Die ständige Mär vom deutschen Konsumboom

von am 25. Oktober 2011 in Allgemein

Manche Legenden werden immer wieder neu aufgefrischt, so heute bei SPON: “Deutsche kaufen gegen die Krise an”, bezugnehmend auf den Anstieg des Gfk-Konsumklimaindex von +0,1 Punkten auf 5,3 Indexpunkte für November 2011. Beim Gfk-Konsumklimaindex handelt es sich um einen Stimmungsindikator der Verbraucher, ermittelt bei einer Umfrage bei 2000 Konsumenten. Schon anhand dieses Umstandes ist fragwürdig, ob ein Stimmungsindikator (Meinungsbekundung) überhaupt solche Interpretationen zulässt: “…denn die konsumieren trotz düsterer Wirtschaftsnachrichten munter weiter und stützen so die heimische Konjunktur.” Die harten belastbaren Daten stützen diese These nicht.

Die Entwicklung des Gfk-Konsumklimaindex seit Januar 2006 im Chart. Der Gfk-Index stieg für November 2011 auf 5,3 Punkte, nach 5,2 Punkten im Oktober und nach 5,2 Indexpunkten im November 2010.

Die Entwicklung der Saison- und kalenderbereinigten realen Einzelhandelsumsätze (ohne KFZ-Handel) seit Januar 1994 bis August 2011 im Chart. Die saisonbereinigten realen Einzelhandelsumsätze sanken nach den letzten verfügbaren Daten aus August 2011 um -2,9% zum Vormonat, auf 97,0 Indexpunkten, nach 99,9 Punkten im Juli 2011. Der Langfristchart seit Datenerhebung im Januar 1994 zeigt, selbst im August 2011, lange 18 Jahre nach dem Beginn der Datenreihe, liegen die realen saisonbereinigten Umsätze noch um -3,6% unter dem durchschnittlichen monatlichen Niveau von 1994 und unter dem langfristigen monatlichen Durchschnitt von Januar 1994 bis August 2011 mit 99,2 Indexpunkten! 

Auch das Statistische Bundesamt ist sich nicht zu schade punktuelle Beschönigungen der Datenreihe vorzunehmen. Denn der Spike im Juni 2011, wurde weder von der Bewegung beim Konsumklimaindex noch den Umsatzsteuereinnahmen des Staates flankiert, sondern war sehr wahrscheinlich nur der Änderung des Berichtskreises geschuldet war, wo 33 % der Unternehmen in den Repräsentativschichten der Stichprobe gegen neue Unternehmen ausgetauscht wurden, siehe Pressemitteilung von Destatis . Trotzdem ist die Aussage der gesamten Datenreihe verheerend, der reale Umsatz im Einzelhandel verharrt nach Abzug des Anstieges der offiziellen Verbraucherpreise und der Bereinigung der saisonalen Effekte auf einem Stand der Stagnation und der leichten Schrumpfung seit 1994, dem Beginn der Datenreihe.

Die Einzelhandelsumsätze (ohne KFZ-Handel) inklusive dem Versand- und Internet-Einzelhandel machen knapp 30% der privaten Konsumausgaben aus und zeichnen am verlässlichsten das aktuelle Konsumverhalten der privaten Haushalte nach. Mit knapp über 20% der privaten Konsumausgaben folgen die Ausgaben für Mieten von Wohnungen und Häusern inkl. dem Miet-Äquivalent von Eigentümern, diese Ausgaben sind aber relativ unelastisch und nicht aussagefähig in Punkto Konsumverhalten. Der KFZ-Handel, Instandhaltung, Reparatur und die Ausgaben an den Tankstellen tragen zu knapp 10% der Konsumausgaben der privaten Haushalte bei.

Einen ungefilterten Eindruck zum deutschen Konsum bieten auch die nominalen Umsatzsteuereinnahmen des Staates:

Die Entwicklung der nominalen Einnahmen aus der Umsatzsteuer gemäß den Quartalsdaten seit Q1 2000 bis Q2 2011. Im 2. Quartal 2011 sanken die Umsatzsteuereinahmen um -6,9% zum Vorquartal auf 33,082 Mrd. Euro. Dies war das schwächste Quartal seit Q3 2008 und dahinter steckt alles andere als ein Konsumwunder, sondern real Stagnation und Schwäche.

Bei der Entwicklung der Daten zum Umsatzsteueraufkommen über den längeren Zeitraum muss man die Erhöhung der Umsatzsteuer (Mehrwertsteuer) zum 1. Januar 2007 von 16% auf 19% beachten und das die gesamte Datenreihe die nominale Umsatzsteuereinnahmen reflektiert, also auch die Effekte aus den Preissteigerungen enthalten.

Noch der Blick auf die monatlichen Daten seit Januar 2008 bis August 2011 beim nominalen Umsatzsteueraufkommen:

Im August 2011 sanken die Umsatzsteuereinnahmen des Staates um -0,2% zum Vorjahresmonat auf 11,683 Mrd. Euro. Von Konsumboom ist selbst bei den nominalen Umsatzsteuereinnahmen keine Spur, sondern eher von Stagnation.

Noch ein Blick auf die Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung und den darin enthaltenen realen privaten Konsumausgaben, auch diese Daten verdeutlichen eine latente Schwäche und nicht einen Boom:

Die realen saison- und kalenderbereinigte Konsumausgaben der privaten Haushalte seit Q1 2000 bis Q2 2011 (2005=100) im Chart. In Q2 2011 sanken die realen Konsumausgaben um -0,7% zum Vorquartal. Was zeigen uns diese Daten, seit dem Jahr 2000 bis Q2 2011, der reale private Konsum ist um “sagenhafte” +4,31% gestiegen.

Wie einseitig orientiert das deutsche Wirtschaftsmodell grundsätzlich aufgestellt ist, zeigt auch diese lange Datenreihe:

Die Entwicklung der realen Arbeitnehmerentgelte (grün), des realen Exportvolumens (rot) und der realen privaten Konsumausgaben der privaten Haushalte (blau) von Q1 2000 bis Q2 2011, alle Daten saisonbereinigt (Jahr 2000=100). Während die realen Exporte seit 2000 bis Q2 2011 um +79,49% stiegen, gab es bei den realen privaten Konsumausgaben einen lauen Anstieg von +4,31% und die realen Arbeitnehmerentgelten lagen sogar immer noch um -0,36% unter dem Niveau von 2000! 

Quellen Daten: Gfk.com/Pressemitteilung: Konsumklima legt leicht zu, Genesis.destatis.de/Datenbank VGR, Bundesbank.de/Monatsberichte

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32 KommentareKommentieren

  • MagnaBavaria - 25. Oktober 2011

    Danke für den Artikel Steffen, beim letzten Chart bleibt mir die Luft weg…
    Der widerlegt nämlich gleich die nächste Mär “Der Aufschwung kommt bei den Arbeitnehmern an”

  • Pewi - 25. Oktober 2011

    Man kann das jeden Monat so ungefähr ab 2./3. Woche in unserem Einkaufscenter beobachten. Fast alle Läden – gähnende Leere, wo sie sowieso nur recht selten zahlende Kundschaft haben. Im 1-Euro-Laden – dort ist noch Betrieb, wenn man vom Lebensmitteldiscounter absieht. Am Anfang des Monats werden dann die bescheidenen Einkäufe getätigt, wenn Rente und Sozialleistungen wieder auf den Konten abrufbereit sind.

    • Tom - 25. Oktober 2011

      … das beobachte ich mittlerweile auch… ich versuche diesen auch meinen “subjektiven” eindruck in zahlenmaterial zu bringen… was sich etwas schwierig gestaltet, da mich politisches bla bla nicht interessiert.

      wenn ich glück habe kriege ich demnächst “neutralisiertes” zahlematerial 2er großer unternehmen, einzelhandel (lebensmittel, und kosmetik…direkt aus den datacubes) worin sich das ggf. wiederspiegelt… oder nicht.

      mal schauen…

  • Quest - 25. Oktober 2011

    Bitte beachten Sie, dass der Unverdrossenheitsindex nur in Verbindung mit dem Verdrossenheitsindex des Vorquartals beurteilt werden kann. Zum Lenkungsinstrument wird er durch Rühren bzw. Quirlen bei der mittleren Tagestemperatur im April.

    @ Herrn Magna aus Bavaria

    Die Aussage: “Der Aufschwung kommt bei den MENSCHEN an” stammt aus einem Faltblatt, das mir die Bundesregierung zugesandt hat. Bei den MENSCHEN. Es ist Ihre Sache, wenn Sie Arbeitnehmer sind. Immer diese Nehmer! Was nehmen Sie sich heraus!

  • John Fystikis - 25. Oktober 2011

    Gerade bei der letzten Grafik stellt sich doch die Frage: Für wen wirtschaften wir? Insofern kann der SPON-Artikel nur Propaganda sein. Das ist jedenfalls meine Schlussfolgerung aus vielen Querschüsse-Artikeln. Danke für die Aufklärung! Ich versuche sie zu verbreiten.

  • M.E. - 25. Oktober 2011

    Ja Quest,
    diese Arbeitnehmer nehmen den Arbeitgebern die ganze Arbeit weg.
    Und der Konsumgeilheitsindex in Gottes eigenem Land ist auch noch abgestürzt, auf ein 2-Jahres-Tief. Ich bin dafür, Konsumgeilheit gesetzlich anzuordnen, am besten im Grundgesetz. Konsumzurückhaltung gefährdet die freiheitlich-demokratische Grundordnung uns ist insofern verfassungsfeindlich.

  • alt-shift-x - 25. Oktober 2011

    Wenn ich schon GfK lese kriege ich nen Affen, da weiss ich aus erster Hand, dass die Umfragen den Auftraggebern genehm “angepasst” werden. Wer bezahlt diese Studie? Und warum streut man solchen Mist wie den Konsumklimaindex überhaupt als Indikator für irgendwas unters Volk? Man muss sich darüber hinaus auch fragen, wie unreflektiert der Spiegel mittlerweile geworden ist, wenn er statt die GfK Zahlen auseinander zu nehmen die übliche Propaganda von Superstimmung und niedrigen Arbeitslosenzahlen ins Netz ergiesst … die sollten lieber mal den Hebel des EFSF erklären und die First Loss Regel und was weiss ich was … da kann ich ja gleich die WELT oder den Locus und anderen Axel Springer bzw. Burda Bullshit lesen. Ich weiss das ist jetzt total offtopic aber ich finde es immer wieder erschreckend wie wenig die meisten Leute über die Quellen die sie so benutzen und konsumieren wissen. Kaum jemand kennt die jeweilige Agenda der entsprechenden Mediaoutlets oder welche Zeitung wem und welcher Sender zu was gehört.

  • Appaloosa - 25. Oktober 2011

    @M.E: Darüber hinaus bin ich für ein GG, dass die Kursmanipulation von Aktien und Bonds nach oben (siehe z.b. heute) festschreibt.

  • Joe der Leiharbeiter - 25. Oktober 2011

    Wer die deutsche Mär nicht glaubt, sollte auch die chinesische Mär nicht glauben, denn:

    1. Chinas Schattenbanken geraten gefährlich ins Wanken. In China werden Milliarden an schwarzen Krediten vergeben, bis zu zehn Prozent des BIP. Experten zufolge kann das nicht mehr lange gut gehen.

    http://www.welt.de/finanzen/article13673750/Chinas-Schattenbanken-geraten-gefaehrlich-ins-Wanken.html

    2. Kindstod zeigt Chinas moralischen Untergang. China ist entsetzt über Passanten, die ein verletztes Kind auf der Straße liegen ließen. Erst eine Müllsammlerin zeigte Erbarmen. Die Zweijährige ist nun gestorben.

    http://www.welt.de/vermischtes/weltgeschehen/article13673431/Kindstod-zeigt-Chinas-moralischen-Untergang.html

    3. Der Zusammenbruch chinesischer Privatunternehmen: Chinesische Privatunternehmen können kaum noch Kredite erhalten oder zurückzahlen. In der Stadt Wenzhou in der Provinz Zhejiang kam es in den letzten Monaten immer häufiger zu gewalttätiger Schuldeneintreibung, Flucht von Unternehmern und Selbstmord.

    Die Schwierigkeiten der chinesischen Privatunternehmen sind in China flächendeckend zu beobachten, besonders auffällig aber in Shanghai, Wenzhou und Dongyuan.

    http://www.epochtimes.de/788254_der-zusammenbruch-chinesischer-privatunternehmen.html

    • o.ä. - 25. Oktober 2011

      Was meinen Sie, wieviele Menschen hier nicht erste Hilfe leisten, wenn sie schwere Unfälle beobachten. Den moralischen Untergang finden Sie überall.

    • Querschuss - 25. Oktober 2011

      Hallo Joe,
      hast deinen Vorsatz nicht mehr zu kommentieren bis zum Crash in China aber schnell aufgegeben…., kleiner Spaß!

      10% des BIPs, wären knapp 600 Mrd. Dollar, sehr gewagte Größenordnung für einen schwarzen Kapitalmarkt oder eben für die Widerstandskraft der chinesischen Wirtschaft, die solche Verwerfungen wegzustecken scheint?

      Moralische Tiefflüge der Menschen sind kein Alleinstellungsmerkmal Chinas.

      zu. 3,
      umso erstaunlicher das der HSBC PMI für China trotzdem gestiegen ist, da dieser gerade kleinere Firmen bei der Befragung im Fokus hat.

      Eigentlich habe ich wenig Bock China zu verteidigen, aber die hier angebrachten Verwerfungen sind nicht geeignet Chinas wirtschaftliche Situation in der Gänze zu zeichnen. Sicher gibt es immense Gefahren, aber China steht in der Summe unbestreitbar solider da, als die Eurozone und die USA, aber ich wiederhole mich.

      Noch am Rande erwähnt, Chinas Währungsreserven lagen bei 3,20168 Billionen Dollar Ende September und betrugen 81% der gesamten Aktiva der chinesischen Zentralbank. Die Währungsreserven der Bundesbank betragen nur noch 26,7% der Gesamt-Aktiva, dafür aber 59,3% die Target2 Position. Und die Bilanz der Buba ist im Vergleich zur Südperipherie noch gut. Wie man es auch dreht und wendet, die wirklichen belastbaren Daten zeigen ein anderes Bild als Du sehen möchtest. Zugegeben enthalten die offiziellen Daten Schönungspotential, aber dies beinhalten die US-Zahlen auch.

      Gruß Steffen

  • Joe der Leiharbeiter - 25. Oktober 2011

    Die Grafik über “die Entwicklung der realen Arbeitnehmerentgelte” täuscht insofern, als sie die Bevölkerung als ganzes nicht gleichmässig betrifft. Tatsächlich sind das Einkommen in der Privatwirtschaft gefallen, während es für Edel-Angestellte in der Wirtschaft durchaus deutlich gestiegen ist und der konstante Anstieg der Gehälter der Staatsangestellten konstant gestiegen ist. Bestimmte Bevölkerungsgruppen haben daher durchaus vom “Boom” profitiert,während andere abgeschmiert sind. Vor allem die Beamtengruppe ist, wie inGriechenland, eine grosse Last und erzwingt weiter Lohnkürzungen im privatenBereich.

  • SLGramann - 25. Oktober 2011

    @alt-shift-x, volle Zustimmung! Es wäre ja ein Leichtes für unsere “Qualitätsjournalistik” diesen Propaganda-Mist mit den Stimmungsindikatoren mal mit den realen Daten zu vergleichen. Steffen bekommt das mit unendlich viel geringeren Ressourcen ja auch hin. Woran liegts? Ich gehe mittlerweile davon aus, dass es sich um mehr als nur Desinteresse und schlampige Arbeit handelt. Die Medienindustrie gehört eben zum System, lebt gut mit und von ihm. Die tun kritisch, transportieren aber nur Klatsch und Tratsch über zweitrangige Personalintrigen. Ablenkung, Desinformation und systemkonforme Meinungsmache sind die Hauptbestandteile der journalistischen Arbeit. Lediglich die FAZ nehme ich da teilweise aus.

    • alt-shift-x - 26. Oktober 2011

      In dem Zusammenhang empfehle ich auch mal sich Alternativlos Folge 20 an zu hören da spricht Herr Schirrmacher (FAZ) auch mal kurz darüber, wie er versucht hat den Bundestrojaner in Talkshows zu platzieren und mit dem Argument “das wäre zu kompliziert” abgewiesen wurde. wie kann man von solchen Medien erwarten, dass sie den Bürger anständig über die Zusammenhänge der Krise aufklären? Um so wichtiger und unverzichtbarer ist die Aufgabe die Steffen hier in seinem Blog übernimmt, man kann das gar nicht hoch genug loben.

  • bronko - 25. Oktober 2011

    @John Fystikis
    “Gerade bei der letzten Grafik stellt sich doch die Frage: Für wen wirtschaften wir? Insofern kann der SPON-Artikel nur Propaganda sein. Das ist jedenfalls meine Schlussfolgerung aus vielen Querschüsse-Artikeln. Danke für die Aufklärung! Ich versuche sie zu verbreiten.”

    Und dazu noch die Story, Deutschland profitiere so sehr vom Euro, wer ist dieser D. Schland eigentlich von dem die immer reden.

  • M.U. - 25. Oktober 2011

    @Pewi
    Fast alle Läden – gähnende Leere
    Meine Lebensgefährtin, Kassiererin bei einer großen Supermarktkette, nennt es Totentanz. So jeweils zum Monatsende zu beobachten.

  • hunsrückbäueerlein - 25. Oktober 2011

    @steffen, Diagramm D-Konsumausgaben, Joe Leiharbeiter

    ich war nach drei Wochen Urlaub heute mal wieder bei Aldi und Rewe die Dinge des täglichen Bedarfs einkaufen. Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass diese schon wieder teurer geworden sind, was mich zu der These verleitet, dass der Anteil des verfügbaren Ein- kommens zur Befriedigung des täglichen Bedarfs stetig wächst. Dies wiederum verringert den Spielraum für größere Anschaffungen wie Haushaltsausstattungen etc. was wiederum dazu führt, dass die überwiegend mittelständischen Unternehmen dieses Wirtschaftssegments, die nach wie vor stark binnenmarktorientiert sind, immer mehr auf dem Zahnfleisch gehen. Die Lohnzurückhaltung der exportorientierten Konzerne, wirkt also als Zange auf den Binnenmarkt, so dass die potentielle Konkurenz noch schneller ausgeschaltet oder für hedgefonds sturmreif geschossen wird. Eine betriebswirtschaftlich in sich kongruente Entwicklung Polypol-Oligopol-Monopol mit verhehrenden Folgen für die “Marktwirtschaft”. Wir müssen um diese Entwicklung zu stoppen nicht nur auf die Strassen, wir müssen auch diese multinationalen Unternehmen boykottieren, es sind nur 147 stück nach einer studie, die auszugsweise nachzulesen ist auf den -> nachdenkseiten.de; das sollte doch zu machen sein. Boykott tut weh, weil er den Geldstrom versiegen läßt.

  • Ert - 25. Oktober 2011

    Die Kaufzurückhaltung verstehe ich gar nicht…

    Wenn Pippa Malmgreen recht haben sollte – es wird schon neues Geld gedruckt – dann ist jetzt der Zeitpunkt Bares in Sachwerte umzuwandeln: http://www.deutsche-mittelstands-nachrichten.de/2011/10/28158/. Natürlich nicht im Kasper-Konsum-Shop sondern beim Ölhändler, Holzhändler, Metallhändler und ggf. im Outdoor bedarf, etc. pp.

    Ich habe mal einen 1,5 Stündigen Vortrag von Pippa gesehen – die Frau ist nicht Dumm und anzuhören. Ob nun die Motivation zu solchen Aussagen davon geleitet ist die Eurozone zu schwächen (ala Telegraph) – oder ob es die Warheit ist?

    Für mich währe es Fahrlässig seitens der Politik keine Vorbereitungen für einen Zusammenbruch der Eurozone zu treffen. Zu viele andere Seriöse Blogs behandeln das Thema auch… und die Mehrzahl geht von einer sehr unsanften Zukunft aus.

    Ich selber sehe einen GR Default unkritisch – aber nicht die Derivate die um den Default aufgebaut sind – und das Dominorisiko. Angesichts der allgemeinen Stimmungslage kauft sich aber auch ein neue TFT Fernseher nicht ohne Nachgeschmack.

  • martin - 25. Oktober 2011

    @Pewi

    verkauf mal was auf ebay zum monatsende – wie ich aktuell gerade wieder gemacht habe. es ist wirklich immer sehr nervig, weil selbst für käufe von 10 eur das geld fehlt. dann wird sich immer totgestellt und und und.

    zum monatsanfang hat man solche probleme nicht so häufig wie ab monatsmitte bis monatsende.

    das Phänomen hab nicht nur ich festgestellt sondern auch andere aus meinem bekanntenkreis.

    • Lazarus09 - 26. Oktober 2011

      Ebay ist Megatot ..!!

      Wenn du Betrug und Ärger willst ..verkaufe bei ebay und akzeptiere PayPal .
      Wir werden den Verkauf auf Grund der Zunahme an unbezahlten Auktionen, sowie den Anstieg an Problemen mit dem ” Käuferschutz ” der eher ein Betrügerschutz ist mit ebay/PayPal einstellen.
      inzwischen macht jede 10 Auktion Probleme . In UK ist PP Akzeptanz Pflicht ,an sich schon eine diktatorische Unverschämtheit .

  • Inez Wünsche - 26. Oktober 2011

    Verkaufen auf ebay? Wir haben etliches als zu verschenken deklariert (Kleinanzeigen): es ist alles innerhalb einer Viertelstunde weggegangen. Die Leute würden schon bezahlen, wenn sie Geld hätten. Und Konsumbedürfnisse haben sie auch. Und sie sind happy, wenn sie ein paar kleine Möbel für lau holen können.
    So ein Euro kann eben nur einmal ausgegeben werden.
    Selbst Lebensmittelkäufe fürs Wochenende bei unserem Supermarkt um die Ecke sehen mittlerweile dürftig aus (ich guck anderen schon sehr interessiert in den Einkaufswagen…). Und hier wohnt Mittelstand und nicht so sehr arme Rentner und kaum H4 (Südost-Berlin, Adlershof).
    Unser Geld budgetiere ich ziemlich strikt, den Posten Lebensmittel musste ich im vergangenen Jahr deutlich aufstocken.
    Ich weiß nicht, was auf uns zukommt, irgendwie wird es weitergehen. Aber wenn ich ehrlich sein soll: die Schocktherapien, die in Südeuropa zum Einsatz kommen, sind ein Menetekel. Und ja: ich bin ehrlich, ich habe Angst!

  • Appaloosa - 26. Oktober 2011

    @Ines: Sowas kann man auch mit harter Konkurrenz erklären, wenn dei Supermarkt nicht gerade Kaufland und Co. sind.
    Ich kann z.B. keinen unterschied im Kaufverhalten der Leute festellen. Es ist genauso niedrig wie schon seit ca. 10 Jahren. Also keine Veränderung durch eine Krise.

  • schnauzevoll - 26. Oktober 2011

    Also da muss man schon blind sein, um den Wandel nicht zu erkennen. Bereits in den letzten zwei Jahren war unübersehbar, dass die Läden leerer geworden sind und viele nur noch bei Aldi und Co. kaufen. Auch die Oster- und Weihnachtssachen lagen im letzten Jahr noch überall in den Regalen herum. Ich habe eine Aldi Kassiererin darauf angesprochen und sie sagte, dass ist doch kein Wunder, wenn viele nur noch arbeiten gehen, um den Sprit für ihr Auto finanzieren zu können, mit dem sie ihrer Arbeit nachgehen müssen. Natürlich gibt es Stoßzeiten, denn die Leute hören ja nicht auf zu essen. Aber früher war es in den Läden eigentlich immer voll.

    Beim letzten verkaufsoffenen Sonntag war die Stadt brechend voll, aber keiner hat gekauft. Kaum einer, der eine Einkaufstütet mit sich führte. Das muss doch frustrierend sein, wenn man Sonntags seinen Laden öffnet und eine Herde Menschen glotzen kommt, vielleicht noch was “mitgehen” lassen, nur um dann am Abend feststellen zu müssen, dass man es auch hätte sein lassen können.

  • Lazarus09 - 26. Oktober 2011

    “Und täglich grüßt das Murmeltier ”

    Nach Täterä ( DDR ) Manier überschlagen sich die guten Nachrichten in Sachen Aufschwung in einer Realitätsverweigerung die es mit jeder gefestigten Diktatur aufnehmen kann.

    Die SINN-losen Statistiken aus den heiligen Hallen der Kaffeesatzleserei sind schlichtweg für’n Arsch…

    Müßig ….

  • leslie - 26. Oktober 2011

    Ich konsumier auch mehr…..

    Cannabis….
    Anders ist diese Propaganda nämlich nicht mehr erträglich. :-)))

    Mfg

  • M.E. - 26. Oktober 2011

    Tröstet Euch. Die lausigen Zeiten von heute sind die goldenen Zeiten von morgen.
    Um so wichtiger, endlich eine gerechtere Gesellschaft zu fordern. Denn wenn es in der Zukunft immer weniger zu verteilen gibt, wird die Gerechtigkeit eine Frage von Humanität oder Barbarei.

  • Lazarus09 - 26. Oktober 2011

    Tröstet Euch. Die lausigen Zeiten von heute sind die goldenen Zeiten von morgen.

    Was von morgen …? Mir wird die Zeit knapp ;-)

  • Martin - 26. Oktober 2011

    @Lazarus09

    stimme dir 100%ig zu mit Paypal und Betrug. Auch das jede 10. Auktion nur ärger bereitet. verkaufe da ab und zu privat ein paar dinge – eine wirkliche alternative gibt es ja im internet noch nicht und flomarkt lohnt sich nicht, da ich in einer ländlichen gegend wohne – müsste weit fahren + standgebühr – lohnt sich einfach nicht.

    • Lazarus09 - 26. Oktober 2011

      Wir verkaufen da eigentlich nur Teile die aus der Teilehaltung ausgelistet werden … der Aufwand steht in keiner Relation zum Ergebnis,da ist es inzwischen besser den Kram zu verschrotten.
      Das macht nur kleinen Aufwand und aus dem Auge aus dem Sinn…ebay heißt verkauf gegen Kleingeld du hast den Kram X Fach in den Fingern musst dich kümmern einstellen versenden etc.. und dann haste noch Vollbolzen denen du zig Mails beantworten musst die zum Schluss nicht zahlen oder prompt nach Erhalt Probleme melden und Nachlass oder gar nicht zahlen wollen …

  • stulle - 26. Oktober 2011

    “Während die realen Exporte seit 2000 bis Q2 2011 um +79,49% stiegen, gab es bei den realen privaten Konsumausgaben einen lauen Anstieg von +4,31%

    und die realen Arbeitnehmerentgelten lagen sogar immer noch um -0,36% unter dem Niveau von 2000!”

    Das ist dann wohl die Echtzeitdefinition von “wettbewerbsfähig” …

  • Joe - 28. Oktober 2011

    Trotz allem wundere ich mich immer wieder, wie man die Mär vom deutschen Wunder nicht glauben kann, gleichzeitig aber bei Thema China die rosarote Brille aufsetzt, denn:

    Hmm–doesn’t this sound like the relationship of Germany (China) to the European periphery (USA)? The euro cemented this co-dependency: Germany (China) had the most efficient production, and once the euro raised the cost of production in the periphery nations (USA), then of course nobody could beat Germany’s cost advantages. The euro (Yen) actually lowered (China’s) Germany’s cost of production in terms of foreign exchange rates while raising the costs in periphery nations (USA) that were previously able to lower their cost of production via currency devaluations.

    Having surrendered that mechanism to access the deep credit markets of the center, then they had no choice but to buy the high-margin finished goods from Germany (China), as nobody else could make the same goods for the low (China) German price.

    These booming high-profit German (China) exports of finished goods to the European periphery (USA) generated vast surpluses of capital that were then loaned to the periphery to enable their further purchases of German (China) goods. Why risk the heavy investment costs of production in the periphery when Germany (China) had the lowest costs of production and was willing to loan the buyers the cash needed to keep buying?

    It’s the classic mercantilist-consumer co-dependency on a gigantic scale, with low-cost credit fueling both increased consumption and production. As long as the credit flowed in vast torrents of low-cost, easy to borrow money, the co-dependency looked like a “virtuous cycle.” Debt junkies (=USA) eventually have to start servicing their debts, of course, and that’s when the ugly realities of colonial dominance become visible.

    http://www.oftwominds.com/blogoct11/plutonium-life-preserver10-11.html

    Wieso ist die Analogie China/Deutschland so schwer zu erkennen?

  • Joe - 29. Oktober 2011

    Nun wird es aber ernst, denn “Sarkozy nimmt sich Deutschland zum Vorbild”:

    http://www.zeit.de/politik/ausland/2011-10/frankreich-wirtschaft-wachstum-krise

    Im Grunde verlangen deutsche Politiker vom Rest der EU, dass sie Hartz-IV Reformen durchführen. Klar ist aber auch, dass die Agenda 2010 die Geldbeutel deutscher Exporteure nur deshalb XXL-mässig gefüllt haben, weil die anderen Nationen eben keine Hartz-IV Reformen über sich haben ergehen lassen. Daran führt jetzt wohl kein Weg mehr vorbei. Der einzige Unterschied ist nur der, dass Deutschland die Reformen freiwillig durchgeführt hat, während die anderen nun von den Regeln des profitorientiereten Marktes dazu gezwungen werden. Erst jetzt beginnt der race to the bottom (Abwärts-Wettlauf). Ein Klassiker im Kapitalismus. Aber die Deutschen sind halt in allem Perfektionisten: entweder der totale Krieg oder die totale Marktwirtschaft, Hauptsache total.

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