Die Medien und die Autoabsätze

von am 2. Februar 2011 in Allgemein

Die aktuellen Autoabsätze liefern mal wieder Stoff für eine kleine mediale Märchenstunde, so wählt die Süddeutsche als Überschrift: “Amerikaner verrückt nach neuen Autos”, Spiegel-Online: “Konsumrausch trotz Krise: Amerikaner kaufen wieder dicke Autos”, Welt-Online: ”US-Autokäufer reißen sich wieder um Spritschlucker” usw.. In Anbetracht der Jubelmeldungen wenden wir uns den Fakten zu und setzen die aktuellen Absatzzahlen in den USA zuerst Mal in einen längerfristigen Betrachtungszeitraum:

Die 12,62 Millionen verkauften Fahrzeugeinheiten (SAAR-saisonbereinigt und auf das Jahr hochgerechnet) im Januar 2011 bewegen sich weiter in der Nähe des Niveaus der Rezession 1990/91 und damit auch weit unter dem Durchschnitt der 16,8 Millionen Fahrzeuge (-24,9%), die noch in den Jahren 2000 bis 2007 verkauft wurden! Das Verkaufshoch wurde im Oktober 2001 markiert, mit gewaltigen 21,7 Millionen Fahrzeugen (-41,%)!

Ok., die Autoabsätze steigen, aber auf welchen Niveau bewegen sie sich und geben sie solche Jubel-Headlines her?

Der kürzere Betrachtungszeitraum der US-Autoabsätze (SAAR) seit Januar 2007. Die Absatzzahlen liegen nicht nur unter dem langfristigen Durchschnitt, sondern auch noch deutlich unter dem letzten Spike, ausgelöst durch Cash for Clunkers im August 2009 mit 14,17 Millionen verkauften Einheiten. Genaugenommen handelt es sich im Januar 2011 immer noch um schwache Absatzzahlen, auch wenn der Trend aufwärts gerichtet bleibt.

Besonders deutlich machen die eigentlich schwachen Absatzzahlen auch die unbereinigten Original-Absatzdaten. Im Januar 2011 wurden nur 819’895 Fahrzeugeinheiten verkauft, ein Rückgang von -28,7% zum Vormonat Dezember 2010 mit 1,144739 Millionen verkauften Fahrzeugeinheiten, nach 873’323 Fahrzeugeinheiten im November, nach 950’165 Fahrzeugeinheiten im Oktober, nach 958’966 Einheiten im September, nach 997’468 Einheiten im August und nach 1,050101 Millionen im Juli 2010.

Nur im Vergleich zum Vorjahresmonat (698’781)  mit +17,3% sehen die unbereinigten PKW-Verkäufe gut aus! Auch die Verkaufszahlen der spritschluckenden Pick-up-Trucks und Geländewagen sind vor allem im Vergleich zum Vorjahresmonat gestiegen, um +29,8%, im Vergleich zu den Vormonaten sind sie eher unterdurchschnittlich (Jan.11: 173’845, Dez.10: 248’725, Nov.10: 200’287, Sep.10: 196’266, Aug.10: 205’912, Jul.10: 218’103)!

Weder die unbereinigten Originaldaten noch die SAAR-Daten geben also die Aufschwungs-Headlines her.

Um es noch besser zu verdeutlichen, wie schwach die Absätze sind, muss man den stetigen Bevölkerungszuwachs in den USA mit beachten und diesen in die Realtion zu den Autoverkäufen setzen:

Die saisonbereinigten und auf das Jahr hochgerechneten monatlichen Autoabsätze  (SAAR) je 100 US-Einwohner. Im Januar 2011 wurden je 100 Einwohnern 4,04 PKWs verkauft (SAAR), beim Hoch im September 1986 waren es 8,78 Autos je 100 Einwohner und der Durchschnitt von 2000 bis 2007 lag bei 5,75 je 100 Einwohner! Der Januar 2011 lag um -30% unter dem Durchschnitt von Jan. 2000 bis Dez. 2007.

Kein wesentlich anderes Bild liefert die Berichterstattung über die PKW-Neuzulassungen in Deutschland, das ManagerMagazin “Deutsche kaufen wieder neue Autos”, Tagesschau.de “Autoabsatz steigt im Januar stark: Neues Jahr, neues Auto” und N-tv “Deutsche Karossen gefragt: Autohäuser leeren sich”! Nur auch hier zeigt ein Blick auf die monatlichen Daten seit Januar 2000, von einem Boom kann keine Rede sein:

Die Entwicklung der PKW-Neuzulassungen seit Januar 2000. Der Automarkt in Deutschland ist seit Jahren von Stagnation geprägt, nur die Abwrackprämie brachte mal Dynamik in den Markt. Im Januar 2011 lagen die Neuzulassungen mit 211’053 PKWs deutlich unter dem langfristigen Durchschnitt von Januar 2000 bis Dezember 2008 mit durchschnittlich 273’531 PKWs. Der Januar 2011 war der fünftschwächste Januar seit 1991!

Und selbst bei diesen mauen Neuzulassungszahlen aus dem Januar 2011, gibt es noch etwas zur Qualität der Zahlen zu sagen, denn der gewerblichen Anteil an diesen “Erfolgszahlen” lag laut Kraftfahrzeugbundesamt (KBA) mit 63,1% auffallend hoch! 

Eine seriöse und vor allem notwendige kritische Wirtschaftsberichterstattung findet kaum noch statt, so dass die Medien unreflektiert zum erweiterten Sprachrohr der XXL-Propaganda verkommen.

Quelle Daten: Motorintelligence.com/Januar 2011 mit Exceldateien, Kba.de/Pressemitteilung

Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

Wenn Ihr Querschüsse per PayPal mit einem beliebigen Betrag unterstützen möchtet, bitte den Button anklicken:


 
 
 
 

 
 
 


Print article