Deutschland: Target2 Saldo auf Allzeithoch mit 644,182 Mrd. Euro

von am 9. Mai 2012 in Allgemein

Die Deutsche Bundesbank (BUBA) berichtete heute, für den Monat April 2012, von einem Anstieg des positiven Target2 Saldo von 28,230 Mrd. Euro auf 644,182 Mrd. Euro. Damit erklimmt die Target2 Forderung erneut ein neues Allzeithoch. Zum Vorjahresmonat mit 309,106 Mrd. Euro zog der Target2 Saldo um +335,076 Mrd. Euro an, dies entsprach einem prozentualen Anstieg von +108,4%. Die Forderungen aus Target2 bilden den positiven Saldo der Bundesbank aus dem so genannten Echtzeit-Bruttozahlungssystem (Target2) ab, dem grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr via Target2 Zahlungssystem. Formal besteht diese Forderung gegenüber der EZB.

 

Die Forderungen aus Target2 der Deutschen Bundesbank (innerhalb des ESZB/Sonstige Forderungen netto) auf Monatsbasis in Mrd. Euro seit Januar 1999 im Chart. Vor Ausbruch der Finanz- und Wirtschaftskrise von 1999 bis 2006 lagen die Forderungen der Deutschen Bundesbank im Durchschnitt monatlich bei nur 1,570 Mrd. Euro. Im April 2012 stiegen die Forderungen (positiver Target2 Saldo) auf 644,182 Mrd. Euro.

Target2 Salden sind immer Ausdruck der Zahlungsbilanz und beinhalten Leistungsbilanz und Kapitalbilanz.

Vereinfacht, ein negativer Target2 Saldo kann im grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr entstehen als Differenz der Leistungsbilanzdefizite abzüglich der geringeren privaten Nettokapitalzuflüsse oder eben aus der Summe der Leistungsbilanzdefizite zuzüglich der privaten Nettokapitalabflüsse (Kapitalflucht). Der positive Target2 Saldo ist das Pendant dazu, die Differenz der Leistungsbilanzüberschüsse abzüglich der geringeren privaten Nettokapitalabflüsse oder eben als Summe der Leistungsbilanzüberschüsse zuzüglich der privaten Nettokapitalzuflüsse. Bei einem Leistungsbilanzdefizit das dem privaten Kapitalzufluss entspricht oder einem Leistungsbilanzüberschuss dem ein adäquater privater Nettokapitalabfluss entgegensteht, gibt es keine Target2 Salden.

Immer alle verfügbaren Target2 Salden aktualisiert inklusive Charts: Querschuesse.de/target2-salden/

Quelle Daten: Bundesbank.de/Definition Target2 Saldo der BUBA mit dem Stand vom 30.04.2012

Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

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11 KommentareKommentieren

  • M.E. - 9. Mai 2012

    Wann wird wohl die Billion geknackt?
    Ende diesen Jahres oder erst nächstes Jahr?

  • MagnaBavaria - 9. Mai 2012

    Der abgebildete Chart ist nur noch Wahnsinn, erinnert mich etwas an die Watzmann-Ostwand

    http://de.wikipedia.org/wiki/Watzmann#Schwierigkeiten_und_Gefahren

    Das Ende wird wohl so sein wie in “Der Watzmann ruft”, M. E. wird das Singspiel und sein Ende sicher kennen ;)

  • M.E. - 9. Mai 2012

    Hallo Magna,
    mich erinnert das schon mehr an die Aiguille du Midi.

    http://www.eurotours.com.mt/kportal/content/images/aiguille_du_midi.jpg

    Nur mit der Einschränkung, dass wir die Spitze noch lange nicht erreicht haben.
    Nach Erreichen der Spitze könnte es dann senkrecht berab gehen.

  • Bernd Klehn - 9. Mai 2012

    Man sieht wie absurd die Behauptung ist, dass unser Target2-Plus in einem engen Zusammenhang mit unserem Exportüberschuss gegenüber den Target2-Defizitländern steht. Unser gesamter Leistungsbilanzüberschuss beträgt ca 150Mrd. per Anno, gegenüber den Defizitländern wahrscheinlich ca. 50Mrd. Wir haben aber alleine deren Zahlungsbilanzen seit April 2011 mit 335Mrd. via Target2 finanziert, die Rettungsschirme und Staatsanleihenkäufe kommen on top. Wir haben in den Ländern alles mögliche finanziert aber kaum unsere Exporte.

  • Christian Kurzer - 9. Mai 2012

    @Bernd Klehn:

    Es ist falsch davon auszugehen, dass eine Korrelation zwischen beiden Werten vorliegen müsste. Das Target2 auch das HB-Defizit der GIIPS Länder finanziert ist schlicht eine Bilanzierungsidentität.
    Man kann dadurch zwar nicht sagen wieviel des HB-Defizits in der aktuellen Periode finanziert wird, man kann aber sicher sagen wieviel vom kumulierten HB-Saldo durch target2 finanziert wurde. Das hat Herr Sinn in einem seiner letzten Vorträge sehr anschaulich erläutert: Wenn man mit einer Erdgas-Benzin-Auto von Hamburg nach Berlin fährt und man zwischendurch immer wieder den Treibstoff umschalten kann, dann müssen der Erdgasverbrauch und die Fahrstrecke nicht korreliert sein. ABER: Selbstverständlich kann man in Berlin sagen, welchen Anteil am Kraftstoffverbrauch der Erdgasanteil ausgemacht hat.

    • Bernd Rickert - 9. Mai 2012

      Versteh ich nicht. Eine Autofahrt hat doch nichts mit target2 zu tun.

  • Christian Kurzer - 9. Mai 2012

    ab Seite 16:
    http://www.cesifo-group.de/DocDL/ifosd_Sonderausgabe_20120321-1.pdf

  • Bernd Klehn - 9. Mai 2012

    @Christian Kurzer

    “Es ist falsch davon auszugehen, dass eine Korrelation zwischen beiden Werten vorliegen müsste.”

    Genau. Zwischen den Warenströrme und dessen Finanzierung gibt es keine bilaterale Beziehung. Es st eben nicht so, wer exportieren will, muss dieses fianzieren. Dieser Fehler wird immer wieder häufig gemacht. Dieses sind zwei vollkommen getrennte paar Schuhe. Sinn hat leider häufig auch auf dieser bilateralen Ebene argumentiert. Was lediglich gilt ist, dass die Summe aller Warenströme, (Leistungsbilanzen) weltweit Null ist und die Summe aller Kapitalbewegungen (Kapitalbilanzen) ebenso, fernerhin dass auf nationaler Ebene Leistungsbilanz+Kapitalbilanz=0 ist.

  • Bernd Rickert - 9. Mai 2012

    Da können sich die Deutschen doch freuen, dass neben der produktiven Wirtschaft auch die buba gute Geschäfte macht.

  • Josef Nottelmann - 9. Mai 2012

    Griechenland und Frankreich haben den Sparkurs abgewählt. Sie möchten weiter auf Pump leben. Wenn die Mittelmeerstaaten ihre Schulden nicht zurückzahlen können (oder wollen!), haften wir für dem ESM-Rettungsschirm mit 700 Mrd €! Vielleicht ,darf’s auch ein bisschen mehr sein”, wenn das ESM-Gremium das so beschließen sollte! Dazu kommen rd. 700 Mrd. Target2-Forderungen der deutschen Bundesbank an die Banken der Südeuropäer, die nicht zurückgezahlte werden. Macht insgesamt rd. ein ein halb Millionem mal eine Million €! Unsere Volksvrtreter sollten haften, wenn sie die Vermögen ihrer Bürger verschleudern!

  • Ulrich Schlüter - 10. Mai 2012

    Mythos TARGET2 – ein Zahlungsverkehrssystem in der Kritik
    Peter Burgold und Sebastian Voll von der Universität Jena veröffentlichten im April 2012 das
    Arbeitspapier Nr. 29 “Mythos TARGET2 – ein Zahlungsverkehrssystem in der Kritik” . Download über http://www.gfinm.de/images/stories/workingpaper29.pdf