Deutschland: reale Einzelhandelsumsätze mit -3,8%

von am 31. Mai 2012 in Allgemein

Wie heute Morgen das Statistische Bundesamtes (Destatis) berichtete sind die deutschen Einzelhandelsumsätze für den Monat April 2012 schwach ausgefallen, von einem XXL-Konsumboom ist weiter nichts in Sicht. Die nominalen Einzelhandelsumsätze sanken um -2,0% und die realen Umsätze um -3,8% zum Vorjahresmonat. Allerdings hatte der  April 2012 mit 23 Verkaufstagen einen Verkaufstag weniger als der Vorjahresmonat. Berücksichtigt man also auch die Saison- und Kalendereffekte (Census X-12-ARIMA Verfahren) ging es im Vergleich zum Vormonat nominal um +0,7% aufwärts und real um +0,6% zum Vormonat. Weiterhin dokumentieren aber diese Daten für Deutschland eindeutig die langanhaltende Konsumschwäche der privaten Haushalte, denn immer noch liegen die saisonbereinigten und realen Einzelhandelsumsätze um -1,0% unter dem Niveau von 2000 und um -1,2% unter dem Jahr 1994, dem Beginn der langen Datenreihe!

Die Entwicklung der Saison- und kalenderbereinigten realen Einzelhandelsumsätze (ohne KFZ-Handel) seit Januar 1994 bis April 2012 im Chart. Die bereinigten realen Einzelhandelsumsätze stiegen im April 2012 um +0,6% zum Vormonat, auf 99,4 Indexpunkten. Der Langfristchart seit Datenerhebung im Januar 1994 zeigt, auch im April 2012, lange 19 Jahre nach dem Beginn der Datenreihe, liegen die realen saisonbereinigten Umsätze noch um -1,2% unter dem durchschnittlichen monatlichen Niveau von 1994 und nur marginal über dem langfristigen monatlichen Durchschnitt von Januar 1994 bis April 2012 mit 99,2 Indexpunkten!

Der deutsche Konsumboom war und bleibt ein mieser Propaganda-Fake. Seit Jahren zu beobachtende kräftige Revisionen und natürlich die Bereinigung der realen Einzelhandelsumsätze, nur um die geschönte offizielle Zahl des Verbraucherpreisanstieges gilt es zu berücksichtigen, wenn man die Daten zur Beurteilung der wirklichen Lage im Einzelhandel heranzieht. Unterm Strich gibt es seit 19 Jahren kein Wachstum bei den realen Einzelhandelsumsätzen und dies selbst bei nicht adäquater Preisbereinigung.

Die Indizes zu den Einzelhandelsumsätzen zeichnen die Umsatzentwicklung nach. Da der Einzelhandelsumsatz starken saisonalen Schwankungen unterliegt, werden mit Hilfe des Census-X12-Arima Verfahrens Saison- und Kalendereffekte bereinigt, so dass man eine aussagefähige Datenreihe zur Trendbeurteilung erhält. Dies ist in Anbetracht der Schwankungsbreite bei den Originaldaten sicher auch grundsätzlich nützlich:

Die Indizes mit den unbereinigten Originalwerte bei den nominalen (blau) und realen (rot) Einzelhandelsumsätzen in Deutschland seit Januar 1994 im Chart. Grob lässt sich aber auch an den Originaldaten ableiten, dass es de facto unter starken monatlichen Schwankungen seit 1994 seitwärts geht. Im April 2012 ging es nominal um -2,0% zum Vorjahresmonat abwärts und real um -3,8%.

Die Einzelhandelsstatistik ist eine Stichprobenstatistik. 26’000 Unternehmen von rund 423’000 Einzelhandelsunternehmen in Deutschland berichten ihre monatlichen Umsätze an die Statistischen Ämter der Bundesländer und 700 Großunternehmen berichten direkt an das Statistische Bundesamt. Die berichteten Länderergebnisse und die der Großunternehmen werden zusammengefasst und von Destatis veröffentlicht.

Die Einzelhandelsumsätze (ohne KFZ-Handel) inklusive dem Versand- und Internet-Einzelhandel machen knapp 30% der privaten Konsumausgaben aus und zeichnen am verlässlichsten das aktuelle Konsumverhalten der privaten Haushalte nach. Mit knapp über 20% der privaten Konsumausgaben folgen die Ausgaben für Mieten von Wohnungen und Häusern inkl. dem Miet-Äquivalent von Eigentümern, diese Ausgaben sind aber relativ unelastisch und nicht aussagefähig in Punkto Konsumverhalten. Der KFZ-Handel, Instandhaltung, Reparatur und die Ausgaben an den Tankstellen tragen zu knapp 10% der Konsumausgaben der privaten Haushalte bei.

Für die Schwäche des privaten Konsums in Deutschland kann man noch breiter gefasste Daten als die realen Einzelhandelsumsätze heranziehen, die Einnahmen des Staates aus der Mehrwertsteuer:

Die Entwicklung der Einnahmen aus der nominalen Umsatzsteuer in Mrd. Euro seit Januar 2007 bis März 2012, laut den Daten der Bundesbank. Im März 2012 lagen die nominalen Umsatzsteuereinahmen bei 8,996 Mrd. Euro, selbt nominal geht nicht viel voran, wie der Chart zeigt.

Noch weniger ging es voran, wenn man die Umsatzsteuereinnahmen um den Anstieg der offiziellen Verbraucherpreise bereinigt:

Die Entwicklung der Einnahmen aus der Umsatzsteuer in Mrd. Euro, preisbereinigt um den deutschen Verbraucherpreisindex (VPI) 2005=100, anhand der monatlichen Daten von Januar 2007 bis März 2012. Preisbereinigt (2005=100) lagen im März 2012 die Umsatzsteuereinnahmen bei mauen 7,989 Mrd. Euro.

Um die monatlichen, wie auch noch quartalsweisen saisonalen Schwankungen zu glätten, hier noch die Umsatzsteuereinnahmen auf Quartalsbasis als preisbereinigter und gleitender 4 Quartalsdurchschnitt:

Die Entwicklung des preisbereinigten und gleitenden 4 Quartalsdurchschnitts bei den Einnahmen aus der Umsatzsteuer seit Q1 2000 bis Q1 2012 im Chart! Selbst diese Daten vom stagnierenden Konsum zeigen noch nicht das wahre Bild, denn bei der Entwicklung der Daten zum Umsatzsteueraufkommen seit Q1 2000 muss man die Verzerrung nach oben, aus der Erhöhung der Umsatzsteuer (Mehrwertsteuer) zum 1. Januar 2007 von 16% auf 19% mit beachten.

Verblüffend ist diese schwache Entwicklung beim realen Umsatzsteueraufkommen nicht, spiegelt sie doch fast 1:1 auch das schwache Aufkommen aus der Lohnsteuer wider:

Die Entwicklung des preisbereinigten und gleitenden 4 Quartalsdurchschnitts bei den Einnahmen aus der Lohnsteuer seit Q1 2000 bis Q1 2012 im Chart!

Und die klaren Belege gehen noch nicht aus, ein Blick auf Konsum und die Arbeitnehmerentgelte aus Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung (VGR):

Die realen saison- und kalenderbereinigten Konsumausgaben der privaten Haushalte seit Q1 2000 bis Q1 2012 (2005=100) im Chart. In Q1 2012 stiegen die realen Konsumausgaben um +0,35% zum Vorquartal. Diese Daten dokumentieren ebenfalls die Schwäche, denn seit dem Jahr 2000 bis Q1 2012 ist der reale private Konsum nur um “sagenhafte” +5,86% gestiegen.

Wie schief das deutsche Wirtschaftsmodell generell ist, zeigt dieser Chart:

Die Entwicklung der realen Arbeitnehmerentgelte (grün), des realen Exportvolumens (rot) und der realen privaten Konsumausgaben der privaten Haushalte (blau) von Q1 2000 bis Q1 2012, alle Daten saisonbereinigt (Jahr 2000=100). Während die realen Exporte seit 2000 bis Q1 2012 um +84,44% stiegen, gab es bei den realen privaten Konsumausgaben einen lauen Anstieg von +5,86% und die realen Arbeitnehmerentgelten erzielten endlich ein Niveau von über dem Jahr 2000, mit einem Minianstieg von +0,59% seit 2000.

Apropos potentielle Realeinkommenserwartungen und deren Erfüllung in der Vergangenheit:

Die realen (preis- ,saison- und kalenderbereinigten) durchschnittlichen Nettolöhne und -gehälter je Arbeitnehmer und je Monat seit Q1 1991 bis Q 2012 (2005=100). In Q1 2012 ging es zwar aufwärts, um +10,92 Euro, auf preisbereinigte durchschnittliche 1’482,828 Euro (2005=100), dies ist aber immer noch um -3,93% unter dem Niveau des Jahres 1991 und um -2,45% unter dem Niveau des Jahres 2000!

Zwar stieg in Deutschland die Beschäftigung, aber die Partizipation des durchschnittlichen Arbeitnehmers am “Erfolgsmodell” blieb äußerst schwach bzw. es gab keine, wie die Entwicklung der durchschnittlichen realen Nettolöhne und -gehälter je Arbeitnehmer und je Monat seit Q1 1991 laut VGR deutlich machen. Der deutsche Arbeitnehmer wird zweimal zur Kasse gebeten werden, einmal hat er es bereits hinter sich, denn seine Nichtteilhabe aus makroökonomischer Sicht am Exporterfolg, war Teil der Grundlage für die enorme Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft, die wiederum dem Arbeitnehmer auch als Steuerzahler ein zweites Mal auf die Füße fallen wird, weil eben diese enorme Wettbewerbsfähigkeit die Ungleichgewichte in der Eurozone befeuerte und Exporte von Waren und Gütern gegen uneinbringbare Forderungen eingetauscht wurden, mittlerweile sind diese Forderungen weitgehend in Besitz der öffentlichen Hand. Ein Korrektur dieses schiefen Wirtschaftsmodell wurde bis heute klar verpasst, Einkommen und die Binnennachfrage hinken deutlich hinterher, wie selbst die hier verwendeten offiziellen Daten verdeutlichen.

Quellen Daten: Destatis.de/Pressemitteilung Einzelhandelsumsatz April 2012, Genesis.destatis.de/Datenbank, Bundesbank.de/Monatsberichte

Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

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18 KommentareKommentieren

  • Frankenfurter - 31. Mai 2012

    undefined- dt. ungeklärt,unbestimmt. Warum steht das bei all den Grafiken?

    • Querschuss - 31. Mai 2012

      Hallo Frankenfurter,
      falls du das undefined meinst was beim Vergrößern der Charts bei 1 x anklicken links unten erscheint, ist es ganz einfach. Die Grafiken sind ja grundsätzlich selbst beschriftet, wie man sieht, zusätzlich müsste ich jede einzelne Grafikdatei beim Hochladen in den Blog extra beschriften, dann würde statt undefined eben z.B. Deutschland: reale saisonbereinigte Einzelhandelsumsätze stehen, die Arbeit spare ich mir, denn es steht in der Grafik selbst bereits drin.

      Gruß Steffen

  • Frankenfurter - 31. Mai 2012

    und warum keine Autorenkennzeichnung? Reine Routinefrage, kein Mißtrauen.

    • MagnaBavaria - 31. Mai 2012

      Hast du doch oben in der Überschrift: “von Querschuss” bzw. “von SLE”
      Dann ist doch klar, wers geschrieben hat…

  • Frankenfurter - 31. Mai 2012

    sorry….mein Ver- bzw. Übersehen.

  • thomas - 31. Mai 2012

    die umsätze für die sog.LANGLEBIGEN konsumgüter werden sicher auch die nächsten quartale rückläufig sein.man braucht nicht ständig neue sachen.nahrungsmittel schätze ich mal stagnieren.trotzdem fliessen hier immer noch milch und honig,wenn man die prall gefüllten fussballstadien sieht,letztens war hamburger hafen geburtstag,pralle voll.dafür hat michel immer noch genug geld.
    spanische stadien sind komischer weise auch immer gut befüllt.brot und spiele,das funktioniert noch immer.
    freue mich schon auf die kfz zulassungszahlen für den monat may.
    gruß vom norden

  • Roland - 31. Mai 2012

    Die heutigen Konsum- und Arbeitsmarkt-Daten werden vermutlich die letzten einigermaßen passablen Zahlen gewesen sein.

    Soeben zeigen die Auftragseingänge im Maschinenbau für den Monat April einen Rückgang gegenüber dem Vorjahr um 11% an. Es ist der sechste Rückgang in Folge gegenüber dem Vorjahr.
    Abbau von Überstunden, Urlaub und Zeitarbeitern scheint begonnen zu haben. Kurzarbeit steht ante portas.

    • MagnaBavaria - 31. Mai 2012

      Das korreliert mit dem Verlauf des BDI Indexes…

      • Roland - 31. Mai 2012

        @ Magna Bavaria

        ….und den Stahl- und Rohstoff-Preisen.

        Schaun mer mal, was passiert, wenn der Lageraufbau in den USA an seine Grenze kommt.
        Ein aktuelles Beispiel:
        RIM hat mittlerweile einen Lagerbestand an Fertigwaren von 1 Mrd US$ (!) aufgebaut und extreme Schwierigkeiten bei dessen Abverkauf. Radikaler Personalschnitt steht unmittelbar bevor.

        • MagnaBavaria - 31. Mai 2012

          Und nicht zu vergessen, die – jetzt anscheinend im großen Stil – anlaufende Entlassungswelle HP, RIM, PSA Peugeot Citroen, IBM, Olympus, Panasonic etc.

          • JH - 31. Mai 2012

            …teilweise werden die Entlassungswellen in Deutschland trotz der üblichen, beschönigenden und manipulativen PR-Aktivitäten der Verbände, Konzerne, Polit-Clowns und Mainstreammedien sichtbar. Aktuelle Stellenstreichungen bei: Talanx, Daimler Buses, Lufthansa, Iveco, Metro, Neckermann, Sparkassen FI, Stollwerck, Praktiker, diversen mittelständischen Maschinenbauern…

  • aquadraht - 31. Mai 2012

    Ich misstraue stets ein wenig der Bereinigung nach Tagen im Monat. Die meisten Einkommensbezieher werden nicht als Tagelöhner, sondern nach Monaten bezahlt, das gilt für Arbeiter, Angestellte und Beamte genauso wie für Rentner, Stipendiaten und Bezieher von Transferleistungen nach SGBII, nur ALG1-Empfänger erhalten meines Wissens 14tägliche Leistungen.

    Bei Normalverdienern ist die Situation doch meist so, dass am Ende des Geldes noch mehr oder weniger viel Monat übrig ist. In der letzten Woche jedes Monats dürfte der Konsum sinken und sich auf die verfügbaren Fonds beschränken. Ich zweifle daher, dass eine Monatsverlängerung linear auf den Konsum durchschlägt. Die selbe Illusion wurde bei der Verlängerung der Ladenöffnungszeiten verbreitet, und sie hat sich auch als unsinnig erwiesen. Die Menschen können nur das Geld ausgeben, das sie haben.

    a^2

  • schnauzevoll - 31. Mai 2012

    Wenn die Arbeitslosigkeit sinkt, müsste der Konsum doch eigentlich steigen. Von daher korreliert der Konsumboom mit den aktuellen Arbeitslosenzahlen. ;)

  • lottchen - 31. Mai 2012

    Vielleicht stehe ich ja auf der Leitung, aber wird jemand aus den Meldungen über die Arbeitslosen-Statistik schlau? Die Zahl der Arbeitslosen ist gleich geblieben, die Arbeitslosenquote aber gesunken, und das, während die Zahl der Erwerbslosen gesunken und der Erwerbstätigen gestiegen ist?

    • Erich - 31. Mai 2012

      vermutlich sind das die Arbeitslosen aus der stillen Reserve, die da Arbeit gefunden haben. Etwa Leute, die auf Grund von einem Partner oder eigenem “Vermögen” kein Harz4 bekommen können.

      • lottchen - 31. Mai 2012

        Wenn die Erwerbslosenzahl gesunken ist, die Arbeitslosenzahl aber nicht, dann kann das nicht an der Stillen Reserve liegen. Die Differenz muss am Unterschied zwischen ILO- und BA-Definition liegen, deshalb ist die ILO-Quote auch stärker gesunken als die BA-Quote. Das müsste mehr Teilzeit-Beschäftigte < 18 Stunden und mehr Minijobber bedeuten.

  • Freiberufler - 31. Mai 2012

    Wie soll D-Land in diesem Umfeld inflationieren um den Euro zu retten? Große Pläne lösen sich in Rauch auf.

  • Argonaut - 31. Mai 2012

    Ich denke mal dass die Baubranche u.a. auch aufgrund der Liquiditätszuflüsse aus dem Ausland ( insbesondere Südeuropa ) den längsten Atem haben wird.
    Dazu würden mich mal die Immostatistiken interessieren.
    Bei uns hier im Süden (Bayern) gehen die Immos weg wie die warmen Brötchen und die Preise steigen wohl auch aufgrund des niedrigen Zinsniveaus.
    Würde gerne was kaufen aber da nicht als Kapitalanleger sondern zum Eigengebrauch gedacht
    ist mir das letztendlich doch noch zuviel (Risiko) ……….. :-(