Deutschland: Reallohnsteigerungen(?) – den Nebel gelüftet!

von am 7. Februar 2013 in Allgemein

Heute titelte das Statistische Bundesamt (Destatis) in einer Pressmitteilung: “Real­löhne stei­gen 2012 das dritte Jahr in Folge: + 0,6 % zum Vor­jahr”, die üblichen Verdächtigen kolportieren diese Meldung als Erfolg und als Zeichen eines sich anbahnenden Konsums. So SPON: “Das stetige Lohnplus dürfte sich positiv auf den Konsum auswirken.” Nur zur wirklichen Beurteilung der “stetigen Steigerungen” bedarf es einen Blick auf die lange Reihe und dieser findet eben nur bei Querschuesse statt und entblößt die Ärmlichkeit der offiziellen Jubelmeldungen.

Der Reallohnindex basiert auf der vierteljährlichen Verdiensterhebung. Schon in der Vergangenheit wurde hier kritisiert, dass der Reallohnindex die Bruttomonatsverdienste einschließlich der Sonderzahlungen nach Abzug des Anstiegs beim Verbraucherpreisindex (VPI) von Vollzeitbeschäftigten erfasste! Damit wurden bisher große Teile der prekären Beschäftigung nicht erfasst. Dies wurde nun laut Destatis geändert: “Zusätzlich zu den Vollzeitbeschäftigten wurden rückwirkend nun auch die Teilzeit- und geringfügig Beschäftigten in den Nominal- und Reallohnindex integriert.” Was dies detailliert bedeutet und wie stichhaltig die Datenerhebung nun ist, bleibt unsicher bzw. die revidierten Daten weichen nicht weit von den Ursprungsdaten mit nur den Vollbeschäftigten ab. Früher war die Definition/Methodik eindeutiger formuliert, denn nicht einbezogen bei der Verdiensterhebung waren alle Teilzeitbeschäftigten, geringfügig Beschäftigen, Auszubildende, Praktikanten, Personen, die keinen Verdienst für ihre Leistung erhalten, tätige Inhaber, Mitinhaber und Familienangehörige ohne Arbeitsvertrag, ausschließlich auf Honorarbasis bezahlte Personen und Personen in so genannten 1-Euro-Jobs. Welche detaillierten Gruppen davon heute berücksichtigt werden bleibt etwas im unklarem.

Jetzt aber zu den Daten, im Jahr 2012 stiegen die Reallöhne um +0,6%, nach +1,0% 2011 und nach +1,5% 2010. Zuletzt nur in Q4 2012 stiegen die Reallöhne um +1,2% zum Vorjahresquartal. Das sind nun wirklich nicht Reallohnsteigerungen die man bejubeln muss, zumal die Frage nach einer wirklich adäquaten Preisbereinigung mittels VPI der Nominallöhne in Zweifel zu ziehen ist, was klar Schönungspotential impliziert.

1aDie Entwicklung des Reallohnindex seit Q1 2007 bis Q4 2012 im Vergleich zum Vorjahresquartal im Chart. In Q4 2012 betrug der Anstieg +1,2% zum Vorjahresquartal auf 110,2 Indexpunkte. Im Gesamtjahr 2012 betrug der Anstieg +0,6% zum Vorjahr, auf 101,6 Indexpunkte.

Richtig interessant wird es nun, denn Destatis stellte auch eine lange Reihe im Zuge der methodischen Umstellungen zurück bis 1991 zur Verfügung:

1aDie Entwicklung der Reallöhne als Index (Nominallöhne/VPI 2010=100) seit Q1 1991 bis Q4 2012 laut der Datenreihe von Destatis im Chart. In Q4 2012 stieg der Reallohnindex um +1,2% zum Vorjahresquartal auf 110,2 Indexpunkte. Die durchschnittlichen Reallöhne liegen damit immer noch unter dem Hoch aus Q4 1992 mit 116,9 Indexpunkten! Destatis in der Pressmitteilung und der Mainstream verkleistern diesen erschreckenden Fakt mit Jubelmeldungen mittels kurzer Datenreihen!

Nicht wirklich überraschend für Querschuesse-Leser stellt sich die Schwäche des Wirtschaftsmodell Deutschlands in diesen Daten dar, adäquat zur Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung mit der miesen Entwicklung bei den Arbeitnehmerentgelten. Über zwei Jahrzehnte an mieser Partizipation der Arbeitnehmer an den Produktivitätsfortschritten und den deutschen Exporterfolgen zeigt die Reallohnentwicklung an!

1aDie Entwicklung der Reallöhne als Index auf Jahresbasis seit 1991 im Chart. Im Jahr 2012 stieg der Reallohnindex um +0,6% zum Vorjahr auf 101,6 Indexpunkte, nach 101,0 Indexpunkten im Jahr 2011. Das bisherige Hoch auf Jahresbasis wurde 1995 mit 103,7 Indexpunkten markiert (-2,05%).

Die Nominallöhne stiegen im Jahr 2012 um +2,6% zum Vorjahr und die offiziellen Verbraucherpreise erhöhten sich um +2,0%. Der Reallohnindex impliziert Beschönigungen, weil der Anstieg der Verbraucherpreise nicht nur durch die ständige Veränderung des Warenkorbes, sondern vor allem durch hedonische Leistungs- und Qualitätsbereinigung relevant getunt wird.

Auch sonst ist der Reallohnindex basierend auf der Verdiensterhebung sehr “realitätsnah”, denn er zeigt die durchschnittliche Verdienstentwicklung bei konstanter Zusammensetzung der Arbeitnehmerschaft an. Der Index zeigt also nur den durchschnittlichen Bruttoverdienste der Arbeitnehmer an, wie er sich verändert hätte, wenn im jeweiligen Vergleichszeitraum die gleiche Struktur der Arbeitnehmerschaft bestanden hätte, wie im Basiszeitraum. Ein zutiefst unrealistische Vorgabe, denn die Struktur der Beschäftigung auf dem Arbeitsmarkt ist einem stetigen Strukturwandel unterzogen.

Diese Daten zu den Reallohnsteigerungen lassen doch echt Hoffnung aufkommen, auf ein “XXL-Konsumwunder”, wie jedes Jahr in den letzten zwei Jahrzehnten:

1aDie Entwicklung der Saison- und kalenderbereinigten realen Einzelhandelsumsätze (ohne KFZ-Handel) seit Januar 1994 bis Dezember 2012 im Chart. Die bereinigten realen Einzelhandelsumsätze sanken im Dezember 2012 um -1,7% zum Vormonat, auf 95,7 Indexpunkte. Der Langfristchart seit Datenerhebung im Januar 1994 zeigt, auch im Dezember 2012, lange 19 Jahre nach dem Beginn der Datenreihe, liegen die realen saisonbereinigten Umsätze noch um -4,9% unter dem durchschnittlichen monatlichen Niveau von 1994!

Deutschland hat nichts aber auch gar nichts getan, sein schiefes, einseitig exportlastiges Wirtschaftsmodell zu korrigieren und dies bleibt fatal. So wird es keine Impulse von der Binnennachfrage geben, um potentielle Exportausfälle abzupuffern.

Quellen Daten: Destatis.de/Real­löhne stei­gen 2012 das dritte Jahr in Folge: + 0,6 % zum Vor­jahr, Destatis.de/Datenportal Reallöhne

Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

Querschuesse.de: Fakten, Daten und Analysen

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40 KommentareKommentieren

  • Basisdemokrat - 7. Februar 2013

    Eine gewisse Willkür ergibt sich daraus, dass nur bei einigen wenigen Produkten in Deutschland hedonische Preismessung erfolgt. Außerdem, weil es immer eine subjektive Entscheidung ist, ob eine qualitative Verbesserung vorliegt. Streng genommen müsste man auch Qualitätsverschlechterungen berücksichtigen, was jedoch praktisch nie der Fall ist. Nehmen etwa im Eisenbahnverkehr Verspätungen zu und im Autoverkehr Verkehrsstaus, wird dies nirgends als Qualitätsverschlechterung der entsprechenden Waren oder Dienstleistungen mit den entsprechend inflationsratenerhöhenden und wachstumsratenmindernden Wirkungen verbucht. Ebenso wenig wird die parallel zur Leistungssteigerung gewöhnlich abnehmende Nutzungsdauer der kurzlebiger werdenden Konsumartikel in der Methode berücksichtigt.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Hedonisch
    Gruß BD

  • HaPennyBacon - 8. Februar 2013

    Hier mal kurz eine Grafik zur Sparquote:
    http://www.wirtschaftundgesellschaft.de/wp-content/uploads/2012/09/Sparquoten.jpg
    Wie man sieht, gab es für Deutschland kaum eine signifikante Änderung(Querschüsse hat sicher die genauen Daten). Also, Konsum und Sparquote stagnieren aber die Löhne sollen angeblich steigen. Wo ist das viele Geld denn nun? Sicher liegt hier der Fehler in der viel zu niedrig angesetzten Inflation. Gerade die Einkommen unterhalb des Medians trifft es immer härter und ich spreche hier nicht über Zweitwagen oder den dritten Flugurlaub des Jahres.

    • Querschuss - 8. Februar 2013

      Hallo HaPennyBacon,
      mit oder ohne adäquate Preisbereinigung, die Reallöhne liegen auch nach offizieller Lesart 2012 unter dem Niveau von 1992.

      • HaPennyBacon - 9. Februar 2013

        Es wird ja immer über den Durchschnittslohn berichtet. Ein Vergleich beim Einkommensmedian(nur Löhne und Gehälter ohne Vermögenseinkommen) über die selbe Zeitspanne wäre sicherlich noch aufschlussreicher.

        • Querschuss - 9. Februar 2013

          Hallo HaPennyBacon,
          ich kann nur das berichten was veröffentlicht wird, von eigenen Datenerhebungen bin ich noch ein Stück entfernt :)

          Der Reallohnindex ist aber ohne Vermögenseinkommen, er berücksichtigt nur die nominalen Bruttomonatsverdienste inkl. den Sonderzahlungen, bereinigt um die offiziellen Preissteigerungen (VPI).

  • tugrisu - 8. Februar 2013

    Laut vorläufiger Schätzung ist das BIP um 0,7% gestiegen. Die Geldmenge M1 (deutscher Anteil) ist um 17% gestiegen (November 2012).
    17% – 0,7% macht 16,3% Inflation in 2012!

    • Roland - 8. Februar 2013

      Erhöhung von M 1 wird gleichgesetzt mit Preis-Inflation der Realgüter.
      So ein Kurzschluss – selten so einen Blödsinn gelesen.

      @ Steffen
      Du bist wirklich ein Fels im brandenden Meer des ökonomischen Flachsinns.

      • tugrisu - 8. Februar 2013

        Berechnung der Inflation
        Die Inflationsrate π ergibt sich aus der Differenz der Wachstumsrate der Geldmenge
        μ und der Wachstumsrate des realen Sozialproduktes n:
        π = μ − n

        Ist jedenfalls realistischer, als ein mehr oder weniger willkürlich zusammengesetzter “Warenkorb”

        • Roland - 8. Februar 2013

          Das ist ein einfältiger Kurzschluss, der die Entwicklung der Umlaufgeschwindigkeit nicht berücksichtigt, nicht die Konkurrenz-Situation der Unternehmen, nicht die reale Nachfrage, nicht die Lohn-und Gehaltssumme, nicht die außenwirtschaftlichen Einflüsse, nicht die geplatze Immobilienblase, nicht den verfall der Stahlpreise und der Frachtraten ..usw/usf.

          Japan hat seit 20 Jahren eine Ausdehnung von M 1 oberhalb des Sozialproduktés und: Deflation.

          Wenn Ökonomie so einfach wäre, wie Sie dies annehmen, genügte ein Volkshochschulkurs, um sie zu verstehen.

          • tugrisu - 8. Februar 2013

            E=mc²

            Nur Einfältige rechnen mit komplizierten Formeln, weil sie nicht in der Lage sind, die Einfachheit zu erfassen.

          • MickFfm - 8. Februar 2013

            Ich gebe tugrisu da Recht. Leider hat es sich eingebürgert Inflation mit dem Verbraucherpreisindex / Warenkorb auf eine Stufe zu stellen. Und der Warenkorb kann dann so zusammen gebastelt werden, dass das Ergebnis noch halbwegs vernünftig aussieht.

            Zitat: “Inflation entsteht, wenn die Geldmenge schneller erhöht wird als die (produzierte) Gütermenge (BIP).”

            Schau mal hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Geldmengenwachstum

          • Roland - 8. Februar 2013

            Ich muss die Anhänger einfacher Weltbilder leider enttäuschen:
            Auch die vom genialen A. Einstein erstellte Formel ist vermutlich überholt. Die theoretische Physik bleibt nicht stehen.

          • Frank Bell - 8. Februar 2013

            @Roland

            Du hast recht. Sie ist nicht überholt im eigentlichen Sinne, sondern war schon immer “zu einfach gestrickt”.

            Korrekt ist:

            Energy–momentum relation

            E^2 = (p c)^2 + (m c^2)^2

  • Euro? Nein danke! - Aufkleber - 8. Februar 2013

    In Frankreich sehen die Einzelhandelsumsätze ganz anders aus! Naja, mit aus DE geliehenem Geld lässt sich ja prima shoppen. Insbesondere da man weiß es niemals wieder zurückzahlen zu müssen!

    • peterb - 8. Februar 2013

      “mit aus DE geliehenem Geld”

      Habe ich was übersehen? Welches Geld hat sich F aus D geliehen?

  • M. B. - 8. Februar 2013

    ThyssenKrupp entlässt 2000 Mitarbeiter + evtl. 1800 zusätzlich:

    http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/thyssenkrupp-baut-mindestens-2000-stellen-ab-a-882188.html

    Und laut dem Dreamteam SPON /GfK ist bei den deutschen Verbrauchern alles in Butter:

    http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/gfk-studie-konsumklima-in-europa-und-usa-a-882097.html

  • Duke van Hudde - 8. Februar 2013

    @ tugrisu

    Die UImlaufgeschwindigkeit ist wenn man über die Quantitätsgleichung spricht ein wichtiger Posten bei der Inflation.
    In ruhigen Phasen geht man hier von nur langsamen Veränderungen aus.

    Wir haben aber einen geradezu extrem Einbruch bei der Umlaufgeshcwindigkeit gehabt.
    Deshalb hat das riesige Geldmengenwachstum noch nicht starke Inflation gebracht.

    Dazu ist das was das als Inflaiton ausgegeben wird nur die halbe Warheit.die Assetpreisinflation die jeder an vielen Immobilienmärkten in Deutshcland sich anschauen kann wird überhaupt nicht richtig eingepreist. Auch die Preisteigerungen von Aktien z.b. werdne nicht eingepreist.Wenn man dies machen würde erst dnan würde man ein realistisches Bild bekommen.

    Was aber nicth gewollt ist den dann würde klar sein wieviel die Elite in diesne Land sich jedes Jahr mehr einsteckt und wieviel für dne Rest bleibt. Dazu natürlich auch das Problem das wir als normale für die ganzne Assets die Zinsen erarbeiten müssen.

    Du hast somit schon rehct die Inflation sollte deutlich höher sein wenn man die Assetpreise miteinbezieht ,aber klar dämpfend wirkt sich die Umlaufgeshcwindigkeit aus.

    Wie lange die aber weiter so einbricht weis keiner und irgenwann wird es hier eh nicht mehr weiter gehen.Tja und dann müsste ide EZB das ganze Geld wieder einsammeln oder wir bekommen auch bei dne normalen Gütern eine fette Inflation.

    • Roland - 8. Februar 2013

      Ein kleiner Blick über den deutschen Tellerrand zeigt eine deutliche Assetpreis-Deflation, und dies nicht nur in den Niederlanden.
      Geradezu dramatisch in Spanien, Griechenland….usw/usf.

  • Freiberufler - 8. Februar 2013

    Ich bezweifle, dass die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes ohne ganz besonders außerordentliche geldpolitische Maßnahmen*) signifikant steigerbar ist. Die EZB kann 10 Billionen Euro ins Bankensystem pumpen – das Geld ist nicht in die Realwirtschaft verleihbar, weil die Banken PLEITE sind. Wie ein Spielsüchtiger tragen sie das frische Geld ins Finanzkasino, in der trügerischen Hofffnung, dass sie alles, was sie verloren haben, wieder zurück verdienen könnten.

    *) Zum Beispiel: Die EZB kauft alle Schulden, und seien sie noch so wertlos, zum Nominalwert an und bucht sie dann aus. Es wäre Money for Nothing und die geschenkten Gelder wären sofort frei. Bis zum totalen Zusammenbruch…

  • Frankenfurter - 8. Februar 2013

    “Der Reallohnindex basiert auf der vierteljährlichen Verdiensterhebung.” Kann nur hoffen, dass hier darauf geachtet wird, dass die wirklich ausgezahlten Nettolöhne berücksichtigt werden. Denn ich habe gelernt, dass Tariflohn und effektiv gezahlter Lohn zb, für die Metallindustrie zwei paar Schuhe sind.

  • Emeier - 8. Februar 2013

    Warum zum Geier sollte man denn bitte Immobilien- und Aktienpreise in den VERBRAUCHERPREIS-Index aufnehmen? Also nicht, dass ich mit allem zufrieden wäre, was diesbezüglich von den offiziellen Stellen erzählt wird, aber dieses eklatante “bäh, bäh, bäh, die böse Statistikfälscherweltverschwörung vertuscht alles” geht mir schon auch gewaltig gegen den Strich.

    Roland hat schon recht. Genau diese Art “Primitivdenken” (will damit nicht die Anwesenden beleidigen) ist es, warum Deutschland seit 30 Jahren ökonomisch NICHT erfolgreich ist. “Wir senken die Löhne, dann können alle Unternehmen billiger anbieten und mehr verkaufen und alles wird gut.”

    • MickFfm - 8. Februar 2013

      Es geht darum das VPI nicht gleich Inflation ist. Und jeder kann für sich selbst bestimmen, ob der aktuelle Warenkorb auf seine Lebensumstände zutrifft. Bei mir ist das jedenfalls nicht der Fall und meine persönliche “Inflation” liegt deutlich über 2%.

      • Emeier - 8. Februar 2013

        Ja, da stimme ich sofort zu. Statistik KANN nicht jede individuelle Situation betrachten und das ist ja auch nicht Sinn und Zweck von Statistik, im Gegenteil.

        Deswegen geht mir ja auch dieses ewige “Die Statistiken sind alle gefälscht, weil ich hab das so und so erlebt” so unendlich auf den Keks.

      • Frankenfurter - 8. Februar 2013

        Das Amt für Statistik bietet auch Preismonitore für ausgewählte Güter von Bekleidung/Schuhe über Superbenzin bis Haustiere. Bezugsgröße ist das das Jahr 2005. Haushaltsstrom zb. ist in den letzten 6 Jahren um 40% teurer geworden.
        Hier:
        https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/Indikatoren/Konjunkturindikatoren/Preismonitor/PreismonitorDetails.html

        • Frank Bell - 8. Februar 2013

          @ Frankenfurter: Diese Werte sind für einen normalen Menschen schon eher nachvollziehbar als die Warenkorb-Veräppelung.

  • Roland M - 8. Februar 2013

    “Frank Bell – 8. Februar 2013

    Du hast recht. Sie ist nicht überholt im eigentlichen Sinne, sondern war schon immer “zu einfach gestrickt”.
    Korrekt ist:
    Energy–momentum relation
    E^2 = (p c)^2 + (m c^2)^2″

    Hää, wofür steht das “p”, für Druck? Ganz abgesehen davon meinen Sie “Energy–momentum relation” vielleicht etwas anderes als Einstein. Dem ging es um den Zusammenhang von Masse und Lichtgeschwindigkeit. Oder ist “p” am Ende eine Pupskonstante, ich lach mich schlapp, das ist Empirie und keine Numerik.

    Und zur deutschen Lügen-, Ausplünderungs- und Beschwichtigungspolitik, die trägt reiche Früchte, bei meiner Mutter suchen sie bei ~1500 Angestellten zunehmend verzweifelt bis zu 40 Ingenieure. Die tätigen sind völlig überfordert und klappen reihenweise mit Nervenzusammenbruch usw. zusammen.
    Und ein für jeden verifizierbares Beispiel: Heute war ein Ingenieurdienstleister im Haus angekündigt, IBAF Bochum. Einfach den Namen eingeben und dann auf der IAMT Seite mal auf “Karriere” klicken und auch auf den Plural achten. Kein Mangel, natürlich nicht, denen ist gerade ein Jumbo voller Spezialisten abgeschmiert.

    • Frank Bell - 10. Februar 2013

      @ Roland M

      bezüglich IAMT:

      Wenn die Ingenieure “reihenweise zusammenklappen”, ist etwas an der Firmenkultur faul.

      Man kann als CEO, Vorstand, etc. nicht immer mehr fordern, ohne auch zu geben.

  • Querschuss - 8. Februar 2013

    eigentlich Schade, dass der Diskussionstrang wenig Bezug zum eigentlichen Thema hat, zwei Jahrzehnte ohne Reallohnsteigerungen selbst nach offizieller Lesart. Ich entnehme daraus, das diese Nichtpartizipation kein Aufreger mehr ist, sondern akzeptierte deutsche Realität. Wobei genau diese Realität Teil der Verwerfungen in der Eurozone ist.

    • Frank Bell - 9. Februar 2013

      @ Querschuss

      Das ganze ist deswegen ein Nichtaufreger, weil die, die Arbeit haben, ganz froh, dass sie die Arbeit NOCH haben.

      Über den meisten schwebt das Damaklosschwert ALG II – Hartz IV. Ab 45 Jahren ist Schluss mit Chancen am Arbeitsmarkt.

      DAS hat eine unglaublich abschreckende Wirkung. Tatsache ist auch, dass viele im Jahr 2009 Lohnkürzungen akzeptiert haben, da es in der Wirtschaft so kritisch aussah – wie wir jetzt wissen, haben die Firmen trotzdem Riesen-Gewinne gemacht.

      Diese Reallohnkürzugen wurden in der Regel nicht rückgängig gemacht. Und natürlich sagt man nichts, da man Angst um den Arbeitsplatz hat.

      So gesehen haben Schröder und Fischer ganze Arbeit geleistet. Ein ganzes Volk in Angst vor einer dramatischen Verarmung mit dem Namen ALG II – Hartz IV.

    • Basisdemokrat - 10. Februar 2013

      @ Querschuss

      “Ich entnehme daraus, das diese Nichtpartizipation kein Aufreger mehr ist, sondern akzeptierte deutsche Realität. Wobei genau diese Realität Teil der Verwerfungen in der Eurozone ist.”

      Für mich hat u.A. Querschuss dazu beigetragen die ökonomische Dimension dieses Schröder/Fischer Angriffs deutlicher zu sehen. An solchen Eckpunkten des Verstehens entscheidet es sich ob man in die innere Emigration geht und irgendwann vielleicht resigniert, Amok läuft oder ob man aus seiner Patienten-/Opferrolle aussteigt.
      Die obere Mittelklasse war doch völlig damit einverstanden diese inferioren Billiglohnsektor einzuführen und jubelt zu Teil heute noch wie gut es uns(!) deswegen doch geht. Und da genügt es eben schon lange nicht mehr Aufreger zu produzieren. Die spontane Aufregung muss einer konsequenten Strategie weichen.
      Für mich steht fest: Dieses System ist nicht mehr reformierbar. Wer jetzt als einigermaßen informierter Mensch seine gesellschaftliche Verantwortung wahrnimmt, muss sich überlegen, welche Kräftekonstellation für eine grundlegende Veränderung notwendig ist.
      Niemand, ich wiederhole, NIEMAND steht da außerhalb dieses historischen Konflikts und könnte Richter spielen zwischen einem “Wettbewerb” der Klassen. Einem Feind, der meine Versklavung plant werde ich niemals einen Kompromiss anbieten.
      Gruß BD

      • Frank Bell - 10. Februar 2013

        @ Basisdemokrat

        Was soll sich denn ändern? Im Herbst wird Steinbrück Kanzler, und wir werden eine Neuauflage dessen sehen, was wir unter Schröder und Fischer gesehen haben.

        Sehr wahrscheinlich wird es eine irgendwie geartete Inszenierung mit dem Namen Agenda 2020 geben – unter dem Jubel der (Springer)-Presse und der Besserverdienenden nach dem Motto: “Endlich geht es den Sozialbetrügern an den Kragen.”

        • Lazarus09 - 10. Februar 2013

          Frank Bell

          d’accord bis auf das ich nicht Steinbrück als Kanzler sehe, sondern eher ein GroKo mit Mutti in der Hauptrolle, für die sPD Kandidaten stellt sich bestenfalls die V Frage.

          Ansonsten gibt es beim Neuaufguss der orwellschen Berichterstattung des Ministeriums für Wahrheit nicht’s zu kommentieren was man nicht schon vor Jahren gesagt hätte …

          cheers folks

  • Marco - 8. Februar 2013

    Ohne “eigentlich”. Es ist definitiv mehr als schade, was hier abläuft. Es vollziehen sich hier seit 2 Jahrzehnten Veränderungen mit gravierenden Auswirkungen auf die Einkommenssituation eines großteils der Bevölkerung. Das “Problem” ist, dass so etwas schleichend passiert. Da kommt kein wie auch immer gearteter Aufschrei. Nimm jemandem 5 Euro aus der Brieftasche und er wird dich anzeigen. “Stehle” ihm Tausende im Laufe von 2 Jahrzehnten über Reallohnverluste – und er wird es nicht merken. Und wenn ihm jemand wie Steffen darauf hinweist, dann ist der Leser geneigt, das zur Kenntnis zu nehmen und geht zum nächsten Thema über. Vielleicht noch ein kurzer innerlicher Aufreger, aber das war`s dann.
    Vielleicht liegt es aber auch an der “Alternativlosigkeit”, die seit Jahren gepredigt wird.
    Wo sind die Alternativen zur aktuellen Entwicklung? Vielleicht wollen viele aber auch nicht mehr darüber diskutieren, weil sie es leid geworden sind, darüber zu reden, ohne dass sich in der realen Welt der Politikdarsteller etwas ändert.
    Insofern muss ich leider zustimmen: Die aktuelle Entwicklung ist mehr oder weniger akzeptierte deutsche Realität. Da nehme ich mich nicht aus. Ich gebe diese Fakten von Querschüsse z. B. auch bei mir auf der Arbeit an Arbeitskollegen weiter. Das Ergebnis: Schulterzucken. “Ist halt so!” Der Krug geht so lange zum Brunnen, bis er bricht.

  • dank - 11. Februar 2013

    “Der Krug geht so lange zum Brunnen, bis er bricht.”
    Ob dieser Krug in D jemals brechen wird?
    In einer weiteren Generation sind die Bürger so medien- und obrigkeitshörig
    erwachsen geworden oder besser gezüchtet worden, dass mit den
    “alten” Nörglern keiner mehr was anfangen kann oder vielleicht sogar
    den mahnenden Worten Gelächter folgt.
    Gelächter bis zur letzten Patrone…
    Aber Hauptsache das Schmartfon gibt alle 2 Minuten Laut über den neuesten Bu**shi* – echte
    Aufreger sind in der Masse doch gar nicht mehr gefragt und macht der Akku schlapp, fließen schon
    mal Tränen, anstatt die Anti-StressZeit zu genießen.
    Farcebuk, FummelCämp, Sauer sucht Blau … ist eben wichtiger als ein Lohnplus – Ausnahmen wie immer vorhanden.

    Steffen, bezogen auf Dein “Schade” zu den Lesern:
    Ja, ist schade – aber nachdem es sicher einigen (wie auch mir) so gehen wird, dass sie ebenfalls immer
    wie der Berg zum Propheten unterwegs sind und das Predigen gegen diesen abartigen Betrug
    an den Arbeitnehmern schon seit Jahren praktizieren, bleibt leider nur noch die Hinnahme.
    Selbst Empörung, Schimpfen, Fluchen oder so etwas wie „da müssen erst wieder Verlagshäuser
    brennen“, um die Arbeiter wieder zu ihren Recht und korrekten Informationen kommen zu lassen,
    findet vielleicht noch ein klein wenig am Stammtisch statt – aber bis dahin dringt die Erkenntnis
    meist gar nicht.
    Dieser lichte Moment bleibt aus – da gibt es eine Gummimembran – die Menschen wollen das gar
    nicht wahrhaben, dass sie bereits seit 2 Jahrzehnten betrogen werden. Damit müssten sie sich die
    eigene Dummheit eingestehen, dass nun schon 20 Jahre mitzumachen. Nur, wer will das?
    Soll heißen, wer bereits Bescheid weiß – regt sich nicht mehr auf und wer es noch nicht gecheckt hat,
    der kann es noch nicht.
    Hoff wenigstens, dass der Artikel viele Neuleser und Listungen im Web fand.

    • Querschuss - 11. Februar 2013

      Hallo dank,
      Schade war nicht in Bezug, das ich Aufreger erwartet habe, sondern das eigentlich abseits des Themas Reallohn diskutiert wurde. Der Artikel wurde bei keiner relevanten Seite im Web verlinkt, die Leserzahlen (Klickzahl) war eher unterdurchschnittlich, dafür das der Artikel frei verfügbar war. Ich habe dazugelernt, es geht nicht mehr darum maximale Leserzahlen zu generieren, ist alleine auf Dauer auch nicht leistbar, gar Leser zu bekehren, in Endlosschleifen mit ihnen diskutieren, ist eh müssig. Daten und Fakten für einen kleinen Kreis wirklich Interessierter, die bereit sind auch so einen Arbeitsaufwand wie hier für Querschuesse zu unterstützen und gut ist es. Dies mindert meinen Stress und hilft den Inhalten der Artikel.

      Gruß Steffen

      • Frank Bell - 11. Februar 2013

        @ Steffen

        Das liest sich ganz so, als ob es keinerlei freie Beiträge mehr geben wird. Schade.

        Ich sage schon einmal vielen Dank für die bislang geleistete Arbeit. Demnächst kann ich leider nicht mehr partizipieren, aber es war eine lehrreiche Zeit.

      • Huthmann - 11. Februar 2013

        Hallo Steffen,

        ich möchte mich auch an dieser Stelle für Ihre sehr wichtige Arbeit bedanken und daß Sie einem breiten Kreis von Lesern zugänglich war.

        Daß Diskussionen entstehen halte ich allerdings nicht für schlecht sondern für sehr wertvoll, ja auch ein Alleinstellungsmerkmal für diesen Wirtschafts-Blog.

        Ich habe ja immer irgendwie gehofft, daß es uns zusammen gelingt, ein präziseres Verständnis für eine VWL zu gewinnen und dies ggf. auch textuell zum Mindestens auch zu formulieren. Präziser als die überkommenen Mainstreammodelle …

        Aber evl. überlegen Sie es sich auch noch einmal. Es wäre schön!

        MfG

      • dank - 11. Februar 2013

        Ja, ne ;- ) – hab das schon so verstanden und gemeint; aber mit Aufreger oder wenn es sich um etwas „Neues“ (bitte nicht falsch verstehen) meinte ich, diskutiert sichs auch leichter über ein Thema. Für einige sind die Reallohnverluste ein alter Hut, andere heftens dem Euro an, dass zu viel Monat übrig bleibt und der Großteil leidet an Realitätsverweigerung, da sonst die eigene Unfähigkeit der letzten beiden Jahrzehnte eingesehen werden müsste und das daraus folgende Eingeständnis, dass hier Schindluder zu Lasten der mittleren und unteren Bevölkerungsschichten betrieben wird.
        Bei Fortsetzung dieser Lohnpolitik muss es der Industrie bei Wegfall der Exportmärkte auf die Füße fallen – und damit endlich auch der Politik. Nur Rüstungsexporte nach SA könnes dann eben auch nicht mehr richten…