Die Mindestlohn-Debatte geht am eigentlichen Problem vorbei

von am 8. Mai 2013 in Allgemein

Die Mindestlohn-Debatte ist in vollem Gange. Wieder einmal wird in der Politik heftig gestritten. Natürlich geht es angesichts der bevorstehenden Bundestagswahl darum, die Bürger von der eigenen Lösungskompetenz für das Problem, für das der Mindestlohn die richtige oder eben falsche Antwort sein soll, zu überzeugen.

Für die Gegner sind Mindestlöhne pointiert ausgedrückt Gift für die freie Marktwirtschaft und kontraproduktiv. Für die Befürworter ist der freie Markt heute kein Garant für faire Löhne, so dass der Staat hier gefordert ist, eine Grenze einzuziehen.

Tatsache ist, dass die Zahl der Erwerbslosen in den letzten Jahren kontinuierlich und deutlich (von über 4,5 Millionen) gesunken ist und im März bei niedrigen 2,37 Millionen lag. Zugleich ist die Zahl der Erwerbstätigen sukzessive gestiegen und befand sich auch im März mit 41,5 Millionen noch immer auf einem rekordhohen Niveau. (1)

Tatsache ist aber auch, dass die atypische Beschäftigung (Teilzeit, befristete und geringfügig Beschäftigte, Leiharbeiter) von 2004 bis 2011 – mit Ausnahme eines geringfügigen Rückgangs im Krisenjahr 2009 – kontinuierlich gestiegen ist und zwar von 6,086 Millionen (2004) auf 7,918 Millionen. Das entspricht einem Anstieg um 30,1 Prozent. (2)

Nach wie vor sehr hoch ist deswegen mit 7,43 Millionen (Stand Ende Sept. 2012) auch die Zahl der geringfügig entlohnten Beschäftigten. (3) Auf die Zahl der Erwerbstätigen im September 2012 bezogen (41,8 Millionen) entspricht das einem Anteil von 17,8 Prozent (sowohl das Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ) (4) als auch das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) (5) kommen in ihren Analysen für die die vorangegangenen Jahre auf höhere Werte (zwischen 20 und 25 Prozent)). Dabei ist allerdings zu berücksichtigen, dass die Zahl der Erwerbstätigen zwischen 2004 (Jahresdurchschnitt 39,04 Millionen) und 2012 (Jahresdurchschnitt 41,61 Millionen) zwar deutlich angestiegen ist, nämlich um 6,6 Prozent. (6) (7) Die Zahl der geringfügig entlohnten Beschäftigten stieg zwischen September 2004 (6,57 Millionen) und September 2012 (7,43 Millionen) jedoch doppelt so stark, nämlich um 13,2 Prozent. (8)

Besonders problematisch gesehen wird auch, dass die Zahl der Erwerbstätigen, deren Einkommen nicht für den Lebensunterhalt ausreicht und die deswegen auf Hartz IV angewiesen sind, die sogenannten Aufstocker also, über die Jahre weiter gestiegen ist. (9) 2007 waren es 1,22 Millionen, 2012 gab es 1,36 Millionen Aufstocker und 2012 1,33 Millionen. 44 Prozent der Aufstocker hatten 2012 einen sozialversicherungspflichtigen Job. (10)

Das Problem ist folglich sehr real und gravierend.

Aha, werden jetzt vielleicht viele sagen, also haben die Befürworter von Mindestlöhnen doch Recht.

Nein, so einfach ist das nicht. Weder die Befürworter noch die Gegner haben Recht, was die Mindestlöhne anbelangt. Aber der Reihe nach.

In einer Marktwirtschaft sollte Wettbewerb dafür sorgen, dass faire Löhne gezahlt werden. Wenn letzteres dauerhaft nicht der Fall ist, so wie heute, kann das an den gesetzlichen Rahmenbedingungen liegen und/oder daran, dass der Wettbewerb nicht effektiv funktioniert.

Mit der Agenda 2010 und den Hartz-Reformen wurden wesentliche Voraussetzungen für eine Ausweitung der niedrig entlohnten Beschäftigung geschaffen. Beispiele sind Minijobs und die Zeitarbeit.

Mindestlöhne heute zu fordern, ist insofern zum Teil schlicht ein Versuch, die Folgen der angesprochenen Reformen zu korrigieren anstatt die Reformen selbst. Zum anderen Teil sind sie eine Kapitulation vor der Frage, unter welchen Voraussetzungen auf wettbewerblichen Märkten überhaupt faire Löhne zustande kommen können – und dies gilt sowohl für die Befürworter als auch für die Gegner von Mindestlöhnen.

Die Gegner unterstellen schlicht, dass Märkte selbstregulierend und effizient sind oder mit anderen Worten prinzipiell effektiver Wettbewerb besteht und insofern auch die Löhne, die jeweils gezahlt werden, fair sind – abgesehen von regelwidrigem Verhalten bzw. Gesetzesverstößen. Die Befürworter schütten dagegen gleich das Kind mit dem Bade aus, weil sie mit der Forderung von Mindestlöhnen das Zustandekommen von angemessenen, fairen Löhnen auf wettbewerblichen Märkten implizit für unmöglich erklären.

Spätestens seit der Finanzmarktkrise wissen wir, dass Märkte nicht prinzipiell selbstregulierend und effizient sind. Insofern ist es also  durchaus naheliegend zu fragen, ob die beträchtliche Ausweitung prekärer Arbeitsverhältnisse nicht ebenso wie die verbreitete Wachstumsschwäche in erster Linie die Folge eines – volkswirtschaftlich gesehen – ineffektiven Wettbewerbs ist.

Eine einfache Kontrollfrage: Nennen Sie bitte einmal einen volkswirtschaftlich bedeutenden Markt, auf dem heute kein intensiver Kostenwettbewerb herrscht.

Sie werden Schwierigkeiten haben, einen zu finden und genau das ist das Problem. Heißt das dann aber zugleich auch, dass Wettbewerb eben immer so ist?

Jeder redet immer nur von dem „Wettbewerb“ und meint damit implizit, dass es überhaupt nur eine einzige Form von Wettbewerb gibt oder anders ausgedrückt: entweder es herrscht Wettbewerb oder es herrscht kein Wettbewerb. Wirtschaftsliberale Vertreter in der Politik spitzen dies gerne auf den Ausspruch zu, entweder man sei für die Marktwirtschaft oder dagegen. Der Ausspruch bringt es eigentlich gut auf den Punkt. Denn er entspricht dem, was die klassische liberale und die neoklassische Wirtschaftstheorie uns lehrt: selbstregulierende, effiziente Märkte, sind Märkte, auf denen Wettbewerb herrscht und dieser ist prinzipiell effektiv. Das Problem ist nur, dass dies – auf die Realität übertragen – nicht stimmt, wie oben bereits angesprochen und das liegt vor allem daran, dass dieses Wettbewerbsverständnis der Entwicklung von Märkten nicht gerecht wird und auch nicht gerecht werden kann. Als Blaupause für politisches Handeln in der Realität taugt es deswegen auch nicht.

Wettbewerb wird entscheidend geprägt von den strukturellen Gegebenheiten auf Märkten, also unter anderem von der Zahl und Größe der Anbieter und Nachfrager, von der Marktransparenz, aber auch von den handlungsleitenden Motiven der Anbieter und Nachfrager. All das ist in der zeitlichen Entwicklung von Märkten Veränderungen unterworfen und damit ändern sich auch die Voraussetzungen für die Wettbewerbsführung, das heißt: der Wettbewerb verändert sich.

Vereinfacht ausgedrückt bedeutet dies Folgendes:

Auf jungen Märkten ist das Marktpotenzial noch weitgehend unerschlossen, Produkte/Dienste und Verfahren befinden sich noch am Anfang ihrer Lernkurve, die innovative Dynamik ist infolgedessen hoch (bedeutende Produkt- und Verfahrensinnovationen, innovative Angebotsvielfalt), funktionale und im weitesten Sinne qualitative Faktoren sind wettbewerbsentscheidend.

Gerade deswegen sind auf jungen bzw. dynamisch-innovativen Märkten Wissen und Fertigkeiten der Arbeitskräfte ein ganz entscheidender Faktor im Wettbewerb.

Auf ausgereiften Märkten ist das Marktpotenzial ausgereizt, Produkte/Dienste und Verfahren sind ausgereift (Stichworte: ein bestimmtes Produktdesgin hat sich durchgesetzt, ebenso eine „best practise“, Standardbauteile, gemeinsame Plattformen usw.), die innovative Dynamik des Marktes ist dementsprechend schwach ausgeprägt (Verbesserungsinnovationen), die Kosten sind wettbewerbsentscheidend.

Auf ausgereiften bzw. transparenten, wenig dynamischen Märkten sind folglich nicht das Wissen und die Fertigkeiten der Arbeitskräfte ausschlaggebend, sondern zu welchem Preis Arbeitskräfte für bekannte und standardisierte Prozesse von den Unternehmen „eingekauft“ werden können (Stichwort: Debatte über den „Fachkräftemangel“).

Wir haben es heute auf den allermeisten, volkswirtschaftlich und global bedeutsamen Märkten mit gesättigten, ausgereiften und nicht selten unter Überkapazitäten leidenden Märkten zu tun. Auf solchen Märkten herrscht harter Kostenwettbewerb vor, weil es sich um oligopolisierte und von wenigen, großen Unternehmen dominierte Märkte handelt, die im Wesentlichen eines im Sinn haben: Ihre Marktposition erfolgreich zu verteidigen.

Die Politik hilft ihnen dabei, das heißt sie unterstützt die Unternehmen bei ihren Bemühungen, kostenwettbewerbsfähig zu sein – seit vielen Jahren. Dies war z.B. auch der Zweck der Agenda 2010.

Angesichts solcher Marktgegebenheiten bzw. der fortgeschrittenen Entwicklung/Ausreifung vieler Märkte stellt sich Wettbewerb heute – sofern er nicht schon mehr oder weniger ausgeschaltet wurde – überwiegend als harter Kostenwettbewerb dar. Dass die Politik diesen zusätzlich noch massiv fördert, ist kontraproduktiv. Denn unter diesen Bedingungen kann sich auf den Märkten keine dynamische Entwicklung ergeben, die Voraussetzung für eine Aufwertung des Wissens und der Fähigkeiten der Arbeitskräfte auf den Märkten und vor allem auch für neues Wirtschaftswachstum wäre.

Wer will, dass die Abwärtsspirale bei den Löhnen gestoppt wird, der ist insofern gut beraten, in erster Linie auf Veränderungen der oligopolistischen Marktstrukturen und auf eine neue, innovative Dynamik auf den Märkten hinzuwirken, die kleinen und mittelgroßen Unternehmen und Arbeitskräften gleichermaßen wieder deutlich verbesserte Chancen eröffnet, mit ihren Leistungen angemessen erfolgreich zu sein. Denn das ist es, was effektiven Wettbewerb volkswirtschaftlich gesehen ausmacht.

Die Probleme auf dem Arbeitsmarkt sind nicht wegzudiskutieren. Aber Mindestlöhne kurieren nur an den Symptomen. Sie sind keine Lösung, sondern stützen im Ergebnis nur die unhaltbar gewordene Form der Wettbewerbsführung der Oligopolisten auf den überwiegend ausgereiften Märkten. Ausbaden müssen das die kleinen und mittelgroßen Unternehmen, die das letzte Glied in der Kette des von oben erzeugten Kostendrucks sind und diesem nicht ausweichen können.

von Stefan L. Eichner
Kontakt: eichner@web.de

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87 KommentareKommentieren

  • Frankenfurter - 8. Mai 2013

    ” Aber Mindestlöhne kurieren nur an den Symptomen.”

    Richtig, aber das Hauptsympton aus meiner Sicht ist, dass es immer weniger privat bezahlte/bezahlbare Arbeit gibt. Sie haben nämlich nicht berücksichtigt, dass die deutliche Zunahme der Beschäftigungsverhältnisse seit ein paar Jahren erfolgte bei einem nur geringem Zuwachs an geleisteten Arbeitsstunden insgesamt. Wir haben also am Arbeitsmarkt in Wirklichkeit eine Arbeitszeitverkürzung und Verbilligung der Arbeit erlebt.

    Ich meine mit Nachdruck dass keine souveräne Nation gezwungen werden kann Massenarbeitslosigkeit zu tolerieren wegen seiner schlechten Staatsfinanzen, egal, welche Gründe den schlechten Zustand des Staatshaushalts herbeigeführt haben. Der Trick in Zukunft wird sein, dass die Regierung genug Geld ausgibt, um Vollbeschäftigung zu gewährleisten, aber nicht so viel, dass dies zum Schrumpfen oder zu Engpässen in der „Realwirtschaft“ führt. Denn Arbeit außerhalb des privaten Sektors ist ja genug da, und wir hätten definitiv die Mittel sie auch angemessen nachzufragen/zu bezahlen. Sie fragen, woher die Mittel für den ausbau öffentlicher Beschäftigung kommen sollen? Nein, nicht durch nicht durch viel höherer Besteuerung, wirklich nicht. Sondern durch eine demokratisierte Geldschöpfung !

  • klaus - 8. Mai 2013

    Lieber Herr Eichner.

    Mindestlöhne stehen für Gerechtigkeit ! Und selbst 8,50 reichen
    nicht bei 165 Stunden über die Pfändungsgrenze.

    Wir haben in der Hauptsache den Aufstocker als Erfolgbild.

    Bei 8.50 Mindestlohn wird er im Job bei 7 Euro erstmal
    um 1.50 Euro auf Kosten des Steuerzahlers betrogen.
    Zudem werden die Arbeitsbedingungen/Urlaubsbedingungen
    weder brauchbar kontrolliert, noch ist rechtlich für
    Hilfsmittel gegen den Arbeitgeber gesorgt worden.
    Nehmen wir mal an, der Arbeitgeber kassiert so nochmal
    2 Euro die Stunde vom Arbeitnehmer.
    Macht 3.50 Euro mal 8 Stunden.
    Da die Arbeiten auch entsprechend schlecht sind,
    könnten auch Arztbesuche das Resultat sein.
    Die Krankenkassen müssen also hier auch mehr Geld
    auslegen.
    Zudem läßt man auch für diese minderwertigen Jobs
    die Leute noch kurz mal 1 Monat vorschulen.
    Auch für Geld.

    Die Gelder die in die Differenz eingerechnet werden
    müssen, sind schlicht eine Subventionierung
    von schlechten,teilweise arglistigen Arbeitgebern.
    Manchmal stellt der Zoll das fest. Andere schöpfen
    ab und tragen das Geld aus der Kasse auf Schwarzkonten.

    Sagt man jetzt, das diese Unternehmer “normale”
    Löhne und deren Kosten nicht tragen können,
    handelt es sich schlicht um “Grenzbetriebe”.

    Betriebe, die auf dem freien Markt nicht überlebensfähig sind.
    Zudem verschlingen diese Betriebe oft noch Arbeitsplatz-Subventionen,
    Gründerdarlehen,kommunale Ansiedlungsvorzüge und 3 Jahre
    Steuerschonung vom Finanzamt.

    Was übrig bleibt ist oft ein Eintrag beim Insolvenzgericht unter
    xxx IN xx/13 und sonst nix.

    Meist sind es UG’s, die nur 1 Euro an Haftung haben.
    Nach 3 bis 6 Monaten folgt Einstellung mangels Masse und
    warten auf Restschuldbefreiung.
    Forderungen im Rahmen von rund 35000 Euro die offen bleiben
    und gut is.
    Okay, Irgendwer hat noch bei der Lieferung von Einrichtung
    verdient, daher die freundliche Bewilligung des Geschäftsprocederes
    und fertig.

    Ist es das, was Mutti mit Gründerinitiative auf der Cebit
    so sehr wünscht?
    Demnächst mit Studienabbrechern ohne Hochschulreife in technischen
    Gebieten oder nichtdeutschsprachigen Unternehmern ( beziehe mich
    rein auf Sprachproble ! ),
    damit es richtig zur Sache geht.

    Es kann schlicht nicht sein, das JEDE Arbeit dieser Art
    sinnvoll ist.
    Wenn der Steuerzahler schon indirekt 800 Euro für Billigjobs
    hinwirft, sollte er auch das Recht haben, den Gegenwert zu prüfen.
    Solche Jobs sind die 800 Euro schlicht nicht wert.

    Zudem werden diese Jobs massenhaft auf die entsprechende
    BA-Clientel verpasst und enden meist nach 3 – 6 Monaten.
    Mit schätzungweise 10 Prozent Quote, wegen Gesundheit.
    Z.T. auch mit zeitungswirksamen Dramen in Bild & Co.

    Das sind die Erfolge dieses Schemas.
    Es ist nichts anderes, als der wirtschaftstechnische Volkssturm.

    Warum sollte jemand, der seine Arbeit mit 10/15 Euro einschätzt,
    sein Können in diesem Umfeld erwähnen, wenn er weiß,
    das er trotz staatlicher Förderung nur 7 Euro dafür sieht,
    von denen evtl. noch ein paar Euro nebenbei abgehen?
    Und sei es nur, das die Person Ihre Wegekosten nicht ersetzt bekommt.

    Was soll jetzt ein Jugendlicher oder Erwachsener von seiner Rente und
    einem von der FDP künstlich ökonomisierten Gesundheitssystem denken?
    Dazu die ewige Problematik mit der nie endenden Arbeitszeit bis 80 Jahre?
    Nein, Scherz. Spätestens dann wäre die vollständige Abwanderung da.
    Keine Auszubildenden? Oder will man die Auszubildenden nur “günstig”
    arbeiten lassen?

    Im Handelsblatt stand, Leute haben bereits in den Betrieben innerlich
    gekündigt. Wieviele haben innerlich bereits Deutschland gekündigt?
    Vor mehr als einem Jahr haben ich gesagt ohne Lebensversicherungen
    keine Refinanzierung der Banken.
    Wie sieht es aus?
    Wieviele Bausparverträge,LV,Riester,.. sind denn abgeschlossen worden?
    Warum hilft man bei Ninja-Finanzierungen von Häusern?
    Und die Bausparkassen loben sich?

    Alles steht in den Eisen.
    Soros rät zu Eurobonds und Sinn rät, die Bailouts einzugrenzen,
    damit die Heuschrecken nicht die Profite nach Hause tragen.

    Geld drucken und überschüssige Liquidität mit Immo-Verkäufen abgreifen?
    Man sucht Liquidität zum Abgreifen.
    Nach der Wahl wird es soweit sein.

    Auch die Leute merken, das der Staat Liquidität zur Konjunkturbelebung
    sucht.
    Die Rentner sagen, Geld kann man nur 1 mal ausgeben.

    Die Agenda 2010 hat die Leute gleichgültig gemacht.
    Warum sollten Sie noch freiwillig ein Ehrenamt machen?

    Kurzum, die Deflation(Depression) ist da.
    Dank der Steuerhinterziehungsdebatte wird es nicht zu
    einer 2/3tel Mehrheit mehr kommen.
    Man hat den Peer schlecht gemacht und das war unklug.
    Jetzt kommen die Schwarzkonten und Amigos.
    Die großen Parteien haben in ihrer Geldgier den Euro geopfert.

    Wir hätten den Euro nur künstlich am Leben halten können.
    Jetzt stirbt er halt schneller.
    Die Vorteile der Bailouts sind bei den Privatinvestoren
    gelandet und der Steuerzahler hat nichts zurückbekommen,
    ausser dem Defizit der verkauften Immos der FMS.
    Unterbewertung von Immos ist auch so eine moderne Sache
    unserer Boom-Gesellschaft.

    Nicht der Einzelne hat über seine Verhältnisse gelebt.
    Man redet dem Einzelnen nur ein schlechtes Gewissen ein.
    Damit ist man aus der Erklärungsfalle.

    Wie gesagt, Schäubles Manöver hätte man noch vor
    3 Jahren geglaubt. Diesmal steht der Double-Dip
    vor der Tür, nach der Ernüchterung von Zypern.

    Selbst die Sparkassen zittern bei Einlagen, da sie
    um die Kredite der umliegenden Firmen und Projekte
    zittern. So sieht es aus.

    Es ist viel geworden, ich hoffe Sie sind nicht böse.
    Ich werde mit Genugtuung die AFD wählen.
    Weil Prof. Lucke kein Versprechen macht.
    Nach der Wahl wird erstmal die Bestandsaufnahme fürcherterlich.
    Und vor der Wahl retten wir Slowenien mit 10 Mrd Bailout.
    Auch nicht förderlich für die amtierenden Champions.

    Gruß klaus

  • tugrisu - 8. Mai 2013

    Mein Lehrer hätte gesagt: Thema verfehlt!
    Märkte funktionieren nur dann, wenn alles den Märkten unterleigt. Tut es aber nicht. Es gibt einen wichtigen Bereich, wo nur Monopol herrscht: Das Geldsystem. Denn gäbe es einen Markt, müsste es auch verschiedene Geldsysteme geben. Tut es aber nicht. Und dadurch hat das Geld immer einen Vorteil gegenüber Waren, Dienstleistungen und der Arbeitskraft. Der Geldbesitzer ist immer gegenüber allen anderen Marktteilnehmern im Vorteil. So lange es beim Geldsystem keinen Markt gibt, kann es auch bei allen anderen Dingen keinen Markt geben.

    • klaus - 8. Mai 2013

      Wenn Alles den Märkten unterliegt, sollte auch
      der Staat seine Finger raushalten.
      Aus der Subventionslenkung, aus den Private Public Partnerships
      und selbst als Marktteilnehmer.

      Da das aber in einer sogen. Sozialen Marktwirtschaft nicht
      der Fall ist, mal abgesehen, wieviel noch davon übrig ist,
      ist der momentane Zustand etwas ganz anderes.

      Der Geldbesitzer hat zwar die besseren Karten, aber wie
      lange wird der Staat dieses Spiel mitmachen?

      Die USA machen das Spiel nicht mehr mit.
      Deren Kavallerie steht in Bern,Genf und Zürich.

      Ausserdem, wer sagt, das der Euro bleibt?

      Ich freue mich auf die DM.
      Damit wird auch die Leistung der Marktteilnehmer wieder
      besser honoriert.

      ;)

      • tugrisu - 9. Mai 2013

        Die Eingriffe des Staates sind genau deshalb erforderlich, weil wir eben keine Marktwirtschaft haben. Wer die W-Fragen (warum, wieso, weshalb) konsequent bis zum Ende stellt, wird in 99% aller Fälle beim Geld als Antwort landen. Denn das Geld geht nur dort hin, wo es den meisten Profit (Gewinn, Zins) erwirtschaftet. Also muss ich das Geldsystem ändern, wenn ich die Probleme lösen will. Und wer Gewinn befürwortet, muss sich auch im klaren sein, daß dann irgendjemand Verlust machen MUSS! Und er muss dann auch akzeptieren, das es H4-Empfänger gibt. Wenn eine Firma Gewinn macht, dann muss entweder der Vorlieferant, Kunde oder Arbeiter einen Verlust machen. Übrigens: Arbeit ist IMMER genug für ALLE da! Und geld ist auch für alle genug da: Nimm das BIP von Deutschland (2.570,8 Millarden in 2011), teile es durch 40 Millionen (Erwerbstätige) und durch 12 Monate. Dann kommst du auf ca 5.300 € oder ca 2.650 € pro Einwohner (vom Baby bis zum Rentner).

        • Lothar - 9. Mai 2013

          @Tugrisu: Wenn ich das BIP durch Erwerbstaetiger teile ist das Ergebnis nicht pro Einwohner. Aua. Ausserdem Geld Distribution ist irrelevant. Es geht darum ob genug Produktivitaet da ist zur Versorgung und zum austausch mit anderen bei Waren/Resourcen die wir nicht haben.

          • tugrisu - 9. Mai 2013

            5.300 € pro ERWERBSTÄTIGER oder ca 2.650 € pro Einwohner

    • Ro - 8. Mai 2013

      Bravo. Exakt, plus Ergänzung, Milliarden global träumen von einem Bruchteil des Mindestlohns. Nun, wohl Pech gehabt, für die gibts keinen Wettbewerb, die sind ausgegrenzt. Wir nutzen hier jedoch globale Ressourcen… Stichwort Kriege um Energie und Ressourcen. etc. etc.

      Anders herum gefragt, würde es für einen Mindeslohn für alle auf der Welt denn reichen, was sollen all diese (wieder der Beginn, Geldsystem denn noch alles herstellen, produzieren..)…? Faktor Energie und dessen Endlichkeit!

      Und nochmls zum Faktor Energie. Wann endlich wagt die Ökonomenzunft diesen Ursprung in ihre Überlegung vorne an zu stellen, sie mit einzubeziehen? Bis dato Fehlanzeige.

      Fazit: Das Thema ist doch wesentlich komplexer. Im Grunde bliebt es fortwährend in der unteren Ebene der Verteilungsmatrix stecken. Keiner will und wird hier freiwillig nachgeben.

      • klaus - 9. Mai 2013

        @Ro

        “Fazit: Das Thema ist doch wesentlich komplexer. Im Grunde bliebt es fortwährend in der unteren Ebene der Verteilungsmatrix stecken. Keiner will und wird hier freiwillig nachgeben.”

        Natürlich war ich etwas hart in meiner Sicht.
        Nur blöde ist es, das wir uns exakt bei IHREM Fazit volkswirtschaftlich
        angekommen sind. Kleine Unternehmen mit hinkender Liquidität werden
        schon jetzt bankentechnisch nicht mehr gestützt werden können.

        Sonst würde die EZB nicht zu Massenvernichtungswaffen greifen,
        um große Firmen aus den Schulden zu holen und mit Liquidität
        auszustatten. Und das mit Mandat !

        http://www.handelsblatt.com/politik/konjunktur/geldpolitik/ezb-erwaegt-neuen-wertpapier-kauf-riskantes-spiel-mit-massenvernichtungswaffen/8180136.html

        Da wird kein Geld an ein Tabakspitzengeschäft weitergegeben.
        Das ist sicherlich klar.

        Und der Faktor Energie ist besonders heikel.
        Zumal der Iran sich grundsätzlich das Öl mit Gold zahlen läßt.
        Das macht Ihn umso verhasster.

        Was Mindestlohn angeht, wird auf Dauer auch der Sozialbezug schwinden
        und die wirtschaftlich, ohne Lohnzuschüsse, verwertbare Arbeit wohl
        nur noch bezahlt werden. Da geht manch Arbeitgeber ältere AN mit
        Bildung suchen, der heute nicht satt an Billig-Jugend werden konnte.

        Und die gebildete Jugend im Ausland wird sich nicht verramschen lassen.
        Sonst kommen die nicht !

        Die Träume der Landbevölkerung von der ruhigen Arbeit und
        auskömmlicher Rente in Infrastruktur sind vorbei.
        Mit dem festhalten am Billiglohn wird die Landflucht das größte
        Problem bringen.

        Und nach der Landflucht kam nie was Gutes,
        denn eine Umkehr gab es meines Wissens nie.

        Gruß klaus

        • Ro - 9. Mai 2013

          hallo Klaus – ja, das ist so eine Sache mit den Blogs und den Worten ;-)

          Mein Beitrag war als Ergänzung gedacht zur Mindestlohndebatte und vor allem zum klaren Beitrag von tugrisu.

          Wir betrügen uns doch fortwährend selbst wenn wir an ein System eine Forderung formulieren, jedoch vornehmlich in der deutschen, europäischen oder erweitert, westlichen Arbeitswelt verharren.

          Wenn man die Sache nicht global angeht, sprich sämtliche mögliche Arbeitskraft + Energiethematik + Geldsystemthematik im Ursprung schon betrachtet, dann bleibt das in einer unteren reinen Verteilungsebene stecken.

          Viele Millionen Zwangsarbeiter im untersten Level, China etc., sorgen schon mal dafür, dass wir in einer Kette hier im Land wirken können und entlohnt werden können, wo in einem wirklichen Wettbewerb eben so nicht machbar wäre. Wir akzeptieren den Raub von Ressourcen in den bewußt arm gehalten Ländern “round world”.

          Stichwort: Weltbank und IWF. Zwei reine Rauborganisationen übelster Sorte, mit dem Deckmantel der Hilfe getarnt, welche bewußt Kredite geben (Geld aus Buchungssätzen… wieder Geldsystemkrise, Geld aus relativ nichts), um nur eines zu erreichen – Kontrolle über die Ressourcen und Kontrolle über Politik im jeweiligen Land für das eigene System.

          Das ist aus meiner Sicht ein billiger Verteilungskrieg mit vollkommen ungleichen Waffen, welche wissentlich von uns allen hier entweder aktzeptiert oder stillschweigend toleriert wird (“kann man ja nichts machen”).

          Wir sind meilenweit entfernt von einer ehrlichen Debatte über Lebensstandards, Hauptsache der Rubel rollt und die Scheinwelt darf für uns alle weiter gehen. Jedoch einen debitistischen Lauf kann niemand aufhalten. Dieser spult sich gerade ab und wir alle gehen hier und heute TINA verordnet, ohne wirkliche Gegenwehr “all in”.

          Der Weg lautet dabei – egal mit welchen Mitteln – “Alle Staaten werden für alle Staaten, alle Notenbanken für alle Notenbanken haften, einschließlich Währungsfonds und Weltbank und vielen anderen internationalen Institutionen. Und alle Staaten werden für alle Banken geradestehen, aber auch alle Notenbanken für alle Staaten und alle Staaten für alle Notenbanken. Alle, alle, alle werden für alle, alle, alle dasein. Und alle wissen, dass keinem von allen etwas passieren darf, weil dann allen etwas zustößt.” PCM Zitat und aktueller den je.

          Einen großen Teil der Wegstrecke im Lug – und Betrugsmodus haben wir schon hinter uns. Mag sein, dass es noch dauert, keine Ahnung wie lange, aber das Ende ist jetzt schon absehbar:

          Vollkommene Neuordnung des Systems!

          Ein gnadenloser reset mit zwei Möglichkeiten:

          1.) eine grundlegende freie Debatte über die Fehler im Ursprung an sich, einer der gravierendsten, dem Geldsystem und welches nun mehr Gerechtigkeit bringen könnte ( wenn gleich diese leider nie vollständig erreicht werden kann – Unterschiede im Mensch selbst).

          2.) ein gnadenloses “weiter” im Sinne der Zentralsierung und Schaffung eines Superkomplexes EU und darüber hinaus, welcher gar nichts regeln kann ausser noch mehr Kontrolle . Doch haben wir nicht schon genug dessen und war es denn bisher erfolgreich? Ich denke eine Antwort braucht es nicht. Jedoch flüchtet man hier geradezu grotesk, dass eben das “zu wenig” Kontrolle hier der Auslöser war. Reine Ablenkung vom systemischen, für den Weitererhalt des Systems.

          Der aktuelle Wettbewerb global betrachtet ist ein Wettbewerb um Energieressourcen, diese unter Kontrolle zu bringen. Eines resultiert aus dem anderen. Der aktuelle Wettbewerb ist eine große Prozessmaschine fortwährend notwendiger Rationalisierung der Tilgung von Schuld UND dem Zins geschuldet. Und wieder sind wir angekommen im Thema Geldsystem(krise).

          Ein Beispiel KFZ – Autohändler:

          Hersteller A fordert von seinen Händlern eine neue CE Norm, sprich die Verkaufsräume müssen attraktiver gestaltet werden. Spielt der Händler nicht mit, gibt´s weniger Prozente im Rabttsystem des Herstellers. Klar, er spielt mit im großen Wettbewerb. Man will ja vorne mitmischen. Der Hersteller erklärt dem Händler das diese Investitione ihm nur Vorteile bringt. Allen. Dies mag in Schritt eins auch vollkommen zutreffen, jedoch Hersteller B fordert dies von seinen Händlern ebenso… Wettbewerb… beide ziehen gleich, verschwenden Ressorucen, bilden Arbeit, schaffen Bedüfnisse, arbeitsteilige Welt. Nach der Fertigstellung herrscht Gleichstand auf einer höheren Ebene. Beide müssen ihre Erträge für diese Investition wieder erwirtschaften. Dem eigentlichen Produkt, dem KFZ bringt es gar nichts, selbst mir als Käufer bringt es gar nichts, ausser dem Gefühl in einem guten Geschäft mit toller Verkaufshalle einzukaufen.

          Dieses Geldsystem forciert ein immer höher, weiter schneller, da fortwährend neue Nachschuldner gefunden werden müssen. Es ist ein Schneeballsystem. Es ist ein debitistischer Lauf. In jeder Systemenbene jagen wir dem Kredit hinterher und den Zinsen.

          Vergessen dabei werden die zahlreichen Arbeitskräfte welche hier NICHT mehr mithalten können, da die Spirale sich schneller und schneller drehen MUSS. Arbeit würde es genug geben, wäre sie nicht mehr und mehr verbunden mit einer unendlichen Rationalisierungsmaschinerie welche dieses aktuelle System einfach braucht. Wir haben jetzt schon Überproduktionen in vielen Bereichen. Wo wollen wir denn noch hin? Die aktuelle Politik wird uns hier keine Lösung bieten, nur ihre alten Rezepte: Wie erhält man seine Machtbasis.

          • MartinR - 9. Mai 2013

            @Ro

            Sehr guter Beitrag, volle Zustimmung!

            Die üblichen Wahlkampfthemen bleiben unergiebige Scheindiskussionen. Ein Umdenken erfolgt erst nach den kommenden noch schmerzvolleren Ereignissen.

            Ob wir noch global fairere Lösungen erleben werden…? Die Alternative besteht wohl vorerst darin, sich dem Geldsystem so weit wie möglich zu entziehen (weder große Guthaben noch große Kredite bei der Bank sondern lieber familieninterne Privatkredite, regional wirtschaften, Konsumboykott der ausbeuterischen Marktführer etc.).

    • Euro? Nein danke! - Aufkleber - 9. Mai 2013

      Top Beitrag! Welche Rolle spielt der Preis für Arbeit, wenn die Länge des Zollstocks um den Preis zu messen von der Politik/Notenbanken manipuliert wird?

  • Chotschen - 8. Mai 2013

    Ich muss auch einmal stark gegen die Behauptung des Artikels demonstrieren.

    So wie ich sie verstanden habe, ist es der harte Kostenwettbewerb, der die Unternehmen den Druck an die unteren Einkommensgruppen weitergibt. Das halte ich für falsch. Es ist die Möglichkeit den Wettbewerb zwischen den Bewerbern auf einen Job auszunutzen, der die Löhne in den Bereichen senkt, wo es ausreichend viele Personen gibt, die dieser Arbeit nachkommen können. Auch Unternehmen ohne Wettbewerbsdruck wollen doch Gewinne erwirtschaften und greifen in diesem Fall auch gerne auf das Mittel der Arbeitskostensenkung zurück. Da muss man sich nur einmal Krankenhäuser oder andere Sozialeinrichtungen anschauen, die privatisiert wurden. Krankenhäuser stehen selten im wettbewerb und haben doch sehr oft Tarifsysteme radikal aufgelöst, um ihre Gewinne zu steigern.

    Sicherlich kann ein harter Wettbewerb dazu führen, dass selbst Arbeitgeber, die gut bezahlen wollen, nicht besser zahlen können. Dies ergibt sich aber erst dann, wenn die andern günstigeren Arbeitgeber überhaupt die Möglichkeit besitzen, über den Arbeitsmarktdruck so günstiges Personal zu finden. Ein Mindestlohn kann den Abfall der Löhne aufheben, ohne, dass man den Druck auf die Arbeitslosen selbst reduzieren muss, damit sie sich vernünftig bewerben.

    Unabhängig von diesem Missverständnis, muss einerseits dem ersten Kommentator Recht geben. Der Umfang in Beschäftigungsstunden blieb schwach, weil der Umfang an Arbeitsplätzen oft nur mittels einer Umverteilung von Arbeit von Voll- zu Teilzeitstellen möglich war. Man muss sich nur einmal im Dienstleistungsbereich des Einzelhandels umsehen.
    Zudem ist der von ihnen gewählte Vergleichszeitraum ungünstig, da es auch unterschiedliche konjunkturelle Situationen zu berücksichtigen gilt, um die Wirkung der Arbeitsmarktreformen einzuschätzen. In diesem Fall fällt das auf, was in diesem Blog immer wieder angesprochen wurde. Die Konjunktur lief fast nur über Exporte, die zu einem großen Anteil auf geringe Preissteigerungen infolge niedriger Lohnabschlüsse zurückzuführen sind. Ob man diese Preisvorteile bei Niedriglöhnern herholt oder nicht, dass ist nicht entscheidend. Wie wir es letztens sehen konnten, Schweden hat den niedrigsten Niedriglohnanteil und ist mit seinem ebenfalls starken Export noch besser als Deutschland aus der Krise gekommen.

    Zudem haben alle mir bekannten Studien aus der Praxis in der Vergangenheit keine auffälligen negativen Beschäftigungswirkungen nachgewiesen. Und das liegt zu einem großen Teil an der Arbeitsteilung in der Wirtschaft. Man kann auf Arbeit nicht einfach verzichten, nur weil sie keine besonderen Qualifikationen voraussetzt. Oft sind solche Vorgänge in einen komplexen Vorgang aus mehren Tätigkeiten und Vorleistungen eingebunden. Man muss sich nur einmal den Arbeitsalltag einer gutbezahlten Arbeitskraft anschauen. Auch hier finden sich viele recht einfache Tätigkeiten zwischen den komplexeren, weil es ohne nicht geht und man sie nicht sinnvoll an andere Personen abtreten kann. Wichtig für Unternehmen ist eine Absatzerwartungen, damit die Arbeits- und Vorleistungskosten eines Unternehmens bezahlt werden können. Dann werden auch Personen eingestellt. Weil eine Arbeitskraft ein bisschen günstiger wird, schmeißt kein Unternehmen sein Erzeugnis auf den Markt, um an den Produktionskosten infolge eins niedrigen Absatzes zu ersticken.

    • SLE - 9. Mai 2013

      Hallo Chotschen,

      so sehr im Widerspruch zu Ihren Ausführungen sehe ich die Aussagen im Aufsatz eigentlich gar nicht. Es kommt einfach darauf an, von welcher Betrachtungsebene bzw. welchem Ausgangspunkt aus sie das Problem betrachten. Wenn die wichtigsten Märkte ausgereift und oligopolisiert sind, dann haben Sie eine Situation, in der Sie all das, was Sie in Ihrem Kommentar ansprechen, recht gut einordnen können.

      Auf ausgereiften, von wenigen großen Unternehmen/Banken dominierten Märkten herrscht i.d.R. Kostenwettbewerb. Dieser Druck wird an Zulieferer und Händler weitergegeben. Denken Sie z.B. an den Automobilsektor und die dort üblichen hohen Abhängigekeiten von den Herstellern und die Qualitätsprobleme, die es immer wieder verbreitet gibt, denken Sie an die Lieferanten von Lebensmitteldiscountern und die Lebensmittelskandale der letzten Zeit und denken Sie an den Gesundheitssektor (Krankenhäuser und Pflegedienste) wo die Konzentration über Fusionen sprich die Oligopolisierung und der Kostendruck politisch verordnet sind.

      Auf diese Verhältnisse wurde politisch (und zwar in allen Industriestaaten) über mehrere Dekaden hinweg hingewirkt, weil man – entsprechend der wirtschaftsliberalen/neoklassischen Lehre – davon ausging, dass das prinzipiell, das heißt IMMER gut für Wachstum und Beschäftigung wäre.

      Das war ein fataler Irrtum. Was tatsächlich geschaffen wurde, ist eine wachstumsschwache, in mittlerweile erstarrten oligopolistischen Strukturen angelangt, instabile und krisenanfälige Wirtschaft, in der der allgemeine Kostensenkungswettlauf groteske Züge angenommen hat, weil er längst nicht mehr gesund ist, sondern die Substanz angreift und negativ auf die Nachfrage wirkt. Das sieht man ja u.a. gerade auch im Gesundheitssystem (Hygiene-Skandale und Prozessflut wegen grober Behandlungsfehler etc.) oder im Lebensmittelbereich (Pferdefleisch-Skandal usw.).

      Was sollen Mindestlöhne daran ändern können? Nichts, denke ich. Aber es macht eben auch keinen Sinn auf die Selbstregulierungskräfte des Marktes zu bauen, weil es die unter den gegebenen Umständen nicht gibt. Das wollte ich mit dem Aufsatz aufzeigen. Eine detaillierte Analyse der Arbeitsmarktproblematik sollte es nicht werden und um das aufzuzeigen, was ich aufzeigen wollte, war das auch nicht unbedingt nötig. Es ging um das Gesamtbild.

      Viele Grüße
      SLE

      • Chotschen - 10. Mai 2013

        Danke für ihren Kommentar. In einer gewissen Weise sind unsere Ansicht sicherlich recht vewand. Allerdings gehe ich eindeutig davon aus, dass es keinen Wettbewerb benötigt, um Druck auf die Arbeitnehmerschaft aufzubauen. Es gibt sicherlich hart umkämpfe Branchen, wo der Druck noch größer ist, seine Arbeitnehmer zu belasten, aber Druck gibt es immer dort, wo jemand einfache Möglichkeiten besitzt, seine eigenen Einnahmen problemlos zu Lasten anderer zu erhöhen (Noch stärker dort, wo der persönliche/private Kontakt zwischen Personen niedrig oder sogar verpöhnt ist). Man muss sich ja nur einmal die Feudalsysteme im Mittelalter anschauen. Kaum Märkte, kaum Wettbbewerb und gravierende Reichtumsunterschiede, da Herrscher ihr Volk mit allen Mitteln auspressten. In keinem Land hat sich dies geändert, wenn es Könige nicht unter den immensen Zwang gesetzt wurden, ihre Machtverhältnisse aufzuwichen, damit sie überhaupt noch Macht behalten konnten.

        Nach all meinen persönlichen Recherchen habe ich festgestellt, dass es in keinem Land gerechte Einkommensverteilungen gibt, wenn man die Verhandlungsstärke der Arbeitnehmerschaft nicht durch Rechte stärkt, damit sie sich eben auch in Zeiten von Arbeitslosigkeit nicht von der Verhandlungsstärke der Arbeitgeber (also der Beseitzer produktiver Sachvermögen) unter Druck setzen lassen. In all diesen Branchen, egal wie hoch der Wettbewerb ist, muss man ein starkes Tarifsystem installieren, dass jeden Druck auf Arbeitnehmer verunmöglicht, damit sich die Unternehmer eben in einen Kampf um die besten Techniken und nicht in einen Kampf der schlechten Arbeitsrechte hineinsteigern. In einem solchen Fall muss natürlich ein der außenwirtschaftlichen Wettbewerbsfähigkeit angemessenes Lohnniveau (oder alternativ ein angemessen bewertete Währung) gefunden werden, aber davon abgesehen sind Arbeitsrechte, dazu zählen auch Mindestlöhne, meiner Meinung nach die einzige Möglichkeit den Beschäftigten die Stärke zu geben, die sie für Durchsetzung eines soliden Einkommens benötigen.

  • n8igall - 8. Mai 2013

    MIt Verlaub, auch dieser Artikel geht (teilweise) am Problem vorbei. Eigentlich stuenden grundlegende Diskussionen an, die aber voellig ausgeblendet werden.

    > In einer Marktwirtschaft sollte Wettbewerb dafür sorgen, dass faire Löhne gezahlt werden.

    Was ist fair?

    a) Soll die Leistung gemessen werden, an der eigenen Leistungsfaehigkeit (sprich Begabung)? Frueher wurden im oeffentlichen Dienst oefters Menschen mit Behinderungen eingestellt, obwohl diese oft weniger produktiv als ihre Kollegen waren. Trotzdem waren die Loehne oft gleich oder vergleichbar.

    b) Was ist, wenn sich als fair ein Lohnniveau unterhalb der Lebenskostenschwelle einstellt? (z.B. eine Gesellschaft aus 5% Arbeitgebern und 95% Arbeitnehmern, letztere verdienen ungefaehr gleich viel pro h). Die Frage ist doch zuallererst eine soziale und nicht eine wirtschaftliche. Die Frage lautet: was fuer eine Gesellschaft wollen wir?

    c) Warum eine Unterscheidung zwischen Lohn und Zinsen (oder Gewinn) machen? Was ist ein gerechter Gewinn? Welche Zinsen sind gerecht oder fair?

    Letzlich ist doch alles eine Frage der Vermoegensverteilung (uebrigens noch _vor_ der Einkommensverteilung, letztere ist im groben ja nur die Ableitung aus ersterer). Waere das Vermoegen gleichverteilter, wuerden weniger oligopolische Strukturen herrschen, waeren die Arbeitnehmer weniger erpressbar (nicht ohne Geld mit Ruecken an der Wand). Auch waere dann das Problem des Leistungslosen Zinseinkommens im Vergleich zu Lohn aus Arbeit relativiert.

    • SLE - 9. Mai 2013

      Um es kurz zu machen: Sie haben Recht. Vielen Dank für die ergänzenden Fragen. Es gibt vieles was i.d.Z. erörtert werden sollte. Aber die Mindestlohn-Debatte blendet das alles aus, obwohl es wesentlich ist.

      Grüße
      SLE

  • Delta120 - 8. Mai 2013

    Der Mindestlohn begrenzt auf der Stelle den Lohnkanabalismus nach unten und die unsägliche staatliche Subventionierung in diesem Sektor.

    Der Markt reguliert sich nicht selbst, wenn Angebot und Nachfrage zuweit auseinander stehen. Wenn wir nur die bezahlten ALG 1 und nur erwerbfähigen ALG 2 Empfänger zusammen addieren, dann ergibt das eine Summe von fast 5 Mio Arbeitslosen. Es kommt halt darauf an, wie man zählt.

    Man hat auch in der EU oder in Deutschland auch gar nicht versucht den Niedriglohnsektor zu unterstützen oder mit Beschränkungen reagiert um das Angebot zu verknappen. Wir leben in einer Neoliberalen Zeit und dort muss, um Wettbewerb zu fördern, dass Angebot vergrößert werden um die Preise zu senken oder anders gesagt die Löhne.

    Dieses geschah halt in Deutschland z. B. mit der Wiedereinführung der 40h nach der 35h Woche mit Arbeitsverdichtung, der Leiharbeit und der Förderung von tariffreien Unternehmen.

    Sofern unsere Politiker in Deutschland und in der EU keine Träume haben, welche Werke man mit diesem Heer an erwerbsfähigen Mensachen vollbringen könnte, bleiben nur die Mittel des Mindestlohnes und eine Erhöhung der Nachfrage,z.b durch gesetzliche Höchstgrenze der Arbeitszeit von 40h pro Woche und z. B. da wo schnell Arbeitsplätze geschaffen werden können, wie im Transportgewerbe, die Begrenzung dort der max. Fahrzeit auf 35h in der Woche (denn die Fahrerkarten können ja sehr einfach heutzutage überprüft werden). Aber das eigentliche Problem liegt bei der jetzigen Führungsschicht, die erst gar nicht die Absicht hat, daran ihrgendwas zu ändern oder gar Träume hat, was bedeutendes für die Allgemeinheit der Nachwelt zu hinterlassen.

    • SLE - 9. Mai 2013

      Hallo Delta,

      wenn man über viele Jahre hinweg ein Politik betreibt, die auf Oligopole und Kostensenkung bzw. Effizeinzsteigerung abzielt, dann hat man am Ende all diese Arbeitsmarktprobleme. Sie sind selbst fabriziert! Es ist blanker Zynismus zu sagen, die den Menschen, die infolgedessen zu wenig verdienen oder keinen Job finden oder die, die die für vier leute arbeiten müssen, weil drei eingespart wurden, seien daran selbst schuld.

      Die Mindestlohn-Debatte lenkt davon ab und sie soll das auch tun. Das muss gesehen werden, finde ich.

      Viele Grüße
      SLE

  • Bubblegum - 9. Mai 2013

    @ SLE

    mich wundert, dass Sie in Ihrem Beitrag mit keinem Wort auf die wissenschaftlichen Untersuchungen zum Thema Mindestlohn eingehen. Beispielsweise die Untersuchungen der Uni
    Regensburg oder die amerikanische Untersuchung:
    MINIMUM WAGE EFFECTS ACROSS STATE BORDERS: ESTIMATES USING CONTIGUOUS COUNTIES

    @ Frankenfurter

    Leider kommen Sie aus dem Gedankengefängnis des marktradikalen Geschwätzes einfach nicht hinaus!

    Sie konzentrieren sich wie Brüderle und Co. in Ihrer Gedankenwelt immer nur auf die Aufwands-/Ausgabenseite der G+ V Rechnung des Staates:

    ” Der Trick in der Zukunft…”

    Das die Einnahmen-/Ertragsseite eines Staates die entscheidende Stellschraube ist, kapieren Sie nicht.

    Als Schulungsmaterial sei die folgende Sendung empfohlen, die natürlich wieder einmal zu einer Zeit ausgestrahlt wurde, als die Masse der Leute in den Werkräumen und Büros ihre Arbeitskraft
    abzuliefern hatte.

    http://www.phoenix.de/thema_flucht_vor_der_steuer/685484.htm

    Zitat aus der Sendung:
    “ZDFzoom”-Reporter Jo Schück folgt der Spur der Steuervermeider auf der ganzen Welt. Briefkastenfirmen in Hongkong, Finanztöchter in Irland und Niederlassungen in der Karibik – irgendwo in diesem komplizierten Geflecht versickern riesige Summen an Steuergeldern. Experten schätzen, dass weltweit über 20 Billionen Euro in Steueroasen geparkt werden. Würde dieses Geld normal versteuert, wären die meisten Staatshaushalte dieser Welt rasch saniert.

    Wohl auch der deutsche: Während sich hierzulande der Staat über Rekordeinnahmen bei der Lohnsteuer freut und zuletzt fast 140 Milliarden Einkommenssteuer kassierte, sank die Steuerquote der meisten Großkonzerne, ihre Gewinne aber erreichten ein Rekordniveau.

    Viele Grüße und eine gute N8

    Bubblegum

    • Frankenfurter - 9. Mai 2013

      Sie glauben also, dass jene Billionen in Dagobertschen Geldspeichern lagern? Nein, sie sind allesamt investiert. In Aktien, in Staatsanleihen, in Immobilien, in Rohstoffen. Die Erträge daraus angemessen zu besteuern ist freilich keine unbllige Forderung. Muss ich in diesem Blog erwähnen, dass allen Geldschulden immer ein gleich hohes Geldvermögen gegenübersteht UND Schuldenbremse deswegen genausogut Vermögensbremse heißen könnte? [Die Motivation derjenigen, die die Schuldenbremse eingeführt haben, zielte allerdings auf eine "Verschlankung" des Staates und umfassende Privatisierung von Wasserwirtschaft, Schulen, Krankenhäusern usw.]

      Zum Thema: Auch wenn es auf den ersten Blick nicht bemerkt wird, die Arbeitsmarktreformen haben die Beschäftigtenzahlen erhöht, aber sie haben nicht zur Folge gehabt, dass mehr gearbeitet wird. Die Gesamtarbeitsstundenl der Volkswirtschaft heute entspricht derjenigen von vor 20 Jahren!

      Deswegen ist die Verlängerung der Lebensarbeitszeit grundfalsch. Fragen sie einen jungen spanischen Arbeitslosen, oder unsere Generation Praktikum, ob sie dem zustimmen können. Die Forderung Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohnausgleich ist wahrscheinlich nicht realistisch. Aber Arbeitszeitverkürung unter einem angemessenen MINDESTLOHN darf es auch nicht geben!

      Kontrollierte Arbeitszeitverkürzung für ALLE, nicht nur für die Aldikassenfrauen, sondern auch und vor allem für die gestressten Lehrer, Manager usw. ist in meinen Augen angesagt um die nach wie vor existierende MASSENARBEITSLOSIGKEIT zu bekämpfen.

  • Sirko - 9. Mai 2013

    Das Mindestlöhne ökonomischer Unsinn sind ist unzweifelhaft. Das Problem dabei ist, das meist Daten zusammengewürfelt und falsch interpretiert werden. Auch gibt es sowas wie faire Löhne nicht. Die Höhe des Lohns richtet sich ausschließlich nach dem was der Kunde für eine bestimmte Tätigkeit zu zahlen bereit ist. Wenn ein Mindestlohn dafür sorgt, das der Lohn höher ist als das was der Kunde zahlt, entsteht Arbeitslosigkeit.

    Mit Hartz4 gibt es bereits eine Lohnuntergrenze, die neben hohen Steuern und Abgaben dafür sorgt das niedrige Einkommen zum Leben kaum reichen. Das Problem ist nicht der Bruttolohn, das Problem ist der übrigbleibende Nettolohn. Und natürlich setzt den Menschen die staatlich getriebene Inflation und Teuerung zu.

    Das die Zahl der Aufstocker gestiegen ist bedeutet nicht automatisch, das mehr Menschen diese Leistung brauchen, sondern nur das mehr Menschen diese Leistung in Anspruch nehmen. Aber das Aufstocken kann sehr schnell benutzt werden, um Löhne auf dem Papier zu senken, denn wenn jemand aufstockt, ist es am Ende egal ob derjenige 3,50 €, oder 5,50€ im Arbeitsvertrag stehen hat.

    Ich sehe das Aufstocken kritisch, da es in den Markt eingreift und damit in die Lohnfindung. Wenn man weiß das man aufstocken muss, wird man auch nicht darum feilschen ob man nun 5,50 € oder 5,75 € haben will. Das Aufstocken fördert also indirekt niedrige Löhne, die die Betreffenden keinen Vorteil davon haben, wenn ihr Lohn steigt. Dieses durch Hartz4 eingeführte Instrument muss abgebaut werden, damit auf dem Markt wieder eine freie Lohnfindung einsetzen kann und die Arbeitnehmer Druck ausüben können bzw. müssen. Dann wird auch niemand mehr für 3,50€ einen Arbeitsvertrag unterschreiben.

  • Roland - 9. Mai 2013

    Die bösen Oligopole sind angeblich schuld und der “dynamische Mittelstand” solls richten ?

    Saldenmechanik, Überproduktion von Kapital, periodische Krisen – das scheinen für SLE alles Fremdwörter zu sein.

  • Systemfrager - 9. Mai 2013

    >>> Wer will, dass die Abwärtsspirale bei den Löhnen gestoppt wird, der ist insofern gut beraten, in erster Linie auf Veränderungen der oligopolistischen Marktstrukturen und auf eine neue, innovative Dynamik auf den Märkten hinzuwirken, die kleinen und mittelgroßen Unternehmen …

    Einspruch:
    1:
    Man kann Innovationen nicht wollen bzw herbeiwünschen, sie kommen wenn sie kommen, wenn eine kreative Idee auftaucht, die kann man mit keinen Mitteln erzwingen (die Ausbildung ist der größte Schwachsinn)
    2:
    Man kann nicht 4 Reifen für einen Wagen bei 4 kleineren Unternehmen produzieren lassen (dem Wettbwerb zuliebe)
    3:
    Und ganz generell: Nicht monopolistische Märkte erwürgen die Wirtschaft – das ist nur ein angebotstheoretischer-marktradiker Dummfug -, sondern fehlende Nachfrage. Ich erinnere an J. K. Galbraith

    PS
    Was die Haupthese des Aufsatzes betrifft (Mindestlöhne kurieren nur an den Symptomen) 100% Zustimmung

    • SLE - 9. Mai 2013

      Klar, ökonomisch signifikante Innovationen kann man nicht herbeiwünschen. Auf verkrusteten oligopolitischen Märkten werden sie aber de facto praktisch unmöglich gemacht. Deswegen kommen solche durchgreifenden Innovationen meist auch aus anderen Branchen und nicht aus der jeweiligen Branche selbst. Das ist auch empirisch belegt.

      Was ich kritisiere bzw. anrege, ist, dass die Politik ein dafür förderliches Umfeld schaffen muss, über Rahmenbedingungen, mithin auch Fördermaßnahmen und Dekonzentrationspolitik. Ansonsten kommenwir nicht weg vom kostensenkungswettlauf und irgendwann kollabiert der ganze Laden.

      Grüße
      SLE

      PS: Ja, ich habe mich bei meinen Arbeiten u.a. an Schumpeters Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung orientiert (Entwicklung statt Wachstum, unterschiedliche Verhaltensweisen, nicht nur “homo oeconomicus” sind m.E. wichtige Elemente für die Grundlegung eines von der wirtschaftsliberalen und neoklassischen Lehre abweichenden Ansatzes. Das hat bei meinem Ansatz für eine dynamische Markt- und Wettbewerbstheorie (“evolutorischer Wettbewerb”) eine Rolle gespielt.)

      • Systemfrager - 9. Mai 2013

        Wie kann man jemanden “lieben”, der in dem Dummfug von Walras eine der größten Errungenschaften des menschliechen Geistes sieht. Aber gerade wenn man das partikel-mechanische Modell von dem (möchtegern) Dampflokingenieur Walras in die Tonne tritt und die Marktwirtschaft kreislauftheoretisch modelliert, kommt man zur “wunderbaren” Entdeckung, dass die Innovation zusätzliche Nachfrage schaffen
        Wir kann man dann auch Schumpeter “nicht lieben”
        :)
        2. Phase des ökonomischen Zyklus der Marktwirtschaft: Die Erholung (Aufschwung)
        Die Schaffung der neuen Nachfrage durch innovative Investitionen
        [url=http://www.forum-systemfrage.de/Aufbau/ca/42d/ca42d.php?df_name=caDF40&tbch=ca&schp=rnachfrZ&ordner=42d]weiter >>>[/url]

        • Systemfrager - 9. Mai 2013

          Tja, die Technik, vielleicht so
          2. Phase des ökonomischen Zyklus der Marktwirtschaft: Die Erholung (Aufschwung)
          Die Schaffung der neuen Nachfrage durch innovative Investitionen
          weiter >>>

  • Systemfrager - 9. Mai 2013

    @SLE
    es kann falsch sein, wir kennen uns nicht, irgendwie “im Hinterkopf” habe ich dich als einen Schumpeterianer “gespeichert”
    Das interessante, dass sogar Schumpeter einmal den Quatsch von der “nichtmonopolistischen” guten Wirtschaft abgelehnt hat. Weniger Wettbwewerb sei nicht unbedingt schlecht: So wie die Bremsen in einem Wagen nicht shclecht sind – so sein Beispiel zur Veranschanulichung

  • Frankenfurter - 9. Mai 2013

    1:Man kann Innovationen nicht wollen bzw herbeiwünschen, sie kommen wenn sie kommen, wenn eine kreative Idee auftaucht, die kann man mit keinen Mitteln erzwingen (die Ausbildung ist der größte Schwachsinn)
    Und was ist, wenn Innovationen sich, obwohl sie politisch / ökologisch hocherwünscht sind, sich “am Markt” einfach nicht durchsetzen wollen? Ich denke dabei an die über 50jährige Technikgeschichte der Brennstoffzelle. Brennstoffzellen werden in der Raumfahrt seit Anfang der 1960er Jahre eingesetzt. Warum nicht auch längst im Massenmarkt der Fahrzeughersteller?

    • Frankenfurter - 9. Mai 2013

      Besonders stabil läuft diese Marktwirtschaft wirklich nicht. Es spricht vieles dafür, dass die Konzentration des Kapitals/der Macht in die Hand einer kleinen Elite einer der Hauptgründe für den manisch-depressiven Verlauf der Wirtschaftszyklen sind.

      Aber neben der Beschäftigungsfrage in unseren “Zonen” stellt sich für mich und viele andere mittlerweile eine weitere Frage und die lautet: Wer befreit uns von dem Überfluss? Wer befreit uns aus diesem unerträglichen Hamsterrad aus Arbeitsstress und Hyperkonsum, in dem wir immer schneller rotieren?

  • Systemfrager - 9. Mai 2013

    >>> Und was ist, wenn Innovationen sich, obwohl sie politisch / ökologisch hocherwünscht sind, sich “am Markt” einfach nicht durchsetzen wollen?
    Ja, da muss man sich was ausdenken …
    Aber, dir Problematik, warum der Kapitalismus (freie Marktwirtschaft) immer periodisch zusammenbricht, dann in der Rezession bleibt, ist (schon) eine andere

  • Eurelios - 9. Mai 2013

    @ klaus

    Ich werde mit Genugtuung die AFD wählen

    Ich auch :-) und viele meiner Bekannten tun dies auch :-) :-)

    • Traumschau - 9. Mai 2013

      Könnt ihr gerne machen. Aber ich fürchte, ihr kommt vom Regen in die Taufe …
      LG Traumschau

    • aquadraht - 9. Mai 2013

      Solange Leute auf Medienhypes und Parteien wie die AfD reinfallen, ist Hopfen und Malz verloren.

      a^2

  • Rembetis - 9. Mai 2013

    Lieber Stefan Eichner,

    ich möchte Ihnen erst einmal für diesen Artikel danken. Ihrer Beschreibung einer sklerotischen Wettbewerbssituation möchte ich mich ausdrücklich anschließen. Aus dieser Perspektive sind Mindestlöhne in der Tat kontraproduktiv.
    Meiner Meinung nach ist, wie sonst bei Querschüsse sehr gut herausgestellt, das eigentliche Problem eher ein gesamtwirtschaftliches Gleichgewicht bei Unterbeschäftigung. Das prioritäre Problem ist nicht die Marktvermachtung, sondern dass aus einer monetärkeynesianischen Perspektive (Keynes, Sraffa, Riese, Betz) zu beobachtende Zurückbleiben der Nachfrage im Hinblick auf die unfreiwillig Arbeitslosen, bzw. ungenutzten Produktionskapazitäten bzw. Ressourcen. Also bestimmt in einer Situation unfreiwilliger Arbeitslosigkeit, in einer Kreditwirtschaft etc. nicht wie der neoklassische (platonische Ideenhimmel) Mainstream behauptet das Angebot die Nachfrage, sondern die Nachfrage das Angebot. Wenn die Kapitalverzinsung nicht über die Grenzproduktivtät der Arbeit, also am Arbeitsmarkt bestimmt, sondern monetärkeynesianisch umgekehrt die Kapitalverzinsung an den Vermögensmärkten bestimmt wird, dann ist somit simultan auch der Reallohn bestimmt. Jeder Unternehmer kalkuliert bei gegebenen Kapitalkosten, wie viel er unter Wettbewerbsbedingungen noch den Arbeitern bezahlen kann. Der sich ergebende Reallohnsatz muss aber keineswegs markträumend sein. Wir befinden uns eben in einem Gleichgewicht bei Unterbeschäftigung. Wenn wir ferner davon ausgehen, dass am Arbeitsmarkt Nominallöhne und keine Reallöhne verhandelt werden, gibt es am so genannten Arbeitsmarkt eigentlich nicht viel zu verhandeln. Die Arbeiter bzw. Gewerkschaften bzw. wer auch immer verhandelt jedenfalls nicht mit den Kapitalisten über die Güterpreise, die zur Reallohnbestimmung erforderlich sind. Bei gegebener Nachfrage wird kein Unternehmer mehr Arbeiter einstellen, als zur Produktion nötig sind. Er wird teurere Arbeiter durch billigere ersetzen. Die Nominallöhne werden wie die Güterpreise herunterkonkurriert und am Reallohnsatz ändert sich nichts.

    Fazit: In einer monetärkeynesianischen Perspektive wird der Zinssatz am Vermögensmarkt bestimmt und dieser legt somit den Reallohnsatz fest. Die Arbeiter bekommen, was das Kapital ihnen übriglässt. Ist die Nachfrage nicht ausreichend, gibt es eben viele Menschen, die zum herrschenden Reallohnsatz ihre Arbeitskraft “gerne” verkaufen würden, aber kein Unternehmen finden, das sie braucht. Diese Menschen sind schlicht für die Produktion und für den Konsum überflüssig!

    Warum Mindestlöhne Not tun!
    In der oben beschriebenen Situation ist u.a. die zu geringe Nachfrage das Problem. Alles was die Nachfrage, letztlich die Konsumbereitschaft erhöht, schafft Produktion und somit Einkommen und Arbeit. Zugespitzt formuliert: Die, die das Geld haben, geben es nicht aus, und die, die es ausgäben, haben es nicht. Allgemeine Mindestlöhne, nicht sektorale, bei einer gegebenen Lohnspreizung zwischen Niedriglöhnern und Managern würden bei einer Überwälzung der gestiegenen Lohnkosten das allgemeine Preisniveau erhöhen. Wenn die Lohnerhöhung durch Mindestlöhne im Niedriglöhnerbereich höher als der Preisniveauanstieg ausfällt, wird somit die gesamtwirtschaftliche Nachfrage steigen. Die Manager werden bei unterstellten gleichen Nominallöhnen und einem steigenden Preisniveau Kaufkraft einbüßen.

    Solidarische und herzliche Grüße

    Rembetis

    • Systemfrager - 9. Mai 2013

      @Rembetis
      ich bin heilfroh und beindrücktrt, wenn jemand der Nachfrage das Wort redet
      Ich bin fester Überzeugung, die nächste erfolgreiche WiWi wird eine neue Nachfrgetheorie sein
      Keynes ist tot … totgesagte leben länger
      Nicht eine monetäre Nachfragetheorie, sondern eine reale Nachfragetheorie
      Es hatte aber Gründe, warum die monetäre Nachfragetheorie von Keynes gescheitert ist. Es sind nicht nur die “bösen” Kapitalisten daran schuld …

      Die Grenzen der General Theory ergeben sich mehr aus dem Versagen, den traditionellen Denkweisen zu entkommen, als aus einem grundlegenden Fehler in den fundamental neuen Aspekten

      Kaldor, N.: Grenzen der „General Theory“, S. 31
      PS
      Die Schaffung der neuen Nachfrage durch höhere Löhne ist einfach nur falsch. (Interessanterweise hat schon Marx dies gewusst, hat es als naiv abgelehnt)

    • Frankenfurter - 9. Mai 2013

      Definieren Sie bitte “gesamtwirtschaftliches Gleichgewicht bei Unterbeschäftigung”. Stimmen Sie mir zu, dass Unterbeschäftigung etwas mit der Verteilung der Arbeit, also mit den Arbeitszeiten zu tun hat?

      • Systemfrager - 9. Mai 2013

        Das ist das Problem bei Keynes. Er wollte aus ein Paradigma, in dem nichts anderes als Gleichegewicht möglich ist, auch ein Gleichgewicht (bei Unterbeschäftigung) finden
        Man kann keine eckigen Kreise herausfidnen – wie auch immer man sich bemüht, Keynes konnte es auch nicht – deshalb ist er gescheitert, rein analytisch betrachtet.
        Er war der beste Ökonom des 20. Jh – aber das sagt nur, wie rückständig und unterentwickelt die WiWi ist. Sie ist nicht einmal dort, wor in der klassischen Mechanik Galilei war, von Newton schon gar nicht zu reden … Einstein … großer Gott

  • Traumschau - 9. Mai 2013

    Hallo SLE,
    ein guter Artikel. Du hast das ja schon des öfteren angesprochen, dass wir aufgrund der marktbeherrschenden Oligopole keinen wirklichen Wettbewerb haben. Wir haben m.E. de facto keinen freien Markt mehr. Was aber noch schwerer wiegt ist, dass Innovationen geradezu behindert werden. Es gibt viele Beispiele dafür, wo große Konzerne kleine und innovative Wettbewerber einfach übernommen und diese Konkurrenz so platt gemacht haben. Näheres zum Thema Preisbildung am Beispiel der Finanzmärkte in einem Vortrag von Heiner Flassbeck:
    http://www.tele-akademie.de/begleit/video_ta121111.php?xtmc=heiner%20flassbeck&xtcr=1

    Und ich stimme zu, dass der Mindestlohn nur an den Symptomen kuriert. Seit der Abschaffung der Zumutbarkeitsregel für Arbeitslose haben wir ein konsequentes Lohndumping. Oft ist das gar nicht nötig, damit ein Betrieb erfolgreich wirtschaften kann. Es wird aber gemacht, weil man es eben kann und darf. Die gleiche Augenhöhe zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer wurde abgeschafft – eigentlich ein Thema der FDP, die Sturm laufen müsste, wenn sie tatsächlich liberal im eigentlichen Wortsinn wäre. Aber wir wissen ja, was die FDP tatsächlich ist …
    Zitat von Heiner Flassbeck; “Wir müssen verhindern, dass sich die Menschen in den Arbeitsmarkt
    zurückpreisen.” Er meint damit, dass es für die gleiche Qualifikation den gleichen Lohn geben muss, dass sich die Unternehmen mit den gegebenen Löhnen abfinden müssen, damit sich die Unternehmen auf das konzentrieren, was ihre Aufgabe ist, nämlich produktiv zu sein und nicht darauf, am besten im Senken der Löhne zu sein.
    Wenn dann bestimmte Leute in den Talkshows meinen, bestimmte Berufe seien eben nicht produktiv und würden deshalb keine höheren Löhne rechtfertigen (Sinn), dann ist das m.E. mehr als dumm. Man stelle sich vor, die Müllabfuhr würde zwei Wochen streiken … kaum auszudenken – die Italiener haben das schon mal ausprobiert. Oder dass in Großraumbüros zwei Wochen nicht geputzt würde (die Chefs möchte ich dann mal erleben …). Aber genau diese Leute sind absolut notwendig, weil ein Staat, eine Wirtschaft sonst nicht funktionieren können. Dass diese nicht im rein ökonomischen Sinne produktiv sind, ist eine sehr beschränkte Sichtweise und eben ein grandioser Denkfehler, der immer noch nicht überwunden ist. Spätestens wenn jedes Krankenhaus aus “Kostendruck” drei seiner vier Rettungsfahrzeuge abgibt und die Hälfte der Krankenschwestern entlässt, wird jedem irgendwann unmittelbar und persönlich klar, dass wir auf dem völlig falschen Dampfer sind.
    In meinem Bekanntenkreise gibt es immer mehr Menschen, die ernsthaft einen “Ausstieg” erwägen, weil sie die Schnauze voll davon haben, wie Leibeigene behandelt zu werden. Was ich da zu hören bekomme erinnert an das finsterste Mittelalter – und das ist KEIN Scherz!
    Wir brauchen m.E. einen Generalstreik, eine Zerschlagung des Finanz- und Wirtschaftskartells und ein Geldsystem in öffentlicher Hand.
    LG Traumschau

  • Erklärbär - 9. Mai 2013

    In Rumänien und Bangladesh gibt es seit Jahrzehnten einen kaum zu bremsenden Aufschwungboom. Warum? Na logisch, weil die Löhne so schön niedrig sind, quasi gar nicht bezahlt werden und weil der Arbeitsmarkt da so herrlich unreguliert ist. Und überall, wo es Mindestlöhne gibt, herrscht Elend und Hungersnöte. Zum Beispiel in der Schweiz, wo ein Stundenlohn von 14€ ein Skandal ist.

    Und natürlich sind es die Märkte, die man nicht erschrecken darf. Wenn ein Geschäftsmodell keine Löhne anbieten kann, von denen man leben kann, dann taugt das Geschäftsmodell schlicht und einfach nichts. Und für den Start gibt es das Instrument der Subvention und Abschreibungsmodelle. Aufstockerinstrumente erzeugen ausschließlich Mitnahmeeffeke. Marktregulierungen finden nur statt, wenn man ihnen einen Rahmen bietet, mit klaren Unter- UND Obergrenzen. Alles andere ist sinnfreies BWL-Gefasel.
    Traurig, das ausgerechnet hier zu lesen zu bekommen.

  • Basisdemokrat - 9. Mai 2013

    Um die “segensreiche Wirkung” freier Märkte zu verstehen versuche ich ihre Funktionsweise als Teilnehmer am Lebensmittelmarkt zu ergründen.
    Als etablierter Einzelhändler bediene ich ein bestimmtes Klientel mit mehr oder weniger Fluktuationen. Mein Sortiment hat sich im Laufe der Zeit der Nachfrage meiner Kunden angepasst.

    1. Ich werde nur dann neues Personal einstellen, wenn ich die benötigten Umsatzzuwächse mit entsprechendem Rohgewinn bereits gemacht habe oder kurz davor stehe. Ich handle in diesem Fall sozusagen NACHFRAGEORIENTIERT.
    Die Konkurrenz mit meinen Mitbewerbern und das ALLGEGENWÄRTIGE Produktmarketing zwingt mich allerdings in gewissem Umfang ständig Neuprodukte einzuführen, die zum Teil nachgefragt werden (beworben durch die Medien), zu größten Teil aber die Attraktivität meines Angebotes erhöhen soll. Dies machen meine Konkurrenten natürlich auch. In diesem Fall handeln wir ANGEBOTSORIENTIERT.
    Diese Angebotsorientiertheit, Neuprodukte, immer frischeste Ware, makelloses Obst und Gemüse etc. ist auch mit einer habituell tradierten Änderung zu erklären und man schätzt, dass ca. 50% aller Lebensmittel ungenutzt bleiben.
    Ich postuliere mal:
    Ab einem gewissen Punkt übersteigt die Angebotsorientiertheit sinnvolles wirtschaftliches handeln und trägt bei zu großen volkswirtschaftlichen Schäden.

    Ferner bediene ich noch in geringem Umfang Kunden, die bei mir Produkte (Großgebinde) vorbestellen. Dieser Vorgang ist für mich besonders lukrativ, da ich keinen Lageplatz, Kühlkosten etc. vorhalten muss. Er ist lediglich mit etwas höheren Personalkosten auf Grund der Bestellabwickelung verbunden. Dies würde ich als Sonderfall der Nachfrage mit PLANWIRSCHAFLICHEM HANDELN bezeichnen.

    2. Das dialektische Verhältnis zwischen Freiheit und Zwang, die sich gegenseitig bedingen, drückt sich eben auch in der Frage theoretisch freier Märkte und ihrer unerfüllbaren Bedingungen aus.

    3. Meine regionalen Produzenten erstellen auf Grund ihrer Erfahrung einen Plan, was und wie sie Anbauen oder Erzeugen. Starker Kostendruck zwingt sie zu rationalisierten Maßnahmen und Spezialisierungen, die einer “Gesunden Landwirtschaft” widersprechen und z:B. den entstehenden Massenmarkt im Bio- Bereich verwässern. Bio-Ketten lassen sich in der Regel besonders gerne dort nieder, wo schon ein alteingesessener Bioladner den Markt vorbereitet hat.

    Statistiken über Anbau, Subventionen zur Regulierung oder Klientel-Bereicherung sind schon längst Teil einer ach so verschmähten (korrupten) Planwirtschaft. Je tiefer ein Markt mit Informationen durchdrungen ist, desto mehr wird er einer Planwirtschaft, dieses mal positiv konnontiert, ähnlich.

    Wir stehen also vor der ständigen Herausforderung, den Bereich fliesender Übergänge von freiem Marktverhalten und planwirtschaftlichen Eingriffen gesellschaftspolitisch zu bestimmen. Dazu reicht eben ein Kartellamt bei weitem nicht aus.

    Im Informationszeitalter wird mit der Durchdringung immer weiterer Lebensbereiche immer mehr sinnvolles planendes Handeln möglich und m.E. auch nötig. So müssen neben den ökologischen Kosten ebenso die kulturellen Kosten im Interesse des Gemeinwohls der Individuen abgeschöpft und zu Ausgleich gebracht werden.
    Auch wenn der Vorgang im Bereich von Produktion und Distribution eines Dreamliner*s sich etwas anders gestaltet, lassen sich doch auch dort die selben Überlegungen anstellen.

    Ohne gesellschaftlichen Ausgleich ist schon die Vorstellung eines fairen, angemessenen Lohnes pure Illusion.
    Gruß BD

    • SLE - 9. Mai 2013

      “Wir stehen also vor der ständigen Herausforderung, den Bereich fliesender Übergänge von freiem Marktverhalten und planwirtschaftlichen Eingriffen gesellschaftspolitisch zu bestimmen. Dazu reicht eben ein Kartellamt bei weitem nicht aus.”

      Hallo Basisdemokrat,

      richtig, genau das ist der springende Punkt. Die Konsequenz der Feststellung, das Märkte nicht prinzipiell selbstreguliernd sind, heißt genau das.

      Eine reine, ausschließlich vom Wettbewerb gesteuerte Marktwirtschaft gibt es nicht und es kann sie auch nicht geben. “Die Märkte” oder “der Wettbewerb” nehmen uns die Entscheidung nicht ab und wir dürfen nicht mer akzeptieren, dass sich noch iregndein Politiker hinter der “Allmacht” der Märkte zu verstecken wagt. Wir müssen das Verhältnis von wettbewerblicher und staatlicher Steuerung selbst bestimmen und zwar immer wieder neu, weil sich Märkte und Volkswirtschaften entwickeln und zwar nicht immer zum guten, wie wir heute sehen.

      Grüße
      SLE

  • Euro? Nein danke! - Aufkleber - 9. Mai 2013

    “Wer will, dass die Abwärtsspirale bei den Löhnen gestoppt wird, der ist insofern gut beraten, in erster Linie auf Veränderungen der oligopolistischen Marktstrukturen und auf eine neue, innovative Dynamik auf den Märkten hinzuwirken, die kleinen und mittelgroßen Unternehmen und Arbeitskräften gleichermaßen wieder deutlich verbesserte Chancen eröffnet”

    Völlig richtig! Es ist aber die Überregulierung, die die Dominanz der großen Unternehmen fördert! Kleine Unternehmen können nicht x Leute vorhalten, die sich nur darum kümmern die ständig wachsende Regelflut zu managen!

    Deshalb: Weg mit der Regulierungswut aus Brüssel!

  • MartinR - 9. Mai 2013

    “Auf ausgereiften Märkten ist das Marktpotenzial ausgereizt, Produkte/Dienste und Verfahren sind ausgereift (Stichworte: ein bestimmtes Produktdesgin hat sich durchgesetzt, ebenso eine „best practise“, Standardbauteile, gemeinsame Plattformen usw.), die innovative Dynamik des Marktes ist dementsprechend schwach ausgeprägt (Verbesserungsinnovationen), die Kosten sind wettbewerbsentscheidend.”

    Ja, dieser Trend der letzten Jahrzehnte führte zu eindimensionalen Unternehmensstrategien und zu einem Wachstum der “Lobbybranche”; je druckvoller und perfider, umso ergiebiger.

  • Rembetis - 9. Mai 2013

    Hallo SLE und liebe Mitdiskutanten,

    Im Kern kommt es bei der Bewertung des Nutzens von Mindestlöhnen schon beim theoretischen Ausgangspunkt zu unversöhnlichen Ergebnissen, weil jeder die Ausgangssituation unterschiedlich definiert:

    1. Aus neoliberaler (neoklassischer) Perspektive helfen Mindestlöhne nicht, weil das kapitalistische selbstregulierende Marktsystem Produktion und Verteilung auf der Grundlage freier Wahlentscheidungen (Pläne) der Marktteilnehmer (Arbeiter, Kapitalisten) vornimmt. Jeder Teilnehmer wird entsprechend seiner Leistung zum Sozialprodukt entlohnt (Arbeits- und Sparleistung). Da eine Wahlalternative unterstellt wird, kann es auch nicht zu Hungerlöhnen kommen, denn dann würden die produzierten Güter liegen bleiben. Hungerlöhner würden lieber Konsumverzicht als Hungerlöhne wählen. Das würde zu sinkenden Güterpreisen führen und die Kaufkraft der Hungerlöhne steigt. In Kürze: Jedes Angebot schafft sich seine Nachfrage über den Produktions-Einkommens-Prozess. Mindestlöhne behindern hier nur die Durchsetzung “positiver” Entscheidungen also den Willen “freier” und “mündiger” Bürger. Die neoklassische Theorie ist um zu den oben genannten Aussagen zu kommen an Vollbeschäftigung gebunden, weil sie eine Gleichgewichtstheorie ist. Wir bewegen uns von einem Gleichgewicht zum anderen. So viel zu Märchen für Erwachsene also zum hegemonialen Dogma.

    Ich denke diese Argumentation ist durch unzählige Artikel von Steffen empirisch evident und sachlogisch zwingend den Gebrüdern Grimm zuzuordnen.

    2. Aus einer klassischen (Smith, Marx, Ricardo etc.) Perspektive sind Mindestlöhne auch schädlich. Hier ist Arbeit nur eine Ware. Der Wert der Ware Arbeitskraft wird durch die Reproduktionskosten bestimmt (was braucht der Arbeiter um nicht zu verrecken). Liegt der Mindestlohn über dem Reproduktionslohn, dann vermehren sich die Arbeiter wie die”Kanickel” und ich habe am Ende wieder Arbeitslosigkeit, weil das Güterangebot (Wirtschaftswachstum) nicht so schnell wächst wie die Arbeiter (Bevölkerung). In dieser Perspektive wird erst der Reproduktionslohn bestimmt und was übrig bleibt, bekommen die Kapitalisten als Profit.

    3. Aus einer (monetär-) keynesianischen Perspektive starten wir an den Vermögensmärkten. Die Kapitalisten bieten untereinander konkurrierend den Unternehmen ihre Kapitalien am Vermögensmarkt an. Die Unternehmern leiten ihren Kapitalbedarf aus der gesamtwirtschaftlichen Güternachfrage ab. Erstens werden die Unternehmen nur soviel Kapital beschaffen, wie zur Deckung der Nachfrage nötig ist. Zweitens ergibt sich aus der Nachfrage die Beschäftigung. Das die Beschäftigung der angebotenen Arbeitsmenge entspricht wäre ein Zufall, ist aber nicht zwingend. Drittens ist, wenn der Zinssatz (Profitrate) über den Vermögensmarkt bestimmt wird, über den Faktor-Preis-Zusammenhang (Lohn-Proft-Relation) auch der reale Lohnsatz bestimmt. Die Arbeiter bekommen im Gegensatz zur Klassik, was die Kapitalisten ihnen übrig lassen. Wir haben also ein Gleichgewicht am Vermögens- und Gütermarkt bei Unterbeschäftigung. Dieses Ungleichgewicht entsteht aus der zu geringen gesamtwirtschaftlichen Nachfrage. Diese ergibt sich letztendlich aus einer dysfunktionalen Verteilung von Vermögen und Einkommen. Milliardäre können halt nicht so viel “fressen” wie sie Einkommen haben.

    Fazit: In der Tat verharrt Herr Eichner gedanklich in der Neoklassik. Effektiverer Wettbewerb und mehr Markteffizienz ist ein Problemkategorie in der neoklassischen Gleichgewichtswelt. Letztlich geht es dort darum, ob Marktverzerrungen eine höhere Produktivität verhindern und Wohlfahrtsverluste gezeitigt werden. Den “Überflüssigen” also Arbeitslosen dürfte es relativ egal sein, ob die Arbeiter und Kapitalisten bei gegebener Nachfrage mehr für ihr Geld bekommen könnten. Die “Überflüssigen” dürfte viel mehr interessieren, ob die Nachfrage so hoch ist, dass jeder einen Anteil am Sozialprodukt bekommen kann.

    Mit Gandhi gesprochen ist das Problem vielmehr: Die Welt ist groß genug für die Bedürfnisse aller, aber zu klein für die Gier weniger!

    Solidarische und herzliche Grüße

    Rembetis

    • SLE - 9. Mai 2013

      Hallo Rembetis,

      zunächst einmal vielen Dank für Ihre Beiträge, die eine tiefergehende Einordung des Themas ermöglichen.

      Sie sind der Auffassung, ich sei gedanklich in der Neoklassik stecken geblieben. Mrarkteffizienz ist ein Begriff aus der neoklassischen Gedankenwelt, das ist zutreffend. Aber “effektiver Wettbewerb” ist es nicht. Es gibt unterschiedliche Theorien bzw. Erklärungen dafür, wie Wettbewerb funktioniert und unter welchen Voraussetzungen Wettbewerb Märkte und Volkswirtschaften prosperieren lässt. Sie haben jeweils eigene Bezeichnungen, werden aber alle als Formen “effektiven Wettbewerbs” aufgefasst.

      Ich habe selbst eine solche Wettbewerbstheorie erstellt und im Unterschied zu den neoklassische geprägten Ansätzen liegt meiner Erklärung der Funktionsweise von Wettbewerb und Märkten kein Marktideal zugrunde. Vielmehr gehe ich dabei von sich entwickelnden Märkten aus und unterscheide dementsprechend unterschiedliche Formen von Wettbewerb. Keine dieser Formen wird als “Wettbewerbsideal” aufgefasst, sondern als ideal für prosperierende Märkte und Volkswirtschaften wird der Wandel des Wettbewerbs angesehen, das heißt, im Zeitablauf lösen sich unterschiedliche Wettbewerbsformen ab. Geschieht das über einen längeren zeitraum nicht, kommt die Entwicklung zum Erliegen sprich Märkte und Volkswirtschaften verkrusten. Das ist das, was wir heute sehen.

      In den neoklassisch geprägten Ansätzen ist das Marktideal zugleich auch das Wettbewerbsideal. Durchgesetzt hat sich die Auffassung, dass das oligopolistische strukturen sind, die als effizient und besonders förderlich für Wachstum angesehen werden. Entwicklung spielt dabei keine Rolle und genau das ist der Schwachpunkt dieser Ansätze.

      Übertragen auf die Realität bedeutet dies nämlich für die Politik, dass sie die Entstehung und anschließend den dauerhaften erhalt oligopolistischer Strukturen fördern sollte, weil dies besonders günstig für eine hohe volkswirtschaftliche Effizienz und Wirtschaftswachstum ist.

      Ich würde sagen, dass dies heute nicht zutrifft. Aber da ist eine andere Sache. Neoklassisches Denken, so würde ichvor diesem Hintergrund jedoch zu sagen wagen, liegt meinen Ausführungen nicht zugrunde.

      Viele Grüße
      SLE

    • Huthmann - 13. Mai 2013

      Sehr geehrter Herr Rembitis,

      mich würde einmal interessieren, was Ihrer Auffassung nach die Ursachen dafür sind, daß wir zu ungleichverteilten Vermögensverhältnissen gekommen sind.

      Letzten Endes leiten Sie ja das von Ihnen darstellte Gleichgewicht bei Unterbeschäftigung davon ab, daß es zuviel Vermögende gibt, die nicht ausreichend konsumieren.

      Wie sind denn die Vermögenden entstanden?

      MfG

  • Ro - 9. Mai 2013

    “Mit Gandhi gesprochen ist das Problem vielmehr: Die Welt ist groß genug für die Bedürfnisse aller, aber zu klein für die Gier weniger!”

    Exakt, das ist der Kern. Deshalb wird weiter und weiter Sand in die Augen der Bürger gestreut, wo es nur geht. Egal ob linksideologisch oder rechts. Es sind und bleiben 2 Seiten derselben Medaille. Gerne hört man zu und stimmt SEINER Partei (Partei nehmen) zu, Hauptsache das eigene Leben kann so weiter gehen.

    Diese Gier in uns allen (global auf sämtliche Menschen / Arbeitskraft) zu erkennen, von unten nach oben in der pyrmidialen Spitze, zum Schluss ohne Grenzen – ist ein sehr schwieriger Weg und es wird sehr viel unternommen, dies eben nicht zu erkennen.

    Der mit Abstand schwierigste Part jedoch ist ein neues System zu finden.

    Vielleicht ist dies unmöglich und nur im Beginn eines jeden selbst. Aber das System Staat – und dann in Folge, dem Überstaat – arbeite IMMER gegen einen, wie die Lebenszeit eben auch.

    Im Zweifelsfall geht´s an die Substanzbesteuerung. So wird man im Krabbenkorb gefangen gehalten. So geht´s von einem debitistischen Lauf zum nächsten, Mal in Konsequenz linksorientiert, dann wieder rechtsorientiert. Dazwischen mal kurz die Versuche der sozialen Marktwirtschaft (für einen Teil der Weltbevölkerung). Alles gescheitert. Immer und immer wieder. Die Begründungen des scheitern werden dabei immer lächerlicher. Jedoch wirken sie, ab hier greift wieder der Mangel an notwendiger gesunder Selbstreflexion.

    In jedem debitistischen Lauf verheizen wir dabei die einmalig geschenkten über Jahrmillionen aufgebauten Energiereserven von unserem Lebensplanet ohne Not – systemisch bedingt, unwiederbringbar und werden von Protagonisten geführt, welche uns von einer Systemebene zur nächst größeren mit dem Versprechen locken, DANN würde endlich alles gut.

    Ein toller Wettbewerb für eine Bedürfnisspyramide ohne sichtbares, freiwilliges Ende.

    Diese wird systemisch gefordert und geht längst schon jenseits über die wirklichen Grundbedürfnisse eines Menschen hinaus. Ein anständiges Leben und ein vernünftiges Ein- und Auskommen. Wir sind hier alle meilenweit über das Ziel hinausgeschossen!

    Aber hier wird ein Preis bezahlt werden müssen. Entweder durch die Natur selbst, indem sie still und klar ersichtlich den Lebenssaft für unser wirtschaften – die Energie – abstellt. Wir machen das.

    Der andere Preis ist der vielfach angesprochene Verlust von Freiheit und Demokratie. Die Restfetzen werden Zug um Zug gerade zu Grabe getragen. Scheint allerdings niemand in der Masse so richtig zu stören. So rettet sich der Staat und seine privilegierten Verwalter in der Verteilungsmatrix weiter zu Lasten von uns allen.

    All dies ist im Grunde eine Schande im Sinne der Verantwortung gegenüber unseren Kindern.

    Die Gier sitzt doch in uns allen.

  • Rembetis - 9. Mai 2013

    Lieber SLE,

    vielen Dank für die Erwiderung auf meinen Kommentar.

    Die Existenz von Tausch bedingt nicht nur Eigentumsrechte, sonst würde niemand Tauschen, sondern der Stärkere nimmt es einfach dem Schwächeren ohne Gegenleistung.Tausch setzt ökonomisch auch Arbeitsteilung voraus. Arbeitsteilung setzt Spezialisierung voraus. Dies ist mit kurzen Worten die theoretische Herleitung von Märkten. Spezialisierung führt zu einer höheren Produktivität. Ob Märkte wirklich so entstanden sind ist empirisch jedoch zumindest fraglich (David Graeber: Schulden Die ersten 5.000 Jahre). Aber selbst wenn man die Eigentumsproblematik und die Geld-,also Schuldenproblematik, außen vorlässt, beseht immer noch die fundermentale Frage, ob eine steigende Produktivität zu mehr Wirtschaftswachstum, also einem höheren Angebot mit höherer Produktion und Beschäftigung führt. Dies ist unabhängig von jeder Wettbewerbstheorie, ob statisch oder evolutorisch etc., zu beantworten.

    In Kürze: Ob mit den gestiegenen Produktionsmöglichkeiten (Produktivitätssteigerung) auch mehr produziert wird hängt von der Vollbeschäftigungsannahme ab.

    ● Y = (Output/Arbeiterinnen[h]) · Arbeiterinnen[h]
    ● ==> Es kann entweder der Output steigen oder die Beschäftigung fallen (oder irgendetwas dazwischen.)

    Die Wahl der Wettbewerbstheorie ist für diesen logischen Zusammenhang unerheblich.

    In der Gleichgewichtstheorie startet man bei Vollbeschäftigung. Das heißt, das sich das Angebot über den Produktions-Einkommens-Prozess seine Nachfrage schafft. Dies unter mehr oder weniger produktiven Bedingungen. Weniger effektiver Wettbewerb würde so mit einer geringeren Produktivität einhergehen. Die Produktionsmöglichkeiten sind bei einer geringeren Produktivität niedriger als bei einer höheren Produktivität. Die jeweilige Wettbewerbssituation beeinflusst somit die Produktionsmöglichkeiten der Ökonomie. So weit so gut.
    Aber was ist, wenn wir bei Arbeitslosigkeit starten. Ein effektiverer Wettbewerb, also eine höhere Produktivität, also größere Produktionsmöglichkeiten bedeuten nicht mehr Produktion und Beschäftigung. In einer Situation von unfreiwilliger Arbeitslosigkeit, also einem Gleichgewicht bei Unterbeschäftigung, kann eine höhere Produktivität sogar zu noch mehr Unterbeschäftigung führen. Keine Unternehmerin produziert mehr als sie plant abzusetzen. Ein produktivitätsinduzierte Erhöhung der Unterbeschäftigung ist kein Fatum. Man kann, wenn man will, wirtschaftspolitisch Gegensteuern. Also ist der Frage nachzugehen woher kommt die Unterbeschäftigung. Die Unterbeschäftigung ist Ausdruck der relativ zu den Produktionsmöglichkeiten zu geringen gesamtwirtschaftlichen Nachfrage. Die zu geringe Nachfrage ist der vollkommen ökonomisch dysfunktionalen Einkommens- und Vermögensverteilung geschuldet. Dies war ja gerade Keynes, von vielen unbemerkt, große Erkenntnis.

    Analogie: Der medizinische Fortschritt (Produktionsmögluchkeiten) wird die tatsächliche weltweite Lebenserwartung (Produktion) nur erhöhen, wenn die Menschen auch das Geld (Nachfrage) haben, die fortschrittliche Medizin zu bezahlen.

    Die Einführung eines allgemeinen Mindestlohnes, würde wie in meinem ersten Kommentar beschrieben, zu einer Umverteilung der Kaufkraft von Managern hin zu Niedriglöhnern führen. Es ist anzunehmen, dass Niedriglöhner bei einem Stundenlohn von heute bereits 5 € pro Stunde mehr von ihrem Einkommen ausgeben, als Manager die 5.000 € pro Stunde verdienen. Die Konsumneigung würde sich erhöhen. Die Nachfrage und die Beschäftigung würde steigen. Allgemeine Mindestlöhne würden somit einen Beitrag dazu leisten, das eine Gesellschaft nicht nur die potentiellen Lebensbedingungen verbessert, sonder das Leben.

    Solidarische und herzliche Grüsse an
    SLE und alle Übrigen

    • SLE - 9. Mai 2013

      Hallo Rembetis,

      wenn Sie “effektiven Wettbewerb” mit hoher oder “höherer Produktivität” gleichsetzen, dann argumentieren Sie wieder im neoklassischen Denkschema. Denn Produktivität ist ja gerade ein Effizienzbegriff und die dahinter stehende Logik ist (gleichgewichtiges) Wachstum. Insofern schränken Sie damit auch gleich wieder den Erklärungs- und Lösungsraum ein. Das ist nicht ratsam. (Gleichgewichtiges) Wachstum ist vom Denkansatz her nicht dasselbe wie (ungleichgewichtige) Entwicklung. Denken Sie bitte an den Denkansatz von Schumpeters Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung (obwohl auch der ja durchaus nicht völlig losgelöst von der Gleichgewichtstheorie ist). “Technologische Revolutionen” stellen eine massive Entwertung von Kapital (bestehenden produktionsanlagen einschließlich des Know How) dar. Das hat mit dem Schema des gleichgewichtigen Wachstums und Produktivitätssteigerungen nichts zu tun und impliziert eine andere Vorstellung davon, was effektiver Wettbewerb ist respektive dass er nicht prinzipiell positive gesamtwirtschaftlichen Konsequenzen zeitigt.

      Ich stimme Ihnen aber voll und ganz zu, das die extrem ungleiche Einkommens- und Vermögensverteilung ein ganz zentrales Problem ist. Doch die Ursachen dafür sind m.E. ja gerade die hochkonzentrierten, oligopolisierten Märkte, auf denen kein entwicklungstragender Wettbewerb mehr herrscht, also ein solcher, der ökonomisch signifikante Innovationen hervorbringt (das ist meine Definition), die auch die Verteilung von Einkommen und Vermögen in Bewegung bringen würde. Was wir auf den Märkten haben, ist eine kleine Gruppe ewiger Gewinner.

      Daran ändern Mindestlöhne nichts. Ihre Überlegung hinkt aus meiner Sicht, weil der “Motor”, das heißt die oligopolistischen Strukturen bei zugleich ausgreiften Märkten, der diese dysfunktionale Verteilung produziert, bei dieser Maßnahme intakt bleibt. Die Strukturn müssen verändert werden. Das kann im Extrem durchaus bedeuten, enge Oligopole und deren Verflechtungen aufzulösen. In der Tat fokussiert die Politik jedoch gerade die Oligopolisten bzw. “national Champions” die sogar für systemrelevant erklärt und erhalten werden. Das ist doch gerade auch der Grund, warum die Krise kein Ende nimmt.

      Viele Grüße
      SLE

  • Erich - 9. Mai 2013

    Ich finde die meisten der Beiträge hier viel zu Europa orientiert. Die wesentlichen Dinge auf diese Welt werden aber nicht mehr in Europa entschieden. Neulich las ich in einer Studie, dass erwartet wird, dass sich die industrielöhne der alten Industrieländer und China etwa auf 60% einpendeln werden. Egal was auch immer wir für ein Wirtschaftssystem hier bei uns auch haben werden, da kommen wir nicht herum. Die chinesischen Ingenieure sind schon heute nicht schlechter als unsere, und wir kochen auch nur mit Wasser. Wenn wir dann auf unseren Löhnen stehen bleiben dann produzieren wir hält keine Autos mehr. So einfach ist das. ImGrunde genommen haben wir doch die gleichen Illusionen wie heute die südlichen Eurostaaten. Wir Glauben immer noch an unsere Überlegenheit und unser Recht darauf mehr zu verdienen als der Rest der Menschheit. So läuft das aber nicht. Durch unsere Insistenz zerstören wir nur noch mehr die Zukunft unserer Kinder.

    • Querschuss - 9. Mai 2013

      Hallo Erich,
      die Argumentation erschließt sich mir nicht, du meinst also wirklich wir sichern die Zukunft unserer Kinder, wenn wir nur noch 60% der heutigen Löhne erhalten. Das ist Unsinn, damit sichert man weder die Zukunft der Kinder noch die Renten der Alten! Mit den Löhnen sinkt der Konsum und die Produktion bzw. die Abhängigkeit vom Export würde noch mehr steigen, denn die Auslandsnachfrage müsste den Einbruch der Binnennachfrage in Folge von 60% Löhne kompensieren, damit die Produktion stabil bleibt. Das wird nicht funktionieren, schon heute hat Deutschland ungesunde Leistungsbilanzüberschüsse.

      Gruß Steffen

  • Freiberufler - 9. Mai 2013

    Die Frage ist doch, weshalb die BRD 50 Jahren super ohne Mindestlohn ausgekommen ist. Die Antwort dürfte in den rechtlichen Rahmenbedingungen und der Bedeutung der Gewerkschaften zu finden sein.

    Als die Industrie in den 50ern und 60ern “Gastarbeiter” anwarb, mussten auch denen Tariflöhne gezahlt werden.

    Heute wirbt man Arbeitskräfte im europäischen Ausland (jetzt neu: Südeuropa) an und lässt das über eine Zeitarbeitsfirma laufen. Die deutsche Industrie kann derzeit Millionen (!) gut ausgebildete Arbeitskräfte anheuern, die jedem Job für jeden Lohn machen. So bleiben die Löhne in Deutschland unter Druck.

    Ich habe beruflich gerade mit einem Bauträger zu tun. 5 oder 6 MitarbeiterInnen, Millionenprojekte, dünnste Kapitaldecke. Läuft alles über Subler, meist aus Osteuropa, und billig, billig, billig. Leistungen, die man als Kunde extra zukauft (z.b. “Malerpaket” oder Tapezieren) werden mit dem Zwei- bis Dreifachen dessen in Rechnung gestellt, was ein deutscher Handwerksbetrieb verlangt.
    Die Leistung ist dann voller übelster Baumängel, aber das interessiert den Bauträger nicht und die meisten Kunden zahlen trotzdem.

  • Eurelios - 9. Mai 2013

    @ Ro

    Vorab einer der besten Postings zur Lage in der sich zur Zeit die Menschengemeinschaft
    auf diesem Planeten befindet.

    Aber hier wird ein Preis bezahlt werden müssen. Entweder durch die Natur selbst, indem sie still und klar ersichtlich den Lebenssaft für unser wirtschaften – die Energie – abstellt. Wir machen das.

    Mit diesen Gedanken haben Sie den Kern der Probleme die auf uns Menschen zukommen absolut richtig erkannt.

    Ihr letzter Satz:

    Die Gier sitzt doch in uns allen.

    Und genau dies Gier ist das Grundübel wiso die Menschheit auf ein Desaster zusteuert.

    Deshalb muss man sich fragen woher kommt diese Gier?

    Ich denke es liegt unserem derzeitigem perfidem Geldsytem und so lange dieses
    Geldsystem mit aller Macht am Leben erhalten wird, wird sich nichts ändern und wir
    steuerern zu einem Abgrund zu in dem die Menschen abstürzen werden und keiner hat
    einen Fallschirm dabei.

    Wie ja hier bekannt bin ich ein AfD- Parteimitglied und wir in der Afd machen uns nicht
    nur Gedanken wegen dem Euro. Wir haben ein Forum für alle Parteimitglieder.

    Wo auch das Geldsystem in einem Thema hinterfragt wird. Ich kopiere mal das Eingangsposting mal hier rein:

    Geldsystem – verstehen und hinterfragen

    Beitragvon Dr Wolfgang Reimer » Do 4. Apr 2013, 10:33
    Verehrte Foristen,

    mit dem Problem des gescheiterten Euro und seiner für “alternativlos” erklärten Rettung durch die Bundeskanzlerin (und die ihr mehr oder weniger angeschlossenen Parteien) hat unsere Partei “Alternative für Deutschland” durch ihre im Parteiprogramm formulierte Gegenposition den Finger in die Wunde vieler Menschen gelegt.
    Nach meiner Überzeugung steht die Währung Euro als pars pro toto neben Dollar, Pfund und anderen Währungen (zumindest der westlichen Welt) deshalb im Feuer,
    weil er Teil eines Geldsystems ist, in dem das Geldschöpfungsmonopol Banken und diesen dadurch das Privileg zugestanden wurde, unter Beachtung eines Mindestreservesatzes “Giralgeld” in nahezu unbegrenzter Höhe zu erzeugen, in Umlauf zu bringen und damit Zins und Zinseszins zu generieren. Der Mindestreservesatz wurde nach meiner Kenntnis in England im Jahre 1844 (Peel`sches Bankengesetz) auf 100% festgelegt (sog. “Vollgeld”) und bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts von allen fortschrittlichen Industrienationen so übernommen, um in späterer Zeit immer weiter reduziert zu werden . So schrieb die EZB bis Januar 2012 noch 2%, seither nur noch 1% als Mindestreserve vor. Infolge dessen konnte die Geldmenge exponentiell wachsen, die Staaten konnten sich hoch verschulden und die Anteilseigner der Banken verdienen prächtig an den Zinsen ihrer Lizenzgeber, den hochverschuldeten Staaten unserer westlichen Welt, sprich deren Bürgern, die ja mit ihren Steuern immer auch Bürgen sind.
    Mir stellen sich viele Fragen zur Beurteilung der Funktionalität unseres Geldsystems insgesamt und seinen Nutzniesern. Und ich frage mich sehr ernsthaft, ob unsere Partei sich hierzu nicht einen gewissermaßen über die Diskussion um die Eurorettung hinausgehenden Ansatz erarbeiten und mit gebotenem Weitblick in das anläßlich des Gründungsparteitags zu verabschiedende Grundsatzprogramm aufnehmen sollte. Die fachliche Expertise dazu sollte doch jedenfalls vorhanden sein, sodaß es, nach der politischen Willensbildung in der Partei, nur noch des konsequenten politischen Willens dazu bedarf.

    Eine angeregte Diskussion kann sicher sehr interessant werden!

    Mit freundlichen Grüßen

    Wolfgang Reimer

    Die anschließende Diskussion war gewaltig und befindet sich noch im vollem Gange.

    Also ich bin der festen Überzeugung im Gegensatz zum Mitposter Traumschau der/die
    ja meint bei der AfD würde man vom Regen in die Traufe fallen nicht der Fall sein wird.

    Ein Versuch wäre es wert. Schlimmer als mit den jetzigen Breitband Politikern kann es
    nicht kommen.

    Nur ein Beispiel letzten Samstag war der 2 Parteitag in BW hier wurden die Personen
    gewählt die auf der Landesliste für die Bundestagswahl stehen sollen.

    Ich greife mal eine Person heraus.

    Prof. Dr. Lothar Maier.

    Hier seine Website:

    http://www.lothar-maier.eu/

    Also mein Fazit : Wenn solche Personen in der AfD sind.

    Vom Regen in die Traufe ni und nimmer

    • Ro - 9. Mai 2013

      hallo Eurelios – ja, ich kann Ihnen sehr gut folgen, aber leider ist man mit dieser Auffassung noch in einer Minderheit. Es hat mit “festhalten” zu tun. Aber wie geschrieben, dies hat seinen Preis. Die “Gewinner” dieses größten debitistischen Laufs werden nach meiner Aufassung die alten “Verlierer” des Systems sein, welche sich eh schon Tag um Tag das Leben erkämpfen müssen. Wirklich erkämpfen müssen. So werde ich als reinen Übergangsschritt ebenso die AfD wählen. Auch wenn mir deren Programm nur eine minimale Verbesserung darstellt und ebenfalls mit einem “festhalten” zu tun hat. Aber es ist zumindest ein erster (wohl möglicher und das ist entscheidend) Schritt der Umkehr. Der Weg wird uns noch lange beschäftigen. Derweil zeigt uns in vermuteten 10, 20 oder 30 Jahren die Natur, die Endlichkeit der Energie, eine vorläufige Schlussabrechnung. Dann diskutieren andere, die heute hier im Blog angedeuteten und noch ausgeschlagenen 60 %, welche als Verteidigung schon absolut ausgeschlagen werden und als unsinnig angesehen werden. Eines habe ich für mich gelernt, die Verwalter und Willhelfer und deren Initiatoren, des obersten Promille, werden nie und nimmer auf ihre Ansprüche freiwillig verzichten. Auch dafür bezahlen wir einen hohen Preis in naher Zukunft und im weiteren Zeitverlauf.

      • Querschuss - 9. Mai 2013

        Hallo Rolf,
        es ist ein Unterschied, ob die oberste Promille, Exporteure, Systemprofiteure auf 60% Level gesetzt werden oder eben Millionen Arbeitnehmer, gar die bereits heute von Arbeit ausgeschlossenen bzw. eine Volkswirtschaft als Ganzes. Deutschland als Ganzes auf 60% gesetzt, dann kollabiert nicht nur das Sozialsystem, die Rente, sondern die auch Volkswirtschaft als Ganzes, denn sie kann nicht bei 60% Einkommen, ihren 100% aufgebauten Verbindlichkeiten nachkommen. Ein Deutschland auf 60% setzt einen Konsens in der Bevölkerung voraus, diese 60% zu wollen um Ressourcen zu schonen und Nachhaltigkeit zu schaffen (freiwilliger Systemreset). Das ist aber etwas anderes als die 60% vom globalisierten Wettbewerb erzwungen, wobei alle Wettbewerber (Länder) nur verlieren können und Ressourcenschonung und Nachhaltigkeit nicht im Fokus stehen, sondern Gewinnmaximierung der global handelnden Unternehmen zu Lasten der Menschen.

        Gruß Steffen

        • Ro - 9. Mai 2013

          Jetzt bist Du angesprochen :-) Steffen, wir leben zu Lasten vieler Menschen ausserhalb des Landes, ausserhalb der EU. Warst Du jemals in China, oder Indien, für eine längere Zeit und hast gesehen was dort abläuft, Du würdest mich verstehen.

          Arbeit würde es genügend geben, jedoch nicht unter dieser Form des Geldsystems. Der Prozess die Tilgungen, den Zins, den Wettbewerb zu bestehen, dies zu erwirtschaften, endet in einem Wettkampf der Rationalisierung und einem erpressen anderer Arbeitsschichten in anderen Ländern. Keine Mannarbeitskraft, oder Familie, kann diesen Wohlstand im Meridian eines jeden Landes hier in der Eurozone ohne diese Arbeits- UND Energiesklaven erreichen. Wie lange bist Du wohl der Ansicht dass wir unter einer Verringerung nur der Energiesklaven hier weiter machen können?

          Natürlich ist es ein Unterschied, von welchem Volumen man die 60 % angeht. Das oberste Promille hat jedoch noch nie etwas abgegeben. Wir sind ebenfalls nicht in der Lage abzugeben. Werden aber hier wohl bald gezwungen werden. Gut ist das mit Sicherheit nicht.

          Ich denke Du verstehst sehr gut was ich damit andeuten will. Dieses Geldsystem in Verbindung mit Gier und Politik, ist die Hauptursache für den Prozess der aus dem Ruder gelaufenen Umverteilung.

          Dieses Geldsystem unterstützt (über die Nutzung der Energie im Turbomodus) die Gier nach immer neuen Bedürfnisse, immer mehr. Es braucht immer mehr neue Nachschuldner. Es ist ein Schneeballsystem.

          Nimm das Beispiel KFZ. Der ursprüngliche Nutzungszweck war der Transport von A nach B. heute arbeiten Millionen Menschen für die Bedürfnisse drum herum, elektrische Fensterheber, Navi, Klima und und und… im Grunde nicht von belang um von A nach B zu kommen. Nimm in unserem Bereich die Hochleistungsproduktionsmaschinen. 10 to Materialschlacht im Schnitt. Früher brauchte ein Werker für ein hochkomplexes Teil ca. 8 Stunden für die Fertigstellung. Heute macht diese Hochleistungsmaschine das in 12 Minuten. Nur hat die heute nunmal jeder… produziert wurde diese Maschine mit einer Unmenge an Energie… und so weiter uns so fort. Es ist eine Krise des Geldsystems im Beginn Steffen. Wir werden das einsehen müssen. Dies mal völlig unabhängig welches Konstrukt danach kommen wird. Wir haben uns meilenweit von unseren wirklichen Bedürfnissen als Mensch / notwendige UND selbst erfüllende Lebensgrundlage entfernt.

          Wir sollten wieder lernen zu laufen und nicht weiter und weiter zu fliegen.

          • Querschuss - 9. Mai 2013

            Hallo Rolf,
            ich sehe in meinen vorherigen Kommentar keinen Gegensatz zu deinen Ausführungen. Allerdings bin ich der Meinung, dass vorhandene Produktionskapazitäten, Arbeitskräftepotential, auch immer noch die vorhandenen Ressourcen, jedem Menschen locker ein Leben ohne Hunger, mit einem Dach über dem Kopf, seine Grundbedürfnisse erfüllend und ein normales Maß an Konsum ermöglichen könnte. Dies mag in 20 bis 30 Jahren vielleicht anders sein, nur wenn die Menschheit dies schaffen würde, würde sie sicher auch schwindende Ressourcen mit ihrem Lebenstil in Übereinkunft bringen können.

            Ich sehe gerade von dir: ““Mit Gandhi gesprochen ist das Problem vielmehr: Die Welt ist groß genug für die Bedürfnisse aller, aber zu klein für die Gier weniger!”Exakt, das ist der Kern.”” ….Na also, sage ich doch, es gibt kein Gegensatz außer wir beide konstuieren einen, denn den Worten Gandhis schließe ich mich gerne an.

            Gruß Steffen

  • Erich - 9. Mai 2013

    Hallo Steffen,
    Natürlich sind die 60% nicht für heute, wir haben immer noch das bessere Team, inclusive einem verlässlichem Rechtssystem, einer Gesundheitsvorsorge und eine Umwelt, welche die Leute gesünder hält etc. China is aber in Riesenschritten dabei, uns aufzuholen. Neulich habe ich erst gelesen, dass neuere Kohlekraftwerke in China schon Schärfere Auflagen bekommen als bei uns. Auch in der Gesundheitsfürsorge ändert sich einiges. Die Chinesen sind fleißiger, genügsamer, und uns in Vieler Hinsicht nicht unähnlich. Aber Eine Angleichung an unsere Löhne erscheint mir ziemlich aussichtslos, allein schon auf Grund der dann benötigen Ressourcen. Andererseits wenn die Chinesen dann in 10 oder 15 Jahren gleichwertige Autos bauen wie wir, wer kauft dann noch deutsche Autos, wenn unsere um 20% teurer sind? Unser Lebensstandard muss sich dann zwangsläufig anpassen. Etwas ähnliches ist ja auch mit unserer Textilindustrie passiert. Und technologisch haben wir schon heute kaum noch einen Vorsprung. Und was unsere Kinder angeht. Wenn wir immer noch so tun, als hätten wir unser Wachstum gepachtet, und uns auf Teufel komm raus Verschulden, dann bleibt unseren Kindern am Ende nur noch die Sklavenarbeit wie wir sie heute in den Entwicklungsländern sehen. Wir haben nicht genug natürliche Ressourcen, um damit autark existieren zu können, zumindest nicht bei unserer Bevölkerungszahl. Wir sind darauf angewiesen, unsere Arbeitskraft international gesehen zu verkaufen, und das geht nur bei international üblichen Preisen. Aber gerade das ist das Problem, bei einer Mrd Chinesen.

    • Eurelios - 9. Mai 2013

      Wir sind darauf angewiesen, unsere Arbeitskraft international gesehen zu verkaufen, und das geht nur bei international üblichen Preisen. Aber gerade das ist das Problem, bei einer Mrd Chinesen.

      Absolut falsche Denkweise.

      Warum?

      Es würde ja bedeuten das sich die Masse der Menschen klaglos in ein Sklavenleben
      begeben würden für die ganz wenigen Geldeliten die dann auf kosten dieser Menschen
      ein sorgloses Luxsusleben frönen könnten.

      Das kann und darf nicht sein.

      Schon mal was von der Streichholztheorie gehört?

      Ein Streichholz lässt sich leicht zerbrechen. Bei 10 wird es schon schwieriger.
      Bei 100 ist es nicht mehr möglich.

      Wir alle der “einfachen“ Menschen/Arbeiter/Angestellte usw. sollten erkennen
      das es ohne uns und mit unserer Arbeitskraft die wir in die Menschengesellschaft
      einbringen gar nicht möglich wäre das diese Geldeliten so Leben könnten
      wie sie es jetzt tun.

      Ohne uns wären die da “Oben“ erbärmlich aufgeschmissen.

      Dies müßte in den Köpfen der Menschen eindringen um gemeinsam dagegen zu steuern.

      Da brauchts aber noch ne Weile. Aber diese Zeit wird kommen. Da bin ich mir ziemlich sicher.

    • Querschuss - 9. Mai 2013

      Hallo Erich,
      die von fleißigen und genügsamen Deutschen und Chinesen produzierten Waren haben ein Problem, je mehr Länder sich dem Fleiß und der Genügsamkeit anpassen, umso größer wird das Absatzproblem. Maximaler Output prallt auf viel zu wenig Nachfrage, dies kann und wird nicht funktionieren. Deutsche mit 60% Lohn werden auch nur 60% konsumieren können. Es können nicht alle Volkswirtschaften gleichzeitig fleißig und genügsam zugleich sein und kollektiv Exportüberschüsse generieren. Wenn alle versuchen Exportüberschüsse zu erwirtschaften, wird man statt Überschüsse weltweite Rezession ernten und zwar eine, die wir uns nicht mal vorstellen können.

      Gruß Steffen

  • Traumschau - 9. Mai 2013

    Hallo Eurelios,
    da ich angesprochen wurde, möchte ich gerne antworten.
    Für mich ist nicht entscheidend, wieviele Professoren sich in dieser Partei tummeln oder was sie im einzelnen zu sagen haben sondern mich interessiert die Programmatik dieser Partei. Fest steht schon mal, dass die AfD unsere Exportüberschüsse super findet – sonst wäre ein Hans Olaf Henkel nicht mit von der Partie. Aus diesem Grund für mich schon mal eine unwählbare Partei.
    Ich möchte aber mit einem Artikel von “WirtschaftsWunder” antworten, dessen Inhalt ich mich voll anschließe:
    http://neuewirtschaftswunder.de/2013/04/18/fabian-fritzsche-euroaustritt-als-alternative-fur-deutschland/#comment-3033

    LG Traumschau

  • Robert - 9. Mai 2013

    Eine Anmerkung, die Frankenfurter auch schon gemacht hat, ist mir sehr wichtig. Dieser Beschäftigungsrekord fand bei konstantem Arbeitsvolumen statt. Es wurden Normalarbeitsverhältnisse aufgeteilt auf mehrere Leute, die jetzt alle zu einem Niedriglohn arbeiten dürfen, großes Kino.

    Ich habe herausgelesen, dass sie Wettbewerb um Innovationen wollen (kreative Zerstörung nach Schumpeter?). Das heißt ja eigentlich, dass die Unternehmen diesem nicht durch das Drangsalieren seiner Arbeitnehmer ausweichen dürfen. Dann ist aber der Mindestlohn genau die richtige Richtung um wieder den Wettbewerb um Fortschritt herzustellen.

  • Eurelios - 9. Mai 2013

    Liebe Traumschau,

    Herr Fritsche meint inseinem letztem Satz:

    Solange die AfD jedoch selbst bei ihrer Hauptforderung keine Lösungen anbietet, kann sie keine ernstzunehmende Alternative zu den etablierten Parteien sein.

    Dann frage ich Dich:
    Was für Lösungen bieten Dir die etablierten Parteien an ?

    Wenn ich Herrn Fritsche richtig verstanden habe ist er der Meinung das die etablierten Parteien
    auch keine Lösung haben für das Europroblem aber sie sind halt allemal besser als die Afd
    die auch keine Lösung für dieses Problem hat.

    Was für eine Logik

    • Traumschau - 9. Mai 2013

      Hallo Eurelios,
      F. hat geschrieben, dass die AfD keine Alternative zu der derzeitigen Koalition ist – er schrieb nicht, dass deshalb die Koalition besser sei (dieser Blog von Fricke war für lange Zeit die einzige mediale kritische Instanz im sonstigen Mainstream – die unabhängigen Blogs ausgenommen natürlich).
      Tja, welche Lösung ist angesagt? Ich weiß es nicht! Ich fürchte, mittlerweile sitzt der Karren so tief im Dreck, dass es eine wirkliche Lösung so nicht gibt – es sei denn man ist bereit, dass gesamte System vom Kopf auf die Füße zu stellen. Das sehe ich aber nicht – leider!
      Es gibt Lösungsvorschläge von Heiner Flassbeck, Richard Werner oder Wilhelm Hankel (alle bei YT).
      Ich weiß aber jetzt gar nicht, ob die “Bloginhaber” :-) einen Lösungsweg haben?
      LG Traumschau

      • Eurelios - 9. Mai 2013

        Tja, welche Lösung ist angesagt? Ich weiß es nicht! Ich fürchte, mittlerweile sitzt der Karren so tief im Dreck, dass es eine wirkliche Lösung so nicht gibt – es sei denn man ist bereit, dass gesamte System vom Kopf auf die Füße zu stellen. Das sehe ich aber nicht – leider!

        Ganz ehrlich gesagt es gibt mE auch keine schnelle Lösung dieses Problems. Ich denke es
        wird zu einem Zusammenbruch dieser Weltwirtschaftsordnung kommen so oder so.
        Ich möchte jetzt nicht mehr Werbung für die Afd machen. Aber mein Bauchgefühl sagt mir
        das ich sagen kann die Menschen die ich in Berlin (Gründungsparteitag der Afd) und auch
        Karlsruhe (Gründungsparteitag in BW) sowie in mehreren Regionaltreffen kennen gelernt
        habe haben das gleiche Gefühl wie ich haben das “unser“ System so nicht weiter gehen kann. Um diese Kräfte zu bündeln braucht es eine neue politische Bewegung.

        In den Altparteien ist das nicht mehr möglich, siehe Frank Schäffler (FDP) oder Herr Bosbach,
        den ich sehr schätze, (CDU). Deswegen ist für mich angesagt das ich meine politische
        Verantwortung in dieser neuen Partei mit einbringe. Trotz Henkel hin oder her. Denn!!
        zum Schluss entscheiden noch immer die Parteimitglieder im Mehrheitsbeschluss
        wohin die Richtung der Partei gehen wird.

    • Traumschau - 9. Mai 2013

      Und: Man sollte nicht vergessen, dass die Linke als einzige Partei die Rettungsmaßnahmen abgelehnt haben, weil sie den Bailout der Zocker nicht mittragen wollte. Überhaupt komisch, dass die Positionen der Linken nie diskutiert werden. Die Linke will den Euro erhalten, weil sie der Meinung ist, dass sei das kleinere Übel – obwohl sie immer gegen die Euroeinführung war. Allerdings will sie die Unterstützung der jeweiligen BEVÖLKERUNGEN dadurch finanzieren, indem die Reichen und Profiteure der Krise zur Kasse gebeten werden. Ich persönlich finde, das ist schon eine Alternative. Davon ist die AfD sehr weit entfernt und auch deshalb für mich keine Alternative.
      LG Traumschau

    • klaus - 10. Mai 2013

      @Eurelios

      Ich sehe es so.
      Die etablierten Parteien sind schlicht dumm.
      Sie werfen, rein pädagogisch gesehen einen Zettel mit Fragen
      vor eine Runde von Teilnehmern und glauben die Lösungen
      “ABGREIFEN” zu können.

      Diese Art pädagogischen Brainstormings ist schlicht miserabel.

      Problem ist, Deutschland hat nix, was zu einem modernen
      inovativen Land dazugehört.

      1.Es hat ein Bildungssystem, an dem viele “Pseudo-Doktoren” herumgedoktort
      haben, mit dem Ergebnis von X Beschwerden aus Unternehmerkreisen.

      2. Es wirtschaftlich eine rein dem Konsum gewidmete Ausrichtung und
      bietet neuen Technologien keine Möglichkeit.
      Daher kauft man Drohnen. Auch Lizenzen von wirtschaftlich strategischen
      Produkten sehe ich zumindest in der Elektronik nicht.

      3. Selbst die DDR hatte damals Robotron als Rechner zusammengeklempnert.
      Nein, wir kaufen nur.
      Der Rest von Innovation ist Friedrichs Überwachungstick gewidmet.

      4. Es ist zuwenig Geld bei den Bürgern um eigene Weiterbildung zu fördern.
      Vollblut-Ingenieure,.. werden in den Lebensjahren bis etwa 16 Jahre
      ihre Neigungen versuchen zu finden.
      Ärmere Schichten kaufen hier Ihren Kindern beispielsweise keine Elektronik,
      kein Oszilloskop,keine Lötstation/Ätzstation, usw.
      Also kommt von hier keine Innovation.
      Innovation dient also nur der Verbesserung der EIGENEN Situation, danach
      erst der Verbesserung für Alle. Ohne das Erste, keine Zweites.

      5. Bei den Schichten mit Geld herrscht kein Drang zu Innovation,
      da man einfach Papas Scheckkarte bedient.
      Ein innovationsloses Leben mit Apps ( oder besser gesagt Gimmicks ).
      Die suchen lieber den neuen Schumacher mit Ferrari oder den Superstar.

      6. Dazu ein Bildungssystem, das sich immer mehr dem der alten DDR
      annähert.

      7. Zudem ist der Staat nur noch am Lenken per Subventionen und
      gesamte Wirtschaftszweige entstehen nur um Subventionen abzukassieren.
      Schlicht zu verödende Subventions-Krampfadern entstehen
      in unserem Wirtschaftssystem.
      Andere Wirtschaftszweige werden dadurch unterdrückt.
      Ein fehlgeleitetes, reines Konsumsystem ist entstanden.

      8. Die Wirtschaft ist besessen von Steuerung/Reglementierung und Überwachung.
      Ein echter Zuwachs zum Sozialprodukt ist nicht erkennbar.
      Der Profit hiervon wird von Rechtsanwälten(und zugehörigem Gewerbe),
      Pädagogik, Verwaltung, Werbung usw. kassiert.
      Das heißt der Wasserkopf bekommt das Geld und der Facharbeiter verarmt.

      9. Die Gehälter entsprechen nicht mehr der Leistung.
      Es kann und darf nicht sein, das ein Bundestagsabgeordneter dank ein
      paar Wahlstimmen mehr Geld kassiert, als ein Chefarzt der Kardiologie.
      Und ein Gesundheitsökonom Bahr hier noch bei der Gehaltsfindung hilft.
      Das betrifft das ganze Gehaltswesen.
      Denn, warum sollte ein HartzIVler für einen Euro Lohn, Kenntnisse und
      Arbeit für 20 Euro einsetzen? Der hat doch auch die Pflicht ökonomisch
      mit seiner Arbeit zu wirtschaften.

      10. Die Anreize im System sind komplett weg.
      Dank abgegriffener Liquidität ( Zwangsversteigerungen,Abgaben,Steuern..)
      nutzt auch die erhöhte Geldumlaufgeschwindigkeit nix mehr.
      Man will keine Steuern? Doch welche Abgaben zahlt man?
      In Monitor(glaub ich ) zeigte man Kanadichtigkeitsprüfungen als
      Zwangsmaßnahmen zur Zwangsfinanzierung von Kommunen.
      Auch eine Art der Besteuerung.
      11. Rettungspakete sichern den Abfluß des Steuergeldes und wer
      nicht bezahlen kann, bekommt einen Teil der Krankenkassenleistung
      privatisiert und evtl. 1 Jahr mehr an Lebensarbeitszeit ( Rentenkürzung).
      Gegenleistung für die geretteten privaten Gelder gibt es nicht.

      12. Und selbst die Ehrenarbeit geht zurück.

      Die Leute haben sich darauf eingerichtet, das jede Innovation entweder
      nur Anderen hilft oder sich evtl. noch gegen den Erfinder richtet.
      Erkennbar hat der Normalo nichts.

      Es mag zwar sein, das der Mindestlohn keine besonderen Wirkungen hat,
      ausser der sozialen Sicherung der Personen, die eine entsprechende
      Leistung erbringen können.
      Aber man hat dann auch die Unterscheidung zwischen Hilfsbedürftigkeit
      und Ausnutzen.
      Wir haben ja immerhin Sozialhilfe und Arbeitslosigkeit zusammengeworfen !
      Warum sollte man jetzt falsch deklarierte Arbeitslosigkeit auch noch
      für den Radikal-Unternehmer fördern, damit er auch den doppelten Gewinn macht?
      Und mit dem Mindestlohn und etwas geregelteren Kündigungsbedingungen
      könnte man evtl. auch wieder Niedriglöhner zu einer Rentenvorsorge
      und auch Partnerschaft mit Kind, begeistern.
      Ohne medialen Zwang auszuüben!

      Aber einen angeblichen Mittelstand auf Kosten des unteren Drittels
      zu stabilisieren, war vielleicht 2007 noch möglich.
      Es wird uns nicht die nächsten 4 Jahre gelingen, das zu probieren.
      Es warten ja noch einige Rettungspakete und die Bankenunion,
      die die Volksseele noch etwas zum Kochen/Verweigern bringen.

      Es wird sicher spannend, wie die Nachfrage mangels Einkommen
      zurückgeht und die Südländer auch nix kaufen.
      Und auch die Verbraucher werden merken, das es meist darum geht,
      minderwertige Ware rel. teuer zu verkaufen.
      Wir werden jede Menge Verbraucherskandale sehen.
      Es wird also ein enormer Kostendruck kommen, der jede
      Menge Produktionskosten-Optimierungen bringen wird.
      Der Lohn wird sinken, die gesundheitsverträglichkeit der Spritzmittel
      zurückgehen, schlicht alle Kosten, die ein Produkt billiger werden lassen.
      Die medizinischen Kosten proportional steigen.
      Im Landfluchtbereich wird das Festhalten am Euro alles kaputtmachen
      und beim Zerfall des Euro 2015 das Ganze noch verschlimmern.
      Der Morgentau-Plan hat dann in Deutschland gewirkt.

      Nur um Zeit zu kaufen bis 2015.

      Ob es das wert ist? Wenn, für wen?
      Bis dahin steht auch der Mittelstand vor dem Ende.
      Der verträgt keine schlecht motivierten Mitarbeiter.
      Viele würden Mindestlohn zahlen, wenn die Konkurrenz
      nicht mit Dumping arbeiten würde.

      Lösungen zum Problem werden wohl nur unter einer teilweisen
      Berücksichtigung dieser und ähnlicher Aspekte laufen müssen.

      Es geht aber auch mit weiteren Austeritätsmaßnahmen und
      mit der Konsequenz, das Niedriglöhner und Arbeitslose das System
      komplett ablehnen.
      Es ist doch schön, wenn das System eine “Leistungsreserve” hat. ;)
      Selbst ein Arbeitsdienst kann keine geistige Leistung abgreifen,
      weil man keinen Maßstab der Bewertung hat.

      Mit der drohenden Leistungreserve und der Arbeitslosigkeit im Süden
      wird es Wohl oder Übel weitere Kürzungen im öffentlichen Dienst und
      Beamtentum geben. Auch nicht schlimm. Wer nix hat, brauch nichts zu bewachen.

      Es wäre mal schön, wenn hier nicht ich, sondern richtige Experten, den
      Break-Even-Point der Austeritätsmaßnahmen so richtig volks- und
      sozialwirtschaftlich analysieren.
      Denn Druck führt auch physikalisch gesehen zu Materialermüdung.
      Volkswirtschaftlicher Druck( Austerität ) verhält sich sicher ähnlich.
      Vielleicht würde eine Analyse es auch etwas erleichtern, dem unteren
      Drittel einen Mindestlohn zu gewähren.

      Gruß klaus

  • Erich - 9. Mai 2013

    Hallo Steffen,
    Mit den Exportüberschüssen gebe ich Dir recht, die produzieren nur uneinbringliche Forderungen. Das wird China auch irgendwann einmal realisieren. Bei uns liegt es doch hauptsächlich an den unrealistischen Wechselkursen des Eurosystems. Da liegt auch meiner Ansicht nach der niedrige Lohnzuwachs deutscher Arbeitnehmer begründet. Es fehlen die Aufwertungsgewinne und die damit verbundenen niedrigeren Importpreise.

    Aber um zu meiner Ausgangsthese zurückzukommen. Wie sollen die deutschen Arbeitnehmer ihren Lohn halten können, wenn China und andere Nationen für die gleiche Arbeit weniger verlangen. Natürlich spielen da die Wechselkurse mit hinein. Aber letztlich geht es doch um Ressourcen. Wenn China für ein Fass Öl mehr Arbeitskraft bietet, dann werden wir doch das Nachsehen haben.

    Und mal davon abgesehen, Kapital ist heute sehr flüchtig. Wenn es den Quants bei uns zu ungemütlich wird, dann verkaufen die eben BMW an einen chinesischen Investor und dann wird’s auch bald keine Steuern mehr geben von dieser Seite. So wie die Fincks sich nach Österreich verzogen haben und hier vermutlich auch keine Steuern mehr bezahlen. So wie sich ja auch in Grossbritannien ein Drittel der Einkommen über eine Million nach der letzten Steuererhöhung ins günstigere Ausland verzogen haben.

    • Traumschau - 9. Mai 2013

      Hallo Erich,
      entschuldige bitte, dass ich mich kurz einmische. Der einzige Weg das von dir dargestellte Problem zu lösen, sind m.E. Importzölle. Die EU ist schon so weit, Importzölle auf Solarpanels aus China zu verhängen. Das ist der viel gescholtene Protektionismus – aber anders geht es m.E. nach nicht.
      Allerdings ist hier auch Heuchelei im Spiel, denn es gibt viele deutsche Unternehmen, die in China billigst produzieren und nach Deutschland einführen und solche Sanktionen nicht fürchten müssen. Tja, alles wie gehabt und hier von Querschüsse bzw. SLE oft diskutiert: Die Macht der Konzerne.
      LG Traumschau

    • Querschuss - 9. Mai 2013

      Hallo Erich,
      du widersprichst dich, die Exportüberschüsse Deutschlands werden heute realisiert, auch wenn Chinas Arbeitskräfte heute billiger sind und früher noch billiger waren. Die hohen Exportüberschüsse implizieren das Arbeitnehmer in Deutschland nicht adäquat am wirtschaftlichen Erfolg partizipieren, wie du selbst einräumst, also sind sogar höhere Löhne drin, das Gegenteil von deiner Ursprungsthese. Das die Überschüsse weitgehend Geldforderungen akkumulieren, die letztlich nicht einbringbar sind, außer sie werden realwirtschaftlich bedient, da sind wir uns einig.

      Übrigens geht BMW immer dahin (investiert), wo Wachstumsmärkte sind, wo man PKWs absetzen und daran verdienen kann. Möchte man das BMW schneller aus Deutschland geht, setzt man Millionen Arbeitnehmer in Deutschland auf 60%. Eine selbsterfüllende Prophezeiung!

      Gruß Steffen

  • Traumschau - 9. Mai 2013

    Ähem, wie wäre es damit?

    http://uhupardo.wordpress.com/2013/05/09/indignados-trollen-bankia/

  • Erich - 10. Mai 2013

    Hallo Steffen,

    Du hast recht, im Augenblick wäre sicher noch Spielraum für Lohnerhöhungen, aber eigentlich müsste Deutschland aufwerten, und viele Euroländer abwerten. Dann hätten die deutschen Arbeitnehmer automatisch mehr in der Tasche.
    Die QE Maßnahmen der ECB und die Rettungsgelder gehen eh nur an die Reichen, die damit ihr Kapital in Sicherheit bringen. Konjunkturprogramme bringen nur etwas, wenn dann nicht wieder nur nutzlose Immobilien und Autobahnen gebaut werden. Strukturprobleme werden da nur selten gelöst.
    Eine direkte Finanzierung von Umschulungen und dergleichen ist ja auch nicht sehr effizient wie wir bei uns im Osten gesehen haben. Vielleicht sind direkte Nahrungsmittel und Medikamenten Verteilungen da noch das beste.
    Bei uns liefern die ECB Maßnahmen völlig verkehrte Impulse, wie man an unserem Immobilienmarkt sieht.

  • Georg Trappe - 11. Mai 2013

    Hallo Herr Dr. Eichner,

    vielen Dank fuer diesen Artikel. Ein sehr interessanter Ansatz dass Thema Mindestlohn im Zusammenhang mit Wettbewerb zu diskutieren, wie ja auch die Resonanz in den Kommentaren zeigt.
    Ich moechte da meine wahrscheinlich exotisch anmutende Sichtweise anfuegen.
    In Deutschland gib es ca 800000 Menschen, die in der Landwirtschaft arbeiten. Das sind etwa 2% der Erwerbstaetigen. Diese 2% erwirtschaften so knapp 1% des BIP und decken damit seit der Wiedervereinigung locker den Bedarf an Nahrungsmitteln in Deutschland. Zwar werden fuer ca 9 Mrd mehr landwirtschaftliche Produkte eingefuehrt als ausgefuehrt, dass liegt aber weniger am Kalorienmangel, als an einem luxurioesen Speisezettel. Getreide, Gemuese, Obst, Fleisch und Milchprodukte werden ausreichend im eigenen Land produziert.
    D.h. 98% der Erwerbstaetigen haben die Haende frei, sich um Dinge zu kuemmern, die nicht der direkten Existenzsicherung dienen. Wenn das nicht das Paradies ist, von dem die Menscheit immer getraeumt hat, was dann? Allerdings wird den Menschen, die diese Glanzleistung vollbringen nur ein Prozent des BIPs gewaehrt. Also grob vereinfacht etwa die Haelfte dessen, was der Durchschnitt der mit anderen Dingen Beschaeftigten erhaelt, womit die durchschnittlichen Einkommen auf Stundenbasis gerechnet, nahe an oder sogar unter das geraten, was in den laufenden Diskussionen als Mindestlohn gehandelt wird.
    Auf jeden Fall finden auch in der Landwirtschaft erhebliche Konzentrationsprozesse statt. Wachsen oder weichen ist das gefluegelte Wort in dieser Branche.
    http://www.zeit.de/wirtschaft/2013-04/landkonzentration-landgrabbing-europa
    Woran liegt das? An zuviel oder zu wenig Wettbewerb? Oder an einer falschen Art von Wettbewerb?
    Um das klar zu kriegen muss man meiner Meinung nach zwei Felder unterscheiden auf die sich Wettbewerb immer bezieht.
    1.)Beitrag zum Projekt Wirtschaft: Produktnutzen, Produktqualitaet, Produktdifferenzierung, Produktwahrnehmung
    2.)Anteil am Ergebnis des Projekt Wirtschaft: Lohn (soll hier auch den Unternehmerlohn umfassen)
    Und dabei wird die entscheidende Schlacht immer im Kopf des Endkunden geschlagen. D.h.
    wenn sie durch einen Vertriebsweg wie dem deutschen Lebensmittelhandel von den Endkunden abgeschnitten sind, dann haben sie keine Chance 1 und 2 zu bestimmen, wenn sie nicht Monopolist sind. Dann erledigen Nestle, EDEKA usw. usf. das fuer sie, mit dem Ergebnis, dass Sie trotz der unbestrittenen Nuetzlichkeit von Nahrungsmitteln und einer guten Produktqualitaet einen unterdurchschnittlichen Lohn fuer ihren Beitrag zum Projekt Wirtschaft erhalten. Das dann irgendwann auch die Motivation in Richtung Qualitaet nachlaesst ist klar. Wenn dann noch Spieler wie die DB o.ae. in den Maerkten fuer Kaffee, Kakao, Getreide, Schweinehaelften etc. versuchen mit ihren Mitteln Profite abzugreifen, dann kann fuer Mindestloehne bei den Erzeugern kein Raum bleiben.
    http://cbs.db.com/new/content/commodities.html
    Dann sind sogar 7,50 Euro Mindestlohn pro Tag, wie in Thailand zuviel. Und es wird lieber in Roboter investiert als in Menschen. Dort arbeiten uebrigens noch 50% der Menschen in der Landwirtschaft, welche aber nur noch 10% zum BIP beitraegt. Was das bei einem BIP pro Kopf von 6000 US$ bedeutet ist leicht abzuschaetzen.
    -
    Ich gebe Ihnen also recht, wenn Sie sagen, dass Mindestloehne nur die Symptome beruehren.
    Das sehen viele Betroffene verstaendlicherweise anders. Das liegt auch daran, dass ueber die Strukturen und ihre Entstehung, die zu diesen Verhaeltnissen fuehren, kaum nachgedacht oder diskutiert wird. Von daher ist Ihr Artikel meiner Meinung nach eine hoch willkommene Bereicherung.

    Viele Gruesse
    Georg Trappe

    • SLE - 11. Mai 2013

      Hallo Herr Trappe,

      vielen Dank für Ihren Beitrag, der die Grundproblematik sehr anschaulich verdeutlicht. Ich stimme Ihnen im Übrigen auch dabei zu, dass die mesietn über diese Strukturen auf den Märkten und in der Wirtschaft nicht nachdenken und sie infolgedessen auch nicht hinterfragen. ich würde sogar noch weitergehen und vermuten, dass sie von den meisten hierzulande gar nicht gesehen werden. Sie sehen nur die Oberfläche und das was sie am Ende der Kette bekommen und dafür bezahlen müssen.

      Da ihnen ob dieser Oberflächlichkeit in der Betrachtung und Bewertung die Vergleichsmaßstäbe verloren gegangen sind – wie kommen Preise zustande und was ist ein realistisches Preis-Leistungsverhältnis -, tappen sie praktisch blind durch die wirtschaftliche Marktrealiät, mal mehr, mal weniger bewusst.

      Es sind dann oft schlicht Zufälle, die viele Menschen auf gewaltige Unstimmigkeiten wenigstens aufmerksam werden lässt, wie z.B. gerade heute durch die Meldung, dass das Bundeskartellamt wegen des Verdachts auf Preisabsprachen Untersuchungen gegen große deutsche Kartoffel- und Zwiebelanbieter eingeleitet hat. Deren Absprachen sollen demnach in den vergangenen Jahren bisweilen zu bis zum Zehnfachen! überhöhten Preisen geführt haben.

      http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/verfahren-gegen-mehrere-unternehmen-das-kartoffel-kartell-1.1670092

      Allerdings wird so etwas auch dann meist nicht hinterfragt und rasch wieder vergessen. Das ist ein ganz zentrales Problem.

      Viele Grüße
      SLE

      • Georg Trappe - 11. Mai 2013

        Das Kartoffel Kartell passt ins Bild. Nicht die Bauern, die allen Grund haetten, haben ein Kartell gebildet, sondern die verarbeitenden Betriebe, die fuer die Discounter und Supermarktketten das Produkt Kartoffel differenzieren, indem sie es in verschiedene Formate schneiden und verpacken.
        Es ist genau das Problem. Und es ist absolut beschaemend, wenn Menschen die mit ihrer Arbeit die Ernaehrung von 100 anderen Menschen sicherstellen fuer diese Arbeit einen Lohn erhalten der weit unter dem Durchschnitt liegt, nur weil ein paar Krawattentraeger sich ihre “Marketingleistung” vergolden lassen. Sie koennen sicher sein, dass die meisten Mitarbeiter in den verarbeitenden Betrieben ebenfalls in der Mindstlohnliga rangieren und es jeweils nur einen engen Kreis um den Geschaeftsfuehrer gibt, der davon profitiert.

  • Georg Trappe - 11. Mai 2013

    Hier noch eine interessante Betrachtung zum Thema aus dem UK:
    http://www.pieria.co.uk/articles/the_financialization_of_labour

    • SLE - 11. Mai 2013

      Danke für den Link. Interessante Seite übrigens!

      Gruß
      SLE

  • Wassili Pappas - 11. Mai 2013

    Lieber Herr Trappe,

    vielen Dank für Ihren Beitrag. Ich nehme diesen zum Anlass, nochmal darzulegen, warum ein allgemeiner Mindestlohn einer positiven Beitrag zur Beschäftigung, Produktion und zum Einkommen leistet. Ich setzt an meinen Beiträgen von weiter oben an. Herr Eichners und Ihr Argument bewegt sich entweder im mirkoökonomischen Raum oder in einem Partialmodell. Wenn wir uns Mindestlöhne in einem makroökonomischen Totalmodell anschauen kann man vielleicht gemeinsam folgende Erkenntnis teilen:

    1) Wenn man, was das der große Verdienst dieses Blog ist, annimmt, dass “nicht die Ressourcen knapp sind, sondern das Geld die Ressourcen knapp hält” sieht man, dass die Gesamtwirtschaft theoretisch denkbar, empirischer der Normalfall, in einem Gleichgewicht bei Unterbeschäftigung sein kann. Der Produktion-Einkommens-Prozess funktioniert auch bei Unterbeschäftigung, siehe die Situation von Irland bis Griechenland.
    Als Ressourcen sehe ich zu allererst die menschliche Kreativität an. Produktion ist letztlich nur eine Transformation von Natur zur Befriedigung von Bedürfnissen. Vereinfacht ausgedrückt stellen unfreiwillig Arbeitslose eine gesamtwirtschaftliche Verschwendung von nicht produzierten Gütern und Dienstleistungen, also die Opportunitätskosten der Unterbeschäftigung dar.
    Die Wertschöpfung bleibt somit unter gegeben Bedingungen hinter ihren Möglichkeiten zurück, weil der Geldvorschuss, also die Kreditvergabe sich an den Angebotsplänen der Unternehmen orientiert. Die Unternehmen sich an der geplanten Nachfrage der Haushalte orientieren. Was geschieht, wenn die Nachfrage garnicht ausreicht alle Menschen zu beschäftigen, die zum herrschenden Lohnsatz arbeiten “wollen”.
    Wie oben angedeutet, besteht aus einer makroökonomischen Perspektive die Ökonomie in ihrer einfachsten Form aus den Sektoren, Unternehmen und Haushalten. Die Aggregation der Unternehmen erfolgt so ähnlich wie die Aggregation aller Unternehmen im Dax. Mann kann vom Dax nicht auf das jeweilige Unternehmen schließen. Die Struktur der Produktion, die Verteilung der
    Kapitaleinkommen etc. steht also nicht im Fokus. In dieser gesamtwirtschaftlichen Perspektive gibt es nur die Arbeits- und Kapitaleinkommen. Die Summe dieser Einkommen muss so hoch sein wie Ausgaben der Unternehmen für die Produktion in Form von Arbeits- und Kapitalkosten. Wie werden die Einkommensarten verteilt?

    2) Jede Tauschtheorie ist letztendlich eine Preistheorie. Und jede Preistheorie ist letztendlich eine Verteilungstheorie. Keynes großer Verdienst ist es doch gerade, das die Verteilung einen erheblichen Einfluss auf die Gesamtnachfrage ausübt. Die Verteilung ist eine maßgebliche Einflussgröße der Nachfrage. In einer Situation von Unterbeschäftigung bestimmt die Nachfrage das Angebot und nicht umgekehrt.

    3) Ich habe bisher noch kein Wort über die Wettbewerbsbedingungen verloren, weil diese zwar implizit wirksam aber durch die Aggregation unsichtbar sind. Ob ich nun ein dynamisches Wettbewerbskonzept der “schöpferischen Zerstörung” nach Schumpeter, oder den Markt als Entdeckungsverfahren nach Hayek oder statische Konzepte bemühe, so haben diese keinen Einfluss auf die makroökonomische Frage des Gleichgewichts bei Unterbeschäftigung oder Ungleichgewichtig ausgedrückt, ist die Nachfrage jemals so groß, dass sie Vollbeschäftigung erzeugt also die Einkommens- und Produktionspläne aller Menschen berücksichtigt werden.
    Jegliche Wettbewerbstheorie ist eine Kategorie der Mikroökonomie. Ob der Zulieferer, der Bauer, von den Molkereien und diese von den Lebensmittelkonzernen qua Marktmacht über den Tisch gezogen werden können ist eine Frage der strukturellen oder sektorallen oder personellen Verteilung der Kapitaleinkommen innerhalb des Aggregats Kapitaleinkommen. Die Summe aller Kapitaleinkommen ändert sich unter sonst gleichen Umständen erstmal nicht. Der Dax kann den gleichen Stand bei teuren VW-Aktien und billigen Telekom-Aktien wie auch umgekehrt aufweisen.
    Der weiter von SLE vorgebrachte Aspekt der Innovation und Entwertung von Kapital ist für das oben beschrieben Phänomen auch erst mal unerheblich. Eine Schumpeterökonomie verteilt die Gewinneinkommen nur um. Alte Industrien bekommen weniger als neue. Ein innovationsfördernder Wettbewerb wird sicherlich die Produktivität steigern, aber das heilt nicht das Problem der verteilungsbedingten zu geringen Nachfrage. Es werden einfach nur weniger produktivere durch produktive Techniken ersetzt. Woher soll da mehr Nachfrage kommen. siehe weiter oben meine Ausführungen. Monopolrenten durch mehr Wettbewerb führt ja gerade in die Richtung Einkommen umzuverteilen, was die Nachfrage erhöht, wenn die es bekommen die mit diesem Geld auch mehr Konsumgüter nachfragen würden.

    Die Herleitung der Verteilungsirkung von Mindestlöhnen siehe bitte weiter oben.

    Mit solidarischem und herzlichen Gruß

    Rembetis

    • SLE - 11. Mai 2013

      Hallo Rembetis,

      ich bin zwar nicht direkt angesprochen, aber in Ihrem Kommentar gehen Sie ausführlich auf meine Einwürfe ein, deswegen erlaube ich mir, zu antworten und die zentrale Frage, die sich für mich aus Ihren Ausführungen ergibt, ist die Folgend: Ist denn das Problem der dysfunktionalen Einkommens- und Vermögensverteilung wirklich ein makroökonomisches?

      Sie setzen das voraus, ebenso wie sie auch voraussetzen, dass Markt- bzw. Wettbewerbsprozesse effizient sind. Gerade die Finanzmarktkrise hat doch aber aufgezeigt – wie auch eine ganze Reihe angesehener Ökonomen zugegeben hatte -, dass es sich nicht so verhält und unsere altbewährten makroökonomischen Theorien gravierende Schwächen bzw. Defizite aufweisen und deswegen die Relaität äußerst unzureichend erklären zu helfen vermögen. Ich will damit, wie ich betonen möchte, keineswegs sagen, dass das alles unbrauchbar geworden ist. Keineswegs. Die mikroökonomische Fundierung der makrökonomischen Ansätze ist doch aber ein großes Problem und sie gehen leichter Hand darüber sowie über die grundlegenden Schwächen der Erklärungsansätze hinweg. Meines Erachtens geht es hier um (wirtschafts- und) marktstrukturelle Probleme. Das scheinen Sie anders zu sehen.

      Viele Grüße
      SLE

    • Georg Trappe - 12. Mai 2013

      Hallo Herr Pappas,

      schoen mal wieder von Ihnen zu hoeren. Um es vorab klar zu stellen, ich habe mich nicht gegen Mindestloehne ausgesprochen. SLE habe ich so auch nicht verstanden. Vielmehr glaube ich, dass die aktuelle Bewertung menschlicher Arbeit durch “die Maerkte” zu vollkommen untragbaren Verhaeltnissen fuehrt. Ich denke das sieht SLE sehr aehnlich. Seinen Hinweis darauf, dass Wettbewerb auf der einen Seite methodisch ausgeschaltet wird, waehrend er auf der anderen Seite dazu fuehrt, dass Loehne z.T. auch Unternehmerloehne (siehe mein Beispiel oben) in Bereichen die die Existenzgrundlage liefern, ruinoes verfallen,
      halte ich ebenfalls fuer mehr als angebracht.
      -
      Ihre Argumentation fuer Mindestloehne kann ich nachvollziehen. Aber wie Sie vielleicht wissen, hege ich massive Zweifel an den bestehenden makrooekonomischen Gleichgewichtstheorien.
      Von daher bezweifle ich auch, das Mindestloehne die tieferliegenden Ursachen fuer die Probleme adressieren. Denn diese kommen in den gaengigen Theorien schlichtweg nicht vor.
      Es wird mit aggregierten Groessen gearbeitet und so getan, als ob es egal waere, wie z.B. Einkommen verteilt sind. Es wird so getan als sei es egal, ob viele 1000, 100,oder 1 bis 2 Unternehmen das BIP generieren. Damit entgeht den klassischen Ansaetzen das, was meiner Meinung nach eine der tieferen Ursachen der Krise ist. Von daher stehe ich Loesungsvorschlaegen, die sich auf diesen Theorien abstuetzen skeptisch gegenueber.
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      Die Mainstream Wirtschaftswissenschaften betrachten die Wirtschaft als ein gleichgewichtsnahes System, das aus sich heraus zum Gleichgewicht tendiert. Das geht auf einen Moechtegern-Ingenieur mit dem namen Walrass zurueck, der sein Ingenieurstudium nach wenigen Semestern abgebrochen hat und dann meinte, er muesse die Sachen, die er dort nicht verstanden hat, auf Oekonomie anwenden. Walrass war ein Zeitgenosse Ludwig Boltzmann’s, der mit seiner statistischen Mechanik die Thermodynamik vollkommen neu aufgestellt hat und so die theoretische Physik enorm vorwaerts gebracht hat. Man kann vereinfacht sagen sein Werk hat die Bruecke zwischen Makro und Mikro in der Physik geschlagen. Das diese Konzepte zu Walrass Zeiten hoch im Kurs standen und es einen verlockenden Versuch wert war, diese Konzepte auf Wirtschaft zu uebertragen, kann man noch leicht nachvollziehen. Aber dieser Versuch musste schief gehen.
      -
      Wenn Sie ein geschlossenes isoliertes System bestehend aus einem wuerfelfoermigen Behaelter gefuellt mit Gas nehmen und diesen bei Laborbedingungen (25C, 1000hPa) untersuchen, dann werden Sie diese Temperatur und diesen Druck in jedem noch so kleinen Volumenelement messen koennen. D.h. die Makroskopischen Zustandsgroessen Temperatur und Druck sind im Behaelter gleichmaessig. Man sagt das System ist im Gleichgewicht. Wenn Sie nun die Isolierung der Unterseite entfernen und durch eine Heizplatte ersetzen, die Sie thermostatisch auf eine Temperatur von 50C erhitzen, geraet dieses System zunaechst aus dem Gleichgewicht. Die Gasatome in der naehe der Heizplatte werden heisser und beginnen aufzusteigen. Sie verdraengen dabei Gasatome aus den oberen Schichten, die nach unten fliessen um dann dort auch aufgeheizt zu werden. Wenn Sie waehrend dieses Vorgangs Temperatur und Druck an verschiedenen Stellen im Behaelter messen, werden sie unterschiedliche Ergebnisse erhalten. Diese werden sich auch ueber Zeit stetig aendern. Es bilden sich Gradienten aus, die zunaechst steil sind um dann wieder zu verflachen. Nach einer gewissen Zeit ist dieser Vorgang aber abgeschlossen und es wird im Behaelter eine gleichmaessige Temperatur von 50C und ein gleichmaessiger erhoehter Druck herrschen. Das System ist wieder im Gleichgewicht und durch die makroskopischen Zustandsgroessen Temperatur und Druck zutreffend beschrieben. Die Mainstream Wirtschaftswissenschaften behaupten nun, das sich Wirtschaft genauso verhaelt. Es gibt externe Schocks, die wie eine Erhoehung der Temperatur der Heizplatte wirken und dann durchlaeuft die Wirtschaft aus sich heraus einen Anpassungsvorgang, der in einem neuen Gleichgewicht endet.
      -
      Wenn man nun das Experiment dahin gehend abaendert, das man nicht nur eine Heizplatte am Boden des Behaelters installiert sondern auch eine Kuehlplatte am Deckel des Behaelters und die Temperaturen so einstellt, dass die Heizplatte unten 50 C hat und die Kuehlplatte oben 0C, dann wird das System bestehend aus einer Unzahl von Gasatomen von einem stetigen Energiestrom durchflossen. Es bildet sich ein Temperatur Gradient aus und die Gasatome bilden eine Stroemung aus, die so die Energie von Heiss nach Kalt transportiert. Erst sieht es sehr aehnlich aus wie im ersten Experiment aber dann ensteht Konvektion und ein komplexe Dynamik, die mit makroskopischen Zustandsgroessen, wie Temperatur und Druck alleine nicht mehr zutreffend zu beschreiben ist. Es wird zwar eine Durchschnittstemperatur und ein Durchschnittsdruck angebar sein, aber die raeumliche und zeitliche Verteilung von Temperatur und Druck wird alles andere als homogen sein. Es gibt sogar Faelle (Benard Experiment), wo spontan zwischen ungeordneter brownscher Bewegung und geordnet erscheinenden Konvektionsmustern umgeschaltet wird. Spaetestens hier bricht die Vorhersagekraft der statistischen Mechanik vollkommen zusammen. Es gibt meines Wissens nach bis heute kein Modell, was diese Vorgaenge durchgaengig beschreibt und erklaert.
      -
      Wenn man nun beobachtet, dass sich in der Wirtschaft ueber Zeit Gradienten etablieren, die zu zunehmend rechtsschiefen Verteilungen von Vermoegen und Einkommen fuehren. Wenn man wahr nimmt, das Geld- und Warenkreislaeufe nicht nur abrupt abbrechen koennen sondern sich Muster ausbilden, die zur Akkumulation auf der einen Seite und zur Verarmung auf der anderen Seite fuehren, obwohl mehr als genug fuer Alle vorhanden ist, dann muss man sich schon fragen, was ist den in dieser sog. gleichgewichtsnahen Wirtschaft ueberhaut noch im Gleichgewicht. Oder handelt es sich doch eher um ein System, das permanet durch etwas aehnlich einem Energiestrom aus dem Gleichgewicht heraus getrieben wird und so eine Entwicklung durchlaeuft, die mit makroskopischen Groessen so nicht ohne weiteres zu erfassen ist?
      -
      Ich weiss, dass ich mit dieser Fragestellung ein riesen Fass auf mache und so jede Diskussion auf Basis der bestehenden Theorien in Frage stelle. Trotzdem halte ich es nach fuenf Jahren ohne Ergebnis fuer angebracht, mal darueber nachzudenken, ob man das bestehende Theoriegebaeude fuer eine wirkliche Loesungsfindung nicht verlassen muss.
      Mir erscheint es vollkommen logisch, dass ein Finanzsystem instabil werden muss, wenn ein immer steiler werdender Gradient dafuer sorgt, dass sich die Gelder immer mehr in den Haenden weniger konzentrieren. Mir erscheint es auch logisch, dass eine Wirtschaft die von Grossbanken und Grosskonzernen dominiert wird Gefahr laeuft sich wie eine Planwirtschaft zu verhalten und so riesige Fehlallokationen hervor bringt. Mir erscheint es auch logisch, dass eine Wirtschaftspolitik, die ein immer staerkeres Auseinanderdriften von Median und Mean bei den Einkommen und Vermoegen bewirkt, ihre Legitimation verliert. Das dumme ist nur im Rahmen der bestehenden Theorien kommt soetwas garnicht vor. Die beobachtbare Realitaet ist per Definition nicht vorhanden und daher auf Basis dieser Theorien garnicht sinnvoll diskutierbar. Das grenzt dann oft schon ans Absurde. Wobei ich damit nicht Ihren Ansatz meine, der ja nur versucht die Leute da abzuholen, wo sie sind. Man kann natuerlich sagen, dass die letzten dreissig Jahre einen Gradienten im steiler aufgerichtet haben, an dem die Wirtschaft von einem Gleichgewicht mit Unterbeschaeftigung zum naechsten rutscht. Was aber treibt die Aufrichtung dieses Gradienten an? Und was kann man tun um dies zu bremsen?
      Mein Stand ist der, dass die Spreizung der erzielbaren Renditen, egal ob aus Arbeit oder Kapital, den Gradienten aufrichten. D.h. wenn ein Herr Ackermann 25% aufs Eigenkapital fordert und erzielt, dann muessen Arbeiter ein entsprechenden Lohn einfordern und durchsetzen koennen. Wenn ein Herr Zetsche das 3000fache eines zum Mindestlohn arbeitenden Daimler Mitarbeiter realisieren kann und das ueber viele Jahre in Folge ohne jedes Risiko des geringsten Verlusts fuer ihn, dann muss es zwangslaeufig zu diesen Entwicklungen inkl. Instabilitaet im Finanzsystem kommen. Das ist mathematisch nachweisbar und logisch zwingend. Wenn dann noch ein grosser teil der Steuern ueber Verbrauchssteurn erhoben werden, die den Offset dessen, was nicht reinvestiert werden kann erhoehen, dann kann die Masse der Arbeitnehmer niemals nennenswertes Vermoegen bilden.
      Auch das ergibt sich aus einem entsprechenden Modell. Wenn kleine und junge Unternehmen die gleichen regulatorischen/buerokratischen Auflagen erfuellen muessen wie ein Grosskonzern im gleichen Geschaeftsfeld, dann koennen keine innovativen Ideen hoch kommen. Wenn es dann doch einer schafft und der im ueblichgewordenen und durch Grossbanken betriebenen M&A Zirkus in den Haenden eines Grossen landet, dann war es schon wieder nichts. Usw. usf.

      Viele Gruesse
      Georg Trappe

      • Georg Trappe - 12. Mai 2013

        Beim Zetsche ist eine Null zuviel rein gerutscht. Es muss heissen, das 300fache.

      • Georg Trappe - 12. Mai 2013

        Und hier noch einer, der es dann hoffentlich endgueltig deutlich macht, was die vorherrschende Denke ist:
        “„Grundsätzlich hat Europa zu viele Banken“, stellte Fitschen fest. Dass sich in Deutschland aktuell etliche Institute auf den Mittelstand als lukrative Kundschaft stürzen, berge „die Gefahr eines exzessiven Wettbewerbs“. Banken müssten insgesamt mehr auf Kosteneffizienz achten, befand Fitschen: „Es wird nicht zu vermeiden sein, dass in einigen Bereichen weniger Personal benötigt wird.“”
        http://www.focus.de/finanzen/news/banken-fitschen-billiges-zentralbankgeld-ist-nicht-gesund_aid_987040.html

  • Huthmann - 11. Mai 2013

    Hallo SLE,

    evl. ist war es ja die Globalisierung, die es Wettbewerbern auf Oligopol-Weltmärkten ermöglicht hat, nachhaltig Gewinne bei gleichzeitigem Preisverfall zu erzlelen. Ich erinnere an die ersten Cost-Cutting-Versuche im Einkauf bei VW durch Lopez (so hieß er glaube ich). Durch das Wegbrechen der Mauer zum Kommunismus, dem Eintritt von China in den Weltmarkt, der Entwicklung weltweiter Informationssysteme für Kommunikation und Austausch konnte somit ggf. die Produktivitätsreserve “billigere” Löhne in anderen Ländern von diesen Firmen peu à peu gehoben werden. Und daß diese globale Champions bei der Hebung dieses Produktivitätsschatzes von ihren Regierungen unterstützt wurden, ist nachvollziebar.

    Wenn nun hier nichts mehr zu holen ist, ja diesen globalen Champions Wettbewerb aus diesen Ländern sogar erwächst, dann wird es interessant zu sein, wie sich diese Firmen weiterentwickeln. Ggf. werden sie sich auf Kernkompetenzen zurück”bauen” müssen. Möglicherweise geht es jetzt eher in die andere Richtung. Wenn man z.B. französische Wasserversorger, etc. ansieht, dann ist der Fall. Sie kommen langsam zurück aus den ehemaligen Entwicklungsländern und müssen sich neue Geschäftszwecke suchen.

    Ggf. sollte man (wieder) einmal die sogeannten Hidden Champions des deutschen global aufgestellten Mittelstandes anschauen. Hier, behaupte ich, gibt es eine klare Orientierung an ständiger Produktverbesserung auch über die von Ihnen beschriebenen Facharbeiter, die langfristig gebunden sind ans Unternehmen. Hier gibt es auch einen hohen Anteil von eigener Forschung. Meines Wissen gibt es von Simon auch ein Buch über diese verborgenen Mittelstandsstars. Sollte man sich einmal anschauen.

    MfG

    • SLE - 11. Mai 2013

      Hallo Herr Huthmann,

      das sehe ich auch so. Und ja, José Ignacio López hat den Kostensenkungswettlauf Anfang der 90er Jahre in eine neue Dimension geführt, als er bei den VW-Zulieferern schlagartig Preisreduzierungen von 30 Prozent durchsetzte, andere Hersteller (u.a. Mercedes) nachzogen und dann jahrelang mit massiven Qualitätsproblemen zu kämpfen hatten.

      Viele Grüße
      SLE

    • Basisdemokrat - 11. Mai 2013

      @ all
      “Ggf. sollte man (wieder) einmal die sogeannten Hidden Champions des deutschen global aufgestellten Mittelstandes anschauen. Hier, behaupte ich, gibt es eine klare Orientierung an ständiger Produktverbesserung…”

      Schnuppere ich ein bisschen in die Welt von BlackRock &Co., komme ich mir mit meiner Forderung nach fairem Wettbewerb innerhalb eines demokratisch definierten flexiblen Rahmens manchmal vor, als ob von einer imaginären kosmischen Plattform der Milliardäre dröhnendes Gelächter erschallt, ob dieser naiven Vorstellung.

      Bei aller Bewunderung der Innovationskraft und Leistungsfähigkeit der ” Hidden Champions”
      läuft denen schon das Wasser im Munde zusammen, wären sie mit zärtlich liebendem Habichtsblick deren Fleiß und Tüchtigkeit begleiten.

      Die Frage ist: Wie kann man den gnadenlosen Informationsvorsprung der Hedgefonds unterbinden?

      Sie kaufen zusammen mit ihren Tochtergesellschaften Billionen an Aktien und Unternehmensbeteiligungen gut gestreut über den ganzen Globus, die sie im raschen Wechsel, auf Grund ihres Insiderwissens gewinnbringend verhökern. Mit Dividenden ist ja nicht mehr soviel Gewinn wie ehemals zu machen. Sie finanzieren Denkfabriken auf allerhöchstem Niveau, die hinterfragen, wie die Welt in 10, 20 Jahren aussehen könnte und welche Gewinnoptionen sich ihnen bieten könnten.
      Dieses Insiderwissen, auf Grund ihrer Beteiligungen, müsste öffentlich gemacht werden, was allerdings jede Investition in Forschung und Entwicklung zu einem unkalkulierbaren Risiko machen würde.

      Frage an Radio Eriwan: Ist es besser mich für die Ausbildung meiner Kinder zu Verschulden, oder soll ich lieber gleich eine Landkommune aufmachen?

      Gruß
      BD