißt: die Effekte durch die Währungsverschiebung gleichen sich auf der Herstellkostenseite mehr oder weniger aus!!

        Natürlich, und da bin ich bei Ihnen, ist es auf der Kundenseite so, dass das Produkt dann gravierend teurer wird und der Absatz sinkt. Aber das wollen wir ja! Das Ungleichgewicht soll ja reduziert werden. So wie es jetzt ist, dass wir den Export nicht nur über die Löhne, sondern auch über die Verkaufspreise subventionieren, kann es auf Dauer nicht bleiben.

        Meiner Ansicht nach sollte man diesen Schritt, der ohnehin irgendwann kommen wird, jetzt mit Mut gehen, und die Konsequenzen auch gezielt tragen. Die Gefahr von Massenarbeitslosigkeit sehe ich nicht; diese kommt früher oder später so und so, und der Umbau des Wirtschaftsmodells ist absolut unausweichlich. Wir haben nur die Wahl, ob wir so weiter machen wie bisher, und in 5 Jahren bei uns auch griechische Zustände herrschen, oder ob wir den Mut fassen, jetzt einen ersten Schritt in eine andere Richtung zu gehen.

      • Freiberufler - 25. Mai 2012

        “1. Verteuert sich das deutsche Exporte-Portfolio (Maschinen, Autos …usw.) gewaltig. Der Export bricht ein: Folge – Massenarbeitslosigkeit; Die Exportindustrie wandert ab, auch wenn sich ihre Vorprodukte verbilligen.”

        Aber bei einer Binnenaufwertung (Erhöhung des Lohn- und Preisniveaus) gibt es diese Probleme nicht?
        Entweder die deutsche Produktion muss deutlich teurer werden (ob nun mit oder ohne Euro) – oder sie darf ihre Konkurrenzfähigkeit nicht aufs Spiel zu setzen.
        Vorteil einer Währungsaufwertung wäre immerhin, dass JEDER in gleichem Maße daran partizipiert. Tarifabschlüsse gelten inzwischen ja für immer weniger Leute in immer weniger Branchen.

      • Bernd Rickert - 25. Mai 2012

        Soviel Zeit steht aber nicht zur Verfügung. Zeit ist Lebenszeit. Der Staat lässt sich von Abwanderungsszenarien terrorisieren. Dabei kann es doch kaum etwas besseres geben, als die Drohung der Terroristen das Land freiwillig zu verlassen.
        Immerhin kann man dann wieder normal arbeiten. Deutschland hat genug human resources in unterqualifizierten Jobs, als das es von Terroristen abhängig wäre. Nicht AlKaida ist die Bedrohung. Es sind die vernetzten, oftmals nicht einmal qualifizierten, elitären Zirkel durch Gnade der Geburt, die sich aus sich selbst rekrutieren. Deren große Errungenschaft ist die Kontrolle über die Sparquote der Arbeitnehmer, die falls vorhanden Luft weitere Beschneidungen verspricht. Wo ist nur das Selbstbewusstsein geblieben?

  • Querschuss - 25. Mai 2012

    Hallo Achim,
    wie interpretierst du folgende Sätze aus meinem Artikel: “…. die Summe aller realen Arbeitnehmerentgelte nur marginal über dem Niveau von 2000 und das ist zwar ein kleiner aber lächerlicher ”Erfolg” angesichts der Notwendigkeiten!” Oder: “Es geht zwar in die richtige Richtung, aber eine Korrektur des exportorientierten Wirtschaftsmodells ist damit nicht erzielbar.”

    Ich finde das sie genau das abbilden was du im Kommentar einforderst!

    Selbst der Schluß im Artikel bildet dies ab: “Zugegeben diese Analyse hielt den Fokus auf das schief aufgestellte Wirtschaftsmodell und überzeichnet damit in der Kritik die reale Lage, die vergleichsweise als gesamte Volkswirtschaft betrachtet komfortabel ist,…..”

    Meinst du wenn die Summe aller realen Arbeitnehmerentgelte in Q2 2012 statt wie jetzt bei +0,59% über 2000 liegt, dann vielleicht bei +0,9%, ist irgendwas nachhaltig gewonnen um die wirtschaftlichen Ungleichgewichte im Handel abzubauen und eine Binnennachfrage anzukurbeln die Teile des Exportes kompensieren könnte?

    Einzelne plakative Lohn- und Tarifabschlüsse verstellen den Blick, dass die Mehrheit der Arbeitnehmer überhaupt nicht mehr einer Tarifbindung unterliegen, dass bisherige Stellenwachstum primär im unteren Lohnsegment enstand (Leiharbeit, Teilzeit und prekäre Beschäftigung) und das Jobwachstum aktuell zum Erliegen kommt.

    Gruß Steffen

  • bauagent - 25. Mai 2012

    @Achim Hase

    Dass die Lohnabschlüsse in die richtige Richtung weisen kann aber nur mit viel Optimismus so sehen. Zunächst ist der beste Lohnabschluss in der IG Metall und betrifft nur Festangestelle.
    4,3 % für 13 Monate, also effektiv 3,9 %.

    Wir sind uns darüber einig, dass das nicht einmal ein Inflationsausgleich ist, angesichts der Preissteigerungen, die wir gerade bei Konsumgütern und Energiekosten der hier in Rede stehenden Festangestellten sehen.

    Hinsichtlich Azubis und Zeitarbeitern wurde nur bla bla vereinbart.

    Man sollte nie vergessen, dass jede Aufbereitung von Zahlen möglichst genaue Basisdaten benötigt.

    Dass in der EU der Warenkorb bzw. die Ermittlung dieser Indizies ein paar mal angepasst wurde, ist vielen gar nicht bekannt.

    Erst so kommen die niedrigen Inflationsraten, die diametral zu den Konsumpreisen für die Massen stehen, überhaupt zustande.

    Aber was bleibt Querschuesse anderes übrig, als immer wieder einmal darauf hinzuweisen, dass die offiziellen Daten die aufbereitet werden nicht zwingend der Wirklichkeit entsprechen müssen.

  • Torsten - 25. Mai 2012

    Hallo,

    wenn die durchschnittlichen Nettolöhne im Gleichschritt mit den nominalen Unternehmens- und Vermögenseinkommen mitgehalten hätten, läge der durchschnittliche Nettolohn nicht bei ~ 1480€
    sondern bei ~ 2815€.

    Wenn mein Milchmädchenrechnung so stimmt, dann haben die Politiker und Unternehmer das ja super hin bekommen.

    Steffen, wenn ich im Sommer, Urlaubsgeld bekomme, spende ich für deine Arbeit.
    Danke Dir.

  • M.F. - 25. Mai 2012

    @Lorenz

    Scheitert der Euro, dann scheitert das Weltfinanzsystem.

    Wenn wir mit dem Euro ein paar Prozent mehr an Waren, für die wir keine Bezahlung mehr erhalten, exportieren, das ist in der jetzigen Situation doch ziemlich egal. Ist doch auch wurscht, wenn unsere Arbeitslosigkeit etwas anzieht. Wir haben jetzt andere Probleme.

    Aber:
    Wenn deutsche Wirtschaftskraft nicht mehr für spanische und italienische Defizite bürgt, dauert es nur wenige Tage, und die melden Insolvenz an. Und reißen wohl so ziemlich die ganze Welt mit in den Abgrund.

    Lieber noch ein paar Monate weiterwursteln und im Wohlstand verbringen, bevor die Hölle dann endgültig über uns hereinbricht.

  • schnauzevoll - 25. Mai 2012

    Das die Deutschen laut GFK wieder kaufen wie verrückt, weil die Planungssicherheit aufgrund der tollen Tarifabschlüsse (typische Bertelsmannpropaganda) zurückgekehrt ist, ist doch ein gute Zeichen für das Szenario xxl Aufschwung die Vierte. :D

    • Wolf Larsen - 25. Mai 2012

      Ja, der GFK-Index stagniert. Und das wird aber in den Medien so getan, als sei eine grosere Steigerung erfolgt.
      Die Deutschen denken, weil die Spritpreise etwas nachgelassen haben, brummt ihre Geldbörde wieder.

      Da trifft sich Dummheit mit Penetranz und Naivität.

      • schnauzevoll - 25. Mai 2012

        Ich denke, es ist eher Naivität als Dummheit, denn diese Propagandameldungen werden auch von Leuten adaptiert, denen ich durchaus einen gewissen Intellekt zuschreibe. Viele ältere Menschen können sich gar nicht vorstellen, dass unsere Medienlandschaft derart korrupt ist, obwohl sie das aus Kriegszeiten eigentlich kennen müssen. Und viele junge Menschen sind alles andere als politisch interessiert. Und so verbreitet sich vieles einfach unreflektiert und ein paar retouschierte Fotos unseres regierenden Industrieflittchens mit den hängenen Mundwinkeln unterstreichen ein Image, das so falsch wie der berühmte Hase ist. Aber in nicht allzu weiter Ferne zeichnet sich etwas ab, dass man Revolte nennen kann. Zuerst im kleinen Kreis mit dem Versuch, das über die Medien totzuschweigen. Aber später dann, ist man überall live dabei. ;)

  • peterb - 25. Mai 2012

    Zum “schiefen Wirtschaftsmodell”: Heute in der Tageszeitung:

    1) “Armut nimmt zu
    Armut bei Arbeitslosen hat in in Deutschland in den vergangenen Jahren deutlich stärker zugenommen als in allen anderen Ländern der Europäischen Union … 70 Prozent der Arbeitslosen hatten ein Einkommen unterhalb der Armutsgrenze.” – gemeint ist wohl die prozentuale Zunahme.

    Was soll’s mag man denken, die Zahl der Arbeitslosen ist so niedrig wie schon lange nicht. Bei der Sehensweise wäre aber, trotz des “kräftigen Schlucks aus der Pulle”, der zweite Artikel rätselhaft:

    2) “Zahlungsmoral lässt nach
    Die Zahlungsmoral der deutschen Verbraucher hat ungeachtet der brummenden Konjunktur nachgelassen. Im Vergleich zum Herbst hat sich das Zahlungsverhalten der Konsumenten hierzulande verschlechtert … ”

    Ungeachtet der brummenden Konjunktur? Sind die Löhne parallel zur “brummenden Konjunktur” mit gewachsen? Haben wir, was Löhne betrifft, keinen Nachholbedarf? Steigende Kosten für Energie, Gesundheit etc. mit all ihren ebenso steigenden Folgekosten fressen einen immer größeren Teil des Einkommens auf. Und im Artikel heißt es weiter, dass zehn Prozent aller Erwachsenen nicht nur Ver- sondern überschuldet sind. D. h. sie können ihre Kredite nicht mehr bedienen Tendenz steigend.. Und mit Sicherheit sind das nicht alles Trinker, Arbeitsscheue oder Arbeitslose.

    Ich muss gerade bei jungen Akademikern (die Gruppe, die ich am am nächsten kenne) immer öfter eine zwar nicht verarmte, aber prekäre finanzielle Situation feststellen und muss an den Brandbrief denken, denn vor einiger Zeit völlig unterbezahlte akademische Mitarbeiter der dt. Universitäten an die Bundesregierung geschrieben haben. 30 000 hatten diesen Brief mit unterzeichnet.

    Einer meiner Söhne hat in einem Hochsicherheitslabor an Aids geforscht. Ich weiß, was dort gezahlt wird. Die Bezahlung ist so miserabel (auch für Leute mit Doktortitel) , dass jeder versucht irgendwie weg zu kommen…

  • Carmen Fischer - 25. Mai 2012

    Ja am export hängen ca. 20 % des BIP, und viele Arbeitsplätze.
    Durch wegfall des Euro wird die Exportindustrie leichte Verlußte erleiden.
    Wenn diese Unternehmen abwandern (um in wirtschaftlich und politisch unsicheren Gesellschaften zu bauen, ohne Facharbeiter vor Ort) müssen sie sich das gut überlegen, dieses Arbeitsplatzargument wird viel zu oft als Druckmittel eingesetzt.
    Fakt ist doch, das jetzt durch den Euro und seine Folgen viele Arbeitsplätze abgebaut werden.
    Diese verlieren wir also sowieso, selbst wenn wir beim Euro bleiben.
    Über 50% der Bürger arbeiten im Dienstleistungssektor, der durch höhere Kaufkraft stark profitieren würde. Also nicht nur wie das Kaninchen auf die Schlange (den Export) starren, sondern sauber rechnen und überlegen.
    Jahrzehnte ging es in Deutschland auch ohne Euro und das Land war bis 2000 auch kein deindustrialisiertes Gurkenland, durch den Euro sind in Deutschland eher mehr Arbeitsplätze weggefallen als geschaffen worden, da das Kapital ins EUAusland abgewandert war. Nun ist es zurückgeflüchtet. Wenn das kein Zeichen ist……

  • paernu - 25. Mai 2012

    @steffen
    Was mich mal interessieren würde, wie hat sich die Situation für Deutschland verhalten in den Wirtschaftskrisen der Vergangenheit 70er, 90er Jahre oder noch länger zurück.etc.

    Das Deutschland im wesentlichen vom Export ist ja nicht neu, sondern ein längerfristiges Problem. Wenn man ganz genau geht, ist das schon lange vor dem 1. Weltkrieg ein wesentlicher Konfliktpunkt mit England gewesen.

    Ich weiss das Du nur Daten analysierst und hier keine Lösungen bietets. Meiner Meinung nach, wäre eine Umstellung der ganzen Wirtschaft weg vom Exportmodell bei unser mittelständisch geprägten Wirtschaft super schwierig. Ob Lohnerhöhung ausreichen, dass zu verschieben, grosses HMMMM.

    Hast Du die Möglichkeit so langfristige Vergleiche zu machen? Sicherlich schwierig mit der Zahlenbasis. Oder wenn Du mal einen Tip hast, würde ich mich selber mal drum kümmern.

    • Harald E - 25. Mai 2012

      Naja paernu

      Da fallen mir gleich 2 Gründe ein, warum es da wenig zu vergleichen gibt.

      1. die Wertschöpfungs- bzw. Materialflußketten sind heute global deutlich weiter aufgespreizt als in der Vergangenheit
      2. gab es damals deutlich weniger finanzielle “Massenvernichtungswaffen”
      Die Abhängigkeit der Realwirtschaft von zynischen Finanzhaien ist heute eklatant kontraproduktiv. Damals war das ganze doch deutlich “bodenständiger”.

    • Querschuss - 25. Mai 2012

      Hallo paernu,
      siehe mal auf: http://www.querschuesse.de/deutschland-exportvolumen-im-marz-2012-mit-allzeithoch/
      ganz unten im Artikel sieht man die Handelsbilanz und die Leistungsbilanz mit den monatlichen Daten seit 1971. Daran erkennt man, dass wir heute historisch gesehen in einer absoluten Ausnahmesituation von Handels- und Leistungsbilanzüberschuessen vom Volumen her darstehen, meiner Meinung nach nur durch die Schuldenpyramiden zur Finanzierung, in diesem Ausmaß möglich und unhaltbar und jeder Nachhhaltigkeit im Wege. Auch bei vergleichbar niedrigeren Volumen in der Vergangenheit sind die Einbrüche bei den Uberschuessen verbunden gewesen mit Rezessionen. Den Teil einer Lösung habe ich im Blog Querschuesse und im Vorgängerblog wirtschaftquerschuss schon zig Mal angesprochen, den Abbau der Ungleichgewichte im Welthandel, Ungleichgewichte die zwangsläufig zu Schuldenkrisen führen. Ohne ein Streben nach Gleichgewicht wird es immer Finanzierungs/Schuldenkrisen geben.

      Gruß Steffen

  • Roland - 25. Mai 2012

    Stahlpreis an der LME jetzt auf 380 USD/Tonne abgestürzt – damit absolutes Krisenzeichen mangelnder Stahl-Nachfrage und erwarteter Produktions-Einschränkungen.

    Ein deutlicher Anstieg von Kurzarbeit in der deutschen Industrie dürfte unmittelbar bevor stehen.

  • paernu - 25. Mai 2012

    Harald
    Geschichte ist nie gleich aber sie wiederholt sich.
    In ihrer Verhältnismäßigkeit und Volumen hat sich nichts verändert, ist halt alles etwas grösser.

    Jede Epoche hat auch Ihre Finanzhaie (Fugger, Rothschild etc). Ich tue mich mit den Pauschalurteilen schwer. Und Aussagen früher war alles bodenständiger oder besser, halte ich einfach für falsch.

    In dem Zusammenhang empfehle ich mal alte Tageszeitung aus der Zeit vor 1929, man sieht darin so schön, dass alles schon mal da war. Die gleichen Texte, die gleichen Vorwürfe, die gleichen Sehnsüchte und Wünsche der Menschen.

    Wie ich schon an anderer Stelle sagte, ich glaube nicht das sich was ändert bzw. geändert werden kann.

    • Harald E - 25. Mai 2012

      Ich tu mich da schwer, paernu

      Von der Mechanikseite (Reiche werden reicher, der Rest ärmer) mag die Situation ja vergleichbar sein.

      Aber wenn man in die Datenanalyse bzw. Ursachenforschung einsteigt, benötigt man vergleichbare Datenbasen.
      Und die haben wir nicht.

      Wenn sie heute 40,2 Grad Fieber haben und vor 20 Jahren auch schonmal 40,2 Grad Fieber hatten, heißt das….sie haben dasselbe Problem aber nicht unbedingt dieselbe Krankheit.
      Ebenso wie ein kalter Waschlappen in beiden Fällen Linderung, aber keine Heilung bringt.

      Es gibt heute eben viel mehr Aktionäre und Investoren die mit guten Zahlen befriedigt sein wollen und die “Globalisierung” incl. undurchsichtiger Strukturen bietet jedem dahergelaufenen kreativen Buchhalter alle Möglichkeiten.
      Nicht zu vergessen, dass der heutige Anteil an materieller Wertschöpfung um Einiges tiefer liegt.
      Mit dubiosen Finanzprodukten machen sie heute mehr Gewinn als mit realwirtschaftlicher, anfaßbarer Ware. Mit bizarren Renditewünschen u.a. aus Luftnummern hat der Geldadel jegliche Bodenhaftung verloren und die Realwirtschaft blutet.

      Die Zahlen (früher/heute) mögen am Ende des Monats vergleichbar aussehen, aber sie werden anders erzeugt.

      So denn….ich muss das Grillfeuer entfachen. Schönes WE

    • ergo sum - 25. Mai 2012

      Und wir wissen auch, wie es nach 1929 weiter ging.

  • klaus - 25. Mai 2012

    Oh, das wird schlimm.

    DEUTSCHLAND geht zu Grunde, wenn die Griechen austreten.

    Gar nix passiert. Lassen wir doch mal 3 Prozent fallen im Sozialprodukt.
    England hat dann 2 Prozent.

    http://www.telegraph.co.uk/finance/financialcrisis/9290035/UK-economy-could-shrink-by-2pc-if-Greece-exits-euro.html

    Wo ist das totale Chaos dann, das unsere Banken an die Wand malen.
    2 Prozent Inflation, 2 Prozent weniger Bürgerarbeit, 2 Prozent weniger Krankenkasse,…

    All das ist doch schon vorbereitet und im Gange.
    Es ist keine Umstellung nötig, da alles Eingepreist ist.

    Stattdessen machen wir einen großen Bailout.
    Was soll das?
    Mit jedem Bailout steigt proportional die Schuld des Steuerzahlers und das
    Geld des Millionärs.
    Schade, da diese Symbiose nicht ausreichend in Grafik plakatiert wird.
    Es wäre zu schön die Ausreden von Leuten wie Merkel und dem Vollversager
    der SPD dem ewigen 2ten Steinmaier zu sehen.

    ;)

  • dicke Bertha - 25. Mai 2012

    Das Ich und seine Abwehrkräfte.

    Kann ein ganzes Volk, die Deutschen, einem schizophrenen falschen Schema anhängen?

    Sind die Griechen der Sündenbock, damit diese Lüge stabilisiert werden kann?

    Ich bin jetzt ratlos.

    Wie manche glauben die Griechen wären daran Schuld, dass sie so ein schlimmes entbehrungsreiches Leben führen müssen.

    Wer in Deutschland hat es ihnen aufgezwungen.

    Sehr schöner Artikel.

    Hat Freud jemals aufgegeben?

    • lenin - 25. Mai 2012

      Währungsunion – die Geschichte wiederholt sich…
      aus Wikipedia: “Am 21. Dezember 1868 trat Griechenland der Union bei. Henry Parker Willis, ein amerikanischer Ökonom, bezeichnete diesen Beitritt aufgrund der in Griechenland herrschenden Misswirtschaft und Korruption als grundlegende Fehlentscheidung.”
      – gemeint ist der Beitritt zur Lateinischen Münzunion

  • Michael S. - 25. Mai 2012

    http://www.bloomberg.com/quote/GSWISS02:IND

    Sind Schweizer hier? Ihr braucht bald nicht mehr zu arbeiten…

    Gruß Michael S.

  • Wolf Larsen - 25. Mai 2012

    Habt Ihr gemerkt, wie der GFK-Index heute in den Medien hochgejubelt wird?
    Gerade in DER WELT ist dies schon unertraeglich mariniert:
    http://www.welt.de/debatte/kommentare/article106379077/Zeit-fuer-gute-Laune-bei-den-Arbeitgebern.html

    Gestern, beim IFO-Index, berichtete man etwas von einem Einbruch beim Einzelhandel im April und Mai.

  • micdinger - 25. Mai 2012

    So ganz allgemein.

    “Egal wie die Abstimmungen in Athen noch ausgehen, das Geld werden die Griechen in jedem Falle bekommen. Denn es ist nicht so sehr Griechenland, sondern vielmehr Merkel und Sarkozy denen der verlängerte Rücken gründlich auf Grundeis geht.”

    18 Mrd. gibt es schon mal am Montag.

    http://tandemvipera.blogspot.de/2012/05/futurologie-doomsdays-rising-iii.html

  • alfie - 25. Mai 2012

    Durch den schwachen Euro sind die Bediungen für deutsche Exporte perverser Weise noch besser geworden. Warum der teufel auch immer auf dicksten Haufen scheißen muss?

  • King Balance - 25. Mai 2012

    Wie sagte H.W. Sinn auf einem Vortrag kürzlich: “Unsere Vermögen sind futsch aber wir haben viel zu tun!”.

    Die Hopis haben prophezeit, dass sich das Meer schwarz färben wird, bevor der Wandel stattfindet. Der Mensch ist es, der weiter in Angst lebt und schließlich an dieser Angst sterben wird. Vertrau deinem göttlichen Kern in deinem Herzen und er wird dich beschützen wie ein Schutzengel. Schutzengel können nur Menschen beschützen, die in Liebe und Vertrauen leben. Die Erde stirbt nicht, außer wenn wir sie zerstören …

    Religion bedeutet Rückbindung, das Gegenteil von Entbindung. Somit ist Religion eine geistige Hundeleine. Wer einen Herrn braucht, ist eben ein Hund. Wer einen Hirten braucht, ist eben ein Schaf.

  • klaus - 25. Mai 2012

    Endlich die reichen Griechen in der Schweiz müssen zahlen.
    Hier stehts
    http://www.guardian.co.uk/world/2012/may/25/payback-time-lagarde-greeks

    Dachte ich, die meint aber die kleinen Geißenhirten.
    War auch irgendwie verwunderlich, das die große Lagarde
    nach der eigenen Adidas-Tapie-Affäre große Steuersünder vor den Kadi lockt.
    Eine tolle Frau mit Klasse.
    Hier zum nachlesen wie toll.
    http://www.ftd.de/politik/international/:lagarde-affaere-eine-schillernde-affaere-um-eine-schillernde-figur/60088019.html

    Und hier hab ich dann die Rettung für Griechenland gefunden.
    Merkel will den Griechen das gleiche Schicksal wie Ostdeutschland
    zukommen lassen.
    http://www.telegraph.co.uk/finance/financialcrisis/9291187/Greece-faces-German-future-as-euro-exit-looms.html

    DDR-2 reloaded made by Merkel.
    Also mit Treuhand und Privatisierung und vielen alten fußkranken Leuten.

    Dann lernen die alle Deutsch, wie Kauder meinte.
    Am besten MeckPom-Dialekt.

    Aber wie gesagt, irgendwie kommt das
    einfach von einem verbitterten Frustrierten.

    ;)

    P.S. War da nicht mal ein toller Stoiberspruch?
    Der wollte die doch schon fast nicht mehr wählen lassen, oder wie ?

  • Milo Minderbinder - 25. Mai 2012

    Na, ich kenn es als:
    “…. werdet ihr merken, dass man Geld nicht essen kann.“

    Wobei, die kein Geld haben, eben verhungern oder sich selbst entsorgen müssen:
    In Griechenland ist Antonios Perris, 60, mit seiner schwerkranken 90 Jahre alten Mutter vom Dach gesprungen, weil sie kein Geld für die Nahrung mehr hatten.

    Großartiger Erfolg für unsere neoliberalen Freunde, wird in der deutschen Presse nicht erscheinen (googelt mal).

    Nebenbei, Peterb hat auf ein enormes Problem hingewiesen:
    Was bei der Lohnentwicklung in Deutschland gerne ignoriert wird, ist die Tatsache, das hier ein gewaltiger Brain-drain stattfindet. Der Wissensstandort Deutschland ist so gut wie ruiniert .
    Sollte jemand in ein Krankenhaus kommen, wird er feststellen, daß deutsche Ärzte eine kleine, schwindende Minderheit sind.
    Der Zustand der Universitätsausbildung ist so heruntergekommen, daß selbst SPON ein kritisches Interview (http://www.spiegel.de/karriere/berufsstart/dieter-lenzen-fordert-master-abschluss-fuer-alle-a-834469.html) bringt.
    Wer noch eine fundierte akademische Ausbildung bekommen hat, wird spätestens beim ersten Gehaltsscheck merken, daß es doch besser gewesen wäre, Verwaltungsangestellter, Lobbyist, QM- Manager usf. hätte werden sollen – diese Produktivkräfte braucht das Land.

    Nicht Griechenland, aber die Kosten des Sparens werden uns den Hals brechen

    P.S: – und danke Steffen für deine Statistiken!!!!

  • Delta120 - 26. Mai 2012

    Hallo Querschuss,

    als Ergänzung zu diesem Thema würde mich noch eine Zahlenreihe zur Einkommensverteilung der Bevölkerung, z. B. über die letzten 20 Jahre und dazu ein Vergleich anderen Ländern wie Frankreich Spanien oder auch Österreich, welches ja nicht ganz so Export wütig ist, interessieren.

    Mich interssiert, in wiefern sich die Scherre zwischen reich und arm geschlossen bzw. geöffnet hat. Des Weiteren welchen Einfluss die unterschiedliche Nationaleinkommensverteilung (der Länder an die eigende Bevölkerung) auf die Leistungsbilanzen hat.

  • hunsrückbauer - 26. Mai 2012

    abwandern wegen signifikanter Lohnerhöhungen oder gar eines deutschen €-Land Austritts werden, wenn überhaupt lediglich die Firmen, die glauben in anderen Märkten als D, effizienter produzieren zu können. Da spielt der Arbeitslohn/h sicher eine Rolle, aber nicht die Rolle, es geht um Stückkosten und da spielen erheblich mehr Kostenanteile eine Rolle, eben auch die Effizienz und da sind wir in D sicher Spitzenklasse.
    Für den großen breiten Mittelstand und die Kleinunternehmer, die letztlich das “Unternehmen” D ausmachen und die Volkswirthschaft dank ihre Arbeitsplatzangebotes und ihrer Arbeit, tragen, wird es mehr zu erlösen geben als bisher, da die Masse der Konsumenten mehr Geld zur Verfügung hätte.
    Viele kleine und Mittelständler haben nach der “Wende” versucht die Goldgräberstimmung mit Auslagerung von Produktion in die osteuropäischen Länder, mitzunehmen und sind teilweise böse gescheitert, mußten ihr Tafelsilber veräußern um nicht pleite zu gehen.
    Ich wage zu behaupten, dass von den “Großen” immer noch die eine oder andere Produktionsstätte im Ausland hoch subventioniert wird, da wird definitiv Geld verbrannt.

    Alles in allem wäre ein €-Land Austritt möglich. Der Arbeitsmarkt müßte – zumindest voräbergehend – politisch flankiert werden. Wer von den “Großen” die häufig auch SUbventionsempfänger sind (Siemens, RWE u. a. ) abwandert muß die Subventionen zurückzahlen und eine Arbeitsplatzabbaugstrafgebühr entrichten.

    Einzig der politische Wille fehlt und die Mehrheit der Wähler ist so indoktriniert mit Angst vor einem möglichen Arbeitsplatzverlust bei der kleinsten Systemkorrektur, dass es aus der Hose müffelt.

    Schade, Chancen gäbe es viele, nur sehen will sie niemand, so ist das halt in großen UNternehmen und Volkswirtschaften.

  • ergo sum - 27. Mai 2012

    Der laufend fallende Kurs des Euro könnte die Schieflage sogar noch verschärfen, denn damit werden Exporte verbilligt und Rohstoffimporte verteuert.

  • marc - 27. Mai 2012

    zu:
    “Fairerweise sollte man anerkennen, dass die Lohnabschlüsse der letzten Wochen in die richtige Richtung weisen. Eine Korrektur findet also durchaus statt”
    von diesen Abschlüeen profitieren aber nur eine relativ kleine Gruppe der Festangestellten.

  • Robert - 28. Mai 2012

    Hallöchen,

    also mein Lieblingschart auf dieser Seite war ja bis jetzt immer die Gegenüberstellung von Exportvolumen, Konsumausgaben und Arbeitnehmerentgelten, da es zeigt, dass die breite Masse von der allseits zitierten Exportsteigerung nicht profitiert hat.
    Mein Vorschlag: Um diesem Diagramm noch mehr Aussagekraft zu verleihen(was kaum möglich ist), könnte man noch den Verlauf der Unternehmens- und Vermögensgewinne aus dem darauffolgenden Diagramm hinzufügen. Das würde die eigentlichen Profiteure sichtbar machen.
    Das Chart dürfte dann eigentlich auch nicht zu überladen werden. Vielleicht denkst du ja mal drüber nach.

    Grüße
    Robert