Deutschland: Einzelhandelsumsätze Dezember 2014

von am 30. Januar 2015 in Allgemein

Das Statistische Bundesamt (Destatis) berichtete heute die Einzelhandelsumsätze für den Monat Dezember 2014. Die Einzelhandelsumsätze bei den unbereinigten nominalen Originaldaten stiegen um +3,5% zum Vorjahresmonat und die unbereinigten realen (preisbereinigten) Umsätze stiegen um +4,0% zum Vorjahresmonat. Der Dezember 2014 hatte mit 25 Verkaufstagen aber einen Verkaufstag mehr als der Vorjahresmonat. Unter der Berücksichtigung der Saison- und Kalendereffekte stiegen die nominalen Einzelhandelsumsätze um +0,1% zum Vormonat und real um +0,2% zum Vormonat. Auch im deutschen Einzelhandel zeichnen sich leicht deflationäre Tendenzen, denn die realen Umsätze stiegen stärker, als die nominalen.

A1528Die Entwicklung der Saison- und kalenderbereinigten realen Einzelhandelsumsätze (ohne KFZ-Handel) seit Januar 1994 im Chart. Die bereinigten realen Einzelhandelsumsätze stiegen im Dezember 2014 um +0,2% zum Vormonat, auf 104,4 Indexpunkte.

Faktisch geht aber seit über zwei Jahrzehnten real im Einzelhandel nichts voran, auch wenn der äußere Rand vielleicht etwas Hoffnung weckt:

A1529Die Entwicklung der saisonbereinigten realen Einzelhandelsumsätze seit Januar 1955 (Index 2010=100) im Chart. Bis Dezember 1990 für die alten Bundesländer, ab Januar 1991 für ganz Deutschland, laut den Daten aus der Datenbank der Deutschen Bundesbank. Dynamisches Wachstum bei den realen Einzelhandelsumsätzen gab es nur in der alten Bundesrepublik.

A1530Die Entwicklung der unbereinigten realen Einzelhandelsumsätze (Originaldaten) seit Q1 1955 (Index 2010=100) im Chart. Bis Q4 1990 für die alten Bundesländer, ab Q1 1991 für ganz Deutschland. In Q4 2014 stiegen die realen Umsätze um +1,8% zum Vorjahresquartal. Die Spitzen im Chart sind immer ein viertes Quartal. Immer noch liegen diverse vierte Quartale aus den Vorjahren beim realen Umsatz höher.

A1531Die Entwicklung der realen Einzelhandelsumsätze auf Jahresbasis seit Januar 1955 (Index 2010=100) im Chart. Bis 1990 nur für die alten Bundesländer, ab 1991 für ganz Deutschland. Im Jahr 2014 stieg der reale Umsatz um +1,4% zum Vorjahr, liegt aber immer noch unter dem Niveau des Jahres 2000, sogar noch deutlicher unter dem bisherigen Hoch aus 1991.

Noch bezeichnender wird es, wenn man die realen Einzelhandelsumsätze um den Anstieg der Bevölkerung in Deutschland bereinigt:

A1532Die Entwicklung der realen Einzelhandelsumsätze auf Jahresbasis bereinigt um den Anstieg der Bevölkerung seit Januar 1955 (Index 2010=100) im Chart. Bis 1990 nur für die alten Bundesländer, ab 1991 für ganz Deutschland. Im Jahr 2014 stieg der reale Umsatz, bereinigt um den Anstieg der Bevölkerung, um +1,0% zum Vorjahr, auf 101,9 Indexpunkte. “Zufälliger” Weise wurde das Allzeithoch in der alten Bundesrepublik im Jahr 1989 generiert, mit 127,6 Indexpunkte. Wirkliches Wachstum in der Relation zur Bevölkerung gab es nur in der alten Bundesrepublik. Einheit und Euro brachten Stagnation und sinkende reale Umsätze für ganz Deutschland.

Gefühlte und kolportierte Stimmung versus Realität:

A1533Obwohl es real einen kaum messbaren Anstieg bei den realen Einzelhandelsumsätzen (rot) gibt, seit Q1 2006 bis Dezember 2014 nur +1,7%, suggeriert die Stimmung, gemessen von der GfK, einen Konsumboom vom Feinsten (blau/ bis Februar 2015).

Bei den realen Einzelhandelsumsätzen gilt es grundsätzlich zu berücksichtigen, dass die Bereinigung der Daten nur um den geschönten offiziellen Anstieg der Einzelhandelspreise stattfindet. Weiterhin trüben seit Jahren eine Reihe zu beobachtender kräftiger Revisionen und Veränderungen des Berichtskreises die Datenqualität bzw. die Vergleichbarkeit der Datenreihe.

Die Einzelhandelsstatistik ist eine Stichprobenstatistik. 26’000 Unternehmen von rund 423’000 Einzelhandelsunternehmen in Deutschland berichten ihre monatlichen Umsätze an die Statistischen Ämter der Bundesländer und 700 Großunternehmen berichten direkt an das Statistische Bundesamt. Die berichteten Länderergebnisse und die der Großunternehmen werden zusammengefasst und von Destatis veröffentlicht.

Die Einzelhandelsumsätze (ohne KFZ-Handel) inklusive dem Versand- und Internet-Einzelhandel machten zuletzt im Jahr 2013 immerhin 33,9% der Ausgaben der privaten Haushalte im Inland aus und zeichnen am verlässlichsten das aktuelle Konsumverhalten der privaten Haushalte nach. Mit 24,3% der Ausgaben der privaten Haushalte folgten 2013 die Ausgaben für Mieten von Wohnungen und Häusern, sowie dem Miet-Äquivalent von Eigentümern, inklusive den Ausgaben für Wasser, Strom, Gas und Fernwärme, diese Ausgaben sind aber nicht wirklich aussagefähig in Punkto Konsumverhalten. Der KFZ-Handel, Instandhaltung, Reparatur sowie die Ausgaben für Kraftstoffe an den Tankstellen trugen zu 13,4% zu den Ausgaben der privaten Haushalte bei.

Käufe von Immobilien und Grundstücken werden in der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung nicht unter private Konsumausgaben erfasst, sondern dies sind Investitionen.

Quellen Daten: Destatis.de/Pressemitteilung Nr. 031 vom 30.01.2015: Einzel­handels­umsatz im De­zem­ber 2014 real um 4,0 % höher als im Dezem­ber 2013, Genesis.destatis.de/Datenbank

Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

Print article