Einkommens- und Vermögenskonzentration – Teil 2: Der sichtbare und der unsichtbare Teil der Vermögensschere

von am 27. August 2012 in Allgemein

Vermögenskonzentration und Steueroasen

Ein entscheidender Grund dafür, dass, wie in Teil 1 abschließend konstatiert, nur ein sehr ungenaues Bild vom weltweiten privaten Vermögen existiert, ist das in Steueroasen versteckte, nicht erfasste Vermögen. Dabei suggeriert der Begriff „Steueroase“ bereits eine falsche Vorstellung, weil das in Rede stehende Vermögen meist nicht innerhalb spezifischer geographischer Grenzen zu verorten ist, sondern in komplizierten Strukturen, die es geographisch ins Niemandsland verfrachten. Der Begriff „Offshore“-Vermögen ist deswegen treffender. Er bezieht sich auf ganze Netzwerke legaler und quasi-legaler Einrichtungen und Arrangements, die nur dem Namen nach sowie oft auch nur kurzfristig an bestimmten Standorten existieren, in hohem Maße portierbar, also ortsbeweglich sind und vielen verschiedenen Gerichtsbarkeiten unterliegen oder besser gesagt praktisch keiner. Sie kontrollieren und verwalten private finanzielle und nicht-finanzielle Vermögen im ausschließlichen Interesse der Eigentümer und nicht selten ungeachtet oder in unumwundener Missachtung der Interessen und Gesetze vieler Nationalstaaten. ((1) TJN, S. 9)

„Offshore“ bedeutet beispielsweise, dass ein Gemälde oder ein Bankkonto zwar physisch in der Schweiz zu verorten sein mag. Aber die alles entscheidende Struktur, der es gehört, ist wahrscheinlich in viele Fragmente zerlegt und rund um den Globus verteilt. Noch eine der einfachsten solcher Offshore-Strukturen wäre es etwa, wenn das Gemälde oder Bankkonto einer anonymen Offshore-Gesellschaft gehört, die einer bestimmten Gerichtsbarkeit unterliegt. Diese Gesellschaft ist wiederum Eigentum eines Treuhandfonds in einem anderen Rechtsgebiet, für dessen Treuhänder abermals andere Gerichtsbarkeiten zuständig sind. ((2) TJN, S. 9)

Beim Verstecken von Vermögen in solchen Strukturen ist eine ganze Offshore-Industrie behilflich, mit Fachleuten in Privatbanken, Kanzleien, Wirtschaftsprüfungsgesellschaften und der Investmentbranche – die 50 weltweit bedeutendsten Banken spielen dabei eine zentrale Rolle. ((3) TJN, S. 31-34) Obwohl weltweit mehr als 500 Banken, Hedgefonds, Kanzleien und Wirtschaftsprüfungsgesellschaften auf das Offshore-Geschäft spezialisiert sind, ist die Branche hoch konzentriert. Die meisten damit befassten Mitarbeiter arbeiten direkt oder indirekt für die Top-50-Banken der Welt und insbesondere für die Top 21, von denen 2010 jede wenigstens 100 Mrd. USD an grenzüberschreitenden privaten Vermögen (Assets Under Management (AUM)) verwaltete. (Hinzu kommen des Weiteren „Assets Under Custody“, „Deposits“ und „Client Assets“ „under administration“, die die AUM betraglich um 50-80 Prozent übersteigen) ((4) TJN, S. 32)

Auf diese vergleichsweise kleine Gruppe von Top-Banken entfallen 62-74 Prozent der grenzüberschreitenden Assets Under Management. Zwischen 2005 und Ende 2010 ist dieses Geschäft mit einer durchschnittlichen Rate von knapp 16 Prozent pro Jahr gewachsen – trotz Finanzmarktkrise. ((5) TJN, S. 31-33)

Die AUM der Top 10 – laut Studie des Tax Justice Network (TJN) waren das 2010 die Banken: UBS, Credit Suisse, Goldman Sachs, Bank of America, HSBC, Deutsche Bank, BNP Paribas, Wells Fago, Morgan Stanley und JP Morgan Chase ((6) TJN, Annex III-1, S. 63-64) – sind im gleichen Zeitraum noch rascher als die der Top 50 gewachsen, nämlich mit einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von 20 Prozent. Ihr Anteil an der Verwaltung des grenzüberschreitendenden globalen Privatvermögens hat sich von 42 Prozent (2005) auf 51 Prozent (Ende 2010) vergrößert. ((7) TJN, S. 33)

Es ist eine Ironie, dass die meisten dieser namhaften „Too big to fail“-Banken in der Spitze der Top 50 in der Finanzkrise mit Steuermitteln gerettet werden mussten. Eher rhetorisch formuliert der Verfasser der TJN-Studie „The Price of Offshore revisited“, die sich mit der Schätzung des im Offshore-System versteckten privaten finanziellen Vermögens befasst, James S. Henry, deswegen die Frage, ob den Finanzministerien rund um den Globus denn nicht klar sei, dass genau dieselben Banken weltweit führend sind in der Ermöglichung von Steuerhinterziehung. ((8) TJN, S. 33-34)

Die Schlüsselkunden des Offshore-Systems umfassen gemäß der Studie, die Henry für das Tax Justice Network (TJN) erstellte, die reichsten Menschen und Unternehmen der Welt, aber auch ihre schlimmsten Übeltäter. Die Zusammensetzung dieser Gruppe, zu der lediglich etwa 9,35 Millionen der insgesamt 6,65 Milliarden Menschen dieser Erde zählen, ist ausgesprochen heterogen. Vom 30 Jahre alten chinesischen Immobilienspekulanten, über den Software-Tycoon aus dem Silicon Valley bis zum Ölscheich aus Dubai, russischen Präsidenten, afrikanischen Diktator und mexikanischen Drogenbaron – alles, was Vermögen macht, tummelt sich potenziell auch im Offshore-System im Verborgenen. ((9) TJN, S. 9) Die Bedürfnisse sind freilich dieselben ((10) TJN, S. 10):

  • Anonymität für sich, ihre Familien, ihre Geschäft und politischen Ränke;
  • die Möglichkeit, künftige Steuerlast sowie Steuervermeidungskosten zu senken;
  • Vermögensverwaltung – für die, die noch daran glauben;
  • die Möglichkeit, von überall auf der Welt aus einfach auf ihr Vermögen zugreifen und es verwalten zu können;
  • sichere Orte, an denen sie sich aufhalten, anonym bleiben und ihr Leben genießen können;
  • stahlgepanzerte Sicherheit für ihr anonymes, weitgehend unversteuertes Vermögen vor beständiger Bedrohung nicht nur seitens Steuerfahndern, sondern auch für sie selbst vor Entführung, Mord, Erpressung, politischen Kontrahenten, Hackern, Ex-Ehefrauen u.a.

Das zentrale Problem bei der Identifizierung des Offshore-Vermögens sind nur unvollkommen erfasste Daten, was im Wesentlichen auf drei Faktoren zurückzuführen ist:

Erstens werden Banker, Anwälte und Wirtschaftsprüfer von den Vermögenden teuer dafür bezahlt, ihre Vermögenswerte, Identitäten und sogar ihre Verhaltensmuster zu verbergen und eine einflussreiche Lobby zu unterhalten.

Zweitens sehen Aufsichtsbehörden und Notenbanken der meisten Länder Privatbanken als ihre „Schlüsselkunden“ an, so dass sie die bewusst geschaffene Intransparenz seit langem dulden.

Und drittens sind auch supranationale Institutionen wie die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIS), der Internationale Währungsfonds (IWF), die Weltbank und die Organisation für Internationale Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) sehr sensibel für die kollektiven Interessen der Wall Street & Co. Sie waren bisher nicht bereit, von den Finanzinstituten umfassende Angaben zu den grenzüberschreitenden Verbindlichkeiten und Einlagen sowie zu den verwalteten und verwahrten Vermögen ihrer Kunden nach Sektoren und Ursprungsland zu verlangen – nicht einmal auf einem aggregiertem Länderniveau, obwohl die BIS solche Daten teilweise zwecks Überwachung der Finanzmarktstabilität erhebt und insofern rein technisch gesehen dazu recht einfach in der Lage wäre. ((11) TJN, S. 15-16)

Die Daten zum Offshore-Vermögen und zur Vermögenskonzentration

Henry schätzt in seiner Studie das im Offshore-System versteckte private finanzielle Vermögen für das Jahr 2010 auf insgesamt mindestens 21 000 bis 32 000 Mrd. USD und betont, dass es sich dabei um eine konservative Schätzung handelt. ((12) TJN, S. 5) Das wären dann also noch einmal mindestens 10-15 Prozent jenes Betrages, den die Credit Suisse im Global Wealth Databook 2011 für das Gesamtvermögen von Privatpersonen für 2010 veranschlagt hat (212 000 Mrd. USD).

Die speziell von Vermögenden aus insgesamt 139 Entwicklungsländern in sogenannten Offshore-Steuerhäfen angelegten finanziellen Mittel liegen laut TJN-Studie bei mindestens 7 300 bis 9 300 Mrd. USD ((13) TJN, S. 5), wobei China mit 1 189 Mrd. USD klar an der Spitze liegt, gefolgt von Privatpersonen in Russland (798 Mrd. USD), Südkorea (779 Mrd. USD), Brasilien (520 Mrd. USD), Kuwait (496 Mrd. USD), Mexiko (417 Mrd. USD), Venezuela (406 Mrd. USD), Argentinien (399 Mrd. USD), Indonesien (331 Mrd. USD) und Nigeria (306 Mrd. USD). ((14) TJN, Appendix III-1, S. 55)

Der öffentliche Sektor exakt derselben Gruppe von 139 Staaten kam indes 2010 auf eine Bruttoauslandsverschuldung von insgesamt 4 080 Mrd. USD. Abzüglich der Währungsreserven ergibt sich für die Nettoauslandsverschuldung in 2010 demnach ein negativer Wert: -2 800 Mrd. USD. Damit ist diese Gruppe, innerhalb derer viele Staaten unsolide Haushalte haben und Sparprogramme im Stile des griechischen fahren, kein Netto-Schuldner, sondern mit 10 100 bis 13 100 Mrd. Dollar Netto-Gläubiger. Das Problem besteht laut Henry darin, dass die Vermögenswerte von einer kleinen Gruppe Reicher gehalten werden, während die Regierungen dieser Länder die Lasten der Staatsverschuldung auf die Schultern der Bevölkerung abladen. ((15) TJN, S. 6)

Die Analyse berücksichtigt allerdings nur das finanzielle Vermögen. Der Verfasser Henry weist in diesem Zusammenhang deswegen ausdrücklich darauf hin, dass auch ein beträchtlicher Teil des privaten nicht-finanziellen Vermögens, also etwa Immobilien, Jachten, Rennpferde, Goldbarren und viele andere Dinge, über das Offshore-System (Steueroasen) läuft, so dass es unmöglich ist, die Eigentümer zu ermitteln. ((16) TJN, S. 5)

Gemäß Credit Suisse Global Wealth Databook 2011 betrug das Verhältnis der gesamten privaten finanziellen zu den nicht-finanziellen Vermögenswerten weltweit in 2010 und 2011 gleichermaßen 52 zu 48 Prozent. Rechnerisch entsprach das 130 123 Mrd. USD bzw. 119 972 Mrd. USD in 2010 und 141 399 Mrd. USD respektive 130 336 Mrd. USD in 2011. Die Summe aus beiden Positionen ist für beide Jahre höher als das jeweils ermittelte gesamte globale Privatvermögen, weil davon noch die Schulden von Einzelpersonen zu subtrahieren sind, die rechnerisch bei 38 122 Mrd. USD (2010) bzw. 40 995 Mrd. USD (2011) veranschlagt worden sind. ((17) CS, S. 71-78)

Insofern wird deutlich, dass das Tax Justice Network mit seiner vorsichtigen Schätzung des nicht erfassten finanziellen Privatvermögens auch nur für etwas mehr als die Hälfte des gesamten weltweiten privaten Vermögens eine Annäherung an dessen realen Wert leistet.

Es ist evident, dass sich dadurch das Bild der Vermögensverteilung zwischen und vor allem innerhalb von Ländern gravierend verändert, was nicht zuletzt erstens damit zusammenhängt, dass der Anteil des finanziellen Privatvermögens am privaten Gesamtvermögen (inklusive nicht-finanzieller Vermögenswerte) in den Ländern unterschiedlich hoch ausfällt. Abbildung 6 (Figure 4-8) verdeutlich dies für eine Länderauswahl anhand der Quote des finanziellen zum nicht-finanziellen Vermögen, wobei eine Quote von über 1 einen höheren Anteil der finanziellen Vermögenswerte anzeigt. ((18) CS, S. 104-106) Dieser Chart stammt aus dem Credit Suisse Global Wealth Databook 2011. ((19) CS, S. 106) Die Tax Justice Network Analyse zum finanziellen Offshore-Vermögen Privater legt demgemäß nahe, dass in der vergleichenden Länderbetrachtung die Vermögenskonzentration signifikant unterschätzt wird.

Dasselbe gilt indes zweitens auch für die Vermögenskonzentration innerhalb der Länder. Aus der nachfolgenden Tabelle 1 („Global Distribution, Net Financial Assets“), die – was zu berücksichtigen ist – von anderen Daten als der Credit Suisse Global Wealth Report ausgeht, hat James S. Henry die Summe der weltweiten finanziellen Vermögen auf 55 100 Mrd. USD veranschlagt, wovon 20 600 Mrd. USD Offshore-Vermögen sind. ((20) TJN, Appendix III-2, S. 102) Es ist hervorzuheben, dass Letzteres der untere Schätzwert für das Offshore-Vermögen in 2010 ist, das er konservativ auf 21 000 bis 32 000 Mrd. USD schätzt.

Die globale Elite – 9,35 Millionen Menschen mit einem Vermögen von mehr als 1 Mio. USD – hält demnach einen Anteil von 81,3 Prozent am globalen finanziellen Privatvermögen, was 44 800 Mrd. USD entspricht. 43,75 Prozent davon oder 19 600 Mrd. USD sind Offshore-Vermögen und somit quasi unsichtbar. Die Gruppe der Vermögenden mit über 30 Mio. USD an finanziellem Vermögen kommt auf einen Anteil an den globalen finanziellen Vermögenswerten von 30,3 Prozent bzw. 16 700 Mrd. USD. 58,68 Prozent dieses Betrages sind Offshore-Vermögen.

Vor dem Hintergrund dieser Analyse erzählen die bekannten Daten über die weltweite Vermögenskonzentration und –verteilung bisher praktisch nur die halbe Wahrheit.

Der Credit Suisse Global Wealth Report 2011 kommt in seiner Schätzung für die Gruppe der Vermögenden Erwachsenen mit einem Vermögen von über 1 Mio. USD (einschließlich nicht-finanzielle Vermögenswerte) für das Jahr 2011 auf einen Anteil von lediglich 38,6 Prozent am globalen Vermögen, was hier allerdings 89 100 Mrd. USD entspricht. ((21) CS, S. 90) Die Top-10-Prozent hatten 2011 nach Credit-Suisse-Schätzung einen Anteil von 84,3 Prozent und die Top-1-Prozent einen Anteil von 44,2 Prozent am globalen Privatvermögen in Höhe von 230 800 Mrd. USD. ((22) CS, S. 94)

Vermögensverteilung und –konzentration innerhalb von Staaten

So betrachtet setzt die Analyse des finanziellen Offshore-Vermögens Privater ein großes Fragezeichen über Analyse der Credit Suisse (CS), weil sie die Ungleichheit der Vermögensverteilung bzw. das Ausmaß der Vermögenskonzentration möglicherweise doch noch gravierend unterzeichnet. Nichtsdestotrotz zeichnet die CS-Analyse in dieser Hinsicht bereits ein sehr aufschlussreiches Bild.

Im Folgenden soll es um die Vermögensverteilung innerhalb von Staaten gehen. Wichtig zu wissen ist dabei, dass die Credit Suisse dafür nach Weltregionen – orientiert am Vermögensniveau – unterschiedliche Mindestschwellen für die Zugehörigkeit zu den verschiedenen Vermögensgruppen (gestaffelt nach Zehnteln und zusätzlich Top 1 und 5 Prozent) definiert hat. ((23) CS, S. 91) Welche das im Einzelnen sind, geht aus Tabelle 2 („Wealth Estimates and Minimum Wealth by Region“) hervor ((24) CS, S. 146).

Bei den nachfolgenden Abbildungen 7 und 8 ist zu berücksichtigen, dass darin nur all jene Individuen abgebildet worden sind, die überhaupt über irgendeine erfasste Form von Vermögen – und sei es noch so gering bzw. negativ (Schulden) – verfügen. Denkt man beispielsweise nur einmal an die gut 46 Millionen Essensmarkenempfänger im reichsten Land der Welt, den USA, was etwa 14,8 Prozent der Gesamtbevölkerung der Vereinigten Staaten entspricht, dann dürfte jedem klar werden, dass es sich dabei um einen nicht zu vernachlässigenden Aspekt handelt.

Abbildung 7 („Wealth Distribution 2011 for selected Countries – Part 1“) zeigt für ausgewählte Länder die Vermögensverteilung und zwar für die Top-10-Prozent und für die untersten 60-Prozent der Vermögenspyramide innerhalb der jeweiligen Länder. ((25) CS, S. 146) Die Länderanordnung erfolgt in diesem Fall nach dem Grad der Vermögenskonzentration in der Gruppe der Top-10-Prozent. Hinter einigen der aufgeführten Ländern in der Abbildung steht eine Nummer, die angibt, an welcher Stelle das jeweilige Land im Ranking der reichsten Länder (gemessen am Vermögen der dort ansässigen Privatpersonen) gemäß der Daten des Global Wealth Databook 2011 stehen. Es fällt dabei auf, dass die Schere zwischen dem Vermögen der Top-10-Prozent und dem der Bottom-60-Prozent in Ländern, die zu den reichsten zwanzig zählen, besonders weit auseinanderklafft. Während dies für Länder wie Indien, Indonesien oder Südafrika und Chile zu erwarten war und man bereits ahnen konnte, dass die USA als führendes Industrieland in diesem Punkt ein krasser Fall sein würden, ist die auffallend weit geöffnete Schere in Norwegen, den Niederlanden und Frankreich, aber auch in Deutschland und Großbritannien einigermaßen überraschend.

Am wenigsten weit geöffnet ist in dieser Auswahl die Schere in Italien, Japan, Australien, Spanien und Finnland. Es ist angesichts der in Italien sowie vor allem auch in Spanien inzwischen eingeleiteten drastischen Sparmaßnahmen nicht wahrscheinlich, dass dies so bleiben wird.

In Abbildung 8 („Wealth Distribution 2011 for selected Countries – Part 2“) ist für dieselbe Länderauswahl die Vermögensverteilung für die unteren 90 Prozent sowie für die Top-1-Prozent der Vermögenspyramide innerhalb der jeweiligen Länder dargestellt. ((26) CS, S. 146) Hier ist das sich darbietende Bild noch krasser. In einer ganzen Reihe von Staaten haben die Vermögenden Top-1-Prozent die unteren 90 Prozent beim Anteil am gesamten Vermögen im jeweiligen Land überholt. Das gilt überraschenderweise für Schweden, aber in noch viel stärkerem Maße für die USA, für die Schweiz und interessanterweise auch für Israel, ein Land, das sich ebenfalls auf drastischem Sparkurs befindet und von Demonstrationen dagegen geschüttelt wird. Auch in Thailand und Chile ist der Anteil der Top-1-Prozent am Vermögen größer als der der unteren 90 Prozent. Dass dies auch in Indonesien und Indien der Fall ist, überrascht nach der Abbildung 7 nicht, wohl aber das Ausmaß. In Indien liegt der Anteil der Top-1-Prozent bei 46,8 Prozent in Indonesien bei 43,2 Prozent. In beiden Ländern kommen die unteren 90 Prozent lediglich auf einen Anteil von 27,3 Prozent.

Augenfällig ist auch, dass der Anteil der unteren 90 Prozent am Vermögen in der Länderauswahl lediglich in drei Ländern oberhalb von 50 Prozent liegt: in Italien, Japan und Australien. Relativ nahe an die 50-Prozent-Marke heran kommen ebenfalls noch Spanien und Finnland. Bei allen anderen wird die Marke von 43 Prozent nicht mehr überschritten. Den niedrigsten Wert markiert Schweden mit 27,1 Prozent. Die USA liegen mit 27,3 Prozent gleichauf mit Indien und Indonesien auf dem vorletzten Platz.

Bei all dem ist zu berücksichtigen, dass die Studie des Tax Justice Network von Juli 2012 zum Offshore-Vermögen klare Hinweise darauf liefert, dass gerade die Vermögen an der Spitze der weltweiten Vermögenspyramide beträchtlich unterschätzt werden. Es ist insofern realistisch davon auszugehen, dass sich die Vermögensschere in vielen Staaten und insbesondere in den vermögenden Industriestaaten tatsächlich beträchtlich weiter geöffnet hat, als es die beiden obigen Abbildungen zum Ausdruck bringen.

Bezüglich der in der Abbildung 7 und Abbildung 8 dargestellten Vermögensverteilung ist zudem ein weiterer Aspekt zu berücksichtigen, der auf eine weitere Öffnung der Schere hindeutet: Angesichts der enorm gestiegenen, hohen Staatsverschuldung in vielen Staaten dürften die angekündigten und mittlerweile eingeleiteten Sparmaßnahmen, die in der Regel signifikante Kürzungen bei Löhnen, Renten und generell Sozialleistungen, aber auch Steuererhöhungen umfassen, die Vermögenskonzentration noch beschleunigen. Das liegt einerseits daran, dass die Austeritätspolitik offensichtlich insbesondere die breite Bevölkerung trifft und eher marginal oder gar nicht die Gruppe der Top-Vermögenden. Zum anderen kommt die sich verschärfende wirtschaftliche Lage mit steigender Arbeitslosigkeit und höheren Lebenshaltungskosten infolge von Austeritätspolitik und Wirtschaftskrise in Schuldenstaaten hinzu, was für viele die Notwendigkeit mit sich bringt, ihre Ersparnisse und generell Vermögen aufzuzehren.

In Abbildung 9 („Median Wealth per Adult 2011 by Country“) geht es abschließend in Teil 2 darum aufzuzeigen, in welchen Ländern das mittlere Vermögen (Median) – basierend auf Berechnungen und Schätzungen der Credit Suisse – vergleichsweise hoch liegt. ((27) CS, S. 86-89) Der Median teilt eine Stichprobe in der Mitte, so dass die Hälfte der Wert kleiner und die andere Hälfte größer ist. Damit vermittelt der Wert ein realistischeres Bild von der Vermögensverteilung innerhalb von Ländern als das Durchschnitts- oder Pro-Kopf-Vermögen, bei dem das Gesamtvermögen auf die Erwachsenen umgerechnet wird.

Den höchsten Wert erreicht Australien mit einem mittleren Vermögen von 221 704 US-Dollar. Allein dieser Wert zeigt – vor dem Hintergrund der vorangegangenen Ausführungen – jedoch schon auf, wie groß die Kluft der Masse der Vermögen und den Top-Vermögen weltweit ist. Die breite Mittelschicht der „Vermögenden“ bewegt sich weit unterhalb von 170 000 USD. Die USA, Spitzenreiter beim privaten Gesamtvermögen wie auch bei der Zahl der zur weltweiten Elite der Top-1- und Top-10-Prozent und High und Ultra High Net Worth Individuals (siehe dazu Teil 1) gehörenden Vermögenden, liegen mit einem mittleren Vermögen von 52 752 USD auf dem Platz 23, unmittelbar hinter Deutschland mit 57 283 US-Dollar.

Die Euro-Schuldenstaaten Spanien (71 797 US-Dollar), Irland (100 351 US-Dollar) und vor allem Italien (155 953 US-Dollar) liegen gemessen am mittleren Wert des Vermögens weit vor Deutschland. Dasselbe gilt für Frankreich (90 271 US-Dollar) sowie für die Schuldenstaaten Großbritannien (121 852 US-Dollar) und Japan (128 688 US-Dollar).

Bleibt zu ergänzen, dass der mittlere Wert für das Vermögen der gesamten Welt bei 4 208 USD liegt und China mit einem mittleren Vermögen von 7 496 USD (bei einer Bevölkerungszahl von 1,34 Milliarden) erwartungsgemäß weit hinten im Feld rangiert.

In Teil 3 der Reihe zur Krise und zur Einkommens- und Vermögenskonzentration wird die Einkommensentwicklung im Zentrum stehen.

von Stefan L. Eichner
Kontakt: eichner@web.de

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17 KommentareKommentieren

  • Normaldenker - 28. August 2012

    Sehr interessante Zusammenstellung, vielen Dank dafür. Dazu folgende Fragen: Ist bei der Betrachtung der Vermögen auch die jeweilige Verschuldung (private+staatliche) berücksichtigt? Sind in den Vermögen auch (zukünftige) Rentenzahlungen und Sozialversicherungsleistungen berücksichtigt?

    Anbei noch 2 Ungereimheiten die mir aufgefallen sind:
    Tabelle 1: Die Berechnung der Spalte “% of all people” erschließt sich mir nicht.
    Der Text zu Abb. 9 benennt China mit einem mittleren Vermögen von 7 496 USD, die Grafik sieht eher nach >50.000 USD aus.

    Vielen Dank und weiter so!

    • SLE - 28. August 2012

      Hallo Normaldenker,

      in Abbildung 9 taucht China nicht auf, sondern nur TAIWAN – das chinesischer Satellitenstaat ist. Dass das mittlere Vermögen in Taiwan über USD 50.000 liegt ist logisch.

      zu Tabelle 1: % of all people bezieht sich auf die in Percentiles unterteilte Vermögenspyramide. 0,001 % bedeutet, es handelt sich um die obersten 0,001 Pronzent der globalen Vermögenspyramide.

      Zur ersten Frage: Hier geht es um Privatvermögen und insofern schließt dies logischerweise die Betrachtung von Staatsschulden aus.

      Zu Frage 2: Nein, zukünftige Zahlungen sind natürlich nicht berücksichtigt. Es handelt sicvh um Bestandsaufnahmen und Schätzungen des existierenden Vermögens. Auch das ist logisch.

      Grüße
      SLE

      Gruß

      • Normaldenker - 28. August 2012

        Vielen Dank SLE für die Antwort.

        In Bezug auf die Tabelle 1 meinte ich, dass 100% – 1,14% (>$1M) eigentlich 98,86% ergeben müsste anstelle von 99,86%. Aber das Problem betrifft wohl eher den Urheber der Tabelle und verzerrt das Gesamtbild nur unwesentlich…

        Gruß, Normaldenker

        • SLE - 28. August 2012

          Ja, stimmt, in den Anhängen der Studie sind leider jede Menge Ungenauigkeiten.

          Gruß
          SLE

      • lottchen - 4. September 2012

        Die Vernachlässigung von impliziten Vermögen in staatlichen Rentenkassen stellt eine erhebliche Verzerrung dar. Ein Selbstständiger, der rein private Altersvorsorge betreibt, bekommt die gesamten geleisteten Zahlungen in seine private Rentenversicherung oder sonstige Altersvorsorge als Vermögen angerechnet, während ein Arbeitnehmer oder Beamter, der am Ende dieselben Alterseinkommen bezieht, dadurch gleich mal um zig tausend Euro “ärmer” aussieht, obwohl er de facto über die Lebenszeit materiell gleichgestellt ist. Wenn Leistungsansprüche dieser Art, die bei der Rentenversicherung bestehen, nicht kapitalisiert und zugerechnet werden, ist die Analyse wenig aussagefähig. Sie ist auch über die Länder verzerrend, weil Bürger von Volkswirtschaften, in denen die Altervorsorge stärker privat als staatlich betrieben wird, entsprechend “reicher” aussehen. Das mag für die Zwecke von Credit Suisse uninteressant sein, die ja hauptsächlich darauf abstellen, wer vielleicht sein Geld bei ihnen anlegen könnte, volkswirtschaftlich ist es das aber nicht.

  • Doc_x - 28. August 2012

    Erstklassige, detailgenaue Arbeit, besten Dank!

    So etwas würde man sich von unseren gut bezahlten “Qualitätsmedien” auch wünschen, statt der dort immer wiedergekauten 08/15-Daten zu Staaatverschuldung, Wirtschaftslage etc., die schon keiner mehr sehen kann …

  • Martin R - 28. August 2012

    @ Normaldenker,

    die globale Elite macht nur 0,14% aus, die 1,14 ist der Tipfehler.
    Ergibt sich aus einfachem zusammenaddieren der drei Kategorien darüber, wie auch in den anderen Spalten.

    Umso krasser, daß so ein kleiner Anteil von 0,14% der Weltbevölkerung über 80% der Privatvermögen besitzen.

  • klaus - 28. August 2012

    Tolle Zusammenstellung.
    In den Ländern mit etwas fairer Verteilung
    wird wohl bald die Troika alles ins Rechte rücken.

    BTW: Borjans ist Schweizer Staatsfeind NR. 1

    http://www.handelsblatt.com/politik/international/kauf-von-steuer-cds-schweizer-anwalt-zeigt-nrw-finanzminister-an/7064306.html

    Kleine Hypothese.
    Was ist, wenn die Schweizer Banken die
    anvertrauten Schwarzgelder in PIIGS investiert
    haben?
    Wenn dann die Steuerfahndung Geld möchte,
    sind die armen Steuersünder doch doppelt
    belastet.
    Wo können die sich denn melden, um das Geld
    aus der Doppelbelastung wieder zu bekommen?

    Oder geben die Schweizer Banken den Kunden
    das Geld zurück und machen die Schweiz pleite?

    Da müssen doch bei den Schweizern die Nerven
    blank liegen. Da rufen doch Kunden an.

    Das sind doch keine haltbaren Zustände.
    Wer hat die Kunden denn so schlecht beraten?

    Und wenn die Griechen jetzt austreten?
    Dann ist doch alles kaputt. Auch das Schwarzgeld.
    ————

    Nur kurz.
    Da war mal eine Sendung auf Monitor glaub ich,
    die Westerwelles Bruder mit Finanzoptimierung
    und TaylerWessing gebracht hat.

    Ich find nix mehr davon.
    Jemand ne Idee?

    Gruß klaus
    P.S. Written in the last days of Greek membership.

  • Skandinavienfan - 28. August 2012

    So funktioniert offensichtlich bis heute euroländische “Solidarität”: eine EU-Steueroase lockt mit ‘ner 10 % flat tax in großem Stil Flucht- und Schwarzgelder und hält dann als Rettungsbeschirmter Nummer fünf ganz offiziell die Hand auf, und darf dann sogar noch den EU-Ratsvorsitzenden mimen… – unverschämter geht’s nimmer !!

    http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/1718400/Zypern-Steueroase-und-Pleiteinsel

  • klaus - 29. August 2012

    Steueroase, so geht es in Zypern.

    2 Mann gründen Firma in Zypern, machen Konto auf und
    der Kunde darf anonym das Geld dort parken.
    Keiner meckert dort.

    CSU/Michelbach und ein Bundestagsabgeordneter von
    den Grünen haben sich mal entsprechend negativ geäußert.

    BundesMinisterium f. Finanzen wollte nix dazu sagen.

    http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/1718400/Zypern-Steueroase-und-Pleiteinsel

    Da hat Frontal21 mal wieder einen Volltreffer gelandet.
    Exakt so wird das Geld in/über die kleinsten Staaten Europas
    geschleust und die Deppen zahlen Steuern. Oder halt Strom.

    Dürfen wir nicht auch noch Zypern retten?

    Na, das wäre ja prima.

    ;)

  • Georg Trappe - 29. August 2012

    Da verschlaegt es wohl einigen die Sprache. Anders kann ich mir die relativ geringe Zahl der Kommentare nicht erklaeren. Es sind ja auch eine ganze Reihe von Augenoeffnern dabei, die das durch die Mainstream Medien transportierte Zerrbild als solches offenlegen. Da braucht es wohl doch etwas mehr Zeit, um das zu verdauen. Vor allen Dingen das letzte Bild duerfte die ansonsten durch medial aufwendig zelebrierte Spitzenplaetze und den wohlgenaehrten Glauben an die eigene, alles ueberragende Tuechtigkeit gepraegte deutsche Mentalitaet etwas irritieren.
    -
    Vielleicht setzt sich doch nochmal die Sprache der Fakten durch und macht der Erkenntnis den Weg frei, dass Deutschland unermesslich reich ist, die meisten Menschen in Deutschland aber nichts oder wenig davon haben und nicht die Griechen, Spanier, Italiener oder andere europaeische Nachbarn das zu verantworten haben, sondern diejenigen die das amerikanische Beispiel als Vorbild predigen.
    -
    Vielen Dank fuer die eindrueckliche Aufbereitung der Daten.

    Georg Trappe

  • Markus - 29. August 2012

    Die Tendenz zu Tochterunternehmungen in Katar, Dubai und Singapur ist doch für deutsche Mittelständler augenscheinlich. Die verdienten Vertriebsmitarbeiter werden dort aus dem deutschen Sozialsystem ausgeklinkt und erhalten dort ihr monatliches Salär -unversteuert…..die globale Elite -Geldadel- hat sich die Staaten Untertan gemacht. Mangels wirtschaftlichen Sachverstands in der breiten Bevölkerung.

  • Futur - 29. August 2012

    Seit längerer Zeit schreibe ich schon gegen Ideologie des Neoliberalismus. Das ganze theoretische Konzept baut auf falschen Annahmen. Der Homo Oeconomicus ist ein Dogmen-Yeti! Leider stimmen auch alle anderen Ökonomischen Theorien nicht, da sie nicht für eine komplexe, potentiell instabile Wirklichkeit konstruiert worden sind.

    Es müsste schon ein kompletter Prozess des Umdenkens einsetzen. Die dynamische Wirklichkeit richtet sich nicht nach den mithilfe von induktiven, empirischen Erkenntnissen begründeten Theorien, die immer ein geschlossenes Modell darstellen. Wie sollen da Veränderungen der komplexen Realität dargestellt werden? Die Lösung ist ein offenes Modell, das beide Methoden, die induktive und die deduktive eng verbindet. Es gibt, begründet mit der Wissenschaftstheorie von Popper, keine andere Methode für Komplexitäten – und es ist die Methode von Albert Einstein!

  • Wolf Steinhuber - 29. August 2012

    Eine Frage, die bereits zu Teil 1 gestellt aber nicht beantwortet wurde (bitte um Entschuldigung, falls ich es übersehen habe): Zählt das private Eigentum an (Teilen von) Unternehmen zum nicht-finanziellen Vermögen der Privaten?

    Auch in den über 15 Jahre fortgeführten Analysen von Merill Lynch / Capgemini bekommt man diesbezüglich keine Klarheit. Das ist aus mindestens zwei Gründen äußerst unbefriedigend. Zum einen, weil ja verbriefte Eigentumsrechte (Aktien) als Teil des Finanzvermögens gelten und somit jedenfalls ein Teil des Unternehmensvermögens, das Privaten zuzurechnen ist, miterfasst ist. – Aber wie groß ist dieser Teil?

    Zweitens, und das lässt doch gewisse Zweifel aufkommen, wenn es um die Aussagekraft bezüglich der Verteilungsfragen geht: Soweit ich aus österreichischen Studien zur hiesigen Vermögensverteilung weiß, bestehen die (mit großem Abstand !!!) ungerechtesten Verteilungsverhältnisse gerade beim Unternehmensvermögen.

    Damit kein falscher Eindruck entsteht: Herzlichen Dank und große Anerkennung für die beiden Artikel!

    • SLE - 29. August 2012

      Hallo Herr Steinhuber,

      ich bin zwar nicht in die Details der Definition von nicht finanziellem und finanziellem Vermögen eingestiegen, aber soweit ich den Credit Suisse Report verstanden habe, wurden dort als wichtigstes nicht finanzielles Vermögen Land und Immobilienbesitz aufgeführt und auch James S. Henry nennt in diesem Zusammenhang physischen Besitz (Immobilien, Jachten, Reitpferde, Goldbarren). Insofern gehe ich davon aus, dass Aktien und Wertpapiere zum finanziellen Vermögen zählen. In gewisser Weise lässt sich das auch von den genutzten Datenquellen her erklären, sofern man bedenkt, dass es sich dabei größtenteils um Steuerdaten handelt. Zu welcher Kategorie würden Aktien, sollten Sie welche besitzen, in ihrer Steuererklärung gerechnet? Ich denke, das liegt auf der Hand.

      Viele Grüße
      SLE

  • JL - 29. August 2012

    Sehr geehrter Stefan L. Eichner,

    Ihre in “Wealth Distribution 2011 for selected Countries – Part 2″ dargstellten Daten bilden eigentlich auch eine gewesene oder noch zu platzende Immobilienblase dar.

    Zu erwarten ist- aus meiner Sicht- das Italien, Japan, Australien, Spanien und Finnland (aber auch UK) vor einem Immobiliencrash stehen- die blauen Balken werden dort wohl zukünftig kleiner werden.

    Die ehemaligen “Tigerstaaten”, aber auch die USA, haben da wohl schon erhebliche “Fortschritte” hinter sich.

    Mit freundlichen Grüßen

    JL

    PS: Ihre Artikel sind ausgesprochen tiefgründig, Danke hierfür.

  • Charon - 2. September 2012

    Guten Abend,
    gehöre sonst zu den stillen Lesern, möchte aber die Frage zu den Aktien als Finanzvermögen nochmals aufgreifen;

    “Insofern gehe ich davon aus, dass Aktien und Wertpapiere zum finanziellen Vermögen zählen. In gewisser Weise lässt sich das auch von den genutzten Datenquellen her erklären, sofern man bedenkt, dass es sich dabei größtenteils um Steuerdaten handelt.” (SLE)

    Unabhängig von der Erhebung (das kann ich nachvollziehen) sehe ich nicht ein warum Aktien theoretisch kein Sachvermögen sein sollten.

    Eigentum an Aktien macht ja keine Gläubiger, es ist ein Anrecht auf einen Anteil am Vermögen der Unternehmung resp. dem draus entstehenden Gewinn, kein Anrecht auf einen fixen Betrag resp. Rendite.
    Der wesentliche (für meine Analyse als relevant erachtete ;)) Unterschied sehe ich im fehlenden Schuldverhältnis. Jedes Finanzvermögen entspricht einer Verschuldung. Sachvermögen braucht keine Schuldner, es ist mM der Sinn und Zweck der Wirtschaft neben dem Konsum Sachvermögen aufzubauen, Finanzvermögen hingegen ist ein (volkswirtschaftliches) 0-Summenspiel.
    [Genau aus dem selben Grund ist Gold kein Geld und Geld kein Gut]

    Warum ich so auf einem “Detail” rumhacke;

    Die Verteilung des Sachvermögens ist mM in erster Linie eine moralisch/ethische Frage, die Verteilung des Finanzvermögens dagegen aber eine oekonomisch relevante.

    Denn: Die Bildung der (über-grossen) Finanzvermögen bedingt die massive Ver(und zuletzt über-)Schuldung, führt mM zwangsläufig zu den heutigen Zuständen.
    d.h. wenn (Schuld-)Geld nicht als Tausch sondern als Wertaufbewarungsmittel verwendet wird, werden automatisch auch die Schulden konserviert und ein Schuldner kann sich nur Enschulden wenn ein anderer in die Lücke springt.
    Jeder Versuch bei gleich bleibenden (Betrag, Verteilung) Finanzvermögen über Einsparungen sich zu Entschulden ist zum Scheitern verurteilt, es sinkt lediglich der Umsatz, sprich BSP.

    Mmm, der Beitrag ist wesentlich länger und weniger fokusiert als geplant geworden, lasse es dennoch mal so stehen und freue mich über erhellende Antworten. Bin gerade in letzter Zeit etwas festgefahren in meinem oekomischen Selbststudium ;), bin mehr und mehr zur Ansicht gelangt das Wirtschaft eben doch vorallem Buchhaltung ist.

    Gruss
    Charon

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