Deutschland: reale Einzelhandelsumsätze Juni 2014

von am 31. Juli 2014 in Allgemein

Das Statistische Bundesamt (Destatis) berichtete heute die Einzelhandelsumsätze für den Monat Juni 2014. Die Einzelhandelsumsätze bei den unbereinigten nominalen Originaldaten stiegen um +0,6% zum Vorjahresmonat und die unbereinigten realen (preisbereinigten) Umsätze um +0,4% zum Vorjahresmonat. Der Juni 2014 hatte mit 24 Verkaufstagen aber einen Verkaufstag weniger als der Vorjahresmonat. Unter der Berücksichtigung der Saison- und Kalendereffekte stiegen die nominalen Einzelhandelsumsätze um +1,5%, im Vergleich zum Vormonat und real ging es um +1,3% zum Vormonat aufwärts.

1aDie Entwicklung der Saison- und kalenderbereinigten realen Einzelhandelsumsätze (ohne KFZ-Handel) seit Januar 1994 im Chart. Die bereinigten realen Einzelhandelsumsätze stiegen im Juni 2014 um +1,3% zum Vormonat, auf 103,5 Indexpunkte.

Im Juni 2014 lagen die saisonbereinigten realen Einzelhandelsumsätze erstmals wieder marginal über dem durchschnittlichen Niveau aus dem Jahr 2000, um +0,4% und auch über dem durchschnittlichen Niveau aus dem Jahr 1994, um +0,2%! Aber auch damit demaskieren sich immer noch eindeutig die Märchen zum deutschen Konsumboom und der ach so tollen Verbraucherstimmung. In der Realität geht seit über zwei Jahrzehnten so gut wie nichts voran:

1aDie Entwicklung der saisonbereinigten realen Einzelhandelsumsätze seit Januar 1955 bis Juni 2014 (Index 2010=100) im Chart. Bis Dezember 1990 für die alten Bundesländer, ab Januar 1991 für ganz Deutschland, laut den Daten aus der Datenbank der Deutschen Bundesbank. Dynamisches Wachstum bei den realen Einzelhandelsumsätzen gab es nur in der alten Bundesrepublik.

Bei den realen Einzelhandelsumsätzen gilt es zu berücksichtigen, dass die Bereinigung der Daten nur um den geschönten offiziellen Anstieg der Einzelhandelspreise stattfindet. Weiterhin trüben seit Jahren eine Reihe zu beobachtender kräftiger Revisionen und Veränderungen des Berichtskreises die Datenqualität bzw. die Vergleichbarkeit der Datenreihe.

Die Indizes zu den Einzelhandelsumsätzen zeichnen die Umsatzentwicklung nach. Da der Einzelhandelsumsatz starken saisonalen Schwankungen unterliegt, werden mit Hilfe des Census-X12-Arima Verfahrens Saison- und Kalendereffekte bereinigt, so dass man eine aussagefähige Datenreihe zur Trendbeurteilung erhält. Unbereinigt stellen sich die Daten im Chart seit Januar 1994 so dar:

1aDie Indizes mit den monatlichen unbereinigten Originalwerten bei den nominalen (blau) und realen (rot) Einzelhandelsumsätzen in Deutschland seit Januar 1994 laut den Daten von Destatis im Chart. Im Juni 2014 stieg der unbereinigte nominale Umsatz um +0,6% und real um +0,4%, jeweils gegenüber dem Vorjahresmonat. Selbst dieser Chart verdeutlicht das immer noch schwache Niveau, denn de facto geht es unter starken monatlichen Schwankungen seit 1994 nur seitwärts mit leicht abnehmenden Ausschlägen.

Herrlich arbeitet dagegen, die langanhaltende Stagnation bei den realen Einzelhandelsumsätzen, der Langfristchart der unbereinigten Originaldaten auf Quartalsbasis heraus:

1aDie Entwicklung der unbereinigten realen Einzelhandelsumsätze (Originaldaten) seit Q1 1955 bis Q2 2014 (Index 2010=100) im Chart. Diese Erbärmlichkeit an Entwicklung seit über zwei Jahrzehnten, wird in diesem Land üblicherweise medial als Konsum-Boom verpackt :)

In den ersten 6 Monaten 2014 stiegen die realen Einzelhandelsumsätze um +1,4% zum Vorjahreszeitraum. Zuletzt im Gesamtjahr 2013 stiegen die realen Einzelhandelsumsätze um nur +0,06% zum Vorjahr, nach nur +0,1% im Jahr 2012.

Die Einzelhandelsstatistik ist eine Stichprobenstatistik. 26’000 Unternehmen von rund 423’000 Einzelhandelsunternehmen in Deutschland berichten ihre monatlichen Umsätze an die Statistischen Ämter der Bundesländer und 700 Großunternehmen berichten direkt an das Statistische Bundesamt. Die berichteten Länderergebnisse und die der Großunternehmen werden zusammengefasst und von Destatis veröffentlicht.

Die Einzelhandelsumsätze (ohne KFZ-Handel) inklusive dem Versand- und Internet-Einzelhandel machten zuletzt im Jahr 2013 immerhin 33,9% der Ausgaben der privaten Haushalte im Inland aus und zeichnen am verlässlichsten das aktuelle Konsumverhalten der privaten Haushalte nach. Mit 24,3% der Ausgaben der privaten Haushalte folgten 2013 die Ausgaben für Mieten von Wohnungen und Häusern, sowie dem Miet-Äquivalent von Eigentümern, inklusive den Ausgaben für Wasser, Strom, Gas und Fernwärme, diese Ausgaben sind aber nicht wirklich aussagefähig in Punkto Konsumverhalten. Der KFZ-Handel, Instandhaltung, Reparatur sowie die Ausgaben für Kraftstoffe an den Tankstellen trugen zu 13,4% zu den Ausgaben der privaten Haushalte bei.

Käufe von Immobilien und Grundstücken werden in der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung nicht unter private Konsumausgaben erfasst, sondern dies sind Investitionen.

Quellen Daten: Destatis.de/Pressemitteilung Nr. 271 vom 31.07.2014: Einzelhandelsumsatz im Juni 2014 real um 0,4 % höher als im Juni 2013, Genesis.destatis.de/Datenbank

Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

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10 KommentareKommentieren

  • Georg Trappe - 31. Juli 2014

    Wirtschaft warnt vor steigenden Lohnkosten in Deutschland :
    http://www.wsj.de/article/SB10001424052702303567304580049292916746452.html?mod=DeutscheBoerse
    “Zu den berühmten Wut- und Brandrednern Deutschlands zählt seit kurzem auch VW-Chef Martin Winterkorn. Vor kurzem kündigte er vor seinen Führungskräften ein milliardenschweres Sparprogramm an, um die Renditeziele für die nächsten Jahre zu erreichen. Winterkorn präsentierte einen ganze Palette an Vorschlägen, wo effektiver gearbeitet werden muss.
    Neben zu hohen Entwicklungskosten und zu teuer geplanten Fabriken nahm er sich auch die Löhne der Mitarbeiter vor. Der Konzernchef beklagte, dass die Bezahlung in den vergangenen Jahren viel stärker gestiegen sei als die Produktivität. „Seien wir ehrlich: Wir haben in der Produktivität gegenüber den Kernwettbewerbern unverändert erheblichen Nachholbedarf”, lautete Winterkorns Fazit. Auf Deutsch heißt das nichts anderes, als dass die VW-Mitarbeiter zu viel verdienen. ”

    Und wie begruessen sich Frau Merkel und Herr Winterkorn?

    M: “Wie geht es Ihnen Herr Winterkorn”
    W: “Gut!”
    M: “Dann geht es mir auch gut!”

    • thewisemansfear - 31. Juli 2014

      Machen wir uns nichts vor, der Löwenanteil der Produktivitätsgewinne und damit erheblicher Wettbewerbsvorteile entsteht durch Skaleneffekte. D.h. die größten Konzerne können am längsten “Rendite” einstreichen, während anderen (kleineren) Konkurrenten längst die Puste ausgegangen ist.
      Mein Ex-Arbeitgeber wird nach gerade vollzogenem Arbeitsplatzabbau eine weitere Runde starten. “Die wirtschaftliche Entwicklung macht dies notwendig.”

      Zum Glück will die SPD jetzt (endlich!) ihr wirtschaftspolitisches Profil schärfen, dann kanns ja voran gehen ;-)

      • Georg Trappe - 31. Juli 2014

        So sieht herausragende, am Gemeinwohl orientierte wirtschaftspolitische Kompetenz in Deutschland aus.
        Denn was fuer die Shareholder das Beste ist, ist ja auch automatisch fuer den Standort Deutschland und seine Belegschaft das Beste. So einfach ist das. Alles wissenschaftlich und gleichgewichtstheoretisch belegt. Wers nicht glaubt wird es trotzdem erleben. Den selbstregulierenden Marktkraeften, die selbst vor hochkonzentrierter wirtschaftlicher Macht nicht halt machen, sei Dank.

      • Frank Bell - 4. August 2014

        Keine Bange!

        Wir werden alle REICH.

        Der tricke-down-Effekt macht es möglich.

  • O. - 1. August 2014

    Die zweite Grafik gibt es leider nicht vergrössert.
    Wäre aber schön, wenn man die auch in Groß anschauen kann…

  • Querschuss - 1. August 2014

    geht jetzt!

  • dank - 5. August 2014

    “Die Einzelhandelsumsätze (ohne KFZ-Handel) inklusive dem Versand- und Internet-Einzelhandel machten zuletzt im Jahr 2013 immerhin 33,9% der Ausgaben der privaten Haushalte im Inland aus und zeichnen am verlässlichsten das aktuelle Konsumverhalten der privaten Haushalte nach. ”
    Da stellt sich mir die Frage :
    Bspw. Amazon und ebay – beide sind ja nicht wirklich die guten Steuerzahler in D, sondern die machen das lieber aus bekannten Gründen in Irland und Luxemburg. Fallen die Einzelhandelsumsätze (eigene Geschäfte der beiden – nicht für deren Unterhändler) trotzdem ebenfalls D zu und wie stellt das destatis fest, wenn ihnen ja eigentlich die Zahlen der Unternehmen (wegen Steuererhebungsnachlässigkeit) fehlen?

    • Querschuss - 8. August 2014

      Hallo dank,
      das die hier keine bzw. wenig Steuern zahlen ist das eine, deren Einzelhandelsumsätze hier werden von Destatis aber sicher erfasst, bei Amazon auf Grund der Größe sicher sogar direkt. Ich nehme an, dass die Umsätze der Unterhändler mit übermittelt werden.

      Gruß Steffen

  • Vomitorium - 8. August 2014

    Der Michel wirds am Ende schon merken, vermutlich wieder erst zu spät – dabei unabhängig davon, ob er VW Mitarbeiter ist oder wie viel er verdient oder nicht… :-X

  • Oliver - 16. August 2014

    Schön herausgearbeitet! Wie immer ;) Danke dafür. Frage mich noch…ist der Grund für die Stagnation der Umsätze wirklich nur im schwachen Lohnniveau zu finden? Oder gibt es noch andere Gründe? Ich hatte bereits mal nach Daten zur gefühlen Inflation der letzten 20 Jahre gesucht…denn die habe ich im Verdacht, ständig überproportional mehr Geld aus der Lohntüte zu binden, was den Umsätzen ebenfalls zusetzen dürfte. Leider gibt es dazu nichts Fertiges. Müsste händisch die destatis-Daten auswerten. Hast Du fertige Daten dazu?

    Als weiteren Grund sehe ich die Zunahme von einem wachsenden Gefühl der Unsicherheit, was die Menschen mehr sparen lässt. Und das Geld ist nicht mehr so homogen verteilt, die Masse gibt also weniger aus. Schere Arm/Reich. Andere Gedanken dazu?