Deutschland: Einzelhandelsumsätze November 2015

von am 7. Januar 2016 in Allgemein

Das Statistische Bundesamt (Destatis) berichtete heute die Einzelhandelsumsätze für den Monat November 2015. Die Einzelhandelsumsätze stiegen unbereinigt und real um +2,3% zum Vorjahresmonat und bei den nominalen Originaldaten um +2,8% zum Vorjahresmonat. Der November 2015 hatte wie der November 2014 25 Verkaufstage. Unter der Berücksichtigung der Saison- und Kalendereffekte stiegen die nominalen Einzelhandelsumsätze um +0,3% zum Vormonat und real stiegen die Umsätze um +0,2% zum Vormonat. In den ersten elf Monaten 2015 stiegen die realen Einzelhandelsumsätze um +2,8% zum Vorjahreszeitraum. Mainstreammedien machen daraus für 2015, dass größte reale Umsatzplus seit über 20 Jahren, nur zuvor ging zwei Jahrzehnte nichts – aber das verschweigt man gerne.


S813Die Entwicklung der Saison- und kalenderbereinigten realen Einzelhandelsumsätze (ohne KFZ-Handel) seit Januar 1994 im Chart, laut der verfügbaren Datenreihe bei Destatis. Die saisonbereinigten realen Einzelhandelsumsätze stiegen im November 2015 um +0,2% zum Vormonat, auf 105,9 Indexpunkten. Aktuell “turnt” der reale Umsatz auf dem Level der Spitze von 1995! “TOLL”!

Unbereinigt bei den Originaldaten stiegen im November 2015 die realen Einzelhandelsumsätze um +2,3% zum Vorjahresmonat und im breiten 11 Monatszeitraum um +2,8%. Destatis meint, dass im Jahr 2015 voraussichtlich die realen Einzelhandelsumsätze zwischen +2,8 bis +3,1% zum Vorjahr ansteigen, was noch einen starken Dezemberanstieg impliziert, wenn man die obere Spanne erreichen möchte? Aber wie weit es her ist, mit dem größten Umsatzplus seit 20 Jahren und ob Jubelarien überhaupt ihre Berechtigung haben (siehe z.B. n-tv.de/Bestes Jahresergebnis seit 1994: Deutsche sind im Konsumrausch), zeigt sehr schön der saisonbereinigte Langfristchart der realen Einzelhandelsumsätze seit Januar 1950:

S814Die Entwicklung der saisonbereinigten realen Einzelhandelsumsätze seit Januar 1955 (Index 2010=100) im Chart. Bis Dezember 1990 für die alten Bundesländer, ab Januar 1991 für ganz Deutschland, laut der langen Datenreihe der Deutschen Bundesbank. Wirklich dynamisches Wachstum bei den realen Einzelhandelsumsätzen gab es nur in der alten Bundesrepublik! Seit über 2 Jahrzehnten übt man sich in Stagnation/ Verzicht, auch Spiegelbild von Reallöhnen ohne Anstieg (siehe hier: Deutschland: Reallohnindex Q3 2015). Erst 2015 gibt es einen zarten Ausbruchsversuch nach oben, aus jahrelanger, beschämender Stagnation.

Geht man für 2015 von einem realen Umsatzwachstum von +2,9% für 2015 aus und betrachtet die Zeitreihe auf Jahresbasis, bereinigt um die Bevölkerungsanzahl zeichnet sich das Bild von Stagnation noch ausgeprägter:

S815Die Entwicklung der realen Einzelhandelsumsätze auf Jahresbasis, bereinigt um die Bevölkerungszahl. Am äußersten Rand, im Jahr 2015, zeichnet sich bereinigt um den Bevölkerungsanstieg, nur ein müder realer Anstieg von +1,1% zum Vorjahr. Die realen Umsätze in Reflektion zur Bevölkerung darben auf einem Niveau wie Mitte der 70er, aber wer möchte dies schon war haben, im Konsumboom-Wunderland Deutschland.

Bei den realen Einzelhandelsumsätzen gilt es grundsätzlich zu berücksichtigen, dass die Bereinigung der Daten nur um den potentiell geschönten offiziellen Anstieg der Einzelhandelspreise stattfindet. Weiterhin trüben seit Jahren eine Reihe zu beobachtender kräftiger Revisionen und Veränderungen des Berichtskreises die Datenqualität bzw. die Vergleichbarkeit der Datenreihe.

Die Einzelhandelsstatistik ist eine Stichprobenstatistik. 26’000 Unternehmen von rund 423’000 Einzelhandelsunternehmen in Deutschland berichten ihre monatlichen Umsätze an die Statistischen Ämter der Bundesländer und 700 Großunternehmen berichten direkt an das Statistische Bundesamt. Die berichteten Länderergebnisse und die der Großunternehmen werden zusammengefasst und von Destatis veröffentlicht.

Die Einzelhandelsumsätze (ohne KFZ-Handel) inklusive dem Versand- und Internet-Einzelhandel machen immerhin 33,9% der Ausgaben der privaten Haushalte im Inland aus und zeichnen am verlässlichsten das aktuelle Konsumverhalten der privaten Haushalte nach. Mit 24,3% der Ausgaben der privaten Haushalte folgen die Ausgaben für Mieten von Wohnungen und Häusern, sowie dem Miet-Äquivalent von Eigentümern, inklusive den Ausgaben für Wasser, Strom, Gas und Fernwärme, diese Ausgaben sind aber nicht wirklich aussagefähig in Punkto Konsumverhalten. Der KFZ-Handel, Instandhaltung, Reparatur sowie die Ausgaben für Kraftstoffe an den Tankstellen tragen zu 13,4% zu den Ausgaben der privaten Haushalte bei.

Käufe von Immobilien und Grundstücken werden in der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung nicht unter private Konsumausgaben erfasst, sondern dies sind Investitionen.

Quellen Daten: Destatis.de/Pressemitteilung Nr. 004 vom 07.01.2016: Einzelhandels­umsatz 2015 voraus­sichtlich real um knapp 3 % höher

 

Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

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