Enorme Zuspitzung der Lage Griechenlands

von am 13. September 2011 in Allgemein

Während sich die FDP in Richtung Öffentlichkeit, über ihren Parteivorsitzenden, mit einer Portion Realismus in Bezug auf Griechenland übt, verharrt der Rest, insbesondere die “linke” Opposition aus SPD, Grüne und Linke im TINA Modus (There Is No Alternative) und mutiert damit zu Systembewahrern, obwohl das Verfallsdatum des Systems nun bereits offensichtlich von den Finanzmärkten gekennzeichnet wird. Die Finanzmärkte beschleunigen die Prozesse, die eigentlich die Politik hätte gestaltend übernehmen müssen. Die mit niedrigen Zinsen, lockerer Geldpolitik und Bailouts gehätschelten Finanzmarktakteure bedanken sich und tragen rabiat zur Beschleunigung der Krise bei und erzwingen damit auch eine längst überfällige Bereinigung, nicht nur in Blick auf die Schuldenkrise in der Eurozone.

Die potentielle Pleite Griechenlands ins Spiel zu bringen und Denkverbote abzulehnen, hat nichts mit einer Insolvenz herbeireden zu tun, wie der EU-Parlamentarier Elmar Brok von der CDU meint oder mit einem Verschärfen der Euro-Krise, wie SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier orakelt, mit verantwortungslos, wie Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin meint oder gar das diese Gedankenspiele über eine Griechenland-Pleite als “Brandbeschleuniger“ für die Euro-Krise fungieren, wie Linke-Chefin Gesine Lötzsch fabuliert, sondern damit, dass auf Grund der fehlenden Leistungsfähigkeit der Wirtschaft Griechenlands, das Land nicht in der Lage ist, die aufgebauten Kredittürme zu Tragen und dies ist ein Fakt, hier im Blog bereits ausführlich seit Anfang 2010 dargelegt. Wie man angesichts dieser Faktenlage sich im polemischen Kleinkrieg verzetteln kann, statt umgehend Szenarien zur Begrenzung des bereits immensen Schadens zu erarbeiten, bleibt das Rätsel der deutschen Volksvertreter.

Der Markt sendet ganz deutliche Signale und hat den Zahlungsausfall Griechenlands bereits eingearbeitet, die Renditen der griechischen Staatsanleihen schießen nach oben, insbesondere jene mit kurzen Laufzeiten. Die Rendite der 1-jährige Staatsanleihe notiert aktuell bei 120,137% (10:30 Uhr). Zum Vergleich die Rendite deutscher 1-jährige Staatsanleihen notiert bei 0,361%!

Sehenswert und erhellend, der Chart mit der Rendite 2-jähriger griechischer Staatsanleihen:

Die Entwicklung der Rendite 2-jähriger griechischer Staatsanleihen seit Januar 2002 im Dailychart. Gestern per Schlusskurs notierte die Rendite der 2-jährigen Staatsanleihe 69,551%, aktuell um 10:30 Uhr notiert sie bei 74,019%. 

Die Entwicklung der Rendite 10-jähriger griechischer Staatsanleihen seit April 1998 im Dailychart. Gestern per Schlusskurs notierte die Rendite der 10-jährigen Staatsanleihe bei 23,544%, heute Morgen (10:30 Uhr) klettert die Rendite weiter auf 23,962%.

Auch die Kreditausfallversicherungsprämie der Credit Default Swaps (CDS) auf griechische Staatsschulden spricht Bände:

Die Versicherungsprämien für Protection Buyer von CDS auf griechische Staatsschulden mit 5-jähriger Laufzeit notierte gestern auf Allzeithoch mit 4.821.480 Basispunkten. Die Basispunkte entsprechen der Versicherungsprämie pro Jahr, um ein Volumen von 10 Millionen Dollar am OTC-Derivatemarkt zu versichern. Quelle Chart: Bloomberg.com

Die Prämie für einen 5-Jahres Credit Default Swaps auf griechische Staatsanleihen ist die höchste in der Welt und es ist festhaltenswert, sie ist 4-mal so hoch wie der vergleichbare portugiesische CDS mit gestern 1.215.675 Basispunkten!

 Die Entwicklung des FTSE ATHEX Banks seit Januar 2006 im Chart. Der Bankenindex, der die 9 größten griechischen Banken abbildet, sank gestern per Schlusskurs auf 505,4 Indexpunkte. Zum letzten Hoch am  06.11.2007  mit 7758,07 Indexpunkten betrug der Einbruch bereits satte -93,49%. Die gemeinsame Marktkapitalisierung der neun größten im FTSE ATHEX Banks notierten Banken betrug gestern nur noch schlappe 6,503 Mrd. Euro!

Die Entwicklung des griechischen Aktienleitindex seit Januar 1987 im Dailychart. Gestern sank der griechische Aktienleitindex ATHEX, der die 42 größten Unternehmen Griechenlands abbildet, um weitere -4,43%, auf 847,48 Indexpunkten und damit auf den tiefsten Stand seit dem 28.04.1995! Zum Hoch am 17.09.1999 mit 6’355,04 Indexpunkten ist der ATHEX um -86,66% eingebrochen.

Die Marktkapitalisierung aller im Leitindex gelisteten 42 Unternehmen ist auf nur noch 26,278 Mrd. Euro abgeschmolzen. Zum Hoch am 17.09.1999 betrug sie noch 197,105 Mrd. Euro.

Griechenland ist unter dem Euro unrettbar und ganz klar pleite, es gilt die Realität zu akzeptieren und endlich Ausstiegsszenarien zur Abwendung eines Maximalschadens von den Verantwortlichen zu erarbeiten, statt Griechenland mit einer weiteren Kontraktion der Wirtschaft durch neue unsägliche Austeritätsmaßnahmen zu “beglücken”! Nur Narren, glauben angesichts der Realität, dass der Status Quo zu halten wäre.

Eine umfangreiche Dokumentation auch der realwirtschaftlichen Kontraktion Griechenlands befindet sich hier: Griechenland-Artikel

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