Deutschland: Exportvolumen bei 51,97% des nominalen BIPs

von am 25. Mai 2012 in Allgemein

Im 1. Quartal 2012 erklomm das nominale unbereinigte deutsche Exportvolumen bei Waren, Gütern und Dienstleistungen ein neues Allzeithoch in einem Quartal mit satten 335,34 Milliarden Euro. Damit wurde das einseitig exportorientierte Wirtschaftsmodell Deutschlands weiter auf die Spitze getrieben, anstatt einen Beitrag zum Abbau der wirtschaftlichen Ungleichgewichte im Welthandel, insbesondere innerhalb der Eurozone zu leisten. Deutschland ist zwar hinter China “nur” Exportvizeweltmeister, aber gemessen am Exportvolumen in der Relation zum nominalen BIP ist Deutschland voraus.

Die Entwicklung des nominalen unbereinigten Exportvolumens von Waren, Gütern und Dienstleistungen je Quartal seit Q1 1991 bis Q1 2012 im Chart. In Q1 2012 schwoll das Exportvolumen auf ein neues Allzeithoch mit 335,34 Milliarden Euro. Noch in Q1 1991 betrug es “nur” 96,66 Mrd. Euro, in Q1 2000 dann 160,06 Mrd. Euro und in Q1 2012 335,34 Mrd. Euro.

Die Entwicklung des nominalen unbereinigten Exportvolumens von Waren, Gütern und Dienstleistungen je Quartal seit Q1 1991 bis Q1 2012 im Verhältnis zum nominalen unbereinigten BIP im Chart. In Q1 2012 betrug das Exportvolumen 335,34 Mrd. Euro und damit 51,97% des nominalen BIPs von 645,20 Mrd. Euro! Dies stellt auch einen neuen Rekord beim Verhältnis von Exportvolumen zum BIP dar. Der Exportweltmeister China weist nur ein Exportvolumen von 26,00% des nominalen BIPs aus (2011: 1,8986 Billionen Dollar Exportvolumen bei einem nominalen BIP von 7,3011 Billionen Dollar).

Die Entwicklung der monatlichen deutschen Handelsbilanz nur bei Waren und Gütern seit Januar 1950 bis März 2012 im Langfristchart. Der Aufbau eines einseitigen Wirtschaftsmodell ist an diesem Chart klar zu erkennen. Besonders seit dem Bestehen der gemeinsamen Währungsunion wurden die Überschüsse ausgebaut. Im Gesamtjahr 2011 kumulierte sich ein Handelsüberschuss von +158,085 Mrd. Euro, nach +154,862 Mrd. Euro 2010, nach +138,697 Mrd. Euro 2009. Das Rekordjahr beim Handelsbilanzüberschuss wurde vor dem Ausbruch der Wirtschafts- und Finanzkrise im Jahr 2007 markiert mit +195,348 Mrd. Euro.

Die Entwicklung der deutschen Leistungsbilanz kumuliert gegenüber Portugal, Italien, Griechenland und Spanien auf Quartalsbasis seit Q1 1971 bis Q4 2011 im Chart. Zwar kam es zu einem Rückgang beim Leistungsbilanzüberschuss, der bereits Folge der eingeschränkten Finanzierungsmöglichkeiten der PIGS-Staaten und der rezessiven Tendenzen, insbesondere der Importrückgänge war, aber ganz deutlich zeigt dieser Chart, dass eine richtig kräftige Ausweitung der deutschen Leistungsbilanzüberschüsse erst mit der Währungsunion vollzogen werden konnte. Seit Q1 1999 bis Q4 2011 hat Deutschand gegenüber den PIGS-Staaten +451,605 Mrd. Euro Leistungsbilanzüberschuss angehäuft. Nur gegenüber Frankreich im Übrigen +288,968 Mrd. Euro.

Die deutsche Exportmaschine, extrem wettbewerbsfähig und erfolgreich am Weltmarkt ist zusammen mit völlig unterentwickelten Volkswirtschaften in einem gemeinsamen Währungsraum vereinigt, profitiert vom relativ schwachen Außenwert des Euro und befeuert mit maximaler Kraft die Ungleichgewichte innerhalb des Währungsraumes und spielt die Partner hoffnungslos an die Wand, die realistischer Weise unter dem Korsett der gemeinsamen Währung keine Chance haben an Wettbewerbsfähigkeit gegenüber Deutschland aufzuschließen. Die Schere der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit schließt sich deshalb auch nicht, sondern öffnet sich immer weiter! Dieser Wahnsinn kumuliert sich in einer Währungsunion der Narren, deren Ungleichgewichte zwangsläufig in einer Schuldenkrise münden musste und wo die sinkende Leistungsfähigkeit der Schuldner, eine Lösung der Probleme immer weiter erschwert und komplette Zahlungsausfälle immer wahrscheinlicher macht.

Die Entwicklung der breit gefassten Industrieproduktion (Bergbau, Energieversorgung und Verarbeitendes Gewerbe/Herstellung von Waren – Jahr 2000=100) ohne Baugewerbe. Während Deutschland seinen Produktionsoutput um +20,01% von 2000 bis März 2012 steigern konnte, lag der Output in Frankreich um -8,40%, in Portugal um -17,72%, in Italien um -18,59%, in Griechenland um -31,56% und in Spanien um -19,70% unter dem Niveau des durchschnittlichen Produktionsoutputs aus dem Jahr 2000! Besonders dramatisch, die auch im März 2012 ungebremste Talfahrt des Outputs der saisonbereinigten Industrieproduktion in Griechenland und Spanien. Die saisonbereinigte industrielle Output von Spanien fiel auf ein Niveau von Mitte 1994 und der von Griechenland sogar auf ein elendiges Niveau von Mitte 1978! Zum Vergrößern den Chart bitte 1x anklicken!

Letztlich spiegeln sich die extrem unterschiedlichen wirtschaftlichen Leistungsfähigkeiten der Volkswirtschaften, im Zuge der Schuldenkrise, auch in den Bilanzen der nationalen Zentralbanken der Eurozone wieder, da Zentralbankgeld die Zahlungsbilanz (Leistungs- und Kapitalbilanz) der schwachen Länder im grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr in Übereinkunft bringen muss, da der Interbankenmarkt dieses nicht mehr leistet:

 Die Target2 Salden der DNLF-Zentralbanken (Deutschland, Niederlande, Luxemburg, Finnland), von Deutschland, den PIIGS (Portugal, Irland, Italien, Griechenland und Spanien) und der PIIGSBF (PIIGS inkl. Belgien und Frankreich) seit Januar 2007 bis März 2012 im Chart.

Eigentlich ist mit den Grafiken alles gesagt, aber es bleibt unfassbar das dieser offensichtliche Irrsinn, des Exportierens und Befeuerns der Ungleichgewichte und im Gegenzug des Kumulierens von uneinbringbaren Forderungen mit Vehemenz, gar Stolz und Selbstgerechtigkeit bis zum bitteren Ende, dem potentiellen Auseinanderbrechen der Eurozone durchgezogen wird, ohne zu reflektieren, dass dies ökonomische Pyrrhussiege sind.

Reloaded: Deutschland: detaillierte BIP-Daten zeigen das schiefe Wirtschaftsmodell

Quelle Daten: Destatis.de/Datenbank, Monatsausweise der NZBs und Stats.gov.cn/chinesisches Statistikamt-Portal

Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

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52 KommentareKommentieren

  • paernu - 26. Mai 2012

    echt ein hammer. für mich die spannende frage, wie lange kann so etwas gehen, wann muss es explodieren? was ist der triggerpoint? wo ist der “natürliche” endpunkt?

  • dank - 26. Mai 2012

    Knacksende Lautsprecher und der Teleschirm geht an:

    Soeben erreicht und eine neue Nachricht aus dem Ministat (Ministerium für uneingeschränkte Statistiken und Zahlen).
    Liebe Brüder und Schwestern, die letzten Monate waren hart für uns alle und der Einfluss der biedern und missgünstigen Voraussagen
    zum Trotz, erheben wir uns zu alter Stärke. Viele von uns haben es sich gewunschen und auch schon lange Zeit vorausgesehen,
    dass es für uns alle nur einen Scheideweg geben kann, der bedeutet – produzieren wir oder werden wir in den Schatten der Mächte
    in Ozeanien oder Ostasien verschwinden und untergehen. Nun ist es getan und geschafft – hiermit verkünden wir die Schaffung des
    Absoluten Überschusses, der uns zu Reichtum und Wohlstand für Euch alle verhelfen wird.
    Der Absolute Überfluss ist derart groß, dass uns keine andere Wahl bleibt, als selbst unsere Widersacher mit unseren Produkten und
    Güter zu überhäufen und zu erdrücken. Und auch unsere vereinten Kräfte in unserem eigenen Territorium werden wir mit diesen Waren
    versorgen können – und dass günstiger als diese selbst zu produzieren fähig sind. Damit ist das Herz von Eurasien ein weiteres Mal
    seinem Namen treu geblieben und beweist, wie sehr die Inneren Partei nur zu einem entscheidet: Eurem Wohlwollen, dem Wohlstand
    und Reichtum des Herzens von Eurasien. Zu keinem anderen Zeitalter wurde in so wenig Raum derart viel für den Reichtum aller getan.
    Ein jeder von Euch kann sich glücklich schätzen ein Teil des Ganzen zu sein und mit bestehen zu dürfen. Dank unseres Reichtums
    und Überflusses wird es nun dem Großen Bruder möglich sein, sodann auch die anderen Völker in Eurasien weiterhin mit Nahrung,
    Auskommen und Unterkunft zu versorgen. Und dass trotz der geldverursachten Unwägbarkeiten, die uns immer wieder Glauben
    gemacht werden sollen. Aus dem Herzen heraus werden wir die Völker, Dank unseres eigenen Wohlstandes und Reichtums weiterhin
    unterstützen können ohne Angst um unsere Kinder und Kindeskinder haben zu müssen.
    Zu oft wurde uns in den letzten Wochen und Monaten von Gedankenverbrechern vorgehalten, dass wir nur dem Geld dienen und
    zum eigenen Wohle immer weiter streben – aber hier können wir nur schallend mit lauter Stimme entgegentreten: Nein – denn es
    war für unser aller Auskommen in Eurasien – nicht für die Geldgeber. Nicht zuletzt habt auch Ihr liebe Brüder und Schwestern in den
    letzten Wochen die Aufstockung Eures Lohnes erfahren – die 4,3 Prozent mehr Geld, unbefristete Übernahme, faire Leiharbeit beinhaltet
    – um nur ein Beispiel zu nennen, was bald für Euch alle gelten wird. Nachdem aus dem antiquierten Warenkorb zur Errechnung der
    Geldaufwertung ebenfalls wiederum einige unnütze, nicht mehr zu erstehende, Waren entfernt wurden, bedeutet das für einen jeden
    bisweilen bis zu 20 Einheiten mehr pro Monat. Und nicht nur für Euch alle bedeutet das einen Vorteil – nein auch für unsere Brüder
    und Schwestern am mittleren Meer, welche in dem letzten Jahren und Monaten bereits darben – denn nun ist einem jedem von Euch die
    Möglichkeit gegeben einen Teil seines Reichtums ohne großes Nachsinnen abzutreten und ihnen wieder einen Grund zu geben
    weiterhin an Eurasien zu glauben. Zur Festigung dieser Zusammenarbeit wird der Große Bruder zur Zeit der großen Spiele ein
    weiteres Gesetzt verabschieden, dass es einem jeden einfacher macht dieses Geld ankommen zu lassen und Euch damit die
    Bürde des Überlegens abnimmt: Den ESM, den Eurasische Solidaritäts Mammon. Dank dieses Gesetztes müsst Ihr nun keinen
    Gedanken, ja keine Minute, verschwenden, was mit Eurem persönlichen Überfluss und dem Eurer Kindeskinder geschehen wird,
    Der Große Bruder wird es für Euch regeln – ein Hoch auf den großen Bruder!!!
    Ab dem heutigen Tage kann sich ein jeder von Euch auf die Brust klopfen und Stolz verkünden: Der Wohlstand und Reichtum lag in
    meinen Händen und wurde durch mich vermehrt für alle – für ganz Eurasien.
    Die Produktionsbetriebe unseres geeinten Kontinents werden bisweilen in den nächsten zwei Monaten noch weitere Höhen erklimmen
    und immerfort weiterwachsen zum Ruhme unseres Vaterlandes – welches noch in 1000 Jahren in den Geschichtsbüchern stehen wird.
    Doch der Große Bruder weiß dies zu schätzen – Eure Entbehrungen und Opfer die Ihr erbracht habt – und erhöht die Victory-Gin-Ration für
    alle von 0,2 l pro Woche auf 0,15 l pro Woche!!! Reichtum und Wohlstand für alle!
    Feiert auch Ihr diesen Tag mit dem Großen Bruder und brecht auf zu neuen Höhen.

    Sie wünschen weiter Informationen – read more:
    http://www.n-tv.de/wirtschaft/Deutsche-Wirtschaft-laeuft-rund-article6339901.html
    http://www.n-tv.de/wirtschaft/Verbraucherstimmung-bessert-sich-article6348801.html

  • klaus - 26. Mai 2012

    Standard & Poors stuft Spanische BANKIA zu Schrott.

    http://www.zerohedge.com/news/sp-junks-nationalized-bankia-downgrades-various-other-banks

    Die Downgrade – Ratings sind einzeln im Artikel.

    Das ist das ENDE vom FISTELPAKT !!
    Italien und Portugal können sicherlich beim Rettungspaket nicht
    mitmachen, weil Sie Beide bis über beide Ohren drin hängen.

    Tja, dann muß die Ost-Europäische Erweiterung noch
    ein paar Jährchen warten. Na wenigstens eine gute Nachricht.

    Jetzt trinken wir mal einen, weil das soo alternativlos ist.

    Aber das kriegen wir noch gesagt.

    ;)

  • derdestiller - 26. Mai 2012

    Auch Handelsbilanzen stellen nur Flußgrössen dar. Schaut man auf das Vermögen pro Kopf (zB. in USA/UK aber auch anderen angeblich so armen Staaten wie Italien) so kann man erkennen, dass Deutschland ruhig noch einige Zeit lang weiter exportieren darf.
    Es sei denn ich interpretiere da was grundlegend falsch… nur weil der Staat pleite ist, sind es die Staatsbürger noch lange nicht (potentielle Vermögensblasen mal aussen vor gelassen). Aber zugegebenermaßen sind die Zahlen aus Wikipedia von 2000. Ich denke aber dass sich zumindest bei den angelsächsichen Staaten die Differenz zu Deutschland nicht in Magnituden geändert haben dürfte.

    • derdestiller - 26. Mai 2012

      Nun gut, ich befürchte ich habe mich gerade selbst widerlegt beim Recherchieren nach aktuelleren Zahlen ;):

      http://www.heise.de/tp/artikel/35/35225/1.html

      “Die hohe Differenz der Pew-Berechnung zum Credit Suisse World Wealth Report, der auf fast 200.000 Dollar je Erwachsenen kam, resultiert aus der Berücksichtigung der kapitalbasierten Altersversorgung der US-Bürger. Da aber das Vermögen der EU-Bürger im folgenden Vergleich die umlagefinanzierten Renten nicht berücksichtigt, ergibt sich folgende, drastische Berechnung: “…. Deutschlands Vermögen pro Kopf 2011 104000EUR, USA 47000 EUR.

    • Ulrich - 26. Mai 2012

      Ja das Pro-Kopf Verögen mancher Krisenstaaten verblüfft.

      In Deutschland läuft leider irgend etwas schief. Hier werden Löhne gedrückt und Leiharbeit gefahren. Die Exportmaschine wird hier und in andere europäischen Ländern doch immer mehr zur Problemmaschine. Naja so einfach ist es ja dann aber leider doch nicht :( ;)

  • derdestiller - 26. Mai 2012

    Zumindest für Italien möchte ich meine Aussage aber aufrecht erhalten. :)

  • Michael S. - 26. Mai 2012

    @klaus

    “Standard & Poors stuft Spanische BANKIA zu Schrott.”

    http://www.der-postillon.com/2011/07/ratingagenturen-ratingagentur-stuft.html

  • Frankenfurter - 26. Mai 2012

    Ich habe da mal eine Verständisfrage. Beim Ländervergleich wird, soweit ich die Diskussion überblicke, immer nur das produzierende Gewerbe herangezogen. Die Wertschöpfung im primären Wirtschaftssektor ist in allen EU-Ländern aber relativ klein. Zumindest laut österreichischer Wirtschaftskomission liegt der Anteil des primären Sektors am BIP im EU-Vergleich bei 18-19%. In Deutschland (Stand 2010) macht die industrielle Wertschöpfung nach derselben Tabelle 23% aus.

    http://wko.at/statistik/eu/europa-wertschoepfung.pdf

    Laut Querschuss erzielt dierser Sektor zur Zeit über 50% der volkswirtschaftlich Wertschöpfung in D. Wie ist das zu erklären und warum werden die anderen Wirtschaftssektoren so wenig beachtet?

    • micdinger - 26. Mai 2012

      Dienstleister schaffen ja keine Werte im herkömmlichen Sinn, sondern sie verwalten oder bearbeiten bereits geschaffene Werte. Etwas, was der Mensch als “Wert” bezeichnet beruht ja fast immer auf einer Denaturierung von etwas natürlich, ohne die Einwirkung des Menschen gegebenen. Der Weizen auf dem Feld bekommt seinen Wert ja erst, wenn er geerntet wird. Der Transport des Weizens an einen anderen Ort dagegen schafft keinen neuen Wert, ebenso die Verwaltung der Wertschöpfung und alles was damit zusammenhängt.

      • micdinger - 26. Mai 2012

        Nachtrag.

        Die Verarbeitung des Weizens ist dann die nächste Stufe der Wertschöpfung, alles weitere gilt aber analog.

      • Lothar - 26. Mai 2012

        Arzte, Lehrer, Kita Betreuer, Schauspieler, Musiker, Blog Schreiber, Prostituierte sind alles Dienstleister.

        Du bist anscheinend auch noch zu sehr dem Materialismus entstammend das du nur das als “Wert” bezeichnest, du schreibst es in Anfuehrungsstrichen argumentierst aber so das da keine stehen braeuchten.

        Es gibt genug Dienstleistungen ohne “Wert” die das Leben schoener machen koennten aber die koennen wir nicht zahlen. Ich wuerde lieber in einem Abriss Haus wohnen als auf die zu verzichten.

  • Michael S. - 26. Mai 2012

    @Frankenfurter

    Exporte Ungleich Industrieproduktion

    weil,

    1. Ware, Güter und Dienstleistung (z.B. exportierte Milch)
    2. Importierte Vorprodukte (importierter Motor aus Ungarn für ein Exportauto)
    3. Industrieprodukte auch für den Binnenmarkt (Dein Nachbar fährt einen Insignia)

    Gruß Michael S

  • Achim Hase - 26. Mai 2012

    Das Exportvolumen und seine Relation zum BIP ist m.E. nicht sonderlich aussagekräftig. Wesentlich interessanter ist der Exportüberschuss und dessen Relation zum BIP. Deutschland ist nun mal ein Land, in dem viel Endmontage stattfindet (z.B. Automobile), aber die Komponentenfertigung ist weltweit verteilt.

    Genauso wird Irland leicht verzerrt gesehen. Viele Konzerne nutzen Irland als Durchgangsbahnhof für ihre Dienstleistungen und Waren, um von den dortigen Niedrigsteuern zu profitieren. Mit Wertschöpfung hat das oft sehr wenig zu tun. Ich würde daher für Irland den Exportüberschuss als Ganzes in Frage stellen — reine statistische Verzerrung!

    • JH - 26. Mai 2012

      Eben, hier kommen wir der Realität wesentlich näher – Die Argumentation “Deutschland produziert im Inland Güter vom Bauteil über das Modul zum Endprodukt und exportiert überproportional” und die übrigen Europäer konsumieren die in Deutschland produzierten Güter mag ja volkswirtschaftlich-wissenschaftlich korrekt und auch anhand vorliegender volkswirtschaftlicher Daten belegbar sein, aber die betriebswirtschaftliche Realität sieht anders aus. Güterproduktion in Deutschland ist seit 20 bis 25 Jahren ein Modul- und Systemsourcing. Das theoretische Konzept, welches hinter dieser praktischen Vorgehensweise steht, ist die berühmte “Wertkette”. Ein Leistungserstellungsprozeß wird in seine Bestandteile zerlegt und jeder Bestandteil wird kontinuierlich optimiert – optimiert vor allem hinsichtlich Kosten und Produktqualität. Ein hohes Niveau an Produktqualität der Vorprodukte ist in vielen Teilen der Welt problemlos möglich, auch erreicht durch EFQM und Iso-Zertifizierungen, bleibt also das Kostenproblem – Relativ hohe Tariflöhne, verschiedenste negative Standortfaktoren treiben die Kosten in Deutschland in die Höhe, also wird konsequent ausgelagert.
      Es ist oft schwer möglich, auch mit ausgefeilter Prozesskostenrechnung den Wert der Vorprodukte eines Endprodukts zu ermitteln, außerdem sind solche Daten in den Unternehmen geheim und werden aus Wettbewerbsgründen nicht oder verzerrt nach außen gegeben. Im ausländischen Vorprodukt steckt oft die eigentliche technische Leistung, dessen kostenmässige Erfassung jedoch häufig relativ niedrig ist. Dann wird mittels massiven Marketing-Gesülz und versteckter PR ein “Premiumprodukt” kreirt für das man den entsprechenden Endpreis verlangen kann, der wiederum im wesentlichen aus dem Gewinnaufschlag des Finalherstellers besteht.
      Es ist wohl so, daß Zeitarbeit und andere Niedrigstlohn-Arbeitsverhältnisse in Deutschland das konsequente Outsourcing der Vorprodukterstellung etwas gebremst haben, aber aufzuhalten ist dieser Prozeß bei hochgradig reifen Endprodukten nicht.

      • Achim Hase - 26. Mai 2012

        Ein weiterer Effekt, der die Statistik verzerrt ist die “Wertschöpfung” durch die Marke. Mein Lieblingsbeispiel ist Apple. Designed in California, Made in China. Fast alle Komponenten kommen aus Asien aber der größte Teil der Wertschöpfung liegt bei Apple und deren Ländergesellschaften (steueroptimiert, viel Irland und Luxemburg). China kriegt nicht viel vom iPhone-Kuchen.

        Deutschland als Land der vielen starken Marken macht dasselbe. In Bangladesh wird der Adidas-Fußball genäht für 1 Euro das Stück (oder was auch immer) aber der größte Teil der Wertschöpfung liegt beim Markeninhaber.

        Wäre schön wenn man diesen Effekt quantifizieren könnte.

  • querschuss - 26. Mai 2012

    Hallo Frankenfurter,
    es geht im Artikel um das pure Exportvolumen von Waren, Gütern und Dienstleistungen, dieses fließt nicht in das BIP ein, sondern nur der Außenbeitrag (Exporte – Importe) und dies ist auch keine Aussage über die Bruttowertschöpfung der Industrie, welche aus Produktionswert – Vorleistungen resultiert.

    Die Bruttowertschöpfung der breit gefassten Indsutrie (Bergbau, Energieversorgung und Verarbeitendes Gewerbe) lag in Q1 2012 bei genau 22,71% des nominalen BIPs und entsprach 146,55 Mrd. Euro.

    Primär spiegelt aber das Exportvolumen den Produktionswert der exportierten Waren des Verarbeitenden Gewerbes wieder, Rohstoffexporte sowieso und Agrarexporte sind eine relativ zu vernachlässigende Größenordnung, selbst Dienstleistungen machen nur ein Sechstel des gesamten Exportvolumens aus.

    Aber dieser Vergleich Exportvolumen zum BIP zeigt die Dominanz des Exportes bzw. auch des gesamten Außenhandel am deutschen Wirtschaftsmodell und damit auch die Anfälligkeit für externe Schocks, siehe 2009, da die Binnennachfrage nicht in der Lage ist eine Pufferfunktion zu übernehmen da in der Relation zu schwach.

    @Achim,
    ich glaube nicht das man 146,55 Mrd. Euro Bruttowertschöpfung (Produktionswert – Vorleistungen) in Deutschland in Q1 2012 durch primäre Endmontage (zusammenschrauben von importierten Teilen) erzielen kann, wenn dann wäre dieses Zusammenschrauben aber fürstlich belohnt.

    Irgendwie haben deine Kommentare immer einen relativierenden Grundtenor.

    PS: Achim: “Das Exportvolumen und seine Relation zum BIP ist m.E. nicht sonderlich aussagekräftig.” … Muss mich revidieren, hier lagst du richtig und ich falsch!

    Gruß Steffen

  • Bernd Rickert - 26. Mai 2012

    Wenn gleichwohl die Importe adäquat stiegen und die Wohnbevölkerung vom Reichtum und Wahrenaustausch profitierte, könnten die Deutschen statt immer nur neidisch und deprimiert auch mal wieder zufrieden sein. Vor 30 bis 40 Jahren hatten Deutsche durchaus einen lustigen, geselligen Charakterzug. Im Oktober 2010 attestierte Gauck als verkappter Dr. Sado den Deutschen eine Vorliebe Masochismus. Freude ist im deutschen 5-Jahres-Plan nicht vorgesehen, eher so eine Art primitiver Berechenbarkeit.

    • Bernd Rickert - 26. Mai 2012

      Gerade lese ich Bofingers Focus-Schlagzeile “Niedrige Anleihezinsen sind gefährlich für Deutschland“. Passt und klingt fast wie “Allgemeiner Wohlstand ist gefährlich für Deutschlands politisches (Angst-)klima.”

    • Querschuss - 26. Mai 2012

      Hallo Bernd Rickert,
      “Wenn gleichwohl die Importe adäquat stiegen….” Wovon redest Du? Alleine der Handelsbilanzüberschuss bei Waren und Gütern betrug 2011 +158,085 Mrd. Euro.

      Gruß Steffen

      • Bernd Rickert - 26. Mai 2012

        Der Kommentar ist in Konditional geschrieben.

        Irgendwo habe ich noch eine Absichtserklärung zu ausgeglichenen Handelsbilanzen im Hinterkopf. (doha-Runde? Weiß nicht mehr genau.) Die im Artikel offengelegte Umsetzung beschreibt jedenfalls genau das Gegenteil der Absicht. Die WTO verliert wegen der globalen Wirtschaftsblockbildung an Gewicht. EU+Russland versus BRICS versus USA+APEC (TPP). Die Arabische Liga lässt sich nur schwierig einordnen.

        Wer behauptet, damals hätte die BRD die DDR einverleibt, darf getrost mit der Behauptung konfrontiert werden:”Die DDR hat die BRD im Laufe des Einigungsprozesses von innen ausgehöhlt.”
        Die BRD hat machtpolitische Werkzeuge und Denken der DDR-Regime übernommen und ins kapitalistisch marktwirtschaftliche System übertragen. Ratifizierte Verträge gelten nur noch bei Eigeninteresse und dienen eher populistischen Zwecken als des Vertragszwecks. Das Volk wird mit verlogener Propaganda abgespeist. Dem Machterhalt dienende Richtungswechsel der Propaganda um 180 Grad sind an der Tagesordnung. Die Akzeptanz und Kommunikation mit der Bevölkerung ist primitiven Verlautbarungen und Blackouts gewichen, die man normalerweise Psychopathen der Marke Gaddhafi zuschreiben würde.
        Die Politkaste, ein treffender Ausdruck einer mir unsympathischen, künstlichen Integrationsfigur, versucht sich mit absurden 30 Jahresplänen zu manifestieren. Die DDR-Volk hatte nicht ganz 30 Jahre gebraucht, bis es ihm reichte. Die DDR-Revolution war nicht von Freiheitswillen, sondern mehr noch als die arabischen von materiellen Gründen und anders als die arabischen von Neid getragen. Die Neidkultur hat Eingang in die Gesellschaft gefunden genauso wie das geschlossene Netzwerksystem der DDR die Gesellschaft auseinanderdividiert.

  • Heimwerker-Ass - 26. Mai 2012

    “gemessen am Exportvolumen in der Relation zum nominalen BIP ist Deutschland ein Export-Zombie und kein anderes Land der Welt weist so ein extremes Verhältnis aus”

    Selten so gelacht!

    Exportquote Niederlande 2011 geschaetzt: 67,1%

    http://wko.at/statistik/eu/wp-niederlande.pdf

    Wxportquote Belgien 2011 geschaetzt: 65%

    http://wko.at/statistik/eu/wp-belgien.pdf

    Exportquote Irland 2011 geschaetzt: 55,5 %

    http://wko.at/statistik/eu/wp-irland.pdf

    Exportquote Slowakei 2011 geschaetzt: 79,4%

    http://wko.at/statistik/eu/wp-slowakei.pdf

    Exportquote Ungarn 2011 geschaetzt: 77,2 %

    http://wko.at/statistik/eu/wp-ungarn.pdf

    Exportquote Tschechien 2011 geschaetzt: 62,7 %

    http://wko.at/statistik/eu/wp-tschechien.pdf

    Exportquote Litauen 2011 geschaetzt: 65,9%

    http://wko.at/statistik/eu/wp-Litauen.pdf

    Exportquote Estland 2011 hgeschaetzt: 68,4%

    http://wko.at/statistik/eu/wp-estland.pdf

    Exportquote Slowenien 2011 geschaetzt: 56,8%

    http://wko.at/statistik/eu/wp-slowenien.pdf

    Reicht das mal fuer’s erste? Nicht-EU-Laender habe ich noch gar nicht geprueft…

    • Querschuss - 26. Mai 2012

      Hallo Heimwerker Ass,
      ja stimmt, Danke für den Hinweis, ich hatte nur auf die Relation von Export und BIP in China geschaut. Also ist die Relation zum BIP für meine Argumantation falsch bzw. ungeeignet. Werde den Artikel überarbeiten bzw. die groben Falschaussagen sind bereits rausgenommen.

      Gruß Steffen

      • Roland - 26. Mai 2012

        Hallo Steffen,

        Deine Argumentation ist nach wie vor richtig und nicht widerlegt.

        Die von Heimwerker-Ass gelistetn Länder hängen als Zulieferer für die deutsche Exportwirtschaft in ihrem Wohl und Wehe allesamt extrem vom deutschen Export-Motor ab.
        Kommt dieser ins Stottern – und wir stehen kurz davor-, stürzen die Länder auf der Liste erst recht ab.

    • Das Häschen - 26. Mai 2012

      In Summe stimmt es sogar. Der Wirtschaftswurm hat mal die Steigerung ermittelt. Bis 2009 hat .de den außer europäischen Exporte um 6 bis 7% gesteigert, hingegen die innereuropäischen Exporte um 3%. So in etwa.

      Man könnte sich wohl auf den Standpunkt stellen, ein gewisse Hebelwirkung, ob der höheren abgesetzten Mengen lässt sich vermutlich nicht leugnen. Sprich die Exporte in den Südeuroraum als Enabler für außereuropäische Exporte und in Summe günstigere Preise durch höhere Mengen und vice versa. Sollte das Einfluss haben, dann hängt der internatonale Preis durchaus zu ’40%’ von stabilen ‘Exportbedingungen’ im Binnenmarkt ab. Die Situation ist ein gordischer Knoten.

      Die Eskalation der Situation kam nach 2009, in diesem Punkt hat der Querschuss durchaus in der Argumentation recht, bezüglich der Eskalation der Situation, da ist der Einfluss groß. Aber will man 20% Arbeitslose in .de? Das kann genauso wenig das Ziel sein.

      Wie bereits von Roland bemerkt, die Zulieferer an die sog. ‘Bazarökonomie’ haben selbstverständlich Überschüsse nach .de. Man müsste wirklich die Export in die ‘PIGS’, ich mag den Ausdruck nicht, betrachten.

      • Das Häschen - 26. Mai 2012

        Ohne genaue Daten zu kennen, aber die kommunizierte Strategie aus 2010 die im Südeuroraum die Import hochfahren zugunsten der ‘Lokomotive’ heute den Südeuroländern in der offiziellen Kommunikation zum Nachteil gereicht. Wie weit meine Vermutung stimmt, steht auf einem anderen Blatt. Leider fehlen mir die Daten dies analysieren zu können.

        Wenn man aber davon ausgeht dass der Exportzuwachs bis 2009 außer europäisch über den Daumen doppelt so hoch war über 8 Jahre, dann stützt das etwas das Argument als Enabler der Exportstrategie auch vor 2009 in einer sehr ungenauen Sicht.

        Damit ist die Argumentation des Querschuss durchaus akzeptiert. Datenmaterial wie immer höchst interessant, danke Querschuss.

        Wenn die Exportstrategie der Treiber der Situation ist, die Länder mit Aufholbedarf und die Klassiker wie die Niederlande stark Deutschland anliefen und Österreich ein braver Abnehmer der Güter ist im Gegenzug aber in der Dienstleistungsbilanz punktet, dann kann der Punkt für den sog. Nordeuro durchaus erreicht werden unter der Annahme der exportierte Produktmix bleibt soweit stabil.

        a) Billigerer Import der Zulieferteile,
        b) Fachkräfte teils über Österreich gesourced + die ergänzenden Dienstleistungen, die teils dem gemeinsamen Kulturgut Sprache sind geschuldet
        c) in Summe mit möglw. Holland, Belgien
        d) Klassischer Gastarbeiter wird wieder salonfähig, ob der Differenz der Leistungsfähigkeit der Volkswirtschaft des Ursprungslandes, sofern das Modell auf diese Art heute noch zeitgemäß wäre – eher bezogen auf die Schöpfung des Potentials aus der Differenz der Leistungsfähigkeit. Das sind heute ja teil höchstqualifizierte Fachkräfte oder bestens ausgebildete Manager die aus dem Osten kommen und über .at direkt oder Indirekt für Projekte in .de eingesetzt werden.

        Wir entkommen ja nicht der Tatsache, dass eine U.S. heute, wohl einen anderen Mix zu 50% bis zu einem Drittel der Kosten in Europa produziert. Den Vorsprung und den Ruf zu halten ist eine Grundvoraussetzung, aber am Ende macht der Preis die Musik. Denn wenn man die globalen Ströme betrachtet und Güter die bewegt werden ist ein durchaus hohes Potential für zukünftiges Verlagern von Export aus dem Euroraum hinaus gegeben.

        In 2035 bis 2050 – liegt das prognostizierte Einkommen im West bei ca. 155k, in Asien bei 40-60k (die Zahl müsste ich nochmal prüfen, aber die Größenordnung stimmt) in Afrika bei 4k – sehr grob per capita. Das sind Ungleichgewichte denen man muss begegnen. Das Festkleben am Sessel und das Verharren in der Position bringt schon auf mittlere Sicht erhebliche Nachteile. Gesellschaftliche Herausforderung. Da tun sich Konfliktpotentiale auf und auch aus diesem Grund ist eine Lösung in Europa notwendig, egal welche – das kostet alles Jahre. Seit 2007 eiert der Westen an den wesentlichen Problemen vorbei zumindest erfährt man in der öffentlichen Kommunikation sehr wenig.

  • Doc_x - 26. Mai 2012

    Diese Ungleichgewichte sind ja nichts Neues, auch wenn sie sich in letzter Zeit vergrößert haben. Zum Glück (!) sind wir in Deutschland weltweit hoch wettbewerbsfähig.
    Man macht doch ein Team (= Europa) nicht stärker, indem man die stärksten Spieler schwächt (weil man die mühsam verteidigte und in den letzten Jahren gestärkte Wettbewerbsfähigkeit wieder verringert).
    Wir können über alle Maßen froh sein, eine produktive, industriell geprägte Wirtschaft zu haben, und nicht auf das vor etlichen Jahren geprägte Gewäsch der postindustriellen Dienstleistungs-, Finanz- oder Wellness-/Gesundheitsgesellschaft hereingefallen zu sein.
    Demzufolge haben wir auch nicht die Probleme der Zinseszins-Märchenindustrie (England) oder den Spekulations- und Trittbrett-Ökonomien (viele Südländer).
    Dass in einer vernetzten Gesellschaft die Gewinne des einen zu Problemen des anderen führen können, ist unbestritten. Dafür braucht es Ausgleichsmechanismen, die aber auf keinen Fall so gestaltet sein dürfen, dass sie die Starken schwächen.
    Der Grieche oder Spanier hat keinerlei Vorteile davon, wenn BMW morgen weniger Autos exportiert oder die XY-Maschinenbau KG weniger Spezialmaschinen. Die Südländer werden die nämlich auf absehbare Zeit nicht eigenständig bauen können, allenfalls käme die Verlagerung von einzelnen Produktionsstätten dorthin in Betracht. Die eigentliche Wertschöpfung findet dennoch in den Stammwerken statt, und deren Ansiedlung in den Krisenländern dürften wir sobald angesichts der Infrastruktur- und Mentalitätsunterschiede nicht erleben.

    • TrooperCooper - 26. Mai 2012

      @Doc_x

      Ah die einzelwirtschaftliche Brille ist schon herrlich nicht wahr?

      Hier ist eine Denkaufgabe für Sie: wie steigern Sie die Wettbewerbsfähigkeit der Weltwirtschaft?

    • Petra Zitzl-Dumont - 26. Mai 2012

      Völlig d’accord.

      Smart money ist eben smart und investiert in starken oder aufstrebenden Regionen und Staaten. Deshalb läuft es in D eben immer noch rund und deswegen wird es auch in Zukunft rund laufen.
      Qualität setzt sich durch und das war schon immer so.
      Qualität erzeugt Nachfrage und Angebot und Nachfrage regeln eben den Markt.
      Als Beispiel sei die Rüstungsindustrie genannt.
      Wäre unsere und v.a. die Rüstungsindustrie in den USA nicht so hochqualitativ hätte man einige Arbeitslose mehr und ich denke das kann keiner wirklich wollen.
      Arbeit und Wertschöpfung muß vor allem anderen gefördert und gefordert werden.

      • Bernd Rickert - 26. Mai 2012

        Die Schweiz produziert ebenfalls hochwertige Güter und hat eine nahezu ausgeglichene Handelsbilanz.
        Das deutsche Gesellschaftsmodell verschiebt volkswirtschaftlich relevante Gewinne unverhältnismäßig zugunsten einiger weniger und Unternehmen. Die Unternehmen investieren im Ausland, sodass die Wertschöpfung aus dem Handelsbilanzüberschuss den “Wertschöpfenden” vorenthalten bleibt. Profite aus Auslandsinvestitionen sind nicht sozialisiert.

    • Querschuss - 26. Mai 2012

      Hallo Doc_x,
      “Diese Ungleichgewichte sind ja nichts Neues….” Eben sie bedeuten aber das die Defizite der Südperipherie finanziert werden mussten und irgendwann ablesend am NIIP die Nettoauslandsverschuldung aller Bereiche der Volkswirtschaft nahezu unhaltbar wurde. Das ist der Kern der Schuldenkrise in der Eurozone. Es gibt nur drei Möglichkeiten, erstens ein Streben nach Gleichgewicht, damit ein Abbau der Kreditpyramiden aus wirtschaflicher Leistungsfähigkeit der Südperipherie und dazu muss auch Deutschland einen Beitrag leisten, primär die Binnennachfrage über höhere Löhne steigern, was automatisch die Spitze der deutschen Wettbewerbsfähigkeit kappt, zweitens eine Beibehaltung der deutschen Überschuesse, dann muss aber auch eine weitere Finanzierung geleistet werden oder eben drittens die Überschuesse schrumpfen, da die Nachfrage in Folge fehlender Finanzierung zusammenbricht, Ergebnis allseits Rezession.

      “Man macht doch ein Team (= Europa) nicht stärker, indem man die stärksten Spieler schwächt (weil man die mühsam verteidigte und in den letzten Jahren gestärkte Wettbewerbsfähigkeit wieder verringert).” …. Ein Team macht man nur stärker, wenn man auch die Schwachpunkte der Mannschaft stärkt oder anders, ein Team ist so stark wie das schwächste Glied der Kette.

      Dauerhafte Überschüsse für Deutschland, heißt im Umkehrschluss, andere müssen Defizite machen und diese gehören nun mal finanziert und in dieser Binsenwahrheit wird bereits der Keim einer Schuldenkrise gepflanzt.

      Gruß Steffen

      • Heimlichtuer - 28. Mai 2012

        Nun ist doch der deutsche Handelsüberschuss mit der Rest der Eurozone auf nur noch 20 Mrd. Euro geschrumpft, dafür der mit dem Rest der Welt auf 130 Mrd. gestiegen. Wenn man jetzt die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Volkswirtschaft reduziert, gewinnt dann nicht in erster Linie das Nicht-Euro-Ausland? Ist das eine gute Idee, wenn man bedenkt, dass die Eurozone als ganzes bereits heute ein Nettoschuldner ist? Es spricht nichts dafür, dass die Südländer einen sinkenden deutschen Export in Nicht-Euro-Länder auffangen können, denn dafür müssten sie auch erst einmal selbst etwas im Angebot haben, was irgendjemand haben will. Da drückt doch der Schuh. Es hilft doch nichts, Deutschland nur zu schwächen – die anderen müssen auch stärker werden.

  • Heimwerker-Ass - 26. Mai 2012

    Hallo querschuss,

    jeder irrt sich mal (ausser Politiker und Journalisten,die irren sich notorisch…)

    Auch mir sind natuerlich solche Irrtuemer immer wieder passiert.Das kommt m.E. nicht zuletzt davon,weil man leider auch in Deutschland von frueher her gewohnt ist,nachzureden,was einem so in den Medien gepredigt wurde.Frueher gab es ja noch kein Internet,wo man all das,was in den Medien ( vor allem im deutschen Staatsfernsehen) behauptet wird,ueberpruefen konnte…

    Uebrigens,man kann sich sowieso schlimmer irren.Deutschland hat z.B. eine Bundeskanzlerin,die nicht mal den Unterschied zwischen EU und Eurozone kennt.

    Sowohl im Bundestag als auch bei Guenther Jauch hat Merkel behauptet: “60% unserer Exporte gehen in die Eurozone”

    in Wirklichkeit sind es,wie Ihr wisst,unter 40%,Tendenz fallend. (Weniger als) 60% der deutschen Exporte gehen in die EU,nicht in die Eurozone.

    Die Satire-Sendung “quer” vom Bayerischen Rundfunk hat sich in seiner Sendung vom 23..9,2011 deswegen uebrigens ueber Merkel lustig gemacht-voellig zu recht:

    http://blog.br-online.de/quer/themen-der-woche-griechenland-exporte-und-mehr-23092011.html

    http://www.youtube.com/watch?v=N2ajoDvlDbo

    Zwischen Minute 1 und 2 Absolut sehenswert !!!

    Wenn das mal jemand in den Medien thematisieren wuerde…eine Bundeskanzlerin,die EU mit Eurozone verwechselt,und zwar NICHT aus Versehen..

    Heimwerker-Ass

    • Querschuss - 26. Mai 2012

      Hallo Heimwerker Ass,
      habe ich mir angesehen, “quer”, unabhängig von der Merkel Satire bringt es quer alles schön auf den Punkt.

      Gruß Steffen

    • lottchen - 26. Mai 2012

      Es ist noch schlimmer. Sie hat Berlin in Russland verortet.
      http://www.rt.com/news/merkel-geography-berlin-russia-205/

      Das ist kein Fake, ich habe das selber vor ein paar Tagen in den Nachrichten gesehen.

  • Ingo - 26. Mai 2012

    @micdinger:
    Völlig falsch, daß Transport keine Wertschöpfung ist.

    Dazu folgendes Gedankenexperiment: Sie haben Hunger und haben zum Glück noch etwas Geld. Im Angebot sind 3 Säcke Weizen. Einer befindet sich direkt am Ort des Geschehens. Der andere Sack befindet sich 1000km weit weg. Für den direkt konsumierbaren Sack verlangt der Händler 3mal soviel, wie für den anderen Sack. Es sei weiter angenommen, daß die Qualität des Weizens gleich ist, d.h. jeder Sack hat dieselbe Menge Weizen derselben Qualität und daß sie den geforderten Preis für entweder diesen oder für jenen, aber nicht für beide Säcke zahlen können.

    Welchen Sack kaufen Sie nun? (Sehen Sie?)

    Der Sack Weizen in 1000km Entfernung kann Ihr Bedürfnis (Hunger) genausowenig stillen, wie ein Sack Gartenabfälle. Wenn nun ein Transportunternehmer den Sack zum Ort des Geschehens bringt, produziert er gewissermaßen aus nicht-konsumierbarem Zeug Güter, d.h. Dinge, die geeignet sind, menschliche Bedürfnisse zu befriedigen. Bei Nahrung (und vielen anderen potentiellen Gütern) ist es so, daß ein Nahrungsmittel sich irgendwo in der Nähe des Verbrauchers befinden muß, um diese Gütereigenschaft zu haben.

    • micdinger - 26. Mai 2012

      Na ja, ich lass das mal so stehen. Für mich stellt sich die Frage, was kostet der Weizen, wenn er die 1000 km zu mir zurückgelegt hat. Und was kostet dann der Weizen des Verkäufers vor Ort, nachdem der “Fremdweizen” vor Ort angekommen ist. Nach der obrigen Logik entsteht beim Weizen Weizen vor Ort eine Wertminderung in Höhe der Wertschöpfung des Importweizens. Mal so ganz abstrakt, ohne Randbedingungen gesehen.

      • aquadraht - 26. Mai 2012

        Das schrieb schon Tucholsky: “Wirf den Bankier, wohin Du willst, er fällt immer auf Dein Geld”.

  • dank - 26. Mai 2012

    Es ist einfach zu schön, um vorenthalten zu werden:
    “Die Bank gewinnt immer!”
    http://www.br.de/fernsehen/bayerisches-fernsehen/sendungen/quer/120524-quer-schlaeger100.html

    Querschlaeger – querschuesse – schee is.

  • Eurelios - 26. Mai 2012

    @ Steffen

    Ein Team macht man nur stärker, wenn man auch die Schwachpunkte der Mannschaft stärkt oder anders, ein Team ist so stark wie das schwächste Glied der Kette.

    Genau so ist es.

    In meinem Büro habe ich eine kleine Grafik an der Wand hängen.

    Ich hoffe die Beschreibung die ich jetzt mache kann man sich gedanklich gut vorstellen.

    3 Männer tragen einen Baumstamm über ihre Schultern und transportieren diesen
    über eine Wegstrecke dann kommt ein Graben. Der erste hängt sich dann wenn der
    Graben kommt an den Baumstamm und wird von den ander 2 Männer über den
    Graben gehoben fasst dort wieder Fuß. dann der zweite und zuletzt der dritte und schon
    ist der Graben gemeinsam überwunden.
    Titel zu dieser Grafik:
    Was macht ein Team zum Team..

    • TrooperCooper - 26. Mai 2012

      “Ein Team macht man nur stärker, wenn man auch die Schwachpunkte der Mannschaft stärkt oder anders, ein Team ist so stark wie das schwächste Glied der Kette.”

      Richtig, deswegen gillt es den deutschen Binnenmarkt mit Lohnerhöhungen zu stärken. Der deutsche Binnenmarkt ist nämlich das schwächste Glied in der europäischen Kette. ;-)

  • MFK - 26. Mai 2012

    Opel Werk in Bochum schließen und Produktion des Astra nach Polen und U.K. auslagern. Jeder der so etwas ausspricht wird geköpft.

  • Das Häschen - 26. Mai 2012

    Heißt das nicht, dass Deutschland wesentlich mehr international, sprich außerhalb der Eurozone exportiert? Das wäre vom Zugang her an sich nicht gefehlt, von der Idee her. Die Konsequenzen lassen sich noch nicht abschätzen, … einerseits eine ganz vernünftige Reaktion auf schrumpfende innereuropäischen Exporte und mit der Zeit klar,…

  • Klotho - 26. Mai 2012

    Wenn die ökonomischen Fakten so richtig sind, dann könnte ja Deutschland aus dem Euro austeigen und dann wieder die DM auflegen, für Deutschland war der Euro profitabel, zumindest für eine kleine Schicht sehr profitabel. Da aber Deutschland eigentlich unfair gegenüber den südlichen EU-Ländern ist kann die Union bald zerbrechen und zwar wegen Deutschland.

  • Heiner Hannappel - 26. Mai 2012

    Nach dem Eurofehler,nun Eurobonds,der nächste Fehler bitte …….!
    Man kann nur hoffen.dass der französische Präsident nach den Parlamentswahlen am 17. Juni seinen Sinn für europäische Realitäten wiederfindet.Die am gleichen Tag stattfindenden Parlamentswahlen in Griechenland werden im Ergebnis eine Situation schaffen,die Eurobonds geradezu verbieten,da sie gegen Buchstaben und Geist des Maastricht Vertrags verstoßen!Obwohl man diesen bereits in den Papierkorb der Geschichte durch Rettungsschirme,Target2 Verschuldungen wie anderweitige Risikoübernahmen entsorgt hat,kramt man ihn als Stopp-Argument gegen die Eurobonds gerne wieder aus.
    Wie der Euro ohne harmonisierende Maßnahmen bei Wirtschaft, Sozialem und Rechtswesen zu einem einigen Europa hin eine Fehlkonstruktion war,so passen auch die Eurobonds nicht in diese zerstrittene nur von Egoismen geprägte Eurolandschaft,da sie nur auf Deutschland als Zahler zielen.
    Euro wie Eurobonds ja,aber nur in einem in den wesentlichen Punkten geeinten Europa!
    Der ESM(Europäischen Stabilitäts Mechanismus)der bald unterschrieben werden sollte, muss verboten,abgelehnt werden,da er die demokratischen Rechte
    aller Staaten mit Füßen tritt.Das Zustandekommen eines solchen Vertragsmonsters entbehrt jeder Logik demokratischen Denkens und Moral!!!
    Wenn es jemals eine ernst zu nehmende Vision eines gemeinsamen europäischen Hauses gab,müssten auch die fundamentale Reihenfolge beim Hausbau beachtet werden,zuerst ein gemeinsames Fundament,dann statisch gleichwertige Wände und zum Schluss das gemeinsame Euro Dach mit Eurobonds!!In Gegensatz dazu steht heute die Glanzleistung der europäischen Politik—-man schuf zuerst das Dach,eine statische Unmöglichkeit mit allen bedrückenden Folgen!

    Heiner Hannappel
    Raiffeisenstrasse 63
    56072 Koblenz
    Tel:22287
    E-Mail: Heiner.Hannappel@gmx.de

  • Schmitz - 27. Mai 2012

    Da hat Heiner recht:
    Der ESM(Europäischen Stabilitäts Mechanismus)der bald unterschrieben werden sollte, muss verboten,abgelehnt werden,da er die demokratischen Rechte
    aller Staaten mit Füßen tritt.Das Zustandekommen eines solchen Vertragsmonsters entbehrt jeder Logik demokratischen Denkens und Moral!!!

  • paernu - 27. Mai 2012

    Liebe Leute
    An allen Argumenten ist was dran. Bin selbst ein Gegner des Euro und halte die Dt. Ueberschuesse auch fuer problematisch.
    Nur finde ich es einseitig auf dem dt Exporterfolg rumzuprügeln.

    Aus meiner beruflichen Erfahrung kann ich nur sagen, das hinter diesen nun einmal extrem viele mittelst. Hidden Champions stehen.

    Dahinter stehen kreative Arbeitnehmer und Unternehmer und sicherlich auch eine Poltik die Probleme der Vergangenheit (Arbeitslosigkeit) angegangen ist. Es ist mir immer noch lieber wir kommen aus der Rolle des Stärkeren als Andere. Ein Blick in die Geschichte zeigt, dass andere Völker um uns herum auch ihre Eigeninteresse verfolgt haben. Wenn andere Nationen z.B. Frankreich die Gelegenheit zu solchen Exporterfolgen haette, dann haetten die die genutzt.

    Insofern kann man die schröderischen Reformen garnicht genug loben, dabei habe ich Rot-gruen noch nicht einmal gewaehlt.

    Und nur noch einmal zur Erinnerung der Euro war nicht als erstes eine deutsche Idee, sondern fuegt sich nahtlos in eine französische Strategie von Richelieu bis Mitterand.

    Klar liegen Riesenprobleme vor uns, wir verlieren viel Geld auch eineige Kunden, aber am Ende wird die deutsche Wirtschaft besser durch diese Krise kommen als F, I, Es etc, wahrscheinlich auch als die Usa.

    Die Geschichte ist nun einmal ein Wettbewerb zw Nationen, wer nicht glauben will wie egoisitsch es auf EU Ebene zugeht, dem empfehele ich mal ein Gespraech mit seinem EU_Abgeordneten.