Eurozone: Geldmenge M3 Juni 2014

von am 26. Juli 2014 in Allgemein

Die Europäische Zentralbank (EZB) berichtete gestern für den Monat Juni 2014 von einer Jahreswachstumsrate der Geldmenge M3 von +1,5%. Damit lag das Geldmengenwachstum M3 höher als im Vormonat mit +1,0%, aber weiterhin deutlich unter dem eigentlichen EZB Referenz Zielwert für M3 von +4,5%. Immer noch zeigt sich die Geldmenge M3 konsistent zur schwachen Kreditvergabe an den Privatsektor, welche im Juni mit einer Jahresrate von -1,7% schrumpfte.

1aDie Entwicklung der Jahreswachstumsrate der weit gefassten Geldmenge M3 seit Januar 1971 bis Juni 2014 im Chart. Im Juni 2014 stieg M3 mit einer Jahresrate von +1,5%.

Der Dreimonatsdurchschnitt der Wachstumsrate bei M3 betrug nur +1,1% (Zielwert aufs Jahr bei +4,5%). Selbst wenn man die “wahre” Inflation errechnet, Geldmengenwachstum M3 minus dem realem BIP-Wachstum der Eurozone, ergibt sich keine Inflationsrate, die der Rede wert wäre. Die offiziellen Verbraucherpreise in der Eurozone stiegen im Juni 2014 auch nur um eine Jahresrate von schwachen +0,5%. Auch hier wird der Zielwert +2,0% verfehlt.

1aDie Entwicklung der saisonbereinigten Geldmenge M3 seit Januar 1971 bis Juni 2014 im Chart. Im Juni 2014 lag M3 bei 9954,844 Mrd. Euro.

Die Geldmenge M3 inkludiert M0, M1 und M2 plus Anteile an Geldmarktfonds, Repoverbindlichkeiten, Geldmarktpapieren und Bankschuldverschreibungen mit einer Laufzeit bis zu zwei Jahren.

M2 zeichnet M1 plus Einlagen mit vereinbarter Laufzeit bis zu zwei Jahren und Einlagen mit gesetzlicher Kündigungsfrist bis zu drei Monaten.

M1 umschreibt Sichteinlagen der Nichtbanken sowie den gesamten Bargeldumlauf.

Mo oder auch die Geldbasis zeigt die Banknoten und Münzen, die sich im Umlauf außerhalb des Bankensystems (bei Nicht-Banken) befinden (ohne Kassenbestände der Geschäftsbanken, aber mit Banknotenumlauf im Ausland) plus dem Zentralbankgeldbestand (Einlagen im Eurosystem) der Kreditinstitute. Nur auf M0 hat die Zentralbank Einfluss, der Rest in M3 wird hauptsächlich dadurch bestimmt, wie viel Geld die Banken schaffen, primär durch die Kreditvergabe.

Relevant für die Geldmenge M3 ist also die Geldschöpfung der Geschäftsbanken. Schrumpft die Kreditvergabe an den Privatsektor dämpft dies auch M3.

1aDie Entwicklung der Jahresrate der Kreditvergabe der Banken in der Eurozone an den Privatsektor seit Januar 1992 bis Juni 2014 im Chart. Im Juni 2014 sank die Jahresrate der Kreditvergabe an den Privatsektor mit -1,7%.

Der Dreimonatsdurchschnitt der Kreditvergabe an den Privatsektor betrug -1,8%.

Ohne eine steigende Rate an Krediten für den Privatsektor verpufft auch die Geldpolitik, denn das von der Zentralbank geschaffene Zentralbankgeld findet keine Verwendung und wird von den Banken an das Eurosystem zurückgegeben und damit wieder vernichtet. Dies spiegelt auch die Geldbasis wieder:

1aDie Entwicklung der Geldbasis in Mrd. Euro seit Januar 1999 im Monatschart. Im Juli lag die M0 bei 1196,267 Mrd. Euro.

Die Geldbasis wird durch die Zentralbank geschöpft. Sie zeichnet Bargeld und die Einlagen der Banken bei der Zentralbank. Die Geldbasis wird auch als high-powered money bezeichnet, denn eine Erhöhung der Geldbasis kann theoretisch die gesamte Geldmenge um ein Vielfaches erhöhen (Geldschöpfungsmultiplikator).

Allerdings die Banken brauchen und nutzen das Zentralbankgeld nicht und somit führen sie die Kredite des Eurosystems zurück und die Einlagen schmelzen in der Rückkopplung brachial:

1aDie Entwicklung der Verbindlichkeiten in Euro aus geldpolitischen Operationen des Eurosystems an Kreditinstitute im Euro-Währungsgebiet, Position 2.0 im Wochenausweis, von der Kalenderwoche 53 1998 bis zur KW29 2014 im Chart. In der KW29 2014 lagen die Verbindlichkeiten bei 233’878 Mrd. Euro. Die Verbindlichkeiten sind Einlagen der Banken beim Eurosystem, bei Girokonten (inkl. Mindestreserve), der Einlagefazilität und den Termineinlagen, sowie aus den Feinsteuerungsoperationen in Form von befristeten Transaktionen und den Verbindlichkeiten aus dem Margenausgleich.

Die herkömmliche, konventionelle Geldpolitik der EZB ist bisher verpufft, sie war nur verbal im Ansatz expansiv, real im Endergebnis ist sie nicht expansiv, denn das Bankensystem zieht nicht mit und die Kreditvergabe sinkt und konterkariert damit die konventionelle Geldpolitik!

Quellen: Ecb.europa.eu/PDF: PRESS RELEASE MONETARY DEVELOPMENTS IN THE EURO AREA: Juni 2014

Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

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30 KommentareKommentieren

  • Frank Bell - 27. Juli 2014

    Hallo,

    wenn die Geldpolitik “real im Endergebnis nicht expansiv” ist, dann sind die hohen Aktienkurse im DAX doch nicht das Ergebnis der Politik des billigen Geldes, wie immer behauptet wird, oder?

    Das wird ja immer behauptet, dass der DAX nur wegen der “Geldschwemme” so stark gestiegen ist, doch diese “Geldschwemme” gibt es ja nicht.

    Sehe ich das richtig? Der hohe DAX wäre also tatsächlich das Ergebnis einer wirtschaftlichen Erholung, egal ob schwach oder stark.

    • Querschuss - 27. Juli 2014

      Hallo Frank Bell,
      das Zentralbankgeld hat das Bankensystem liquide gehalten. Da es seit einiger Zeit keine Motivation für das Halten von Zentralbankgeld gibt und weil die Kreditvergabe der Banken nicht anzieht, wird es schlicht nicht gebraucht und deshalb werden die Zentralbankgeldguthaben der Banken abgebaut.

      Ob eine schrumpfende Kreditvergabe in der Eurozone, wirklich konform gehen kann, mit einer wirtschaftlichen Erholung in der Eurozone als Ganzes, diese Frage kann sich jeder selbst beantworten.

      Auch ein Abbau der Zentralbankgeldliquidität steht ja immer noch dafür, dass Banken ihre Überschussliquidität abbauen, was auch immer impliziert, es war und ist genug Liquidität da, um z.B. den Dax zu treiben.

      Kredite für Aktien sind in der Relation am ausstehenden Kreditvolumen an die Realwirtschaft klein. Auch speisen sich Aktienkäufe primär aus Depositen. Aktienkäufe auf Kredit spielen zwar eine wichtige Rolle, aber keine dominierende.

  • Systemfrager - 27. Juli 2014

    1:
    currency school war schon immer ein Irrtum. Das Nobelpreiskomitee soll zurücktreten und das Geld an Friedman zurückerlangen. Was Friedman und die Monetaristen (Quantitätstheorie) je geschmiert haben, waren reine Vollidiotien.
    2:
    Die Kostentheorie (Angebotstheorie) war, ist und wird immer nur eine reine Vollidiotie bleiben.

  • Sophie - 27. Juli 2014

    Ganz spannend und das in den Massenmedien: http://www.radiobremen.de/fernsehen/3_nach_9/video62970-popup.html

  • Holly01 - 27. Juli 2014

    Hallo,
    nun stellt sich einmal jeder der mag folgendes vor:
    Die EZB kauft -alle- ausstehenden Staatsanleihen der Eurozone auf (etwa 5 Bill.).
    Dann Druckt die 5 Billionen in Scheinen.
    Die 5 Billionen in Scheinen gab es vorher nicht und die stellen einen Zugewinn da, den man mit den 5 Billionen an Staatsschulden austauschen kann.
    Nun tauscht die EZB elektronische “einsen” (Bankeinlagen) gegen Geldscheine aus.
    Dann stehen keine “einsen” im Computer sondern Geldstapel im Tresor.

    Keiner hat einen Verlust.
    Kein Euro mehr ist am Markt.

    Eine kleine Erinnerung an die “one trillion dollar coin”, die durch die USA gegeistert ist.

    Geld ist laut Ulrike Herrmann eine grundlegende soziale Funktion in einer Gesellschaft.
    Ich würde ergänzen, daß Geld definiert wie hoch der Lebenskonsum eines Menschen in seiner Gesellschaft ist, weil es definiert, wie man Arbeit/Leistung in Waren umrechnet.

    Das Geld ist nbicht das Problem. Die Gesellschaft ist das Problem.
    Das Geld wird als Waffe eingesetzt. Wenn ich ein gutes Buch nehme und einen Menschen damit erschlage, dann muss man nicht anfangen andere Bücher herzustellen.
    Man muss sich um den Täter kümmern.

  • thewisemansfear - 27. Juli 2014

    Interessant ist, dass die EZB die Geldbasis M0 überhaupt nicht mehr bei den relevanten Geldmengen aufführt. Da gibt es nur noch M1-3. https://www.ecb.europa.eu/stats/money/aggregates/aggr/html/hist.en.html

    Warum? Weil Bargeld erst dann zu Geld (wirksam) wird, wenn es jemand aus dem Automaten zieht. Dann kann es zwar immer noch gehortet werden, aber damit hat die Bank nichts mehr zu tun.
    D.h. das “Bar”geld im Bankensystem, was zu M0 zählt, ist nicht Geld-wirksam im Publikumsverkehr und zählt daher nicht zum relevanten Geldmengenaggregat.
    Bargeld ist umlaufendes Zentralbankgeld (hpm), das macht es so verwirrend. Beim Einzahlen wird ja eben nicht die Geldmenge erhöht. Die Bank schreibt mir den Betrag auf dem Konto gut (ZBGeld wird zu Giralgeld) und gleichzeitig verschwinden die Scheine/Münzen aus dem Publikumskreislauf. M1 bleibt konstant.

    Der Geldschöpfungsmultiplikator ist eine reine (Kunst-)Rechengröße ohne große Relevanz. Die Eigenkapitalanforderungen begrenzen die Kreditvergabe in der Realität. Die BoE kommt z.B. ganz ohne Mindestreserve aus. Da dienen die ZBGeld-Konten der Geschäftsbanken rein zur Verrechnung auf dem Interbankenmarkt.

    • Querschuss - 27. Juli 2014

      M0 ist aber Teil der anderen Geldmengenaggregate und es gibt in der Datenbank der EZB auch eine separate Datenreihe zu M0, sonst könnte ich den Chart nicht erstellen.

      • thewisemansfear - 27. Juli 2014

        Wenn M1 = M0 + GB-Giralgelder sein soll, dann spielen wir mal einen Einzahlvorgang durch.
        Wie oben beschrieben, die GB schreibt mir den Betrag auf dem Konto gut, ich habe jetzt einen Giralgeldeintrag, der vorher noch nicht da war. Der Geldschein wandert in die Kasse der Bank, ist nach wie vor physikalisch da. Nach dieser (falschen) Logik wäre damit M1 gestiegen, was natürlich quatsch ist.

        Bargeld wechselt quasi seinen Status, je nachdem wo es sich befindet. Das hat man halt davon, dass man high powered money im Publikumskreislauf zulässt. Wäre hpm nur im Interbankenmarkt (als Saldenausgleichsstandard) zulässig, gäbe es diese Verwirrung nicht.

        • Querschuss - 27. Juli 2014

          wo immer du damit hin möchtest, ich habe nur darauf hingewiesen, dass M0 Bestandteil der anderen Geldmengenaggregate ist und dies nicht bewertet.

          • thewisemansfear - 27. Juli 2014

            Ich wollte dir gar nicht persönlich auf die Füße treten :-)
            M0 ist eben nicht vollumfänglich Bestandteil der anderen Geldmengenaggregate, darauf wollte ich hinaus. Das kann man kleinlich nennen oder was auch immer, mir ist der Zusammenhang eben wichtig.
            Meine Vorbelastung kommt durch die orthodoxe Geldtheorie, da zählt nur Bargeld (wegen hpm-Status) als “richtiges” Geld…

        • Holly01 - 27. Juli 2014

          Mit der Buchung des Geldscheins, geht die Note an die ZB.
          Die GB liefert die bei nächster Gelegenheit auch dort physisch ab.
          Genau das ist ja die Funktion von Banknoten. Die Transfermöglichkeit Giralgeld – Waren.

          • thewisemansfear - 27. Juli 2014

            Die GB braucht eine gewisse Bevorratung an Scheinen und Münzen, damit der nächste Auszahlungswunsch nicht erst bei der ZB angefordert und hergekarrt werden muss. Welcher Geldmenge schlagen Sie das zu?
            Für die “Transfermöglichkeit Giralgeld – Waren” braucht es keine Banknoten. Ich bin mir nicht sicher, ob ich das richtig verstehe, ansonsten bitte nochmal genauer erläutern.

          • Holly01 - 27. Juli 2014

            Hallo thewisemansfear,
            so weit ich es verstanden habe, erhalten Die GB die Noten über die Mindestreserve bzw. gegen Sicherheiten.
            Das heisst: Dieses Geld ist zunächst einmal Garnichts.
            Die Sicherheiten sind passiv.
            Die Mindestreserve ist ebenfalls passiv (und besteht bei Licht betrachtet ebenfalls aus Sicherheiten).

            Erst mit der Nutzung und damit verbundenen Ein-/Ausbuchung geht das Geld in den Kreislauf ein.
            Ganz ähnlich ist es bei Geld, welches extra für eine Auszahlungs angefordert wird, nur ist die Buchung dann direkt an den Buchungsvorgang gekoppelt und die ZB wandelt Giralgeld direkt in Papiergeld.

            Papiergeld und Münzen sind im Übrigen nur noch marginal rechtlich besser gestellt als Giralgeld.
            Die Eintauschpflicht der ZB kommt mit dem Recht zur “Entwertung” (für ungültig erklären) einzelner Scheine oder ganzer Gruppen daher.

            Im Falle eines crashs, kann man davon aus gehen das Bargeld Horter ziemlich dumm da stehen werden.
            Das Bargeld wird dann ebenso entwertet, wie die Sichteinlagen über die Haftungskaskade der Bankenunion.

            • Querschuss - 27. Juli 2014

              um Bargeld zu erhalten, wird das Guthaben (Girokonto) der Bank bei der Zentralbank belastet. Hat die Geschäftsbank kein entsprechendes Zentralbankgeldguthaben, muss sie sich erst einen Zentralbankgeldkredit bei der Zentralbank holen, bevor das Bargeld an die Bank geliefert werden kann.

              Hortet dann ein Bankkunde das Bargeld unter der Matratze, sinkt genau um diesen Betrag die Einlage des Kunden bei der Geschäftsbank. Horten auf Kredit wird niemand tun.

          • Holly01 - 27. Juli 2014

            Entschuldigung, aber wenn wir wirklich kleinlich sein wollen, mag das der Normalfall sein:
            Bargeld als zweckgebundene Buchung zu einem Datensatz.

            Das Bargeld, welches eine Bank nur für den täglichen Ablauf vorhält, ist aber nicht in “Gebrauch”, somit auch nicht gebucht.
            Der Gebrauch des Bargeldes geht erst von der ZB an die GB über, mit der Buchung.

            Sie hatten ja auf die Bargeldvorräte der GB abgehoben. Diese Vorräte sind also quasi ortsneutral in ZB Verwahrung und damit kein Teil der Geldmenge.

            • Querschuss - 27. Juli 2014

              wenn das Bargeld in der Bankfiliale vorliegt, ist immer das Zentralbankgeldguthaben der entsprechenden Bank bei der ZB belastet worden, egal ob die Bank hortet, also nur auf Verdacht oder als Puffer Bargeld deponiert oder den aktuellen Bedarf von abhebenden Kunden damit deckt. M0 sinkt durch Belastung vom Zentralbankgeldguthaben, M0 neutral solange Bargeld im Kassenbestand der Bank.

              Das Girokonto des Endkunden wird natürlich erst belastet, wenn der Kunde z.B. am Automat die Banknoten zieht. Damit steigt M0.

              Wahrscheinlich meinen wir beide dassselbe.

          • thewisemansfear - 27. Juli 2014

            @Holly und Steffen
            “kein Teil der Geldmenge” – kein Teil welcher Geldmenge? Wir reden (noch) zum Teil aneinander vorbei. Die Geldscheine haben Seriennummern, sind und bleiben zudem alle buchhalterisch erfasst. Die keiner Geldmenge zuzuweisen ist nicht zulässig, wie soll das funktionieren? Die ZB emittiert die Scheine doch nicht aufs Geratewohl, das ist alles hieb und stichfest erfasst.
            Ich hoffe mein ursprüngliches Anliegen nun besser. Die Abläufe wie sich wer wann Bargeld und ZBGeld besorgen kann, darüber bestand nie Uneinigkeit.

            Nochmal als Beispiel: Auszahlung eines Kunden. Girokonto wird belastet. Sind wir uns einig, dass die Geldmenge M1 durch den Auszahlungsvorgang unverändert bleibt? Der Giralgeldanteil ist aber gesunken, d.h. es muss eine ausgleichende Gegenbuchung geben. Das vormals in der Kasse inaktive Geld wechselt von M0 zu M1.
            GBen müssen sich mit Scheinen und Münzen bevorraten, die Kundschaft reagiert mitunter etwas angesäuert, wenn der Automat nix mehr ausspuckt… ;-)
            Vom Prinzip her rennt die GB bei Bargeldanforderung zur ZB, die gibt nen Druckauftrag, usw. Klar.

          • Holly01 - 27. Juli 2014

            Hallo thewisemansfear,
            wahrscheinlich hat Steffen recht und wir meinen alle das Selbe, drücken es nur zu kompliziert aus.

            “Auszahlung eines Kunden. Girokonto wird belastet. Sind wir uns einig, dass die Geldmenge M1 durch den Auszahlungsvorgang unverändert bleibt? Der Giralgeldanteil ist aber gesunken, d.h. es muss eine ausgleichende Gegenbuchung geben. Das vormals in der Kasse inaktive Geld wechselt von M0 zu M1.”

            Buchung:
            Auszahlung Kunde : Bank – Giralgeld //
            Kunde: + ZB-Geld/Bargeld //
            ZB: -ZB-Geld/Bargeld + Giralgeld //

            Das ist ein Buchungssatz. Da ist wohl weder Zuordnung noch Geldmengenveränderung strittig.

            Meine Ergänzung war nun: Bis zum Buchen des Datensatzes, ist das ZB-Geld/Bargeld im Gebrauch der ZB, es ist also kein Bestandteil des Umlaufs. Es gehört also bis zur Buchung nicht zum Geldkreislauf.
            Die ZB druckt das Bargeld und bringt es zur Bank. In den Kreislauf kommt es erst durch die Buchung.
            ich hoffe nun ist es eindeutig.

          • thewisemansfear - 27. Juli 2014

            Hallo Holly,

            ja, ich habe manchmal einen Faible einfache Dinge kompliziert auszudrücken ;-)
            Ich tue mich mit der Vorstellung eines Geldkreislaufs schwer. Richtig ist, dass das Bargeld in der GB-Kasse “inaktiv” ist und nicht zum Publikumsverkehr zählt. Dann ist aber sowohl unter der Matratze als auch auf dem Konto geparktes Geld ebenfalls “dem Kreislauf” entzogen. Zählt aber beides zu M1 und wird folglicherweise bei der Inflations- und Preisberechnungen mit einbezogen. Was sagt uns das über die Sinnhaftigkeit dieser “Rechnung” und der darauf basierenden monetaristischen Denkschule aus? Sie ist mehr als fragwürdig, da bin ich ganz bei Systemfrager.
            Das einzige, was sie rettet ist ein Kunstfaktor “Umlaufgeschwindigkeit”. Den kann aber niemand messen, der ergibt sich schlicht aus den restlichen Faktoren der Gleichung. Und das nennt sich dann Wissenschaft…

  • Michael - 27. Juli 2014

    Wenn das Geldmengenwachstum M3 2001 bis 2009 jenseits von Gut und Böse stieg, ist die laufende geringe Wachstumsrate erfreulich. In absoluten Zahlen dargestellt ist die sich weiter öffnende Schere zwischen Kreditvergabe an die Privatwirtschaft und das wachsende M3 arlamierend, das sollte “Staatskonsum” als “Wachstumstreiber” kennzeichnen. (M3 zu Kreditvergabe an den Privatsektor als Diagramm mit zwei x-Achsen in absoluten Beträgen von 1998 (als Euroeinführung) bis 2014)

    Nebenbei werden offensichtlich langlaufende Kredite höherer Verzinsung durch kurzlaufende mit niedrigster ersetzt. Kurzfristige Schulden könnten zum Problem werden, wenn sie durch andere kurzfristige oder längerfristige Schulden mit höherer Verzinsung ersetzt werden müssen. Der Grundstein für die nächste Krise ist dadurch längst gelegt.

    Die reale Inflation als Kernrate läuft ziemlich exakt mit dem BIP-Deflator. Von März 2013 bis März 2014 war diese Kernrate der Eurozone 1,5% auf Jahressicht. Keine Deflation, das lädt nicht dazu ein Wertpapiere mit einer Rendite unter 2% nach Steuern und Abgaben zu kaufen.

    Geringes Wachstum, geringe Inflation (als Kernrate), alles in Butter. Zieht die Inflation an, geht für die hoch verschuldeten Staaten/Unternehmen/Privaten das Tor zu Hölle wieder auf. Dann sehen die Anleihen einen ziemlich illiquiden Markt. Massenhaft Angebot und keine Nachfrage.

    Deshalb wurde vergangene Woche in den USA ein Gesetz verabschiedet, mit dem der Verkauf bestimmter Fonds in Krisenfällen eingeschränkt/nicht möglich ist. Bedeutet die Inhaber haben keine Chance bei Bedarf an ihr Geld zu kommen. Gibt es hier auch bei “Versicherungen” (VAG §89, falls einer das Kleingedruckte liest).

    Wer glaubt, dass höhere Inflation wünschenswert wäre, könnte sich ganz gewaltig irren.

  • Bubblegum - 27. Juli 2014

    @Steffen,

    Welche Einwände gibt es gegen die nachfolgende Schlussfolgerungen und Forderungen?

    1. Die Geschäftsbanken sind das Nadelöhr, der Flaschenhals, der verhindert dass ZB-Geld
    konjunkturwirksam wird.

    2. Schafft alle Privatbanken ( bis auf Genossenschaftsbanken und Sparkassen als Instrumente
    der Kreditversorgung im Nahbereich) ab und vergebt das ZB-Geld direkt an
    Unternehmen/Verbraucher.

    Vorteile:
    1. Geldpolitik der Zentralbanken wird wieder wirksam
    2. Bankenkrisen gibt es nicht mehr.
    3. Kredite werden deutlich billiger, da die Gewinnspanne der Banker entfallen kann.

    Organisatorisch ist das im IT – Zeitalter und Scoring- Punkten durchführbar. Und Kunden werden nicht mit diesen cross-selling-Produkten genervt und abgezogen, so dass mehr für Konsumausgaben bleibt!
    Viele Grüße Bubblegum

    • thewisemansfear - 27. Juli 2014

      Das Problem fehlender (solventer) Kreditnachfrage(r) löst man so nicht.
      Banken finanzieren vor. Abbezahlt wird aus dem laufenden Einkommen bzw. dem zugrunde liegenden / geplanten Geschäftsmodell. Anscheinend fehlen aber mangels positiver Zukunftsaussichten genau da die Voraussetzungen.
      Mal davon ab, dass es rein technisch nicht funktioniert, Zentralbankgeld ohne Zwischenstation über die Geschäftsbanken ans Publikum zu transferieren. Wir haben ein 2-stufiges, hierarchisches Banken- bzw. Geldsystem. ZBGeld steht über GB-Giralgeld. Bargeld ist die einzige Ausnahme, ansonsten ist eine Vermischung von ZB-Guthaben im Publikumsverkehr nicht zulässig.

    • Querschuss - 27. Juli 2014

      Hallo Bubblegum,
      für eine seriöse Alternative zum bestehenden Geld- und Bankensystem müsste ich mir viele Tage Gedanken machen und mich intensiv mit diesem vielschichtigen Komplex auseinandersetzen. Egal wie gut mein Ergebnis wäre, es würde nichts ändern, in der Marginalität einer Meinung verschwinden.

      Ich bin weiter auf der Ebene davor, die aktuellen Entwicklungen anhand offizieller Daten aufzuzeigen, solange sich nur eine Minderheit für die Realität im Hier und Jetzt interessiert, spare ich mir die Mühe für noch weniger Leute, um die potentielle Zukunft :)
      Dieses Feld überlasse ich anderen, das Konzept von Querschuesse ist klar, Daten, Fakten und Analysen, genau das leiste ich hier, Punkt. Ein Tag bietet nur eine begrenzte Zeit, mit der muss ich haushalten und mich fokussieren.

      Gruß Steffen

  • Bubblegum - 27. Juli 2014

    @thewisemansfear

    “Das Problem fehlender (solventer) Kreditnachfrage(r) löst man so nicht.
    Banken finanzieren vor….
    Mal davon ab, dass es rein technisch nicht funktioniert, Zentralbankgeld ohne Zwischenstation über die Geschäftsbanken ans Publikum zu transferieren. Wir haben ein 2-stufiges, hierarchisches Banken- bzw. Geldsystem. ZBGeld steht über GB-Giralgeld. Bargeld ist die einzige Ausnahme, ansonsten ist eine Vermischung von ZB-Guthaben im Publikumsverkehr nicht zulässig.”
    Die Argumentation überzeugt nicht. Ob, GB oder ZB vorfinanzieren spielt für den Kreditnehmer keine Rolle! Die ZB -Finanzierung wäre im Gegenteil sogar billiger.
    Die HSBC war über mehr als 100 Jahre in Hongkong gleichzeitig ZB und GB! Ging meines Wissens prima bis sie ihre ZB Funktion in Hongkong mit Auslaufen des Pachtvertrages 1999 verlor und als reine GB die gleichen windigen Geschäftmodelle der Konkurrenz praktizierte und deswegen in diverse Schwierigkeiten geriet.
    Viele Grüße Bubblegum

    • thewisemansfear - 28. Juli 2014

      “Ob, GB oder ZB vorfinanzieren spielt für den Kreditnehmer keine Rolle! Die ZB -Finanzierung wäre im Gegenteil sogar billiger.”
      Vielleicht war ich nicht deutlich genug, es gibt nur Kredit, wenn die Rückzahlung auch sicher erscheint / vom Kreditnehmer leistbar ist. Keine Bank und auch kein sonstiger Geldverleiher wirft einfach so mit Geld um sich.
      Ansonsten muss man sich über entstehende/entstandene (nicht nachhaltige) Blasen nicht wundern.

      Keine Frage, dass die ZB mit dem höherwertigen ZBGeld auf einen Schlag die Schuldenlast des Staates/des Privatsektors oder wem auch immer aufsaugen/abkaufen und in ihrer Bilanz verstauen kann. Hatten wir schon mehrfach Prof. R. Werner dazu, das ist eine reine Willensentscheidung der ZB.
      Allerdings hebelt das dann die gängigen Dogmen vom Schuldner aus, der immer brav seine Schulden abbezahlen muss. Und das geht aus Sicht der Eliten ja nunmal gar nicht. Die Schuldner/Gläubiger Beziehung ist letztlich auch ein Herrschaftsinstrument, David Graeber hat sich u.a. darüber ausgelassen.

      • Holly01 - 28. Juli 2014

        Hallo,
        vielleicht eine vereinfachte Betrachtung:
        GB haben 2 Kundenarten, nämlich Konsumenten und Hersteller.
        Der Konsument finanziert vor. Der Zins schmälert seinen Lebenskonsum.
        Der Hersteller finanziert vor, er kann das Produkt ja erst zu Geld wandeln, wenn es fertig ist.

        Beiden Kreditnehmern ist eins gemeinsam:
        Die umlaufende Geldmenge ermöglicht die “Entnahme” von Gewinn und Zins.
        Mit dem Geldumlauf ist der Geldsinn erledigt.

        Geldhortung ist nicht nur Unsinn, er läuft dem Geldsystem zu wider.
        Die in der Geldhortung entstehenden Zinsen erzwingen einen erhöhten Geldumlauf (Menge).
        Der Zinseszins verdrängt Gewinn und Lohn.
        Geldhortung erschwert reales wirtschaften und macht es im Extremfall sogar unmöglich.

        Wir setzen falsche Parameter.
        Lohn und Gehalt zu besteuern ist bei geringem Zinseszins durchaus sinnvoll. Mit steigendem Zinseszins muss die Last aber vom Lohn/Gehalt weg und zum Zins/Zinseszins hin verlagert werden.
        In einem gesunden System, hätten wir 1970 nicht nur den Wechsel von produktionsgetrieben zu Geldgetrieben erlebt, sondern auch den Übergang von Lohn-Gehaltgssteuer getragenem Staat, hin zu Zinseszins finanziertem Staat.

        Das Eine müßte das Andere selbstverständlich mit sich bringen. Wir setzen falsche Flußgrößenbesteuerung fort und wundern uns über ein ungünstiges Ergebniss.
        Wir schimpfen auf das System, haben es aber oft nicht verstanden.
        Ideologien ersetzen keine Logik, sie stehen oft im Wege.

        • thewisemansfear - 28. Juli 2014

          Ja, die Frage ist, ab wann “sparen” zu “horten” wird. So einfach ist eine strikte Trennung nämlich nicht möglich. Fakt ist, wenn angespartes Geld nicht auch wieder entspart wird, fehlt es an anderer Stelle. Wenn Massen an Sparern eigentlich auf was größeres sparen, aber dank negativer Aussichten dann ihre eigentlichen Wünsche zurückstellen – dann gibt’s ein Problem.
          Deshalb gibt’s immerwährendes Wachstum und Dauerinflation als Zielsetzung.

          • Holly01 - 28. Juli 2014

            Der Geldsinn begrenzt auch die Geldnutzung.

            Die Plausibilitätsprüfung beinhaltet nur eine Frage:
            Ist es glaubhaft, das der Geldnehmer (Kreditnehmer) dazu in der Lage sein wird, diese vorzeitige Verfügung über Geld, welches er/sie/es in der Zukunft erwartet zurück zahlen kann?

            Ein Konsument hat 20000€/a das sind bei 50 jahren Tätigkeit 1 Mio €.
            Es ist eine Beurteilungsfrage, wei viel von dieser Million man als vorgeszogenen Konsum für akzeptabel hält.
            Eines ist aber sicher: es macht keinen Sinn dem Konsumenten mehr als 1 Million minus Zinsen zu geben. Denn das würde ja ausblenden, das der Konsument einen Lebensunterhalt benötigt.

            So gesehen ist die Geldschaffung limitiert.
            Ein Auto mit Nutzungsdauer von 10 jahren, muss innerhalb dieser Zeit abbezahlt sein.
            Ein Haus mit 99 Jahren Nutzungsdauer kann man natürlich nicht 99 Jahre ohne Renovierung nutzen. Es ergibt sich eine Rechnung aus Finanzierung und Rücklage.
            Aber die Größenordnungen ergeben sich aus der Logik.

            Geld ist eine soziale Funktion der Gesellschaft, mit der man definiert, wie viel Lebenskonsum ein Mensch durch Leistung erreicht.

            Die Definition ist sehr gut und stammt von Fr. Ulrike Herrmann. Sie setzt aber Gerechtigkeit und Gesellschaft voraus.
            Beide Begriffe (Gerechtigkeit, Gesellschaft) sind nicht allgemein gültig definiert.
            Man kann die Probleme aber nicht einfach auf das Geldsystem projezieren.