Deutschland vor der Wahl: Welche Krisenpolitik, was für eine Marktwirtschaft wollen wir?

von am 10. September 2013 in Allgemein

Zur europäischen Krisenpolitik, so hört man es immer wieder, gibt es keine Alternative. Es ist kein Geheimnis, dass diese auf mehr Markt und weniger Staat in den Krisenländern setzt. Stellt man die Marktwirtschaft infrage, wenn man die europäische Krisenpolitik deswegen infrage stellt?

Die Bundestagswahl in Deutschland hat eine zentrale Bedeutung für die künftige europäische Krisenpolitik. Darum ist diese zugespitzt formulierte Frage tatsächlich wichtig. Denn in der Rückschau hat sie – in abgewandelter Form – eigentlich immer wieder im Zentrum historischer Entwicklungen gestanden, speziell in sozialistischen Ländern, insbesondere auch in der Deutschen Demokratischen Republik (DDR).

Kapitalismus oder Sozialismus: Suche nach dem dritten Weg

Ein zentraler Grund dafür war die sich immer weiter öffnende Schere bei der wirtschaftlichen Entwicklung und dem gesellschaftlichen Wohlstand. Das galt für die geteilte deutsche Nation ebenso wie es heute noch für die geteilte koreanische Nation gilt. Während die marktwirtschaftlich geordneten Länder Bundesrepublik Deutschland und Südkorea prosperierten, gerieten die planwirtschaftlich geordnete Deutsche Demokratische Republik und Nordkorea wirtschaftlich immer weiter ins Hintertreffen. Heute haben wir ganz ähnliche Probleme innerhalb der marktwirtschaftlich geordneten Industrieländer.

Allerdings war die schlechte wirtschaftliche Entwicklung immer nur ein Aspekt. Es ging dabei auch um die Kritik von Auswüchsen planwirtschaftlicher Ordnungen auf der einen und die Skepsis gegenüber marktwirtschaftlichen Ordnungen in kapitalistischen Ländern sowie deren sichtbar gewordenen und möglichen negativen Begleiterscheinungen auf der anderen Seite. Auch das gibt es heute verstärkt innerhalb westlicher Marktwirtschaften – Occupy Wall Street lässt grüßen.

Gerade deswegen wurde in sozialistischen Ländern immer wieder nach einem „dritten Weg“ gesucht. „Demokratischer Sozialismus“ oder „marktwirtschaftlicher Sozialismus“ sind Begriffe für diesen dritten Weg. Erfolgreich waren diese Entwürfe nicht. Entweder kamen sie an die wirtschaftlichen Leistungen der westlichen Marktwirtschaften nicht heran oder die Menschen entschieden sich im Zweifel gegen ein neues Experiment und für den Erfolg bzw. das Wohlstandsversprechen der marktwirtschaftlichen Ordnung kapitalistischer Prägung. So war das auch in der DDR Ende der 80er Jahre. Welchen Weg die Menschen dort gehen wollten, lag nach dem Zusammenbruch des Regimes, der wie ein Dammbruch wirkte, außerhalb der politischen Kontrolle.

Chinas Suche nach einem chinesischen Erfolgsmodell der Marktwirtschaft

China steht mit seiner Suche nach einem eigenen marktwirtschaftlichen Weg bzw. einer Marktwirtschaft chinesischer Prägung gegenwärtig exakt vor derselben Herausforderung. Die chinesische Führung mit Staatspräsident Xi Jinping an der Spitze lehnt eine freie, nach wirtschafts- bzw. neoliberalem Bauplan konzipierte Marktwirtschaft nach westlichem Vorbild für China ab. (1) Heikel ist das erstens deswegen, weil überhaupt nicht klar ist ob es gelingen kann, wirtschaftliches Wachstum bzw. wirtschaftliche Prosperität sicherzustellen, wenn China sich nicht an den wirtschaftsliberalen Bauplan hält. Zweitens riskiert China damit einen Dammbruch und letztlich dasselbe Schicksal, das der Sowjetunion infolge der Perestroika des ehemaligen Präsidenten Mikael Gorbatschow beschieden war, nämlich der Zusammenbruch der Macht des kommunistischen Regimes. Dieses Risiko resultiert für China sowohl aus der Umsetzung der für den Umbau des Wirtschaftssystems anvisierten Reformen als auch aus dem möglicherweise ausbleibenden wirtschaftlichen Erfolg des neuen Systems bzw. dritten Weges.

Doch bei der Suche nach dem dritten Weg geht es auch in China ganz sicher vielen, die diesen befürworten, nicht um den Machterhalt der Partei. Aus Sicht vieler Bürger geht es ebenso wie in der damaligen DDR um die Suche nach einer demokratischen, nicht korrupten Form des Sozialismus. Irgendeine Form von Marktwirtschaft wird es in China geben. Nur, wie soll sie aussehen und löst sie das Versprechen wirtschaftlicher Prosperität auch ein?

Der Westen hat die Skepsis gegenüber der freien Marktwirtschaft nie ernst genommen …

Freilich, die negativen Bewertungen der Begleiterscheinungen marktwirtschaftlicher Ordnungen – von materialistischem, pekuniärem Denken über Raubbau an der Natur bis zu sozialer Kälte – ist ebenso wie die damit verbundene Skepsis – Hand aufs Herz – in den kapitalistischen Ländern von der überwältigenden Mehrheit der Menschen nie wirklich ernst genommen worden und zwar bis heute nicht.

Woran das liegt, lässt sich in einem Satz sagen, der das verbreitete Denken, das dazu führt, auf den Punkt bringt: Die Marktwirtschaft ist nicht vollkommen, aber wir haben nichts Besseres.

Nur damit kein Irrtum entsteht: Wer so spricht, bezieht sich bewusst oder unbewusst auf das wirtschaftsliberale Marktverständnis. Gleichwohl handelt es sich dabei nur um eine Halbwahrheit. Denn dieser Satz suggeriert, die Marktwirtschaft wäre etwas, das man mit allen Stärken und Schwächen hinnehmen müsste, weil man daran gar nichts zum Besseren verändern kann. Tatsächlich ist das aber nur eine Hypothese und keine unverrückbare Tatsache.

… solange er wirtschaftlich auf der Erfolgsspur war

Dass auch in westlichen, marktwirtschaftlich geordneten Volkswirtschaften nicht mehr alles zum Besten steht, das haben erst mit dem Beginn der Finanzmarktkrise sukzessive immer mehr Menschen im Westen zu begreifen angefangen. Es ist kein Wunder, dass das in Europa für die Deutschen immer noch am allerwenigsten gilt, die stattdessen die Staatsschulden der anderen in den Mittelpunkt rücken. Denn wirtschaftlich steht in der Europäischen Union praktisch kein anderes Land so gut da wie Deutschland.

Und das ist es: So lange es wirtschaftlich gut geht, nehmen wir negative Nebenwirkungen, Schwächen und Entgleisungen der liberalen Marktwirtschaft in Kauf und Kritik und Skepsis gegenüber der liberalen Marktwirtschaft nicht wirklich ernst.

Mit fest auf die Geschichte und die Realität gerichtetem Blick kann man sogar mit Recht soweit gehen, festzustellen, dass die liberale Marktwirtschaft alternativlos ist, sofern man wirtschaftlichen Erfolg zum Maßstab erhebt.

Die Erfolgsgarantie der freien Marktwirtschaft stützt sich auf eine Hypothese

Wenn man das allerdings tut, dann wird dabei völlig übersehen, dass Kritik und Skepsis gar nicht dem Ziel der individuellen Freiheit in marktwirtschaftlichen Ordnungen gelten, sondern dem Wirtschaftsliberalismus und damit einem spezifischen Konzept zur Realisierung und Sicherstellung individueller Freiheit (und Prosperität) in der Marktwirtschaft. Kritik und Skepsis daran sind jedoch prinzipiell gerechtfertigt, weil nämlich der Wirtschaftsliberalismus die Bewertung oder Messung der Ergebnisse von Marktprozessen in der Marktwirtschaft in Bezug auf individuelle Freiheit und wirtschaftliche Leistungen negiert.

Mit anderen Worten wird aufgrund der liberalen ökonomischen Theorie von der Funktionsweise von Märkten lediglich hypothetisch unterstellt, dass die Marktwirtschaft Garant für individuelle Freiheit und individuelle ökonomische oder gesamtwirtschaftliche Vorteilhaftigkeit ist und zwar sofern eine Voraussetzung erfüllt ist: der Staat bzw. die Politik darf nicht in die Marktprozesse eingreifen, sei es durch gezielte Subventionierungen, sei es durch verzerrend wirkende Regulierungen.

Freie bzw. liberale Marktwirtschaft, Marktliberalisierung, liberale Reformen – all diese Ausdrücke meinen genau das. Es ist eine Politik zur Verwirklichung einer freien, prosperierenden Marktwirtschaft nach dem Konzept der wirtschaftsliberalen Theorie von der Marktwirtschaft, bei der es nicht auf den tatsächlichen feststellbaren oder messbaren Erfolg ankommt, sondern nur auf die Erfüllung der zentralen Voraussetzung, die sich aus dieser Theorie für eine freie, prosperierende Marktwirtschaft ableitet.

… eine unwiderlegbare Hypothese

Weil jedoch die Bewertung oder Messung der Ergebnisse von Marktprozessen in Bezug auf Freiheit und wirtschaftliche Leistungen abgelehnt wird, ist es unmöglich die Hypothese zu widerlegen, auf der die liberale Wirtschaftstheorie, der Wirtschaftsliberalismus, die liberale Wirtschaftspolitik fußen: von staatlicher Einflussnahme freie Märkte sind prinzipiell selbstregulierende wettbewerbliche Märkte und sichern deswegen immerfort individuelle Freiheit und ökonomische Verbesserungen.

Selbstregulierende Märkte bedeutet, der Wettbewerb sorgt immerfort für eine Art dynamischer Machtbalance auf Märkten, wobei die Dynamik aus dem fortwährendem Bestreben der Marktteilnehmer resultiert, sich zu verbessern.

Unvereinbarkeitsthese: Intervention und Marktwirtschaft schließen sich aus

Auf dieser Hypothese fußt ebenso die Behauptung, dass jegliche staatliche Intervention in das Marktgeschehen den Wettbewerb verzerrt und nicht nur zu schlechteren Marktergebnissen führt, sondern aufgrund der verzerrenden Wirkung letztlich immer neue, um Korrektur bemühte Interventionen nach sich zieht und so die Marktwirtschaft sukzessive in eine Planwirtschaft transformiert.

Letzteres wird heute zwar nicht mehr ernsthaft vertreten, aber bisweilen als provokative Zuspitzung eingesetzt, um Folgendes deutlich zu machen: In dieser Interpretation kann es gar keinen dritten Weg zwischen Kapitalismus und Sozialismus und kein „Mittelding“ zwischen Marktwirtschaft und Planwirtschaft geben. Staatliche Interventionen in die Märkte sind im wirtschaftsliberalen Verständnis grundsätzlich nicht vereinbar mit der „freien“ Marktwirtschaft, weil „freie“ Marktwirtschaft definitionsgemäß eine „von staatlicher Intervention freie“ Marktwirtschaft ist.

Das Konzept der liberalen Marktwirtschaft ist ein Kartenhaus

Wenn die wirtschaftsliberale Hypothese selbstregulierender Märkte falsch ist, dann bricht das Gebäude von Annahmen, das darauf errichtet ist, in sich zusammen. Die Annahme, dass liberale bzw. vom Staat unbeeinflusste Märkte prinzipiell individuelle Freiheit und ökonomische Verbesserungen sicherstellen, ist nicht mehr haltbar. Die Annahme, dass Interventionen generell unvereinbar mit der Marktwirtschaft sind, ist nicht mehr schlüssig begründet. Die These, dass die Marktwirtschaft grundsätzlich nicht zum Besseren beeinflusst werden kann, ist nicht mehr haltbar. Die Zuspitzung, dass wir nur zwischen Marktwirtschaft und Planwirtschaft wählen können, lenkt vom eigentlichen Kern des Problems ab, nämlich der Frage, wovon individuelle Freiheit und wirtschaftliche Prosperität tatsächlich abhängen, wenn von staatlicher Einflussnahme befreite Märkte kein Garant dafür sind. Die Frage, wie beides in Ordnungen sichergestellt werden kann, die eine Mischform darstellen, stellt sich dann gar nicht. Sie wird tabuisiert, jeder der sie stellt, wird zum Gegner der freien Marktwirtschaft abgestempelt.

Der dritte Weg für den Westen gar kein Thema?

Das Problem der Suche nach dem „dritten Weg“ kann in diesem Sinne interpretiert werden als die Suche nach einem besseren Konzept für die Marktwirtschaft bzw. für die Verwirklichung von individueller Freiheit und Prosperität in einer marktwirtschaftlich geordneten Volkswirtschaft. Sofern es so interpretiert wird, was folgerichtig und sinnvoll wäre, ist es für die westlichen Marktwirtschaften nicht weniger relevant als für kommunistische Staaten wie China, die die planwirtschaftlichen zugunsten mehr marktwirtschaftlicher Elemente zurückfahren wollen.

Denn während die kommunistischen Staaten längst erkannt haben, dass sie eine marktwirtschaftlich geprägte Ordnung des wirtschaftlichen Erfolges wegen brauchen, um die Stabilität und den Machterhalt des Regimes zu sichern, brauchen die westlichen Staaten den wirtschaftlichen Erfolg ihrer Marktwirtschaften ebenso dringend, um die Stabilität ihrer Demokratien zu erhalten.

Die Krise der Marktwirtschaft ist eine Bedrohung für die Demokratie

Alle Industriestaaten haben dieses Problem, weil sie alle unter anhaltender Wachstumsschwäche und Krisenanfälligkeit leiden. Die wirtschaftliche Abwärtsspirale in den europäischen Krisenstaaten bedroht nicht nur den sozialen Frieden und den Zusammenhalt in Europa. Sie bedroht die Demokratie. Wer das nicht glaubt, der möge sich anschauen, wie sich das Wahlverhalten und infolgedessen die Parteienlandschaft in Europas Mitgliedstaaten im Zuge der Krise verändert hat.

Appelle aus der Politik, bei Wahlen Vernunft walten zu lassen, werden daran in Europa nichts ändern. Daran etwas ändern kann nur eine auf Wirtschaft und Finanzmärkte gerichtete Politik, die individuelle Freiheit und Prosperität nicht nur zu erreichen verspricht, sondern in beiden Punkten auch sukzessive, erkennbare Fortschritte erzielt.

Die unbewältigte Krise: Eine zusammenfassende Bestandaufnahme

Die Ursache unserer Probleme ist, dass die Marktwirtschaft den Industrieländern einen jahrzehntelangen wirtschaftlichen Aufstieg bescherte und es jetzt nicht mehr tut. Insbesondere deswegen kommen z.B. auch die europäischen Krisenstaaten nicht von ihren Schuldenproblemen los. Das Wachstumsproblem wird von der europäischen Krisenpolitik bisher allenfalls am Rande adressiert.

Unser Problem ist, dass uns die liberale Wirtschaftstheorie keine geeigneten Hinweise geben kann, wie wir daran aktiv etwas ändern können, außer für – im wirtschaftsliberalen Sinne – „freie“ Märkte zu sorgen. Das macht aber nur dann Sinn, wenn die wirtschaftsliberale Marktlogik zutrifft und Märkte selbstregulierend, das heißt letztlich selbstheilend sind.

Wenn wir aktiv etwas daran ändern wollen, weil wir die Selbstregulierungshypothese verwerfen, benötigen wir eine andere Erklärung dafür, wie die Marktwirtschaft funktioniert und sich wandelt, die der Realität besser gerecht wird.

Unser Glück und zugleich Problem ist, dass die Wirtschaftswissenschaften keine Naturwissenschaft sind. Das heißt, es gibt nicht die eine, wahre Theorie, sondern es stehen oft mehr oder weniger unvollkommene, miteinander konkurrierende Theorien und Erklärungsansätze nebeneinander, aus denen wir wählen müssen. Das gilt auch für die wettbewerbliche Marktwirtschaft. Die wirtschaftsliberale Erklärung ist also nicht die einzige, die wir haben, aber dennoch gibt es keine perfekte andere Antwort.

Zwei zentrale Fragen für die krisenpolitische Weichenstellung

Die Herausforderung bei der Suche nach einem neuen Lösungsweg jenseits der Idee der reinen Marktwirtschaft liberaler Prägung und der Planwirtschaft besteht in der Beantwortung von zwei grundsätzlichen Fragen:

Wenn Märkte nicht prinzipiell selbstregulierend sind, wie die liberale klassische und neoklassische ökonomische Theorie annehmen, und es damit zusammenhängt, dass individuelle Freiheit und wirtschaftliche Prosperität durch eine liberale Politik nicht prinzipiell sichergestellt werden können,

  1. wovon hängt es dann ab, ob und inwieweit beides auf Märkten und in einer Marktwirtschaft realisiert ist?
  2. wann, wo und wie könnte oder müsste dann gegebenenfalls der Staat Einfluss nehmen, um die wettbewerbliche Marktwirtschaft im Sinne von verbesserter individueller Freiheit und Prosperität zu stärken?

Denn offensichtlich ist es doch heute in den westlichen Marktwirtschaften infolge der verbreitet fortgeschrittenen Oligopolisierung der Märkte, des ausuferndem Lobbyismus und der weit geöffneten Schere zwischen Arm und Reich so, dass einige wenige Akteure auf Märkten de facto wesentlich freier sind als alle anderen.

Eine bessere europäische Krisenpolitik wird auf der grundsätzlichen Ebene voraussetzen, dass für diese beiden Fragen Antworten geben.

Es ist etwas falsch gelaufen, mit unserer Marktwirtschaft. Es ist nicht so gelaufen, wie es eigentlich hätten laufen sollen und wir rätseln und diskutieren immer noch, warum. Wir haben Ungleichgewichte, wir haben anhaltende Wachstumsschwäche, von „Wohlstand für alle“ entfernen wir uns immer weiter.

Wie lässt sich das erklären?

Es gibt, wie gesagt, unterschiedliche ökonomische Theorien zur Funktionsweise von wettbewerblichen Märkten. Sie können uns einigen Aufschluss darüber geben, warum es nicht so gelaufen ist wie erwartet und wir stattdessen vor den exemplarisch angesprochenen fundamentalen Problemen unserer marktwirtschaftlich geordneten Volkswirtschaften stehen, deren Lösung bisher nicht gelungen ist, weil sie verdrängt, geleugnet und in die Zukunft verschoben werden und die deswegen zunehmend zu einer ernsten Bedrohung für den Zusammenhalt Europas und für die Demokratie werden.

Die Bundestagswahl wird eine krisenpolitische Weichenstellung

Nur sehr wenige werden wahrscheinlich bei der Wahl zum neuen Bundestag daran denken, dass die Bewältigung der Krise in Europa maßgeblich von der neuen Bundesregierung abhängen wird und noch weniger dürften eine Vorstellung davon haben, welch fundamentale Herausforderung damit tatsächlich verbunden ist. Die führenden Parteien haben viel dafür getan, um uns dies im Wahlkampf nicht bewusst werden zu lassen. Darum habe ich darüber geschrieben.

Verstehen Sie mich richtig. Die Wirtschaftswissenschaften stecken seit dem Ausbruch der Finanzmarktkrise selbst in einer fundamentalen Krise, auch wenn darüber nicht mehr viel geredet wird. Bis dahin bewährte Theorien und Modelle offenbarten grundlegende Schwächen, deren Bewältigung wiederum eine eigene Herausforderung darstellt. Gerade deswegen wurde beispielsweise das Institute for New Economic Thinking (INET) von George Soros ins Leben gerufen. Es geht also zunächst bei der Bundestagswahl in erster Linie gar nicht darum, die Partei mit der richtigen Lösung zu finden. Die wird es (immer noch) nicht geben. Vielmehr gilt es, politische Wegbereiter für die Suche nach einer solchen Lösung zu finden und das heißt diejenigen Parteien und vor allem Politiker, die Schwächen und Fehler nicht mehr leugnen oder verschleiern und die anerkennen, dass wir mit dogmatischem Tunnelblick in der Sache genauso wenig weiterkommen werden wie mit Experimentieren.

Wer die europäische Krisenpolitik infrage stellt, der stellt nicht automatisch auch die Marktwirtschaft infrage, sondern vielleicht viel eher das liberale Konzept der „freien Marktwirtschaft“. Eine Diskussion über Alternativen zu diesem Konzept der Marktwirtschaft darf nicht tabuisiert werden. Wir riskieren ernstlich Europas Zukunft und gefährden unsere Demokratie, wenn wir das weiterhin einfach zulassen. Das ist eine Sackgasse und aus der müssen wir wieder herauskommen.

Schauen Sie also genau hin. Die Parteien, die sich traditionell für die Marktwirtschaft stark machen, haben den Anspruch auf marktwirtschaftliche Politik und Krisenbewältigung nicht gepachtet und ebenso wenig die richtigen Antworten, auch wenn sie immer wieder gerne diesen Eindruck erwecken.

von Stefan L. Eichner
Kontakt: eichner@web.de

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128 KommentareKommentieren

  • Frank Bell - 10. September 2013

    Es gab einen dritten Weg: den rheinischen Kapitalismus.

    Und man könnte diesen Weg auch heute erfolgreich beschreiten, wenn man diesen Neoliberalismus und die Thesen von Friedman und seiner Chicago Boys endlich in die Tonne treten würde.

    Natürlich würde dies die Nation(en) stärken – etwas, was die Elite auf keinen Fall will, denn deren Credo lautet Globalisierung zwecks Selbstbereicherung. Um jeden Preis.

    Tatsächlich ist die Lage weniger schlimm als immer wieder behauptet wird. Vor allem in Deutschland.

    Und: Die “grösste Krise seit 1929″ hat nicht stattgefunden Die Menschen sehen es. Deshalb ist die Blockupy-Bewegung am Ende. Deswegen wird überhaupt nicht mehr über das, was uns die Banken angetan haben, diskutiert. Statt dessen tut man so, als ob die Staatsschuldenkrise das Übel schlechthin wäre. Gut für die Banken, denn so können weiterhin Millionen-Boni gezahlt werden. Ohne, dass es jemanden juckt.

    Wer diskutiert noch die Fehlentwicklungen der letzten 12 Jahre (Hartz IV, Riester-, Rürup-Rente, Angriffskriege, die vom GG verboten werden)? Das fällt im Wahlkampf ebenfalls völlig unter den Tischen. Mann, den Deutschen muss es echt SUPER-GUT gehen.

  • SoundMoney - 10. September 2013

    Der rheinische Kapitalismus ist der schlechteste! Denn hier wird zwischen Wirtschaft und Politik gekungelt, zum Nachteil der Verbraucher. Wir brauchen den reinen, nicht den rheinischen Kapitalismus. Denn hatten wir noch nie, denn solange das Geldsystem vom Staat kontrolliert ist, werden sicher immer und immer wieder Blasen bilden.

    • Systemfrager - 10. September 2013

      “solange das Geldsystem vom Staat kontrolliert ist”

      Ob dies die letzte Lüge der Neoliberalen sein wird, bevor man den Liberalismus zum Teufel schickt?

      Menschen werden irgendwann merken, dass wir ein Geldsystem haben, das total privat ist und die Herren Kapitalisten können mit ihm immer ein Krise inszenieren und ganze Völker aushungern und versklaven. Das nennen sie auch noch “freiheitliceh Ordnung”

      • SoundMoney - 10. September 2013

        Wo ist denn der Wettbewerb im aktuellen Geldsystem? Es gibt nur einen Anbieter, die EZB. Ohne Wettbewerb sind Qualität der Produkte schlecht und der Preis hoch. Das gilt beim Geld wie bei allen anderen Produkten.

        Privat ist in der richtigen Marktwirtschaft immer mit Wettbewerb verbunden. Im rheinischen Kapitalismus ist dies anders. Dort gibt es oft EINEN privaten Anbieter der besonders gute Kontakte in die Politik hat.

        • Systemfrager - 10. September 2013

          >>> Es gibt nur einen Anbieter, die EZB.
          Hast du überhaupt einen blassen Schimmer, wie das neue “normale” Geld(=Kredit) entsteht? Da spielt das Geld der EZB eine ganz unwichtige Rolle.
          Das Problem ist, wenn die Staten privat finanziert werden.
          Hast du eine Ahnung, wie das funktioniert?
          GANZ EINFACH:
          GR braucht zB 100 Mrd. Die EZB gibt dies einer privaten Bank für 0,5% Zins, sie bucht es GR mit 7% Zinsen
          Das ist die private Finazierung des Staates: Einfach nur ein Raub, verglichen mit der Kriminalität ein schelchter Witz.
          DAS GELD MUSS DEMOKRATISIERT WERDEN!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

          Grundidee und Zweck der demokratischen Geldschöpfung und Geldmengenregelung
          http://marktwirtschaft-neu-denken.de/Aufbau/vd/20/schp_vd20.php?summary=j

          • SoundMoney - 10. September 2013

            Was ist demokratischer als wenn der Konsument mehrere Währungen zur Auswahl hat? Dann kann die EZB der privaten Bank soviele Euros zu 0,5% geben wie sie will und diese einen 6,5 ppt für GR oder mehr draufhauen. GR wird dafür nichts kaufen können, denn dieses Geld wird sich am Markt nicht durchsetzen, sobald es andere Optionen gibt.

            Wenn ich private Autohäuser nur Trabbis verkaufen lasse und auf meinem Territorium kein anderes Auto zulasse, dann habe ich noch keinen funktionierenden Automarkt. Genau das haben wir aber beim Geld.

        • Frank Bell - 10. September 2013

          @ SoundMoney

          Das aktuelle Geldsystem ist rein privat, siehe z.B. FED.

          Und jede Konkurrenz wie z.B. Bitcoin oder die goldgedeckte Währung Liberty Dollar, werden ausgeschaltet!

          http://en.wikipedia.org/wiki/Liberty_Dollar

          • SoundMoney - 10. September 2013

            Ob es nun ein staatliches oder privates Monopol ist, ist doch irrelevant Es ist ein Monopol und das ist schlecht für den Konsumenten.

            Jedes Konkurrenzprodukt wie Bitcoin & Liberty Dollar hat meine volle Unterstützung.

            Wenn jemand unbedingt Geldsozialismus will, kann er das aus meiner Sicht ruhig praktizieren. Nur die Teilnahme daran muss freiwillig bleiben!

  • Marso - 10. September 2013

    Von “aussen” betrachtet ist Deutschland ein “Dumping” erfolgsmodell, auf hochglanz polliert, welches ein paar Finanzsekttrinkern kurzfristig einen Scheinwohlstand vorgaukelt.

    - http://www.daserste.de/information/reportage-dokumentation/dokus/sendung/swr/24062013-die-story-im-ersten-lohnsklaven-in-deutschland-100.html

    - http://www.mdr.de/nachrichten/antibiotika-tiermast-massentierhaltung-studie-resistente-keime100.html

    - “Deutschland geht kaputt

    7,2 Milliarden Euro fehlen jedes Jahr für Schienen, Straßen und Schleusen. Das Fundament des Wohlstands bröckelt”
    Quelle: http://www.zeit.de/2013/26/infrastruktur-schienen-strassen

    Die Lösung!?
    Wann wird das “Derivate – Spielerkapital” wieder in reale Projekte reinvestiert?

    Freiwillig macht das niemand, wenn das Verlustrisiko zu gross ist. Darin wird die Welt auch letztlich scheitern, wenn man keinen Weg findet, die Vermögen abzubauen oder echte Werte geschaft werden.

    “Superkapitalismus

    Wie die Wirtschaft unsere Demokratie untergräbt

    Heerscharen von Wirtschaftslobbyisten korrumpieren die Politik, CEOs scheffeln Milliarden und Arbeitnehmer verlieren die Privilegien, die sie sich einst mühsam erkämpft haben – das übliche linke Wehklagen, mögen Sie denken. Fällt denen nichts Neues ein? Doch.

    Der Wirtschaftswissenschaftler Robert Reich hat ein überraschendes Buch geschrieben.

    -> Rücksichtsloser Jobabbau und sinkende Sozialstandards sind für ihn nicht die Folge einer Verschwörung zwischen marktgläubigen Politikern und habgierigen Unternehmern. Wir alle haben als Verbraucher und Anleger in den vergangenen 30 Jahren vom Aufbruch in den Superkapitalismus profitiert – und zahlen nun als Bürger den Preis dafür.

    Anstatt mit dem Finger auf Unternehmen zu zeigen, könnten wir z. B. die Finger vom nächsten Schnäppchen lassen.

    Reich entlarvt viele linke und rechte Geschichten über Unternehmen als Mythen und provoziert mit konkreten Vorschlägen wie der Abschaffung der Unternehmenssteuern. getAbstract empfiehlt dieses wichtige Buch allen, die sich über die Demokratie im Würgegriff des Kapitalismus Sorgen machen.

    Superkapitalismus. Wie die Wirtschaft unsere Demokratie untergräbt

    Robert Reich
    Verlag: Campus

    Neue Politiker braucht das Land…

    • Frank Bell - 10. September 2013

      @ Marso

      Die ganz grossen Unternehmen zahlen längst keine Steuern mehr! Daher ist die Forderung zur Abschaffung der Unternehmenssteuern unsinnig.

      So, wie man den kleinen Leuten die Steuerflucht zunehmend erschwert, so sollte man dies auch mit dem Grosskapital und den Unternehmen machen.

      Es kann nicht sein, dass die Quellensteuer gerade einmal ca. 25 % beträgt, die Steuern auf harte körperliche Arbeit dagegen bei 35 bis 48 % liegen!

      P.S.

      JEDER im Ausland blickt neidisch auf Deutschland. Dort glaubt man wirklich, wir würden im Paradies leben. Die Politiker fördern diese Sichtweise.

      • SoundMoney - 10. September 2013

        Auch als kleiner Privatanleger der für das Alter vorsorgt muss ich Kapitalertragssteuer bezahlen. Warum soll mir der Staat von bereits versteuertem Geld nochmals die Hälfte stehlen dürfen?

    • Marso - 10. September 2013

      man lese bitte richtig: abschaffen der Unternehmenssteuern als PROVOKATION …..

  • Fransisco - 10. September 2013

    Markt wäre mal nett.

  • Holly01 - 10. September 2013

    Hallo und danke für den Beitrag,

    ich sehe das auch eher wie die anderen Schreiber und wie es im Teil “Das Konzept der liberalen Marktwirtschaft ist ein Kartenhaus” auch etwas anklingt.
    Wir haben den politischen Kontrollen und Eingriffen einen Riegel vorgeschoben und eine Bankenkontrolle der Wirtschaft etabliert.
    Unternehmen bekommen nur Kredite die ihnen die Banken gewähren, die in ihren Aufsichtsräten sitzen.
    Diese Banken bestimmen wer wächst und wer zurück bleibt.
    Banken bestimmen über Inovationen und Wachstum, über Werbung und Medien (also Information).
    Die Demokratie ist tot, denn die Banken schöpfen das Geld, nicht die Politik.
    Banken sind Zwischenhändler, also Kunden und Verkäufer und treffen auf diesen Märkten auf ihre eigenen Kunden, die wirtschaftlich, finanziell von ihnen abhängig sind.
    Wir haben keine Marktwirtschaft und wir haben keine Demokratie, wir haben eine Bankokratie, denn die Banken bestimmen auch welche Parteien wie viel Geld für den Wahlkampf zur Verfügung haben.
    Banken kennen aber nur Zinserwartungen. Banken wollen alles und jedes vorfinanzieren. Banken wolllen Lieferketten verlängern, Produktionen komplexer gestalten und Transportwege permanent verlängern.
    Jeder Einzelschritt verlangt eine Finanzierung, eine Investition eine Abhängigkeit vom Banksystem.

    Wir müssen nicht das Wirtschaftssystem ändern, wir müssen den Banken den Einfluß nehmen und die Zinsen kappen.
    Bei 50% Zinsquote wäre eine reduktion der Zinslast auf 25% ein kaum vorstellbares Konjunkturprogramm. Die 50% für die Bank, bei jedem Euro den wir in die Hand nehmen, ist keine Fiktion, das ist schon ein Mittelwert.
    Wir laufen nicht gesellschaftlich aus der Bahn, wir haben ein finanzsystemischisches Problem erster Güte.
    Von Markt kann gar keine Rede sein. Alles hängt am geschöpften Geld. Die Energiewende ist ein Topbeispiel. Da sind die Vertreter der Banken ganz vorne dabei, wenn es darum geht, die großen Kreditnehmer zu schützen und bringen ihre “Politiker” in Stellung.

    • Marso - 10. September 2013

      In der Schweiz wird eine Initiative vorbereitet, die http://www.vollgeld.ch zum Ziel hat. Das Geld soll also demokratisiert werden.

      In Deutschland habe ich noch nicht viel darüber in den Medien lesen oder hören können.

      http://www.vollgeld.de

      • Holly01 - 10. September 2013

        Hallo Marso,
        mit Vollgeld habe ich mich vor Monaten einmal beschäftigt. Ich halte das für extrem gefährlich, denn das Papiergeld soll mit allen Ansprüchen, Zinsen und Altlasten umgewandelt werden.
        Das wäre dann aber garkein Vorteil mehr.
        Das was da als Initiative (in DE, von der CH weiss ich das nicht) propagiert wird ist nichts anderes als der Todesstoss für das System, bei dem die Zinsgewinner ihre Gewinne sichern und die Zinsverlierer in Generationenlange Zinsknechtschaft geht, weil das ja alles im Derivatemarkt als Anspruch in die Zukunft transferiert wurde und erwirtschaftet werden muss.

        Vollgeld, als neues Geld mit Totalausfall des Altgeldes sehe ich aber als echte Alternative.

        • Marso - 10. September 2013

          Hallo Holly01

          Der “Todesstoss” für unser Zinssystem tönt in meinen Ohren wie Musik. Damit viele auch der bis ins Absurdum geführte Wachstumszwang “weg” (nur für Staatsschulden).
          Die Wirtschaft wächst dann eben kontrollierter. Spekullation kann – darf sein, aber nur mit gedecktem Geld – das unfaire risikoreiche Fractional Banking wird Geschichte.

          Wettbewerb soll dann nicht über “auch ich bin eine Bank” geschehen, sonder durch echte Innovation.

          Die Seigniorage gehröt dem Volk und nicht den Banken – Boni Bankstern …. insofern mache ich mir dann auch keine Sorgen mehr um meine Pension.

          Das würde zumindest mal viel Druck aus dem System bringen und man könnte sich wieder um Nachhaltigkeit kümmern. Preise zeichnen eben nicht wirklich die echten WERTE ab.

          Wirtschaften geht auch anders …

      • Holly01 - 10. September 2013

        @ Marso,

        ich empfehle Ihnen die Vortragsreihe von Prof. Dr. Bernd Senf. Das ist mit 18h sehr umfangreich, aber es ist enorm viel Basiswissen enthalten und man versteht viel mehr worüber die INteressensvertreter streiten.
        Hr. Senf ist zumindest allgemeinverständlich, er vermeidet angismen ebenso wie VWL Sprache, die durch Fachausdrücke Inhalte setzt und für Nichtinsider unverständlich ist.

  • Greg - 10. September 2013

    Hr. Flassbeck erklärt in einfachen, allgemeinverständlichen Worten die Finanzkrise.

    -Gestalten antstatt Spekullieren-

    http://www.youtube.com/watch?v=GpG2vpS8o4g

    Nur schon die ersten 5 Minuten gehörten zum Pflichstoff jeglichen menschlichen Wesens…

    • Holly01 - 10. September 2013

      Guter link, danke Greg.

  • BigRed - 10. September 2013

    Find’s ja ganz interessant, dass Sie nicht konkreter wurden bzgl. welche Parteien Antworten haben – denn einige der Parteien, deren Unterstützung für die Marktwirtschaft jünger ist, haben ebenfalls keinen Plan.

    Allerdings sind die Kommentare eine schöne Illustration der These, dass die Marktwirtschaftsdiskussion verengt wird:

    - Soundmoney gehört zu denen, die die Selbstheilungskräfte des freien Marktes DERART schätzen, dass sie selbst Geldschöpfung in die private Sphäre auslagern wollen

    - bei Frank Bell hoffe ich ja, dass sein Post ironisch gemeint hat:
    – wenn er angesichts von 10 Jahren fallender Reallöhne und 22% Niedriglohnsektor behauptet, die Lage sei, vor allem in Deutschland, gar nicht so schlimm,
    – oder angesichts von mehreren Jahren Rezession und bemerkenswerten Arbeitslosenquoten in Süd(west)europa, dass diese Krise nicht grösser sei als alles seit 1929 – ein Beispiel dafür wär schön
    – und dass man nur zum rheinischen Kapitalismus zurückkehren müsse

    - und Marso pusht einen Autoren, der behauptet,
    – der Normalbürger habe als Anleger in den letzten 30 Jahren profitiert (und als Verbraucher – noch mal, 10 Jahre fallende REALeinkommen, d.h. das wurde eben grad NICHT durch fallende Preise aufgefallen)
    – und für den Abschaffung von Unternehmenssteuern anscheinend neu und spannend sind – d.h. er befindet sich mit seiner Forderung genau auf der neoliberalen Linie und wenn seine Begründung eine andere ist, dann kann er eigentlich nur die Argumentation Keynes’ und anderer wiederholen, die seit mehr als 80 Jahren bekannt sind

  • BigRed - 10. September 2013

    Aber zum Hauptpunkt: tut mir leid, aber es gibt keinen dritten Weg!

    Alternativen zum Neoliberalismus sind ja durchaus bekannt, seit Keynes, und auch wenn sie den Postkeneysianern und den MMTlern nicht zustimmen: die liefern alternative Analysen und Ratschläge und ihre Trefferquote, was Vorhersagen angeht, ist deutlich besser als die des VWL-Mainstreams.

    Denn da greift ja eben auch Ihre Beschreibung zu kurz, wenn sie behaupten: “Die Wirtschaftswissenschaften stecken seit dem Ausbruch der Finanzmarktkrise selbst in einer fundamentalen Krise, auch wenn darüber nicht mehr viel geredet wird. Bis dahin bewährte Theorien und Modelle offenbarten grundlegende Schwächen, deren Bewältigung wiederum eine eigene Herausforderung darstellt.”

    Diese Theorien und Modelle sind ja eben NICHT bewährt: die neoklassischen Teile, die immer noch drin stecken, haben in der Wirtschaftskrise in den 1920ern/30ern sowohl in den USA als auch in Deutschland versagt, die neueren Teile konnten weder Argentinien am Ende des vergangenen Jahrhunderts korrekt vorhersagen und analysieren, als auch Japan in den 1990ern und seitdem korrekt beschreiben (und haben bis zum Mea Culpa des IWF natürlich auch in Europa spektakulär versagt).

    D.h., diese Theorien sind nicht “bewährt”, sondern nur vorherrschend. Das Problem ist, dass der Weg, das zu ändern, in einem Teufelskreis stecken bleibt:

    In einer Gesellschaft, in der materielle Anhäufung das einzige Erfolgskriterium ist, kann es keine dauerhaften demokratisch legitimierten Eingriffe in die Wirtschafts geben. Wenn man Geld braucht, um Wahlkampf zu machen, wenn Geld verwendet wird, um mittels Lobbyismus und Kampagnen wie der INSM Gegenöffentlichkeit herzustellen, wenn Politiker im Endeffekt halt auch hochbezahlt sein wollen, dann kriegen wir halt einen Schröder, einen Steinbrück, ganz zu schweigen von einem Koch oder einem Bush.
    Kalecki hat das in “Political Aspects of Full Employment” schön beschrieben – es geht um Macht und da Macht im Kapitalismus an Geld gekoppelt ist, wird gemacht, was das Geld will. Diejenigen in der politischen Klasse, denen Demokratie wirklich wichtiger ist als materieller Besitz, werden in den seltensten Fällen in einer Position landen, in der sie das umsetzen können.

    Insofern: leider kein dritter Weg, demokratischer Kapitalismus existiert auf lange Sicht nicht.

    • Holly01 - 10. September 2013

      @ BigRed :

      Die Grundlage für dieses Problem sehe ich im Verständniss. Die Angliker und die Europäer können diese Thematik nicht erfassen, weil wir kulturell keine Mittel haben die Zusammenhänge zu verstehen.
      Wir definierenGeld als einen Gegenwert von Arbeit. Wir definieren Summen über die persönliche Leistungsfähigkeit.
      10€ = 1h Arbeit
      1000€ = 1 mon Arbeit
      10000€ = eine exorbitante Summe, aber gemeinhin noch handhabbar, weil alle es handhaben und schaffen
      Zinsen kommen bei unserem Verstänsniss nicht vor. Wir lehren das auch nicht. Zinsen sind ein Randthema bei Folgen und Reihen, also bei mathematischen Regeln.
      Wir haben auch keinen kulturellen Hintergrund dazu, weil das kirchlich geregelt war, bzw. an Gold geknüpft war und der Goldstandart kennt keine … Zinsen. Gold vermehrt sich nicht.
      Wir -können- das Problem nur intelektuell erfassen und das ist zu wenig.
      Ein Gläubiger des Islam hat das Problem nicht, da sind Zinsen verboten.
      Ein Gläubiger des Judentums hat das Problem nicht, der Zins ist da hinreichend über das alte Testament verankert im Denken und Glauben.
      Wir Westler sind da wie die Ureinwohner in Südamerika :
      Wenn man keine Mathematik im Alltag braucht reicht es von 1 bis 3 zu definieren, alles andere sind “viele”.

      • SoundMoney - 10. September 2013

        Genau, die Demokratie muss zur Privatrechtsgesellschaft (siehe H.H. Hoppe) weiterentwickelt werden!

    • SLE - 10. September 2013

      Hallo BigRed,

      vielen Dank für die Kommentare. Keynes ist, wie gesagt, m.E. keine echte Alternative und zwar aus zwei Gründen nicht:

      Einmal hat er zwar Interventionen begründet, aber keine andere Marktlogik entwickelt. Anders ausgdrückt hat er die liberal/neoklassische Erklärung der Märkte nicht grundsätzlich verworfen, sondern nur relativiert. Generell kann man sagen, dass die Forderung der Konjunkturförderung impliziert, dass der Marktmechanismus lediglich stocken kann, aber im Kern immer intakt bleibt.

      Für eine anscahuliche Erklärung dieser herrschenden Marktlogik und einer alternativen Marktlogik – ja, es gibt mindestens eine und die kenne ich aus naheliegenden Gründen gut – siehe im Übrigen hier:

      http://www.querschuesse.de/krisenstrategien-in-der-sackgasse-ii-zeit-fur-einen-paradigmenwechsel/

      Zweitens sind die gegenwärtigen Krisenursachen markt- und wirtschaftsstrukturell bedingt. Das gilt sogar auch und insbesondere für den Bankensektor (u.a. Too big to fail), obwohl, wie hier in den Kommentaren immer wieder ausgeführt wird, natürlich noch weiter Ursachen hinzukommen. Markt- und wirtschaftsstrukturelle Probleme kann man aber mit konjunktureller Globalsteuerung grundsätzlich nicht effektiv adressieren. Gerade deswegen existieren ja auch die auf Makrogrößen gerichtete Konjunkturpolitik und die auf die Mikro- oder besser Meso-Ebene (nach Branchen, Unternehmensgröße, Regionen differenzierte) Politik nebeneinander. Sie adressieren andere Problemebenen. Die eklatanten Ungleichgewichte innerhalb Europas, wirtschaftsstrukturelle Schwächen und die aus der Unternehmens- und Bankenkonzentration resultierenden Probleme können mit Konjunkturprogrammen nicht gelöst werden. Darauf weise ich immer wieder hin.

      Viele Grüße
      SLE

      • BigRed - 12. September 2013

        Ok, hab ich wieder mal zu viel und zu konfus geschrieben, weswegen mein Hauptpunkt untergegangen ist. Also noch Mal kurz und (relativ) knapp:

        Die VWL-Orthodoxie ist NICHT bewährt, sondern nur etabliert.
        Es gibt Alternativen, die weniger inkorrekt sind.
        Dass der Mainstream dennoch zur Legitimierung rangezogen wird, liegt daran, dass Wirtschaftspolitik i.W. Machtpolitik ist.
        Da in kapitalistischen Gesellschaften Macht an Geld hängt, ist es illusorisch zu glauben, dass eine politische Institution genug Macht erhält und bewahrt, um die Macht Besitzender einzuschränken.
        Deswegen ist ein gebändigter Kapitalismus auf lange Sicht unmöglich – es gibt keinen dritten Weg.

        —-

        Als Nachsatz, und bitte, bitte, lieber SLE, antworte auf meinen ersten Punkt bevor Du diesen hier beantwortest:

        Keynes’ Vorschläge zur Bewältigung der Krise mögen nicht greifen, seine ANALYSE aber ist genauso korrekt, wie sie das vor fast 100 Jahren war – und dass das totgeschwiegen oder aktiv geleugnet wird, ist mE ein deutliches Indiz dafür, dass es eben nicht um Erkenntnisgewinn oder Lösung der Krise geht.
        Ich stimme Dir zu, dass Stimulus allein nicht reicht – allerdings ist es ja nicht so, dass sich die Vorschläge der Heterodoxen darauf beschränkten. Mit Lohnuntergrenzen, im besten Falle in Form einer Jobgarantie, (Wieder)Verstaatlichung von Banken und anderer Infrastruktur, Kapitalkontrollen und Steuern zur Umverteilung von Gewinnen und Vermögen (und vielem mehr) bietet sich ein ganzes Instrumentarium an, das geschlossen von der Orthodoxie (und dem Grossteil der Politik) abgelehnt wird, und allein deswegen unter den Verdacht der Sinnhaftigkeit gestellt werden muss.

        Nur ist das auch schon das Problem: keine dieser Massnahmen wird ergriffen werden, weil es dazu eine herrschende Klasse bräuchte, die sich den Interessen des Kapitals entgegenstellt.

        • SLE - 12. September 2013

          Hallo BigRed,

          der Witz ist ja, dass die wirtschaftsliberale Theorie “Freiheit” gar nicht material definiert – also eben nicht im Sinne von Geld ist Macht bzw. Freiheit -, sondern nur formal und die Politiker, die sich darauf berufen, tun es im Prinzip auch. Das heißt vereinfacht ausgedrückt, es ist in der Wirtschaft aus dieser Sicht alles im grünen Bereich, solange – im radikalsten Sinne formuliert – formal die Voraussetzungen für “Freiheit” auf Märkten – so wie sie die liberale Lehre definiert – gegeben ist.

          Macht schaffende Faktoren sind keineswegs nur Geldmittel. Sachkapital, aber auch immaterielle Faktoren – Wissen, Erfahrung, Fertigkeiten – gehören ebenfalls dazu. Genau genommen gehört dazu alles, was als Basis für die Wettbewerbsfähigkeit dient. Geld oder liquides Finanzkapital ist auch gar nicht immer entscheidend. In einem turbulenten, dynamisch-innovativen Umfeld sind immaterielle Faktoren mindestens genauso entscheidend. Es kommt im Übrigen hinzu, dass Innovationen machtschaffende Faktoren teilweise oder sogar gänzlich entwerten. So betrachtet kann den Oligopolisten auf den Märkten nichts schlimmeres widerfahren, als dass plötzlich eine kleine Firma auftaucht, die mit ihre Innovation den ganzen Markt umkrempelt – wie es seinerzeit z.B. Microsoft gelang!

          Es gibt so gesehen von politischer Seite durchaus sehr viele Möglichkeiten bzw. Ansatzpunkte, um etwas zu verändern.

          Ich stimme Ihnen allerdings zu, dass Wirtschaftspolitik bzw. generell Politik heute Machtpolitik ist – jedenfalls noch. Das hat aber durchaus auch viel mit unserer oligopoliserten Wirtschaft und Bankenwelt zu tun, der diese ja – offenbar immer noch – dient. Aber die Machtbasis dieser Art von Politik brökelt an allen Ecken und Enden, was sich nicht zuletzt darin äußert, dass die großen Parteien immer weniger Rückhalt bei den Wählern finden.

          Sie haben völlig Recht, was Keynes betrifft. Erkenntnisgewinn scheint keine Rolle zu spielen und das deckt sich durchaus mit der Tatsache, dass Politik heute als Machtpolitik betrieben wird, wofür nicht zuletzt unsere Bundeskanzlerin ein ausgezeichnetes Beispiel ist.

          Andererseits möchte ich daran erinnern, dass gerade auch in Deutschland die Wirtschaftsexpertise von Politikern wiederholt entscheidend für Wahlerfolge war. Das gilt in jedem Fall für Ludwig Erhard und für Karl Schiller, die beide Wirtschaftsprofessoren waren und die wirtschaftlichen Probleme ihrer Zeit aufgrund ihres spezifisches Wissens erfolgreich anzupacken wussten.

          Ich wage einmal eine Prognose: Je länger die europäische Krise dauert und je mehr diese auch in deutschland zu spüren sein wird, desto mehr Probleme bekommen Machtpolitiker alter Schule und desto stärker werden Politiker mit “Know How” gefragt sein. Sarah Wagenknecht ist ein gutes Beispiel für eine Politikerin die sich bewusst in diese Richtung entwickelt hat (ihre Doktorarbeit hat sie ja auch so erklärt) und ganz gewiss auch Prof. Lucke von der AfD. Herr Lucke ist ein liberaler Ökonom und seine Fachkompetenz (und die seiner Kollegen) ist aus meiner Sicht definitiv das Pfund mit der die AfD im Wahlkampf wuchern kann und zwar erfolgreich.

          Es gibt also bei den Bürgern, so würde ich das interpretieren, durchaus einen Bedarf nach Politikern mit Wirtschaftskompetenz und ich kann mir vorstellen, dass neue, erfolgversprechende Lösungsansätze zwar noch nicht bei der anstehenden Wahl, aber später wahlentscheidend sein werden.

          Viele Grüße
          SLE

          • Frankenfurter - 13. September 2013

            Hallo SLE, Sie führen Microsoft als Beispiel dafür an, was ein dynamisch-innovatives Marktumfeld hervorzubringen imstande ist. Soweit ich die Geschichte kenne, gelang es Bill Gates seinerzeit dem Computerhersteller und damaligen Marktmonopolisten IBM die Rechte für sein neues, anwenderfreundliches Windows- Betriebssystem abzutrotzen. Der Deal war: IBM liefert die Hardware, Microsoft die Software für die “Heim-Rechner”.

            Das kurze Ende der Geschichte war, Microsoft hat den Stuhl des Monopolisten IBM eingenommen und wurde selbst DER Computer- und Betriebssytem-Monopolist, den die Firma immer noch ist. Erkennbar ua. daran, dass die Firma sich bis heute jeder Menge Monpolklagen erwehren musste.

            Vielleicht verstehe ich Sie auch völlig falsch, wofür soll denn aus Ihrer Sicht Bill Gates und Microsoft nun stehen?

            • SLE - 13. September 2013

              Hallo Frankenfurter,

              Sie blenden die Zeit aus, die zwische Microsoft als Garagen-Firma und Microsoft dem Quasi-Monopolisten liegt. Jedes Unternehmen fängt klein an und nur wenn es mit seinen Produkten oder Leistungen Erfolg hat, kann es sich am Markt etablieren. Wenn es dann wächst, größer wird, sienen marktanteil vergrößert, ändert sich seine Wettbewerbsstrategie grundlegend. Sie ist dann nicht mehr offensiv, sondern defensiv, verteidigend und im Fokus stehen nicht mehr marktumwälzende Innovationen, sondern Effizienzsteigerung und Kostensenkung. Denn in einem solchen Wettbewerb haben kleine und mittelgroße Komkurrenten keine Chance (schon wegen der fehlenden Größenvorteile und der geringeren Kapitalausstattung). IBM hat Microsoft und den neuen Markt, den Microsoft schuf, damals völlig unterschätzt. Konzerne kaufen deswegen, damit das nicht passieren kann, solche hoch innovativen Konkurrenten gerne auf. Die Banken helfen ihnen dabei, nicht zuletzt wegen des im Kern auf Großbanken und Konzerne zugeschnittenen Basel II und III. Aus meiner Sicht sind die Baseler Regeln extrem innovations- und entwicklungshemmend für Märkte und Volkswirtschaften.

              Grüße
              SLE

          • Frankenfurter - 13. September 2013

            Die Turbo-Entwicklung MS von einer Garagen-Firma zum Quasi-Monopolisten auf einem rasant wachsenden globalen Markt ist einzigartig. Das sich noch einmal ein Big Player so leicht die Wurst vom Brot nehmen lässt, wie IBM von Gates ehemaliger Software-Klitsche ist wohl eher unwahrscheinlich. Wäre interessant die Strategien der Big Player gegen potentielle aber noch unbedeutende Konkurrenten empirisch zu untersuchen.
            Das von Ihnen genannte Aufkaufen ist sicher eine Strategie. Der erschwerte Zugang zum Kapitalmarkts ist eine andere Strategie. Und noch etwas kommt dazu. Raten Sie einmal, warum Bill Gates das TRIPS-Abkommen unterstützt, das verschärfte Standards geistiger Eigentumsrechte einfordert? “Kritiker behaupten, dass das TRIPS-Abkommen zur Verteuerung von Medikamenten in Entwicklungsländern führe und die Herstellung von Generika enorm erschwere. Dadurch, so die Kritiker, würden für weit mehr Menschen lebensnotwendige Medikamente unzugänglich werden, als durch Gates’ Stiftung finanziert werden könnten.” Wikipädia.

            Beim Thema Patentschutz kenne ich mich nicht aus. Hier scheint wirklich einiges im Argen zu liegen in Punkto Marktmacht vs.sozialem Interesse. Mir fällt spontan Monsanto ein….

            Vielleicht könnten auch öffentlich-rechtliche Technologie-Zentren ein Gegengift gegen überdimensionale Marktmächte bilden. Deren Aufgabe könnte sein, kooperative Forscher und Entwickler für Projekte zu begeistern und gezielt zu fördern. Etwa Ingenieurinitiativen, die wie Wikipädia funktionieren oder das “Open Office” Projekt und die freien UNIX-Plattformen…

            • SLE - 13. September 2013

              Hallo Frankenfurter,

              die neue Konkurrenz entsteht häufig branchenextern. Aber natürlich haben Konzerne potenziell relevante Entwicklungen im Blick.

              Sofern der Staat nicht den Fokus seiner Politik von den Großunternehmen und Kostensenkung auf KMU und ökonomisch signifikante Innovationen und Qualität verlagert, wird sich nichts ändern – auch auf den Finanzmärkten nicht.

              Grüße
              SLE

          • Frankenfurter - 13. September 2013

            Wissen Sie, wie es dieser kleinen englischen Entwicklungsfirma heute geht, auf die Sie einmal verwiesen haben. Die Firma hatte einen Raketenmotor für Flugzeuge entwickelt, der mit Wasserstoff angetrieben wird. Die Vision der Ingenieure war Passagierflugzeuge mit ihren Jetmotoren auszustatten und die Zeiten für Kontinentalflüge auf ein Viertel der heutigen Dauer abzusenken. Und all das ohne schädliche Klimagase zu emittieren?

  • Roland - 10. September 2013

    Auch ein SLE kann sich offensichtlich nicht von hierzulande herrschenden Kampfbegriffen befreien.
    Es gibt auf dieser Erde keinen Kommunismus und daher auch keine “kommunistischen Staaten”. Kommunismus nach Marx bedeutet nämlich das “Absterben des Staates”, eine “Selbstorganisation der Produzenten” nach “Jeder nach seinen Fähigkeiten- Jedem nach seinen Bedürfnissen”…usw. (Ob das realistisch ist, was die kommunistischen Parteien als ihr Programm vertreten, steht dann auf einem anderen Blatt.)
    China, Kuba, Vietnam oder Nordkorea verstehen sich also definitiv nicht als kommunistisch, sondern als sozialistisch.
    Und Nordkorea in einem Atemzug mit der ehemaligen DDR zu nennen, kann man nur, wenn man von Nordkorea NULL Ahnung hat. Dieses Land baut nämlich auf konfuzianischen und shintoistischen Traditionen auf. Und die Führung spielt sehr geschickt mit diesem alten Volksglauben. Im Übrigen ist Nordkorea gesegnet mit riesigen Bodenschätzen, die sukzessive erschlossen werden. Es exportiert heute schon Kohle, Eisenerz … usw. nach China. Wirtschaftlich macht das Land eine hochinteressante Entwicklung durch.

    • SLE - 10. September 2013

      Hallo Roland,

      die wirtschaftliche Entwicklung in Nord- und Südkorea ist systembedingt sehr unterschiedlich verlaufen. In Nordkorea lebt der größte Teil der Bevölkerung in bitterer Armut. Mir ging es um den Vergleich von wirtschaftlicher Entwicklungen vor dem Hintergrund unterschedlicher Wirtschaftsordnungen, nicht um den Vergleich politischer Systeme. Dass auch ich “Kampfbegriffe” benutze, klingt ein bisschen so, als nähmen sie an, ich wolle damit eine ganz bestimmte Wirkung beim Leser erzielen. Das ist nicht der Fall.

      Viele Grüße
      SLE

      • Roland - 10. September 2013

        Hallo Stefan,
        ich unterstelle nicht, dass Du den Kampfbegriff “kommunistische Staaten” gezielt eingesetzt hast. Es war vermutlich eher verringerte Wachsamkeit gegenüber einem herrschenden Begriff, der zum Arsenal der “Sprache der Herrschenden” (Marx) gehört.

        Widerspruch: In Nordkorea lebt der Großteil der Bevölkerung keineswegs in “bitterer Armut”.
        Es hatte -wie die osteuropäischen Länder oder auch Kuba- nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion und der Wirtschaftsbeziehungen dorthin enorme Probleme, die durch die Flut-Katastrophen 1995-97 verschärft wurden. Das ist aber 15 Jahre her.
        Schule, Hochschule, Gesundheitswesen, Grundnahrungsmittel- alles kostenlos. Es gibt keine Steuern. Mieten sind lächerlich gering – oder Wohnungen auch völlig kostenlos, wie die soeben an Wissenschaftler verschenkten Neubauwohnungen in Pyongyang. Fahrzeugverkehr und Nachfrage anwachsend, sodaß die chinesische FAW ein Automobil-Werk in Rason bauen wird (letter of intend unterzeichnet), eigene Mobiltelefon-Produktion…usw……
        Nordkorea kann mehr als Atomwaffen und Weltraum-Raketen.
        http://www.rodong.rep.kp/en/

        • SLE - 10. September 2013

          Danke für die Hintergrundinfos.

          Gruß
          SLE

        • Systemfrager - 11. September 2013

          Tja,
          vergelicht man die guten Seiten des Kapitalismus mit den schlechten Seiten des Kommunismus, ist/war der Kommunismus wirklich schlecht
          Michel weiß es, naja hat er auch was verstanden, was ihm seine “Wirtschaftsexperten” analytisch streng “erklärt” haben
          :)
          Man vergelicht das röhmische und das westliche Imperium
          Irgendwann war Rom so dekandent, unmenschlich und brutal, wie der neoliberale Westen heute … dann kam eine unvorstelbar primitive Ideologie aus Jerusalem … und siegte

  • Rolmag - 10. September 2013

    Welche freie Marktwirtschaft?

    Hier doch nicht!

    In einer freien Marktwirtschaft könnte ich als Ing. F&E, voller Arbeit und von Kunden aus dem Ausland gezielt angefragt mir ein Häuschen mit Werkstatt leisten, in dieser Leistungshölle nicht. Denn in dieser Horrorwirtschaft teilt mir der omnipräsente, alles erstickende Monsterstaat eine Wohnung zu, die exakt der Nachbarwohnung entspricht, wovon seit 2000 niemand mehr arbeiten geht.

    Das ist die große Gefahr, an der auch die DDR verreckt ist, nicht nur am schlechten Plan, sondern an schlichter Arbeitsverweigerung, vor allem bei jenen Arbeitnehmern, die kreativ arbeiten, Ideen haben und führen können, die paar pro Unternehmen, ohne die gar nichts geht. Ausgerechnet die erfahren vom Umfairteilungssozialstaat ein Leben lang nur Hass und Verachtung. Dann gehen diesen menschenverachtenden Ausbeutern eben die kreativen Köpfe und Führungskräfte (siehe die Riesen-Not eine für den BER zu finden) verloren. Aber wenigstens können wir auf den Deutschland-Grabstein schreiben, das wir voll sozialverträglich eingegangen sind.

    Angesichts der menschenverachtenden Rücksichtslosigkeit, mit der die Politik auf den nicht gering verdienenden Arbeitnehmern herumtrampelt, diese in Grund und Boden tritt, empfinde ich Grundsatzdiskussionen fast als zynisch. Als hätte es den Hitler interessiert, dass mein Opa keinen Bock auf den Russlandfeldzug hatte. Die Bundessregierung behandelt mich nicht als Bürger, sondern wie einen Bezahldreck, interessiert sich nur für mein Einkommen, es mir zu stehlen und seit wann haben sprechende Sklaven etwas zu melden?

    Ein Beispiel dafür: die wollen die Reeperbahn in eine Einkaufsmeile umbauen, mit roten Kunststoffnutten als Werbung (damit die Russen und Chinesen beweisen können, dass sie da waren), eine mit nem roten “I” auf’m Schädel für Informationsstand. Dabei war eine Gruppe von Gewerbetreibenden am Tisch und drei Parteien vom Staat, die Handelskammer und noch und noch eine Kammer. Drei Viertel der Idiotenpower vom Staat, die Knete wahrscheinlich zu 95%. Für rote Kunststoffnutten und wir diskutieren über die Zukunft… Welche? Der absurd überdimensionierte Staat hat Deutschland bereits erdrückt! Zu spät, im Sinne von zu spät!

    Die sind mindestens so abgehoben und total weltfremd wie in der DDR!
    Und darum muss das System der brutalen staatlichen Ausplünderei auch erst vollständig zusammenbrechen, ehe man über etwas Besseres nachdenkt, eher lernen die es niemals.

    • SoundMoney - 10. September 2013

      Sehe ich auch so. Daher arbeite ich nicht mehr viel.

    • Frank Bell - 10. September 2013

      @ Rolmag

      Du hast das Glück gehabt, einen gut bezahlten Job zu bekommen.

      Was hat das mit einer dir zugeteilten Wohnung zu tun? Zwangswohnungen gibt es NUR für Hartz IV-Empfänger.

      Übrigens: Deine Thesen erinnern mich an “Atlas shrugged”. Bist du wirklich so neo-liberal?

    • Jan - 10. September 2013

      Hallo Rolmag,

      ich verstehe einige deiner Punkte – du möchtest für ehrliche Arbeit belohnt werden und sichtbar/fühlbar besser dastehen, als jemand, der nicht arbeitet. Soweit so gut. Allerdings suchst du dir das falsche Feindbild – genau dieses Spiel spielen die Hauptstrommedien täglich mit uns. Ein Beispiel zum verdeutlichen:
      2,5 Millionen H4ler bekommen 1000,- Euro im Monat. Das macht dann im Jahr für die 2,5mio Leute 12000 * 2,5 mio = 30 Millarden Euro

      Die Brüder Albrecht (ALDI) besitzen zusammen etwa 40 Millarden Euro. Pack da noch Susanne Klatten und die 3 SAP Gründer oben drauf und meinetwegen noch 14 Andere unserer “Leistungsträger”, dann hast du die 600 Millarden zusammen. Die erlauchten Herrschaften werden diese sicherlich besser, als mit 5% verzinst anlegen, aber bleiben wir bei 5%. 600 Millarden * 0,05 = 30 Millarden. Dies bedeutet, dass du für diese 20 genauso hart arbeitest, wie für die anderen 2,5 Millionen H4ler.

      So richtig schlimm wird es, wenn du dir nicht die Gebrüder Albrecht oder die SAP Gründer, sonder Ihre Kinder vorstellst, da diese nicht einen eigenen Handschlag für dieses “Vermögen” getätigt haben. Wie gesagt, du suchst dir das falsche Feindbild.

      Jan

      • SoundMoney - 10. September 2013

        Die Rechnung stimmt. Leider würde niemand Vermögen bilden, wenn er es nicht für sich oder seine Kinder verwenden kann! dann setze bitte eine “0″ statt 600 Mrd. in Deine Rechnung ein!

        • Ert - 10. September 2013

          @SM

          Die Kinder müssen dann aber nie wieder arbeiten – und beziehen ein Leistungsloses Zinseinkommen. Wo ist dann bitte der Unterschied zwischen H4ler und dem Aldi & Klatten Erben? Beide beziehen Leistungslose Einkommen für die die anderen Arbeiten müssen…. die einen können davon nur massivst besser leben – und die anderen kommen da nicht raus.

          • SoundMoney - 11. September 2013

            Warum soll den jemand arbeiten und Vermögen bilden, wenn er später kein leistungsloses Zinseinkommen in Aussicht hat oder dieses seinen Kindern zur Verfügung stellen kann?

            Ich hätte, wenn Deine Enteignungstheorie Realität wäre schon mit 40 aufgehört zu arbeiten. Von den Einkommenssteuern danach hätte aber der Staat dann auch nichts gesehen.

    • greg - 11. September 2013

      @Rolmag:

      Es genügte alle 10 Jahre ein Schuldenerlass…..

  • fidel - 10. September 2013

    Es geht ausschließlich darum frei zu sein oder nicht.

    Man arbeitet um zu leben. Geht vom Arbeitsertrag mehr als 70% zuerst an den Staat, kann die Gesellschaft keine freie, sondern muss eine kollektive (sozialistische) sein. Die Verantwortung für mein Leben trägt derjenige, der auch meinen Arbeitsertrag nimmt. Dass der Staat das nicht kann, zeigen alle Finanzierungsprobleme.

    Die Frage für jedes Wirtschaftssystem ist immer, wieviel Staat wir uns leisten wollen. Die sozialen Aufgaben der Gesellschaft müssen auch ohne Parlaments-Ehren-Präsidenten bezahlbar finanziert werden.

    Es ist ein Drama, dass wir aus den Trümmern 1945 etwas neues aufbauen konnten, aber offenbar nicht fähig sind, bestehenden Wohlstand zu sichern. Der Markt trägt für dieses Versagen sicher keine Verantwortung, besonders dann nicht, wenn Preise scheinbar nur eine Richtung kennen.

    • Frank Bell - 10. September 2013

      Ja, so sollten z.B. die Beiträge zur Arbeitslosenversicherung AUSSCHLIESSLICH von den Arbeitgebern bezahlt werden.

      • SoundMoney - 10. September 2013

        Und dann reduziert sich einfach das Bruttogehalt was ein Arbeitgeber bezahlen kann. Großartiger Ansatz.

      • fidel - 10. September 2013

        Dir ist schon klar, dass schon immer alle Arbeitgeberanteile der Sozialversicherung der Arbeitsstunde des Mitarbeiters aufgebrummt wurden?

        Die gesamte Sozialversicherung ist Lohnbestandteil

        Alles Gerede vom Arbeitgeberanteil ist dumme Propaganda zur Verblödung von Arbeitnehmern.

  • Traumschau - 10. September 2013

    Hallo und vielen Dank für den Beitrag!
    Wenn ich Stefan richtig verstanden habe, dann ist ein Kernproblem die Machtkonzentration. Dadurch werden Marktmechanismen außer Kraft gesetzt, die großen Player machen sich – mit Hilfe williger Politiker – ihre Gesetze selber. Das gleiche trifft auf unser Geldsystem zu! Die Macht wird mißbraucht. Wir sehen die Auswirkungen der Finanzkrise, die dazu führte, dass die Allgemeinheit für die Schulden einer reichen Elite aufkommt. Man muss immer Schuldner finden, wenn Gewinne realisiert werden sollen. Jetzt hat man sie gefunden: Die Steuerzahler in Europa – zumindest die “unteren” 90%! Der Rest feiert Party! Was kann man daran ändern?
    Offensichtlich ist es notwendig, die gleiche Augenhöhe der Akteure wieder herzustellen, z.B. die zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber! Die Kapitalelite manipuliert mit ungeheuren Geldsummen, auch “Spielgeld” genannt, Kurse und bestimmt faktisch darüber, wer Ressourcen bekommt, wer verhungert und wer leben darf. Wir haben Politiker, die schlicht und ergreifend nicht viel zu melden haben und nur den Willen der großen Player vollziehen. Ein anderes eindrückliche Beispiel ist der NSA-Skandal, wo seitens der Regierung festgestellt wird, sie sei gar nicht zuständig!! (Merkel und der stellvertretende Regierungssprecher). Solange der breiten Öffentlichkeit nicht klar wird, wer uns hier lenkt, ist m.E. jede Diskussion über Wirtschaftsmodelle müßig. Zuerst muss die Machtfrage geklärt werden.
    Wie verhindert oder beseitigt man Machtkonzentration und die Okkupation unseres Geldsystems zu Lasten der Allgemeinheit? Wie kriegt man den Geist wieder in die Flasche? Vielleicht nach einem großen Crash – aber auch das hilft ja dann nicht weiter bzw. würde es keinen Neuanfang geben können, wenn immer noch alle glauben, die Politik entscheidet und man müsse nur andere Politiker wählen! Damit hätte man nichts gewonnen und die herrschenden Kräfte würden das alte System nur neu aufsetzen. Was wir zunächst brauchen ist eine neue Aera der Aufklärung! Die schreitet allerdings voran – das kann man aktuell am Beispiel Syrien-Konflikt sehen. Zumindest ist das derzeit meine Beobachtung und Einschätzung.
    LG Traumschau

    • MartinR - 10. September 2013

      Deine Ausfuehrungen unterschreibe ich.

      Ergaenzend, mit am wichtigsten, global ein Steuersystem wieder herzustellen. Wenn Konzerne keine Steuern mehr zahlen, gehen Staaten und Solidaritaet frueher oder spaeter in die Knie. Wie ernsthaft werden die aktuellen Anstrengungen der Staaten gegen die Schlupfloecher wirklich betrieben?

      Steinbrueck wollte mit der Cavallerie in die Schweiz einziehen. Auf der anderen Seite gruendete die West-LB eine Niederlassung auf den Cayman Islands waehrend seiner Zeit als NRW-Ministerpraesident…

    • Freiberufler - 10. September 2013

      Hallo Traumschau,

      “Wie verhindert oder beseitigt man Machtkonzentration und die Okkupation unseres Geldsystems zu Lasten der Allgemeinheit?”

      Ganz einfach: Politiker entmachten und ihnen die Kontrolle über das Geld weg nehmen. Niemand kauft einen Politiker, der nichts zu sagen hat. Es lohnt sich einfach nicht.

  • Frank Bell - 10. September 2013

    @ Sound Money

    Die Person, die den goldgedeckten Liberty Dollar in Umlauf gebracht hat, ist inzwischen im Knast.

    So funktioniert der Neo-Liberalismus in den USA!

    • SoundMoney - 10. September 2013

      In DE funktioniert es auch nicht besser… Im Gegenteil. Statt mehrere Währungen auf einem Gebiet haben wir eine Währung die wir uns mit anderen Ländern teilen, was den Wettbewerb/die Transparenz noch weiter reduziert.

  • Hermann Keske - 10. September 2013

    Die Suche nach einem Dritten Weg ist auch nach meiner Auffassung die alles andere überragende politische Aufagabe – alles, was sonst geschieht, ist nichts anderes als Gewurschtel ohne Konzept und Ziel, hilflose Fortsetzung dessen, was bisher in der Hauptsache getan worden ist, und vor allem Zeitvergeudung, obwohl wir auf einen Zusammenbruch zusteuern.

    Unsere derzeitige Wirtschaftsform mit kapitalistischer Markt- und Wettbewerbswirtschaft, dem fiat-money-System der privaten Geldschöpfung und der ungehemmten Staatsverschuldung hat starke Ähnlichkeit mit einem riesigen Schneeballsystem, das dank seiner demnächst vollendeten Ausbreitung über die ganze Welt den Punkt seines unvermeidlichen Zusammenbruchs erreicht haben wird.

    Von Demokratie ist kaum noch die Rede. Die politische Kaste hat den Staat – in fast allen demokratischen Ländern – bereits soweit von Kreditgebern abhängig gemacht, daß, wie man gerade sehen kann, die Finanzinteressen allemal den Staatsinteressen vorgehen. Die Staaten müßten derzeit fürchten, selbst mindestens teilweise handlungsunfähig zu werden, wenn sie ihre Kreditgeber nicht am Leben erhielten. Die Bankenrettung ist auch dem Selbsterhalt unserer politischen Kaste geschuldet.

    Das ist der erste schwere Mißstand, der zu beseitigen ist. Und eigentlich ist es ein offensichtlicher Mißstand: Die Staaten haben unbezweifelbar die Möglichkeit, ihre Ausgaben durch Steuereinnahmen zu decken. Für besondere Ausnahmesituationen mag es früher einen vernünftigen Grund für Kreditaufnahmen gegeben haben. Den gibt es allerdings unter den derzeitigen Umständen nicht im mindesten. Die Schuldenaufnahme ist längst zu einem beständigen Teil der Staatsausgabenfinanzierung geworden, und das ganz ohne Not.Die Bürger der Staaten, die Griechen eingeschlossen, verfügen allesamt über genügende Mittel für die vollständig schuldenfreie Finanzierung der Staataausgaben.

    Vor diesem Hintergrund bewegen sich die Verantwortlichen im Bereich der strafrechtlichen Untreue. Sie belassen es in Deutschland z.B. bei einer durchschnittlichen Besteuerung der Unternehmens- und Vermögenseinkünfte von nicht einmal 25 % und nehmen anschließend direkt oder auch mittelbar bei denen, die sie pflichtwidrig vor einer angemessenen Besteuerung ihrer Einkünfte verschonen, Kredite auf und zahlen dafür Zinsen. Wir regen uns darüber nicht auf, weil wir schleichend daran gewöhnt worden sind. Dabei handelt es sich bei diesem Verfahren um eine grobe Untreue den Bürgern gegenüber, deren Interessen insgesamt und verfassungsgemäß von der politischen Kaste zu wahren sind.

    Das wäre ein erster Schritt: Die Wiedergewinnung der Handlungsfreiheit für den Staat. Es gibt allerdings keine Partei, die dieses Ziel in ihrem Programm hätte. Noch gibt es dafür zu wenig Interesse. Der Weg ist weit und steinig. Aber es wird höchste Zeit, daß darüber diskutiert wird.

    • Eurelios - 10. September 2013

      Das wäre ein erster Schritt: Die Wiedergewinnung der Handlungsfreiheit für den Staat. Es gibt allerdings keine Partei, die dieses Ziel in ihrem Programm hätte. Noch gibt es dafür zu wenig Interesse. Der Weg ist weit und steinig. Aber es wird höchste Zeit, daß darüber diskutiert wird.

      Da bin ich vollkommen bei Dir.

      Es gibt allerdings keine Partei, die dieses Ziel in ihrem Programm hätte.

      Da gebe ich Dir auch Recht, nicht einmal die AfD und das sage ich als AfD-ler.

      Aber wir, zumindest die Mitglieder, sind dabei dies zu ändern durch eine andere
      basisdemokratische Hinterfragung was Politik eigentlich ist.
      Kurz gesagt ist die Politik jetzt nur noch für die wenigen “Geldeliten“ zuständig?
      Und hat sie deswegen den Bezug auf die “Normalos verloren?

      Hier ein Link aus neutraler Sicht zum deutschen Bundestagswahlkampf der auch
      die AfD mit einschließt:

      Auszug:

      Hier in Frankfurt wurde geschrien, gepredigt, geflucht und
      gelitten, gefragt und widersprochen, doziert und gegrölt. Ich
      erlebte eine Stunde mustergültiger Demokratie, wo Bürger
      über Dinge verhandelten, die wesentlich sind.

      Hier der ganze Link:

      http://bazonline.ch/ausland/europa/Merkel-Steinbrueck-Hinz-und-Kunz/story/12710981

  • Frank Bell - 10. September 2013

    @ Hermann Keske

    Jeder, der auf den Zusammenbruch wartet, wird meiner Meinung nach ewig warten. Viel zu oft wurde dieser Zusammenbruch schon vorhergesagt, und nie ist er eingetreten.

    Warum wird er nicht kommen?

    Nun, für Otto Normalverbraucher wird schon noch so etwas wie Zusammenbruch kommen. Aber dieser Zusammenbruch wird etwas künstliches, fabriziertes sein, um die Umverteilung endgültig zu sichern.

    Man wird wieder die alte Leier wiederholen, dass die Banken und das Grosskapital gerettet werden müssen, da sonst alle leiden müssten.

    Aber am Ende werden die weltweit tätigen Grosskonzerne die Macht an sich ziehen und die Regierung nur noch eine Marionette sein. Man wird froh sein, dass die Grosskonzerne das Leben irgendwie ermöglichen – eine Mittelschicht im heutigen Sinn wird es nicht mehr geben.

    Stattdessen übernehmen diese Konzerne staatliche Aufgaben, und Otto Normalverbraucher wird denken, dass Privatunternehmen sicher effizienter sind als Staatsunternehmen und alles akzeptieren.

    Wir werden allesamt Arbeitsameisen werden, vielleicht auch erst unsere Kinder. Jeder male sich diese dystopische Zukunft selbst aus.

    • Hermann Keske - 11. September 2013

      “Zusammenbruch” ist ein leicht mißverständliches Wort. Die sollte man gerade in Diskussionen mit ökonomischem Inhalt tunlichst vermeiden. Dort gibt es viel zu viele davon Deshalb muß ich nun nacherklären:

      Ich meine mit dem Zusammenbruch kein singuläres Ereignis, wie wenn ein Kartenhaus einstürzt. Ich meine einen schleichenden Prozeß, der sich allerdings, glaube ich, in der Beschleunigung befindet. Vielleicht beginnt er mit sozialen Unruhen dort, wo die Einkommens- und Vermögenskonzentration zuerst von den Betroffenen als nicht mehr hinnehmbar angesehen werden – vielleicht gibt es sogar einmal eine Partei, mit mit einem neuen Wirtschaftskonzept Wahlen gewinnt und den kapitalistiswchen Wettbewerb abschafft und wirkliche Demokratie einführt. Meine Kristallkugel sagt mir dazu nichts, und wir haben auch keine Erfahrungen dazu – dazu ist das, was wir mit Kapitalismus zusammenfassen, auch noch viel zu jung. Ich bin nur felsenfest davon überzeugt, daß diese Wirtschaftsform nicht das Ende der Geschichte sein kann – sie ist in sich widersprüchlich und zerstört sich zwangsläufig selbst.

  • JL - 10. September 2013

    Sehr geehrter Stefan L. Eichner

    Es gibt viele Theorien von vielen Theoretikern die allesamt an der Praxis gescheitert sind. Hätten sich die Jünger von Marx an dessen Theorien gehalten würde es möglicherweise noch heute Sozialismus geben und hätten die Jünger von Keynes dasselbe getan hätten wir wohl gegenwärtig kein so großes Problem, denn schließlich könnten wir dann das selbige nicht nur erkennen, sondern auch erklären und nachhaltig lösen. Dabei wissen natürlich alle wie es dazu kam, nur eben nicht, warum es überhaupt dazu kommen konnte.

    Meine Antwort hierzu ist schlicht das Wort „Gier“.

    Man kann in Theorien allesmögliche verorten nur eben nicht den menschlichen Drang nach dem mehr: mehr Reichtum oder mehr Macht- oder beides zusammen.

    Dabei sind natürlich die Erkenntnisse die zur Entstehung der Bundesrepublik Deutschland führten hilfreich. Durch die Symbiose zwischen Politik, Wirtschaft und Finanzwesen schien man im Dritten Reich die Welt erobern zu können und endete schlußendlich in einer Katastrophe.

    Genau deshalb wurden dem neuen Staat wesentliche Einflußnahmen verwehrt und durch die unabhängigen Institutionen:
    - Kartellamt
    - Bundesverfassungsgericht
    - Bundesbank
    sichergestellt.
    Nur eines hat man eben nicht sichergestellt- die Überwachung der Politik des Staates, wie dies z. B. in der Schweiz seit Jahrhunderten üblich ist.

    Im Ergebnis dessen haben wir heute dieses EU- Gebilde in dem einst nationale Überwachungsmechanismen gar nicht mehr greifen können. Selbst die Bundesbank hat in Europa nichts mehr zu melden.

    Diese immer wieder angeführte „Neoliberalisierungen“ beinhalten also tatsächlich nur die Abschaffung bestehender Regeln, die historisch begründet waren. Selbst die Trennung von Banken- und Investmentsektor in den USA hat man wider besseren Wissens abgeschafft.

    Somit verändert also nicht der Markt die Regeln sondern die Politik, der Staat also. Und dies auch noch in beidseitiger Harmonie. Die Marktteilnehmer freuen sich über die besseren Wachstumsaussichten und der Staat freut sich über höhere Staatseinnahmen im Verhältnis zur weiteren Staatsverschuldung. Nur irgendwann ist nach aller „Neoliberalisierung“ auch das schönste Wachstum zu ende, selbst das auf Kosten seiner Nachbarn oder seiner Angestellten. Das einzige was dann noch bleibt sind Schulden mit Zinseszins für Staat und Unternehmen- und natürlich die Einlagen der Sparer.

    Zu Ihren Fragen:
    1. „wovon hängt es dann ab, ob und inwieweit beides auf Märkten und in einer Marktwirtschaft realisiert ist?“

    Individuelle Freiheit und wirtschaftliche Prosperität hängen meiner Meinung nach von gleichwertigen „Spielregeln“ ab. Diese können nur kartellrechtlich vorgenommen werden. Dabei sind aber alle Arten von Bevorzugung, Subventionierung, Befreiung u. s. w. seitens des Staates zu unterlassen. Auch die Größe der Unternehmen sollte „gedeckelt“ werden um Monopolstellungen vorzubeugen, dies wäre kartellrechtlich auch jederzeit möglich.

    2. „wann, wo und wie könnte oder müsste dann gegebenenfalls der Staat Einfluss nehmen, um die wettbewerbliche Marktwirtschaft im Sinne von verbesserter individueller Freiheit und Prosperität zu stärken?“

    Der Saat sollte meiner Auffassung nach grundsätzlich keinen direkten Einfluß ausüben dürfen. Indirekt schon durch Abbau staatlicher Bürokratie und staatlicher Hürden. Was bei Einflußnahmen alles so „rauskommt“ sieht man doch beispielsweise an den fast jährlichen Schulreformen. Noch bei jedem „großem Wurf“ landete man bisher in den Pisa- Studien auf den hinteren Rängen.
    Selbst der Staat als Unternehmer ist ein einziges Fiasko. Die ehemals staatlichen Unternehmen Lufthansa, Deutsche Bahn und Deutsche Post waren alles andere als Einnahmequellen, jährlich wurden im Dreigesang Verluste verkündet.

    Fazit: Der Staat an sich denkt immer parteilich/ politisch und nicht marktwirtschaftlich. Parteiinteressen stehen hier über Fachkompetenzen. Die Annahme, daß der Staat der Denker und Lenker einer freien Marktwirtschaft ist hat sich wohl als grundsätzlich falsch erwiesen. Dies wissend hatten die Gründungsväter eben die Gewalten- und Hoheitsteilung in das Grundgesetz geschrieben, welches in einer globalisierten Welt aber bedeutungslos ist.

    Mit freundlichen Grüßen

    JL

    • Basisdemokrat - 10. September 2013

      Es gibt Fragestellungen, bei denen man das Gefühl hat, es sei alles schon gesagt. Und doch gelingt es einem nicht, die einzelnen Bausteine zu einem schlüssigen Ganzen zusammen zu fügen.

      “Wenn Märkte nicht prinzipiell selbstregulierend sind, wie die liberale klassische und neoklassische ökonomische Theorie annehmen, und es damit zusammenhängt, dass individuelle Freiheit und wirtschaftliche Prosperität durch eine liberale Politik nicht prinzipiell sichergestellt werden können,
      1. wovon hängt es dann ab, ob und inwieweit beides auf Märkten und in einer Marktwirtschaft realisiert ist?
      2. wann, wo und wie könnte oder müsste dann gegebenenfalls der Staat Einfluss nehmen, um die wettbewerbliche Marktwirtschaft im Sinne von verbesserter individueller Freiheit und Prosperität zu stärken?”

      Mir ist kein System bekannt, das über absolute Autonomie verfügt. Folgt man dieser Annahme, wird sofort evident, dass Selbstregulierung nur innerhalb eines Geltungsbereiches Gültigkeit haben kann.

      So beschreibt Nicolai Hartmann in seiner Philosophie über die Natur die “unteren” Ebenen als die Stärkeren, die darauf aufruhenden “höheren” Ebenen als die Freieren.
      Er spricht insofern von einer Überformung der unteren durch die nächst höhere.
      Pflanzliches Leben bedient sich der Mineralien etc. um seine neue Gestalt zu formen. Tierisches Leben gewinnt durch seinen Blutkreislauf Freiheit in seiner Bewegung. Wie sehr der menschliche Intellekt von seiner emotionalen Grundlage abhängen kann dürfte jedem klar sein.

      Insofern sind Märkte niemals Subjekte und eine Unsichtbare Hand religiöse Wahnvorstellung. Sie sind rückkoppelnd Regelkreis(e), deren Funktionalität prinzipiell verstanden werden kann (z.B. Wie laufen Entscheidungsprozesse? – als Untersuchungsgegenstand der Spieltheoretiker).

      In der Antike musste ein Teil der Gemeinschaften sich neue Inseln Suchen, Im wilden Westen lockten Freiheit und Abenteuer usw. . BEDINGT DURCH ZWÄNGE. Freiheit ist ohne Zwang undenkbar. Wer nach individueller Freiheit fragt muss sich Rechenschaft über die dazugehörigen Zwänge geben. Insofern impliziert schon die Vorstellung eines freien Marktes den dazugehörigen Zwang. Im Umkehrschluss bzw. analog dazu erzeugt Planender Zwang Freiheit – für wen auch immer.

      Bisher ist es immer einer kleinen Minderheit gelungen Macht über die Produktionsmittel zu bekommen, und damit Bestimmer des gesellschaftlichen Lebens zu sein.

      Ich kann es drehen und wenden wie ich will, erst wenn demokratisch über die Produktionsmittel verfügt wird ist ein größeres Maß an relativer Freiheit für viele erreichbar.

      Es sei den, wir schaffen es vorher den Weltraum zu bevölkern.
      Gruß BD

      • Bärli - 15. September 2013

        ” erst wenn demokratisch über die Produktionsmittel ”

        und das Land das unter den Produktions- und Reproduktionsmitteln und dem Müll und Schrott der kapitalistischen Lebens- und Produktionsweise begraben ist bitte nicht vergessen.

    • SLE - 10. September 2013

      Hallo JL,

      im Wesentlichen haben Sie vollkommen Recht. Was wir heute haben, ist keine von effektivem Wettbewerb gesteuerte, sondern eine oligopolsierte Marktwirtschaft mir einer erheblichen Macht- und Kapital Konzentration. Unter solchen Bedingungen bricht sich erst die Gier ihre Bahn und ufert der Lobbyismus aus, so wie umgekehrt unter solchen Bedingungen auch erst die Klientelpolitik ausufert. Große Marktakteure, mächtige Interessengruppen können die Politik korrumpieren und wir wissen heute nur zu gut, dass es immer so ist. In einer kleinteiligeren oder zumindest weit weniger konzentrierten Wirtschaft kann es all das in dieser exzessiven und überaus schädlichen Form, so wie wir es heute beobachten, nicht geben.

      Sie sagen, der Staat kan die Marktwirtschaft nicht lenken und ich stimme darin völlig mit ihnen überein. Es ist aber eben nicht so, dass sich wettbewerbliche Märkte im selbsttätig regulieren und für eine dynamische Machtbalance sorgen, die uns gesamtwirtschaftlich voranbringt und jedem dieselben fairen Chancen garantiert. Das war bisher der große Irrtum. Das Schlagwort dafür ist die Annahme, Märkte seien prinzipiell effizient. Das stimmt eben leider nicht.

      Genau deswegen kommt aber dem Staat auch eine viel größere Bedeutung dabei zu, sicherzustellen, dass effektiver, fairer Wettbewerb existiert. Wenn das Kind in den Brunnen zu fallen droht oder, wie heute, bereits hinein gefallen ist, kann man verfestigte oligopolistische Strukturen mit Rahmensetzung, sprich Regulierung und einer Politik, die alle Akteure gleich behandelt, das heißt niemanden bevorzugt oder schlechter stellt, nichts erreichen. Entweder muss man die Oligopole zerschlagen – was die härteste Maßnahme wäre – oder man muss eine Politik betreiben, die die Wiederherstellung eines effektiven, fairen Wettbewerbs stützt. In einer oligopolisierten, von Konzernen beherrschten Welt könnte das auch durch die gezielte Ausrichtung der Rahmenbedingungen zugunsten kleiner und mittelständischer (insb. innovativer) Unternehmen bedeuten und es könnte auch deren aktive Stützung im Wege von Fördermaßnahmen bedeuten. Es müsste beispielsweise auch darauf geachtet werden, dass man nicht Regeln und Maßnahmen ergreift oder wirksam bleiben lässt, die Großunternehmen und Konzerne im Kostenwettbewerb unterstützen.

      Das alles ist keine wirtschaftsliberale Politik. Denn sie ist mithin interventionistisch und sie differenziert Maßnahmen nach der Unternehmensgröße, Sektor und Region. Gleichwohl wäre dabei aber das Ziel – im Unterschied zur klassischen Industriepolitik – keine Marktlenkung mit dem “goldenen Zügel”, sondern diente alleine dem Zweck, effektiven, fairen und dynamisch-innovativen Wettbewerb zu erhalten oder herzustellen, weil der Wettbewerb – anders als die liberale Marktlogik suggeriert – nicht prinzipiell selbstregulierend ist. Wettbewerb verändert sich, nicht jede Form von Wettbewerb entfaltet positive Wirkungen für die Freiheit und die Gesamtwirtschaft, für Wachstum und Entwicklung. Er kann auch zum Erliegen kommen.

      Dem müssen wir Rechnung tragen und die Politik für die Marktwirtschaft kann nur so gut sein, wie wir die wettbewerbliche Marktwirtschaft verstehen.

      Viele Grüße
      SLE

      • Freiberufler - 10. September 2013

        Eines ist klar: Politiker, an denen Preisschilder hängen, werden niemals gegen die Interessen ihrer Eigentümer agieren. Ich behaupte daher, dass jede Form von wirtschaftlicher Lenkung, und sei sie noch so wohlklingend vorgetragen, im Ergebnis damit endet, dass die fetten Kühe gemästet werden.

        • SLE - 11. September 2013

          Wir befürchten das Schlimmste und hoffen stets das Beste.

          Gruß
          SLE

      • Systemfrager - 11. September 2013

        >>> Es ist aber eben nicht so, dass sich wettbewerbliche Märkte im selbsttätig regulieren und für eine dynamische Machtbalance sorgen, die uns gesamtwirtschaftlich voranbringt und jedem dieselben fairen Chancen garantiert. Das war bisher der große Irrtum. Das Schlagwort dafür ist die Annahme, Märkte seien prinzipiell effizient. Das stimmt eben leider nicht. Genau deswegen kommt aber dem Staat auch eine viel größere Bedeutung dabei zu, sicherzustellen, dass effektiver, fairer Wettbewerb existiert.

        GROßARTIG!
        Es fehlt nur etwas. Ein effektiver Wettbewerb reicht nicht aus. Die freie Marktwirtschaft ist ein unstabiles System (wie viele, die man aus der Technik und Biologie kennt), deshalb muss der Staat auch für eine zusätzliche Nachfrage sorgen.

        EINE GUTE (aber nicht die beste) MÖGLICHIET WÄRE: GELD
        Eine lange Beobachtung des Warentausches hat schon die klassischen Ökonomen auf den Gedanken gebracht, das Geld mit dem Öl der Wirtschaft vergleichen: Das Geld sei ein Mittel, mit dem die ökonomische Maschine geschmiert wird. Dieser Vergleich muss aber weiter geführt werden. Die Wirtschaft ist genauer gesagt eine Maschine, die ständig Öl verliert, das folglich ständig ersetzt werden muss, soll sie sich nicht festfressen. Aus gutem Grund hat Keynes also vorgeschlagen, von diesem Standpunkt aus eine neue Geschichte der Wirtschaft zu schreiben: die sumerische und die ägyptische Zivilisation durch arabisches Gold, Athens Größe mit den Silberminen von Laurium, Roms Macht durch Alexanders Plünderung der persischen Bankreserven und die Stagnation des Mittelalters auf die schmale Versorgung Europas mit Währungsmetallen zurückzuführen. Das hat sich nach der Entdeckung der neuen Kontinente schlagartig geändert, als große Mengen von Edelmetallen nach Europa zu fließen begonnen haben. Erwähnen nur einige berühmten Namen, die die Silber- und Goldschwämme aus der neuen Welt als einen entscheidenden Faktor für die Entstehung des westlichen Kapitalismus erkannt haben. Schumpeter schrieb, dass das, was „der Aufstieg des Kapitalismus genannt wird, grob gesprochen mit dem Zufluß von Silber aus den Potosi-Gruben und mit einer politischen Situation zusammenfällt, in der die Ausgaben der Fürsten gewöhnlich ihre Einnahmen überstiegen“. Auch die Historiker haben diesmal – was wahrhaftig nicht oft vorkommt – den Ökonomen Recht gegeben. „Europa erlebte im 16. Jahrhundert eine fortgesetzte Inflation von nie dagewesenen Ausmaßen. … Steigende Preise regten eine allgemeine Ausweitung der Geschäftstätigkeiten an, … Der enorme Preisanstieg findet seine Erklärung zum Ziel in dem Einstrom von Edelmetallen, insbesondere Silber, aus der neuen Welt: In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts befand sich die Weltwirtschaft in einer Phase der Silberinflation … [so] daß das gesamte Produktionsvolumen nicht ausgereicht zu haben scheint, um der Nachfrage völlig zu entsprechen. In den ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts verlangsamte sich das Tempo. Preise begannen nachzugeben … die Jahre um die Mitte des 17. Jahrhunderts haben eine Verfalls- oder Stagnationsphase eingeleiten, die für den Rest des Jahrhunderts andauerte.“ Erwähnen wir auch noch David Hume, der diesen Ereignissen zeitlich nahe stand. Er vertritt eine starke Version von der Neutralität des Geldes wie Friedman, gibt aber trotzdem zu, dass „seit der Entdeckung der Minen in Amerika der Fleiß in allen europäischen Nationen zugenommen hat … und dies kann neben anderen Gründen sicher der Zunahme von Gold und Silber zugeschrieben werden“. Auch der bekannte Soziologe Norbert Elias, der sich mit der mittelalterlichen Gesellschaft und ihrem Wandel zur Industriegesellschaft eingehend beschäftigte, lässt nicht den geringsten Zweifel daran zu, dass dieser „Zustrom von Edelmetallen als Katalysator wirkte. Der Gold – und Silberregen brachte viele Keime, die in der Entwicklung abendländischer Gesellschaften angelegt waren und die ohne diesen Regen wahrscheinlich weit langsamer ins Wachsen gekommen und vielleicht zum Teil verkümmert wären, zur Entfaltung“. Die Goldschwämme begann schon seit den ersten Konquistadoren, als nur das vorgefundene Gold den Indianern einfach geraubt worden war. Dann hat Goldrausch immer mehr Abenteurer zu den Goldfeldern in der neuen Welt gelockt, die dort ihr Glück zu finden suchten. In dem 19. Jahrhundert stieg die Goldproduktion erheblich. Von geschätzten 15 Tonnen jährlich Anfang des Jahrhunderts auf etwa 160 Tonnen jährlich ab 1850. Das ist eine Steigerung fast um Tausend Prozent. In den Jahren 1901 bis 1910 wurden gar 567 Tonnen jährlich produziert. Das ist eine Steigerung um 3.680 Prozent, bezogen auf den Anfang des Jahrhunderts. Kein Wunder also, dass sich gerade in diesem Jahrhundert der Goldstandard etabliert hat.

        • Huthmann - 11. September 2013

          Daß die Ausweitung der Silber- und Goldmenge diese Auswirkungen auf das Angebot und somit das Wirtschaftswachstum haben konnte, ist schon bemerkenswert. Offensichtlich waren sich die meisten Wirtschaftssubjekte nicht darüber im Klaren, daß der Wert des Edelmetalls mit der Vergrößerung seiner Menge sinken muß.

          Heute geht dieses Spiel ja Gott sei Dank nicht mehr so einfach. Die Wirtschaftssubjekte sind grosso modo in der Lage, ihre Erwartungen über die Inflation zu bilden. Noch in den 70er Jahren glaubte man allerdings, über Preisinflation durch Nachfrageerhöhung des Staates das Angebot wachsen zu lassen, unter der Voraussetzung, daß die Arbeitnehmer erst 1-2 Jahre später eine Einkommensanpassung erfahren.

          • Systemfrager - 11. September 2013

            >>> daß die Arbeitnehmer erst 1-2 Jahre später eine Einkommensanpassung erfahren.
            Ja, zuerst müssen die Löhne real fallen, dann könnte die Wirtschaft wachen
            Mein Freund, das ist nur eine der neolibaren Idiotien

            Manche Vertreter des „Nutzprinzips“ haben Ernst mit ihrer Auffassung gemacht, indem sie die Folgerung gezogen haben, daß die Nationalökonomie zu einer allgemeinen „Genußlehre“ auszubauen sei. Der erste, der diesen Gedanken gefaßt hat, ist wohl der geniale Idiot Hermann Gossen gewesen, dessen Werk über „Die Gesetze des menschlichen Verkehrs“ die Veranlassung zu allem möglichen Unfug geworden ist.

            Werner Sombart, ein deutscher Nationalökonom, Soziologe und Historiker
            weiter >>>
            http://forum-systemfrage.de/Aufbau/ba/33d/ba33d.php?df_name=baDF30&tbch=ba&schp=fruelib&ordner=33d
            siehe Bsp Taiwan

          • Huthmann - 11. September 2013

            Zu Ihrer Antwort:

            sorry, aber das ist mein Kenntnisstand, wie die Sache in den 70ziger Jahren angegangen wurde nach dem Motto: lieber 5 % Inflation als 5 % Arbeitslosigkeit.

            MfG

          • Systemfrager - 11. September 2013

            >>> lieber 5 % Inflation als 5 % Arbeitslosigkeit.
            Das ist ein falsch verstandener Keynes
            Nach Keynes soll der Staat was mit dem Geld machen (Straßen, Schulen, …) und nicht nur immer mehr Geld “drucken”

      • JL - 11. September 2013

        Hallo SLE,

        herzlichen Dank für Ihre Einlassungen bei denen Sie unter anderen ausführten:

        ….“Es ist aber eben nicht so, dass sich wettbewerbliche Märkte im selbsttätig regulieren und für eine dynamische Machtbalance sorgen, die uns gesamtwirtschaftlich voranbringt und jedem dieselben fairen Chancen garantiert…“

        Da haben Sie meiner Meinung nach vollkommen Recht. Wie ein altes Sprichwort so sagt „Geld verdirbt den Charakter“.

        Der freie Markt ist nur einem Gott hörig und dieser trägt den Namen Mammon. Es wird marktwirtschaftlich viel über Gewinn, Rendite oder Gewinnprognosen geredet, nur über eines nicht- Moral.
        Und genau hier kommt die Judikative ins Spiel. Diese setzt gesetzliche- letztlich auf moralische Grundwerte beruhende.- Rahmenbedingungen, Schranken oder auch Einschränkungen und Verbote. Der freie Markt wird also moralischen Regeln und Zwängen zumindest hierzulande unterworfen. Ein bedauerliches Beispiel hierzu ist Contergan. In Deutschland und dem Rest der westlichen Welt schon längst verboten wird es in Brasilien noch immer verabreicht- an die ärmsten.

        http://www.google.de/url?sa=t&rct=j&q=contergan%20brasilien&source=web&cd=3&cad=rja&ved=0CDsQFjAC&url=http%3A%2F%2Fnetzfrauen.org%2F2013%2F08%2F23%2Fcontergan-skandal-geht-weiter-brasiliens-neue-contergan-kinder%2F&ei=_KIwUp7qEobIhAegwYGoBw&usg=AFQjCNEMarh-oee4hxKheFs5EC7X9_VVVA

        Ergo: Der Staat an sich kann also gar keine marktwirtschaftlichen Rahmenbedingungen für freie Marktwirtschaften schaffen, weil der Staat an sich nicht moralisch ist. Wäre der Staat moralisch gäbe es zum Beispiel auch keine Kriege.

        Richtig und Ihrerseits auch klar aufgezeigt ist die eigentliche Aufgabe des Staates die innere wie auch äußere Sicherheit zu gewährleisten und durchzusetzen- und keine Glühlampenvorgaben in meiner Wohnung.

        Mit freundlichen Grüßen

        JL

  • dicke Bertha - 10. September 2013

    Sie können uns nicht erklären, warum Deutschland zwischen 2009 – 2014 1300 Milliarden Euro Kapital exportieren wird.

    Sie können uns nicht erklären, warum in Deutschland nicht mehr in Sachkapital, Infrastruktur, Ausbildung, … investiert wird.

    Denn diese Größen bestimmen das zukünftige Einkommen der nächsten Generationen.

    Sie können uns nicht erklären , warum sich die Elterngeneration so leicht betrügen läßt.

    Versteht die Elterngeneration nicht, dass ihre privaten Kapitalanlagen, dazu beitragen die Löhne der nächsten Generation zu drücken.

    Es wird ja nicht zusätzlich in Deutschland in Sachkapital investiert, sondern es wird auf Konsum verzichtet ohne das jemals Waren im gleichen Gegenwert nach Deutschland zurückfliessen werden.

    Hunderte Milliarden Euro sind dort verloren gegangen.

    Entweder war es dumm freiwillig den Gürtel enger zu schnallen, oder der Staat hat aktiv in die Einkommensverteilung eingegriffen.

  • Zorro - 11. September 2013

    Mir fällt, bei der allgemeinen Ratlosigkeit, die hier selbst unter den “erfahrenen Schreiberlingen” herrscht, nur noch eine Lösung ein:

    Wiedereinführung der Monarchie…! ;-)

    Um dem wirklich staubtrockenen Thema etwas Pfiff zu verleihen, hört euch mal die “klare Form” der Volkswirtschaftlehre & Politik von Volker Pispers an:

    http://www.youtube.com/watch?v=cRSDSPczjEE

    …Beste Idee: Wie ermittelt man die anonymen griechischen Villenbesitzer? …Klasse Lösung!

    Hoffe ich konnte auch Sie, verehrter SLE, zum Schmunzeln verleiten…! …OT Ende

  • fidel - 11. September 2013

    …weil es keine Garantie gibt, dass die das Gemeineigentum verwaltenden Menschen dauerhaft redlich oder qualifiziert sind – ist möglichst viel Privateigentum -für jeden- alternativlos.

    Nicht das Private klüger wären, nur sind Ursache und Wirkung eng verknüpft.
    Das einzige das Private brauchen ist Sicherheit gegen jede Form von Kriminalität.

    Markt haben wir sowieso immer und überall, selbst der Sozialismus muss das Gesetz der Rentabilität respektieren, oder geht pleite.

    ..und weil reiner Altruismus nicht überlebensfähig ist, muss man den Menschen gestatten egoistisch für ihr Wohl zu arbeiten.

    Was wir jetzt haben sind parasitäre Eliten, frustrierte Leistungsträger, mit Verschuldung gekaufte Wähler und vollkommen unrentable Gesellschaften.

    Frederique Bastiat:
    ” Der Staat ist die große Illusion, nach der jedermann auf jedermanns Kosten leben kann. “

    • Systemfrager - 11. September 2013

      Frederique Bastiat
      Ach was
      Der hat noch viel mehr Unsinn verzapft
      :)
      Marx konnte genüsslich über seine Volidiotien lachen

    • Querschuss - 11. September 2013

      Hallo Fidel,
      dein Kommentar enthält einen guten Schuss an Polemik, du schreibst selbst, Private brauchen Sicherheit gegen jede Form von Kriminalität, also braucht man eine Polizei, eine Justiz, einen Strafvollzug, Resozialisierungsprogramme, eine Gewaltenteilung usw. Die Beteiligten dieser benötigten Strukturen leben nicht auf Kosten von Jedermann, sondern sie leisten einen wichtigen Beitrag für die Sicherheit und erbringen damit eine Leistung die für Jedermann unabdingbar ist und für Jedermann einen Wert haben muss. Dies schließt natürlich nicht aus, dass es in staatlichen Strukturen Fehlentwicklungen und auch Machtmissbrauch gibt. Genau deshalb ist ja eine klare Gewaltenteilung und eine unabhängige Justiz wichtig.

      Wenn allerdings Private ihre Sicherheit individuell sichern und die hier genannten staatlichen Aufgaben in die eigene Hand nehmen, kannst du Rechtssicherheit und Rechtsstaatlichkeit vergessen, denn Private dürften im Zweifel immer vor allem ihr eigenes Wohl im Sinne haben. Die Sicherheit in privaten Händen würde schnell zu latent paramilitärischen Strukturen führen.

      Genauso gibt es viele gute Gründe für ein staatliches Engagement in Infrastruktur, Bildung- und Gesundheitssystem und Energie- und Wasserversorgung, was natürlich nicht heißt, das man diese Sektoren nicht durch privaten Komponenten ergänzen sollte.

      Gruß Steffen

      • fidel - 12. September 2013

        Hallo Steffen,
        ganz unabhängig von der Organisationsform müssen die Leistungen bezahlbar sein. Wenn wir von neuen Schulden abhängig sind, läuft etwas gewaltig schief.

        Alle Bereiche, die wir dem Staat anvertrauen haben ein gemeinsames Problem – die Kalkulation der Preise. Preise können nur im Wettbewerb gefunden werden, sonst entspringen sie einem Plan/Etat. Die stete Inflation der Preise in den staatl. dominierten Bereichen macht es Bürgern im Wettbewerb schwer, die Schere zwischen privater Deflation (Kaufkraftverlust) und staatl. Inflation (Kostensteigerung im Gesundheitswesen) zu schließen.

        Die einfachste Lösung wäre, dass Alle beim Staat arbeiten, gerechten Lohn erhalten und Wohlstand teilen- das ist ironisch gemeint.

        Angesichts der versagenden Eliten in Europa und der BRD, meine Kritik als Polemik zu disqualifizieren ist zu kurz gedacht. Auch die Leistungsträger in den öffentl. Verwaltungen und soz. Dienstleistungen sind frustriet ohne Ende.

        Gruß Fidel

        • Querschuss - 12. September 2013

          Hallo fidel,
          versagende Eliten sind nicht nur Teil öffentlicher Verwaltungen, sondern auch von Konzernen, Banken, Ratingagenturen und anderer privatrechtlicher Konstrukte. Ich denke nicht das die Leistungen des öffentlichen Dienstes nicht bezahlbar sind, weil z.B. Polizei, Lehrer usw. zu viel verdienen. Ich glaube auch nicht das die obersten 10% der privaten Haushalte in Deutschland zu viel zur Finanzierung des Staates herangezogen werden und dies ihre Leistungsbereitschaft mindert. Im Gegenteil die obersten 10% haben so viel Vermögen angehäuft wie nie zu vor. Ihr Geldvermögen konnte nur so stark anwachsen, weil andere volkswirtschaftliche Sektoren, in Deutschland der Staat und das Ausland adäquat Geldschulden machten.

          ”Der Staat ist die große Illusion, nach der jedermann auf jedermanns Kosten leben kann.“ So ein Zitat ist für mich undifferenzierte pure Polemik, selbst das Gesundheitswesen generiert nicht nur Inflation, sondern eben auch medizinische Leistungen und eingesetzte Therapien und Technologien auf einem leistungsfähigen Stand wie nie. Innerhalb des Gesundheitswesen gibt es überwiegend privatrechtliche Konstrukte, die von der Entwicklung profitieren. Das Problem sind weder per se die das “Gemeindeeigentum verwaltenden Menschen” noch machen Private immer alles besser, gar günstiger. U.a. ist ein Problem, das Interessengruppen privatrechtlicher Monopole staatliche Strukturen per Lobby-Arbeit zu ihren Gunsten beeinflussen und unterwandern und das in Bezug auf den Finanzsektor, Pharmaindustrie, dem militärisch industriellen Komplex und anderes die Interessen der monopolistischen Großkonzerne mit denen des Staates bereits verschmelzen.

          Gruß Steffen

          • fidel - 12. September 2013

            Hallo Steffen

            Niemand sagt die Leistungsträger des öffentl. Dienstes verdienten zu wenig, gerade sie werden gemäß Etat zu gering geachtet.

            Tatsache ist, dass der Bundeshaushalt zu etwa 30% an die Rentenkasse geht, weil es die politische Elite in der Vergangenheit vorzog, versicherungsfremde Leistungen der Solidargemeinschaft aufzubürden. Diese 100 Mrd. € Zuschuss an die Rentenkasse fehlen an anderer Stelle wieder. (Maastricht 3% ca. 75Mrd…)

            Der Unterschied zwischen privaten und politischen Eliten war bisher, dass die Privaten ihre Dummheit durch Kapitalverlust zu tragen hatten. Das hat sich geändert, weil die politischen Eliten keine gesellschaftlichen Veränderungen wollen. Die Solidargemeinschaft wurde wieder missbraucht. (Bankenrettung, Abwrackprämie u.v.a.m.)

            Der Kaufkraftverlust der vergangen 20 Jahre kommt zum großen Teil aus der Unfähigkeit die Preissteigerungen im staatlichen Sektor zu beherrschen. Die kalte Progression kommt hinzu u. ist grausam leistungsfeindlich für die Masse der fleißigen Normalverdiener.

            Wie in allen Bereichen führen Innovationen zu Preissenkungen, komischerweise nur nicht in den vom staatlichen Etat verwalteten. Das mag viele freuen, kostet uns aber jene Konkurrenzfähigkeit, die an anderer Stelle mit fehlendem Lohnzuwachs eingesammelt wird.
            Dabei möchte ich betonen, dass nicht nur die Löhne zu gering sind, sondern viele Preise zu hoch. Es wäre dem Verbraucher schon geholfen, wenn er seine Kaufkraft aus den 80ern hätte erhalten können…

            Der Grund für viele Probleme ist der Kooperatismus zwischen Politik und Wirtschaft. Gemeinsame Interessen sorgen für weniger Wettbewerb, Marktmonopole und staatlichen Zwang, wo Verbraucher oder Arbeitnehmer verweigern würden. Mehr Verantwortung für den Staat, wird diesem Problem sicher nicht gerecht. Mehr Verantwortung für die Individuen wäre nicht schlecht, für eine Gesellschaft mündiger Bürger.

            Der Verweis auf die 10% der Bevölkerung, die die meisten Geldvermögen besitzen ist nett. Das war in der DDR zur Wendezeit ganz genauso (SZ). Sich von den 0.1% der Gesellschaft die mehr als 6000€ im Monat zum Leben haben (SZ), den sozialen Durchbruch zu versprechen ist nicht real. http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/politologe-klaus-schroeder-zum-reichtumsbericht-wirklich-reich-sind-nur-die-oberen-prozent-1.1471888

            Das Zitat stammt von Frederique Bastiat, einem französchem Aufklärer, dessen Eltern gulliotiniert wurden. Sich kritisch mit einem Herrschaftssystem auseinander zu setzen sollte Staatsbürgerpflicht sein. Sonst wählen wir den Bock zum Gärtner.

            • Querschuss - 13. September 2013

              Hallo fidel,
              “Der Verweis auf die 10% der Bevölkerung, die die meisten Geldvermögen besitzen ist nett. Das war in der DDR zur Wendezeit ganz genauso (SZ).” … Der Verweis ist nicht nur nett, sondern vor allem relevant, denn die Einkommens- und Vermögensverteilung ist ein zentraler Punkt in Punkto Ungleichgewichte und zugleich starker Hemmschuh einer positiveren wirtschaftlichen Entwicklung. Daran ändert auch der Versuch nichts, den aktuellen Status Quo mittels der Verteilung von ausschließlich DDR-Sparguthaben zu relativieren. Die heutige Konzentration von Einkommen und Vermögen (Geld- und Sachvermögen) in wenigen Händen ist Spiegelbild der monopolistischer Strukturen und das Millionen deutscher Arbeitnehmer nicht an Produktivitätsfortschritten und Exporterfolgen angemessen partizipieren und dies wiederum ist eine der Grundlagen des einseitigen Exportmodells. Das angehäufte Geldvermögen weniger privater Haushalte entspricht immer den Geldschulden anderer privater Haushalte oder anderer volkswirtschaftlicher Sektoren. Ein Blick auf die Finanzierungsrechnung als Teil der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung ist unter diesem Aspekt sehr erhellend.

              “Sich kritisch mit einem Herrschaftssystem auseinander zu setzen sollte Staatsbürgerpflicht sein. Sonst wählen wir den Bock zum Gärtner.” … Habe ich was verpasst, der Bock ist doch schon längst Gärtner, denn ob nun unter SPD/Grüne, CDU/SPD oder zuletzt CDU/FDP, die Fehlentwicklungen ob in Deutschland oder der Eurozone wurden nicht korrigiert, gar bereinigt, sondern stetig befeuert. Die Parteien so wie sie sich darstellen sind ja wohl eher Teil des Problems als Teil der Lösung. Insofern wage ich den “mutigen” Blick in die Zeit nach der Bundestagswahl, weder Bock noch Gärtner werden das Ruder herumreißen :)

              Gruß Steffen

          • JL - 12. September 2013

            Hallo fidel,

            man kann nicht alles marktwirtschaftlich unterordnen. So sehr ich den Rückzug des Staates als „Marktregulator“ auch begrüßen würde, es gibt Dinge die nichts auf dem Tummelplatz von Finanzwetten, Anlagen, Renditeerwartungen oder Marktstrategin des freien Marktes verloren haben- rein schon aus moralischen Gründen.

            Dazu zählen zum Beispiel Grundnahrungsmittel, auch Wasser ist übrigens ein Grundnahrungsmittel. Mir kann keiner erzählen, daß Spekulationsgewinne, welche auf Hunger und Durst beruhen, „normale Anlageformen“ sind.

            Toll ist es auch, wenn die Schulbildung der eigenen Kinder einmal unter Betrachtung der Renditeerwartungen eines Konzerns vorgenommen wird, wollen Sie das?

            Und bei dem Thema Gesundheitswesen könnten Sie sich einem Selbsttest in den USA unterziehen. Dort fragt man zu forderst nicht was Ihnen bei einer ernsthaften Erkrankung oder einem Unfall fehlt, sondern ob Sie versichert sind, schließlich muß man unnötige Kosten vermeiden- der Rendite wegen. Sind Sie nicht versichert ist das schlecht für die Rendite- für Sie dann übrigens auch.

            Mit freundlichen Grüßen

            JL

        • Hermann Keske - 13. September 2013

          “Alle Bereiche, die wir dem Staat anvertrauen haben ein gemeinsames Problem – die Kalkulation der Preise. Preise können nur im Wettbewerb gefunden werden, sonst entspringen sie einem Plan/Etat.”

          Wieso? Wieso können Preise nur “im Wettbewerb gefunden” werden? Das hört sich nach v.Mises an und ist schlichter Nonsens.

          Die Preise werden bei allen Produzenten und Anbietern kalkuliert und gefunden, in dem man die Herstellungskosten ermittelt und mögliche weitere Kosten (z,B. die des Vertriebs und der Werbung) sowie einen Gewinnaufschlag (bei gewinnorientierten Anbietern) addiert.

          Wo ist das Problem? Wieso soll ein Staat als Anbieter von Waren oder Dienstleistungen nicht zu etwas in der Lage sein. wozu jeder Kleinbetrieb in der Lage ist?

          Und wieso soll dazu “Wettbewerb” nötig sein? Wettbewerb mag die Anbieter veranlassen, ihre Preise gegebenenfalls zu verändern, wenn sie ihre Waren oder Dienstleistungen nicht oder nicht in ausreichendem Umfange verkaufen können – aber das hat doch mit der ursprünglichen Preisbestimmung durch den Hersteller oder Anbieter allenfalls marginal zu tun. Niemand wird doch ernsthaft bezweifeln wollen, daß ein Monopolist – gänzlich ohne Wettbwerb – in der Lage ist, einen Preis zu finden – oder doch?

          Preise werden durch Kalkulation gefunden. Das ist alles – und kalkulieren kann der Staat genauso gut wie jeder sonstige Güterhersteller.

    • Bärli - 15. September 2013

      “und weil reiner Altruismus nicht überlebensfähig ist, muss man den Menschen gestatten egoistisch für ihr Wohl zu arbeiten. ”

      Na wenn Sie das so sagen, dann wird das wohl so stimmen…

      Das kläffende und beißende Konkurrenzsubjekt, zu dem die MArktwirtschaft das Individuum degradiert, wird dzum Naturgesetz des menschlichen Bewußtseins, und somit die eindeutig HISTORISCHE (anm.: unsere Gesellschaftsform ist ein modernes KONSTRUKT, herkunft der arbeit -> sklaverei, absolutismus) Marktwirtschaft zur überhistorischen “Natruform” sozialer Beziehungen umdefiniert.
      Mit perfider Schläue kann so unterstellt werden, daß alle, die diesem hündischen Menschenbild nicht gehorchen wollen, sich “gegen die Natur versündigen”.
      Bei allen Ideologen des lIberalismus über mehr als drei Jahshunderte hinweg finden wir durch noch so viele Spielarten dieselbe Grundkonstruktion: nämlich die “Naturalisierung des Sozialen”, die Biologisierung oder Physikalisierung von Marktwirtschaft und ökonomischer Konkurrenz und die Überhöhung und Alternativlosigkeit von “Arbeit” bzw. Erwerbseinkommen.

  • Hermann Keske - 11. September 2013

    Mein Beitrag zur Staatsverschuldung braucht noch einige Ergänzung, vor allem in praktischer Hinsicht.

    Die Ankündigung angemessener Besteuerung großer Einkommen und Vermögen wird regelmäßig mit dem Hinweis beantwortet, daß solche Pläne von den Betroffenen üblicherweise durch “Kapitalflucht” beantwortet werden (“Das Kapital ist ein scheues Reh”). Dabei wird der Eindruck erweckt, daß die Staaten gegen solche Reaktionen hilflos seien.

    Das sind sie nicht – es fehlt nur am politischen Willen. Wie bei der jahrzehntelang geduldeten gewerbsmäßigen Beihilfe zur Steuerhinterziehung (Schweiz, Luxemburg, Liechtenstein etc) sind die herrschenden Kasten, also vor allem die Berufspolitiker, peinlich zurückhaltend, wenn es darum geht, die Besserverdienenden und die Vermögenden zu den Lasten des Staates heranzuziehen. Und das, obwohl das verfassungsrechtliche Prinzip (Jeder Bürger hat nach seinen wirtschaftlichen Möglichkeiten seinen Beitrag zu leisten) unstreitig ist.

    Zuerst ist ein alter Zopf abzuschneiden, nämlich die Besteuerung nach dem Wohnsitz oder dem örtlichen Lebensmittelpunkt. Gerade Wohlhabende können sich derzeit völlig beliebig aussuchen, wo sie denn ihre möglichst geringen Steuern entrichten wollen – eine echte Groteske. Die Gesetzesänderung ist einfach. Jeder deutsche Staatsbürger ist, unabhängig von seinem gewöhnlichen Aufenthaltsort, in Deutschland mit seinem Welteinkommen und -Vermögen steuerpflichtig – fertig. Es gibt auch keine praktischen Hindernisse. Wer, wo auch immer wohnend, seine Steuererklärungen nicht oder nicht vollständig abgibt, wird geschätzt und nach der Schätzung zur Steuer herangezogen. Das Mittel der Schätzung ist probat. Die vorsätzliche Nichterfüllung von Steuerschulden ist dann noch in einem Straftatsbestand mit der Androhung von Freiheitsstrafen zu formulieren, und die Steuerehrlichkeit sollte insgesamt spürbar zunehmen.

    Es geht – man muß nur wollen. Hat eine Partei einen solchen Ansatz in ihrem Programm? Wenn nicht, warum nicht? Betroffen wären davon vor allem die obersten 5 % der Bevölkerung. Für die Herstellung von Steuergerechtigkeit sollten sich mit ein bißchen Aufklärungarbeit die nötigen Mehrheiten finden lassen.

  • Patrick - 11. September 2013

    Sehr schöner Beitrag.

    Es ist auch vollkommen logisch, dass die “freien Märkte” im kapitalistischen Wirtschaftssystem nicht zum Besten aller sein kann, denn
    Angebot+Nachfrage regelt den Preis. Und da der Kapitalimus an größt möglicher Kapitalallokation interessiert ist, und nicht daran, alle Menschen in Arbeit und Brot zu bringen, sorgt die stetige Produktivitätsverbesserung (Automatisierung, Mechanisierung, Rationalisierung…) von ganz allein dafür, dass stetig mehr Menschen aus dem Produktionsprozess ausscheiden, da sie schlicht überflüssig geworden sind. Das können auch die Dienstleistungs oder IT-Jobs natürlich keinesfalls aufwiegen.
    Es ist so, es geht nur um Wachstum + Produktivität! (die vielfachen Krisen dieser beiden Punkte werden vollkommen ignoriert)
    Folglich wird es für die Lohnabhängigen immer schwerer Jobs zu finden, das Arbeiter-Angebot steigt, der Preis fällt…mitunter bis unter die Existenzgrundlage (im “freien” Markt), sofern der Staat nicht regulirend eingreift, z.B. durch flächendeckende Mindest-Löhne.
    Genaus könnten Regelungen in Form von Maximal- zu Minimal-Löhnen innerhalb von Unternehmen getroffen werden (Das fordert z.B. Attac oder die Gemeinwohl-Ökonomie)
    Warum besteuern wir eigentlich so wahnsinnig die menschliche Arbeit anstatt maschineller Arbeit?
    Die Menschen in einem Betrieb ermöglichen ja z.B. dem Unternehmen erst durch deren Arbeitskraft die Finanzierung von einer Maschine. Durch diese Maschine werden dann von z.B. 10 Mitarbeitern, die mitgeholfen haben, diesen “technischen Fortschritt” zu realisieren, 5 entlassen, weil den Rest zukünftig die Maschine macht.
    (das geht auch nur so lange gut, wie wir billige und reichliche fossile Energien und Ressourcen haben)
    Der Fortschritt (wie die Großväter sagten: ihr sollt es mal einfacher haben) kommt somit nur noch wenigen zu (Unternehmer)
    Die Einkommen aus Arbeit sind in den letzten Jahren stetig unter Druck geraten (Reallohn-Verluste), während die Einkommen aus Unternehmertätigkeit (Tantiemen, Gewinne…) und Geldeinkommen (Zinsen, Aktiengewinne, Spekulation) in obszöne Höhen schießen.

    Wie kann man da noch behaupten, dass die “freien Märkte” alles zum besten aller regeln???

    Es muss erstmal grundlegend ins Bewusstsein kommen, dass wir zw. Arbeit und Einkommen unterscheiden müssen!

    Die Leute regen sich auf, wenn wir von einem bedingungslosen Grundeinkommen sprechen, weil es einfach nötig wird – aber keiner regt sich auf, dass wir doch längst ein bedingungsloses Spitzeneinkommen haben!

    Außerdem bringt unser schuldenbasiertes verzinstes Geldsystem sicherlich auch zunehmend unsere Wirtschaften in Bedrängnis, da diese ebenfalls ein Faktor für den ständigen Wachstumszwang haben.
    Aber eine Wirtschaft, die auf Wachstum angewiesen ist, ist so oder so zum Scheitern verurteilt.

    Es gibt also eine ganze Menge Punkte zu hinterfragen und zu ergründen, frei von irgendwelchen Ideologien und Dogmen. Und wer glaubt momentan daran???

  • Hermann Keske - 11. September 2013

    “Das Konzept der liberalen Marktwirtschaft ist ein Kartenhaus”

    Die unter dieser Überschrift zusammengefaßten Aussagen kann ich allesamt als zutreffend aufnehmen.

    Die These von den sich selbst regulierenden Märkten ist entweder inhaltslos oder in der Sache gründlich falsch. Die “selbstregulierenden Märkte” sind außerdem ein Musterbeispiel für verwirrenden Sprachgebrauch.

    Die sprachliche Unklarheit beginnt schon mit dem “Markt”. Was ist gemeint? Ein Ort, an dem Güter oder Dienstleistungen gegen Geld oder andere Güter getauscht werden? Ein virtueller Ort, an dem sich Anbieter und Nachfrager treffen? Der Ort “Markt” kann nicht gemeint sein, weil Orte nun ein mal nichts tun, also auch nichts regeln oder regulieren. Ergebnisse ansteuern oder Regeln setzen können nur Menschen, nicht Sachen. Sollten mit den sich selbst regulierenden Märkten statt des Ortes die Marktteilnehmer gemeint sein, der “Markt” also eine Art Inbegriff für handelnde Menschen, dann könnte man auch der Klarheit halber sagen, Marktteilnehmer regulieren ihre Angelegenheiten selbst – eine mehr oder weniger belanglose Mitteilung.

    Aber auch das ist mit der Formulierung nicht gemeint. Der sich selbst “regulierende Markt” ist scheinbar als Personifizierung zu verstehen, als sei er ein beteiligter Akteur, eine Kraft, die auf das Marktgeschehen Einfluß nimmt und auch das Handeln der Marktteilnehmer mindestens beeinflußt. Ob das noch Adam Smíth´s unsichtbare Hand ist, die in dieser merkwürdigen Ausdrucksweise nachklingt? Brimborium – für meine Begriffe. Auf Märkten handeln Menschen – das ist alles. Alle Ergebnisse von Marktgeschehen sind ausschließlich Ergebnisse menschlichen Handelns, ganz ohne unsichtbare Hand oder sonstige metaphysische Kräfte – und deshalb auch von den handelnden Menschen allein zu verantworten.

    Auch die “Regulierung” ist höchst unklar. Was genau regulieren denn die Marktteilnehmer bei ihren Marktgeschäften? Geben sie sich selber Regeln für die Art und Weise, wie sie ihre Geschäfte abwickeln wollen? Fragt man Marktgläubige, bekommt man regelmäßig und sofort die Antwort, daß alle Märkte Regeln brauchen, von außen gesetzte Regeln, die sich die Märkte nicht selbst geben können und ohne die sie nicht auskommen können. Das ist doch sehr merkwürdig – wenn die Märkte sich selbst keine Regeln gebn können, nach denen sie funktionieren wollen, was könnten sie dann noch regulieren? Jeder kann sich das Vergnügen gönnen, einen Vertreter der Idee von den sich selbst regulierenden Märkten konkret danach zu befragen, wer auf Märkten denn was genau reguliert. Wenn jemand dabei mal eine substantielle Antwort erhalten sollte, bitte ich um Nachricht.

    Bis dahin ist für mich das Gerede von den selbstregulierenden Märkten nichts anderes als der höchst durchsichtige Versuch, den Staat (= gleich die Mehrheit der Bevölkerung) davon abzuhalten, unzuträgliche Ergebnisse insbesondere aus der Ausnutzung von Marktmacht (beliebiger Ausprägung) durch Intervention zu korrigieren. Wir sollen glauben, die Marktgeschäfte seien per se, selbstregulierend, das erreichbare Optimum in der Güterverteilung.

    Eine gnadenlos freche Lüge.

  • Huthmann - 11. September 2013

    Liebe Mitkommentatoren,

    so leicht darf man es sich nicht machen, dem Markt nicht eine gewisse Effizienz zuzugestehen. Inwieweit Märkte selbstregulierend sind, ist wieder eine ganz andere Frage.

    Auf jeden Fall ist die Steuerung über dezentrale Märkte jeglicher zentral orientierten Steuerung weit, weit überlegen.

    MfG

    • Hermann Keske - 11. September 2013

      . .”dem Markt nicht eine gewisse Effizienz zuzugestehen”

      Ich denke, es macht überhaupt niemandem Schwierigkeiten, dem “Markt” eine gewisse Effizienz zuzugestehen. Der Markt ist der Ort, an dem sich Anbieter und Nachfrager treffen und Güter und/oder Geld austauschen. Wenn beide ihre Verpflichtung aus einem Kaufvertrag Zug um Zug an Ort und Stelle erfüllen, dann ist das sicher ein effizientes Verfahren. Es werden keine vermeidbaren Kosten verursacht, und das nennt man wohl effizient. Für diese Effizienz kommt es auf andere Umstände nicht an – sie ist ganz unabhängig von der Art und Weise der Güterproduktion.

      Aber das wird es nicht gewesen sein, was Sie ausdrücken wollten, oder irre ich mich?

      “Auf jeden Fall ist die Steuerung über dezentrale Märkte jeglicher zentral orientierten Steuerung weit, weit überlegen.”

      Soll man Sie so verstehen, daß Sie den “Markt” als “steuernde” Kraft sehen, als ein handelndes Subjekt? Da kann ich mich nur wiederholen: Orte tun nichts, sie steuern also auch nicht. Akteure sind nur die Marktteilnehmer, und die sind doch die freien Wirtschaftssubjekte und nicht “gesteuerte” Teilnehmer an der Waren- und Güterverteilung.

      Vielleicht sagen Sie einfach etwas genauer, was Sie meinen, wenn Sie “Märkte” für effizient erklären.

  • Andres Müller - 11. September 2013

    Der von (älteren) Sozialisten postulierte “dritte Weg” geht von der Annahme aus man könne zwischen Sozialismus und Kapitalismus derart navigieren, dass sowohl der “freie Markt” als auch der Sozialstaat profitiert. In der Schweiz wurde von der SP das so genannte Gurtenmanifest verabschiedet (das inzwischen zwar gescheitert ist, aber deren Erstunterzeichnerin sitzt inzwischen in der Regierung). Nicht bedacht wurde, dass die Sache einen Haken hat, nämlich die leicht mögliche Korrumpierung der Politiker durch diese navigierende Politik erstarkten Lobby. Die Lobby hatten schnell bemerkt wie leicht sich die Sozialdemokratie seit diesem Manifest manipulieren lässt. Da es keine eindeutig definierten Stossrichtungen in der Partei mehr gab, konnten sich vor allem egozentrische Machtpolitiker durchsetzen -diese zogen den “dritten Weg” so weit nach rechts, bis dass sich dieser heute nicht mehr vom Neoliberalismus unterscheiden lässt

  • klaus - 11. September 2013

    Wahl?

    Welche Richtung geht es?

    Staatlichliche Handlungsfähigkeit (in sozialer Marktwirktschaft )

    oder

    Steuerhinterziehung ( Evasion Fiscale, Tax Evasion ) durch die
    Liberal-Darwinisten, die ab und zu 1 Euro wegen des guten Namens spenden ?

    http://www.arte.tv/sites/fr/evasion-fiscale/
    War gestern 20.15 auf Arte.
    Schlicht wie Firmen mit einem Postfach auf den Caymans ( unter 12000 anderen
    Postfächern) , also wie Colgate in Frankreich von 33 Prozent Steuern,
    vielleicht noch 1 Prozent Steuern zahlen. Google,Amazon,.. standen
    auch im Portrait.
    Dazu wurden die Top Steueroptimierungsanwälte von Deloitte,PWC,KPMG,..
    ausgezeichnet nach Plätzen, wer die meisten Mrd vorm Staat gerettet hat.
    Zum Schluß kam das Paradebeispiel am Ende der Tax Evasion.
    Griechenland im heutigen Stadium.
    Vielleicht geht auch Deutschland ganz stark in diese Richtung.

    Wie lange wird der Liberal-Darwinismus die Sozialkassen ausbluten?
    Wieviel Geld ist noch in den
    Gesundheitskassen,
    Lebensversicherungen ( bei Kündigung 50 % – Bearbeitungskosten, Urteil heute),
    Rentenkassen,
    Streikkassen,
    Kirchenkassen,
    und und und.

    Nichts ist mehr.
    Wer um Gottes willen glaubt noch daran, das er die Rente
    bekommt?
    Ist nicht der immer größere Anteil der privaten Vorsorge ein
    Zeichen dafür, das es keine Rente mehr gibt und
    ganz neu angespart werden muß?

    Des Kaisers Zins liegt rund um den Globus.
    Wie sollte der Kaiser sein Reich noch zusammenhalten?
    Mit Ehrenamtlern, die für Gotteslohn arbeiten?

    Toll.
    Die Kriminalitätsrate steigt rapide an und irgendjemand
    denkt an noch mehr Überwachung?
    Was machen die Leute, die sich keinen teuren Wachschutz
    leisten können?
    Ohne Mindestlöhne wird es immer weniger lohnenswert,
    gute Arbeit zu leisten.
    Dutzendlöhner müssen ihr Wissen nicht einsetzen.
    Die totale Abwärtsspirale steht erst an.
    Da helfen keine Von der L-Tricks zum Mindestlohn.
    Was soll den weiter noch passieren?
    Die Landflucht ist doch nicht das Problem.
    Die Mindestlohnverweigerung ist der Grund
    warum die Leute das Land verlassen.
    Warum sollte man für einen Hohn Leute pflegen?
    Wieviel Härte soll denn noch in Deutschland
    einziehen?
    Ich glaube es wird Zeit, das die Politik
    eine 180 Grad Wende bringt.
    Sonst werden Zivilcourage und Ehrenamtsverweigerung
    nur kleine Ärgernisse sein.
    Wer sollte helfen, wenn es Ihm schlecht geht?
    Die Leute können auch Umstände interpretieren.
    Der Polit-Verdruß drückt nichts anderes aus.

    Ob in solchen Zeiten wirklich noch Tricks bezüglich
    Private Public Partnership und Sprüche von Wettbewerb
    regelt alles angebracht sind ?

    Viele Leute haben sich bereits umorientiert.
    Da kann kein politiker mit frommen Sprüchen
    die Leute zusammenhalten.

    Oder glaubt irgendjemand in Schland noch daran,
    das Alle darauf warten, das ein Herr Gauck mit
    ein paar Sprüchen zum 3.OKT und zu Weihnachen
    noch etwas in selbstbeweihräuchernder Atmosphäre
    beim Volk auslöst.

    Da würde man besser einen Trickfilm senden.

    Grüße klaus

    P.S. Schland ist im Moment wie ein Verein, dessen Kasse leer ist.
    Wie lange existiert ein Verein, wenn kein Geld für nix mehr da ist?
    Was nützt ein stabiler Euro? Und keiner hat einen.
    Na denn man, prost !

    • Systemfrager - 12. September 2013

      Ja, was die Seuchen und Missernten im Mittelalter waren, dass ist der Sieg der Freiheit in dem Zeitalter des Kapitalismus
      Nach der Katastrophe wird die ökonomische Freiheit für eine kurze Zeit gebändigt, sie befreit sich bald und richtet wieder eine Hölle auf Erden
      Hobbes wusste es:
      Eine Gesellschaft mit der freien Marktwirtschaft, kann ohne einen starken Staat (Leviathan) nicht funkrionieren

  • klaus - 12. September 2013

    Grad gefunden, selbst die Bild stellt die Steuerflucht an den Pranger.
    Hier mein obiger Hinweis.
    http://www.bild.de/geld/wirtschaft/steuerhinterziehung/tv-doku-das-dunkle-geschaeft-mit-der-steuerflucht-32336800.bild.html

    Gruß klaus

  • Systemfrager - 12. September 2013

    Beim Blättern bin ich gerade auf deisen Satz gestoßen

    Die Freiheit ist nur ein eitles Hirngespinst, wenn eine Klasse die andere ungestraft aushungern kann.

    Jacques Roux vor dem Pariser Konvent, 1793

  • klaus - 12. September 2013

    Berlusconi wollte 2011 den Euro platzen lassen.

    Das erklärt einiges in Italien.
    Offensichtlich wollte er Merkozy vor vollendete Tatsachen stellen.

    http://blogs.telegraph.co.uk/finance/ambroseevans-pritchard/100025507/italy-floated-plans-to-leave-euro-in-2011-says-ecb-insider/

    Schöner Artikel mit einer interessanten Grafik zum Target-Problem.
    Kein Wunder, das man sich um Spanien sorgt.

    Naja, bald wird ein Staat die EU verlassen,
    ich habe nicht den Eindruck, das alle Länder diesem
    sozialen Druck auf Jahre widerstehen können.

    Das Druckventil des Liberal-Darwinismus könnte bald
    dem Druck nicht mehr gewachsen sein.

    Gruß klaus

  • klaus - 12. September 2013

    Nachtrag zu Berlusconi’s Drohung.
    Damit erklärt sich der Ablauf bestens.
    Auch das schützende Verhalten Weidmanns wird dadurch
    besser verstanden.

    http://www.zerohedge.com/news/2013-09-12/draghis-termination-berlusconi-explained-sylvio-threatened-leave-euro

    Offensichtlich sind die Target-Forderungen, wie Prof.Sinn schon
    oft darstellte, wohl eher verloren.
    Man hat nur Angst vor den Write-Downs.

    Zumindest haben wir jetzt einen Überblick, wie
    die Politik weiter geht, bis die Perlenkette reisst.

    :(

  • fidel - 13. September 2013

    @systemfrager

    Wer Sombart zittiert sollte wissen, dass Prof. Werner Sombart schrieb:
    “Der Führer Adolf Hitler erhält seine Weisungen von Gott”…

    Sombart hat die gleiche Qualität wie Marx, eine sehr gute Gesellschaft.

    • Systemfrager - 13. September 2013

      @fidel
      >>> “Der Führer Adolf Hitler erhält seine Weisungen von Gott”…
      Du hast Sombar mit Misses und Papst vervechselt
      Kein Probmlem. Das ist deine Aufgabe als Ideologe der heutigen Oligarchen und Plutokraten

  • fidel - 13. September 2013

    @JL

    Sie bringen nur die üblichen Ängste ohne Antwort auf meine Zahlenbeispiele.

    Teddy D.Roosevelt beendete das “gewerkschaftliche” System von günstigen privaten Krankenversicherungen durch Bruderschaften per Gesetz. Seitdem laufen die Kosten in den USA aus dem Ruder. Das Geheimnis dieser Bruderschaften war, dass sie Ärzte pauschal bezahlten, ohne Arbeit, d.h. je schneller der Patient gesund war, desto weniger brauchte der Arzt für das Geld zu arbeiten. Damals war der Jahresbeitrag zur KV ein Tageslohn.

    Alle übrigen Ängste von Ihnen, lassen sich genauso beantworten. Angst war schon immer ein schlechter Ratgeber. Man glaubt es kaum, Menschen vertrauen sich der Politik an, anstelle ihren Verstand zu benutzen. Aufklärung tut Not.

    mit freundlichen Grüssen
    Fidel

    • JL - 13. September 2013

      Hallo fidel,

      wer moralische Werte als Ängste uminterpretiert hat im Umkehrschluß dessen demnach bei nicht vorhandenen Ängsten auch keine Moral.

      Ihre Einlassungen bleiben sinnfrei.

      Mit Grüßen

      JL

      • fidel - 13. September 2013

        Hallo JL,

        aha, die Fehlinvestition von Solidarbeiträgen ist gelebte Moral.

        Der Ablehnung von Missbrauch der Solidargemeinschaft durch Kooperatismus (Sex zwischen Politik und Oligarchie – missverständlich als Wirtschaft bez. ) keine Moral.

        Diese Ausflüchte kenne ich schon, man will seine Weltbilder nicht hinterfragen. Schon gar nicht durch geschichtliche Tatsachen. Ganz im Sinne der staatlichen Erziehung zum schlafenden Zahler.

        Das Gute ist, auch diese Wahl wird nichts daran ändern, dass Fehlinvestition zur Pleite führt. Pleitiers verstehen das natürlich nicht – eben die Ursache der Pleite.

        Gruß
        Fidel

        • JL - 13. September 2013

          Hallo fidel.

          Ihre Reaktionen sind sehr trollig.

          JL

  • dicke Bertha - 13. September 2013

    Rationale Erwartungen

    Die Kapitalflucht, der Kapitalexport wird erst wieder aufhören, wenn alle Schröderschen Steuer- und Arbeitsmarktreformen zurückgedreht werden.

    Schlimmer als jetzt kann es nicht kommen.

    Deutschland überschwemmt die Welt mit billigem Geld.

    Deutschland führt unter der Euroflagge nichts anderes als einen Währungskrieg gegen den Rest der Welt.

    Das ist das Gegenteil von Produktivitätssteigerungen aufgrund von Innovationen, Bildung, Infrastrukturverbesserungen, ….

  • Zorro - 14. September 2013

    @fidel @steffen

    ““Sich kritisch mit einem Herrschaftssystem auseinander zu setzen sollte Staatsbürgerpflicht sein. Sonst wählen wir den Bock zum Gärtner.” … Habe ich was verpasst, der Bock ist doch schon längst Gärtner, denn ob nun unter SPD/Grüne, CDU/SPD oder zuletzt CDU/FDP, die Fehlentwicklungen ob in Deutschland oder der Eurozone wurden nicht korrigiert, gar bereinigt, sondern stetig befeuert. Die Parteien so wie sie sich darstellen sind ja wohl eher Teil des Problems als Teil der Lösung. Insofern wage ich den “mutigen” Blick in die Zeit nach der Bundestagswahl, weder Bock noch Gärtner werden das Ruder herumreißen :)”

    Ist das jetzt die abschließende Feststellung, daß wir erst den großen Zusammenbruch brauchen, um anschließend mit einem “anderen Geldsystem” jenseits “Österreichischer Schulen” neu durchzustarten?

    Oder besteht noch Hoffnung mit neuen Köpfen im Bundestag, die eine Alternative für Deutschland darstellen können…?

    Gruß Zorro

    • Querschuss - 15. September 2013

      Hallo Zorro,
      es ist die “abschließende Feststellung”, dass es sehr wahrscheinlich einfach so weiter geht und alle Verwerfungen, Fehlentwicklungen mehr oder weniger in die Verlängerung gebracht werden, ob es nun noch 5 Jahre, 10 Jahre oder 15 Jahre “gut” geht – wer weiß dies schon. Insgesamt ist das System weitgehend reformunfähig, eine leichte Veränderung der Sitzverteilung im Bundestag ändert daran nichts. Einzelne Denkschulen, die isoliert betrachtet immer auch Richtiges beinhalten, können in einer globalisierten Welt und der ihr innewohnenden Komplexität wenig bewegen, zumal national im Alleingang kaum realistischer Gestaltungsspielraum besteht und da hier in Deutschland und in der Welt die Wähler mehrheitlich überhaupt nicht in volkswirtschaftlichen Kategorien denken, noch diese verstehen und demnach auch ihre Stimme nicht danach artikulieren.

      Gruß Steffen

  • Bärli - 15. September 2013

    Einerseits wird der abstrakte Anspruch erhoben, daß die Gesellschaft sich selbstbewußt über ihre gemeinsamen Angelegenheiten verständigt und darüber rationale Entscheidungen triftt (“Demokratie”). Andererseits jedoch handelt es sich bei dieser Gesellschaft ja gleichzeitig und erklärtermaßen um die mechanische Selbstregulation eines verselbst#ndigten Systemzusammenhangs, dessen stumme Funktionszwänge zur Pseudo_Naturtatsache sediemntiert sind (“Marktwirtschaft”, alisa Kapitalismus). In Wahrheit wird also das gesellschaftliche Leben letzten Endes gar nicht durch die Diskussion und bewußte gemeinsame Entscheidungen der demokratischen Gesellschaftsmitglieder geseteuert. Denn die demokratischen Prozeduren von freier Meinungsäußerung, politischer Willensbildung und freien Wahlen sind den Wirkungen der “gesellschaftsphysik” von anonymen Märkten nicht etwa vor-, sondern NACHgeschaltet. Alle Entscheidungen demokratischer Insttutionen stellen somit keine autonome Verfügung über den sinnvollen EInsatz der gemeinsamen Ressourcden dar, sondern sie sind immer schon PRÄformiert durch die AUtomatik des ökonomischen Systems, die als solche eben nicht demokratisch verhandelbar ist, weil sie einer unausweichlichen “Natur” zugeordnet wird.
    Das Menschenmaterial wird nicht mehr bloß der Absicht und dem Anspruch nach, sondern real auf Schritt und Tritt von kapitalisitsch durchgeformten Architekturen und Signalsystemen, von versachlichten, technologisch maskierten Strukturen betriebswirtschaftlicher Rationalität und von einer kapitalistisch implantierten Rechts-Subjektivität gesteuert, während gelichzeitig die apparative Menschenverwaltung ebenso lückenlos wie lautlos funktionieren konnte. Andererseits waren die leistungsterroristische Selbstbeobachtung der Wirtschaftssubjekte und die Selbstregulation der demokratischen Staatsbürger nun derart genau auf den kapitalistischen Bedingungszusammenhang geeicht, daß die formalen Prozeduren demokratischer Entscheidungsprozesse reibungslos auf die repressiven SCHEINalternativen im geschlossenen Raum der totalitären sozialökonomischen Zumutung gelenkt werden konnten. Und wie zum Hohn wird diesem in jeder Hinsicht automatisierten demokratischen Menschen bis heute auf allen gesellschaftlichen Kanaälen bis zum Überdruß gepredigt: Jezt endlich bist du politisch und persönlich frei,frei,frei !

  • Stefan Wehmeier - 15. September 2013

    Als Folge der völligen Verkennung des Charakters unserer Wirtschaft müssen sich Widersprüche zwischen Wirtschaftstheorie und -praxis ergeben. Wenn man die Lehrsätze der Ökonomen, die für eine Wirtschaft der freien Konkurrenz gelten, auf eine Praxis überträgt, die alles andere als eine Wirtschaft der freien Konkurrenz ist, so können sie unmöglich mit der Erfahrung übereinstimmen. Die Berufsökonomen haben irriger Weise eine freie Wirtschaft angenommen, d. h. den freien Wettbewerb für verwirklicht gehalten und diesen Irrtum ganz allgemein zu verbreiten gewusst. Heute wissen wir, dass sich die Wirtschaftswissenschaft tatsächlich geirrt hat. Nicht etwa, dass ihre Schlussfolgerungen nicht gestimmt hätten. Nein, es ist vollkommen richtig, dass eine freie Wirtschaft zu einer dauernden Harmonie von Angebot und Nachfrage, zur Vollbeschäftigung, allmählichen Zinssenkung, ansteigenden Reallöhnen und Wirtschaftsblüte führen muss. Nur die Voraussetzungen bestehen nicht. Was man für eine Wirtschaft der freien Konkurrenz gehalten hat, ist eben keine freie, sondern eine Monopolwirtschaft. Eine solche kann begreiflicherweise die günstigen Auswirkungen, die man von einer freien Wirtschaft mit Recht erwarten darf, nicht erfüllen!

    Die schwerstwiegenden Folgen ergaben sich, als die Politik sich des Widerspruchs bemächtigte. Man machte für die üblen Folgen der Monopolwirtschaft, für die wiederkehrenden Wirtschaftsstörungen, Krisen, Dauerarbeitslosigkeit, chronische Unterbeschäftigung, für die sozialen Missstände, die Verarmung der breiten Massen, die Proletarisierung des ehemaligen Mittelstandes usw. die – nicht existierende – freie Wirtschaft verantwortlich. Man warf und wirft der Wirtschaftswissenschaft vor, die von ihr gepriesene und nach ihrer ausdrücklichen Erklärung verwirklichte „freie Wirtschaft“ tauge nichts, habe nicht gehalten, was man sich von ihr versprochen habe und führe, anstatt zur vorausgesagten Wirtschaftsblüte und Harmonie, zu unerträglichen wirtschaftlichen und sozialen Missständen. Das Heil liege in einer staatlichen Planwirtschaft, in einer rigorosen Einschränkung, wenn nicht gar Abschaffung der privaten Unternehmertätigkeit, in einer Abkehr von der „freien“ Wirtschaft. Andere politische Richtungen wieder verweisen auf die zahlreichen Übelstände der staatlichen Planwirtschaft und fordern die „Rückkehr zur freien Wirtschaft“ – die es noch nie gegeben hat -, kurzum: die Begriffsverwirrung ist allgemein.

    Die aufgetretenen Missstände dieser so genannten freien Wirtschaft in die Schuhe zu schieben, ist ebenso verkehrt, wie zu ihr zurückkehren zu wollen. Beides ist ein Irrtum. Da es noch niemals eine freie Wirtschaft gegeben hat, ist es ebenso unsinnig, sie zurückzuwünschen, wie es unsinnig ist, sie für soziale und wirtschaftliche Missstände verantwortlich zu machen oder ihr die Nichterreichung des Wirtschaftsideals vorzuwerfen. Was heute als freie Wirtschaft bezeichnet zu werden pflegt, ist bestenfalls eine halbfreie Wirtschaft, eine Mischung von Markt- und Monopolwirtschaft, ein Bruchstück der freien Wirtschaft, mit einem Wort: Zinswirtschaft. Nicht weil die Wirtschaft (angeblich) frei war, hat sie versagt – wie die Anhänger der so genannten Planwirtschaft glauben -, sondern im Gegenteil: weil sie unfrei war und daher ein Instrument der Ausbeutung, musste sie versagen! Nur deshalb zeigten sich die bekannten wirtschaftlichen und sozialen Missstände.

    http://opium-des-volkes.blogspot.de/2013/02/marktgerechtigkeit.html

    • Hermann Keske - 15. September 2013

      “Nein, es ist vollkommen richtig, dass eine freie Wirtschaft zu einer dauernden Harmonie von Angebot und Nachfrage, zur Vollbeschäftigung, allmählichen Zinssenkung, ansteigenden Reallöhnen und Wirtschaftsblüte führen muss.”

      Wieso muß sie das? Was ist denn eine “freie” Wirtschaft? Die kapitalistische Wettbewerbswirtschaft sicher nicht – welche dann?

      • Stefan Wehmeier - 15. September 2013

        “Was ist denn eine “freie” Wirtschaft?”

        Eine von Monopolen befreite Wirtschaft. Das wird in dem Link “Marktgerechtigkeit” ausführlich erklärt. Also warum fragen Sie?

        • Hermann Keske - 15. September 2013

          “Das wird in dem Link “Marktgerechtigkeit” ausführlich erklärt”

          Nein, das wird es nicht, deshalb frage ich ja. In dem Link werden eine Menge unklarer Vorstellungen von “unvollständigen Monopolen” formuliert, ohne daß damit irgendetwas vernünftig erklärt würde.

          Machen wir es doch anders: Ich frage Sie einfach nach wesentlichen Bestandteilen von Wirtschaftsformen, und Sie antworten darauf. Vielleicht kommen wir dann am ehesten voran.

          Fangen wir ganz einfach an: Wem gehören denn in Ihrer freien Konkurrenz die Produktionsmittel?

          • Stefan Wehmeier - 15. September 2013

            “Wem gehören denn in Ihrer freien Konkurrenz die Produktionsmittel?”

            Einer Vielzahl von Privatunternehmern. Wem denn sonst? Gehörten sie dem Staat, gäbe es ja keine freie Konkurrenz.

            Bei dieser Frage wundert es mich allerdings nicht mehr, dass sie nichts verstanden haben.

            Aber fragen Sie ruhig weiter.

          • Hermann Keske - 18. September 2013

            “Durch Erhöhung der Staatsverschuldungen und Geldmengenausweitungen (alle anderen “politischen Maßnahmen” sind vergleichsweise bedeutungslos) kann aber das evident werden der globalen Liquiditätsfalle und damit der endgültige Zusammenbruch der Weltwirtschaft nicht länger hinausgezögert werden, sodass die Natürliche Wirtschaftsordnung als letzte und einzige Möglichkeit verbleibt:”

            Das finde ich beruhigend – man braucht derzeit nichts zu tun, das Paradies, in dem kein Gut mehr knapp ist, kommt also so oder so zwangsweise. Ich hätte auch nicht so recht gewußt, wie man in Deutschland die nötigen Mehrheiten für die notwendigen Verfassungsänderungen zusammenbekommen könnte.

        • Hermann Keske - 16. September 2013

          Eine Vielzahl von Privatunternehmern – also Privatpersonen, denen die Produktionsmittel gehören und denen die Lohnempfänger bei der Güterproduktion behilflich sind? Wir haben es also auch in der idealen Wirtschaft, die Ihnen vorschwebt, mit Kapitalisten (= Eigentümern der Produktionsmittel) und lohnabhängigen Nicht-Eigentümern zu tun?

          Das kommt mir schon mal ziemlich vertraut vor. Bekommen die Kapitalisten eine wie auch immer geartete und benannte Vergütung dafür, daß sie die ihnen gehörenden Produktionsmittel für die Güterproduktion bereitstellen und dort verbrauchen lassen?

          • Stefan Wehmeier - 16. September 2013

            “Bekommen die Kapitalisten eine wie auch immer geartete und benannte Vergütung dafür, daß sie die ihnen gehörenden Produktionsmittel für die Güterproduktion bereitstellen und dort verbrauchen lassen?”

            Nicht weil die Fabrik, das Mietwohnhaus, der Verkehrsbetrieb sich in privaten Händen befindet, vermag der Eigentümer einen Zins zu erzielen, sondern weil es zu wenig von diesen Sachgütern gibt, weil sie knapp sind. Die Knappheit bedingt also den Zins. Und diese Knappheit wird durch die Form des heutigen Geldes verewigt, das bei gesunkenem Sachzins die Investition verweigert; das sie verweigern kann, weil es streikfähig ist. Das Privateigentum an den Produktionsmitteln allein genügt keineswegs, um einen Zins zu erzielen.

            Der Zins wird nicht durch die Aneignung unbezahlter Arbeit erhoben, wie Marx glaubte, sondern dadurch, dass der Monopolinhaber imstande ist, den Preis seiner Waren über der Ebene der Arbeitskosten zu halten und dadurch den Zins im Preis seiner Erzeugnisse (bzw. beim Verleihungsgeschäft im Mietpreis) zu erheben.

            Nicht in der Beziehung zwischen Unternehmer und Arbeiter, nicht auf der Erzeugungsseite, sondern in der Beziehung zwischen Monopolinhaber und Käufer bzw. Entleiher, auf der Geldseite vollzieht sich die Erhebung des Zinses. Daraus folgt auch, dass der Unternehmer nicht, wie Marx annimmt, der Ausbeuter schlechthin ist. Ein Unternehmer, der mit geliehenem Kapital auf gepachtetem Grund produziert, vermag wohl den Zins zu erheben, muss ihn aber an die Eigentümer von (Geld-)Kapital und Boden abführen. (Ist hingegen der Unternehmer zugleich Kapitalist, dann besteht sein Einkommen aus einer Mischung von Unternehmerlohn und Zins.)

            Sind somit die Ausgangspunkte von Marx grundsätzlich falsch, so sind es seine weiteren Folgerungen nicht minder. Da das Privateigentum an den Produktionsmitteln nicht die Ursache der Ausbeutung bildet, vermag eine Verstaatlichung begreiflicherweise die Ausbeutung auch nicht zu beseitigen. An die Stelle des privaten Kapitalisten, der immerhin an das Prinzip der Wirtschaftlichkeit gebunden ist, tritt lediglich der Staat, für den diese Bindung nicht mehr gilt. Am Grundsatz der monopolistischen Ausbeutung ändert sich dadurch nichts.

            http://opium-des-volkes.blogspot.de/2013/02/irrtumer-des-marxismus.html

            Wenn Sie ein Marxist (Staatskapitalist) sind, wundert es mich gar nicht mehr, dass Sie die Marktgerechtigkeit – und damit die Gerechtigkeit überhaupt – nicht einmal ansatzweise verstehen und wohl auch gar nicht erst verstehen wollen.

            Es sei denn, Sie haben noch weitere Fragen, die ich Ihnen selbstverständlich gern beantworte.

          • Hermann Keske - 16. September 2013

            Gefragt habe ich danach, ob die Kapitalisten auch in Ihrer Wirtschaftsordnung eine Vergütung für die Bereitstellung von Produktionsmitteln erhalten. Eine direkte Antwort haben Sie vermieden. Stattdessen machen Sie einige Ausführungen dazu, warum der Kapitalist einen “Zins” erzielt, nämlich wegen der Knappheit von Fabriken, Mietwohnhäusern oder Verkehrsbetrieben.

            Die Vergütung des Kapitalisten (“Zins”) ist offenbar unstreitig. Er bekommt sie also. Grund dafür ist die Knappheit – es gibt nicht soviele Fabriken, Mietwohnhäuser oder Verkehrsbetriebe, daß jedermann sich einfach so und kostenfrei eine Fabrik oder einen Verkehrsbetrieb nehmen könnte, wenn er einen haben möchte.

            Dann liegt die Lösung des Problems logischerweise in der Beseitigung der Knappheit. Erst sie schafft die Möglichkeit der Durchsetzung von Zinsforderungen.

            Das ist richtig so? Jedenfalls ist dies der Kern Ihrer bisherigen Ausführungen. Korrigieren Sie mich, falls ich falsch liege, bevor ich weitere Fragen anhänge.

          • Stefan Wehmeier - 17. September 2013

            “Gefragt habe ich danach, ob die Kapitalisten auch in Ihrer Wirtschaftsordnung eine Vergütung für die Bereitstellung von Produktionsmitteln erhalten. Eine direkte Antwort haben Sie vermieden.”

            Weil die Frage falsch gestellt ist. Ein Unternehmer und Eigentümer von Produktionsmitteln (Sachkapitalien) ist nur solange zugleich auch Kapitalist, wie die Sachkapitalien in der Volkswirtschaft durch die Verwendung eines Geldes mit parasitärer – der wesentlichen Tauschfunktion widersprechenden – Wertaufbewahrungsfunktion (Zinsgeld) künstlich knapp und daher Zins-tragend gehalten werden. Wenn Sie mit “Ihrer Wirtschaftsordnung” die Natürliche Wirtschaftsordnung (Marktwirtschaft ohne Kapitalismus) meinen, so verlieren die Sachkapitalien bei der Verwendung eines konstruktiv umlaufgesicherten Geldes (Freigeld), das sich auch ohne Urzins für realwirtschaftliche Investitionen zur Verfügung stellt, mit der Zeit ihren Kapitalcharakter (weil sich die Sachkapitalien dann vermehren und nicht mehr knapp sind), sodass die privaten Unternehmer eben keine Kapitalisten mehr sind, sondern ausschließlich einen der betriebsleitenden Arbeit angemessenen Unternehmerlohn erhalten.

            Über Zinsgeld und konstruktiv umlaufgesichertes Geld:
            http://opium-des-volkes.blogspot.de/2012/10/geld.html

            Über Geld, den Geldkreislauf und dessen Stabilisierung:
            http://opium-des-volkes.blogspot.de/2013/01/geldtheorie.html

            Die wirtschaftlichen und sozialen Auswirkungen der Natürlichen Wirtschaftsordnung:
            http://opium-des-volkes.blogspot.de/2011/08/naturliche-wirtschaftsordnung.html

          • Hermann Keske - 17. September 2013

            Wie schön, daß ich Sie schon richtig verstanden hatte. Sie haben viele Worte benötigt, aber mich immerhin in der Annahme bestärkt, daß für Sie die Lösung der Probleme in der Beseitigung von Knappheit liegt: “Dann liegt die Lösung des Problems logischerweise in der Beseitigung der Knappheit.” hatte ich schon gesagt. Also habe ich Sie richtig verstanden.

            Da bin ich ja gleich bei Ihnen. Wir beseitigen einfach die Knappheit von Gütern. Das ist ein ausgesprochen sympathischer Gedanke. Der Weg dahin ist sehr einfach beschrieben und spontan einleuchtend. Und spannend – vor allem finde ich die Idee von einer Marktwirtschaft ohne knappe Güter ausgesprochen anregend.

            Lassen Sie mich einfach wieder ausgraben, wenn wir dem Schlaraffenland nahe gekommen sind? In diesem meinem Leben rechne ich nicht mehr mit seiner Verwirklichung. Deshalb muß ich mich leider darauf beschränken, über eine kurzfristigere Verbesserung der aus der kapitalistischen Marktwirtschaft entstandenen Mißstände nachzudenken.

          • Stefan Wehmeier - 17. September 2013

            “…muß ich mich leider darauf beschränken, über eine kurzfristigere Verbesserung der aus der kapitalistischen Marktwirtschaft entstandenen Mißstände nachzudenken.”

            Das ist Zeitverschwendung. Solange die Geld- und Bodenordnung so ist, wie sie (noch) ist, ist alles, was die “hohe Politik” seit dem Beginn der “Finanzkrise” (korrekt: beginnende globale Liquiditätsfalle) unternommen hat, tatsächlich “alternativlos”, um das Elend zu verlängern.

            Durch Erhöhung der Staatsverschuldungen und Geldmengenausweitungen (alle anderen “politischen Maßnahmen” sind vergleichsweise bedeutungslos) kann aber das evident werden der globalen Liquiditätsfalle und damit der endgültige Zusammenbruch der Weltwirtschaft nicht länger hinausgezögert werden, sodass die Natürliche Wirtschaftsordnung als letzte und einzige Möglichkeit verbleibt:

            http://opium-des-volkes.blogspot.de/2011/07/was-passiert-wenn-nichts-passiert.html

    • Bärli - 15. September 2013

      “Nein, es ist vollkommen richtig, dass eine freie Wirtschaft zu einer dauernden Harmonie von Angebot und Nachfrage, zur Vollbeschäftigung, allmählichen Zinssenkung, ansteigenden Reallöhnen und Wirtschaftsblüte führen muss.”

      Das hört sich an, als wäre sich da jemand sehr sicher ob dieser Thesen.
      Da kennt sich einer aus, das merkt man gleich. Das stimmt auf jeden Fall ! Steht doch auf diesen weißen Zetteln und auf den Bildschirmen und mein Prof hat das in der Vorlesung auch immer gesagt, dann mudd dad so sein. Oder?

      • Stefan Wehmeier - 15. September 2013

        “…mein Prof hat das in der Vorlesung auch immer gesagt,..”

        Nein. Ihr Prof hat “die Lehrsätze der Ökonomen, die für eine Wirtschaft der freien Konkurrenz gelten, auf eine Praxis übertragen, die alles andere als eine Wirtschaft der freien Konkurrenz ist…”

        Das können Sie weiter oben nachlesen.

    • SLE - 16. September 2013

      Hallo Herr Wehmeier,

      im Wesentlichen halte ich Ihre Analyse für sehr richtig. Ich möchte noch ergänzend etwas besonders herausstellen.

      Es ist richtig, dass die freie Marktwirtschaft nicht das Problem ist, sofern man damit nicht das aus der wirtschaftsliberalen Theorie abgeleitete KONZEPT zu deren Verwirklichung meint, sondern das ZIEL der individuellen Freiheiten auf Märkten, die im Idealfall der Wettbewerb wirksam (bzw. “effektiv”) in einer dynamischen Balance hält. Denn nur dann kommt es nicht zu einer Machtkonzentration und den bekannten Exzessen.

      Das Ziel einer so verstandenen Freiheit ist richtig und das haben Sie ja auch so erklärt.

      Was falsch ist, ist das aus der wirtschaftsliberalen Theorie abgeleitete KONZEPT dafür, wie man das so verstandene Freiheitsziel erreichen und damit auch, wegen des dann gegebenen effektiven Wettbewerbs, wirtschaftliche Entwicklung realisiert und eine prosperierende Wirtschaft möglich wird.

      Genau das ist es ja, was wir uns von der Marktwirtschaft versprechen und weil wir wissen, dass sie das leisten KANN, WENN die RICHTIGEN Voraussetzungen geschaffen werden, wollen wir ja auch die Marktwirtschaft. Dieses Potenzial liegt in der Dezentralität der Steuerung von Märkte über effektiven Wettbewerb.

      Es ist richtig, dass wir heute – im von mir oben definierten Sinne – keine freie Marktwirtschaft haben UND wir sie auch NICHT verwirklichen KÖNNEN. Denn Märkte sind – anders als die liberale Theorie unterstellt – NICHT prinzipiell selbstregulierend und deswegen tendieren sie allein schon aufgrund der Entwicklung bzw. Reifung von Märkten und Volkswirtschaften zur Oligopolisierung und der Wettbewerb dazu, zu erlahmen.

      Das auf die wirtschaftsliberale Theorie abgestützte KONZEPT der freien Marktwirtschaft kann also selbst bei exakter Befolgung WEDER die von den Wirtschaftsliberalen selbst als Voraussetzung definierte, von jeglicher staatlichen Beeinflussung “freie” Wirtschaft verwirklichen helfen – weil es die nicht gibt und nicht geben kann – NOCH kann sie “Freiheit” auf Märkten (bzw. effektiven Wettbewerb) im von mir oben definierten Sinne dauerhaft sicherstellen helfen, weil die wirtschaftsliberale Theorie mit gravierenden Schwächen behaftet ist, die zur Definition inadäquater Voraussetzungen für die Sicherstellung von individueller Freiheit und effektivem Wettbewerb auf Märkten geführt hat. Genau aus dem letztgenannten Grund stellt sich bei Befolgung dieses KONZEPTS im Laufe der Jahre Stagnation und Verkrustung der Wirtschaft ein und im schlimmsten Fall die Form von Raubtierkapitalismus, die wir in den letzten Jahren erlebten.

      WAS WIR NICHT ÄNDREN KÖNNEN, ist die Tatsache, dass es eine gänzlich VON STAATLICHER EINFLUSSNAHME FREIE Marktwirtschaft NICHT zu erreichen ist.

      Genau genommen ist das aber nicht schlimm. Denn WAS WIR ERREICHEN KÖNNEN, ist die Bestimmung von GEEIGNETEREN VORAUSSETZUNGEN für die Schaffung und Erhaltung von effektivem Wettbewerb, der sowohl eine dynamische Machtbalance der individuellen Freiheiten auf Märkten als auch wirtschaftliche Entwicklung ermöglicht und damit auch wirtschaftliche Prosperität.

      Fataler Weise klammern sich die Anhänger der freien Marktwirtschaft – im wirtschaftsliberalen Sinne – an die Forderung einer von staatlicher Einflussnahme freien Marktwirtschaft, als hinge davon unser wirtschaftliches Wohl und Wehe ab. Das ist ein Irrglaube! Und diesen Irrglauben haben die Vertreter wirtschaftsliberaler Lehre und Politik sehr geschickt dadurch verbreitet, dass sie den Menschen immer wieder erzählt haben und weiterhin erzählen, das wirtschaftsliberale KONZEPT für die freie Marktwirtschaft und das Ziel effektiver Wettbewerb bzw. individuelle Freiheit und wirtschaftliche Prosperität SEIEN DASSELBE!

      Den meisten Menschen, die für eine wirtschaftsliberale Politik sind, ist gewiss überhaupt nicht bewusst, dass es denen, die diese Politik geprägt und geformt haben oder umsetzen, de facto nicht in erster Linie um das Ziel individueller Freiheit auf Märkten geht, sondern um die Umsetzung des liberalen KONZEPTS zur Verwirklichung dieses Ziels. Dieses Ziel ist richtig. Das Konzept ist in der gegenwärtigen wirtschaftlichen Lage ungeeignet.

      Grüße
      SLE

      • Hermann Keske - 16. September 2013

        . . . “der individuellen Freiheiten auf Märkten, die im Idealfall der Wettbewerb wirksam (bzw. “effektiv”) in einer dynamischen Balance hält.”

        Korrigieren Sie mich: Wettbewerb – so die gängige Definition z.B. nach Wikipedia – bezeichnet in der Wirtschaftswissenschaft das Streben von mindestens zwei Akteuren (Wirtschaftssubjekten) nach einem Ziel, wobei der höhere Zielerreichungsgrad eines Akteurs einen niedrigeren Zielerreichungsgrad des anderen bedingt.

        In Ihrem Kontext liest sich Wettbewerb, als handelte es sich grundsätzlich um einen (mindestens) Zweikampf mit grundsätzlich gleichstarken Akteuren, der auch prinzipiell keinen Sieger kennt und deshalb auf ewig unentschieden bleibt.

        Ist das so gemeint?

        • Stefan Wehmeier - 16. September 2013

          Sehen Sie es mal so:

          Wir betrachten zwei ansonsten vergleichbare Städte A und B. In der Stadt A gibt es 20 selbständige Bäckereien, die sich gegenseitig Konkurrenz machen; in der Stadt B gibt es nur eine Großbäckerei mit 20 Verkaufsstellen, die sich keine Konkurrenz mehr machen. Preisfrage: In welcher Stadt gibt es die besseren Arbeitsbedingungen für Bäckergesellen und Brotfachverkäufer, und in welcher Stadt gibt es das bessere Brot?

          Konkurrenz (marktwirtschaftlicher Wettbewerb) wirkt nie ausbeuterisch, sondern ganz im Gegenteil immer ausgleichend. Ausbeutung entsteht aufgrund der Einschränkung des Wettbewerbs durch den Privatkapitalismus (Zinsumverteilung von der Arbeit zum Besitz) und in verstärktem Maß durch die Abschaffung des Wettbewerbs in einer sozialistischen Planwirtschaft (Staatskapitalismus).

          Kaum jemand weiß heute noch, was die “soziale Marktwirtschaft” der Bundesrepublik Deutschland von Beginn an hätte werden sollen, aber bis heute nicht geworden ist:

          http://opium-des-volkes.blogspot.de/2012/08/personliche-freiheit-und-sozialordnung.html

          • Hermann Keske - 17. September 2013

            “Wir betrachten zwei ansonsten vergleichbare Städte A und B. In der Stadt A gibt es 20 selbständige Bäckereien, die sich gegenseitig Konkurrenz machen; in der Stadt B gibt es nur eine Großbäckerei mit 20 Verkaufsstellen, die sich keine Konkurrenz mehr machen.”

            Da fehlt etwas, das ich einfach ergänzen möchte:

            Die zwanzig selbständigen Bäckereien haben ungefähr gleiche Sachkosten (Gebäude, Energie, Werkzeug, Wareneinsatz etc.). Ihr Wettbewerb um den besseren Preis und den größeren Marktanteil wird deshalb über die Lohnkosten ausgetragen. Ein Bäcker fängt damit an. Statt zweier Hilfsarbeiter besorgt er sich zwei 1-€-Jobber und statt zweier gelernter Bäckergesellen stellt er zwei gut ausgebildete, aber arbeitslose spanische Bäcker ein, die gerne auch für den halben Lohn arbeiten. Preisfrage: Was werden die anderen Bäckereien tun, damit sie wettbewerbsfähig bleiben können?

            Die Großbäckerei aus der Nachbarstadt produziert dank größerer Maschinen und weniger Personal wesentlich billiger als die zwanzig kleinen Bäckereien. Sie eröffnet deshalb mit einer Zweigstelle in der Stadt der zwanzig Bäcker den Wettbewerb. Durch ihre Größe kann sie benötigte Waren billiger einkaufen als die kleinen Bäcker und deshalb noch einmal billiger anbieten. Preisfrage: Wie wird der Wettbewerb zwischen diesen Bäckern wohl ausgehen?

            Meine Ergänzungen haben den Vorzug, ungefähr mit den realen Verhältnissen überein zu stimmen. Wir hatten in Deutschland mal 55.000 Bäckereien mit entsprechend viel Personal und haben jetzt noch 11.000 Bäckereien – woran man gut ersehen kann, welche segensreiche Wirkung der Bäckerwettbewerb auf die Beschäftigungssituation der Bäckergesellen wohl gehabt hat.

          • Stefan Wehmeier - 17. September 2013

            “…besorgt er sich zwei 1-€-Jobber…”

            Nein, denn er wird keine mehr finden. Lohndumping kann nur solange betrieben werden, wie durch ein hortbares Geld mit Wertaufbewahrungs(un)funktion ständig Arbeiter ausgesperrt werden und somit jederzeit ein Arbeitslosenheer zur Verfügung steht, das sich zu billigsten Preisen dem Restarbeitsmarkt anbieten muss. Wird dem Geld die Hortbarkeit genommen und verschwindet damit auch die Rentabilitätshürde des Urzinses, kommt es zwar nicht sofort, aber innerhalb weniger Jahre zur Vollbeschäftigung. Es sind dann nicht mehr die Sachkapitalien knapp und die Nachfrage nach Arbeitskraft begrenzt, sondern es sind umgekehrt die Sachkapitalien und damit auch die Arbeitsmöglichkeiten reichlich vorhanden und die menschliche Arbeitskraft wird zur ökonomisch knappsten Ressource, sodass sie auf Kosten des bisherigen Kapitalertrages ihren vollen Arbeitsertrag erhält:

            “Die Natürliche Wirtschaftsordnung fördert das Wohl der Gesamtheit, indem sie dem Wohl aller einzelnen dient. Daher nimmt sie dem Gegensatz zwischen Gemeinnutz und Eigennutz jenen zuspitzenden und unversöhnlichen Charakter, der nur durch die kapitalistische Entartung der liberalistischen Wirtschaft entstand. Sie beseitigt alle Monopole, ohne an ihre Stelle staatliche zu setzen, indem sie lediglich die beiden entscheidenden Monopole, nämlich das Geld- und Bodenmonopol der Kontrolle der Allgemeinheit unterstellt. Der Arbeiter braucht in dieser Wirtschaftsordnung zur Wahrung seiner Rechte weder die Hilfe des Staates noch den Schutz gewerkschaftlicher Organisationen, weil er als gleichberechtigter Vertragspartner ebenso wie der Arbeitgeber seine Bedingungen und Forderungen stellen kann. Denn die von Rodberus und Marx geschilderte Situation, die im Kapitalismus zu einem erpressten Vertragsabschluss mit Ausbeutung des Arbeiters nach dem “ehernen Lohngesetz” führt, erfährt einen grundsätzlichen Wandel, weil die Arbeit – wenn sie schon nach Marx als “Ware” aufgefasst wird – in einer monopolfreien Vollbetriebswirtschaft zur gesuchtesten und daher umworbensten Mangelware wird. Daher steigt ihr Preis bis zum überhaupt möglichen Höchstwert, nämlich bis zur Höhe des vollen Arbeitsertrages auf Kosten der Kapitalrente in allen ihren Formen wie Zins, Dividende und Spekulationsgewinn.”

            Ernst Winkler (Theorie der Natürlichen Wirtschaftsordnung)

          • Hermann Keske - 18. September 2013

            Ich spreche doch nicht von Paradies ohne knappe Güterr, sondern vom real – jetzt – existierenden Wettbewerb und seinen Folgen, für die ich mit der Bäckerei nur ein praktisches Beispiel angeführt habe.

  • Stefan Wehmeier - 16. September 2013

    Alle staatlichen Eingriffe in die Wirtschaft sind immer nur mehr oder weniger blinde Gegenreaktionen auf die zahlreichen Negativsymptome der Zinsumverteilung von der Arbeit zum Besitz, hervorgerufen durch eine seit jeher fehlerhafte Geld- und Bodenordnung. In völliger Unkenntnis der Krisenursache bleibt der “hohen Politik” nichts anderes übrig, als den wirtschaftlichen Zusammenbruch (Liquiditätsfalle) durch Erhöhung der Staatsverschuldung und Geldmengenausweitung hinauszuzögern, und damit den Staat zum Erfüllungsgehilfen der weiteren Zinsumverteilung bis zum Staatsbankrott zu machen:

    http://opium-des-volkes.blogspot.de/2012/12/staatsverschuldung-kurz-gefasst.html

    Darum bedarf es eben einer freiwirtschaftlichen Geld- und Bodenreform, damit die selbstregulativen Kräfte der Marktwirtschaft nicht länger durch den “Offset” des Urzinses gestört werden:

    http://opium-des-volkes.blogspot.de/2012/07/der-zins-mythos-und-wahrheit.html

    Erst dann wird der Abbau des Staates überhaupt möglich:

    http://opium-des-volkes.blogspot.de/2012/12/der-abbau-des-staates.html

  • Huthmann - 16. September 2013

    Der Ansatz einer interessanten Diskussion zwischen SLE und Wehmeier!

    Für mich war immer Schumpeter die Verständnisbasis hinsichtlich der Auswirkungen von Wettbewerb, dahingehend, daß der Unternehmer über Kreditaufnahme (Verwendung zur Nachfrage von notwendigen Prod.mitteln, zur Einstellung von erforderlichen Mitarbeitern, etc.) ein neues Produkt, eine verbesserte Produktionsmethode, etc. anbietet, im Erfolgsfalle dafür sorgt, daß die Wirtschaft nachhaltig wächst, für seine Investition haftet (also auch für die Tilgung des Kredites – deswegen nachhaltig) und weiter innovativ sein muß, denn sonst ist sein Gewinn durch Nachfolgerunternehmer schnell null.

    Die Verhinderung von Wettbewerb kann aber noch viel weiter gesehen werden…

    MfG