Deutschland: reale saisonbereinigte Einzelhandelsumsätze auch im Februar abwärts

von am 30. März 2012 in Allgemein

Wieder einmal wird das Märchen vom deutschen Konsumboom von harten belastbaren Daten entblößt. Auch im Februar 2012 warten die Daten zu den deutschen Einzelhandelsumsätzen mit Schwäche auf. Laut den heute veröffentlichten Daten des Statistischen Bundesamtes (Destatis) zu den Einzelhandelsumsätzen für den Monat Februar stiegen die nominalen Einzelhandelsumsätze zwar um +4,0% im Vergleich zum Vorjahresmonat und real stiegen sie um +1,7% zum Vorjahresmonat, allerdings hatte der Februar 2012 mit 25 Verkaufstagen einen Verkaufstag mehr als der Februar 2011. Berücksichtigt man also auch die Saison- und Kalendereffekte (nach dem Census X-12-ARIMA Verfahren) ging es im Vergleich zum Vormonat nominal um -0,2% abwärts, den fünften Monat in Folge und real um -1,1% zum Vormonat abwärts, den zweiten Monat in Folge.

Damit dokumentieren die Daten zu den Umsätzen im Einzelhandel auch eine eindeutig langanhaltende Konsumschwäche der privaten Haushalte, nach jahrelangem leicht abwärts gerichteten Dümpeln liegen im Februar 2012, die saisonbereinigten realen Einzelhandelsumsätze um -3,8% unter dem Niveau von 2000 und um -4,0% unter dem Jahr 1994, dem Beginn der Datenreihe.

Die Entwicklung der Saison- und kalenderbereinigten realen Einzelhandelsumsätze (ohne KFZ-Handel) seit Januar 1994 bis Januar 2012 im Chart. Die bereinigten realen Einzelhandelsumsätze sanken im Februar 2012 um weitere -1,6% zum Vormonat, auf 96,6 Indexpunkten, nach 97,7 Punkten im Vormonat. Im Februar 2012 sinken die bereinigten realen Einzelhandelsumsätze auf dem tiefsten Stand seit Mai 2011.

Mit den schwachen Einzelhandelsumsätzen, die einen schwachen privaten Konsum implizieren nehmen auch die Widerstandskräfte der deutschen Konjunktur ab. Die verheerende wirtschaftliche Krise der Südperipherie der Eurozone gekoppelt mit einer weltweit nachlassenden wirtschaftlichen Aktivität gewinnen an Dominanz und die Ansteckungsgefahr auch für Deutschland steigt damit rapide an.

Die Indizes zu den Einzelhandelsumsätzen zeichnen die Umsatzentwicklung nach. Da der Einzelhandelsumsatz starken saisonalen Schwankungen unterliegt, werden mit Hilfe des Census-X12-Arima Verfahrens Saison- und Kalendereffekte bereinigt, so dass man eine aussagefähige Datenreihe zur Trendbeurteilung erhält. Dies ist in Anbetracht der Schwankungsbreite bei den Originaldaten sicher auch grundsätzlich nützlich:

Die Indizes mit den unbereinigten Originalwerte bei den nominalen (blau) und realen (rot) Einzelhandelsumsätzen in Deutschland seit Januar 1994 im Chart. Grob lässt sich aber auch an den Originaldaten ableiten, dass es de facto unter starken monatlichen Schwankungen seit 1994 seitwärts bis leicht abwärts geht.

Die Einzelhandelsstatistik ist eine Stichprobenstatistik. 26’000 Unternehmen von rund 423’000 Einzelhandelsunternehmen in Deutschland berichten ihre monatlichen Umsätze an die Statistischen Ämter der Bundesländer und 700 Großunternehmen berichten direkt an das Statistische Bundesamt. Die berichteten Länderergebnisse und die der Großunternehmen werden zusammengefasst und von Destatis veröffentlicht.

Die Einzelhandelsumsätze (ohne KFZ-Handel) inklusive dem Versand- und Internet-Einzelhandel machen knapp 30% der privaten Konsumausgaben aus und zeichnen am verlässlichsten das aktuelle Konsumverhalten der privaten Haushalte nach. Mit knapp über 20% der privaten Konsumausgaben folgen die Ausgaben für Mieten von Wohnungen und Häusern inkl. dem Miet-Äquivalent von Eigentümern, diese Ausgaben sind aber relativ unelastisch und nicht aussagefähig in Punkto Konsumverhalten. Der KFZ-Handel, Instandhaltung, Reparatur und die Ausgaben an den Tankstellen tragen zu knapp 10% der Konsumausgaben der privaten Haushalte bei.

Auch die Daten aus der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung von Destatis verdeutlichen immer wieder die Genese des bisherigen deutschen “Erfolges” und die dabei klar erkennbare Fehlentwicklung:

Die Entwicklung der realen Arbeitnehmerentgelte (grün), des realen Exportvolumens (rot) und der realen privaten Konsumausgaben der privaten Haushalte (blau) von Q1 2000 bis Q4 2011, alle Daten saisonbereinigt (Jahr 2000=100). Während die realen Exporte (Waren, Güter und Dienstleistungen) seit 2000 bis Q4 2011 um +82,5% stiegen, gab es bei den realen privaten Konsumausgaben einen lauen Anstieg von +5,5% und die realen Arbeitnehmerentgelten lagen sogar immer noch um -0,27% unter dem Niveau von 2000!

Quelle Daten: Detatis.de/Pressemitteilung Einzelhandelsumsätze Februar 2012, Genesis.destatis.de/Datenbank

Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

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16 KommentareKommentieren

  • dank - 31. März 2012

    Apropos Einzelhandel:
    Da in D alles so super bergauf (nach dem Mainstream, war da nicht gestern was?) geht:
    Da ja mittlerweile die Arbeitslosenzahlen (trotz NEIN zur Schlecker Rettung [blamables törichtes dummes Parteiengeplänkel] und Halbinsolvenz von Müllerbrot [Eigentümer kauft eigenes Unternehmen nach Insolvenz wieder - hüstel - günstiger]) weiter rückläufig sind und alle am Wohlstand und Fortschritt teilhaben, sollten doch auch die Umsatzzahlen des Einzelhandel wie wild steigen… Schließlich sind ja soooo viele jetzt auch sozialversichert, was ja angeblich auch impliziert, dass genug Verdienst da sein sollte, um den Binnenmarkt zu stärken… Komisch – was denn da nur los? *rethorisch!*
    Pustekuchen. Verschaukelt. Belogen. Alleingelassen. Deutscheland. Traurig.

    • Ergo Sum - 1. April 2012

      @dank:
      Eben lese ich dass die beiden Schlecker-Kinder (Sohn + Tochter) die Firma ebenfalls (günstiger) zurückkaufen wollen. Die Müller-Idee macht also Schule! Das ist ein alter amerikanische Trick: pleite machen und dann billig zurück kaufen.

      Gruß, Ergo

  • schnauzevoll - 31. März 2012

    Wäre nur der normale Konsum berücksichtigt worden, also das reine Einkaufen gehen und Onlineshopping, sähe es noch viel schlimmer aus. Die stetigen Preissteigerungen der Fixkosten verzerren das Bild ein wenig, wenn man nicht die reine Kaufkraft widerspiegeln möchte. Es bleibt also nur sehr wenig Geld übrig für Dinge, auf die man zwar verzichten kann, aber nicht unbedingt verzichten würde. Für den kleinen Einzelhändler ist das eine Katastrophe und selsbt große Onlinehändler versuchen durch extrem überhöhte Preise Gewinne zu machen. Jetzt zeigt sich die Verarmung der Massen. Deflation, ich höre dich kommen!

  • djmaki - 31. März 2012

    Wie oben der Kommentar von “dank” schon erwähnt, es sind ja sooo viel jetzt sozailversichert im job etc.
    Die Umsätze hier zeigen doch, was das überhaupt bedeutet: Nahezu nichts!
    Auch mit 1000€ brutto im Monat bin ich zwar sozialversichert, habe jedoch nichts zum verbrauchen übrig.

    Es kann wirklich teilweis von der “Verarmung der Massen” geredet werden (natürlich nicht arm wie Kinder in Afrika etc) und auch nicht über Nacht. Aber dieser Prozess zieht sich schon die letzten 10, vielleicht sogar mehr Jahre hin. Mal hier den Beitrag zur KV anheben, den AG Beitrag jedoch fix halten, Praxisgebühr, Benzinpreise, Mieten, steigende Lebensmittelpreise, und 10 Jahre später ist aus dem durschnittlichen nettoeinkommen von 1300€ nichts mehr mit durchschnitt.

    Ich frage mich eh, wie die leute hier bei mir z.b. in münchen, überleben. Im Wohngebäude neben an ist eine Familie mit 6 Kindern (Mietwohnung!!!). Eltern gehen wohl arbeiten, aber lohnt sich das überhaupt?
    Oder singles die man an der Kasse im supermarkt sieht, die dann alle 2-3 tage kleinigkeiten für 7-9€ einkaufen, nach der Art, die nächsten 3 Tage “überstehen” (früher war das mal den monat überstehen).

    • ö.ä. - 31. März 2012

      “Es kann wirklich teilweis von der “Verarmung der Massen” geredet werden (natürlich nicht arm wie Kinder in Afrika etc) und auch nicht über Nacht. Aber dieser Prozess zieht sich schon die letzten 10, vielleicht sogar mehr Jahre hin. Mal hier den Beitrag zur KV anheben, den AG Beitrag jedoch fix halten, Praxisgebühr, Benzinpreise, Mieten, steigende Lebensmittelpreise, und 10 Jahre später ist aus dem durschnittlichen nettoeinkommen von 1300€ nichts mehr mit durchschnitt.”

      Na nun seien Sie doch mal nicht so pessimistisch, dafür haben wir doch jetzt auch Wachstum. Und das ist doch das einzige, worauf es ankommt, oder nicht? Dafür muss man auch mal Opferbereitschaft zeigen. *zwinker*

  • klaus - 31. März 2012

    Moin,Moin

    Verarmung der Massen in den letzten 10 Jahren?

    H4 seit 2005,
    Rente für 1000 Eurojobber 3 Euro pro Jahr,
    Krankenkassenzuzahlungen,
    Bildungprobleme in den Schulen,
    Uschis großes Bildungspaket,
    eine bald privatisierte Pflegeversicherung,
    unbrauchbar Geriestertes,
    ein kaputtes Ehrenamt wo die Haftpflicht
    problematisch ist, weil keiner zahlt.
    Kündigungsschutzlockerung,
    und alles wo die FDP mit beteiligt war.
    ACTA steht noch aus und die Internetfreiheit
    allgemein.
    Die Berichterstattung und selbst der
    Knebel für die Ratingagenturen.

    Ganz klar Gründe um in Deutschland
    zu bleiben und ORA et Labora zu machen.

    Das ist der Boom.

    Ein System in dem die FDP die geringen
    Wahlergebnisse mit Tyrannei der Masse,
    anstatt mit demokratischen Wahlen abtut.

    Das wird die etwas besser ausgebildete
    Jugend sicherlich in Deutschland halten.

    Was ist eigentlich, wenn nächste Woche
    der Verkauf der Erdölreserven vorbei ist?

    Hat man den Rentner bis dahin kranke Investments
    angedreht?Dem Tagelöhner Riester ausgeschwätzt.
    Und dem H4ler seinen Wohlstand erklärt und warum
    er demnächst verzichten muß?

    Mal sehen, ob die 800er Firewall die nächsten
    beiden Wahlen überlebt.
    Portugal wackelt mit 12 Mrd und Ungarn
    Immomarkt schachert bereits, weil auf Auslandswährung
    besichert. England geht in die Rezession und
    Frankreich hustet über die Wahlen.
    Holland zittert vor Neuwahlen und Spanien wirbt
    mit 27 Mrd Austerität um neues Geld.

    Bald wird alles besser.

    Super.

    Grüße klaus

  • klaus - 31. März 2012

    Sorry war falsch.

    Dem Tagelöhner Riester aufgeschwätzt.

  • Ergo Sum - 1. April 2012

    Vielen Dank! Genau das waren die Ziffern, auf die ich gewartet hatte. Mit schwante schon so etwas ähnliches nach den Kommentaren aus einzelnen Industrien. Unter anderem beweist dies erneut, dass die OECD-Prognosen weit verlässlicher sind als gewisse deutsche Ökonomen, von den absurden professionellen Aufschwungs- und Durchhalteparolen unserer Politiker gar nicht erst zu reden.

    Was die verarmten Massen angeht, hörte ich gerade von meiner Kusine, dass man bei ihr den Parkplatz für Arbeitsuchende erweitern musste. Die Zeiten sind wirklich gar zu trostlos für Arbeitsuchende, schon wegen der Benzinpreise.

    Gruß, Ergo

  • schnauzevoll - 1. April 2012

    Ist schon pervers. Ich muss nun meinen Bausparvertrag kündigen, den ich später eigentlich in mein Elternhaus investieren wollte, damit ich mir einen Wagen mit Gasanlage kaufen kann, den sich meine Eltern wegen ihrer knappen Rente nicht mehr leisten können, damit meine Frau die täglichen Fahrten zur Arbeit überhaupt finanzieren kann. Ein Witz? Nein!

  • Hansi - 1. April 2012

    In meiner Umgebung wird sowieso vielzuviel Geld verschleudert für Ramsch, den keiner braucht (bei Frauen Klamotten, bei Männern Elektromist).

    Sehr interessantes Gespräch gestern gehabt mit Mittzwanzigern, es wird heute überhaupt nicht mehr gespart, selbst wenn man könnte. Keiner legt mehr aus Prinzip, z.B. per Dauerauftrag aufs Tagesgeldkonto, jeden Monat sagen wir 100,- EUR zurück – das ist out wie Autofahren mit Hut. Wenn man was will, holt man sich die 0%-Finanzierung, wozu sparen?

    Das finde ich schon bemerkenswert und bezeichnend dafür, wie krank unsere Gesellschaft inzwischen geworden ist.

    • djmaki - 1. April 2012

      Tja, die 0% Finanzierung spiegelt eigentlich auch das Vermögen der Masse (auch genannt Konsumenten) wieder.
      Warum gibt es dass denn überhaupt?
      Weil die Massen einfach kein Geld haben um sich etwas wirklich anzuschaffen, wie früher. Da hat man eben mal 8-9 Monate gesparrt und sich nen ordentlichen Kühlschrank geholt.
      Aber jetzt ist eben alles mit 0% Finanzierung, jetzt gleich sofort.

      Ist bei mir auch gar nicht anders. Ich habe ein, sogenanntes durchschnittliches Münchner Nettoeinkommen (haha) und plane einen neuen (gebrauchten) Golf 5 anzuschaffen (baujahr 2007). Da geht ohne Finanzierung nichts und wir reden hier von einem gebrauchten VOLKSWAGEN!!! Das Auto fürs Volk…

  • Hansi - 1. April 2012

    Wenn Du auf einem Makroökonomie-Blog mitliest und Dir keinen gebrauchten Golf leisten kannst, machst Du irgendwas sehr falsch :-)

    • djmaki - 1. April 2012

      Das glaube ich langsam auch Hansi :)

  • djmaki - 1. April 2012

    oder ich bin einfach zu doof mein wissen richtig umzusetzen

  • Hansi - 1. April 2012

    Das führt jetzt etwas weit, Steffen wird das sicher nicht gerne hier sehen, aber denken wir doch mal logisch eine Trading-Idee aus für Dich.
    Liquider Aktienmarkt, DAX 30. Zykliker? BMW. Beginnender Abschwung auch in Deutschland, also shorten wir BMW (nahe am Allzeithoch!) mit einer schönen Put-Option, Emittent eine deutsche Grossbank, nicht dass uns da einer zusammenfällt, mässiger Hebel 1:8, Kontra-Indikator Sellside Analysten-Brigade bejubelt die deutschen Autobauer, auf n-tv wird auch wieder wie verrückt für Aktien getrommelt, jetzt fällt BMW aus den 60ern auf 45 bis Ende des Jahres, wir machen über 200% Gewinn. Wir können natürlich auch verlieren, das ist das Risiko – aber wir können nur 100% verlieren (unseren Einsatz), aber 200% gewinnen.

    Glaube die Reflationierungspolitik der Zentralbanken stößt am Aktienmarkt gerade an ihre Grenzen, die Insider verkaufen alle wie seit Jahren nicht mehr, siehe http://www.zerohedge.com/news/chart-week-who-selling

    Gleichzeitig zerfällt gerade der europäische Automarkt, -25% Karrenabsatz bei Renault! Und vergiss’ China, in Deutschland werden mehr oder fast genausoviele Oberklassewagen verkauft.

    Könnte echt eine richtig gute Geldmaschine sein, dieser Short-BMW/Daimler/VW-Trade. :-)

  • Prof. Dr. Ergo Sum - 2. April 2012

    @ Hansi:
    “Die Reflationierungspolitik der Zentralbanken stößt am Aktienmarkt an ihre Grenzen”

    Sicher trifft das zu. Das war wohl der Grund, weshalb Bernanke auf die damalige QE2 bis heute keine QE3 folgen ließ. Statt dessen ließ er seit dem Herbst die “Operation Twist” folgen, in der die Fed langfristige Schulden zurück kauft und durch kurzfristige ersetzt, um damit die Aktienmärkte zu beruhigen. Offensichtlich ist ihm dies gelungen.
    Gruß, Ergo