Einlagefazilität sinkt um -132,857 Mrd. Euro zum Vortag

von am 19. Januar 2012 in Allgemein

Die kurzfristige Einlagefazilität (Übernachtanlage) bei der EZB durch die europäischen Geschäftsbanken ist um satte -132,857 Mrd. Euro gesunken. Die Banken der Eurozone bunkerten zum 18.01.2012 “nur” noch 395,327 Mrd. Euro, nach 528,184 Mrd. Euro am Vortag, bei den nationalen Notenbanken im Eurosystem zu einem niedrigen Zinssatz von 0,25%.

Die Entwicklung der Einlagefazilität der Geschäftsbanken bei den nationalen Notenbanken im Eurosystem seit Januar 1999 im Dailychart. Die Übernachtanlage sank zum 18.01.2012 auf 395,327 Mrd. Euro, nach 528,184 Mrd. Euro am Vortag. Der Chart verdeutlicht, dass in normalen Zeiten die Einlagefazilität kaum eine Rolle spielt!

Wenn eine Bank am Tagesende Habensalden auf den ESZB-Konten hat, werden diese automatisch zu Einlagefazilitäten. Die Einlagefazilität wird mit einem Einlagezinssatz von aktuell 0,25% versehen. Die Einlagefazilität wird ständig und in einem unbegrenzten Volumen angeboten.

Die Einlagefazilität sinkt um die gewaltige Summe von -132,857 Mrd. Euro zum Vortag, ohne das vorerst ersichtlich wird, für wo diese Summen nun hinfließen. An den Finanzmärkten gab es keine Entwicklungen die diesen Schwund erklären könnten, vielleicht wird dieses Geld jetzt zur Refinanzierung diverser Banken benötigt, da Schulden überrollt werden?

Nachtrag:

Die Schrumpfung der Einlagefazilität scheint aus einem rein technischen Vorgang zu resultieren, dem Beginn der Reserve Maintenance Periods (Mindestreserve Erfüllungsperiode), die am 18.01.2012 begann und am 14.02.2012 enden wird. Die Mindestreserve Erfüllungsperiode ist der Zeitraum, in dem die EZB die Erfüllung der Mindestreserve der Banken betrachtet, anhand der durchschnittlichen Kalendertagesendguthaben auf den Mindestreservekonten während der Mindestreserve-Erfüllungsperiode. Also die EZB erlaubt den Banken eine Durchschnittserfüllung der Mindestreserve betrachtet über die Mindestreserve-Erfüllungsperiode. Banken neigen dazu, zu Beginn der Erfüllungspriode hohe Mindestreserven vorzuhalten um diese dann zum Ende der Periode zu unterschreiten. Die Mindestreserven werden zu 1% verzinst, kommt es bei einer Bank zu einer Unterschreitung des Mindestreserve Solls, während einer Erfüllungsperiode, so wird ein Strafzins von 4,25% fällig.

Datenkalender zur Reserve Maintenance Periods 2012 und 2013, Bundesbank Infos zu den Mindestreserven, Bloomberg.com/ECB Says Banks’ Overnight Deposits Plunged From Record High

Sehr wahrscheinlich steigt die Einlagefazilität wieder an und wird nach der zweiten LTRO-Injektion im Februar 2012 bisher ungesehene Levels erreichen.

Quelle Daten: Ecb.int/Daten Einlagefazilität

Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

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47 KommentareKommentieren

  • georg - 19. Januar 2012

    Das Ganze ist vollkommen intranzparent und vollkommen außer Kontrolle.
    Aber die ´master of the universe´ wollen uns weissmachen dass alles paletti ist.
    gruss georg

  • dank - 19. Januar 2012

    Würde das Überrollen der Schulden nicht bedeuten, dass diese Milliarden in der Realwirtschaft angekommen sind?

    • Querschuss - 19. Januar 2012

      Hallo dank,
      ich sehe nicht, das Überrollen, wenn es denn überhaupt die richtige Begründung für den Rückgang der Einlagefazilität ist, zu einer besseren Kreditvergabe an die Realwirtschaft führt. Es werden ja nur bestehende Kredite prolongiert.

      Gruß Steffen

  • Benedikt - 19. Januar 2012

    Vielleicht glauben die an den 500 Mrd Kredit vom IWF, und geben den Banken wieder Geld.

    Egal, was EZB und IWF machen, den Credit Crunch werden die jetzt nicht mehr verhindern können. Die Banken schleppen einen Berg an faulen Krediten mit sich herum. Bevor die nicht abgebaut werden können, treten die Banken auf die Bremse. Mehr Wackelkredite möchte man sich nicht ans Bein binden.

  • Andres Müller - 19. Januar 2012

    Da sind noch viele Dinge die nicht so richtig zu anderen Statistiken passen. Die Fieberkurve der Europäischen Finanzindustrie würde ich im Euro/US$ currency Swap erkennen:
    http://fingfx.thomsonreuters.com/2011/11/21/09451597d2.htm

    Wie es scheint findet hier eine gewisse Beruhigung statt, aber worauf diese basiert entzieht sich meinem Wissen. Aber nicht nur irritieren mich Statistiken aus Euroland, sondern auch jene aus USA und China. Wie passt es zum Beispiel zum angeblichen Wachstum in China, dass dort seit 2010 immer weniger Silber importiert wird?

    Die Netto-Importe lagen im Juli 2010 bei 400 Tonnen. Nach 200 Tonnen im Juli 2011 seien im November 2011 nur noch 61 Tonnen Silber nach China importiert worden.

    Ich vermute dass Wachstum beruht fast überall nur noch durch Generierung virtueller Werte. Das geschieht wahrscheinlich über ständige Bewegung von Kapital zum Preis dass eine weitere Anhäufung von Kreditschulden entsteht. Mir leuchten die Statistiken an keinem Ort mehr ein, sie passen einfach nicht mehr (mit der Realwirtschaft) zusammen.

  • Christian Kurzer - 19. Januar 2012

    Hat hier jemand eine Ahnung warum, die Depositen zumindest seit 2011 (den Rest habe ich mir nicht angeguckt) immer ziemlich genau in der Monatsmitte heftig abstürzen? Werden zu dem Zeitpunkt regelmäßig irgendwelche Daten veröffentlicht oder müssen irgendwelche Quoten zu diesem Zeitpunkt erfüllt sein?

    Das kann nämlich lustig werden: Guckt man sich die Daten aus Finnland ud Niederlande an, so sieht man, dass die T2 Forderungen fast perfekt mit den Depositen korrelieren. Werden die Depositen nun abgezogen ohne dass diese in ein anderes EU-Land fließen, stehen den Forderungen in der Bilanz keine Assets mehr gegenüber. Der VoxEu-Artikel von Tornell/Westermann lässt grüßen…

    VG,
    Christian

  • Christian Kurzer - 19. Januar 2012

    Hab’s mir gerade selber beantwortet: Die Depositen stürzen nur deswegen ab, weil an dem jeweiligen Tag die Anforderungen an die Mindestreserven erfüllt sein müssen. Sieht man hier http://sdw.ecb.europa.eu/reports.do?node=100000135 sehr schön.

    Es hat also nicht wirklich eine Aussage…

    • kurzdump - 19. Januar 2012

      Danke für die Recherche, das bringt Licht ins Dunkel ;)

    • Querschuss - 19. Januar 2012

      Hallo Christian Kurzer,
      ebenfalls Danke!

      Steffen

  • Thomas - 19. Januar 2012

    Hallo Steffen, an dieser Stelle herzlichsten Dank für das Einstellen deiner Aufarbeitungen.
    Es ist völlig schizoid: Auf der einen Seite schlagen die “Querschüsse” voll auf den Magen weswegen man sich abwenden will, auf der anderen Seite muss man sie immer wieder aufrufen um seine Sucht nach Infos zu befriedigen. Du bekommst langsam den Status eines DEALERS oder HEILERS, bei dem man sich seine Betäubung oder Erkenntnis abholt. Danke für den stetigen kalten Schauer der einen beim Aufrufen der “Querschüsse” überkommt.

  • Bernd Klehn - 19. Januar 2012

    Noch kapier ich nicht was dort passiert ist. Gibt es dort einen Zusammenhang zwischen der Notwendigen Mindesreserve? Reserve maintenance period: 14/12/2011 to 17/01/2012 ?

  • Bernd Klehn - 19. Januar 2012

    Wie funktionert das mit den Mindestreserven, dass ich scheinbar von einem Tag auf den anderen von Einlagefazilität auf Mindestreserve umschaufeln muss?

  • Bernd Klehn - 19. Januar 2012

    Danke Steffen und co.

    Habe jetzt verstanden, es ist einfach besser 1% auf die Mindestresere zu kassieren als 0,25% auf die Einlagefazilität. Aber ich kann doch nicht soviel rüberschaufeln wie ich will oder? Der Mindestreservesatz, wichtig für Zentralbankschuldner, ist doch erst von 2% auf 1% gesenkt worden.

    Gruß Bernd

    Toll wenn alle Fachwissen zusammentragen.

    • Querschuss - 19. Januar 2012

      Hallo Bernd,
      zum Thema Target, EZB und Co. ist der Kommentarbereich meist erquicklich konstruktiv, ansonsten sehe ich manchmal lieber nicht hin. Ich habe noch etwas weiter recherchiert, leider keine relevanten Erkenntnisse gewonnen, sehr wahrscheinlich wird am Beginn der Erfüllungsperiode die Mindestreserve einfach übererfüllt und gegen Ende der Periode dann untererfüllt, warum, keine Ahnung, bin kein Banker oder Insider und sehe nur von außen drauf.

      Gruß Steffen

  • klaus - 19. Januar 2012

    Wäre es schlimm zu vermuten, das die

    “Einlagefazilität sinkt um die gewaltige Summe von -132,857 Mrd. Euro zum Vortag”

    132 Mrd für die Refinanzierung der Banken ( CoBA usw. )

    verwendet werden.

    Wohin sollte das Geld sonst fließen?
    Gold,Öl, Eu/Doller steigt und Dax bleibt stehen.

    Oder es wird die große Mitnahme der
    Gewinne zum Wochenende geben.

    ;)

    • Bernd Klehn - 19. Januar 2012

      Hat doch Christian Kurzer und Steffen aufgeklärt, dass das Zentralbankgeld von der Einlagefazlität zu 0,25% auf Mindesreserve zu 1% umgeschaufelt worden ist, dafür gibt es halt einen Tag im Monat.

      • klaus - 19. Januar 2012

        Sorry, hatte mich schon fest in Theorien verrannt.
        Hoffentlich bleibt es Schwarzmalerei.

        ;)

  • dank - 19. Januar 2012

    Mindestreserveverpflichtung auf Zeit, 1 Monat, – so weit verstanden – eine Art Test der Bankenliquidität.

    Aber was ist wenn die Testphase vorbei ist?
    Sicherlich wird die Einlagefazilität bis dahin wieder weiter ansteigen und
    dann wird das Geld rückgebucht und wir rasen über die ~700 Milliarden?

    Nach außen ohne Hintergrundwissen – danke Steffen & Christian Kurzer – sah es ganz kurz gut aus. Auch wenn das Verschwinden der Summe unheimlich war…

  • Emmy - 19. Januar 2012

    Vestehe ich das richtig, dass die Banken zum Stichtag der Überwachungsperiode der Mindesreserve also ihre Milliarden, diesmal aus der Einlagefazilität, massiv auf die Mindestreservekonten schaufeln, um dadurch bei darauffolgend kontinuierlicher Verringerung der Beträge auf diesen Mindestreservekonten über den Überwachungszeitraum die Reserveanforderungen durchschnittlich zu erfüllen?

    • Querschuss - 19. Januar 2012

      Hallo Emmy,
      ja, so verstehe ich das.

      Gruß Steffen

      • Emmy - 19. Januar 2012

        Was hätte denn normalerweise diese Handlungsweise für einen Vorteil gegenüber dem ständigen Belassen der notwendigen Mindestreserve auf den entsprechenden Konten? Ich bin kein Mathematiker, aber ergibt sich daraus irgendein Renditevorteil für die Bank, wenn Sie erst weniger und dann kontinuierlich immer mehr anderweitig anlegt und das Spiel im Monatsrhytmus wiederholt? Falls ja, dürfte das doch aktuell nicht der Fall sein, wenn die “Alternativanlage” der Bank die Einlagefazilität der EZB mit nur 0,25% Zins ist?!

        • Querschuss - 19. Januar 2012

          Hallo Emmy,
          warum die Banken dies tun kann icht nicht beantworten. Vielleicht liest hier jemand mit, der es weiß und teilt es uns mit.

          Gruß Steffen

  • Bernd Klehn - 19. Januar 2012

    Lieber Sfeffen

    So ganz verstehe ich den Vorgang auch noch nicht.

    Sicher ist, dass der Mindestreservesatz am 18.1 von 2% auf 1% gesunken ist und nur die erforderliche Mindestreserve mit 1% verzinst wird? oder oder? Gemäss http://sdw.ecb.europa.eu/reports.do?node=100000135 unter 2. In der Vorperiode betrug die erforderliche Mindestreserve 207Mrd, jetzt also ca. 105Mrd. also zusätzliche Zentralbankliquidität von ca. 100Mrd., die sich doch bei den Nordländern in einer höheren Einlagefazilität niederschlagen müsste. Irgendwo zwischen Girokonto (inkl. Mindestreserve) , Einlagefazilität und Termineinlage schieben die Banken das Geld wild hin und her. Das Girokonto (2.1 Passiva) wird am Anfang der Mindestreserveperiode (Mitte Dez plus 158Mrd.) einmal ordentlich aufgefüllt und sinkt dann Woche für Woche weit unter die notwendige Mindestreseve also weit ins Minus.

    Gruß

    Bernd

    • Querschuss - 19. Januar 2012

      Lieber Bernd,
      ja, der Mindestreservesatz ist auf 1% gesunken und die Mindestreserve wird mit 1% verzinst. Ansonsten habe ich leider keine erhellende Antworten.

      Gruß Steffen

  • Catweazle - 19. Januar 2012

    Zusätzlich war ja heute auch noch Shoppingtour bei den Anleihen angesagt.
    http://www.n-tv.de/wirtschaft/Paris-und-Madrid-bekommen-Geld-article5261786.html

    • Bernd Klehn - 19. Januar 2012

      @ Catweazle

      Irgendwo müssen sich ja die 500Mrd. vom Dez, die Senkung der Mindestreserve und die Staatsanleihenkäufe ja niederschlagen. War ja Sinn Zweck der Wahnsinnsaktion der EZB. Wenn dadurch aber nur weiter die Kapitalflucht und Leistungsbilanzunterschiede befeuert werden, hat die EZB mit Zitronen gehandelt, wie immer in der Vergangenheit und die Krise nur befeuert. De Einlagefazilität deutet auf diese Richtung hin.

    • dank - 19. Januar 2012

      NTV: “Ein weiteres positives Signal kam aus dem Interbankenhandel. Die Summen in der sogenannten Vorsichtskasse der Banken bei der EZB gingen deutlich zurück. Sie lagen bei 395,3 Mrd. Euro und damit rund 133 Mrd. Euro niedriger als am Vortag. Es ist das erste Mal in diesem Jahr, dass die eintägigen Bankeinlagen unter die Schwelle von 400 Mrd. Euro sinken.”
      Mir ist ganz klar warum „Journalist“ keine geschützte Bezeichnung ist – die schreiben einfach alles aus irgendwelchen Berichten ab, denken ist verboten, nachfragen auch und schon ist wieder eine Schönsprechnachricht vorhanden, die die Gemüter aufhellt.

  • dank - 19. Januar 2012

    Habe das mit der Mindestreserveverpflichtung so verstanden – das normalerweise – also wenn die Einlagefazilität niedrig ist, die Banken verpflichtet sind eine Mindestreserve von 1% (gemittelt auf ein Monat) der EZB zur Verfügung zu stellen. Die EZB misst damit die Liquidität dieser Banken; wie lange diese es schaffen die 1 % im Schnitt stehen zu lassen. Dafür bekommen die Banken dann 1%, praktisch als Bonbon, weil sie das Geld haben stehen lassen; es geschafft haben und den Test gemacht haben. Schafft es eine Bank nicht gibt es Strafzinsen von 4,5 %.
    Verstehe das als Instrument der EZB zur Bankenkontrolle bzw. um die Liquidität der Banken zu messen.

    Da aber nun schon in der Einlagefazilität Mrd. rumhängen, werden die Banken die da Geld “sichern”, keine Probleme haben die Mindestreserve zu hinterlegen.
    Alle anderen Banken, die kein Geld in der Einlagefazilität geparkt haben, müssen den Test aus eigener Kraft schaffen – im Notfall durch ne kleine Finanzspritze der EZB?

    Wenn das alles so sein sollte, hat dieses Instrument “Mindestreserve” zu großen Teilen keinen Sinn mehr – nachdem die EZB die Banken jederzeit weiterfluten kann und will.
    Also fast keinen Sinn: Es beruht die Nerven derer, die nur den Rückgang der Einlagefazilität sehen.

  • Thorsten Eckau - 19. Januar 2012

    Ich weiß nicht ob das einer hier kennt (oder es sogar für die meisten ein alter Hut ist), aber diese PPT hier ist echt nett, um das alles mal im Ansatz zu verstehen (für interessierte Laien:

    http://www.georgboll.de/gebo0605/awl/VWL/BBNK_ESZB_060709.ppt

    Insbesondere S.65ff beschäftigt sich mit der Mindestreserve und den Bedingungen, wann sie erfüllt werden müssen etc pp…

  • Bernd Klehn - 19. Januar 2012

    Danke Thosten, Steffen und Co

    Habe jetzt verstanden was läuft. Am Ende des Monats wird festgelegt, welche Mindestreserve ich im Durchschnitt aller Tage der Folgeperiode vorhalten muss. Für überschreitendes Zentralbankgeld erhalte ich keine Zinsen für Unterschuss muss ich 4,25% bezahlen. Nun weis ich aber nicht viel Geld ich für Überweisungen brauche und wie viel mir zufließt. Also fülle ich erstmal mein Konto ordentlich auf, um auf jeden Fall Strafzahlungen zu 4,25% zu vermeiden. Je näher Ultimo rückt umso besser überblicke ich wie viel Geld ich noch für Überweisungen brauche und räubere entsprechend mein Girokonto und zwar so, dass ich nach Abzug der Mindestreserve gerade ein sehr kleines unverzinsliches Guthabe habe und Strafzahlungen gerade so vermieden habe.

    .

  • Holly01 - 19. Januar 2012

    Was wäre denn mit der Erklärung :
    Die US-Banken haben Berichtszeit. Da wäre es ja schon logisch, das freie Kapital nach Hause zu holen.
    Einlagevermögen macht sich in der Bilanz sehr gut.
    Der Transfer Euro -> Dollar entspannt auch den Swap.
    Die plötzliche Ruhe beim Devisenhandel könnte durchaus auch dazu passen.
    Geniessen wir also die 3-4 Wochen Ruhe, bis die Mittel wieder zum Ausdrücken der Eurozone zur Verfügung steht.

  • micdinger - 19. Januar 2012

    Letztendlich scheint alles halb so wild zu sein.

    17.1.2012:
    “Griechenland, das bei Staatsanleihen ja den ” Junk ” -Status hat:
    11:18. Griechenland platziert 3-monatige Geldmarktpapiere im Volumen von €1,625 Mrd. Rendite bei 4,64% (zuletzt: 4,68%). Auktion 2,90-fach (zuletzt: 2,91-fach) überzeichnet.”

    http://blogblick.com/ (Finanzen)

  • Bernd Klehn - 19. Januar 2012

    @ micdinger

    Witzbold. Als griechische Bank leihe ich mir zu 1% Zentralbankgeld von meiner NZB und kaufe dafür zu 4,64% Zinsen Staatsanleihen und hinterlege diese bei meiner NZB. Wunderbares Geschäft ohne Risiko für mich aber für die NZB und das Eurosystem, die dieses gewollt und zugelassen hat. Wenn die die Papiere Ausfallen hat die NZB, der griechische Staat und das Eurosystem die Probleme am Hals aber nicht als Bank.

  • Andres Müller - 19. Januar 2012

    @Bernd Klehn , der fleissigste Geldausleiher ist Mario Monti mit seinen Banken, er scheint keine Probleme gehabt zu haben von Freund Draghi beim jüngsten Tender mit 50 Milliarden beglückt zu werden. Wenn das so rund läuft, so muss man sich fragen, warum machen wir uns noch Sorgen ? Man kann das Spielchen ja wiederholen, niemand scheint dafür zahlen zu müssen, das perfekte Perpetuum Mobile. Ach ..und die Griechen -keine Sorgen- der Papa wird schon nicht hängen gelassen von Freund Draghi -da müsste ja das Trilateral-Netzwerk durchbrennen.

  • Appaloosa - 19. Januar 2012

    @Andreas:
    Genauso sehe ich das auch.
    Solange das Vertrauen in die Notenbanken bestaht, können diese fast unendlich Geld schöpfen und auch die Miesen in ein schwarzes Loch verschwinden lassen.
    Große Banken gehen auch nicht “hops” da sie mit Geld überschüttet werden.
    Eine Infla gibt es auch nicht, da kaum Kredite an die Wirtschaft vergeben werden (Geldumlaufgeschwindigkeit gering). Darüber hinaus kann man mit der Zockerei viel mehr Geld verdienen als mit langweiligen Krediten. Auch eine Rezession könnte kaum Auswirkungen auf die Banken haben, da sie wie gehabt auf viel Geld sitzen um diese zu überbrücken.
    Kredite werden, wenn nötig an die Wirtschaft mit bedacht auf die Infla vergeben (so würde ich es als Bank machen).

    Ergo: Man hat aus den Fehlern in den 1920ern Jahren gelernt und die Krise wird auf kleiner Flamme mind. 10 Jahre weiter bestehen oder in den nächsten Jahren unter einem Berg aus Geld “erdrückt”.
    Die EZB hat das erreicht, was sie erreichen wollte.

  • Bernd Klehn - 20. Januar 2012

    @ Andres Müller, Appaloosa

    Quark. Money makes the wolrd goes round, that’s all. Für Dinge die verbraucht werden, muss aber jemand arbeiten. Und sehr demnächst, wird dem Westdeutschen normalen Arbeitnehmer auffallen, dass er es gewesen gewesen sein soll, der nach Wiedervereinigung und Finanzkrise das dritte mal in Form von höheren Staatsschulden, höheren Steuern und geringerem Leistungsbezug das dritte mal die Rechnung begleichen soll . Die Gelddurckmasche hält nur noch wenige Monate durch, dann muss die Rechnung gelegt werden, weil Target2 wegen Kapitalflucht endgültig durch Decke geschossen ist.

    Gruß

    Bernd

    • Achim Hase - 20. Januar 2012

      @ Bernd

      Zwingend ist dein Szenario nicht. Der Kapitalflucht nach D stehen absurd niedrige Zinsen in D gegenüber. So wie sich Peripherieländer wieder stabilisieren, werden die Finanzmarktakteure mutiger und gehen in Richtung höherer Zins. Man kann ja wirklich nicht behaupten, dass Italien, Spanien, Irland, etc. nichts tun um ihre Kreditwürdigkeit zu verbessern. Griechenland ist ein Fall für sich, die hängen an der Herz-Lungen-Maschine.

      Man kann über sehr lange Zeit ein Defizit in der Handelsbilanz durchhalten, wenn dem ein Überschuss in der Kapitalbilanz gegenübersteht, siehe USA. Natürlich macht es die eigene Währung einfacher. Wenn wir bald wieder einen Kapitalabfluss aus Deutschland in die Südländer sehen und gleichzeitig dort die Maßnahmen zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit (interne Deflation) greifen, dann geraten wir wieder in stabileres Fahrwasser.

      Das Rezept ist hier: http://www.voxeu.org/index.php?q=node/7536

      • Bernd Klehn - 20. Januar 2012

        @Achim Hase

        Man kann über sehr lange Zeit (sogar ewig) ein Defizit in der Handelsbilanz durchhalten, wenn das Finanzkasino (internationale Finanzmarktgewinne) dafür sorgt, dass die Nettoauslandschulden niedrig bleiben. Die USA hat 17% Nettoauslandsschulden UK 13%. Unsere Kandidaten Portugal, Irland, Spanien und Griechenland haben um die 100% und sind längst pleite. Die internationalen Finanzanleger haben nicht vor deren Handelsbilanzdefizit und Nettoauslandsschulden weiter zu finanzieren und zwangsläufig abschreiben zu müssen. Diese Entscheidung war gefallen als im August 2011 die Kapitalflucht begann, sondern sie sind froh, dass ihnen das Eurosystem aus der Klemme hilft und die Zeche vom holländischen, finnischen und deutschen Steuerzahler bezahlt werden muss.

  • kurzdump - 20. Januar 2012

    Was ich bei diesen ganzen Anleihengeschichten noch nicht verstanden habe ist die Abhängigkeit von Zins und Wert der Anleihe, vielleicht kann mir da jemand auf die Sprünge helfen.

    Angenommen Griechenland begibt eine einjährige Anleihe zu 100 € und 8% Zins. Nun steigt aber aufgrund des Risikos der Zins auf 400%, während der Wert der Anleihe auf 25€ fällt. Ich kann die Anleihe nur noch um 25€ verkaufen oder ich warte bis zum Fälligkeitsstichtag.
    Ersteres ist mir klar, aber was passiert bei letzterem? Bekomme ich dann 100€ + 400€ Zins vom griechischen Staat zurück? Oder doch nur 25€ + 100€?
    Und was passiert wenn der Staat am Auszahlungstag Bankrott anmeldet? Kann ich meinen anteiligen Zins + dem Wert als Forderung anmelden? Oder nur den Wert?
    Was wenn ich CDS gekauft habe? Wogegen bin ich versichert wenn tatsächlich ein Credit Event ausgelöst wird? Zins + Wert oder nur Wert?

    • Thorsten Eckau - 20. Januar 2012

      Nur soweit ich das selbst verstehe:

      “… oder ich warte bis zum Fälligkeitsstichtag.
      Ersteres ist mir klar, aber was passiert bei letzterem? Bekomme ich dann 100€ + 400€ Zins vom griechischen Staat zurück? Oder doch nur 25€ + 100€?”

      Der griechische Staat hat eine Anleihe zu einem Zinssatz begeben. Dies ist es, was der Dir oder jedem Inhaber “Deiner” staatlichen Schuldverschreibung zu zahlen hat zum Stichtag “Deines” Papiers. Ergo: Du kannst bei Sekundärmarktzinsen von 400% eine 100EUR Staatsanleihe (zu 8% begeben) jetzt aufkaufen für dem aktuellen Kurs von 25EUR und erhältst bestensfalls in einigen Wochen zum Stichtag dann die geschuldeten 100EUR zzgl. 8% Zinsen von Griechenland.

      “Und was passiert wenn der Staat am Auszahlungstag Bankrott anmeldet? Kann ich meinen anteiligen Zins + dem Wert als Forderung anmelden? Oder nur den Wert?”

      Ergibt sich aus oben gesagtem: Wenn GR Pleite anmeldet, stellt es seine Zahlungen auf Forderungen schlicht ein und verhandelt dann einen Prozentsatz und Zahlmodus für einen zu bezahlenden Rest (Haircut). Dabei ist die Basis die Forderung, die GR begegeben hat, also in diesem Fall 100EUR + 8%.

      “Was wenn ich CDS gekauft habe? Wogegen bin ich versichert wenn tatsächlich ein Credit Event ausgelöst wird? Zins + Wert oder nur Wert?”

      Das ist noch mal eine andere Sache: CDS sind ja eben (leider) nicht an die Inhaberschaft von Papieren gekoppelt. Du kannst also versichert sein, ohne das versicherte Objekt zu besitzen. Daher ist die Höhe der CDS nur abhängig von der “versicherten” Forderungshöhe. Du kaufst für 25EUR eine Staatsanleihe zu 100EUR bei 8%; dazu aber ein CDS zu 10.000.000 EUR bei ca. 30-50% Gebühren pro Jahr (zahlst also für ein Jahr dann vllt. 5.000.000 EUR Gebühr für einen potentiellen Ausfall von 10.000.000EUR). Halten tust Du aber nur eine Anleihe i. H. v. 100 EUR plus 8%.

      • kurzdump - 20. Januar 2012

        Danke Thorsten.

        Die Unterscheidung zwischen variablem Sekundärmarktzins und fixem Anleihenzins erklärt einiges. Das erklärt auch warum es Sinn macht CDS zu kaufen denn die Risiken können durch den Zins nicht abgedeckt werden. Bisher dachte ich allein die Entwicklung des Sekundärmarktzinses würde das (über längere Zeiträume) schwer kalkulierbare Risiko abdecken, wenn aber gleichzeitig der Wert am Sekundärmarkt sinkt kann ich mich eigentlich NUR über CDS absichern.

        Das würde aber gleichzeitig bedeuten dass die fixen Anleihenzinssätze massiv steigen müssten wenn CDS zahnlos gemacht werden, oder?
        Es wird ja bei Griechenland über einen freiwilligen Forderungsverzicht unter Zwang nachgedacht – unter Umgehung eines Credit Events. Dann wären genau diese CDS ja eigentlich zahnlos – außer die Gläubiger gehen dann selbst bankrott und lösen damit wieder andere Credit Events aus. Richtig?

        • Thorsten Eckau - 20. Januar 2012

          “Das würde aber gleichzeitig bedeuten dass die fixen Anleihenzinssätze massiv steigen müssten wenn CDS zahnlos gemacht werden, oder?”

          Korrekt. Das ist ja auch der Grund, warum man nach langem Kampf um die Beteiligung der privaten Gläubiger am “freiwilligen” Verzicht, dieses nun wieder rückgängig gemacht hat: Die Drohung, private Investoren über ein solches Konstrukt an den Problemen partizipieren zu lassen, hat die CDS’ sinnlos gemacht und dies wiederum hat mehrere negative Effekte. Zum einen muss sich das Risiko nun deutlich expliziter über den Emissionszinssatz ausdrücken, was keine gute Idee ist. Zum anderen hat der CDS-Markt selbst ein riesiges Volumen und wenn dort die “Werte” zusammenbrechen (der gekauften CDS’, weil nicht geliefert werden muss und damit wertlos), ist das definitiv für einige Banken sicherlich auch tödlich. Ich glaube der Blessing hat das in einem Interview vor einiger Zeit mal gut auf den Punkt gebracht…

          “Dann wären genau diese CDS ja eigentlich zahnlos – außer die Gläubiger gehen dann selbst bankrott und lösen damit wieder andere Credit Events aus. Richtig?”

          Korrekt, wobei keiner vorab wirklich mit Sicherheit sagen kann, wer wie betroffen wäre bei einem CDS-Domino. Man kann versuchen (ist hier bei querschuesse auch schon im Forum geschehen) die Positionen zu “netten” und zu schauen, wie es vllt. aussehen könnte, aber am Ende ist halt unklar, wer auf wen welche CDS hält in welcher Höhe und daher ist das hoch unklar im Ergebnis.

          • kurzdump - 20. Januar 2012

            Danke nochmals, ich verstehe diese “Krise” jetzt ein gutes Stück besser.

          • Benedikt - 20. Januar 2012

            Ich denke, die haben mehr Angst davor, dass der Derivatemarkt wieder einfriert, wie nach der Lehmann Pleite. Der Derivatehandel basiert eigentlich auf blindes Vertrauen, dass der Gegenspieler die Wettschulden immer bezahlen kann. Wenn eine Griechenpleite die CDS auslösen würden, dürfte das Vertrauen erstmal wieder dahin sein.

            Mit Derivate finanzieren sich manche Banken zum guten Teil, ein guter Teil der Gewinn kommt auch aus dem Derivatebereich. Eine weltweite Bankenkrise ist dann wieder unumgänglich.

  • Holly01 - 20. Januar 2012

    CDS wirken wie ein Hebel auf die hinterlegten Sicherheiten. Die Sicherheiten stehen aber in einem Bruchteilverhältniss zum Derivatemarkt (nach meiner Rechnung etwa 10% reale Sicherheit zu 90% Risiko).
    An dem Tag an dem Sicherheiten in größerem Volumen fällig werden, zerbricht der Krug auf dem Weg zum Brunnen.
    Was dann verschüttet wird kann niemand aufhalten. Der Dollar wäre nicht einmal so viel wie Altpapier wert und dem Euro ginge es keinen Deut besser.

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