Deutschland: phänomenaler Boom?

von am 27. Januar 2014 in Allgemein

Deutschlands heimlicher Boom titelt SPON und in Bezug auf die BIP-Prognose des Manager Magazins von +2,8% für 2014 werden Zweifel an der offiziellen Statistik geschürt, diese soll das Wirtschaftswachstum unterzeichnen, die Bundesregierung deshalb im Blindflug navigieren und Deutschland in Wirklichkeit einen heimlichen Boom erleben? Dabei wuchs das reale BIP laut Destatis 2013 nur mit +0,4%, was Stagnation viel näher liegt als den kolportierten “Überhitzungserscheinungen” bei SPON. Hier nun der Blick auf viele Detaildaten aus Deutschland, zum größten Teil abseits der BIP-Daten um nicht in den Geruch von Unterzeichnung zu kommen :)

Einer der gravierenden Fehlannahmen im Artikel: “Kräftiger Aufschwung, zusätzlich angeheizt mit Schulden”:

1aDas ausstehende Volumen der Buchkredite an inländische Unternehmen und Privatpersonen (Privatsektor) in Deutschland in Prozent zum Vorjahresmonat, seit Januar 2000 bis November 2013 im Chart. Im November 2013 sank das ausstehende Kreditvolumen um -4,4% bzw. um -109,408 Mrd. Euro zum Vorjahresmonat, auf 2,3561 Billionen Euro .

In den Buchkrediten an inländische Unternehmen und Privatpersonen (Privatsektor) sind enthalten, dass ausstehende Kreditvolumen der privaten Haushalte, der nichtfinanziellen Unternehmen der Realwirtschaft, sowie der finanziellen Unternehmen, welche auch Kreditersatzfunktionen für die Realwirtschaft erfüllen aber als Nichtbanken gelten.

“Nach der Kieler Prognose erlebt Deutschland einen Binnenboom wie lange nicht mehr, mit deutlichen Überhitzungserscheinungen.”:

1aDie Entwicklung der saisonbereinigten realen Einzelhandelsumsätze seit Januar 1955 bis November 2013 (Index 2010=100) im Chart. Bis Dezember 1990 für die alten Bundesländer, ab Januar 1991 für ganz Deutschland. Seit über zwei Jahrzehnten geht es nicht mehr aufwärts, während in der alten Bundesrepublik die realen Einzelhandelsumsätze über Jahrzehnte dynamisch anstiegen, ist im wiedervereinigten Deutschland und als Mitglied der Eurozone bestenfalls pure Stagnation angesagt.

In den ersten 11 Monaten 2013 stiegen bei den unbereinigten Daten, die realen Einzelhandelsumsätze um +0,3% zum Vorjahreszeitraum.

1aDie Entwicklung der PKW-Neuzulassungen seit Januar 1963 bis Dezember 2013 im Chart. Im Gesamtjahr 2013 sanken die PKW-Neuzulassungen um -4,2% zum Vorjahr, auf 2,952431 Millionen PKW. Das Jahr 2013 war das schwächste Jahr bei den PKW-Neuzulassungen seit 1989! Auch bei den PKW-Neuzulassungen ist Deutschland seit über 2 Jahrzehnten kein Wachstumsmarkt mehr.

1aDie Entwicklung des realen Umsatzes im Gastgewerbe seit Januar 1994 bis November 2013 im Chart. Blau die unbereinigten realen Originaldaten und rot die saisonbereinigten realen nach dem Berliner Bereinigungsverfahren BV 4.1, laut Destatis. In den ersten 11 Monaten 2013 sank der reale Umsatz um -1,0% zum Vorjahreszeitraum. Wie schwach die Entwicklung bereits in den letzten Jahren verlief, verdeutlicht der Langfristchart. Zum saisonbereinigten Hoch im August 1994 mit 156,2 Indexpunkten brach der reale Umsatz im Gastgewerbe bis November 2013 um -35,1% ein!

1aDie Entwicklung des preisbereinigten Binnen-Umsatzsteueraufkommens (Mehrwertsteuer), um den offiziellen VPI bereinigt 2010=100, seit Januar 1999 bis November 2013 im Chart. Seit Jahren tut sich bei den Staatseinnahmen aus der Mehrwertsteuer wenig, was tendenziell für eine schwächliche Binnennachfrage steht. In den ersten 11 Monaten 2013 stieg das reale Umsatzssteueraufkommen um +1,96% zum Vorjahreszeitraum, zuletzt im November 2013 ging es um -1,53% zum Vorjahresmonat abwärts.

Auch die schwarze Linie im Chart, der gleitenden 12 Monatsdurchschnitt, zeigt durchaus Schwäche im langfristigen Kontext an.

Zu berücksichtigen gilt, dass die Daten zu den Mehrwertsteuereinnahmen seit Januar 1999 die kräftige Mehrwertsteuererhöhung um satte 3,0 Prozentpunkte zum 1. Januar 2007 reflektieren, was die wirkliche Substanz der Entwicklung der Einnahmen in Bezug auf eine dahinter stehende Binnennachfrage abschwächt.

1aDie Entwicklung des preisbereinigten Lohnsteueraufkommens in Mrd. Euro seit Januar 1999 bis November 2013 im Chart (preisbereinigt um den VPI 2010=100). Im November 2013 stieg das Lohnsteueraufkommen nominal um +6,4% zum Vorjahresmonat, auf 12,046 Mrd. Euro. Real ging es um +5,0% zum Vorjahresmonat aufwärts, auf 11,353 Mrd. Euro (preisbereinigt 2010=100). Klingt gut, ist es aber im langfristigen Kontext auch nicht wirklich. Denn der reale gleitende 12 Monatsdurchschnitt (schwarz im Chart) liegt auch im November 2013 immer noch unter dem Level des Lohnsteueraufkommen aus dem Jahr 2000! Trotz neuen Hochs bei den Beschäftigtenzahlen in Deutschland. Aber dies erklärt sich so:

1aDie Entwicklung der Zahl der Erwerbstätigen und die Entwicklung der geleisteten Arbeitsstunden je Erwerbstätigen seit 1970 bis 2013 im Chart. Im Jahr 2013 zog die Zahl der Erwerbstätigen weiter an, auf 41,841 Millionen, nach 41,608 Millionen 2012. Über die Qualität der Jobs ist viel gezeigt, wenn man die stetig sinkende Zahl der geleisteten Arbeitsstunden je Erwerbstätigen betrachtet. Im Jahr 2013 ging es abwärts auf 1387,8 Stunden je Jahr und je Erwerbstätigen, nach 1393,3 Stunden 2012. Noch 1970 waren es 1966,4 Stunden, 1980 1751,0 Stunden, 1990 1577,6 Stunden, 2000 1470,8 Stunden, 2010 1404,5 Stunden je Erwerbstätigen, die Inkarnation des Prekariats (Teilzeit, Zeitarbeit, Minijobs usw.).

1aDie Entwicklung der geleisteten Arbeitsstunden je Erwerbstätigen und Jahr seit 1970 bis 2013 (bis 1990 nur alte Bundesländer).

Die geleisteten Arbeitsstunden je Erwerbstätigen zeigen die Genese des deutschen “Arbeitsmarktwunders”, nichts worauf man wirklich stolz sein muss und nichts was wirklich die Masseneinkommen stärkt. Selbst die Gesamtzahl der geleisteten Arbeitsstunden aller Erwerbstätigen ist kein Burner, denn nur um +0,16% zum Vorjahr stieg die Gesamtzahl aller geleisteten Arbeitsstunden auf 58,068 Mrd. Arbeitsstunden, aber selbst 1970, nur in der alten Bundesrepublik waren es bereits 52,285 Mrd. Arbeitsstunden und 1991 in Gesamtdeutschland 60,082 Mrd. Arbeitsstunden!

Obwohl die Zahl der Erwerbstätigen zuletzt im Januar 2014 auf 42,229 Millionen anstieg, die darin versteckte Qualität bleibt schwach. Zwar stiegen auch die sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten, nach den zuletzt verfügbaren Daten auf 29,829000 Millionen, nur im langfristigen Kontext sind diese Daten nicht berauschend, denn bereits 1992 lag die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten in Deutschland fast auf demselben Niveau wie heute:

1aDie Entwicklung der Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten in Deutschland seit Q1 1992 bis Q3 2013 im Chart und die letzten Daten für Monat Oktober 2013. Die miese Qualität des deutschen Arbeitsmarktes lässt sich relativ schwer entlarven, da in den Teilbereichen wo dieser Beleg gelingt, es schwierig ist entsprechende Datenreihen zu erhalten.

1aDie Entwicklung der Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten in Vollzeit in Deutschland seit 1992 bis 2012 im Chart und die letzten Daten für Monat Oktober 2013. Zuletzt im Oktober 2013 waren 22,228900 Millionen sozialversicherungspflichtige Beschäftigte in Vollzeit (siehe PDF Seite 15). Im Jahr 1992 waren es noch 25,807 Millionen, siehe PDF Seite 26.

1aDie Entwicklung der Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten in Vollzeit (blau) und in Teilzeit (rot) seit 1992 bis 2012 im Chart und die letzten Daten für den Monat Oktober 2013. Seit 1992 bis Oktober 2013 ging es bei der Vollzeit um -13,9% abwärts, auf 22,228900 Millionen und die Teilzeit bei den sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten stieg dagegen um +116,0%, auf 7,600100 Millionen.

1aDie Entwicklung der Reallöhne als Index (Nominallöhne/VPI 2010=100) seit Q1 1991 bis Q3 2013 laut der Datenreihe von Destatis im Chart. In Q3 2013 sank der Reallohnindex um -0,3% zum Vorjahresquartal auf 96,5 Indexpunkte, nach 103,6 Indexpunkten im Vorquartal und nach 96,8 Indexpunkten im Vorjahresquartal.

Der Reallohnindex basiert auf der vierteljährlichen Verdiensterhebung und reflektiert die durchschnittlichen Bruttomonatsverdienste einschließlich der Sonderzahlungen aller vollzeit-, teilzeit- und geringfügig beschäftigten Arbeitnehmer, nach Abzug des Anstiegs beim Verbraucherpreisindex (VPI). Immer noch liegt Reallohnindex unter dem durchschnittlichen Niveau von 1992!

Finsternis an mieser Partizipation der Arbeitnehmer kann man auch begutachten, wenn man aus der VGR die Nettolöhne und -gehälter je Monat und je Arbeitnehmer abzüglich des Anstieges der offiziellen Verbraucherpreise betrachtet. Klar ist schon lange, dass die Reallöhne in Deutschland seit über 20 Jahren nicht gestiegen sind, die lange Reihe von Destatis der realen Nettolöhne je Arbeitnehmer erweitert diesen Horizont jedoch bis an das Ende der 70er Jahre:

1aDie realen (preisbereinigten 2010=100) durchschnittlichen Nettolöhne und -gehälter je Arbeitnehmer und je Monat seit 1970 bis 2013. 2013 stiegen die durchschnittlichen Nettolöhne und -gehälter je Arbeitnehmer und je Monat um +8,48 Euro, auf preisbereinigte durchschnittliche 1635,76 Euro (2010=100) und dies ist immer noch um -0,4% bzw. um -6,20 Euro unter dem Niveau des Jahres 1991, dem Beginn der Datenreihe, für ganz Deutschland und selbst unter dem Niveau von 1978 in der alten Bundesrepublik!

Es kann gar keinen Binnenboom geben, denn dann dürfte auch die Entwicklung der Masseneinkommen nicht so schwach verlaufen, als Grundlage von (Massen)Konsum, aber auch der Finanzierungsüberschuss der inländischen volkswirtschaftlichen Sektoren wäre nie so riesig:

1aDer Finanzierungssaldo aller inländischen volkswirtschaftlichen Sektoren seit 1970 bis 2013 im Jahreschart. 2013 betrug der Finanzierungssaldo +190,84 Mrd. Euro, ein Rekordfinanzierungsüberschuss.

Was zeigt der Finanzierungssaldo aller inländischen volkswirtschaftlichen Sektoren, im vereinfachten Sinne die Einnahmen minus Ausgaben der volkswirtschaftlichen Sektoren. Die verfügbaren Einkommen minus den Konsumausgaben minus den Bruttoinvestitionen. Besteht ein Finanzierungsüberschuss aller inländischen volkswirtschaftlichen Sektoren, also die Ausgaben waren niedriger als die Einnahmen, dann hat ausschließlich die Übrige Welt, das Ausland ein dementsprechendes Finanzierungsdefizit eingefahren, denn deren Ausgaben gegenüber Deutschland waren höher als die Einnahmen, was entsprechenden Finanzierungsbedarf und Verschuldung impliziert. Private Haushalte (vor allem die obersten 10%) und auch die Unternehmen in Deutschland sparen wie Bolle und die Unternehmen investieren eben nicht bzw. viel zu wenig! Deutschlands Überschüsse sind die gesamtwirtschaftliche Ersparnis minus den Investitionen, sprich entsprechende Einnahmen aus der Produktion werden im Inland nicht verkonsumiert oder investiert, sondern fließen als Nettokapitalexport ins Ausland ab, in Direktinvestitionen, Unternehmensbeteiligungen, Finanz/Kapitalanlagen und als Kredite.

Trotz immensen Nettoexportüberschüssen schwächelt letztlich selbst der Export leicht bzw. dieser kann seine Wachstumsdynamik nicht mehr fortsetzen. Das bereits erzielte Niveau bleibt davon unbenommen natürlich vergleichsweise enorm:

1aZuletzt im November 2013 wurden Waren und Güter in einem unbereinigten nominalen Volumen von 94,627 Mrd. Euro exportiert, ein leichter Anstieg von +1,0% zum Vorjahresmonat.

Allerdings in den ersten 11 Monaten 2013 sanken die nominalen Exporte um -0,5% zum Vorjahreszeitraum, auf 1011,7 Mrd. Euro, wirkliche Dynamik sieht mittlerweile auch anders aus. Die Handelsbilanz sieht nur deshalb weiter so fett grün aus, weil die nominalen Importe noch schwächer sind. Die deutschen Importe sanken im November 2013 um unbereinigte -0,4% zum Vorjahresmonat, auf 76,510 Mrd. Euro. In den ersten 11 Monaten 2013 sanken die Importe um -1,3% zum Vorjahreszeitraum, auf 828,0 Mrd. Euro.

1aDie Entwicklung beim saisonbereinigten Output nur der breit gefassten Industrieproduktion (Bergbau, Energieversorgung und Verarbeitendes Gewerbe) ohne Bauhauptgewerbe seit Januar 1991 im Chart. Der Industrieproduktionsindex stieg im November 2013 saisonbereinigt um +2,4% zum Vormonat, auf 108,2 Punkte, nach 105,7 Punkten im Vormonat. Das Hoch wurde im April 2008 markiert mit 110,8 Indexpunkten, ein Einbruch von noch -2,3%. Das sieht vergleichsweise immer noch gut aus, aber genau genommen geht es seit Anfang 2011 nur noch seitwärts.

In den ersten 11 Monaten 2013 sank der unbereinigte Output der Industrieproduktion um -0,75% zum Vorjahreszeitraum.

Von “Überhitzungserscheinungen” zeugt auch nicht die Kapazitätsauslastung, eher von noch aktivierbaren vorhandenen Kapazitäten:

1aDie Entwicklung der Kapazitätsauslastung der deutschen Industrie (Verarbeitendes Gewerbe) auf Quartalsbasis seit Q1 1960 bis Q4 2013 im Chart. In Q4 2013 lag die Kapazitätsauslastung bei 82,3%, der langfristige Durchschnitt seit 1960 war 84,1%. Es liegen also noch Produktionskapazitäten brach.

1aDie Entwicklung der PKW-Produktion in Deutschland auf Jahresbasis seit 1957 bis 2013 im Chart. Im Jahr 2013 stieg der Output der PKW-Produktion um +1,1% zum Vorjahr, auf 5,446600 Einheiten. Allerdings bereits 1998/99 wurden 5,348115 bzw. 5,309524 Millionen PKW hergestellt. Eine dynamische Ausweitung der Produktion sieht wahrlich anders aus. Das Allzeithoch wurde 2007 markiert mit 5,709139 Millionen Einheiten (-4,6% bis 2013).

1aDie Entwicklung der deutschen Rohstahlproduktion in tausend Tonnen seit Januar 1950 bis Dezember 2013 im Chart. Bis Ende 1990 nur die alten Bundesländer. Der Chart zeigt seit über 2 Jahrzehnten, von dem kräftigen Einbruch 2009 abgesehen, mehr oder weniger eine Seitwärtsbewegung an und neigt auch 2013 zur leichten Schwäche.

Im Gesamtjahr 2013 schrumpfte der Output der Rohstahlproduktion in Deutschland um -0,05% zum Vorjahr, auf 42,642 Millionen Tonnen, nach 42,662 Millionen Tonnen und nach 44,284 Millionen Tonnen 2011.

Zum Investitions- und Bauboom:

1aDie Entwicklung des saisonbereinigten Produktionsindex des Baugewerbes (Hoch- und Tiefbau) seit Januar 1962 bis Dezember 1990 nur für die alten Bundesländer und ab Januar 1991 bis November 2013 für ganz Deutschland. Der Output, das geleistete Bauvolumen im gesamten Baugewerbe sank im November 2013 um -1,7% zum Vorjahresmonat, auf 104,1 Indexpunkte. Das saisonbereinigte Hoch wurde im November 1994 mit 154,34 Indexpunkten markiert. Ein Einbruch von -32,6%! Soviel bereits zum Thema Bauboom. Selbst in der alten Bundesrepublik wurde in etlichen Monaten ein viel höherer Output erzielt als aktuell, so selbst Anfang der 70er.

Im gesamten Baugewerbe (Hoch- und Tiefbau) liegt der Output in den ersten 11 Monaten 2013 bei den unbereinigten Daten sogar um -1,4% unter dem des Vorjahreszeitraumes. Bau ist eben nicht nur Wohnungsbau und selbst dieser sieht im langfristigen Kontext noch schwach aus. Boomen tut wohl nur der Wohnungsbau im Hochpreissegment.

1aDie Entwicklung der saisonbereinigten Baugenehmigungen (Index 2010=100) seit Januar bis November 2013 im Chart. Im November 2013 sank der saisonbereinigte Index auf 140,6 Indexpunkte.

Zum Hoch im Jahr 1994 gab es 712’798 Baugenehmigungen von Wohnungen, 2013 werden es ca. 269’100 sein, nach 239’465 Baugenehmigungen 2012.

1aDie Entwicklung der realen Bruttoanlageinvestitionen in Prozent zum Vorjahr, als gleitender 5 Jahresdurchschnitt, seit 1955 bis 2013 im Chart.

1aDie Entwicklung des realen BIP in Prozent zum Vorjahr, als gleitender 5 Jahresdurchschnitt, seit 1955 bis 2013 im Chart. Selbst vermeintliche Aufwärtsrevisionen, wenn sie dann stattfinden, werden den langfristigen Abwärtstrend bei der Wachstumsrate nicht wenden.

Ja, ja der phänomenale Boom :)

Quellen: Spiegel.de/ Zweifel an offizieller Statistik: Deutschlands heimlicher Boom, Genesis.destatis.de/Datenbank, Bundesbank.de/Datenbank, Stats.oecd.org/Datenbank

Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

Print article

44 KommentareKommentieren

  • Conney - 27. Januar 2014

    Tolle Zusammenstellung aller wichtigen Daten. Klasse, Steffen.

    Völlig absurd die SPON-Nummer. Da werden in der Prognose Aufwärtskorrekturen der vergangenen Jahre einfach fortgeschrieben. Dass es auch anders aussehen kann, wird unterschlagen,
    siehe dazu die Grafik

    http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2013/10/29/falsche-statistiken-der-regierung-fuehren-zu-hoeheren-steuern/

    Außerdem sollen die Arbeitseinkommen laut Artikel dieses Jahr um fast 5 Prozent wachsen, nominal. Propaganda pur!

    Wie schreibt der SPON-Autor selbst: “zu schön, um wahr zu sein”.

    • Querschuss - 27. Januar 2014

      Hallo Conney,
      faktisch ging auch DWN dieser “Story” bereits am 29.10.2013 völlig unkritisch auf dem Leim. Niemals wird es wie in der Grafik von DWN kolportiert eine BIP-Revision von +0,4% auf +2,5% für 2013 geben, eine wirklich völlig absurde Annahme: “Ich erwarte für dieses Jahr eine Zunahme des Bruttoinlandsprodukts um circa 2,5 Prozent”, sagte Meier den Deutschen Wirtschafts Nachrichten Ende Oktober. Derselbe Meier von Kiel Economics sieht nun heute (24.01.2014) bei SPON ein Wachstum von +1,5% für 2013, was schon mal nicht für die Qualität seiner Prognosen spricht, satte 1,0 Prozentpunkte seine eigene Prognose innerhalb von 3 Monaten abwärtsrevidiert, toll :)
      Aber völlig enthemmt meint er 2014 wird es +2,8% Wachstum geben :)

      http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2013/10/29/falsche-statistiken-der-regierung-fuehren-zu-hoeheren-steuern/

      http://www.spiegel.de/wirtschaft/henrik-mueller-ueber-zweifel-an-bip-statistik-und-einen-heimlichen-boom-a-945642.html

      Gruß Steffen

      • Conney - 27. Januar 2014

        Da stimme ich dir völlig zu.
        Die Grafik illustriert ja gerade ab 2010 die absolute Traumtänzerei des Herrn Meier, der sich in einem Paralleluniversum bewegt, das sich auch die DWN zu eigen macht.

  • Rüdiger Braun - 27. Januar 2014

    Der Rückgang im ausstehenden Kreditvolumen Deutschlands (Privater Sektor) ist um rund 100 Mrd Euro überzeichnet (zu negativ). Grund: eine Änderung in der Zahl der berichtenden Institute. Dies hat jedoch nur die kurzfristigen Kredite der Banken an inländische Nichtbanken betroffen. Ihr Aussage bleibt allerdings trotz dieser Ungenauigkeit unverändert richtig. *****

    • Querschuss - 27. Januar 2014

      Hallo Rüdiger Braun,
      gibt es dafür eine belastbare Quelle?

      Danke im Voraus.

      Gruß Steffen

      • Rüdiger Braun - 1. Februar 2014

        Die Bundesbank. App. -2518.

        Hilfsweise Statistisches Beiheft 1, S. 26.

        Dort sieht man bei den kurzfristigen Unternehmenskrediten im August 2013 einen Rückgang von ca. 100 Mrd Euro ggü- Vormonat.

        In dem Ausweis der Veränderungen darunter erscheint lediglich ein Minus von 9 Mrd Euro. Die Diskrepanz erklärt sich aus der veränderten Zahl der berichtenden Institute.

        LG
        RB

        • Querschuss - 1. Februar 2014

          Hallo RB,
          Danke, hier der Link:
          http://www.bundesbank.de/Redaktion/DE/Downloads/Veroeffentlichungen/Statistische_Beihefte_1/2014/2014_01_bankenstatistik.pdf?__blob=publicationFile
          auf Seite 26 kurzfristige Kredite an Unternehmen und Privatpersonen von Juli auf August

          Bleibt die Frage, ob sich wirklich nur ein anderer Berichtskreis dahinter verbirgt oder eben die von Andre in Spiel gebrachten Möglichkeiten?

          Gruß Steffen

          • Rüdiger Braun - 1. Februar 2014

            Es war ein Unternehmen, dass aus irgend einem Grund nicht mehr den Status eines Kreditinstituts hat. Daher der Sprung in der Datenreihe. O-Ton Bundesbank.
            Abteilung Bankstatistische Gesamtrechnung, Ltg. Herr Werner, Apparat 2518.

            • Querschuss - 1. Februar 2014

              Hallo RB,
              Danke, wenn es sich um die Telefondurchwahl handelt, versuche ich es dort mal am Montag. Muss ja ein relativ großes Institut sein, in der Rubrik Sonstige Finanzinstitute (welche Nichtbankenstatus haben), ein Kreditinstitut (MFI) kann es ja nicht gewesen sein.

              Gruß Steffen

  • Nicolas - 27. Januar 2014

    Ich musste mir auch die Augen reiben als ich das heute morgen gelesen habe. Bei “Propaganda für die Dummen” scheint, wie bei Richter für Erdbeben, die Skala tasächlich nach oben offen zu sein!
    Tolle Antwort und wie immer super aussagekräftige Charts. Da sieht man mal wie mit Worten alleine die Wahrheit verbogen werden kann.

  • Eisenhaendler - 27. Januar 2014

    SPON : ,,Einkaufszentrum in Dresden: Ein Binnenboom wie seit langem nicht”
    … Deutschlands Sturmgeschwätz der Demokratie…
    … selbst in der größten Rezession könnte man zu Weihnachten volle Kaufhäuser fotografieren …!

  • Roland - 27. Januar 2014

    Vom Boom zum Bumm kann man jetzt vermutlich in der Türkei beobachten.

    Ohne massive Leitzins-Erhöhung stürmt das “hot money” in Kürze zum Notausgang.

    • Chotschen - 27. Januar 2014

      Leider, denn mit einer Zinserhöhung wird die Lira nicht so stark abwerten können, wie sie es müsste, um dem fetten Leistungsbilanzdefizit entgegenzuwirken. Und der schwächelnden Konjunktur werden höhere Zinsen auch nicht gut tun.
      Da sieht man mal wieder, was unregelmäßige Anpassungen zwischen Währungen für absurde Spekulatiionen mit darauf folgenden Kursachtenbahnfahrten bewirken.

      @ Steffen: Respekt für diesen sehr umfassenden Artikel!

  • Rolmag - 27. Januar 2014

    Was meint ‘n der mit “beherzt gegensteuern”?

    Falls es das ist was ich meine, dann rate ich den Politikern nur zu! Dann hat der eine EU-Abgeordnete mit Saal stürmen und aufknüpfen vielleicht sogar recht.

    Ansonsten darf ich annehmen, dass wohl wieder eine neue ultrateure Riesenverschwendung für die EU uns droht und man uns wie üblich im Voraus weichkocht und prophylaktisch ein schlechtes Gewissen macht. “Uns geht es so gut, dass wir uns schämen müssen!”
    Genau, das Problem werden die Politiker für immer beheben, nirgends sind die so emsig.

    Das geht bei den Deutschen leider so lange gut, bis nichts mehr steht. Denen ist es egal, wie sie ihre Umgebung aussieht, wenn einer kommt und denen erklärt, dass es den Deutschen gut geht, schon freun die sich…plemplem.

    Ich habe die letzten 14 Jahre DDR miterlebt, vielleicht die Hälfte bewusst und das hier ist immer mehr das exakte Abbild was Lüge, Manipulation und Propaganda betrifft, wenn nicht noch einen Tacken übertriebener. Immerhin war in der DDR Kritik am Sozialismus erlaubt, wenn sie so gehalten war, dass der Sozialismus am Ende doch überlegen war. Nicht einmal das gestattet man uns bezogen auf die EU! Man manövriert die Leute in eine Ecke, dass jeder Kritiker ein Nazifaschist ist.
    DDR-Methoden und die haben sie bitter nötig, so katastrophal wie der Euro für uns ist!

    Dass die Lanz-Petition von vornherein und unabhängig von der Beteiligung ins Leere geht, zeigt jedem der es sehen will, wer hier die Hosen anhat und wer nichts zu sagen aber alles zu bezahlen hat. Ein astreiner Sklavenstaat!

  • RedMoe - 27. Januar 2014

    Faszinierend, wie SPON es von einem ohnehin niedrigen Ausgangsniveau noch schafft sich immer nochmals intellektuell zu unterbieten.

    • Eurelios - 27. Januar 2014

      Faszinierend, wie SPON es von einem ohnehin niedrigen Ausgangsniveau noch schafft sich immer nochmals intellektuell zu unterbieten.

      Faszinierend? Ich finde das nur noch zum Koz… :-! Ich hoffe es klappt mit dem Smile.

  • Chris - 27. Januar 2014

    Wie ist es denn zu erklären, dass die Kreditvergabe an den Privatsektor im Sommer letzten Jahres abrupt ins Minus gerutscht ist (siehe erster Chart)?

    • Querschuss - 27. Januar 2014

      Hallo Chris,
      die Unternehmen sparen – alleine +108,3 Mrd. Euro lt. Finanzierungsrechnung der BUBA in Q3 2013. Bzw. sie nehmen vor allem die noch getätigten Investitionen via Innenfinanzierung vor.

      Warum nun gerade im Sommer 2013 das ausstehende Kreditvolumen bei privaten Haushalten und Unternehmen so kippt kann ich leider nicht beantworten, müssten eigentlich aber die erklären die einen kreditgetriebenen Wirtschaftsboom in Deutschland ausmachen :)

      Gruß Steffen

      • Häschen - 28. Januar 2014

        Da die Lage nicht klar ist. Bei unklarem Ausblick ist die Investition eher rückläufig. Deswegen auch die Aufschwungspropaganda.

        An sich wäre es besser den selben Betrag zwischen Ersatz von Altem und Errichtung von Neuem zu variieren in einer Bandbreite. 60:40 v.s 40:60.

        Nicht investieren in Friedenszeiten ist ein Garant für Rückstand – Hinten Nachhinken – von einer Dekade innerhalb von 5 Jahren. Wenn der Motor wieder brummt, dann ist kein Zeit, dann wird gefahren.

        Andererseits in .de brummt im Inland bezüglich Wachstum nichts mehr, außer der Magen des ausgehungerten Arbeiters hinterm enger geschnallten Gürtel.

        So ist es nicht verwunderlich, wenn Unternehmen sagen. Setzen wir uns beiseite am Ufer des Flusses, bis wir bei uns selbst vorbeischwimmen und springen auf den ‘fahrenden Zug’ auf. Der Fluch in der Wirtschaft ist – Der Pessimist lebt lange und ist sich ewig selbst der Feind. Der Optimist ist sich genau einmal sein Feind, nämlich genau beim letzen Mal. Just jenes kennt man zuvor nicht.

  • qyrl - 27. Januar 2014

    Hallo Steffen,

    tolle Zusammenstellung. Danke.

    Interessant fand ich insbesondere, dass das Nettomonatseinkommen seit ca. 1980 inflationsbereinigt unter Schwankungen gleich geblieben ist. Das sieht zunächst übel aus, von wegen (Nicht-) Beteilgiung am Produktivitätszuwachs. Dieses Einkommen wurde allerdings mit ca. 20% niedrigerer durchnittlicher Stundenarbeitszeit erzielt. D.h. letztlich ist der Reallohn um 25% pro Stunde gestiegen. Nicht schlecht. Der größte Teil wurde allerdings vor 1990 verfrühstückt.

    Interessant für die Bewertung des “Masseneinkommens / Arbeitnehmereinkommen” wäre es m.E. auch mal auszuwerten, wie sich dieses Einkommen netto / inflationsbereinigt über die Zeit entwickelt hat – sprich gesamt-geleistete Arbeitsstunden in D mal durchschnittlicher Stundennettolohn, vorzugsweise inflationsbereinigt. Kennst Du solche Zahlen?
    Die Anzahl der Beschäftigten ist massiv gestiegen, das durchschnittliche Gehalt gleich geblieben, da solle eigentlich ein deutlicher Anstieg der Einkommensumme aller Beschäftigten über die Jahre herauskommen, oder? Das Lohnsteueraufkommen hilft zur Abschätzung nicht wirklich weiter, wg. anderer Zeitraum und relativ schlechter Auflösung.

    Weiter so

    Uwe

    • Chotschen - 27. Januar 2014

      Sie haben Recht, dass durch Umverteiilung von Arbeit das Einkommen pro Arbeitnehmer stärker gesunken ist, als der Stundenlohn. Aber auch der Stundenlohn sah lange Zeit nicht gut aus. Erst mit der Finanzkrise ist dieser wieder etwas stärker gestiegen. Da dies auch einen Kaufkrafteffekt hatte, der den privaten Konsum ordentlich angekurbelt hat (Umverteilung von Einnahmen von sparenden Unternehmen zu konsumierenden Arbeitnehmern) ist die Beschäftigung und damit die Lohnsumme noch einmal gestiegen. Trotzdem könnte die Lohnsumme noch deutlich höher sein, wenn die Stundenlöhne mit der Produktivität gestiegen wären.

    • Querschuss - 27. Januar 2014

      Hallo qyrl,
      sehe ich mir mal an bzw. schaue ob ich die Daten dazu auftreiben kann.

      Gruß Steffen

    • Holly01 - 28. Januar 2014

      @ qyrl:
      “Dieses Einkommen wurde allerdings mit ca. 20% niedrigerer durchnittlicher Stundenarbeitszeit erzielt. D.h. letztlich ist der Reallohn um 25% pro Stunde gestiegen.”

      Netter Versuch, aber wenn die Gesamtheit der Löhne und Gehälter konstant und die Gesamtheit der Stundenzahl innnerhalb der statistischen Sch´wankungsbreite ebenfalls konstant ist, dann ergibt sich keine signifikante Erhöhung der Stundenlöhne.

      Ganz im Gegenteil macht es der Besitzstand nötig die Zersplitterung der Arbeitszeit auf eine größere Anzahl von Arbeitnehmern, gerade bei den zusätzlichen Arbeitsverhältnisen zu komensieren.
      Das nennen wir gemeinhin “prekäre Arbeitsverhälnisse”.
      Der angenehme Nebeneffekt, daß die Arbeitnehmer eine neue Generation der Geringstverdiener heranzüchtet.
      Pensioniert man die “Altbestände”, so senkt man automatisch das Lohnniveau.
      Also das mit den 25% Zuwachs an Stundenlohn, können Sie als Argument getrost wieder wegpacken.

      • Holly01 - 28. Januar 2014

        Es hat ja nicht wirklich jemand erwartet, die SPD hätte ein Herz für die kleinen Leute entdeckt?
        Das gezerre dreht sich ausschliesslich um den Punkt, wo ein paar Leute Angst haben, das volle Potential der Einsparungen könnte nicht ausgeschöpft werden.
        Rente mit 63 ……. pfffffff

      • qyrl - 31. Januar 2014

        @holly

        Zitat “aber wenn die Gesamtheit der Löhne und Gehälter konstant, dann … ”

        Ich habe das anders verstanden. Konstant geblieben ist das inflationsbereinigte Nettoeinkommen je Beschäftigtem, keineswegs die Gesamtheit der Löhne und Gehälter.

  • Fred Vollmer - 27. Januar 2014

    Alle Achtung!
    Eine äußerst differenzierte sowie fundierte Gegenrede.
    In dieser Qualität leider immer seltener zu finden…

    • Nordic Talking - 28. Januar 2014

      Dito ! Eine unglaublich wert-volle Aufklärungsarbeit, Steffen ! Das muss und wird auch entsprechend geldwert honoriert werden…

  • klaus - 27. Januar 2014

    Boom ?

    Jo. Man hat bei einigen verschreibungspflichtigen Medikamenten
    die Zuzahlungsgebühr erhöht und so
    den Chronikern mal 10 Euro oder mehr abgeluchst.
    Zudem hat man den Ärzten mehr Sparen aufgetragen.
    Da haben Lauterbach und Spahn exakt dasselbe
    gemacht, wie Bahr.

    Die Friedhofsgebühren steigen. usw.

    Es geht bergauf.

    Nur gute Nachrichten werden kommen.
    Bis kurz nach der Wahl.

    ;)

  • Kaeufer - 27. Januar 2014

    Es ist beängstigend, dass ein (Leit-?)Medium wie SPON sich so weit von den Fakten entfernt. Andere Wirtschaftsmedien legen wenigstens ein paar kleine Datenänderungen zugrunde, wenn sie mal wieder eine globale Trendwende an die Wand malen. Kennt ihr noch eine qualitativ hochwertige Wirtschaftspresse? Ich hab den Eindruck, es wird dort im Wesentlichen nur noch irgendwelchen vermeindlichen Trends hinterhergehechelt. Dadurch könnten sich Ausschläge/Hysterien auch noch weiter verstärken.

    PS: Was mir in der ansonsten sehr umfassenden Analyse oben fehlt, sind die sog. Frühindikatoren, z.B. Auftragseingänge, Einkaufsmanagerindex ..

  • Frank Bell - 27. Januar 2014

    Hallo und vielen Dank für den tollen (und freien!) Artikel.

    Es ist schon erstaunlich, wie wenig die Stagnation den Otto Normalverbraucher juckt.

  • Häschen - 28. Januar 2014

    Ein Wirtschaftswunder kommt selten allein :)

  • DieterM - 28. Januar 2014

    Warum nun gerade im Sommer 2013 das ausstehende Kreditvolumen bei privaten Haushalten und Unternehmen so kippt kann ich leider nicht beantworten, …..

    Hallo Steffen,
    ist eine interessante Frage, über die ich auch schon länger nachdenke. – Du hattest diese Grafik schon einmal in einem früheren Artikel veröffentlicht.

    Vielleicht ist die “Lösung” der Zypernkrise ein Grund. Aus Angst, dass auch bei dt. Banken die Konten durch einen Bail-in rasiert werden, findet hier eine Art Bilanzverkürzung statt. Private Haushalte oder Unternehmen, die neben Bankschulden auch noch größere Bankguthaben besitzen, zahlen hier lieber ihre Schulden zurück. Ich selber tätige für mich auch entsprechende Überlegungen. Sicher ist sicher!

    Viele Grüße
    dima

  • André Kühnlenz - 28. Januar 2014

    Feine Übersicht. Darf ich trotzdem fragen, wie man auf die erste Grafik kommt? Nach meinen Berechnungen lag das ausstehende Kreditvolumen nach den EZB-Daten im November 0,1% über dem Niveau des Vorjahresmonats (im Vergleich der Bestände (Stocks)). Nimmt man die Kreditflüsse (Flows) liegt das Plus bei 0,7%. Das ist zwar ebenfalls weit davon entfernt, dass irgendwas von Schulden angeheizt wird – nur scheint mir das Minus von -4,7% irgendwie unplausibel. Ich habe “Loans to Households, Domestic” und “Loans to Non-financial corporations, Domestic” addiert.

    • Querschuss - 28. Januar 2014

      Hallo Andre,
      ich habe 1.1.3. Other euro area residents genommen, steht etwas breiter gefasst für den Privatsektor 2502,4 Mrd. Euro November 2013 und 2625,8 Mrd. Euro November 2013 = -4,7%

      Quelle: http://www.ecb.europa.eu/stats/money/aggregates/bsheets/html/outstanding_amounts.zip
      Excel-Komplettdatei

      oder isoliert hier als html:
      http://www.ecb.europa.eu/stats/money/aggregates/bsheets/html/outstanding_amounts_DE_2013.en.html

      Letztlich liefert auch die Datenreihe direkt bei der BUBA nur für private Haushalte und Unternehmen zwar ein etwas niedrigeres Volumen, aber eine fast ebenso starke Schrumpfung, November 2013 2356,1 Mrd. Euro zu November 2012 2465,5 Mrd. Euro = -4,44%

      Quelle:
      http://www.bundesbank.de/Navigation/DE/Statistiken/Zeitreihen_Datenbanken/Makrooekonomische_Zeitreihen/its_details_value_node.html?tsId=BBK01.OXA8A2&listId=www_s100_oxa8a2

      Wie immer bei Querschuesse, alles belegbar und via 2 Quellen die Grundaussage geprüft, einzelne Fehler meinerseits sind natürlich nie völlig ausgeschlossen :)

      Gruß Steffen

      • André Kühnlenz - 29. Januar 2014

        Hallo Steffen, vielen Dank.

        Dann zählst Du aber auch Kredite an “inländische sonstige Finanzinstitute” und Versicherungen mit. Bei den sonstigen Finanzinstituten ist es im August zu einem deutlichen Einbruch gekommen: Seitdem liegt deren Kreditvolumen 50%+ unter dem Vorjahesniveau, was den Einbruch bei allen Unternehmen erklärt. Zu diesen Finanzinstituten gehören zum Beispiel auch zentrale Abwickler von Interbankenkrediten (Repos usw.). D.h. hinter dem Minus von 4,7% versteckt sich also vor allem ein Rückgang bei Krediten der Banken untereinander.

        Hier die sonstigen Finanzinstitute: http://www.bundesbank.de/Navigation/DE/Statistiken/Zeitreihen_Datenbanken/Makrooekonomische_Zeitreihen/its_details_value_node.html?tsId=BBK01.OXA8A6&listId=www_s100_oxa8a6

        Wie schon gesagt, das Kreditvolumen besonders der nichtfinanziellen Unternehmen bei deutschen Banken wächst derzeit sehr schwach. Aber im nichtfinanziellen Privatsektor schrumpft es eben nicht so, wie es die Grafik oben zeigt, sondern es stieg von November 2012 bis November 2013 um 0,7%. Das wäre wohl noch sehr wichtig zu erwähnen, wie ich finde. Bei 4,7% Minus hätten wir wahrscheinlich längst schon Deflation in Deutschland.

        Gruß
        André

        • Querschuss - 29. Januar 2014

          Hallo Andre,
          ok., allerdings auch im Strang bei der Datenbank der BUBA sind die Daten “inländische sonstige Finanzinstitute und Versicherungen” im Datensatz Buchkredite insgesamt (einschließlich Wechsel) an inländische Unternehmen und Privatpersonen inkludiert. Wenn man also die -4,4% Schrumpfung auf das Wording inländische Unternehmen und Privatpersonen (Privatsektor) bezieht bleibt meine Aussage grundsätzlich richtig, siehe hier:

          http://www.bundesbank.de/Navigation/DE/Statistiken/Zeitreihen_Datenbanken/Makrooekonomische_Zeitreihen/its_details_value_node.html?tsId=BBK01.OXA8A2&listId=www_s100_oxa8a2

          Ganz korrekter Weise könnte man dazufügen das unter Buchkredite an inländische Unternehmen eben auch die an sonstige Finanzinstitute und Versicherungen inkludieren. Nur was sind sonstige Finanzinstitute, bei der ECB heißt es Non-Monetary Financial Intermediaries, dass sind auf jeden Fall keine MFIs (Monetary Financial Institutions) also keine Geschäftsbanken, Finanzinstitute im herkömmlichen Sinne. Wenn die BUBA und die ECB diesen Bereich zum Privatsektor (inländische Unternehmen) dazu zählen und nicht zu den MFIs, wird es wohl einen Grund haben = Totschlagargument :)

          Dank deines Hinweise wissen wir jetzt, dass die Kreditschrumpfung aus dem Privatsektor primär aus dem Teilbereich Non-Monetary Financial Intermediaries kommt, nur was verbirgt sich dahinter genau und wie sind potentielle realwirtschaftliche Auswirkungen aus der rasanten Schrumpfung in diesem Teilbereich zu bewerten, wenn es dann welche gibt? Vielleicht kannst du das ja rausbekommen, dürfte für dich als Journalist ja kein Problem sein via Pressestelle der BUBA Auskünfte zu bekommen.

          Ungeachtet all dieser “Kleinteilikeit” gibt es kein heimliches Wachstum auf Kredit in Deutschland!

          Gruß Steffen

          • André Kühnlenz - 29. Januar 2014

            Letzter Punkt stimmt auf jeden Fall… Da will ich an Deinem Beitrag auch gar nichts rumkriteln.

            Die Frage, was sich hinter den sonstigen Finanzinstituten verbirgt, hatte ich schon einmal recherchiert. Das war 2009 als in Deutschland die Diskussion um eine Kreditklemme hochkochte… Wir hatten damals eine (zugegeben etwas reißerische) FTD-Geschichte auf Seite1: “Banken vertuschen Kreditklemme…” http://fbkfinanzwirtschaft.wordpress.com/2009/07/17/exklusiv-banken-vertuschen-kreditklemme/ Die Statistikzahlen stimmen aber…

            Später habe ich aber erst etwas besser verstanden, was eigentlich dahinter steckt: Es geht vor allem um Reverse-Repogeschäfte, die zwischen Banken über die Eurex in Frankfurt abgewickelt werden. (Wo also Wertpapiere, die als Sicherheiten dienen, bei der Eurex hinterlegt werden…) Die Eurex ist so ein sonstiges Finanzinstitut in der Systematik der Bundesbank und der EZB – sie ist kein MFI. Da gibt dann eine Bank einer anderen Kredit, verbucht wird das aber in der Kreditstatistik so, als ob die Eurex von einer Bank Kredit bekommen hat.

            Wenn diese Kreditsumme der Eurex gegenüber Banken sinkt, kann das daran liegen, dass die Banken weniger Repogeschäfte tätigen oder sich eine andere Clearing-Stelle suchen… oder sowas halt… So hatte mir das jemand von der KfW erklärt, die kennen sich da ganz gut mit den Zahlen aus, weil die auch recht gute Prognosen für das Kreditgeschäft erstellen…

            Man kann das auch hier sehen: Seite 44 – Spalte 17… Es sind vor allem kurzfristige Kredite bei diesen Finanzinstituten gewesen, die im Sommer 2013 eingebrochen sind:
            http://www.bundesbank.de/Redaktion/DE/Downloads/Veroeffentlichungen/Statistische_Beihefte_1/2014/2014_01_bankenstatistik.pdf?__blob=publicationFile

            Gruß
            André

            • Querschuss - 29. Januar 2014

              Hallo Andre,
              vielen Dank für die Infos, es dürfte aber vielleicht einen Unterschied machen ob es sich um Repogeschäfte mit der Eurex handelt oder wie der Bankenverband in deinem FTD-Artikel behauptet: “Sie umfassen neben den Wirtschaftszweigen der gewerblichen Wirtschaft und der Dienstleistungen auch Unternehmen, die Kreditersatzfunktion für die Realwirtschaft erfüllen, zum Beispiel Leasinggesellschaften.”, wenn dies so wäre, zeichnet sich ein Argument diese Summen zum Privatsektor zu zählen. Ein Kredit an eine Leasinggesellschaft erfüllt ja auch realwirtschaftliche Aspekte.

              Aber ich gebe zu, ich kann es nicht wirklich beurteilen, was sich hinter Non-Monetary Financial Intermediaries alles verbirgt und verbergen kann und steige aus!

              Ich überlege mir noch wie ich die Daten in Zukunft darstelle.

              Danke und Gruß
              Steffen

  • Holly01 - 29. Januar 2014

    Stellt die Nutzung der immer gleichen Grundlage nicht eine gesicherte Kontinuität dar?

    Die Wichtung der Einzelposten sich sicher interessant, aber zersplittert eine soclhe Sicht die Information nicht so sehr, daß Laien keine Chance zum Verständniss mehr haben?

    Eine Vereinfachung bedeutet immer einen Verlust an Inhalt und “Wahrheit”, aber ist das nicht zur allgemeinen Handhabung notwendig?

  • Querschuss - 29. Januar 2014

    Hallo Holly,
    grundsätzlich sicher :)

    falls es jemand im Detail interessiert, ich habe es recherchiert, die Definition dessen was das ausstehende Kreditvolumen an den Privatsektor darstellt sieht so aus, sprengt aber etwas den Rahmen des Artikels, deshalb hier:

    In den Buchkrediten an inländische Unternehmen und Privatpersonen (Privatsektor) sind enthalten, dass ausstehende Kreditvolumen der privaten Haushalte, der nichtfinanziellen Unternehmen der Realwirtschaft, sowie der finanziellen Unternehmen, welche auch Kreditersatzfunktionen für die Realwirtschaft erfüllen aber als Nichtbanken gelten. Zum Beispiel Institutionen für Finanzierungsleasing, Versicherungsunternehmen, Rückversicherungen, Pensionskassen und Pensionsfonds, die Sonstigen Finanzinstitute (Nicht-MFIs) darunter Finanzdienstleistungsinstitutionen wie Wertpapierhandelsunternehmen und Wertpapierhandelsbanken, Zentrale Gegenparteien wie die Eurex, Investmentaktiengesellschaften und Fonds von Kapitalgesellschaften (ohne Geldmarktfonds), Wohnungsunternehmen mit Spareinrichtung, Verbriefungszweckgesellschaften und das Pfandleihgewerbe.

    Gruß Steffen

  • Holly01 - 29. Januar 2014

    Danke Steffen für diese Zusatzinformationen und danke an Hr. Kühnlenz füe den wichtigen Teilaspekt.

  • André Kühnlenz - 2. Februar 2014

    Hallo Steffen,

    ja es gilt abzuwägen, welche Daten man da rausnimmt. In der Kreditnehmerstatistik der Bundesbank (siehe letzter Link in meinem vorherigen Kommentar) lässt sich das relativ einfach machen, in dem man nur die kurzfrisitgen Kredite an die sonstigen Finanzinstituten herausrechnet. So machen es die Leute bei der KfW. Nur leider gibt es die Zahlen nur auf Quartalsbasis und dann auch nur sehr verzögert…

    Aber hier gibt es für die Bestände die konkrete Unterteilung in “Zentrale Gegenparteien: Forderungen aus (Reverse)Repo-Geschäften”:

    http://www.bundesbank.de/Redaktion/DE/Downloads/Statistiken/Banken_Und_Andere_Finanzielle_Institute/Banken/Weitere_Tabellen_Bankgeschaeft/S100ATUNTBUCH.pdf?__blob=publicationFile

    Oder hier die Zeitreihen: http://www.bundesbank.de/Navigation/DE/Statistiken/Banken_und_andere_finanzielle_Institute/Banken/Tabellen/tabellen_zeitreihenliste.html?id=11608

    Zu diesen beiden Tabellen kommt man, wenn auf folgender Seite ganz unten nachschaut, da gibt es Tabellen, die nicht in den Monatsberichten oder der Bankenstatistik auftauchen:

    http://www.bundesbank.de/Navigation/DE/Statistiken/Banken_und_andere_finanzielle_Institute/Banken/Tabellen/tabellen.html

    Und dann klicken auf: “Buchkredite (einschließlich Wechsel) an inländische Unternehmen und Privatpersonen nach Schuldnergruppe und Verwendungszweck”

    Auf Monatsbasis (und damit am aktuellesten) sollten die EZB-Daten ausreichen, wenn man “Loans to Households” und “Loans to Non-financial corporations” nimmt…

    Gruß
    André

    • Querschuss - 3. Februar 2014

      Hallo Andre,
      Danke, bleibt die Frage ob, wie Rüdiger Braun schreibt, der Berichtskreis geändert wurde oder die Zentrale Gegenpartei seine kurzfristigen Buchkredite wirklich auf Null gefahren hat? Null spricht eigentlich für Ersteres. Leider war bei der Buba der Abteilungsleiter nicht im Hause, ich versuche dort nächste Woche nochmal anzurufen, falls ich es nicht vergesse.

      Gruß Steffen