DEXIA – Bankenkrise 2.0

von am 6. Oktober 2011 in Allgemein

Auch die belgisch-französische Dexia, eine der 25-größten Banken in der Eurozone, liefert einen weiteren sicheren Hinweis, dass das europäische Bankensystem de facto bankrott ist und nur noch mit Liquidität der Notenbanken und eher schwammigen Rettungsphrasen der Regierungen über Wasser gehalten werden kann, in der puren Hoffnung auf eine kommende Rekapitalisierung. Diese Hoffnungen schüren gerade die vermeintlichen Pläne der EU-Finanzminister zur Rekapitalisierung angeschlagener Banken. Diese soll auf nationaler Ebene finanziert und EU-weit koordiniert werden. Allerdings stellt sich die Frage nach der Substanz dieser Hoffnungen, denn die Staaten der Eurozone dürften kaum in der Lage sein, die maroden Finanzinstitute in der Masse zu retten!

Die Handelsplattform NYSE Euronext hatte heute, seit 14 Uhr, offiziell den Handel mit der Dexia-Aktie ausgesetzt, nachdem sie um -17,2% auf 0,85 Euro eingebrochen war!

Die Entwicklung des Aktienkurses der Dexia-Bank seit Juni 2001 bis heute im Chart. Die Aktie wurde bei einem Kurs von 0,85 Euro vom Handel ausgesetzt, auch am Freitag soll kein Handel an der Euronext stattfinden. Die Marktkapitalisierung aller Dexia-Aktien betrug heute nur noch 1,647 Mrd. Euro. Am Hoch am 20.06.2007 mit einem Aktienkurs von 22,99 Euro betrug die Marktkapitalisierung 44,63 Mrd. Euro.

Am Samstag soll der Verwaltungsrat der Dexia tagen, vorab sickerte bereits durch, die profitablen Unternehmensteile sollen wenn möglich verkauft werden, potenziell uneinbringliche Verbindlichkeiten könnten in eine Bad Bank überführt werden und mit Staatsgarantien Belgiens und Frankreichs versehen werden und damit wieder am Steuerzahler hängenbleiben. In der Bad Bank sollen immerhin 95 Mrd. Euro abgeladen werden. Belgische Zeitungen berichten sogar, dass die Regierung in Brüssel eine Verstaatlichung des belgischen Teils der Dexia plant. Für den luxemburgischen Teil der Dexia soll es eine Investorengruppe geben. Spannend dürfte sein was die Franzosen mit ihrem Segment der Dexia tun, denn eine weitere Belastung des Staatshaushalts müssten diese unbedingt vermeiden.

Die Dexia hatte 2010 eine Bilanzsumme von 566,735 Mrd. Euro und man muss nochmal festhalten, dass die Dexia mit Bravour den EU-Banken-Stresstest im Sommer 2011 überstanden hatte. Angesichts eines jetzt de facto Zusammenbruchs nur 3 Monate später, dürfte klar sein, welchen Qualitätsstandards dieser Test genügte. Noch ein kurzer Blick auf die marode Substanz der Bilanz:

Die Total Assets (Vermögenswerte) von 566,735 Mrd. Euro der Dexia zum 31.12.2010. Die Summe der vergebenen Kredite und Darlehen (Forderungen) an Kunden betrug 352,307 Mrd. Euro mit einem großen Potential an Kreditschrott und weitere 53,379 Mrd. Euro an Kredite (Forderungen) bestanden gegenüber Banken.

Immerhin 21,958 Mrd. Euro betrug das Portfolio nur an Staatsanleihen der PIIGS, bei einem gesamten Eigenkapital von lächerlichen 19,214 Mrd. Euro. Insgesamt hält die Dexia ein Staatsanleihenvolumen von 63,887 Mrd. Euro.

Die von Dexia selbst angegebenen Risikoaktiva betrugen zum 31.12.2010 140,834 Mrd. Euro. Staatsanleihen zählen nicht zu den Risikoaktiva und müssen nicht mit Eigenkapital unterlegt werden.

Der Anteil der Level3 Assets im Handelsbuch in Höhe von 52,303 Mrd. Euro. Über die Qualität dieser Assets sagen die verwendeten Bewertungsmethoden viel aus, denn Level 3 Assets sind Vermögenswerte, die nicht handelbar sind und für die es keine verfügbaren Marktpreise gibt, de facto werden diese illiquiden Vermögenswerte mit Fantasiebewertung nach “Mark to Model” bewertet.

Selbst bei den Level2 Assets mit 59,271 Mrd. Euro, besteht noch großer Bewertungsspielraum, denn hier werden bei nicht direkt vorhandenen Marktwert oder nicht ausreichend liquiden Märkten einfach vergleichbaren alternativen Marktpreisen zur Bewertung herangezogen.

Trotz dieser risikoreichen und hochgehebelten Bilanz und einem Leverage Ratio (Verhältnis Aktiva zu Eigenkapital) von 29,5 genehmigte man den 27’148 Angestellten (darunter 9’338 Angestellten aus der Türkei) und ihren Führungskräften im Jahr 2010 immerhin 1,878 Mrd. Euro an Löhnen und Gehältern, inklusive Lohnnebenkosten und Boni, anstatt die Risikovorsorge zu erhöhen und das Eigenkapital zu stärken!

Die Zahl der Angestellten zum 31.12.2010 als FTE = Vollzeitäquivalent.

Dexia.com/PDF: Geschäftsbericht 2010

Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

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