Ein weiterer Export-Pyrrhussieg

von am 8. April 2011 in Allgemein

Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) heute mitteilte, stiegen die Exporte Deutschlands im Februar 2011 um +21,0% im Vergleich zum Vorjahresmonat an. Im Vergleich zum Vormonat ging es bei den unbereinigten Daten um kräftigere +6,9% aufwärts, auf ein Volumen von 84 Mrd. Euro.

Die prozentuale Entwicklung des deutschen Exportvolumens bei Waren und Gütern im Vergleich zum Vorjahresmonat (original unbereinigte Werte) seit Januar 2001.

Im Februar 2011 wurden Waren und Güter in einem unbereinigten Volumen von 84,0 Mrd. Euro ausgeführt, nach 78,5 Mrd. Euro im Januar, nach 81,7 Mrd. Euro im Dezember 2010, nach 87,2 Mrd. Euro im November 2010 und nach 69,4 Mrd. Euro im Vorjahresmonat.

Zum bisherigen Monatshoch aus April 2008, mit 88,75 Mrd. Euro Exportvolumen, brachen die Ausfuhren im Februar 2011 nur um -5,4% ein!

Kalender- und saisonbereinigt (gemäß X-12 ARIMA Verfahren) stiegen die Exporte im Februar 2011 um +2,7% zum Vormonat.

Der Schwerpunkt beim deutschen Exportvolumen (unbereinigt) lag auch im Februar 2011 weiter in Europa, denn 50,6 Mrd. Euro bzw. 60,24% aller Exporte gingen in die Länder der EU27. In die Eurozone (EU16, mit dem Euro als gemeinsamer Währung) wurde ein Volumen von 34,2 Mrd. Euro an Waren und Gütern bzw. von 40,7% aller deutschen Exporte geliefert. In Drittländer (alle Länder außerhalb der EU 27) wurden Waren und Güter in Höhe von 33,4 Mrd. Euro geliefert, der Anteil lag bei 39,76%, nach 38,47% im Januar und nach 40% im Dezember 2010.

Die deutschen Importe stiegen ebenfalls im Februar 2011, allerdings etwas schwächer als die Exporte, es ging um unbereinigte +5,1% zum Vormonat auf 71,9 Mrd. Euro aufwärts, nach 68,4 Mrd. Euro im Januar, nach 69,6 Mrd. Euro im Dezember 2010 und nach 74,1 Mrd. Euro im November 2010. Im Vergleich zum Vorjahesmonat mit einem Volumen von 56,7 Mrd. Euro stiegen die Importe um kräftige +27%. Kalender- und saisonbereinigt (X-12 ARIMA Verfahren) stiegen die Importe im Februar 2011 um +2,7% zum Vormonat!

Die Entwicklung der unbereinigten Originaldaten bei den Exporten und Importen von Waren und Gütern seit Januar 2000. Der Chart dokumentiert weiterhin die ungebrochene  Exportlastigkeit der deutschen Wirtschaft.

Die Entwicklung der monatlichen deutschen Handelsbilanzüberschüsse bei Waren und Gütern seit Januar 1999. Der deutsche Handelsbilanzüberschuss ist mit 12,1 Mrd. Euro weiter Beleg für die fundamentalen Ungleichgewichte im Handel. Im Gesamtjahr 2010 wurde ein Handelsüberschuss von 154,5 Mrd. Euro erzielt, ein Anstieg von +11,2% zu 2009 mit 138,7 Mrd. Euro.

Die Leistungsbilanz, die Summe aus Handelsbilanz, Dienstleistungsbilanz, Übertragungsbilanz und Ergänzungsbilanz lag im Febuar 2011 bei +8,9 Mrd. Euro, nach +7,2 Mrd. Euro im Januar und nach kräftigen +19,3 Mrd. Euro im Dezember 2010:

Die Entwicklung der monatlichen deutschen Leistungsbilanz seit Januar 2000 bis Februar 2011. Die Leistungsbilanzüberschüsse stiegen im Jahr 2010 um +10%, im Vergleich zu 2009, auf  kumulierte 131,6 Mrd. Euro an.

Noch ein Blick auf die Quartalsdaten der Leistungsbilanz mit den Mitgliedern der Eurozone, die bis Q4 2010 vorliegen:

Die Leistungsbilanz Deutschlands mit den Mitgliedern der Eurozone seit Q1 1971 bis Q4 2010 in Mrd. Euro. Der Leistungsbilanzüberschuss Deutschlands betrug 2010 +86,379 Mrd. Euro. Seit der Bargeldeinführung des Euro 2002 kumulierte sich ein Leistungsbilanzüberschuss Deutschlands mit den Mitgliedern der Eurozone von +720,837 Mrd. Euro.

Bemerkenswerte +229,030 Mrd. Euro an Überschüssen in der Leistungsbilanz seit 2002 generierte Deutschland mit Frankreich und kräftige +374,522 Mrd. Euro mit den PIGS (Portugal, Italien, Griechenland und Spanien):

Deutschlands Leistungsbilanz mit Frankreich, je Quartal in Mrd. Euro, seit Q1 1971 bis Q4 2010. Der deutsche Leistungsbilanzüberschuss mit Frankreich betrug 2010 +32,5 Mrd. Euro.

Deutschlands Leistungsbilanz mit den PIGS, je Quartal in Mrd. Euro, seit Q1 1971 bis Q4 2010. Der Leistungsbilanzüberschuss mit Portugal, Italien, Griechenland und Spanien betrug 2010 +34,16 Mrd. Euro.

Der Kluft der Leistungsfähigkeit dokumentiert sich nicht nur zwischen Deutschland und den PIGS, sondern auch zu Frankreich. Die Leistungsbilanzüberschüsse stiegen seit der Euro-Einführung vor allem zu den PIGS kräftig an, wie der Chart eindeutig belegt und die Ungleichgewichte türmen sich nach der Krise, wenn auch mit einem etwas verminderten Tempo weiter auf. Deutschland wird keine adäquate realwirtschaftliche Gegenleistung für die erzielten Überschüsse erhalten, sondern der erarbeitete potentielle Wohlstand Deutschlands wird in die Finanzierung der Defizite der Handelspartner und damit leider in uneinbringbare Schuldscheine versanden.

Die Unsummen an Leistungsbilanzdefiziten der PIGS und Frankreichs mit Deutschland werden durch deutsche Kapitalexporte finanziert, ob über deutsche Geschäftsbanken oder in letzter Zeit über die Bundesbank. Jeder Monat mit den anhaltenden Ungleichgewichten im Handel mit Deutschland und damit den Leistungsbilanzdefiziten der Handelspartner generiert weiteres Potential an uneinbringbaren Schulden für Deutschland, ebenso die ungebrochene Staatsverschuldung der PIGS. Erhellend ist auch noch einmal ein Blick auf die Nettoforderungen der Deutschen Bundesbank innerhalb des Eurosystems (Target2 Saldo), also gegenüber den anderen Notenbanken in der Eurozone und der EZB:

Die Forderungen innerhalb des Eurosystems (netto) der Deutschen Bundesbank auf Monatsbasis in Mrd. Euro, gegenüber den nationalen Notenbanken der Eurozone und der EZB seit Januar 1999 im Chart. Im Februar 2011 lagen die Nettoforderungen der Deutschen Bundesbank bei 333,010 Mrd. Euro.

Selbst die Bundesbank räumt in ihrem Monatsbericht März  2011 ein: “Auffällig ist, dass ein systematischer und außerordentlich starker Anstieg der TARGET2-Forderungen bei der Bundesbank erst 2007 eingesetzt hat. In den Jahren davor wiesen die deutschen TARGET2-Positionen im Verlauf wechselnde Vorzeichen auf und hielten sich überwiegend in einem überschaubaren Rahmen……Eine Zunahme der TARGET2-Forderungen ist in der Betrachtung der Zahlungsbilanz ein Netto-Kapitalexport.Von den seit Anfang 2007 verzeichneten Netto-Kapitalexporten Deutschlands entfallen etwa die Hälfte auf TARGET2.”

Der Chart (oben) macht deutlich, dass Target2 mit Verrechnungssalden für Außenhandelstransaktionen, Wertpapier- oder Kreditgeschäfte nur noch wenig zu tun hat, sondern es sich um eine stetige Finanzierungsquelle vor allem für die Südperpherie der Eurozone, Irland und Frankreich handelt:

Der Hauptgläubiger im Target2-System ist die Deutsche Bundesbank und die Hauptschuldner sind nicht ganz unerwartet Irlands Notenbank mit knapp 150 Mrd. Euro, gefolgt von Griechenlands-Notenbank mit über 80 Mrd. Euro sowie den Notenbanken von Portugal, Spanien und Frankreich! Quelle Chart: Bundesbank.de/Monatsbericht März 2011, Seite 35

Professor Sinn leistet zu diesem Thema, im Gegensatz zu seinem sonstigen neoliberalen Unsinn, richtige Pionierarbeit in Punkto Aufklärung und legte nach einem lesenswerten Artikel in der Wirtschaftswoche Kritik an Krisenhilfe der Deutschen Bundesbank, in der Süddeutschen Zeitung nochmal kräftig einen drauf: Rettungsschirm fuer den Euro tickende Zeitbombe. Professor Sinn reiht alle bisherigen Maßnahmen zur Rettung der wankenden Eurozonen-Mitglieder, inklusive denen aus den Target2 Salden, in seinem Artikel auf und kommt zu diesem Ergebnis: “Summa summarum liegen die Hilfszusagen für bedrängte Euroländer damit bei 1542 Milliarden Euro, und Deutschland haftet mit 391 Milliarden Euro.”

Letztlich bestätigt sich immer wieder, kein Problem wurde global bisher gelöst, weder die Ungleichgewichte im Handel, noch die Verwerfungen im Banken- und Finanzsystem, noch die immense Verschuldung, noch Moral Hazard. Alle Probleme werden nur kaschiert und überdeckt durch die lockere Geldpolitik der Notenbanken und mit abenteuerlichen Verschuldungsraten der Staaten.

Der Krug geht solange (weiter) zum Brunnen, bis er bricht.

Quelle: http://www.destatis.de/Pressemitteilung deutscher Aussenhandel Februar 2011, Bundesbank.de/Datenbank

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