Einkommens- und Vermögenskonzentration – Teil 1: Der „Wohlstand der Nationen“ in der Krise

von am 20. August 2012 in Allgemein

Vorwort

Die finanziellen Bemühungen um die Stabilisierung der Finanzmärkte und insbesondere von in Schieflage geratenen Banken sowie die nur sehr bedingt erfolgreichen Maßnahmen zur Ankurbelung der Weltwirtschaft nach dem Einbruch Ende 2008 haben die Staatsschulden in vielen Staaten in die Höhe schnellen lassen.

In Europa rückten wegen der ausufernden Staatsschulden schon frühzeitig Maßnahmen zur Konsolidierung der Staatshaushalte in den Vordergrund. Allerdings wurden in erster Linie strukturelle Probleme als Ursache für die Schuldenmisere angesehen oder mit anderen Worten darin erblickt, dass in Schuldenstaaten ständig mehr ausgegeben wurde als von der volkswirtschaftlichen Leistung her finanziert werden konnte. Mit einer konsequenten Reduktion der Staatsausgaben sowie mit der Erhöhung der Staatseinnahmen via Steuererhöhungen und der Einführung neuer Steuern – beides traf bisher vor allem die breite Bevölkerung der jeweiligen Staaten hart – sowie der Privatisierung von Staatsbetrieben und staatlichen Vermögenswerten sollte dieses Problem wirksam adressiert werden.

Tatsächlich haben sich die daran geknüpften Hoffnungen nicht erfüllt. Die Lage der Schuldenstaaten hat sich nicht verbessert, sondern weiter verschlechtert. Zum Teil wird ihnen deswegen von Kritikern immer wieder zum Vorwurf gemacht, sie setzten Sparmaßnahmen nicht konsequent genug durch. Andere sehen die Sparmaßnahmen selbst als krisenverschärfend an. Als weitere Erklärung für den ausbleibenden Erfolg der Sparmaßnahmen kommt hinzu, an den Finanzmärkten werde mit Unterstützung der großen Ratingagenturen gegen die Schuldenstaaten und den Euro spekuliert, weswegen Zinsen und Risikoprämien für Staatsanleihen ungerechtfertigt hoch seien. Neuerdings wird auch auf eine sich anbahnende Abkühlung der Weltkonjunktur verwiesen. Keine der Begründungen kann mittlerweile mehr ins Reich der Märchen verwiesen werden und es setzt sich immer mehr die Erkenntnis durch, dass die bisherige, einseitig auf Sparmaßnahmen ausgelegte Krisenstrategie – in Europa – in dieser Form nicht funktionieren wird.

Aus diesem Grund wird nun einerseits von ergänzenden Maßnahmen zur Förderung bzw. Stimulierung von Wachstum und Beschäftigung in Krisenstaaten gesprochen, trotz leerer Kassen. Andererseits geraten verstärkt die Profiteure der Krise in den Blick, das heißt erstens die geretteten Banken, aber auch Hedgefonds und zweitens die Topverdiener an der Spitze der Einkommenspyramide und vor allem die Vermögenden. Dies hängt insbesondere auch mit den gerade in jüngster Zeit begonnenen Aufdeckung von großen Skandalen im Segment der Großbanken (Spekulationsverluste (JP Morgan), Pannen beim Facebook-Börsengang und eingetretene gigantische Kursverluste der Aktie, Zinsmanipulation (Libor, Euribor, Tibor), Geldwäsche-Ermittlungen (HSBC, Standard Chartered)) zusammen sowie mit der anhaltenden Steuerflucht-Debatte, wobei die in Deutschland aufflammende Kontroverse über den Ankauf von Steuerdaten-CDs zwecks effektiver Verfolgung von Steuerhinterziehung Vermögender lediglich eine Facette dieses Themenkomplexes ist.

Konkret geht es dabei – wie schon so oft – um die Frage der effektiveren Regulierung der Finanzmärkte einschließlich der Ratingbranche, um hoch riskante spekulative Übertreibungen zu verhindern, die – auch wenn nicht klar ist, in welchem Umfang – als krisenverschärfend angesehen werden, vor allem aber das Risiko neuer, teurer Rettungsmaßnahmen bergen. Ferner sollen die Profiteure der Krise viel stärker an den Kosten der Krisenbewältigung beteiligt werden.

Auf einer tieferen Betrachtungsebene geht es dabei jedoch noch um etwas anderes, nämlich um die Frage, ob und inwieweit die Einkommens- und Vermögenskonzentration in letzter Konsequenz nicht vielleicht die zentrale Ursache der Krise ist oder anders ausgedrückt, ob nicht die immer weiter um sich greifende Verschuldung, die allgemeine Nachfrageschwäche und vor sich hin dümpelndes Wirtschaftswachstum in zahlreichen Volkswirtschaften darauf zurückzuführen sind. Es gibt allerdings durchaus Stimmen, die es für überzogen halten, überhaupt von einer problematischen Einkommens- und Vermögenskonzentration zu sprechen.

Es macht deswegen Sinn, sich in puncto Einkommens- und Vermögenskonzentration einmal auf Spurensuche zu begeben.

Vermögenskonzentration: Basics

Die nachfolgenden folgenden Abbildungen basieren auf Daten des „Global Wealth Databook 2011“ der Credit Suisse. (1) Die Analyse der Credit Suisse befasst sich mit der Verteilung des individuellen Vermögens innerhalb von und zwischen Staaten weltweit, wobei „Vermögen“ definiert ist als Marktwert der finanziellen und nicht finanziellen (Immobilien, Grund) Aktiva abzüglich der Verbindlichkeiten. (2) Die Bezugseinheit sind nicht Haushalte, sondern Individuen, genauer gesagt Erwachsene und es ist hervorzuheben, dass „Vermögen“ keine betragsmäßige Vorjustierung im Sinne von „vermögend“ oder „reich“ impliziert, sondern die Analyse auch Werte von unter 1000 US-Dollar einschließt. Es ist ebenfalls zu betonen, dass es sich letztlich um Schätzungen des Vermögens und seiner Verteilung handelt. Ein vollständiges und exaktes Bild ergibt sich daraus folglich nicht.

So weisen die Verfasser der Studie selbst beispielsweise explizit darauf hin, dass in den verfügbaren Datensätzen Individuen mit einem Vermögen von über 1 Millionen US-Dollar (High Net Worth Individuals (HNWI)) und von über 50 Millionen US-Dollar (Ultra High Net Worth Individuals (UHNWI)) zwar nicht formal ausgeschlossen, aber dennoch oft nicht enthalten sind. Der US Survey of Consumer Finances, auf den sich die Studie unter anderem stützt, berücksichtigt beispielsweise die 400 reichsten US-Familien nicht. Laut Forbes Magazine kamen die Milliardäre 2011 weltweit auf ein Gesamtvermögen von ca. 4 500 Milliarden Dollar, heißt es in der Studie. Weil das weniger als zwei Prozent des in der Credit-Suisse-Analyse bestimmten globalen Gesamtvermögens entspricht, sehen die Verfasser die Aussagekraft der Analyse durch die in diesem Punkt lückenhaften Daten nicht infrage gestellt. (3)

Das globale Vermögen im Jahr 2011 beziffert der Bericht der Credit Suisse auf 230 800 Milliarden US-Dollar. Nur zur Verdeutlichung der Relationen: Die Weltwirtschaftsleistung (BIP) lag 2011 bei 69 660 Milliarden US-Dollar. (4) Die US-Staatsverschuldung lag laut World Economic Outlook Database des Internationalen Währungsfonds Ende 2011 bei 15 540 Milliarden Dollar, die Spaniens bei 735 Milliarden Euro, die Griechenlands bei 356 Milliarden Euro. (5)

Abbildung 1 zeigt zunächst auf einen Blick, dass der globale Reichtum Stand 2011 in den führenden Industriestaaten konzentriert ist.

Gemessen am Gesamtvermögen liegen die USA mit 58 100 Mrd. US-Dollar (USD) bzw. einem Anteil von 25,16 Prozent am Weltvermögen mit großem Abstand an der Spitze, gefolgt von Japan mit insgesamt 25 900 Mrd. USD bzw. einem Anteil von 11,24 Prozent. Beide Staaten zeichnen sich auch durch eine ausufernde Staatsverschuldung aus. China, als einziges aufstrebendes Schwellenland in der Phalanx der Industriestaaten, liegt mit einem Gesamtvermögen von 20 711 Mrd. USD (8,75 Prozent) an dritter Stelle.

Erst dann folgen die ersten europäischen Staaten mit Frankreich (14 000 Mrd. USD (6,06 Prozent)) und Deutschland (13 400 Mrd. USD (5,8 Prozent)). An sechster und zehnter Stelle liegen die beiden europäischen Schuldenstaaten Italien (12 700 Mrd. USD (5,5 Prozent)) und Spanien (4 800 Mrd. USD (2,07 Prozent)). Das als erstes Euro-Land unter den europäischen Rettungsschirm geschlüpfte Irland kommt auf ein gesamtes Vermögen von 600 Mrd. USD, was einem Anteil von 0,27 Prozent am Weltvermögen entspricht.

Das ebenfalls hoch verschuldete Großbritannien liegt im Vermögensranking mit insgesamt 12 300 Mrd. US-Dollar und einem Anteil 5,31 Prozent am Weltvermögen an siebter Stelle.  Mit einigem Abstand folgen dann Kanada (6 500 Mrd. USD (2,82 Prozent)) und Australien (6 400 Mrd. USD (2,79 Prozent)). Auf Platz 11 liegt mit einer Vermögenssumme von 4 500 Mrd. USD (1,96 Prozent) Brasilien das erste lateinamerikanische Land. Der Anteil am Weltvermögen beträgt in diesem Fall mit 1,96 Prozent. (6)

Die Vermögenden in den USA, Japan und China vereinen zusammengenommen fast die Hälfte des Weltvermögens (45,15 Prozent) des Jahres 2011 auf sich.

Gemessen am insgesamt vorhandenen Vermögen von Einzelpersonen, kamen die fünf größten Volkswirtschaften der Europäischen Union (Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien und Spanien) 2011 auf etwa ein Viertel des Weltvermögens (24,74 Prozent).

Vermögen und Weltvermögensanteile vor und nach der Lehman-Pleite

Ein einzelnes Jahr zu betrachten, ergibt gerade wegen der vielfältigen, auf die Vermögen durchschlagenden Krisen (US-Hypotheken-,Finanzmarkt- und Schuldenkrise) der vergangenen Jahre und der Gegenwart nur ein unvollkommenes Bild.

Es ist naheliegend anzunehmen, dass gerade jene Länder, in denen es hohe Anteile am Weltvermögen gibt, bei den Anteilen am Weltvermögen auch entsprechend stärker verloren haben. Tatsächlich ergibt sich hier jedoch ein differenziertes Bild wie Abbildung 2 für die prozentualen Anteile am Weltvermögen in den Jahren 2000, 2007, 2008 und 2011 für eine Auswahl von Ländern veranschaulicht. Die Jahre 2000, 2007 und 2008 wurde gewählt, weil es Krisenjahre waren.

Die großen Verlierer sind in der betrachteten Zeitspanne definitiv die Vermögenden in den USA gewesen.

Ihr Anteil am Weltvermögen ist in allen betrachteten Jahren geschrumpft. 2000, also im Jahr der geplatzten New-Economy-Blase lag der Anteil am Weltvermögen in Höhe von 113 400 Mrd. USD noch bei 34,87 Prozent. 2007 betrug das Weltvermögen mit 214 200 Mrd. USD fast doppelt so viel wie 2000, aber die Vermögenden in den USA hatten daran nur einen Anteil von 27,97 Prozent. 2008 war das Jahr der Lehman-Pleite und zugleich das Jahr mit dem stärksten Rückgang des Weltvermögens (auf 183 000 Mrd. USD) seit Beginn der US-Hypothekenkrise und das zeigt sich auch besonders deutlich beim Anteil der US-Vermögenden, der in diesem Jahr auf 25,54 Prozent fiel. Seither hat eine deutliche Erholung bei Vermögenswerten stattgefunden. Dennoch ist der Anteil der USA am Weltvermögen bis 2011 weiter geschrumpft, auf 25,16 Prozent.

Auch der Anteil der Vermögen der Japaner am Weltreichtum ist beim Stand von 2011 gegenüber dem Jahr 2000 stark gesunken (von 17,04 auf 11,24 (2011)). Das schlechteste Jahr für die Japaner war aber nicht 2008, sondern 2007 (8,58 Prozent).

Die Krise in den Jahren 2007 und 2008 hat sich beim Anteil der in der Abbildung 2 aufgeführten Euro-Länder am Weltvermögen positiv bemerkbar gemacht. Nur Spaniens Vermögende verzeichneten im Jahr 2008 einen ersten Rücksetzer. Im Jahr 2011 haben sie jedoch (verglichen mit dem Wert für 2008) alle beim Anteil am Weltvermögen verloren.

Auf der Gewinnerseite stehen in der exemplarischen Auswahl bezüglich des Weltvermögensanteils vor allem die vermögenden Chinesen, aber auch die Australier und Brasilianer sowie die Schweizer. 2000 lag Chinas Anteil am Weltvermögen noch bei 4,11 Prozent. Er hat sich somit bis 2011 mehr als verdoppelt (8,75 Prozent). Das erklärt zum Teil die Anteilsverluste der US-Vermögen im Ländervergleich.

Anders stellt sich das Bild bei den absoluten Zahlen dar, wie aus Abbildung 3 bei unveränderter Länderauswahl hervorgeht. Hier zeigt sich, dass sich die Vermögen insbesondere in den USA und Japan, aber auch in Großbritannien nach dem durch die Finanzmarktkrise bedingten Einbruch Ende 2008 und Anfang 2009 bis 2011 wieder beträchtlich erholt haben. Mit 25 900 Mrd. USD markiert das Vermögen der Japaner sogar ein neues Rekordniveau. Dasselbe gilt für China und, wenn auch auf einem niedrigeren Niveau, für Brasilien. In den USA erreichte das Gesamtvermögen mit 58 100 Mrd. USD beinahe wieder das Top-Niveau von 2008 (59 900 Mrd. USD). Bedenkt man, dass bis einschließlich 2011 von einer echten Erholung weder bezüglich des US-Häusermarktes noch – angesichts des anhaltend schwachen Wirtschaftswachstums – der US-Wirtschaft die Rede sein kann, so ist die naheliegende Erklärung dafür, dass die Vermögen und insbesondere die Top-Vermögen in den USA – sowie wahrscheinlich auch andernorts – in erster Linie von der kräftigen Erholung der Kurse an den Börsen profitiert haben.

An der Spitze der Vermögenspyramide

Abbildung 4 gibt Aufschluss darüber wie die Vermögenden (in absoluten Zahlen) auf die Länder verteilt sind, die zur weltweiten Gruppe der Top-1- und der Top-10-Prozent der Vermögendsten gehören. Wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass für die Zugehörigkeit zu den beiden Gruppen jeweils ein Mindestvermögen definiert wurde. Für die Top-10-Prozentgruppe liegt die Schwelle bei 81 929 USD, für die Top-1-Prozent-Gruppe bei 712 233 USD. (7)

Die Staaten sind im Chart in absteigender Reihenfolge nach der jeweiligen Anzahl der Einzelpersonen geordnet, die zu den Top-10-Prozent der weltweit Reichsten gehören. Die blaue Säule gibt die Anzahl der Mitglieder an, die die einzelnen Staaten in der Gruppe der Top-1-Prozent haben, die rote Säule zeigt dasselbe für die zur Gruppe der Top-10-Prozent gehörenden.

Die USA haben mit 94,213 Mio. (Top 10 %) und 12,584 Mio. Erwachsenen Reichen (Top 1 %) die mit Abstand meisten Mitglieder in beiden Gruppen. Auf dem zweiten Platz liegt mit 68,894 Mio. (Top 10 %) und 5,642 Mio. Reichen (Top 1 %) Japan und zwar gleichfalls mit großem Abstand vor dem drittplatzierten Land, nämlich Italien (32,184 Mio. (Top 10 % und 2,778 Mio. (Top 1 %)).

Die Plätze 3-8 werden mit einer Ausnahme, China (28,950 / 2,964 Mio. (Top 10 / 1 %)), von Mitgliedstaaten der Europäischen Union belegt, die, abgesehen von Spanien (16,361 / 0,671 Mio. (Top 10 / 1 %), hinsichtlich der Zahl der Mitglieder in der Top-10-Prozent-Gruppe alle auf ähnlich hohem Niveau liegen. Deutschland liegt mit 29,88 Mio. Reichen in der Top 10-Prozent- und 2,964 Mio. Mitgliedern in der Top-1-Prozent-Gruppe der weltweit Vermögendsten auf dem vierten Rang.

Um die Relationen zu verdeutlichen, sei hier noch darauf hingewiesen, dass Italien, Deutschland und Großbritannien zusammen immer noch nicht so viele Mitglieder in der Gruppe der Top-10-Prozent der weltweit Reichsten stellen wie die USA alleine. In der Gruppe der weltweit reichsten 1 Prozent ist der Unterschied sogar noch größer. Hier kommen Italien, Deutschland, Großbritannien und Frankreich zusammen nicht auf die Anzahl, die in den USA zu dieser Gruppe zählen.

Es fällt des Weiteren auf, dass alle Mitgliedstaaten der Euro-Gruppe, die wegen ihrer hohen Staatsverschuldung unter Druck geraten sind und mit einer Ausnahme (Italien) bereits Finanzhilfen in Anspruch genommen haben, im in der Abbildung 4 wiedergegebenen Ranking jener 29 Staaten auftauchen, die die meisten Mitglieder in der Gruppe der weltweit reichsten 10 Prozent zählen. Das größte Sorgenkind der Euro-Zone, Griechenland, kommt nach Berechnung der Credit Suisse auf 2,71 Mio. Top-10-Prozent- und 144 Top-1-Prozent-Mitglieder. Das im Land bei Einzelpersonen insgesamt vorhandene Vermögen wird in der Analyse für das Jahr 2011 auf 1 000 Mrd. USD geschätzt.

Das für die Zugehörigkeit zur Top-1-Prozent-Gruppe angesetzte Mindestvermögen ist mit 712 233 USD für die Verhältnisse in den Industriestaaten natürlich vergleichsweise niedrig angesetzt. Die Analyse schließt darüber hinaus aber auch die sogenannten High Net Worth Individuals (HNWI) mit einem Vermögen von über 1 Mio. USD sowie die „Superreichen“ mit ein, das heißt die Ultra High Net Worth Individuals (UHNWI), die über ein Vermögen von über 50 Mio. USD verfügen. Auch wenn sich – wie eingangs erklärt – aus den Berechnungen kein exaktes, sondern nur ein unvollständiges Bild ergibt, ist die nachfolgende Abbildung 5 zu den UHNWI aufschlussreich.

In dieser Kategorie des weltweiten Reichtums liegen die USA mit einem Anteil von 41,85 Prozent aller weltweit in diese Gruppe fallenden Vermögenden einsam an der Spitze. Es ist jedoch bemerkenswert, dass China bereits auf dem zweiten Platz liegt (6,39 Prozent) – gefolgt von den Deutschen (4,89 Prozent) und den Schweizern (4,51 Prozent).

Allerdings dürften auch aus anderen Gründen die Angaben besonders für die Gruppe der Top 1 Prozent sowie der High und Ultra High Networth Individuals mit Vorsicht zu genießen sein. Darum soll es zu Beginn des zweiten Teils der Aufsatzreihe gehen.

von Stefan L. Eichner
Kontakt: eichner@web.de

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47 KommentareKommentieren

  • Stefan Wehmeier - 20. August 2012

    „Der historische Liberalismus hat versagt – nicht als Liberalismus, sondern in seiner verhängnisvollen Verquickung mit dem Kapitalismus. Er hat versagt – nicht weil er zuviel, sondern weil er zu wenig Freiheit verwirklichte. Hier liegt der folgenschwere Trugschluss der sozialistischen Gegenströmung. Die liberalistische Wirtschaft war in Wahrheit keine freie, sondern eine vermachtete Wirtschaft, vermachtet durch Monopolbildung, kapitalistische Machtballungen, durch Konzerne und Trusts, die das Wirtschaftsleben über Preise, Zinsen und Löhne nach ihren eigenen Interessen bestimmten. Wo durch Monopole und Oligopole, durch Konzerne und Trusts der freie Wettbewerb entstellt und gefälscht, die freie Konkurrenzwirtschaft unterbunden und zerstört wird, da fehlt die elementare Grundlage eines liberalistischen Systems im ursprünglichen, klaren und eindeutigen Sinn dieses Wortes.

    Der Sozialismus ersetzt die private Vermachtung durch die staatliche Vermachtung der Wirtschaft mit dem Ergebnis, dass die soziale Gerechtigkeit keinesfalls erhöht, aber die automatische und rationelle Funktionstüchtigkeit der Wirtschaft entscheidend geschwächt wird. Der historische Weg, die unerwünschten sozialen Auswirkungen einer fehlerhaften Wirtschaftsordnung durch politische Maßnahmen und staatliche Eingriffe zu beseitigen, musste notwendig scheitern. Eine brauchbare Sozialordnung kann nicht mit bürokratischen Mitteln erzwungen werden, sondern nur aus einer richtig funktionierenden Wirtschaftsordnung erwachsen. Nur eine natürliche, dynamische Gesellschaftsordnung auf der gesicherten Basis einer natürlichen, dynamischen Wirtschaftsordnung ist stabil und kann ohne großen Aufwand an bürokratischen Mitteln und gesetzlichen Regelungen nachträglich noch politisch-rechtlich gesichert werden, soweit dies überhaupt noch erforderlich ist.“

    Das obige Zitat stammt nicht aus dem Jahr 2012, sondern aus der Magna Charta der Sozialen Marktwirtschaft von 1951. Der vollständige Text („Persönliche Freiheit und Sozialordnung“), der insbesondere bei Politikern vollständig in Vergessenheit geriet, sei allen empfohlen, die bis heute nicht wissen, was die Soziale Marktwirtschaft ist, die nie verwirklicht wurde, obwohl sie allen (noch) bestehenden Wirtschaftsformen grundsätzlich überlegen ist. Die gegenwärtige „Finanzkrise“ (korrekt: beginnende globale Liquiditätsfalle nach J. M. Keynes, klassisch: Armageddon) musste zwangsläufig entstehen und ist nur durch die Verwirklichung der echten Sozialen Marktwirtschaft (freie Marktwirtschaft ohne Kapitalismus) zu beenden:

    http://opium-des-volkes.blogspot.de/2012/08/personliche-freiheit-und-sozialordnung.html

  • Roland - 20. August 2012

    Danke wie immer für die Info und schöne Aufarbeitung.
    Anregung:
    Kommentarfunktion schließen, bevor sich wieder alle “Spinner” dieser Republik hier austoben.
    Seit querschuss die Funktion gesperrt hat, ist der blog Spitze und ein Lesevergnügen.

    • Argonaut - 20. August 2012

      Einfache und logische Lösung:

      Die Kommentare einfach nicht lesen :-)

      Gruß

    • Frank Bell - 21. August 2012

      Niemand zwingt dich, die Kommentare zu lesen.

      Der Blog war übrigens auch MIT Kommentarfunktion spitze.

    • Lazarus09 - 26. August 2012

      Die blanken Daten sind nichts ohne Interpretation und die schönste Statistik taugt nichts wenn die Auslegung nichts mit der Realität zu tun hat ..
      Interessant ist für mich besonders auch der Aspekt was “Andere” zu den Themen denken und wie sie die Situation wahrnehmen ..daher ist die Kommentar-Funktion ein gutes Instrument festzustellen wo man mit seiner Sicht der Dinge steht.
      Blogs die rein Informativ arbeiten gibt es zu Hauff und sehr gute zudem noch Egon-w-Kreutzer, Gert Flegelskamp etc.. um nur einige zu nennen,und wohl ab jetzt auch Querschuesse.?

      Ob das schließen der Kommentar-Funktion sinnvoll ist oder nicht muss jeder Betreiber selbst entscheiden … Ich betrachte Kommentare als Wertvoll ..die meisten zumindest ;-)

      666

  • Hermes - 20. August 2012

    Die genannten Zahlen auf Länderebene sind zweifelsohne interessant. Wenn sie jedoch im Kontext einer Diskussion um Bailouts und Transferzahlungen zwischen den Ländern verwendet werden sollen, wäre es hilfreich, sie je Einwohner zu kennen. Denn die Transferzahlungen dürften in den meisten Fällen auch von der Einwohnerzahl abhängen.

    Mit anderen Worten: Dass Deutschland in Europa zu den Ländern mit den größten Privatvermögen gehört, erklärt sich sicherlich zum Teil daraus, dass es auch die meisten Einwohner hat. Um die ‘Hilfsbedürftigkeit’ der Bailout-Profiteure zu untersuchen, müsste man aber die Vermögenssituation pro Kopf kennen und besser noch die Vermögenskonzentration in den betreffenden Staaten. Übersteigt diese nämlich in einem Bailout-Nehmerland die eines Bailout-Geberlandes, so ist die Grundlage für einen Transfer mindestens zweifelhaft. Plakativ ausgedrückt: Statt seine eigene Leistungsfähigkeit auszuschöpfen, greift dieses Land lieber Anderen in die Tasche.

    • ergo sum - 20. August 2012

      “Ob die übergroße Vermögenskonzentration womöglich die Urache der Krise ist?”
      Offensichtlich ist dies nicht der Fall, denn Europa hat die Krise, nicht USA, Japan und China, wo die Konzentration am höchsten ist.

      • Lothar - 20. August 2012

        USA und Japan haben die Krisen auch und teilweise noch deutlich massiver nur wird das nicht thematisiert weil in der USA weiterhin die FED das aufkaufen uebernimmt und ueber Japan wird nichts berichtet obwohl es dort gerade massiv bergab geht.

  • gilga - 20. August 2012

    Müsste man nicht alle Daten noch auf pro Kopf der Bevölkerung gewichten?

    Es ist ja durchaus informativ zu sehen das China oftmals auf Platz 3 kurz vor Deutschland geführt wird. Aber was sagt es schon das in China etwas mehr Superreiche leben als in Deutschland bzw. der prozentuale Anteil an der Gesamtmenge der Superreichen der Welt welche in China leben etwas höher ist als in Dtl.?

    Wenn wir jedoch die Zahl der in den jeweiligen Ländern lebenden Personen mit einbeziehen liegt China vermutlich in vielen Aufstellungen am unteren Ende der Tabelle…

    Aber warten wir mal ab wo Du mit den nächsten Teilen der Reihe hinwillst… ;-)

  • M.E. - 20. August 2012

    Die Vermögen in Geldform oder geldähnlicher Form werden zum allergrößten Teil verdampfen in diesem Jahrzehnt, weil sie auf einem immer wackliger werdenden Schulden-Kartenhaus basieren, dem ständig neue Etagen hinzugefügt werden.
    Und innerhalb der nächsten 25…30 Jahre werden dann diese Vermögen dauerhaft vernichtet sein, weil sie nicht nur auf einem unhaltbaren Schulden-Ponzisystem basieren, sondern zusätzlich auf einem vorübergehenden Wertschöpfungsmaximum, angetrieben mit billiger Energie.

    Und das ist letzten Endes auch ganz in Ordnung, denn mal ehrlich: solche Vermögenmszusammenballungen sind doch total krank. Oder?
    Leider haben aber die großen Vermögensakkumulatoren zwischenzeitlich noch die Möglichkeit, ihre absehbar weitgehend wertlos werdenden Geld- und geldähnlichen Vermögen in später sehr viel knapper werdende reale Werte (Grund und Boden, Wasserrechte und andere Basisressourcen) umzutauschen, so dass nach dem Kollaps des Finanz- und Währungssystems auch nicht mehr Verteilungsgerechtigkeit in Sicht ist.
    Ob sich in Zeiten eines verschärften Kampfes um wichtige Ressourcen diese realen Vermögen einer hohen Rechtssicherheit erfreuen können, bleibt dahingestellt. Die private Aufrüstung, die diese zukünftige Unsicherheit an realen Rechtstiteln durchsetzen wird, ist ja in vollem Gange.
    Aber Vorsicht: auch die enteignete Gegenseite ist zumindest in manchen Ländern (zuallererst in den USA) ebenfalls hochgerüstet.

    Alles keine Aussichten, wie ich sie mir wünsche. Andererseits wünsche ich mir auch keine Aufrechterhaltung des jetzigen Status Quo. Bleibt nur, auf ein Wunder zu hoffen, dass aus all dem doch noch etwas Wünschenswertes erwächst. Dazu bedüfte es allerdings eines plötzlichen Reifungsprozesses der Menschheit. Und den kann ich nun garnicht erkennen.

  • Hansi - 20. August 2012

    Ich empfehle Marriner Eccles, FED-Chairman 30er bis 50er.
    http://londonbanker.blogspot.de/2011/09/testimony-of-marriner-eccles-to.html

    Seine Ursachenanalyse der Depression: ungleiche Einkommensverteilung. Der Mann muss in der Blogosphäre noch bekannter werden!

    “The United States economy is like a poker game where the chips have become concentrated in fewer and fewer hands, and where the other fellows can stay in the game only by borrowing. When their credit runs out the game will stop.”

    • ergo sum - 20. August 2012

      Eccles war ebenfalls ein Heiliger der letzten Tage, ein Mormone wie Romney.

  • Traumschau - 20. August 2012

    Hallo Stefan, Danke für den Beitrag!
    “Der US Survey of Consumer Finances, auf den sich die Studie unter anderem stützt, berücksichtigt beispielsweise die 400 reichsten US-Familien nicht. Laut Forbes Magazine kamen die Milliardäre 2011 weltweit auf ein Gesamtvermögen von ca. 4 500 Milliarden Dollar, heißt es in der Studie. Weil das weniger als zwei Prozent des in der Credit-Suisse-Analyse bestimmten globalen Gesamtvermögens entspricht, sehen die Verfasser die Aussagekraft der Analyse durch die in diesem Punkt lückenhaften Daten nicht infrage gestellt.”

    Ich finde das schon beinahe grotesk, dass aus dem Grund, dass diese Vermögen “nur” an die 2% betragen, diese nicht mit einbezogen werden. Wenn man sich einmal vorstellt, was man nur mit 10% dieses Vermögens (also 0,2%) an sinnvollen Dingen zun könnte, fällt einem fast die Kinnlade runter. Ich habe den Eindruck, dass die reale Vermögensverteilung so gar nicht wirklich öffentlich werden soll.
    Wen das Thema für Deutschland interessiert, hier ein differenzierter Beitrag dazu:
    http://www.nachdenkseiten.de/?p=12782

    LG Andreas

  • ergo sum - 20. August 2012

    Interessant, dass Japan beim Reichtum überall an zweiter Stelle liegt, nur nicht bei den Einzelpersonen. In anderen Worten ist der Reichtum dort unter einer größeren Zahl von Individuen verteilt als in China, was hier (und nur hier) an zweiter Stelle liegt.

  • Das Häschen - 20. August 2012

    Das KIWIFO hat sich die Mühe gemacht Schätzung miteinfliessen zu lassen in die offizielle Statistik der 5 Weisen aus ’09.

    http://www.kiwifo.de/html/darstellungen_der_vermogensver.htm

    Ansonsten … großes Übel allerorts.

  • JL - 20. August 2012

    Sehr geehrter Stefan L. Eichner,

    In Ihrer Abbildung 2 kann man eigentlich wie in einem Buch lesen.

    Erstaunlich ist wohl, daß die Dienstleistungs- und Finanzdienstleistung orientierten Länder wohl eher „magerer“ werden (USA, GB), während die BRIC – Staaten (ohne Rußland- nicht dargestellt) auf Grund ihrer realwirtschaftlichen Erfolge bisher „Zugewinne“ verbuchen konnten. Bemerkenswert ist auch Japan, hier haben der wohl deflationäre Binnenmarkt, wie auch die auf Export ausgerichtete Wirtschaf t ihre „Schleifspuren“ hinterlassen.

    Ergo erscheint das angelsächsische Wirtschaftsmodel- auch auf dem Konto des ein oder anderen-sich dauerhaft nicht zu bewähren.

    Mit freundlichen Grüßen

    JL

  • klaus - 20. August 2012

    Sind die Privaten Banken anscheinend bankrott ?
    Oder warum rettet man sie, wie die privaten Krankenkassen,
    die mit Lobbygesetzgebung saniert werden
    und die Krankenhäuser ohne Medikamente
    lassen, wie heute in WiSo gesehen?

    Jetzt soll die EZB über die öffentlichen Banken
    verfügen dürfen.

    http://www.handelsblatt.com/unternehmen/banken/bankenaufsicht-privatbanken-wollen-bafin-und-bundesbank-entmachten/7024534.html

    Da sind wohl Tinas Urlaubsideen vom lieben Monty Python.

    Warum sollte man hier noch S/G wählen?
    Weil die den Sozialismus gegen den kleinen Mann praktizieren?

    Gehts noch?

    Und die FDP findet das gut ?
    Hauptsache man darf sein Unversteuertes in der Schweiz
    behalten?
    Und ein Unrasierter erklärt uns das bei Jauch ?
    Aber das passt mittlerweile zu Deutschland.

    *kopfschüttel*

  • klaus - 20. August 2012

    Mit einem NAZI – Plan den Euro retten? Die neue Herren-Rasse?

    http://www.telegraph.co.uk/finance/comment/citydiary/9478382/Pre-war-Germany-has-blueprint-to-end-debt-crisis.html

    Und die EZB wird zur totalen Bad Bank?
    Kauft zuest auf Sicht die ganzen schlechten Papiere.
    Die Staaten finanzieren sich nicht mehr wie üblich über 10jährige Anleihen, usw.
    sondern über Kreditabkommen über ihre Landesbanken.
    Und die Haftung der jeweiligen Landesbank sind wir Alle.

    Schmunzeln muss.
    Das heißt doch schlicht, das alle Anleihenkäufe bisher,
    weggeworfenes Geld sind und die Geberländer finanziell
    auf das Niveau des Nehmerlandes gebracht werden.

    Das Geld wurde gedruckt, es wurden entindustrialisiert,
    um die Schrottanleihen mit der EZB zu kaufen und
    das Geld ist weg !
    Nehme an Target2 und ELA ebenso.
    Sind das denn jetzt die rund 4 Billionen? Grob geschätzt
    nach Gefühl,wohl eher 3 Billionen.
    Und wie kriegt man die restliche Billion aus dem System?

    Alte totschlagen? Renten und Pensionen senken?
    Arbeitsamt durch Freiheit ersetzen?
    Wer krank ist, darf sich zu Hause auskurieren und/oder
    sterben?
    Alles auf Null ausser für die Superreichen?

    Welch ein Masterplan.

    Und natürlich sollen alle in den Reichsarbeitsdienst?
    Was hat man heute?
    Also bis dahin nicht Hartz4 sondern Schröder5 !

    Das soll dann wohl durch eine GROSSE KOALITION beschlossen
    werden.
    Natürlich ohne Volksentscheid.

    Und knapp nach 3 Billionen machen sich alle Staaten
    auseinander.
    Es gibt ja welche, die noch geistig fit sind.

    Billiger kann man Schulden nicht loswerden.

    In dicken ROT/SCHWARZEN Buchstaben wird
    uns das Ganze wohl erstmal auf Papier präsentiert.

    Bin schon ganz gespannt.

    ;(

  • Johanna Geisel - 21. August 2012

    Vielen Dank für diesen informationsreichen Artikel. Ich freue mich auf den zweiten Aufsatz.

  • leslie - 21. August 2012

    Friede den Hütten,Krieg den Palästen.

    Das ist das einzige was man nach diesem Artikel sagen kann.

    Mfg

  • Martin - 21. August 2012

    Hallo,

    ich habe eine Frage zur Definition von “Vermögen” in der Analyse der Credit Suisse: Beinhalten die finanziellen und nicht-finanziellen Mittel auch Unternehmensvermögen, d.h. Anteile an oder Besitz von Unternehmen?

    In der Aussage “…kamen die Milliardäre 2011 weltweit auf ein Gesamtvermögen von ca. 4 500 Milliarden Dollar, heißt es in der Studie. Weil das weniger als zwei Prozent des in der Credit-Suisse-Analyse bestimmten globalen Gesamtvermögens entspricht…” erscheinen mir diese zwei Prozent doch etwas niedrig. Ich müsste z.B. im Sozialbericht für Österreich nachsehen, aber dort war der Anteil der oberen 10 Prozent am Gesamtvermögen doch höher, wenn ich mich richtig erinnere.

    MfG Martin

    • SLE - 21. August 2012

      Hallo Martin,

      je nach Statistik werden unterschiedliche Einheiten Einheiten erfasst (Einzelpersonen, Erwachsene, Familien). Die Daten sind nicht konsistent und sehr lückenhaft. Die Credit Suisse hat diese Probleme – wenn ich es richtig verstanden haben – zumindest soweit umschifft oder gelöst, dass sie zu annehmbaren Schätzungen kommen konnte. Dass bedingt dadurch insbesondere das Vermögen der Top-Vermögenden – um es mal vorsichtig zu formulieren – sehr wahrscheinlich (und sehr wahrscheinlich nicht nur marginal) unterschätzt wird, steht in der Analyse und auch ich habe im Aufsatz darauf hingewiesen.

      Ich komme aber noch mal darauf zurück – im 2 Teil.

      Grüße
      SLE

      • Martin - 23. August 2012

        Dann bin ich schon gespannt auf den 2. Teil. Ich möchte einen generellen Dank für deine konstanten Bemühungen um die Aufarbeitung solcher Daten aussprechen.

        Grüße,
        Martin

  • Canabbaia - 21. August 2012

    Ein verdienstvoller Eintrag, Herr Eichner, der aber lediglich ein Einstieg in die eigentliche Debatte sein kann. Das Problem ist m. E. nicht die Vermögenskonzentration als solche, sondern der Umstand, dass Geld in großem Umfang gehortet wird, und nicht als “Eigengeld” in den Konsum zurückfließt.

    Die Geldbesitzer wollen oder können ihre Vermögen nicht verkonsumieren, aber auch nicht in die Realwirtschaft investieren. Also zirkuliert das Geld in seiner ganz eigenen Sphäre, den “reinen” Finanzmärkten. Oder es wird nur in Form von Krediten in die Realwirtschaft zurückgespeist, was naturgemäß auf Dauer nicht funktionieren kann.

    Was also zu diskutieren wäre, ist die (übrigens schon recht alte!) sog. “Unterkonsumtionstheorie” des “es wird zuviel Geld (als solches) gespart”.
    Und da wären dann nicht alleine “die Reichen” die Schuldigen. Sondern potentiell auch Rentenfonds sowie Länder mit Leistungsbilanzüberschuss (Deutschland, China).

    Diese Frage (die oben auch “Hansi” mit dem Verweis auf M. Eccles angeschnitten hat) diskutiere ich mit mir selbst schon länger (z. B. in meinem Blog-Eintrag “Die Ökonomie der Artos-Phagen: Warum eine eigentumsbasierte Geldwirtschaft (im Basismodell) nicht dauerhaft funktionieren kann” – http://beltwild.blogspot.de/2010/01/die-okonomie-der-artos-phagen-warum.html) und habe sie auch häufig in der Debatte bei kantoos economics eingebracht. Reaktion mehr oder weniger Null.

    Es ist halt allemal leichter, sich über “Die Reichen” aufzuregen, als eine ökonomische Frage wirklich radikal zu stellen, oder gar zu klären. Und die allermeisten Menschen haschen leider lieber nach dem raschen Schein-Erfolg, statt sich die Mühe einer tieferen Suche (mit dem ständigen Risiko des Scheiterns) zu machen.
    Insoweit sind wir dann leider doch ein “armes Deutschland”.

    • wonko - 23. August 2012

      ja, des Pudels Kern:

      Nachfragefinanzierung bei gegebener und sich stetig erweiternden Ungleichverteilung.

      Dabei ist es ganz offensichtlich,
      daß darin die eigentliche Ursache liegt.

      Mittels immobiliengesichertem-Konsum-auf-Pump wurde jahrelang über die privaten HH der Wirtschaftskreislauf finanziert;
      anschliessend über staatliche Ausgaben auf Pump (wobei ein großer teil der Neuverschuldung natürlich dem Löcherstopfen aus den uneinbringlichen Immobilienkrediten geschuldet ist).

      Jetzt sind die privaten ebenso wie die staatl. HH überschuldet – und geschwafelt wird von “Schuldenkrise” anstatt von einer Krise der fehlenden Nachfragefinanzierung, sprich: Umverteilungskrise.

  • wonderworld - 21. August 2012

    wieso fehlt eigentlich Rußland in den Zahlen gänzlich?

    • SLE - 21. August 2012

      Wieso? Die Russen tauchen doch im Chart zu den Ultra High Net Worth Individuals auf (Platz 10). Und wenn ich zur Einkommenskonzentration komme, sind sie auch mit dabei.

      Grüße
      SLE

  • Canabbaia - 21. August 2012

    Hier ein Link zum FAZ-Interview
    “Ökonomen im Gespräch (3): Carl Christian von Weizsäcker über den Nutzen von Staatsschulden für die schwäbische Hausfrau, die Logik von Nullrenditen und die Bedeutung der Kapitaltheorie”,
    in dem anscheinend genau das diskutiert wird, was ich in meinem o. a. Leserkommentar angesprochen habe: http://faz-community.faz.net/blogs/fazit/archive/2012/07/24/oekonomen-im-gespraech-3-carl-christian-von-weizsaecker-ueber-den-nutzen-der-staatsverschuldung-fuer-die-schwaebische-haushfrau-und-die-logik-niedriger-anleiherenditen.aspx

  • Georg Trappe - 22. August 2012

    Vielen Dank fuer diesen hervorragenden Artikel und die Arbeit, die Sie sich mit der Aufbereitung der Daten gemacht haben. Diese Grafiken in Verbindung mit Ihren Erklaerungen offenbaren etwas, was durchaus verdient, als moegliche/wahrscheinliche Wurzel der Probleme, die seit nunmehr fuenf Jahren die Welt in Atem halten, in Betracht gezogen zu werden.
    Wenn man dabei davon ausgeht, dass auch die liquiden Anteile der Vermoegen so verteilt sind, wie Sie hier so wunderbar anhand empirischer Daten dargestellt haben, dann bedarf es nicht mehr viel Phantasie, sich vorzustellen, was dies fuer die Stabilitaet von Banken oder das Bankensystem eines Landes, deren Bilanz auf der Passivseite eine derartige Einlagenstruktur aufweisst, bedeutet.
    Wenn nur ein Bruchteil der hier mit Top 1% Bezeichneten dem Beispiel des Shell CFO, Simon Henry, folgt, dann laufen die davon betroffenen Banken ruckzuck reihenweise trocken, es sei denn ein Mechanismus wie Target2 greift und fuellt die Luecken mit frisch geschoepftem Zentralbankgeld.
    Den Banken ist diese prekaere Abhaengigkeit vom Verhalten der Top1% bewusst und erklaert meiner Meinung nach eine ganze Reihe von “merkwuerdigen” Verhaltensweisen und Finanzinnovationen. Ich habe diese Sichtweise mal hier versucht zu erklaeren:
    http://diebankensinddiedummen.blogspot.de/2012/05/das-fettaugensyndrom-aus-der-sicht-der.html

    Viele Gruesse

    Georg Trappe

    P.S.: Ich bin schon sehr gespannt auf Teil2!

  • topperhopper - 22. August 2012

    Zitat: “Auf einer tieferen Betrachtungsebene geht es dabei jedoch noch um etwas anderes, nämlich um die Frage, ob und inwieweit die Einkommens- und Vermögenskonzentration in letzter Konsequenz nicht vielleicht die zentrale Ursache der Krise ist”

    –> Es gibt die Konzentration von Vermögen und Einkommen. Zweifelsohne. Aber diese als Ursache der Krise auszumachen ist mE zu kurz gesprungen. Die Konzentration ist nämlich nur möglich durch unser bestehendes Geldsystem. Ob und welche anderen Geldsysteme besser oder schlechter sind will ich hier gar nicht diskutieren.

    Nur – letzten Endes liegt der Schlüssel zur Lösung der Krise nicht bei Vermögensteuern etc., denn die verteilen nur um, damit danach die Konzentration von vorne beginnt (wobei: im ständigen Reload könnte auch die “Lösung” liegen). Der Schlüssel liegt – meiner Meinung nach – in einer Reform unseres Geldsystems. Alles andere kratzt nur an der Oberfläche bzw. bekämpft die Sympthome.

    VG

    • Georg Trappe - 22. August 2012

      @topperhopper
      Ich denke schon, dass die Konzentrationsprozesse bei Vermoegen, aber auch bei Firmen und Konzernen ein wichtiger Teil eines Ursachenbuendels sind, bei dem einige elementare Dinge katalytisch zusammenwirken und so ihre verheerende Wirkung entfalten. Fatalerweise sind die Konzentrationsprozesse, ich habe das mal salopp Fettaugensyndrom genannt, ein nicht wahrgenommener Nebeneffekt eines wirtschaftlichen Erfolgsrezepts, das so verinnerlicht ist, das es garnicht mehr in Frage gestellt wird bzw. als Ursache fuer schaedliche Nebenwirkungen in betracht gezogen wird. Dieses Erfolgsrezept heisst Reinvestition von Ersparnissen und Gewinnen zur Produktivitaetserhoehung. Immer wieder, Jahr fuer Jahr.
      Wenn wirtschaftlich aktive Menschen
      1.) in der Lage sind Ueberschuesse zu erwirtschaften,
      2.) diese Ueberschuesse zur Produktivitaetserhoehung reinvestieren, um sich so einen Weg in eine bessere Zukunft zu erschliessen,
      3.) dabei der Erfolg der Akteure von Jahr zu Jahr schwankt und einer zufaelligen Streuung unterliegt, dann reicht das alleine aus um Konzentrationsprozesse in Gang zu setzen, die genau das zeitigen, was im Artikel so eindruecklich dargestellt ist. Wenn diesem “Automatismus” keine Beachtung geschenkt wird und er ueber Zeit staendig weiter fortschreitet, dann kommt es zu einer Konzentration der Mittel, die das System Wirtschaft aus verschiedenen Gruenden instabil werden laesst. Die dadurch zunehmende Unfaehigkeit Schulden zu tilgen ist einer davon. Es gibt ein mathematisches Modell, was dies nachvollzieht und verdeutlicht. http://fettaugensyndrom.blogspot.com/

      • Futur - 22. August 2012

        @ Georg Trappe

        Die Ökonomen wissen selber, dass ihre Theorien nicht funktionieren können. Wenn man mit ihnen auf einer höheren theoretischen Ebene, so wie Sie, diskutiert, kommt …nichts. Es müsste auch dem dümmsten “Wirtschaftswissenschaftler” klar sein, dass wir in einer hochgradig instabilen, dynamischen Wirklichkeit leben. Und die kommen dann mit über 80 Jahre alten Theorien aus der Mottenkiste.

        Solange die Ökonomen sich irgendwelche dubiosen Investmenttipps geben können, sind sie zufrieden, nur daran sind die meisten wirklich interessiert. Nur leider ist es für uns alle entscheidend, welche ökonomischen Theorien maßgeblich umgesetzt werden.

        Die seriösen und kompetenten, am Gemeinwohl und der Wissenschaft, orientierten Ökonomen, muss man wirklich suchen. SLE, vielen Dank, ist wirklich eine Ausnahme!

        Haben Sie schon eine Idee, wie man eine zweckmäßige ökonomische Theorie für eine instabile, dynamische Wirklichkeit konstruieren könnte? Oder kennen Sie eine?

        Grüße
        Futur

        • Georg Trappe - 22. August 2012

          @Futur
          Soweit ich das sehen kann ist Steve Keen einer der am weitesten fortgeschrittenen Oekonomen, der Dynamik, Rueckopplungen (Mit- und Gegenkopplungen) und die Bedeutung von Quellen und Senken und daraus resultierende Stroeme in seine Modelle / Theorien einbezieht.
          Er betrachtet Wirtschaft als ein dynamisches, potentiell instabiles System. Einer grosser Fortschritt, der nicht genug gewuerdigt werden kann.
          Ein anderer Aspekt, der auch bei Steve Keen, meiner Meinung nach nicht beruecksichtigt ist, ist die Tatsache, dass bei diesen dynamischen Modellen mit aggregierten Groessen operiert wird. Das heisst implizit wird auf der Makroebene Homogenitaet oder eine zeitinvariante Verteilung auf der Mikroebene unterstellt. Das muss bei offenen Systemen aber nicht so sein.
          Und daraus kann sich etwas ergeben, was dann auch solchen dynamischen Modellen, wie Steve Keen sie vorschlaegt, entgeht. Daher muss man in Ermanglung einer Theorie/Methode, die bei offenen, gleichgewichtsfernen Systemen Makro und Mikro widerspruchsfrei und vollstaendig unter einen Hut bringen, neben den dynamischen Betrachtungen auch die stochastische Perspektive im Auge behalten.
          Mit anderen Worten gesagt, das BIP, BIP pro Kopf, Schulden pro BIP etc. und ihre zeitlichen Entwicklungen und dynamischen Abhaengigkeiten sind bestenfalls die halbe Wahrheit. Die Entwicklung eines Theilindex/Ginikoeffizienten, der ja Struktur-, Hirachiebildung>Entropiesenkung beschreibt/abstrahiert, ist ein Aspekt, den man z.B. mit im Auge behalten sollte, wenn man ein offenes, gleichgewichtsfernes System erfassen moechte.
          -
          Das ist leider in Bezug auf Wirtschaft alles in einem sehr fruehen Stadium.
          Unter dem Begriff Econophysics findet sich einiges.
          Eine ganz gute Zusammenfassung findet sich hier:
          http://cob.jmu.edu/rosserjb/RMP.v3.refs.pdf
          -
          Viele Gruesse

          Georg Trappe

          • Futur - 23. August 2012

            @ Georg Trappe

            Der Link hat es aber in sich!
            Das werden aber Einige, die ich aus Freundlichkeit nicht nennen mag, in 90 Jahren nicht verstehen. Auch ich brauchte etwas, um dies mal durchzurechnen. Heraus kam:
            1,1,1,1,0 – der Binärcode! Oder auch Shakespeare: “To be, or not to be – that is the question”

            Verschiedene Zustände außerhalb der berechenbaren Stabiltät:

            1. Das Phänomen “Schwarzer Schwan” – unvorsehbares Ereignis außerhalb regulärer Erwartungen
            Z.B. Absturz der Challenger wg. fehlerhafter Dichtungsringe, oder Fukushima wg. falschem Standort

            2. Rückkopplungen in stabilen Systemen – Dynamisches System
            Herauskatapultierter Asteroid aus dem stabilen Astroidengürtel durch Rückkopplung v. Jupiter & Saturn, Negative Anreize durch Sozialhilfe, Finanzkrise durch Deregulierung, Währungskrieg

            3. Nichtlinearitäten – Exponentielle Systeme
            Raumkrümmung, Schwarzes Loch, Geldsystem, demografische Struktur

            4. Potentiell instabile Systeme
            Die Märkte, der Mensch, das Universum – also Alles

            – Alles ist potentiell instabil. Die Stabilität ist nur ein Grenzfall der Instabilität (O.K. die Erkenntnis stammt aus der Physik).

            Deshalb reicht es, sich auf die Beschreibung von instabilen Zuständen zu konzentrieren.
            Mit welcher Methode können Instabilitäten, die per Definition in der Zukunft liegen, erfasst werden?

            Man stellt eine möglichst weitreichende Hypothese auf und überprüft (falsifiziert) diese dann:
            Hypothese besteht Falsifikation1,1,1 Hypothese wird falsifiziert 0, Verbesserung der Hypothese,
            1,1,1,1,0 Verbesserung der Hypothese, 1,1,1,1,1,0 Verbesserung 1,1,…

            So was nennt man auch ein offenes System, da es der dynamischen, sich ändernden Wirklichkeit
            angepasst werden kann. Ob etwas existiert oder auch nicht, ist das Einizige, das wir mit ausreichender Sicherheit wissen können!

            Viele Grüße
            Futur

        • JL - 22. August 2012

          Hallo Futur,

          Sie sollten nicht so unfreundlich sein.

          Sicher haben Sie aber- meiner Meinung nach- Recht, wenn Sie eine fehlende theoretische ökonomische Bewertung der ökonomischen Theorien bemängeln. Dies ist- aus meiner Sicht- schlicht nicht möglich! Wenn ein Geldsystem auf „nichts“ aufgebaut ist kann man es entsprechend auch nicht bewerten.

          Was aber haben denn die früheren ökonomischen Vordenker gemacht? Diese haben ökonomische Theorien auf Grund des vorhandenen geldwerten Zustandes (Geldwert) ihrer Zeit entwickelt. Gibt es des diesen „inneren Geldwert“ noch seit 1972?

          Wenn nicht, müssen also alle früheren Ökonomen gegenwärtig unrecht haben, da schlicht die finanztechnische Grundlage ihrer Überlegungen fehlt.

          Mit freundlichen Grüßen

          JL

          • Futur - 22. August 2012

            Hallo JL,

            nö, nö, nö – nicht ich bin unfreundlich, sondern Ihre werten Kollegen. Ich stelle immer nur Fragen!
            Die tun nur vielleicht mal weh, wenn ich auf logische Widersprüche hinweise, dann können manche auch mal böse werden. Seien Sie doch ehrlich, die Ökonomen, die ganz klar sagen, dass alle ihre Theorien versagen, sind absolut in der Minderheit. Nur die Wirklichkeit zählt, deshalb lesen wir doch alle querschüsse. Die Tabellen sprechen…und die Ökonomen schweigen, so ist es!

            Liebe leidende Wirtschaftswissenschaftler.
            Das Leben ist soo ungerecht! Jetzt haben Sie jahrelang soviel auswendig lernen müssen und dann dies. Der böse Richard N., der ganz weit weg regierte, hat, nur weil sein Land angeblich von den Dschungelkindern angegriffen wurde, den Goldstandard aufgehoben. Was können Sie denn dafür? Nichts.

            Deshalb war es schon korrekt, das alles zu ignorieren. Von Fiat-Geldsystem, der Finanzindustrie, den Immobilienblasen und Derivaten steht doch absolut nichts in Ihren Theorien. Sie haben doch nicht wissen können, dass die bösen Banker das Recht der Geldschöpfung mal ausnutzen, und dass Millionenfach verschuldete Haushalte nichts zur Konjunktur beitragen können, während die Reichen ihre Kapitalerträge ins Unermessliche steigern, statt 20 Porsche, 3 U-Boote und 2 Flugzeuge zu kaufen…das ist auch nicht fair.

            Immerhin können Sie Ihr Wissen beim Plaudern über Investitionen gebrauchen, da stört Sie wenigstens keiner. Nachdenken über ein neues Wirtschaftsmodell, nein, das geht gar nicht, denn Denken, also, Wirtschaftswiss…moment jetzt darf ich mir nicht widersprechen.

            Sie haben also schon ein ganz klein bisschen Recht!

            Herzliche Grüße
            Futur

    • wonko - 23. August 2012

      Nimm Dir doch drei Mitspieler und spiel eine Runde Monopoly.

      Allerdings mit einer Startaufstellung welcher der Vermögensverteilung der Realität entspricht.

      Am besten nimmst Du selbst die Rolle des Spielers ein, der die 25% der reichsten repräsentiert.
      Das “Spiel” läuft schon seit einigen Jahren – dementsprechend gut mit Hotels bestückt (Produktivkapital) ist das “Spielfeld”.

      Da brauchts kein Zinsgeldsystem- da kannst Du auch mit Goldmünzen spielen
      um festzustellen, daß es ein Verteilungsproblem ist.

      “Spielen” geht da nur noch “per Anschreibenlassen”.

      … oder man überlegt sich ein anderes, evtl. leistungsorientiertes Verteilungssystem.
      (der 25%-Spieler wird z.B. über eine Deckelung der Erbschaftsmasse enteignet,
      die resultierenden Kapitalerträge des sozialisierten Eigentums in einen Topf geworfen,
      die eine Hälfte erhält jeder Spieler anteilig beim “über-Los-kommen” als BGE,
      die andere Hälfte gibt es fürs Arbeiten an und um das Produktivkapital bzw. kann für Investitionen (venture capital) abgezogen werden.
      (wobei ich für letzteres fiat money empfeheln würde – sonst gibt es zwangsläufig Deflation …)

      • Michael S. - 23. August 2012

        Richtig wonko!

        Bei Monopoly erkennt das jedes Kind… Wie Herr Trappe so treffend sagt das Fettaugensyndrom!!!

        Interessant ist aber das Monopoly im Gegensatz zur Realität das bessere Geldsystem hat…

        Man stelle sich mal vor das zusätzliche Geld “über Los gehen (dort ist ja JEDER Spieler gleich berechtigt ob arm ob reich)” gibt es nicht mehr!
        Stattdessen kann sich der Spieler mit den meisten Sicherheiten (der Fetteste…) auch das meiste Geld leihen… zu sagenhaften Zinsen von 1%… Wer arm ist geht leer aus er hat ja auch keine Sicherheiten (aka Grundstücke) oder nur sehr schlechte…

        So sieht auch jedes Kind wo das Ende ist… Vor allem wenn man Bedenkt dass das zusätzliche Geld (Haben aber nur die Fettesten!) auch noch Inflationär wirken müsste und die Preise für Grundstücke und Häuser nach oben treiben müsste(ganz schlecht für die armen)… Bei Monopoly sind die Preise ja kommunistisch gedeckelt…

        Der Crash ist so also unvermeidlich! Also ist doch klar dass die Häuser irgendwann alle verfallen werden weil niemand mehr darin mieten kann…

        Gruß Michael S.

  • klaus - 22. August 2012

    Darf ich zusammenfassen?

    1. Mit 1 Mio Euro Taschengeld kann man mehr Böses tun,
    als mit 10 Mio Immo.

    2. Hat man genug Geld und kann mit Mrd hüpfen, kann man
    allein oder in Gruppe beim Wechsel von Wirtschaftsräumen
    diese zwingen, die jeweilige Wirtschaft zu retten.

    Um beim Rettungs/Stabilisierungsversuch dann beispielsweise
    das EZB-Geld abzukassieren.

    Global Player nennt man das.
    Das erklärt dann auch die Rettung der griechischen Geißel.
    Die aber nie gerettet wird.

    Griechenland ist nix wie die Drehscheibe der Finanzpiraterie.

    Wir sollten hier den Armen helfen und Rest pleitegehen lassen.
    Warum keine Wohnungs und Lebensmittelscheine für die Armen unter
    der Bedingung nicht zu arbeiten.
    Das tötet auch den jetzigen Peiniger.
    Denn wenn kein Geld fließt, wir bald erkennbar, wer den Husten bekommt.

    Geht nur bei kleinen Ländern, aber sind es nicht eben exakt kleine
    Länder, wo sich Pest draufstürzt?

    Könnte das die Lösung sein?

    Gruß klaus

  • Georg Trappe - 23. August 2012

    @ Futur

    Ja, es ist muehsam, das ist unbestritten. Man kann sich die Muehe machen, mit unsicherem Ergebnis oder man kann es lassen. Dann ist zumindest sicher, dass es kein Ergebnis geben wird. Soweit geht meine Sehnsucht nach Stabilitaet/Sicherheit aber nicht.

    Fuer diejenigen, die sich die Muehe machen wollen und fuer den Fall, dass Sie es sich vielleicht doch noch anders ueberlegen, hier ein Link auf Steve Keens Webpage:

    http://www.debtdeflation.com/blogs/manifesto/

    • Futur - 23. August 2012

      @ Georg Trappe

      Könnten Sie bitte die von mir vorgestellte Methode, die eine offene, schrittweise Annäherung an die potentiell instabile Wirklichkeitbeschreibt, kritisieren. (Basiert auf dem Wissenschaftstheoretiker Karl Popper, ist aber weiterentwickelt).

      Die Mathematik ist nicht falsifizierbar. Außerdem gibt es verschiedene mathematische Systeme, wie z.B. das euklidische und nicht-euklidische.

      Es geht doch bei Instabilitäten um den aktuellen Zustand – da braucht man beide Methoden, die deduktive Logik verbunden mit der induktiven Überprüfung (Falsifikation) als die Verbindung zur Wirklichkeit. (Einstein wusste dies bereits, denken Sie an die Sonnenfinsternis – und die
      Relativitätstheorien konnte er nur mithilfe der deduktiven Methode erstellen).

      Bei Schumpeter, Minsky und Keen finde ich Erkenntnisse, die mit der von mir vorgestellten Methode auch gefunden würden. Es kann aber nicht um einzelne Ergebnisse gehen, denn bei potentiell Instabilen Systemen gibt es keine “Wahrheit”, denn das wäre ja ein sozusagen stabiler Endzustand.
      Deshalb geht es mir mehr um die Methode, mit der man die immer aktuelle Wirklichkeit eingrenzen kann.

      Viele Grüße und auch vielen Dank,
      Futur

  • cmp-gl - 24. August 2012

    Das Buch “Euro-Poker – Ein Ex-Banker packt aus“ von Bankvorstand a. D. Lange zeigt auf Basis echten Insiderwissen und dabei ebenso leicht verständlich, als fundiert geschrieben, auf, wo der € wirklich steht und was tatsächlich auf uns zukommt:

    http://books.google.de/books?printsec=frontcover&id=vW9QL0kwgHkC#v=onepage&q&f=false

    Und weil der Fisch bekanntlich am Kopf zu stinken beginnt, ist es kaum noch verwunderlich, was bundesdeutsche Praxis zur Pressefreiheit darstellt und wozu auch selbst Alle, die sich bsw. bzgl. China und Ai Weiwei, der Ukraine und Julia Timoschenko bzw. Russland und Pussy Riot zu Wort meldeten, hierzu bislang leider Nichts zu sagen haben:

    4 deutsche Journalisten, wegen ihrer Recherchen von Behörden und Justiz bedrängt, teils sogar körperlich und damit dauerhaft gesundheitlich geschädigt sowie insgesamt in ihrer wirtschaftlichen Existenz bedroht benötigen das Wunder der breiten öffentlichen Unterstützung, denn die Attacken gegen sie und die Pressefreiheit erfolgen nicht in China, Iran, Nordkorea oder Russland, sondern mitten in Deutschland!

    Dies und Skandale der teils (landes-)politisch gedeckten Wirtschaftskriminalität
    http://www.ethik-in-der-wirtschaft.de und http://www.justizversagen.de benötigen dringend mehr Öffentlichkeit und breite Unterstützung!

    Dazu unsere Bitte an VIP’s, KünstlerInnen und Intellektuelle um weitere Statements auf unserer home page sowie auch deren Fans und Umfeld, sowie alle Engagierten um ein individuelles Occupy!

  • klaus - 25. August 2012

    Was ist denn hier los?

    IWF sagt Austerität aussetzen bis Wachstum wiederkehrt.

    http://www.telegraph.co.uk/finance/economics/9497849/IMF-advises-delaying-austerity-until-growth-returns.html

    Geht es hier um melken oder abschöpfen? Toll.

    Tja, dann stimmt es wohl, was Gertrud Höhler vermutete.
    Wir werden bald einen Diktator haben.

    Und hier verkauft Mouchel an seine Gläubiger.

    http://www.telegraph.co.uk/finance/newsbysector/supportservices/9498434/Mouchels-restructuring-deal-leaves-shareholders-with-nothing.html

    Und die Aktionäre bekommen NIX, NIENTE.

    Die Stilblüten nehmen so langsam Ausmaße an, die
    kaum noch zu verstehen sind.

    Damit hat die Wirtschaftswissenschaft wohl alle Modelle eingebüßt.
    Es gibt keine Prämissen mehr, bzw. keiner ist bereit
    Prämissen oder Regeln des gemeinsamen Wirtschaftens
    zu dulden.

    Das dürfte ja dann für die FDP das Paradies sein.
    Endlich gibt es keine Tabus mehr.
    Jetzt noch schnell Geld über Strom,Abgaben, usw. einziehen
    und ja keine MWST-Erhöhung.
    Sonst klappt das mit der Umverteilung nach ganz Oben nicht.

    Sonst kann man die Promis welche der Drogen/Schulden-Falle
    in Malle hängen nicht retten.

    Wie wenn die ausser Geld wegschleifen schon mal
    was gemacht hätten.
    Gut das wir da ewig dankbar sind, für ein Liedchen,
    das 50 Jahre Körperverletzung war.

    Sieht aus, als ob Ideen bitter gefragt sind.

    Wenn ich Merkel neben Samaras so gesehen hab,
    hab ich eigentlich gedacht, das Deutschland Griechenland
    Geld schuldet.
    Könnte Merkel tatsächlich nur der Insolvenzverwalter Deutschlands sein?

    Vielleicht sollten wir uns doch etwas von unseren “normalen”
    Alltagsgedanken distanzieren und die Phantasie benutzen?

    Fakt ist, wir geben Geld. Mit jeder Rating-Senkung sogar etwas mehr.
    Obwohl wir kein Downgrade haben.
    Gesichert sind weder Target2 noch ELA.
    Die Bailouts reichen nicht und hinter den Kulissen
    leihen sich unsere Banken 10fache Bailouts.

    Vielleicht sollte die Bild schreiben, das wir AAA-Schuldner sind.
    Oder A+ Schuldner, wenn es um die Banken geht.

    Gut das wir alles UMSONST geliehen bekommen.

    Muahahaha.
    There’s no free breakfast, hieß es mal.

    Gut das Merkel das Geld jedesmal gibt.
    Wenn jemand dabei schmunzelt, könnten
    wir uns vera*** vorkommen.

    Bei sowas braucht man prägnante Verhaltensregeln.
    Das ist schon wichtig.

    ;)

    P.S. Die Griechen kriegen nur Zeit.
    Vielleicht kommt die Zeit aus der ELA-Kasse?
    Aber das ist ja unwichtig. Steht ja unter Sonstige Kosten.
    Storno für U-Boote oder so.

  • Futur - 25. August 2012

    Es ist tatsächlich so, dass sämtliche Theorien der Ökonomen durch eine dynamische, instabile Wirklichkeit ad absurdum geführt werden. Durch das FIAT- Geldsystem, die Deregulierung und Abkoppelung der Finanzmärkte, die Machtkonzentration: http://arxiv.org/PS_cache/arxiv/pdf/1107/1107.5728v2.pdf
    kommen weitere, in keiner Theorie definierte Faktoren hinzu.

    Die einzige von den Machthabern verfolgte Theorie, die ein Zukunft-Konzept auch in Ökonomie darstellt, ist die Neue Weltordnung (NWO). Diese wird aber nicht kommuniziert, außerdem ist sie mit den BRICS-Staaten aktuell nicht umzusetzen.

    Man darf davon ausgehen, dass die NWO auf die gleichen strukturellen Probleme, diesmal im globalen Stil, treffen wird, wie das Konzept der EU. Die sinnvolle Idee, auf der die Gründung der Euro-Zone beruht, trifft auf kaum zu überwindende, diesem Paradigma widersprechende, Realitäten.

    Wir befinden uns also in einer Umbruchphase, in der Sie als Individuum eine Entscheidung treffen können:

    1. Sie akzeptieren die Situation und konsumieren das Mainstream Brot- und Spiele Angebot.

    2. Sie gehen radikal in den Widerstand. (Sind die Gegner/ Opponenten wirklich besser?).

    3. Sie leisten passiven Widerstand, so wie es ein berühmter Professor vorgeschlagen hat.

    4. Sie nützen die Umbruchphase für Ihren persönlichen Profit, wie so viele Bankster & Ökonomen.

    5. Sie akzeptieren das neue Konzept und versuchen, soweit möglich, die Situation zu verbessern.

    Viele Grüße
    Futur

    • Lazarus09 - 26. August 2012

      Naomi Klein, Die Schock-Strategie bringt da ein gutes Stück weiter ;-)
      Bisher versucht sich der Michel, und nicht nur der, in seinem vermeintlich kalkulierbaren Elend einzurichten während die Besitzenden sich die Taschen voll stopfen und die es Ökonomen nicht müde werden das Hosianna auf die bestehenden Umstände zu singen. Durchschaubar aber man hat beschlossen nicht darüber zu reden denn uns geht es ja noch gut ;-) wie bei bei der H4 Jubiläum- Feier hören konnte ..widerlich isn’t

  • klaus - 25. August 2012

    Oha, der DONNERSCHLAG !

    Greift Merkel als europäische Großkanzlerin bald den

    Bayern

    über die EU in den Geldbeutel?

    http://www.spiegel.de/politik/deutschland/kanzlerin-merkel-fordert-neuen-eu-vertrag-a-852054.html

    Muahahaha. Bayern schuldenfrei?
    Von wegen.

    Ein erweiterter Ländersausgleich mit Schuldenbremse
    kommt über den Fiskalpakt.

    Und Horst kriegt das Taschengeld gestrichen,
    Ausgangssperre,hahahahaha.

    Wer zahlt noch den Länderausgleich?

    Das wird lustig. Wie Berlin.

    Arm und sexy für ganz Europa.

    Danach ist das deutsche Verfassungsgericht ein
    geduldeter Brieftaubenverein.

    ;)

    P.S. Bis dahin wird in der Wirtschaft noch ein bischen
    Raubwirtschaft gespielt.
    Euro gegen Dollar, Gerüchte für, Gerüchte gegen.
    Danach ist Armut von deutschen Mittelstand bis
    zum griechischen Hirten gleichmäßig verteilt.

  • klaus - 26. August 2012

    Wir sollten uns überlegen wie wir Weidmann vor
    einem “europäischen” Mordkommando schützen.

    http://www.handelsblatt.com/politik/international/bundesbank-gegen-ezb-weidmann-warnt-vor-der-droge-notenbankfinanzierung/7056280.html

    Letztes Mal traf es den uneinsichtigen Alfred Herrhausen.

    Das war der letzte Verfechter der wahren Deutschen Reiches.
    Nämlich unseres Rechtsstaates Bundesrepublik Deutschland.

    Werden uns die Gierige im Eurowahn wieder um ein Stück Freiheit
    und
    Demokratie bringen?
    Nur um eine weitere Osterweiterung durchzuführen und
    alles Geld über Griechenland in die Osterweiterung zu pumpen.

    Nach dem Motto, tausche Demokratie und Freiheit gegen
    Diktatur und Wachstum,Wachstum, Wachstum.

    Zu unserem vermeintlichen Besten.
    Das sonstwer abschöpft.

    ;)

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