Deutschland: erste klare realwirtschaftliche Dämpfer in Sichtweite?

von am 23. April 2012 in Allgemein

Die Markit Flash-Schätzung zum Einkaufsmanagerindex der deutschen Industrie (EMI) für April 2012 spukte heute Morgen ein frisches 33-Monatstief aus! Damit befindet sich die deutsche Industrie in Kontraktion. Ein Einkaufsmanagerindex der Industrie von über 50 Punkten deutet auf einen Expansionskurs im Verarbeitenden Gewerbe hin. Indexstände von unter 50 Punkten signalisieren dagegen eine Schrumpfung im Verarbeitenden Gewerbe.

Die Entwicklung des deutschen Einkaufsmangerindex für die deutsche Industrie seit Januar 2007 bis April 2012 im Chart. Im April 2012 sank der vorläufige Einkaufmanagerindex aus der Flash-Schätzung auf 46,3 Indexpunkte und damit auf ein 33-Monatstief. Im März notierte der EMI bei 48,4 Indexpunkten, im Februar bei 50,2 Punkten, im Januar bei 51 Punkten und im Vorjahresmonat bei 60,5 Indexpunkten.

Der Auftragseingang, die Produktion und die Beschäftigung sanken im April in Deutschland. Der EMI für Deutschland resultiert auf einer Umfrage bei repräsentativen 500 Industrieunternehmen und der Index setzt sich aus 5 Subindizes mit folgender Gewichtung zusammen: Subindex Neuaufträge 30%, Subindex Leistung (Output) 25%, Subindex Beschäftigung 20%, Subindex Lieferzeiten 15% und Subindex Vormateriallager 10%. Die Flash-Schätzung basiert auf rund 85% der monatlichen Umfrage-Rückmeldungen und liefert damit bereits eine genaue Schätzung des endgültigen EMIs.

Die Exportaufträge von deutschen Industrieerzeugnissen aus Südeuropa gingen nun schon zum zehnten Mal in Folge zurück und im April am stärksten seit Jahresbeginn 2012. Erstmals seit dem Frühjahr 2010 kam es im April 2012 wieder zu einem Jobabbau in der deutschen Industrie.

Tim Moore, der Senior-Ökonom bei Markit, kommentiert die aktuellen Flash Estimate Daten für Deutschland so: „Die deutsche Wirtschaft schlitterte auch im April nur knapp an der Rezession vorbei. Nur dank des moderaten Wachstums des Service-Sektors konnte die beschleunigte Talfahrt der Industrie kompensiert werden. Die Industrie steckt wegen der Exportflaute in der tiefsten Krise seit Mitte 2009. Zu schaffen macht ihr vor allem die Schwäche in den Nachbarländern, während die Nachfrage seitens der asiatischen Schwellenländer und der USA robust blieb. Schlimmer ist jedoch der erste Jobabbau in der deutschen Wirtschaft seit über zwei Jahren. Sollte sich die Schwäche am Arbeitsmarkt hinziehen und die Kaufkraft der privaten Haushalte weiter unter Druck bleiben, dürfte die Binnennachfrage als Wachstumsmotor ausfallen.”

Damit weichen die erhobenen Daten von Markit Economics deutlich von denen des deutschen ifo-Instituts zum Geschäftsklima für die gewerbliche Wirtschaft Deutschlands ab, welches erneut einen leichten Anstieg auch für April signalisierte. Es bleibt spannend, die Divergenz der Daten von Markit und dem ifo-Institut ist relevant, und einer von beiden liegt deutlich daneben. Allerdings dürfte es nicht wirklich verwundern, dass die Krise der Südperipherie über die schwindenden Importe auch beim Vizeexportweltmeister Deutschland durchschlägt. Im Gegenteil, erstaunlich war eher die bisherige Widerstandsfähigkeit der deutschen Wirtschaft, die aber bisher durch die Krise auch profitierte, durch zuströmende Kapitalzuflüsse, kaum Finanzierungsprobleme und sinkende Refinanzierungskosten. Aber diese positiven Sondereffekte könnten nur temporär die negativen Ansteckungseffekte überdecken. Mit jedem Monat, wo sich die Krise auch in Spanien und in Italien tiefer einfrisst, überwiegen die negativen konjunkturellen Außeneinflüsse.

Quelle: Markiteconomics.com/Pressemitteilung Markit Flash EMI Deutschland

Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

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23 KommentareKommentieren

  • Ergo Sum - 23. April 2012

    Man hat zwar Verständnis für die absurden Aufschwungsparolen, denn niemand möchte schließlich böse Omen verkünden, doch die Gefahr der Hybris liegt darin, dass die Enttäuschungen jedesmal umso härter werden, wenn die Märkte wie heute früh erneut einbrechen.

  • alt-shift-x - 23. April 2012

    Da bin ich jetzt mal gespannt ob man das in den “Qualitätsmedien” auch so hoch aufhängt wie beim IFO letzte Woche. Da war die Steigerung um 0,1% ein unglaublicher Superboom und Wachstumskurs bis in alle Ewigkeit.

    • Wolf Larsen - 24. April 2012

      Wie Du siehst, nicht. Es kam stets irgendwo ganz hinten , diese Meldung.

      Ein echter Abschwung würde den konsumgeilen, kinder-und familkienfeindlichen Deutschen mal richtig gut tun.

  • Lazarus09 - 23. April 2012

    NEIN .. das will ich nicht glauben ..NICHT in Deutschland . Alles nur Linke Agitation die unseren schönen Aufschwung kaputt reden wollen Neider alle samt ! Bild Welt und SPON sowie IFO beweisen das es uns gut geht ! :-D

    * Ironie,Spott und Sarkasmus AUS * Muhahahaa

  • schnauzevoll - 23. April 2012

    Jeder Lernschwache konnte früh erkennen, dass ein rigider Sparkurs den Ast absägt, auf dem man sitzt. Ich hätte die ehemalige Propagandaministerin und den abgebrochenen Zwerg ja verstanden, wenn man 90% außerhalb der EU transferiert. das hätte ein neues “Deutsches Reich” bedeutet. ;) Aber 2/3 Export geht in die EU! Die Dummheit scheint grenzenlos zu sein. Oder die Finanzmafia hat ein derartiges Drohpotential entwickeln können, dass die Politiker gar nicht anders können. Ganz nach dem Motto: “Hast Du schon nach deinen Kindern gesehen?” :D

    Und was machen die jetzt mit den Wachstumsprognosen, die vor wenigen Tagen nach OBEN korrigiert wurden? Unsere Wirtschaftsweisen machen sich seit Jahren derart lächerlich, dass ich an deren Stelle längst unbekannt verzogen wäre.

    • peterb - 23. April 2012

      “die ehemalige Propagandaministerin”

      Also … Propagandaministerin war sie wohl nicht…

      “Nach eigenen Angaben war Merkel in ihrer FDJ-Gruppe als Kulturreferentin tätig, während Quellen, die der Merkel-Biograf Gerd Langguth befragt hat, davon sprechen, sie sei für „Agitation und Propaganda“ zuständig gewesen”
      (aus Wikipedia)

      … Aber ich weiß, was du meinst.

      • schnauzevoll - 23. April 2012

        Dann war sie halt FDJ-Funktionärin für Propaganda. Ändert nichts am Ergebnis.

        • Bernd Rickert - 23. April 2012

          Kanzlerworte:

          “Das (perverse Anm.) Glück der Verdammten”, “tausendfach zurückbezahlt”

          Vor 20 Jahren wären derarte Black Outs unvorstellbar gewesen und hätten zu Rücktrittsforderungen geführt. Heute sind Marathonläufer, Komapatient, Rettungsring, Rettungsschirm, Brandschutzmauern, Kettenreaktion, Ansteckungsgefahr, Bazooka, Atombombe, usw. ins Standartvokabular der öffentlichen Meinungsbildung eingegangen. Alles Begriffe, die mit Politk oder Ökonomie nicht im geringsten zu tun haben.

          Versuchen sie mal alle diese Begriffe in einem sinnhaltigen Satz zu bringen.

          Noch Fragen?

  • Sozialdemokraten gegen den Fiskalpakt - 23. April 2012

    Tja, das Totsparen in der Suedperipherie musste irgendwann auf Deutschland durchschlagen. Die Strategie, die eigenen Arbeitnehmer zu verarmen und nur auf Export zu setzen, musste irgendwann scheitern.

    Nieder mit Fiskalpakt und ESM!
    http://www.facebook.com/Fiskalpakt

  • klaus - 23. April 2012

    Die 430 Mrd gibt es nicht !!! War gestern bei Telegraph.co.uk/finance zu sehen.

    200 Mrd kommen aus Europa, die gibt es relativ schnell !
    230 Mrd kommen von ausserhalb und unterliegen der Verfügung Amerikas.
    Frühester Termin hierfür ist nach den amerikanischen Präsidentschaftswahlen !
    Nach dem Seouler Abkommen muß Amerika als größer Geber des IWF
    ratifizieren.

    Soweit dazu.
    Dazu noch die Holländer am meutern und Frankreich vor der
    Abwahl von Sarkozy !
    In Deutschland das Abtauchen der FDP und evtl. Neuwahlen
    in geschüttelten Hessen.

    Das System Merkozy geht dem Ende mit großen Schritten
    entgegen.
    Wirtschaftsschwache Länder bemerken, das der Euro
    Ihr Vermögen kostet, weil ihr Arbeitslohn gegen Hartz IV
    gedrückt wird.
    Austritte werden bald folgen.

    Denn der Fiskalpakt ist nicht bezahlbar für arme und
    kleine Länder.

    ;)

    Glaub das Ganze ist diesmal vorbei.

  • klaus - 23. April 2012

    Achso.
    Deutschlad gibt angeblich 41,5 Mrd zu den 200 Mrd.
    Die amerikanischen Wahlen sind November, also wird das Weihnachten.

    Gut das Deutschland die 41 Mrd jetzt direkt geben kann.
    Wegen der Wahl wird das wohl verschwiegen.

    :(

  • M.E. - 23. April 2012

    Ja, auch jeder Sonderboom auf Kosten Anderer geht mal zu Ende.
    Denn wie heißt es so schön:
    “Glück macht durch Höhe wett, was ihm an Länge fehlt!”

  • der Bauer vom Hunsrück - 23. April 2012

    Piraten erzkonservativ, gegen ESM und für GG, so der Slogan für die NRW Wahl. Das wird ein freudiges Wählen.

  • der-oekonomiker - 23. April 2012

    Das kann doch garnicht sein, das Ifo-Institut kommt doch zu einem ganz anderen Ergebnis! Für Deutschland gibt es doch nur eine Richtung: vor, höher, weiter… Oder etwa doch nicht?

  • klaus - 23. April 2012

    Hier der SuperLink

    http://www.telegraph.co.uk/finance/financialcrisis/9218915/United-States-curbs-use-of-extra-430bn-of-IMF-firepower.html

    Nur die 200 Mrd sind verfuegbar, weil direkt aus der Eurozone.
    Alles andere später.

    Und USA und CA weisen daraufhin, das Europa erst mal
    Hausaufgaben macht.

    Das wird lustig, mit der geplatzten Regierung in Holland.

    Grüße

    klaus

  • MagnaBavaria - 23. April 2012

    off-Topic aber MM nach wichtig:

    Erste (bestätigte) Online-Attacke (ich mag das Wort “Cyber” nicht so ;) ) auf den Iran:
    http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,829259,00.html

    • dank - 23. April 2012

      Hoffentlich keine falseflag Attacke einiger Möchtegernweltverbesserer. Die sollten da mal lieber den Fokus auf die jeweiligen inländischen Wunde legen…
      Und hoffentlich lässt sich nicht der IRAN zum ersten offiziellen, für alle klar abgrenzbaren Steinwurf hinreißen. Bis Herbst wird mit allen Mitteln versucht werden, hier einen Streit vom Zaun zu brechen. Wie heißt es so schön in der Parodie namens Iron Sky: Bis jetzt wurde jeder Präsident der Vereinigten Staaten, der einen Krieg begann, wiedergewählt. Die sollten mal alle in dem Punkt weltpolitisch die Beine still halten. Auf diese Art der finanziellen und allgemeinen problemtechnischen Konsolidierung können alle gut und gerne verzichten.

      Im Netz ist schon längst Krieg – da sehen wir sicher nur kleinste Bruchteile von…

      Zurück zum Topic
      Zum EMI noch nicht wirklich viel in der dollen Presse.
      Wobei die Börse scheints heute gut erwischt zu haben – gibt ja aber weiß Gott heute genug Nachrichten, die auch dem größten MoneyJunkieOptimisten den Zahn des AWG (alles wird gut) zieht. Für nen neuen Black Monday wirds wohl nicht reichen. Vielleicht wollen die auch einfach heute alles reinpreisen, damits danach wieder vier Tage aufwärts geht…
      “Überraschung des Tages”: http://www.n-tv.de/wirtschaft/Spaniens-Defizit-schockt-article6093736.html

      Täusche ich mich, oder lag der EMI als 3 bis 6-Monatsvorschau VOR Ereignissen die letzten Jahre immer richtig?

  • Frankenfurter - 23. April 2012

    Hoppala, ich habe gerade festgestellt, dass der EMI ja schon am 5.4. rausgekommen ist. Die News und Analyse dazu von Querschüsse kam am 23. 4. raus…..
    .Erscheint der EMI so unregelmäßig, dass er schon mal runter fällt bei euch?

    • dank - 23. April 2012

      Siehe

      http://www.markiteconomics.com/MarkitFiles/Pages/ViewPressRelease.aspx?ID=9448

      Einkaufsmanager Index™
      MARKTSENSIBLE INFORMATION
      SPERRFRIST: 23. April 2012, 09:30 Uhr

    • Querschuss - 23. April 2012

      Hallo Frankfurter,
      am 04.04.2012 bzw. Anfang des Monats kommen immer die Finaldaten für den Monat davor und gegen 23. des Monats die Flash Daten (vorläufig) für den laufenden Monat. Alles korrekt und wie fast immer zeitnah bei Querschuesse.

      Gruß Steffen

  • Roland - 24. April 2012

    Wie markit berichtet, sinken die Auftragsbestände in der deutschen Industrie jetzt schon den 10. Monat in Folge. Nachdem die Auftragseingänge insgesamt sogar noch in einem beschleunigten Tempo zurückgehen, steht jetzt zunehmend Kurzarbeit auf der Tagesordnung.
    Die Reifenhersteller Michelin und Goodyear arbeiten schon kurz.
    Ab Mai jetzt auch der erste Automobilhersteller in D: Die Ford-Werke in Köln.

    Das Stahlwerk in Sulzbach wird folgen ……usw.

  • Lothar - 24. April 2012

    Und wieder zeigt sich das die Wirtschaftsbosse unseres DAX Landes nicht lernfaehige Fachidioten sind vermutlich die mit Ausdauer, Blendung, Beziehung und Intrige es in die Chefetage geschafft haben – denn wer jetzt auch in Deutschland Austerity einfuehren will der hat wirklich nichts begriffen

    http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,829348,00.html

  • Frankenfurter - 24. April 2012

    Hi Steffen, danke für die Hinweise. Ich nehme (gefühlsmäßig) die Aussagen des Verbandes für Materialwirtschaft (oder so) ernster als die vom ifo-Institut. Obwohl beide Institutionen mit dem selben Verfahren arbeiten, sie interviewen Einkaufsmanager, richtig?