Die Chinakrise oder die Angst vor dem nächsten großen Crash

von am 11. Januar 2016 in Allgemein

Auch heute, am ersten Handelstag der neuen Woche, sind in China die Börsenkurse wieder eingebrochen. Der Shanghai Composite verlor 5,33 Prozent, der CSI 500 gab sogar 6,72 Prozent nach und auch in Hongkong rutschte der Hang Seng mit 2,76 Prozent tief ins Minus. Die Krisengefahr in China ist nicht gebannt und das Regime in Peking erweckt nicht den Eindruck, diese Gefahr ausräumen und die Märkte beruhigen zu können.

Die Sorge um China ist die Sorge um die tatsächliche Robustheit der westlichen Marktwirtschaften

Dabei richten sich die Sorgen der Anleger an den weltweiten Börsen weniger auf die chinesischen Aktien als vielmehr auf die sich weiter eintrübenden wirtschaftlichen Perspektiven in China. Was die hohe Unsicherheit noch weiter verstärkt, ist die Informationspolitik der Führung in Peking. Unter dem Präsidenten Xi Jinping wurde die Zensur in China sukzessive drastisch verschärft und dadurch bedingt die tatsächlichen Probleme sowie vor allem deren Ausmaß verschleiert. Was sehr viele inzwischen befürchten, ist, dass es um die chinesische Wirtschaft sehr viel schlechter steht als offiziell zugegeben wird und nun die enorme Nachfrage Chinas, die in den letzten Jahren die Weltwirtschaft und insbesondere auch die Schwellenländer stabilisiert hat, dauerhaft verloren gehen könnte.

Vielleicht könnte man es sogar noch etwas pointierter ausdrücken: Chinas Krise enthüllt eigentlich nur die Krise, in der die ganzen westlichen Marktwirtschaften schon seit spätestens 2008 stecken.

Der Westen hat seine Finanzmarktkrise nur durch die Flut billigen Geldes übertüncht und die westliche Realwirtschaft hat ihre Krise mit dem Boom in China kompensiert. Diese Kompensation droht nun fortzufallen, weil Chinas Wirtschaft selbst auf Talfahrt gegangen ist. Offiziell heißt es aus Peking zwar, die Bremsspuren der chinesischen Wirtschaft seien eine normale Folge der angestrebten Umstellung des Wirtschaftsmodells von der Fokussierung auf Exporte von kostengünstig erstellten Erzeugnissen auf Binnennachfrage und innovative Produkte. Doch es bestehen anhaltende und mehr noch zunehmende Zweifel daran, dass diese Umstellung ohne gravierenden Einbruch bewerkstelligt werden kann.

Das ist die vielleicht beste Erklärung für die immer wieder neu ausbrechenden Turbulenzen an Chinas Börsen und die dadurch bedingten Kurseinbrüche an den weltweiten Börsen.

Kontrollverlust in China, Kontrollillusion im Westen?

All das mündet in die letztlich wirklich entscheidende Frage, nämlich ob Chinas Probleme außer Kontrolle geraten und damit den nächsten großen globalen Crash auslösen, den viele schon lange prophezeien.

Keine Frage, die Flut billigen Geldes der Notenbanken, die Rettung der Großbanken und groß angelegte Konjunkturprogramme haben den Absturz von Finanzmärkten und Weltwirtschaft, der auf den Crash der Börsen nach der Lehman-Pleite folgte, gestoppt und sogar eine Erholungsprozess eingeleitet. Doch kaum jemand bezweifelt ernsthaft, dass lediglich eine sehr fragile Stabilität erreicht worden ist. Zwar haben sich die Aktienkurse an den Börsen längst über das Vorkrisenniveau hinaus erhöht. Doch das Wirtschaftswachstum ist weltweit schwach geblieben.

Und damit wird auch wieder die Frage neu aufgeworfen, die viele nach dem Crash von 2008 für längst beantwortet gehalten haben: Haben wir wirklich verstanden, was solche Mega-Crashs wie den von 1929 und 2008 auslöst und wie sie verhindert werden können?

Die Ursachen der Finanzmarkt- und Weltwirtschaftskrise 2008/2009 wurden nie vollständig ergründet

Lassen Sie uns ehrlich sein: Sowohl die Notenbanken als auch die Regierungen sowie vor allem aber auch die führenden Ökonomen wurden von der Finanzmarkt- und Weltwirtschaftskrise 2008 nicht nur überrascht, sie waren zunächst völlig ratlos. Was auf diese Phase der Ratlosigkeit folgte, war nichts anderes als eine Politik der Experimente. Eine grundlegende Analyse der Ursachen der Finanzmarkt- und Weltwirtschaftskrise ist bis heute nicht erfolgt. Es ist ja irgendwie gut gegangen – bis jetzt jedenfalls. Die Finanzmarktkrise wurden als Folge unverantwortlicher Zockerei der Banken und als alleinige Ursache der Weltwirtschaftskrise angesehen und abgeschrieben.

Als dann das Schlimmste gebannt war, wollte sich bei den Entscheidern niemand mehr mit der Frage auseinandersetzen, ob das wirklich die richtige Erklärung für die große Krise gewesen ist. Die europäische Schuldenkrise trug ebenfalls dazu bei, dass die Krise von 2008/2009 nie wirklich aufgearbeitet wurde. Es waren ja „neue“ oder genauer gesagt Folge-Probleme zu lösen.

Doch die Anleger und Investoren haben das alles nicht vergessen. Mit den Problemen Chinas kommen die alten, unbeantworteten Fragen nun wieder ins Bewusstsein. Was aber sind die Antworten? Und wie real ist die Gefahr eines neuen großen, globalen Crashs? Es macht Sinn, sich damit zu beschäftigen bevor das Kind wieder in den Brunnen gefallen ist.

Was sind die Ursachen der Krisenanfälligkeit? Woraus resultiert die Gefahr eines großen Crashs?

Für die Beantwortung beider Fragen kommt es auf die Perspektive an, aus der man auf die Situation auf den globalen Finanzmärkten und in der Weltwirtschaft schaut oder anders ausgedrückt worauf genau man schaut, was man als zentrale Ursachen für eine mögliche neue große Krise ausmacht. Plakativ ausgedrückt geht es dabei um die Suche nach der Mutter aller Probleme und zwar sowohl auf den Finanzmärkten als auch in der Realwirtschaft.

Beide Sphären haben jeweils eigene, voneinander unabhängige, aber eben auch gemeinsame Probleme. Beispiele dafür sind die Risiken des Derivatehandels, des Kreditgeschäfts und die großangelegte Manipulation von Zinsen und Währungen. In der Realwirtschaft sind Probleme unter anderem die erkennbare Sättigung von Märken und, wie der VW-Abgasskandal deutlich machte, ebenfalls Manipulationen.

Dass es spezifische eigene, aber auch gemeinsame Probleme gibt, ist ein wichtiger Punkt. Ein weiterer wichtiger Punkt auf der Suche nach den zentralen Ursachen für Instabilität und für einen daraus möglicherweise folgenden neuen großen Crash ist, dass sich die Entwicklung auf den Finanzmärkten zwar weitgehend von der realwirtschaftlichen Entwicklung entkoppelt hat. Aber Finanzmärkte und Realwirtschaft brechen im Falle einer ernsten Krise beide gemeinsam massiv ein. So geschah es nach 1929 und auch nach 2008.

Damit wird der Blick speziell auf die gemeinsamen Probleme gelenkt.

Die Frage nach der „Mutter“ aller Probleme der globalen Märkte

So betrachtet ist die Frage nach der Mutter aller Probleme, die chronische Instabilität und latente Krisenanfälligkeit verursacht, eigentlich leicht zu beantworten:

Die globale Finanz- und die globalen realwirtschaftlichen Märkte sind ausgereifte, gesättigte und mit – insbesondere auch als Folge hoher und weiter steigender Einkommens- und Vermögenskonzentration – rückläufiger Nachfrage kämpfende Märkte, die jeweils von nur noch sehr wenigen, sehr großen Banken bzw. Konzernen beherrscht werden.

Zusammenfassend resultiert in dieser Perspektive das Risiko eines neuen großen globalen Crashs aus der Kombination ausgereifter, stagnierender Märkte und sehr hohen Konzentrationsgraden (Unternehmenskonzentration sowie Einkommens- und Vermögenskonzentration) sowie den daraus resultierenden massiven Ungleichgewichten, einschließlich jener zwischen den Volkswirtschaften weltweit.

Die Flut billigen Geldes der Notenbanken und die in den letzten Jahren starke chinesische Wirtschaft haben diese nach wie vor bestehenden und sich weiter zuspitzenden Probleme nicht ausgeräumt, sondern deren Lösung lediglich in die Zukunft verschoben. Mit den aktuellen Turbulenzen in China infolge des sich stark abschwächende Wachstums der chinesischen Wirtschaft brechen diese ungelösten weltwirtschaftlichen Probleme wieder auf. Mehr noch beginnt sich abzuzeichnen, dass die Geldflut der Notenbanken 2008/2009 zwar das Schlimmste verhindert, aber andererseits die Fallhöhe der Finanzmärkte noch deutlich erhöht hat.
Das lässt sich mit einem Blick auf die langfristige Entwicklung- der Einkommens- und Vermögenskonzentration sowie der Unternehmenskonzentration/zunehmenden Dominanz weniger, immer größerer Unternehmen (als Folge von Mega-Fusionen und Übernahmen) verdeutlichen.

Vermögenskonzentration

Abbildung 1 veranschaulicht wie sich das globale Privatvermögen zwischen 2000 und 2015 entwickelt hat. 2000 und 2007 markieren Jahre des Einbruchs an den Börsen. Gut zu erkennen ist, dass das Platzen der New-Economy-Blase 2000 nach Vermögensschätzungen der Credit Suisse eine nur geringe Reduzierung des globalen Privatvermögens nach sich zog, im Unterschied zum Börsencrash von 2008.

SLE 01_CS GWD 2015_Globales Privatvermögen 2000-2015Abbildung 1

Viel wichtiger erscheint aber die Tatsache, dass das globale Privatvermögen – abgesehen von den beiden Rücksetzern – über den gesamten Zeitraum bis 2014 immer weiter angestiegen ist. 2015 ist es gegenüber dem Vorjahr erstmals wieder gesunken. Allerdings ins dabei zu berücksichtigen, dass sich die Vermögensschätzung der Credit Suisse auf die Mitte des Jahres 2015 bezieht. Es ist gut möglich, dass die Schätzung noch korrigiert werden muss. Der erste größere Börsencrash in China erfolgte erst im August 2015 und er vernichtete Kapital in Höhe mehrerer Milliarden.

Die Zunahme des globalen Privatvermögens nach 2008 muss vor dem Hintergrund der Tatsache bewertet werden, dass es sich erstens zu einem großen Teil in Händen weniger befindet (hohe Vermögenskonzentration) und zweitens auch regional sehr stark konzentriert ist. Der in Abbildung 1 veranschaulichte Anstieg des globalen Privatvermögens nach 2008 bedeutet insofern einen weiteren Anstieg der Vermögenskonzentration generell sowie vor allem auch regional.

Um die regionale Vermögens-Entwicklung und (indirekt) Konzentration in den zehn Ländern mit dem größten Privatvermögen geht es in Abbildung 2.

SLE 02_CS_Top-10-Länder nach Privatvermögen 2000-2015 Abbildung 2

Wie schon in Abbildung 1 sind auch hier die Jahre 2000 und 2007 rot hervorgehoben. Über den Säulen ist zudem ausgewiesen, um wie viel sich das Privatvermögen in den zehn Ländern zwischen 2008, also dem Jahr des Börsencrashs, und 2015 prozentual ausgedrückt vergrößert oder reduziert hat. Da das Privatvermögen in US-Dollar angegeben wird, spielen Währungseffekte natürlich eine Rolle. Japan hat seine Währung im Zuge der „Abenomics“ stark abgewertet. Gerade auch deswegen ist das Privatvermögen in Japan stark geschrumpft. Bei den in der Abbildung aufgeführten Ländern der Euro-Zone ist zu berücksichtigen, dass der Euro zuletzt gegenüber dem Dollar an Wert verloren hat.

Davon abgesehen lässt sich jedoch konstatieren, dass sich der in Abbildung 1 veranschaulichte Anstieg des globalen Privatvermögens um 59,997 Billionen Dollar zwischen 2008 und 2015 vor allem aus dem Anstieg in den reichsten Ländern erklärt. So vergrößerte sich das Privatvermögen in Großbritannien um 5,98 Billion, in China um 10,071 Billionen und in den USA sogar um unglaubliche 33,684 Billionen Dollar. Das heißt, in diesen drei Staaten erhöhte sich das Privatvermögen im angegebenen Zeitraum zusammengerechnet um 49,735 Billionen Dollar.

Die USA, China und Großbritannien sind Länder mit bekanntermaßen sehr hoher Vermögenskonzentration. (1) Das bedeutet, zwischen 2008 und 2015 hat sich die Vermögenskonzentration regional sowie unter den Reichsten nochmals signifikant erhöht. Anders ausgedrückt haben sich die ungleiche Verteilung des globalen Privatvermögens bzw. die Ungleichgewichte in der Vermögensverteilung nach 2008 erheblich vergrößert.

Das zeigt sich exemplarisch auch beim Blick auf die langfristige Entwicklung des Anteils der reichsten 1 Prozent und der reichsten 0,5 Prozent der US-Amerikaner am gesamten Privatvermögen in den USA, die in Abbildung 3 dargestellt ist.

SLE 03_CBPP_Chad Stone et al_US Wealth Concentration at the Top 1913-2012 Abbildung 3

Wie zu erkennen ist, ist die Vermögenskonzentration bei den reichsten 1 Prozent der US-Amerikaner bis 2012 auf über 40% gestiegen, der Anteil der reichsten 0,5 Prozent am privaten Gesamtvermögen in den USA auf rund 35 Prozent. Aus Abbildung 2 oben ist ersichtlich, dass es in den USA in den Jahren 2013-2015 sogar einen sprunghaften Anstieg bei den Privatvermögen gegeben hat. Das lässt aufgrund der hohen Vermögenskonzentration in den USA darauf schließen, dass sich dort insbesondere das Vermögen der reichsten 1 und 0,5 Prozent nochmals kräftig vergrößert hat.

Gedanklich lassen sich folglich die entsprechenden Kurven in Abbildung 3 nach 2012 bis 2015 nach oben verlängern womit sich die Vermögenskonzentration in den USA bis 2015 stark an die historisch bisher einmaligen Verhältnisse angenähert haben dürfte, die dort Ende der 20er Jahre, das heißt vor dem großen Börsencrash von 1929, herrschten.

Unternehmenskonzentration

Eingangs wurde bereits angesprochen, dass die globalen Märkte nicht nur ausgereift und weitgehend gesättigt sind. Vielmehr wurde auch darauf hingewiesen, dass sie meist von nur wenigen, sehr großen Unternehmen/Banken dominiert werden. Betrachtet man das Geschehen auf dem Markt für Fusionen und Übernahmen (Mergers & Acquisitions (M&A)) sowie speziell auch die vielen Megafusionen in den letzten 25 Jahren sowie insbesondere auch in 2015 (Beispiele: Pfizer – Allergan (113 Mrd. Dollar, Dell – EMC (67 Mrd. Dollar), Anthem – Cigna (54,2 Mrd. Dollar), dann lässt sich feststellen, dass sich diese Dominanz weiter vergrößert hat und auf noch weniger Großkonzerne verteilt. Das heißt, ein immer größerer Anteil der auf den Weltmärkten generierten Umsätze und Gewinne fällt bei einer kleiner werdenden Zahl sehr großer, börsennotierter Konzerne an.

Betrachtet man den Zeitraum 1990 bis 2015, dann lassen sich regelrechte Fusionswellen differenzieren, wobei diese im Takt der großen Börsencrashs beginnen bzw. enden. Das geht aus Abbildung 4 hervor, in der für die einzelnen Jahre jeweils das angekündigte Volumen an Fusionen und Übernahmen in US-Dollar angegeben ist.

SLE 04_TR_Volumen angek M&A weltweit in USD 1990-2015Abbildung 4

Die Daten legen nahe, dass die Fusionswellen ein Indikator für das Risiko von Börsencrashs sind. Wie schon in den vorangegangenen Abbildungen sind auch hier die beiden Krisenjahre 2000 und 2007 als Höhepunkte in einem Entwicklungsabschnitt rot hervorgehoben. Nach den Daten von Thomson Reuters markiert das Jahr 2015 beim Gesamtwert der angekündigten Fusionen und Übernahmen einen neuen Allzeitrekord.

Das muss nicht notwendigerweise bedeuten, dass die Fusionswelle 2016 mit einem neuen großen Crash bricht. Nimmt man jedoch die Fusionswellen als Crash-Indikator, dann ist das Crash-Risiko bis Ende 2015 in jedem Fall deutlich gestiegen.

Nachvollziehen lässt sich dies mit der einfachen Überlegung, dass – angesichts weitgehend gesättigter globaler Märkte – die Stabilität oder das Wohl und Wehe der globalen Wirtschaft 2016 in noch höherem Maße als jemals zuvor von einer sehr kleinen Zahl sehr großer Konzerne abhängt, die sich zudem überwiegend in nur wenigen Volkswirtschaften ballen.

Damit wird zugleich das Ausmaß der Abhängigkeit ganzer Volkswirtschaften von wenigen Konzernen klar und wie nahe, angesichts der anhaltenden Instabilität und hohen Krisenanfälligkeit der globalen Wirtschaft und Finanzmärkte, wirtschaftliche Prosperität und wirtschaftlicher Absturz heute beieinander liegen. Abrupt eintretende, tiefe Krisen sind damit vorprogrammiert.

Die hohe Vermögenskonzentration in den USA (siehe Abbildung 3) korrespondiert offensichtlich mit den Fusionswellen (Abbildung 4) und der Entwicklung an den Aktienbörsen. Abbildung 1 verdeutlicht, dass das globale Privatvermögen mit dem Crash von 2008 massiv einbrach und in dem bis heute anhaltenden Aufschwung an den Börsen wieder erheblich angestiegen ist. Die Aktien profitierten dabei von der Flut billigen Geldes der großen Notenbanken. Die Vermögenden wiederum profitierten von der steigenden Unternehmenskonzentration oder genauer gesagt davon, dass infolge der Welle von Fusionen (speziell Megafusionen) und Übernahmen ein immer größerer Anteil der weltweit erwirtschafteten Gewinne auf eine immer kleinere Zahl von (börsennotierten) Unternehmen entfällt.

Doch der Anstieg der Aktienkurse und das externe Unternehmenswachstum (durch M&A) finden keine Entsprechung in der Entwicklung des globalen Wirtschaftswachstums. Der Anstieg der Aktienkurse lässt sich folglich nicht ohne weiteres aus den allgemeinen Gewinnperspektiven ableiten, sofern man dabei auf die Trends beim globalen Wirtschaftswachstum rekurriert, wie die in Abbildung 5 dargestellten Wachstumsraten für die EU, die G7-Länder und Großbritannien im Zeitraum 2003 bis 2015 belegen.

SLE 05_ONS_International GDP growth rates Q1 2008-Q3 2015Abbildung 5

Aus den Fusionswellen resultiert auch kein erkennbarer positiver Effekt beim globalen Wirtschaftswachstum. Im Gegenteil erklärt sich die neue, 2009 angelaufene Fusionswelle offensichtlich gerade aus dem geringen und in den letzten Jahren tendenziell weiter zurückgehenden Markt- und Wirtschaftswachstum, speziell auch in den Schwellenländern. Es geht dabei folglich nicht um die Verbesserung der Chancen im internationalen Wettbewerb zur Generierung von Gewinnen auf wachsenden Märkten. Vielmehr geht es um Vergrößerung des Marktanteils auf gesättigten Märkten durch Zukäufe bei gleichzeitiger Realisierung von Kostenersparnissen.

Die neue Fusionswelle ist insofern ein Hinweis auf ein taktisches Vorgehen, bei dem sich verschlechternde Umsatz- und Gewinn-Wachstumsperspektiven auf den Weltmärkten kaschiert werden. Letztlich werden vor allem Kostensenkungspotenziale realisiert und damit der Zeitpunkt herausgeschoben, an dem sich die eintrübende gesamtwirtschaftliche bzw. weltwirtschaftliche Lage erkennbar in den Bilanzen niederschlägt.

Insofern verschleiert die aktuelle Fusionswelle die sich verschlechternden wirtschaftlichen Perspektiven von Unternehmen auf den globalen Märkten. Auch die Anleger tragen dazu bei. Denn an den Börsen wird sie direkt oder indirekt positiv gewertet, was sich in steigenden Aktienkursen widerspiegelt. Zudem hat auch die Flut billigen Geldes, die hauptsächlich in Finanzanlagen, aber eben nicht, wie von den Notenbanken angestrebt, in die Realwirtschaft geströmt ist, die Aktienkurse beflügelt. Die Entwicklung der Aktienkurse an den Börsen hat sich zunehmend von den realen weltwirtschaftlichen Perspektiven abgekoppelt und das ist ein Problem, wie Abbildung 6 veranschaulichen soll.

Einkommenskonzentration, Fusionswellen und große Börsencrashs

Die Abbildung 6 zeigt die langfristige Entwicklung der Einkommenskonzentration in den USA sprich den Anteil der Top-1- und der Top-0,5-Porzent der Einkommenspyramide am gesamten Einkommen in den USA. Es ergibt sich eine ähnliche Entwicklung wie bei den Top-Vermögenden in den USA (siehe Abbildung 3). Allerdings gibt es bei den Top-Einkommen viel stärkere Schwankungen.

In die Darstellung zu den Top-US-Einkommen wurden nachträglich die Fusionswellen sowie auch große Börsencrashs eingezeichnet (vergleiche dazu auch (2) und (3)).

SLE 06_CBPP_Chad Stone et al_US Income Concentration at the Top 1913-2014_MA_Crashs2 Abbildung 6

Gut zu erkennen ist, dass Top-Einkommensanteilsspitzen (in den USA) abgesehen von einer Ausnahme (1984-1989) immer mit Höhepunkten von Fusionswellen zusammenfielen und der Anstieg des Anteils der Top-Einkommen sowie die Fusionswellen, wiederum abgesehen von einer Ausnahme (1969), jeweils mit einem Börsencrash endeten.

Mehr noch zeigt die Abbildung 6, dass die Fusionswellen seit Anfang der 80er Jahre in kurzen Abständen aufeinander folgten. Das heißt aber vor allem auch, dass die Unternehmenskonzentration bzw. die Dominanz weniger, sehr großer Konzerne auf den globalen Märkten seit Mitte der 80er bis heute immer weiter gestiegen ist. So etwas hat es historisch betrachtet in dieser Form noch nicht gegeben.

Es wäre voreilig, vor diesem Hintergrund den nächsten großen Crash für 2016 prognostizieren zu wollen. Möglicherweise setzt sich die Fusionswelle auch 2016 noch fort. Eventuell kühlen sich die Aktienmärkte weltweit vorübergehend erst einmal nur etwas ab und beim Anstieg der Einkommens- und Vermögenskonzentration gibt es gegebenenfalls eine Pause. Dennoch ist die über die letzten Dekaden enorm gestiegene Konzentration bei Unternehmen, Einkommen und Vermögen in Verbindung mit ausgereiften, überwiegend gesättigten globalen Märkten bei zugleich steil und über das Vorkrisenniveau von 2007 hinaus gestiegenen Aktienkursen ein klarer Hinweis auf eine sehr hohe Crashgefahr für die globalen Märkte.

Die Situation, die sich durch die beschriebenen Konzentrationsprozesse inzwischen ergeben hat, ist gleichbedeutend mit massiven, in dieser Form bisher nicht gekannten Ungleichgewichten auf verschiedenen Ebenen der Weltwirtschaft. Und sie ist gleichbedeutend mit einer sehr hohen systemischen Instabilität, bei der globale Stabilität und globaler Crash nur einen Wimpernschlag weit auseinander liegen.

China könnte der Auslöser eines neuen großen, globalen Crashs sein. Vielleicht aber auch nicht. In Jedem Fall kann das Unvermögen des zentralistischen chinesischen Regimes, die Turbulenzen an den chinesischen Börsen, die Kapitalflucht und die wachsenden Probleme der chinesischen Wirtschaft in den Griff zu bekommen, als ein Zeichen dafür gewertet werden, dass das Umsteuern weltweit problematisch geworden ist.

Insofern ist es aber auch sehr fraglich geworden, ob Notenbanker und Regierungen weltweit in der Lage sind, eine neue Finanzmarkt- und Weltwirtschaftskrise, die sie bis jetzt nicht kommen sehen, abzuwenden oder sie, so wie 2008/2009, zu stoppen, wenn sie bereits abrupt mit einem großen Crash begonnen hat.

Schaut man sich dazu nochmals Abbildung 6 an, dann können einem daran große Zweifel kommen.

von Stefan L. Eichner
Kontakt: info.sle@web.de

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50 KommentareKommentieren

  • Holly01 - 12. Januar 2016

    Hallo,
    Danke für die ausfürchliche Schilderung des Ist-Zustands.
    Einen Punkt vermisse ich jedoch und das ist die “Gerechtigkeit”.
    Es ist die Frage mit welchem Recht, die USA so viel mehr konsumiert, als sie selbst herstellt oder Rohstoffe hat.
    Es ist die Frage, mit welchem Recht fast ganz Afrika seit Jahrzehnten perspektivlos im Schuldturm gehalten wird.
    Es ist die Frage warum es Ratingsagenturen gibt, die die ganze Welt beurteilen, aber bei ihren Urteilen so offensichtlich Politik machen.

    Ich denke bei der Betrachtung der Brüche und Krisen, ist die Frage nach der Gegenwehr der “Verlierer” nicht ganz unwichtig.

    Die Krise 2007/16 war ja nie weg. Die Auswirkungen wurden nur unter Bankbilanzen mit “negativem Eigenkapital”, der Aussetzung von Zinszahlungen (nichts anderes sind Nullzinsen) und einer Verlagerung der Schulden vom Bankwesen zum Staatswesen versteckt.
    Es ist aber egal, ob eine Bank eine negative Bilanz hat und das mit den Einnahmen nicht abdecken kann oder ob ein Staat wie die USA eine negative Bilanz hat und das mit den Einnahmen ebenfalls nicht abdecken kann.
    Die Staaten sind ja strukturell keine anderen Schuldner als die Notenbanken, bei Licht betrachtet sind es nicht nur die gleichen sondern sogar die selben.

    Bleibt die Frage: warum ist der DOW, der von hedonischen Hoffnungen und gutem Informationsmarketing lebt noch nicht zusammengebrochen, aber der SCI schwankt so stark, dass es allen Angst macht.
    Realwirtschaftlich ist China stabil.
    Die Produktion läuft, die Investitionsquote ist schwindelerregend und es gibt eine ernsthafte Zukunftsperspektive.
    Die USA haben im Vergleich …. nichts …… ausser Gewalt und Kriegsdrohungen.
    China hat keine Krise.
    Die USA haben eine Krise und führen gegen die EU und gegen China verzweifelte Wirtschaftskriege.
    Die Gerechtigkeitsfrage der Weltwirtschaft wird hinter einem Vorhang von Gewalt und Destabilisierung versteckt.
    Bleibt die Frage was die EU nun tun wird……..

  • Basisdemokrat - 12. Januar 2016

    “Nachvollziehen lässt sich dies mit der einfachen Überlegung, dass – angesichts weitgehend gesättigter globaler Märkte – die Stabilität oder das Wohl und Wehe der globalen Wirtschaft 2016 in noch höherem Maße als jemals zuvor von einer sehr kleinen Zahl sehr großer Konzerne abhängt, die sich zudem überwiegend in nur wenigen Volkswirtschaften ballen.”
    http://katapult-magazin.de/uploads/tx_news/Umbenannt_Firmen-Staaten.png

    • Basisdemokrat - 12. Januar 2016

      Es ist der bisher größte Kauf eines Investors aus der Volksrepublik in Deutschland: der größte Chemiekonzern Chinas kauft den Münchner Mittelständler Krauss Maffei.
      http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/kraus-maffei-hurra-die-chinesen-kommen-1.2812894
      Gegen wen rüsten die auf?
      Die eigene Bevölkerung?
      Die USA?

    • Stepe - 13. Januar 2016

      Hallo Basisdemokrat,
      es ist sehr ungenau zu sagen das es “weitgehend gesättigter globaler Märkte” gibt. Das stimmt nicht. Es gibt maximal weitgehend bezahlbar gesättigte globale Märkte”. Menschen verhungern weil sie Lebensmittel nicht bezahlen können, nicht weil es sie nicht gibt. “Uns” erscheint es als Überproduktion, die aber eine Unterproduktion ist.

      http://www.linkes-oldenburg.de/wp-content/uploads/2015/12/Warum-verhungern-t%C3%A4glich-.pdf

      • Basisdemokrat - 13. Januar 2016

        Aus Ihrer Perspektive haben Sie wohl recht. Es klingt wie ein bitterer Euphemismus. Aber SLE hat damit doch wohl eher eine strukturelle Sättigung bezüglich seiner Märkte- These beschrieben.
        Wenn ich die Hilfsbereitschaft der Menschen um mich herum sehe -ein paar irregeleitete ausgenommen – … in was für einer Welt könnten wir leben!
        Da kann man Herrn Trappe nur zustimmen inferiore Persönlichkeiten sitzen an den Schalthebeln der Macht (meine Formulierung).
        Gruß BD

  • Georg Trappe - 12. Januar 2016

    Ergaenzend:
    http://www.bloomberg.com/news/articles/2016-01-10/china-retreat-from-u-s-bonds-prompts-shrugs-where-fear-reigned

    Hoert sich fuer mich nach gesund beten an.

    Und hier findet man in den Kommentaren meine Einschaetzung der Situation an den Finanzmaerkten
    http://www.querschuesse.de/china-waehrungsreserven-sinken-um-108-mrd-dollar-zum-vormonat/

    Ja und die im Artikel deutlich ausformulierte Einschaetzung bezueglich der verheerenden Wirkung von stetig fortschreitenden Konzentrationsprozessen auf allen Ebenen und der daraus resultierenden Instabilitaet und Risikoanfaelligkeit teile ich voll und ganz.
    Das ist einer blinder Fleck in den gaengigen Analysen und kann daher nicht oft genug wiederholt werden.

    • Georg Trappe - 12. Januar 2016

      Und hier noch ein paar Beispiele, wie chinesische Perspektiven aussehen:

      http://www.flugrevue.de/zivilluftfahrt/flugzeuge/comac-feiert-roll-out-der-c919/653432

      Direkte Konkurrenz zum Airbus A320neo und der Boing 737Max. Alle noch nicht fertig und C919 kommt wahrscheinlich als letzte. Aber Hallo! Hierzulande muss immer mit in Erwaegung gezogen werden, dass Investitionen/Innovationen Kanibalisierungseffekte haben und die machen einfach, weil keine Verstrickungen mit der vergangenheit vorhanden sind.

      http://www.globalcapital.com/article/vf5bsfykt1tj/the-potential-of-one-belt-one-road

      Projekt Europa scheitert, deutsche Kredite/Investitionen werden zurueckgerufen/eingestampft, nachholende Entwicklung in Suedeuropa ist bis auf weiteres undenkbar da Austerity das Programm der Wahl ist und europaeische Staatsanleihen von US Ratingagenturen zerschossen wurden, weil europaeische Staaten Banken retten mussten, die sich mit US Schrottpapieren vollgesogen hatten. Und in China plant man nicht nur sondern finanziert ein Transport Infrastrukturprogramm, das vom Pazifik bis nach Europa hinein reicht. Die eine Seite gefangen in einem vollkommen dekadenten und destruktiven Finanzgedankengebaeude/Zocker Nullsummenspiel und die andere Seite konstruktiv, selbstbewusst und auf Projekte ausgerichtet, die realwirtschaftlich was bringen.
      Und das ganz pragmatisch und ohne Einmischungen in die inneren Angelegenheiten der beteiligten Partner, natuerlich auch ihre Sorgen haben.
      Und dann weisst man die ausgestreckte Hand der Russen wegen ein paar ausgeflippter Nazis mit guten Verbindungen zur US Oligarchie in der Ukraine zurueck.

      • Holly01 - 12. Januar 2016

        In Summe steht China mit seinem Erfolg für eine wichtige Frage:
        Wozu braucht die Welt die USA mit ihrer “Wertegemeinschaft” überhaupt?
        bzw.
        Geht das Alles ohne USA (und die Wertegemeinschaft) nicht besser?

  • Stepe - 12. Januar 2016

    Hallo SLE,
    es kann durchaus an mir liegen das ich Ihren Artikel ein wenig durcheinander gewürfelt empfinde.
    Die Überschrift suggeriert schon etwas das sie im Artikel nicht nachgewiesen haben, Eine „Chinakrise“. Weil dann die Analyse der „westlichen“ Wirtschaft folgt, die ich teile, gehe ich davon aus das der zweite Teil der Überschrift sich auf diese Wirtschaft bezieht.
    Bei China kommt mir ein wenig zu kurz was die Chinesen investieren, gerade haben Sie fast 1 Milliarden Dollar für http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/kraussmaffei-chinesische-staatsfirma-kauft-maschinenbauer-a-1071375.html ausgegeben.
    Was zu kurz beleuchtet wird ist wie die Westliche und Chinesische Wirtschaft unterschiedlichen Herangehensweise an Investitionen haben. Ich glaube von Ihnen schon einmal gelesen zu haben das die westliche Wirtschaft „nur“ von Quartal zu Quartal rechnet. Sie sind eben noch Couponschneider.
    Das die Chinesen weit in die Zukunft planen ist unstrittig? Von daher gibt es unterschiedliche Aufgeregtheit. Daher auch wohl die Mangelnde „Ursachen“ Analyse. Bei den Rücklage die die Chinesen habe machen 100 Milliarden Dollar „in den Sand gesetzt“ kein Bluthochdruck. (Ich verweise da auf Hellmann von der Bremer Landesbank)
    Allerdings, und das merken Sie ja an, braucht die westliche Wirtschaft einen Sündenbock um selbst aus dem Wind zu kommen, den meinen sie in China gefunden zu haben. So schauen sie auch nicht auf das eigene Wirtschaften. Da sprechen sie ja VW an, die (VW) tun so als sei nie was geschehen und wie toll ihre Betrügereien waren, denn das hat ihre Innovationen in Gange gesetzt.

    Insgesamt beschreiben Sie ja die Wirtschaften sehr schön. Ich versteh allerdings nicht das sie Börsenkurse als Indikator für Wirtschaft hernehmen. Da noch mal zu China, die basteln erst kurz an ihren Börsen und da kann ich mir durchaus Insiderhandel und ähnliches Vorstellen, auch Angriffe. Es soll da Firmen geben die tun sowas. Westliche Börsen haben da eine längere Tradition. Die hohe Börse Indices in Deutschland ist doch nicht der Wirtschaft geschuldet, hier werden doch Aktien mit Draghis Geld gekauft, eben weil die Wirtschaft nicht so stark ist. Da ist das größte Problem das die Inflation das Geld nicht entwertet und so bleiben die Schulden. Da so viel Geld Anlage sucht ist jede Investition die Rendite verspricht auch gleich damit verbunden eine Blase zu sein.
    Die Konkurrenz wird steigen und immer mehr Prekäre hervorbringen, siehe ihre Grafiken. So werden sich in China wie in Deutschland eine ganz andere Blase bilden, die soziale. Es gibt keine Möglichkeit mehr privat was für die Rente zu tun.

    Gruß Stepe

  • Stepe - 12. Januar 2016

    Interessant, aber dicht an Verschwörung

    http://www.heise.de/tp/artikel/47/47085/1.html

    • Holly01 - 12. Januar 2016

      Das ist keine VT. Der Hegemon bringt sich selbst in eine Position, wo er weltweit gebraucht wird.
      Sei es als Vermittler oder als Entscheider, was ja oft Hand in Hand geht.
      Je größer die systemischen Widerstände (von mir aus auch das selbstständige voreilende Befolgen der US-Positionen) wird, an desto mehr Ästen schüttelt der Hegemon.

      Sie können das sehr schön bei den Briten ab etwa 1820-1850 verfolgen. Auch da die lokalen Staathalter und das zündeln an immer mehr Konflikten. Dieses aufeinanderteiben lokaler Gegensätze und der Einsatz lokaler Gruppen, als “Terroristen” ist ja nun wirklich nicht neu.
      Der Hegemon destabilisiert immer von Innen.
      Die Agenda2010 ist eben auch die Einflugschneise für hegemoniale Handlungen. Die örtlichen Eliten haben unter dem neoliberalen Regime überall ihre Gesellschaften zerrüttet.
      Der Hegemon kann sich aussuchen, wenn er mit Geld und Mediengewalt aufbaut, es gibt genug Alternativen…….. und wo das nicht reicht, da gibt es ja noch solche Einrichtungen wie Boko Haram, den IS aka ISIS aka ….. egal, ist eh alles der gleiche CIA Mist, wo Menschen radikalisiert und auf primitivstes Gewaltverhalten ohne jede Menschlichkeit zurück geführt werden.
      Wobei CIA …. ich würde annehmen, da mischen inzwischen Alle mehr oder weniger ekelhaft mit, die Deutschen haben ja in der Ukraine auch den rechten Sektor mit hochgezogen, der Angehörige mit Stacheldraht fesselt und zuschauen lässt wie den schwangeren Familienmitgliedern so lange in den Bauch getreten wird, bis denen das Blut die Beine herunter läuft.
      Wit sind da keinen Deut besser ….

  • Holly01 - 12. Januar 2016

    Ihr habt hoffentlich Alle zur Kenntniss genommen, daß Kraus Maffei keine Militärkomponente mehr enthält.
    Der Militärische Teil wurde bereits vor Jahren mit allen Patenten ausgegliedert.
    Das was da verkauft wurde ist ein guter Maschienenbauer, Teileproduzent.

    • Basisdemokrat - 12. Januar 2016

      War mir leider entfallen. Vielleicht gibt es ja noch alte Seilschaften.

      • Holly01 - 13. Januar 2016

        Nein, alles was einen Stift halten oder lesen und schreiben konnte und im Rüstungsbereich war, ist abgewandert.
        Beim Maschinenpark könnten noch ein paar Spezialmaschinen aus dem Altbestand sein, die reisst man nicht ab und stellt die neu auf, das Kaufen neuer ist schlichtg effizienter und auch nicht viel teurer.
        Aber ich würde vermuten, der MAD und die CIA haben alles 3 Mal gecheckt und für gut befunden.

  • Holly01 - 12. Januar 2016

    Wer einmal auf die “international GDP grows rates” schaut und in Relation setzt das China der mit Abstand größte Produzent der Erde ist, der mal spekulieren, was es bedeutet, wenn China “nur” um 7% wächst.
    Übrigens waren die 7% die Planzahl und dei wurde verfehlt, das Jahreswachstum lag nur bei 6,9%.
    Die Wertegemeinschaft hält seit Jahren (Jahrzehnten) keine einzige Planzahl ein, bzw kommt nicht einmal in die Nähe der eigenen Vorgaben.
    Diese 1% GDP Wachstum spiegeln nicht einmal das Zinswachstum wider, bei einem GDP Wachstum unterhalb der Zinsrate handelt es sich um eine Rezession.
    Wenn die Abschreibungen höher sind als der Zinszuwachs, leben die Staaten von der Substanz, also der Kapitalstock wird verbrannt.
    So schaut das nämlich aus ….

    • Holly01 - 12. Januar 2016

      … oder präziser, die Staaten leben aus dem Geldumlauf, vulgo der Mehrfachnutzung von Geld und sind darauf angewiesen, die Nutzungsketten ständig zu verlängern.
      Das ist dann die Ursache für die “vernetzte und arbeitsteilige” Globalisierung der Produkte.
      Damit man überhaupt noch aus dem Umlauf genug entnehmen kann, muss man alle Lebensbereiche kommerzialisieren und alle Arbeitsbereiche industrialisieren.
      Aber die gleichzeitige Automation verringert den Umlauf, weil die Zahl der Lohnempfänger sinkt, die größere Lohnanteile verkonsumieren.
      Das Fettaugensyndrom (Hr.Trappe), die ständige Konzentration der Wirtschaft/-sprozesse (SLE) und die als Mehrfaches der Realwirtschaft entwickelte wirksame Geldmenge, limitieren das System.
      Die “Wertegemeinschaft” bewegt sich im Grenzgebiet der Systemmöglichkeiten.

      Aus dieser Sicht ist es schon sehr interessant, wo China da steht.

  • JL - 12. Januar 2016

    Hallo Stefan L. Eichner

    Wenn die Vermögenskonzentration, welche sich auch durch Fusionen darstellen lassen gegenwärtig nicht das Ergebnis von wachsenden Märkten ist, sondern von zunehmender Marktbeherrschung ausschließlich zur Wahrung von Erträgen dient, drängen sich nachfolgende Gedanken hierzu auf.

    Die Abbildung 2 in Ihrem Artikel kann man auch so interpretieren, daß die überwiegend warenproduzierenden Industrieländer wie Spanien, Italien, Frankreich, Deutschland und Japan gegenüber China Einbußen erlitten, die Einnahmen rohstofflastiger Industriestaaten auf Grund des chinesischen Wachstums jedoch stiegen (Australien, Kanada). Großbritannien und die USA dagegen glänzen vor allem durch ihre Finanzmärkte, sind aber besonders Krisenanfällig (erkennbar an der Falltiefe wenn Krise ist).

    Und hier stellt sich nun die Frage: Was geschieht in einer zu erwartenden Krise unter diesen Umständen?

    Gegenwärtig stagniert das weltweite wirtschaftliche Wachstum, außer in China. Das bedeutet stagnierende Rohstoffnachfrage bei sinkenden Rohstoffpreisen. Das bedeutet aber auch sinkende Investitionen und erhöhten Druck bei bereits getätigten kreditfinanzierten Investitionen. Dies wiederum führt zwangsweise zu Kostensenkungen (Schließung unrentabler Anlagen).
    Bei den Anbietern irgendwelcher Endprodukte kommt es dagegen zunehmend zu einem Verdrängungswettbewerb und staatlicher Repressionen, um trotz Flaute noch wachsen zu können.

    Beides findet gegenwärtig statt und belastet zunehmend auch die Finanzbranche.

    Steigen zukünftig faule Kredite (Realwirtschaft) oder Sinkt das Vertrauen in fiktive Werte (Börsen), hat dies unmittelbare Folgen für die Finanzwirtschaft, welche dann erneut nur mittels neuer QE- Maßnahmen „technisch“ über Wasser gehalten werden kann. Dabei ist es fast schon egal wo welche Kreditblase platzt.

    Bei dem Verlust von realwirtschaftlicher Leistungsfähigkeit bei gleichzeitiger weiterer Verwässerung von Währungen kann dies infolge dessen zu einer nicht mehr beherrschbaren Stagflation führen, wobei natürlich klar ist das bei allen Krisen die Notenbanken bisher immer erfolgreich versagt haben.

    Die nicht mehr beherrschbaren Probleme werden Währungen und Staaten zu Fall bringen, somit eine Neuordnung des Geldsystems erzwingen und globale Wirtschaftsstrukturen nachhaltig ändern. Dabei haben China und Russland die besseren Karten durch die freiwillige oder erzwungene Umorientierung ihrer Volkswirtschaften.

    Aber natürlich ist hier und heute alles bestens- im Auge eines Hurrikans soll es ja auch windstill sein.

    Mit freundlichen Grüßen

    JL

  • Uwe - 12. Januar 2016

    Das war der Blick auf die Vermögen. Schauen wir doch mal auf die Schulden:
    http://think-beyondtheobvious.com/stelters-lektuere/an-china-haengt-die-weltwirtschaft/

    Zwei Seiten eines Problemes.

    • JL - 12. Januar 2016

      Hallo Uwe

      Irgendwo zwischen dem Wort „Steinreich“ und „Bettelarm“ gibt es den Wert Null. Die Null hat aber keinen eigenen Wert, Schulden die auf „null“ zurückgefahren werden auch nicht. Gäbe es keine Schulden gäbe es auch kein Geld.

      Das ist der aktuelle Stand der Dinge.

      Mit freundlichen Grüßen

      JL

      • Holly01 - 13. Januar 2016

        Hallo JL,
        diese Aussage: “Gäbe es keine Schulden gäbe es auch kein Geld.” Ist nicht richtig.
        Jede NB oder jede Institution, die Geld emittiert ist natürlich dazu in der Lage Geld zu erzeugen ohne Schuldner zu haben.
        Die FED hat an alle US-Bürger Geldgutschriften ausgeteilt, das lief über die Finanzämter.
        Geld ohne Schuld ist durchaus möglich.
        Stellen Sie sich nur ein Bürgerrecht auf Grundversorgung mit Geld vor, das bedingungslose Grundeinkommen als Ersatz der Hilfsleistungen Sozialhilfe, Grundsicherung oder H4, ebenfalls Geld ohne Schuld.
        So einfach ist es nicht, ich gebe aber zu, das die Tilgung aller Schuld dem Verlust großer Teile der Vermögen entsprechen würde.
        Es ist interessant zu schauen, was auch Zinseszinsen und Verwertungsketten würde, wenn man die Schulden streichen würde.
        Das emittierte Geld wird ja nicht dadurch zurück geholt, es läuft weiter …

        • Georg Trappe - 13. Januar 2016

          Hallo Holly01,

          das Prinzip doppelter Buchfuehrung erzwingt, das einer Passivposition eine gleichgrosse Aktivposition gegenueber gestellt wird. Wenn eine Bank Geld im Zuge der Kreditvergabe emmitiert dann ist das Geld aus Sicht der Bank eine Verbindlichkeit (Passiv) und der Kreditvertrag eine Forderung (Aktiv). Die Bank kauft mit dem geld, das sie dem Schuldner gut schreibt, den Kreditvertrag. Selbstverstaendlich kann der Kreditvertrag so gestaltet werden, dass das Geld nie zurueck gezahlt werden muss (Endlosdarlehen) und auch keine Zinsen faellig werden. Soetwas nennt man dann Positiv Money. Nur macht das keine Bank, weil es keinen Gewinn bringt. Wenn eine Zentralbank das macht, dann heisst das QE, versagt aber weil unser Geldsystem zweistufig ist und dieses Zentralbankgeld ersteinmal nur den Geschaeftsbanken zur verfuegung steht. Und die nutzen das nur zur Abwicklung des Zahlungsverkehrs untereinander. Nur wenn sie Bargeld abheben, bekommen sie zentralbankgeld von ihrer Geschaeftsbank. Dazu muessen sie entweder Sichtforderungen = ein Girokonto im Haben haben oder aber einen Kredit beantragen. Wenn die Geschaeftsbank diesen Kredit nicht unendlich und zinslos gewaehrt, weil es keinen Gewinn bringt, laeuft die QE Geschichte ins Leere. Daher gibt es die Idee QE for the People. Also eine direkte Zuteilung von Zentralbankgeld an die Buerger mit einer Gegenposition wie oben beschrieben.
          Das wird z.Zt. viel diskutiert und koennte tatsaechlich kommen. Aber ob und wie das wirkt, weiss kein Mensch. Ist eine innovative Idee.
          Meine Meinung dazu ist. Es wird die Probleme, die aus Nachfragemangel resultieren teilweise loesen aber die Konzentrationsprozesse werden sich fortsetzen. Das ist Keynes 2.0. An den Monopolen, den Oligopolen und den daraus resultierenden Risiken und Erstarrungen wird das nichts aendern.

          • Holly01 - 13. Januar 2016

            Jaein,
            eine Bank verlängert die Bilanz, da ist der Schuldenteil fest eingebaut. Gibt die Bank dem Kunden “seinen” Teil ist das ein Schuldschein der Bank, der nur mit dem Versprechen des Kunden gedeckt ist, die Schuld über den Kreditvertrag zu begleichen.
            Druckt aber ein emittierendes Institut Geld, dann fallen nur Herstellungskosten an. Die Herstellungskosten liegen im Normalfall weit unter dem Nominalwert.
            Die Herausgabe ist wieder eine Nullsumme. In diesem Fall ist diese Nullsumme aber tatsächlich mit dem Guthaben aus der Differenz aus Herstellungskosten zu Nominalkosten positiv.
            Fällt dieses Geld aus, bleibt kein Ausfall von Kredit zurück.

            Interessant wird es erst, wenn man Geldschöpfer genau so betrachtet, wie Gelddrucker.
            Wenn man also sagt, das Kreditinstitut schöpft tatsächlich Geld zu Herstellungskosten und arbeitet dann damit.
            Fällt das Giralgeld dann aus, verfallen nur Zinsen. Die Positionen in der Bilanz werden 1:1 gelöscht.
            Die Frage ist also: wo schöpfen Sie?
            Bei der Bilanzverlängerung?
            Im Vorfeld ohne Gegenpart und stellen dann zur Bilanzverlängerung zur Verfügung?
            Also quasi wie bei Münzen oder Bargeld ….. ginge es auch bei Giralgeld.
            Dann tut das auch nicht weh, wenn das Geld nur eine begrenzte Lebenszeit hat, bzw. eine hohe “Schrumpfungsrate”.
            …. aus dem nichts …. und fällt immer auf seinen tatsächlichen inneren Wert von Null zurück …

            • Holly01 - 13. Januar 2016

              Da Sie das sowieso alles wissen noch einmal verkürzt:
              Sie rahmen die ganz normale Geldschöpfung damit ein, dass Sie Geld vorher bereits schöpfen und zur Verfügung stellen und dieses Geld schrumpfen Sie (jährlicher Verfall, Abgaben) oder Sie begrenzen generell die Lebensdauer (3-5 Jahre in Verbindung mit einem Zinsbruch, um Zinseszinsen zu verhindern), um die Geldmenge einerseits und die Versorgung andereits im Verhältniss zur realen Produktivität in Waage zu halten.
              thats it

              • Holly01 - 13. Januar 2016

                Der Charme ergibt sich daraus, daß ein ausfallender Schuldner nicht ruiniert werden muss. Man wickelt den nach festen Regeln ab und erhält den Produktivanteil, ohne Verwertung für Schulden.
                …. und komme nun keiner mit der Mär der Marktbereinigung über (Unternehmens-)Qualität, sonst bring ich Beispiele, wie unsinnig das ist …

                • Holly01 - 13. Januar 2016

                  … wenn man Rohstoffe aus dem “Nichts” gegen Schöpfungskosten ins System einbringen kann, dann kann man das mit geldschöpfung unisono auch …. ;)

    • Georg Trappe - 13. Januar 2016

      Es gibt keine Probleme sondern immer nur Moeglichkeiten (ein Geschaeft zu machen).
      Zumindest aus der Sicht derjenigen, die diesen Double Bind inzwischen als risikoloses (tbtf) Geschaeft betreiben.
      Das System ist nur aus unserer Sicht problematisch. Aus Sicht der Betreiber funktioniert es ganz hervorragend.

      https://en.wikipedia.org/wiki/Double_bind

      “A double bind is an emotionally distressing dilemma in communication in which an individual (or group) receives two or more conflicting messages, and one message negates the other. This creates a situation in which a successful response to one message results in a failed response to the other (and vice versa), so that the person will automatically be wrong regardless of response. The double bind occurs when the person cannot confront the inherent dilemma, and therefore can neither resolve it nor opt out of the situation.

      Double bind theory was first described by Gregory Bateson and his colleagues in the 1950s.[1]

      Double binds are often utilized as a form of control without open coercion—the use of confusion makes them both difficult to respond to as well as to resist.”

      • Georg Trappe - 13. Januar 2016

        Auf die Frage, ob Sparen oder mehr Schulden machen die richtige Loesung ist, kann es aus Sicht der Betroffenen nur falsche Antworten geben.

        https://dl.dropboxusercontent.com/u/3535627/ThisWay.jpeg

        https://dl.dropboxusercontent.com/u/3535627/System_not_broken.jpg

        • JL - 13. Januar 2016

          Hallo zusammen

          Es geht auch anders, kennt ihr WIR- Geld in der Schweiz als zweite offizielle Währung dort?

          Vermutlich nicht, nicht mal die überwiegende Mehrheit der Schweizer kennt es.

          Mit freundlichen Grüßen

          JL

      • Heinz - 13. Januar 2016

        Zu abstrakt, daher ein konkretes Beispiel eines Double-Bind. Deine Frau schenkt Dir zu Weihnachten 2 Krawatten. Um ihr Deine Wertschätzung des Geschenkes zu zeigen, legst Du Dir am nächsten Tag eine um den Hals. Sie fragt Dich dann mit unschuldigem Augenaufschlag: “Und die andere gefällt Dir nicht?”. Einer der besten schreibenden Praktiker zu diesem Thema war wohl Paul Watzlawick

        • Holly01 - 13. Januar 2016

          … der Volksmund sagt:
          “Du hast keine Chance, nutze sie weise”

    • Basisdemokrat - 13. Januar 2016

      Wenn man hier auf Abb.2 Deutschland eingerahmt sieht von Italien und Frankreich, unter ferner liefen, mit Sichtweite auf Spanien, fragt man sich woher dessen unglaubliche Dominanz stammt.
      Interessant wäre spiegelbildlich die den Vermögen gegenüber stehenden Schulden einzuzeichnen und auf der “Nulllinie” auszurichten. Da ja Gläubiger im allgemeinen über große Macht und damit Kommando- Befugnisse verfügen. Siehe GR. Auch die Stellung der USA würde sich vermutlich relativieren.
      Gruß BD

      • SLE - 13. Januar 2016

        Hallo Basisdemokrat,

        ich denke, das wäre machbar. Die Credit Suisse bezieht bei ihren Vermögensschätzungen natürlich die Schulden mit ein, d.h. die sind in den Säulen der Abbildung mit drin. Ich habe allerdings nicht überprüft, ob die Credit Suisse die jeweiligen Daten für das gesamte globale Privatvermögen sowie für alle Länder jeweils auch in den Studien ausgewiesen hat.

        Grüße
        SLE

  • Erhard - 12. Januar 2016

    Ich habe übrigens versucht, Daten über die angeblich “extrem zunehmende” Vermögensungleichheit in China zu finden, traf aber bislang nur auf http://www.handelszeitung.ch/konjunktur/china-extreme-ungleichheit-bei-der-vermoegensverteilung-645016 “In China besitzt laut einer neuen Studie das oberste Prozent der Bevölkerung mehr als ein Drittel des Vermögens des kommunistischen Staates. Die untersten 25 Prozent der Chinesen dagegen besitzen nur ein Prozent des Vermögens.”

    Das klingt unschön. Wie viel besser ist es bei uns, wo das oberste Prozent laut http://www.diw.de/documents/publikationen/73/diw_01.c.438710.de/14-9-1.pdf 35,8% des Vermögens besitzt (die obersten 0,1% 22%) und die untersten 27,8% ein negatives Vermögen? In den USA sind das übrigens mehr als ein Drittel, die mehr Schulden als Vermögen haben.

    Dazu kommt in China noch etwas anderes: Die Vermögen sind in Geld (RMB Yuan) gerechnet. Aber die Kernungleichheit in China besteht nach wie vor zwischen Stadt und Land, die ärmsten 25% leben praktisch ausschliesslich auf dem Land, wo fast alle von ihnen ein Haus und Grund besitzen (wobei Grundbesitz in China eine Art Erbpacht ist). Eine Implikation davon ist, dass die Kaufkraft des RMB auf dem Land viel höher ist als in den Städten, was Wohn- und Lebensmittelkosten angeht. Das Häuschen eines armen Bauern mag weniger Komfort haben, ist aber oft geräumiger als die grosstädtische Eigentumswohnung.

    Immer noch leben ca. 45% der Chinesen auf dem Land, das sich nach wie vor in einem rasanten Transformationsprozess befindet. Von einer Krise oder einem Crash sehe ich da nach wie vor wenig. Brutale Strukturwandel hat es seit 1976 mehrfach gegeben (davor auch).

    • Holly01 - 13. Januar 2016

      Bei den Vermögen in Deutschland sollten Sie immer bedenken, daß der Staat nicht weiss, wie reich die Reichen wirklich sind.
      Das sind alles nur Schätzungen.
      Alles was über die reine Versteuerung von Einkommen hinausgeht, wird nur bei steuerpflich erfasst.
      Der Staat fragt nicht und die Reichen erzählen es nicht.

    • Georg Trappe - 13. Januar 2016

      Weiter so. Wenn man mal anfaengt aus dieser Perspektive die Dinge zu beleuchten und diese Fragen stellt, nachdenkt, dann dauert es nicht mehr lange, bis es einem wie Schuppen von den Augen faellt.
      Man erkennt dann, dass weder Gleichmacherei, noch eine sich stetig zuspitzende Ungleichheit ein Optimum und Stabilitaet erreichen koennen. Und dann wirds spannend. Denn dann taucht die Frage auf, wo liegt das Optimum und wie erreicht man es. Sehr kniffelig aber zehnmal intelligenter als die Behauptung, dass das selbstregulierend erreicht wird.

    • SLE - 13. Januar 2016

      Hallo Erhard,

      oben im Ausatz ist unter der Ziffer (1) ein Link zu einer ausführlicheren Analyse der Vermögenskonzentration von mir gesetzt. Hier ist er nochmals:

      http://www.querschuesse.de/vermogensentwicklung-in-der-krise-teil-6-1-die-vermogenskonzentration-nimmt-auch-in-der-krise-auf-allen-ebenen-weiter-zu/

      Darin zeigen die Abbildungen 29, 30, 31 und 32 die Vermögenskonzentration (Top-1-%, Top-10% zu Bottom-90% und Bottom-60%) in jenen Ländern, die oben im Aufsatz in Abbildung 2 aufgeführt sind und zwar Stand Ende 2013.

      Viele Grüße
      SLE

  • Bernd Murawski - 14. Januar 2016

    “Die globale Finanz- und die globalen realwirtschaftlichen Märkte sind ausgereifte, gesättigte und mit – insbesondere auch als Folge hoher und weiter steigender Einkommens- und Vermögenskonzentration – rückläufiger Nachfrage kämpfende Märkte, die jeweils von nur noch sehr wenigen, sehr großen Banken bzw. Konzernen beherrscht werden.”

    In diesem Satz wird die eigentliche Ursache für die krisenhaften Erscheinungen benannt.
    Ebenso kann der Beurteilung zugestimmt werden, dass “der Westen seine Finanzmarktkrise nur durch die Flut billigen Geldes übertüncht (hat) und die westliche Realwirtschaft ihre Krise mit dem Boom in China kompensiert (hat)”.

    Der Begriff „Nachfrage“ verlangt allerdings eine differenziertere Betrachtung. Offensichtlich geht es um kaufkräftige Nachfrage, und zwar eine nach Konsumgütern und in deren Folge auch nach Investitionsgütern. Während diese stagniert bzw. zurückgeht, wächst gleichzeitig die Nachfrage nach lukrativen Geldanlagen. Angesichts des beschränkten Angebots werden Kurse und Werte auf längere Sicht weiter steigen. Dieser Trend wird auch durch eine erhöhte Krisenanfälligkeit des Systems nicht berührt, wenn auch bei wachsender Unsicherheit die Volatilität zunimmt.
    Verwiesen sei in diesem Zusammenhang auf den Aufsatz „Nachfrageschwund durch wachsende Ungleichheit“ bei Telepolis (http://www.heise.de/tp/artikel/46/46627/1.html).

    • Georg Trappe - 15. Januar 2016

      Vielen Dank fuer den Hinweis auf Ihren wirklich guten Aufsatz bei Telepolis. Ich versuche das nochmal etwas weiter zu verdichten. Durch das Fettaugensyndrom entsteht eine absurde Situation in der die die Eigentuemer hoch konzentrierter Realvermoegen auch immer groessere und hoeher konzentrierte Geldvermoegen anhaeufen, was zum einen einen Anlagenotstand ausloest und zum anderen eine Unternachfrage nach den Waren und Leistungen die durch die Kombination von Realkapital und Arbeit erzeugt werden. Durch die Preissetzungsmacht dieser hoch konzentrierten Vermoegen auf der einen Seite und der Lohnsetzungsmacht auf der anderen Seite, die zur Gewinnmaximierung eingesetzt werden, sind trotz oder gerade wegen der Oligopolsituation Gewinne = monetaere Ueberschuesse von 20% und mehr vor Steuern, die die Geldvermoegen weiter ansteigen lassen moeglich. Der Freiheitsgrad der dies erlaubt sind die Banken, die mit ihrer Kapazitaet zur Geldschoepfung die Luecke schliessen. Dabei werden aber immer mehr Kredite zu Konsumkrediten (auch fehlschlagende Investitionen wirken wie Konsum), was nicht dauerhaft funktionieren kann, wenn die Kreditvertraege erfuellt werden sollen. Hinzu kommt ein Ausweichen in Investitionen, die zwar Renditen versprechen, aber nicht zu einer Ausweitung realwirtschaftlicher produktiver Kapazitaeten oder gar von Arbeitsangeboten fuehren. Denn diese “Investitionen” beziehen sich auf bestehende realwirtschaftliche Vermoegensteile (M&A Aktivitaeten, Aktienmaerkte,etc.) und sind daher nur Nullsummenspiele die die realwirtschaftlichen Kapazitaeten, das Angebot an Arbeitsplaetzen und damit die Nachfrage nicht im gewuenschten Sinne veraendern sondern die absurde Situation tendenziell verstaerken.
      Siehe auch:
      http://georgtsapereaude.blogspot.com/2016/01/can-fair-game-yield-rigged-results.html
      http://fettaugensyndrom.blogspot.com/p/english-version.html

      Viele Gruesse

      Georg Trappe

      • Bernd Murawski - 15. Januar 2016

        Danke für die Antwort.

        Es ist tatsächlich die Preis- und die Lohnsetzungsmacht, durch die Gewinne erwirtschaften werden, und nicht in erster Linie der Konkurrenzvorteil. In der Marx’schen Terminologie ausgedrückt verdrängen Extraprofite den auf Mehrwertrealisation beruhenden Profit. Hinzu tritt die starke Einflussnahme auf politische Entscheidungen. Dabei wird neben aktuellen wirtschaftlichen Vorteilen die Perpetuierung der exklusiven Stellung ökonomischer Machtkonglomerate angestrebt.

        Bei der Vergabe von Konsumentenkrediten agieren Banken gegenwärtig vorsichtiger, sodass vermutlich Anträge abgelehnt würden, wenn Zweifel an deren Erfüllung bestehen. Jedoch dient ebenso die Verschuldung von Staaten und Gemeinden dem Konsum, da diese die Finanzierung öffentlicher Leistungen ermöglicht und potentiellen Konsumenten durch einen niedrigeren Steuersatz mehr Mittel belassen werden. Schaut man sich die Zahlen Japans an, dann existiert wohl noch ein gewisser Verschuldungsspielraum. Aber natürlich muss bald eine Lösung gefunden werden, für die es nur zwei Alternativen gibt: Entweder eine Umverteilung oder ein fortdauernder wirtschaftlichen Rückgang.

        Interessant ist die Argumentation mit der Normalverteilung, wobei Pareto nach meinem Verständnis – ausgehend von einer gleichen Grundausstattung der Wirtschaftsakteure – divergierende Einkommen als „natürlich“ und daher moralisch akzeptabel ansieht. Er betrachtet dabei eher Handelsbeziehungen als Investitionstätigkeit. Diese liegen auch dem berühmten Pareto-Optimum zugrunde.

        • Georg Trappe - 16. Januar 2016

          Divergierender Erfolg / Return / Einkommen aus sog. Investitionen ueber Zeit und Population ist unvermeidlich. Das ist richtig. Allerdings ist es so, dass bei einer staendigen Wiederholung des “Erfolgsrezepts” rechtsschiefe Verteilungen der Bestaende entstehen (siehe Gibrat und Fargione et. al.) die ueber Zeit immer rechtsschiefer werden. Wenn man mit dem Modell arbeitet erkennt man, das die Streuung der Erfolge / Returns / Einkommen der Parameter ist, der die Rate mit der die Ungleichheit waechst (Theilindex) bestimmt. Grosse Streuung = schnelles Anwachsen, Kleine Streuung = langsames Anwachsen. Wenn man dann noch einen Grundoffset einfuehrt = Existenzminimum, das jedem in gleicher Hoehe abgezogen wird bevor es in die naechste Runde geht, erkennt man, dass je hoeher ein solches Existenzminimum, das nicht zur Reinvestition zur verfuegung steht, um so schneller steigt die Ungleichheit der Bestaende. Daraus ist ableitbar, das alle neoliberalen Rezepte wie Spreizung der Einkommen als Anreiz, Umsatzsteuern, etc. in die Richtung wirken, die das zugrundeliegende Problem verschaerfen.
          Die verheerende Wirkung in Bezug auf wirtschaftliche Stabilitaet habe ich mal in einem Beispiel skizziert, das zwar an der einen oder anderen Stelle hinkt / angreifbar ist, aber ich denke mit etwas gutem Willen ist trotzdem der Punkt, der ruebergebracht werden soll, zu erkennen.

          http://georgtsapereaude.blogspot.com/2011/11/wie-sich-das-system-selbst-zerstoert.html

          Abschliessend noch ein paar Worte zu mir. Ich bin kein Oekonom. Dementsprechend sind mir die Begrifflichkeiten nicht immer in dem Sinne gelaeufig, wie sie in Oekonomenkreisen verwendet werden. Das macht es manchmal schwer, weil Begriffe und ihre Bedeutung vorab geklaert werden muessen, damit Kommunikation erfolgreich gelingen kann. Ich bin auch nicht sonderlich belesen, was oekonomische Literatur angeht. Ich habe das irgendwann aufgegeben und mich auf das Selberdenken verlegt, weil mir Vieles als intellektuelle Zumutung / Zeitverschwendung erschien. Erscheint arrogant, ist aber nicht so gemeint. Es kommt daher immer wieder vor, dass mir gesagt wird, das und das hast Du bei dem und dem gelesen. Da sage ich dann immer, schoen das es einer vor mir wusste, aber warum wehrt man sich beharrlich dagegen die Punkte zu einem stimmigen Bild, das auch an realwirtschaftlichen Beobachtungen ueberprueft werden kann, zusammen zufuegen und beharrt statt dessen auf einer neoklassischen Sichtweise, die ganz offensichlicher Nonsense ist?

          Sie sehen, es freut mich und sicher auch SLE, wenn jemand eine Resonanz zeigt, die ueber die Wiederholung alter und bereits widerlegter Behauptungen hinaus geht.

          Viele Gruesse

          Georg Trappe

    • SLE - 15. Januar 2016

      Hallo Herr Murawski,

      unsere Ursachenanalyse stimmt weitestgehend überein, wie ich nach Lektüre Ihres Aufsatz feststellen kann.

      Sie gehen, wenn ich Sie richtig verstehe, davon aus, dass es noch eine ganze Zeitlang so weiter gehen kann, weil sie – unter Bezug auf das Beispiel Japan – davon ausgehen, dass in den Industriestaaten noch erhebliche Spielräume für eine weitere Erhöhung der (die Wirtschaft letztlich stabilisierende) Staatsverschuldung existieren und das Gesamtsystem stabil bleiben wird, so lange die Notenbanken Niedrigzinspolitik und QE fortsetzen.

      Ich bin mir in dieser Hinsicht keineswegs so sicher. Sie begründen Ihre Annahme, dass noch “ein beträchtlicher Puffer” für eine Ausweitung der Staatsschulden in den Industriestaaten ist, damit, dass eine Verschuldungsquote von über 246% im Falle Japans “in Ökonomen-Kreisen offenbar nicht als dramatisch empfunden wird”.

      Das ist sicher richtig und trifft darüber hinaus auch auf die Anleger auf den Finanzmärkten zu. Allerdings beruht damit der Fortbestand der (wenn auch fragilen) Stabilität des Gesamtsystems letztlich allein auf dem Vertrauen aller in die Fähigkeit der Notenbanken, jede auch nur ansatzweise aufkommende Turbulenz und Instabilität in den Griff bekommen zu können. Dass dieses Vertrauen, etwa infolge eines auftretenden Crahs in China oder irgendeines anderen Ereignisses, massiv erschüttert werden und die Phase der Stabilität so jäh enden könnte, ist m.E. aber keinesfalls auszuschließen.

      China kann für das inzwischen sehr hohe Risiko eines Vertrauensverlustes in die Stabilisierungsfähigkeiten der Notenbanken schon als Beleg gewertet werden. Denn die immer wieder aufkommenden Turbulenzen an Chinas Börsen hängen ja gerade mit den massiven, aber vergeblichen Interventionen dort zusammen. China ist ein vom Regime zentralstaatlich gelenktes Land. Insofern sind die Interventionsmöglichkeiten der Organe dort umfassender als sie es im Westen je sein könnten. Und trotzdem reicht es nicht.

      Natürlich ist bisher auch dort immer noch alles “stabil” geblieben. Aber, wie oben im Aufsatz von mir hervorgehoben, der Unterschied zwischen Stabilität und Absturz ist heute nur noch winzig klein.

      Es kommt m.E. noch etwas hinzu, was die Crashgefahr steigert. Die Fusionswelle ist, da sie mit Unterbrechungen bereits seit den 80er Jahren läuft, ein Indikator für die zunehmende Krisenanfälligkeit der großen Konzerne, die die Weltmärkte dominieren. Denn sie erzeugt ja lediglich die Illusion unbegrenzt prosperierender, wachsender multinationaler Konzerne.

      Deswegen besteht auch in dieser Hinsicht, wie oben im Aufsatz ausgeführt, die Gefahr eines Vertrauensverlustes der Anleger in die Fähigkeit der börsennotierten Konzerne, immerfort Wachstum zu generieren, was ich kurz begründen werde.

      Sie haben in Ihrem Artikel ja auch sehr schön hervorgehoben, dass sich die Gewinne der Konzerne im Wesentlichen durch Kostensenkungen erklären lassen. Doch diese Kostensenkungsspirale lässt sich nicht unbegrenzt schadlos fortsetzen, weil sie – bei stagnierender oder sogar schrumpfender Nachfrage – irgendwann dazu führt, dass damit begonnen wird, die Substanz aufzuzehren.

      Dadurch werden die Konzerne allerdings zunehmend krisenanfälliger und das Risiko, dass das Anlegervertrauen plötzlich verloren geht, steigt. Der Abgasmanipulations-Skandal bei Volkswagen ist dafür ein gutes Beispiel gewesen. Gestern wurde von Razzien bei Renault und Peugeot im Zusammenhang mit Abgasmanipulation berichtet und die Aktien der Konzerne brachen massiv ein.

      Zudem zeigen der Abgasskandal wie auch der Libor- und Währungsmanipulationsskandal, dass bei den Konzernen inzwischen jedes Mittel recht ist, um Gewinne zu erwirtschaften. Ganz allein mit Kostensenkungen kommen sie in dieser Hinsicht inzwischen offenbar nicht mehr weiter. In jedem Fall aber befinden sie sich mit ihren Praktiken seit Jahren im roten Bereich, der sie anfällig für Skandale und Prozesse macht, die existenzbedrohend werden können.

      Zusammengefasst bin ich also nicht ganz so optimistisch wie Sie es im Hinblick auf die Stablität des Finanz- und Wirtschaftssystems sind. Ich halte einen neuen großen Crash wie den von 1929 oder 2008 für zunehmend wahrscheinlich.

      Viele Grüße
      SLE

      • Bernd Murawski - 16. Januar 2016

        Ich danke für die wertvollen Bemerkungen.

        In meinem Aufsatz fehlte einfach der Raum, um tiefer auf die Frage einzugehen, wie lange sich eine Alimentation der Konsumentenseite noch fortsetzen kann. Am Beispiel Japans wird ersichtlich, dass mit einer Zunahme des Verschuldungstempos zu rechnen ist. Daher halte ich ein QE4 in den USA noch in diesem Jahr für sehr wahrscheinlich.

        Meist sind es einzelne Ereignisse, von denen Schockwellen ausgehen, welche das globale Wirtschaftssystem durchschütteln. Dass Chinas Wirtschaft zusammenbrechen könnte, sehe ich allerdings nicht. Es soll daran erinnert werden, dass China sowohl die Asienkrise 1997/98 als auch die Finanzkrise bravurös überstanden hat. Zweifellos gibt es dort Verwerfungen, die bei einem ähnlich rasanten Wachstum auch anderswo aufgetreten wären. Dennoch würde ich mich der Auffassung Folker Hellmeyers anschließen, dass China sich gegenwärtig im Umbruch zu einer Dienstleistungsgesellschaft befindet, was naturgemäß nicht reibungslos verläuft. Vieles spricht dafür, dass China eine ähnliche Entwicklung beschreiten wird wie Japan vor 40 und Südkorea vor 20 Jahren.

        Die im Artikel beschriebene Fusionswelle stärkt die Position der „Global Player“ und verschafft zusätzliche Profite auf Kosten potentieller Konsumenten. Dies verschärft den Anlagenotstand und zwingt die Konsumentenseite zu noch schnellerer Verschuldung. Kommt es zu einer wirtschaftlichen Regression, dann drückt diese unweigerlich auch die Kapitalerträge nach unten. Die Durchschnittsgewinne sinken aber bereits zu einem früheren Zeitpunkt, da der Anteil der Anleihen am gesamten Anlagevermögen permanent wächst, wobei die Zinsen sich auf einem erträglichen Niveau befinden müssen, um bezahlt werden zu können.

        Für die transnationalen Konzerne besteht allerdings kein Zwang zu Kostensenkungen, zumal da es gelingt, die erreichten höheren Profitspannen großenteils zu halten. Bei Einsparungen handelt es sich vielmehr um Optionen – neben manchen anderen, die sich am Rande oder auf der Gegenseite der Legalität befinden. Dass dadurch das Wirtschaftssystem anfälliger würde, kann ich nicht erkennen. Schließlich kann sich ein Kapitalanleger auch damit begnügen, dass die Gewinne nicht mehr wie gewohnt sprudeln.

        • SLE - 16. Januar 2016

          Hallo Herr Murawski,

          ich bin nicht so sicher, ob es den Konzernen tatsächlich gelingt, ihre Profitspannen einigermaßen zu halten. Immerhin sorgt ja seit einiger Zeit die Gewinnsituation der Konzerne in den USA für einige Nervosität. Bloomberg hat dazu vor ein paar Wochen einen Artikel mit einer schönen grafischen Darstellung der Gewinnentwicklung gebracht. Hier der Link dazu:

          http://www.bloomberg.com/news/articles/2015-11-04/this-is-the-worst-u-s-earnings-season-since-2009

          Insofern besteht m.E. durchaus ein steigender Druck, die Kosten zu senken. Viele Konzerne haben neue Sparrunden eingeläutet und bauen Personal ab. Sie haben natürlich recht mit Ihrer Aussage, dass sich ein Kapitalanleger auch mit geringeren Gewinnen begnügen kann. Angesichts des Anlagennotstands wird er das sogar ganz sicher tun. Immerhin sind Aktien bekanntermaßen die in der Langfristbetrachtung erfolgreichste Anlageklasse. Nur können sie dennoch massiv einbrechen und das muss noch nicht einmal ein durch die Fakten begründeter Einbruch sein.

          Ich sehe und akzeptiere Ihren Standpunkt, was die Prognose der Systemstabilität anbelangt. Aber wir haben natürlich beide keine Glaskugel und die hat auch kein anderer. Zuverlässig messen lässt sich die Stabilität nun mal leider nicht. Jeder hat da sein eigenes Set von Indikatoren, die etwas darüber aussagen sollen. Die Royal Bank of Scotland etwa hat mit ihrer Crash-Warnung gerade viel Furore gemacht (siehe: http://www.telegraph.co.uk/finance/economics/12093807/RBS-cries-sell-everything-as-deflationary-crisis-nears.html). Andere halten diese Warnung für völlig überzogen. Ich halte die Warnung im Grundsatz für richtig. Sie sehen das anders.

          Noch ein Wort zu China. Sie haben einen Vergleich zu Südkorea gezogen. Das Problem mit China ist, dass es nur sehr begrenzt Informationen über all das gibt, was im Land vorgeht und für die Beurteilung der wirtschaftlichen, der Finanzmarkt- und der politischen Lage wichtig ist. Es gibt zudem viele Zweifel an den verfügbaren Informationen und Daten (siehe dazu z.B. die Analyse von Bob Barbera: http://seekingalpha.com/article/3806976-chinas-economic-path). China ist zudem ein völlig anders funktionierendes System als Südkorea.

          Ob und inwieweit die vom chinesischen Regime angestrebte Form der Marktwirtschaft “chinesischer Machart” funktioniert, ist alles andere als sicher. Es wäre ein Mittelding zwischen Markt- und Planwirtschaft und die haben sich bisher – historisch betrachtet – nicht als erfolgreich erwiesen. Bisher war zudem die Korruption auf allen Ebenen der Partei der Schmierstoff und das Erfolgsrezept der chinesischen Wirtschaft. Mit seiner Anti-Korruptions-Kampagne entzieht Xi Jinping dem bisherigen wirtschaftlichen Erfolg die Basis. Zugleich will er das Wachstumskonzept von Exportorientierung auf Binnenmarktorientierung umstellen. Es wird viele Jahre dauern, bevor dieser Umbau Früchte trägt. Freilich soll die Transformation dort ohne Bruch gelingen. Ich halte das gelinde gesagt für sehr ambitioniert.

          Die Turbulenzen an Chinas Börsen lassen sich zumindest zum Teil aus den zunehmenden Sorgen um die Fähigkeit des Regimes ableiten, die Umstellung ohne Bruch hinzubekommen.

          Viele Grüße
          SLE

          • Bernd Murawski - 17. Januar 2016

            Den von Ihnen geäußerten Bedenken zu China kann ich mich anschließen, zumal da diese sich mit den Informationen und Beurteilungen vieler Erfahrungsberichte decken.
            Dennoch sehe ich in China – wenn auch mit starken Einschränkungen – eine Parallele zum „rheinischen Kapitalismus“ der 50er und 60er Jahre. Damals besaßen staatliche Institutionen einerseits die Macht und andererseits die Kompetenz, um den Produktivkräften optimale Entfaltungsbedingungen zu verschaffen. Diesen Weg haben dann auch Japan und Südkorea beschritten.
            Während im Westen Großbanken und transnationale Konzerne die Politiker vor sich hertreiben, hält die chinesische Zentralmacht die Zügel weitgehend in ihrer Hand. So kann sie auch Wettbewerb dort fördern, wo es der Volkswirtschaft zum Nutzen gereicht, während dieser bei uns durch die Existenz immer mächtigerer „Global Player“ eliminiert wird.

            Die Gewinnsituation in den USA ist tatsächlich nicht die beste, aber dafür gibt es spezielle Gründe (hoher Dollarkurs, Verluste beim Fracking wegen gefallener Rohölpreise, hohe Verschuldung der Unternehmen). Ich lebe selbst in Finnland, und hier werden trotz schlechter Wirtschaftslage weiterhin üppige Dividenden ausgezahlt. Anderswo in Europa sieht es vermutlich noch besser aus.

            Natürlich können Aktien einbrechen, dies geschieht gerade gegenwärtig. Längerfristig wird jedoch die Angebot-Nachfrage-Konstellation auf den Anlagemärkten ausschlaggebend sein. Dazu nehme ich im folgenden Artikel Stellung: http://www.mmnews.de/index.php/boerse/63010-kein-grund-zur-panik.

            • SLE - 18. Januar 2016

              Hallo Herr Murawski,

              die RBS-Warnung bezüglich einer hohen Crashgefahr teile ich zwar grundsätlich aus den dargelegten Gründen, nicht aber im Detail und bezogen auf den zeitlichen Horizont. Ich nehme schon an, dass die Warnung zum Teil auch Marekting war und Aufmerksamkeit auf die RBS lenken sollte.

              Sie haben sicher recht, dass China bedingt durch die zentralistische Struktur und vor allem der enormen Devisenreserven eine Menge abfedern und sich den Anstrich eines wirtschaftlich stabilen Landes geben kann, selbst wenn es nicht so ist. Die Folgen der Verlangsamung des Wirtschaftswachstums sowie die durch die Umstellung der chinesischen Wirtschaft bedingten negativen Effekte wird sich Peking nicht anmerken lassen wollen. Misserfolg und speziell wirtschaftlicher Misserfolg ist in der chinesischen KP ein Unding. Aber die Folgen werden woanders sichtbar werden, nämlich vor allem in den westlichen Volkswirtschaften, deren Geschäfte direkt oder indirekt stark von China abhängig sind. Vielleicht sogar vor allem in den USA.

              Sie haben des Weiteren recht, dass die “Soziale Marktwirtschaft” und der rheinische Kapitalismus ohne Zweifel Vorbildcharakter für die chinesische Führung haben. Allerdings nur partiell. Sie basteln sich einen eigenen Typus von Marktwirtschaft mit chinesischen Charakteristika. Wie der genau aussehen soll und ob er funktioniert, ist bisher unklar. Vor allem müsste ihnen das Kunststück gelingen, eine Alternative zur neoliberalen Marktwirtschaft (das nicht mehr funktionierende Modell des Westens) zu finden. Dass sich China auf das “Konzept der Freiheit” stützen könnte, erscheint angesichts der chinesischen Realität seit der Amtsübernahme durch Xi Jinping abwegig. Eher wird es auf irgendeine Form von staatlich gelenkter Marktwirtschaft hinauslaufen.

              An diesem Punkt ist es aber durchaus nicht so, dass Peking alle Macht hat. Die Machtstruktur in China ist deutlich komplizierter. Die “Provinzfürsten” sowie die Chefs der staatlichen Konzerne sind ebenso einflussreich. Insofern wird auch das Regime in Peking von seinen Konzernen getrieben und hinter diesen Konzernen stehen wiederum sehr reiche chinesische Familien und Clans, die ihre eigenen Interessen verfolgen. Der Umbau der Wirtschaft und die auf dem Dritten Plenum beschlossenen Reformen sind denn auch weitgehend in der Umsetzung stecken geblieben. Xi Jinpings wirtschaftspolitischer Kurs, aber auch seine Anti-Korruptionskampagne sind innerhalb der Partei stark umstritten. Leider erfährt man über solche Dinge immer weniger, weil die Zensur so massiv verschärft worden ist.

              Doch wie dem auch sei ziehen die Parteikader trotz interner Streitigkeiten in Bezug auf die nach außen gerichtete Strategie an einem Strang und das – zusammen mit den enormen finanziellen Ressourcen – macht China stark. Die Partei will den Leitwährungsstatus des Dollars kippen und die seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion bestehende geopolitische Dominanz der USA kippen. Im letztgenanten Punkt sind sie sich mit Russland, den BRICS und auch dem Iran einig. Sie wollen ein neues Gegengewicht aufbauen und es sieht nach meiner Einschätzung danach aus, als könnte ihnen das sukzessive gelingen. Paradoxerweise könnte die wirtschaftliche Schwäche Chinas dazu beitragen, weil sie die USA wirtschaftlich trifft. Einmal die US-Konzerne, die in China engagiert sind. Zum anderen die US-Energiebranche wegen der stark zurückgegangenen Rohstoff- und Ölnachfrage, die die Preise zusätzlich unter Druck setzt.

              Grüße
              SLE

  • Basisdemokrat - 17. Januar 2016

    Ursache und Wirkung von Krisen
    14:50 Fallstricke der Kritik
    https://www.youtube.com/watch?v=krpWdT9kytQ
    Überlegenswert!
    Gruß BD

  • Bernd Murawski - 18. Januar 2016

    Tatsächlich ist es schon jetzt der Fall, dass der Umbau der chinesischen Wirtschaft und die dabei auftretenden Turbulenzen dem Westen Schwierigkeiten bereiten.
    Neben den Problemen westlicher Unternehmen auf dem chinesischen Markt betrifft dies vor allem den Rückgang des Imports. Eine noch größere Gefahr manifestiert sich im steigenden Veredelungsniveau chinesischer Exportprodukte. Auch hier sei auf Japan und Südkorea verwiesen, die von Branche zu Branche zu einer ernstzunehmende Konkurrenz wurden und sogar bei manchen Produkten zu Marktführern aufstiegen.
    Sobald China in der Lage ist, preisgünstige Produkte des Maschinen- und Fahrzeugbaus bei nahezu gleicher Qualität auf dem Weltmarkt anzubieten, wird Deutschland zu den großen Verlierern gehören. Schon jetzt zeigt China ein stärkeres Interesse an einer Kooperation mit Großbritannien als mit Deutschland, da bei der Entwicklung des Finanzsystems ein Aufholbedarf konstatiert wird, während für Produkt- und Prozessinnovationen genügend eigene Ressourcen vorhanden sind.
    Verhält sich die deutsche Regierung möglicherweise aus Angst vor der drohenden chinesischen Konkurrenz derart hart und kompromisslos gegenüber Griechenland und andere schwächelnde EU-Staaten? Immerhin steht und fällt mit Deutschland die ausgeglichene Handelsbilanz der EU.

    Danke für die anregende „Minidebatte“, danke auch für den Artikel. Dies ist mein letzter Kommentar, da ich in ein paar Stunden meinen Urlaub antrete.

    • SLE - 19. Januar 2016

      Hat mich gefreut. Ich wünsche einen schönen Urlaub und gute Erholung.

      Viele Grüße
      SLE

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