EZB: Einlagefazilität bei 411,813 Mrd. Euro

von am 27. Dezember 2011 in Allgemein

Die kurzfristige Einlagefazilität (Übernachtanlage) bei der EZB durch die europäischen Geschäftsbanken ist in Folge der Long Term Refinancing Operation (LTRO), mit einem Volumen von 489,191 Mrd. Euro mit 3-jähriger Laufzeit zu einem Zinssatz von 1,0%, auf ein neues Rekordhoch geschossen. Die Banken der Eurozone bunkerten zum 23.12.2011 enorme 411,813 Mrd. Euro bei den nationalen Notenbanken im Eurosystem zu einem niedrigen Zinssatz von 0,25%. Damit verpufft auch die jüngste brachiale geldpolitische Aktion vorerst und sollte der hohe Stand bei der Einlagefazilität anhalten sogar grundsätzlich.

Kurzfristig führte die LTRO zunächst weder zu einer anspringenden Kreditvergabe der Banken untereinander, noch zu einer steigenden Kreditvergabe an die Realwirtschaft, noch zu Käufen von Staatsanleihen der Südperipherieländer, wie die steigende Rendite in den letzten Handelstagen auf wieder knapp 7% bei den 10-jährigen italienischen Staatsanleihen anzeigt.

Die Entwicklung der Einlagefazilität der Geschäftsbanken bei den nationalen Notenbanken im Eurosystem seit Januar 1999 im Dailychart. Aktuell notiert die Übernachtanlage mit 411,813 Mrd. Euro auf einem Allzeithoch. Der Chart zeigt auch, dass in normalen Zeiten die Einlagefazilität kaum eine Rolle spielt und sich das Bankensystem aktuell in einer kritischen Ausnahmesituation befindet. Die hohen kurzfristigen, eintägigen Einlagen sind auch ein klarer Angstindikator für das Bankensystem.

Auch der letzte Rekordwert aus dem Sommer 2010, als die Banken 385 Mrd. Euro bei der EZB geparkt hatten, ist damit deutlich überschritten. Wenn eine Bank am Tagesende Habensalden auf den ESZB-Konten hat, werden diese automatisch zu Einlagefazilitäten. Die Einlagefazilität wird mit einem Einlagezinssatz von aktuell 0,25% versehen. Die Einlagefazilität wird ständig und in einem unbegrenztem Volumen angeboten. Das Gegenstück zur Einlagefazilität ist die Spitzenrefinanzierungsfazilität, mit der Banken über Nacht Liquidität der Zentralbanken erhalten können, zu einem Zinssatz von 1,75%, gegen notenbankfähige Sicherheiten. Aktuell ist das Volumen der in Anspruch genommenen Spitzenrefinanzierungsfazilität niedrig mit nur 6,131 Mrd. Euro.

Das linke Tasche, rechte Tasche Modell von Liquiditätsflutung durch die EZB und dem Ansteigen der Einlagen bei der EZB, trägt letztlich zu keinerlei Lösung der Probleme bei, so wie auch generell ein isoliertes Fluten des Bankensystems mit Liquidität durch die EZB so oder so zum Scheitern verurteilt ist. Nur im Verbund mit einer Strategie zur Ankurbelung der Wertschöpfung in der Südperipherie, damit auch von Wirtschaftswachstum und Einkommenszuwächsen lassen sich Schuldenkrise und Vertrauenskrise Schritt für Schritt auflösen. Isolierte Aktionen der Notenbanken im Eurosystem in der Dimension von LTRO werden nicht nur größtenteils verpuffen, sondern auch zu einem weiteren Vertrauensschwund in Bezug auf die Eurozone und damit auch in die gemeinsame Währung führen.

Quelle Daten: Ecb.int/Daten Einlagefazilität

Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

Print article

34 KommentareKommentieren

  • Roland - 27. Dezember 2011 Antworten

    Der Baltic Dry Indey hat Mitte Dezember seine Abwärtsfahrt wieder aufgenommen.

    Die Anzeichen für eine weitere Abschwächung der Weltwirtschaft verdichten sich.

    • Catweazle - 28. Dezember 2011 Antworten

      Die Transportkapazitäten nehmen drastisch zu während die transportierte Menge gleich bleibt. Die Realwirtschaft schwächt sich nicht sonderlich ab sondern es gilt der Leitspruch “zuviel Konkurrenz ruiniert das Geschäft”.

      • Roland - 28. Dezember 2011 Antworten

        Ob der Druck neuer Kapazitäten ausgerechnet im Dezember aufgebaut wurde ?

        Einen aktuellen Hinweis, dass der Warenumschlag rückläufig ist, geben die heutigen Zahlen aus Japan.

        Der Export geht zurück, die Kapitalinvestitionen und der Binnenkonsum sinken.

        Japan ist wieder in einer deflationären Phase.

      • Tourist - 29. Dezember 2011 Antworten

        Transportkapazitäten nehmen zu? Macht irgendwie keinen Sinn! Wer investiert denn in der Schiffahrtsbranche in eine größere Flotte, wenn die bestehende noch nicht mal ausgelastet ist???

  • SLGramann - 27. Dezember 2011 Antworten

    Möglicherweise ist das Parken der LTRO-Mittel auch darauf zurückzuführen, dass die Banken über den Jahreswechsel ganz besonders die Liquidität suchen.

    Ich gehe immer noch davon aus, dass die Banken unter der Hand eine Zusage gegeben haben, die Staatsanleihen der Südschiene aufzukaufen, wenn sie emittiert werden.

    Ob ich damit recht habe, werden die italienischen Emissionen zeigen, die im ersten Quartal 2012 anstehen.

    Wenn die Geschäftsbanken die EZB und die Eurokraten in Brüssel hängen lassen, wäre das ja ein Ding, zumal die EZB den Geschäftsbanken die Anleihen ja sofort wieder abkaufen kann – ist ja dann nur Sekundärmarkt, nicht wahr… :-)

  • Stefan Vogel - 27. Dezember 2011 Antworten

    Hallo Steffen,

    eine Frage zu den Interbankenmarkt. Bei Dr.-Hankel habe ich gelesen, dass nur die grossen Banken hier mitmachen. Soweit ich mich erinnern kann, sagt er, dass damit die Zentralbank ausgeschaltet wird. Kund Bank A ueberweist zu Kunde Bank B. Bank A leiht sich den Betrag bei Bank B. Whups und durch das Vertrauen kann ich viel hoeher hebeln. So jetzt ist das Vertrauen weg, d. h. die Finanzierung des hohen Hebels muss die Zentralbank mit einer hoehern Bilanz uebernehmen?

    Sehe ich das alles korrekt?

    Danke fuer die Arbeit (Geld wird noch morgen ueberwiesen)

    Stefan

  • Querschuss - 28. Dezember 2011 Antworten

    Hallo Stefan,
    grundsätzlich richtig, Zentralbankgeld ersetzt den Interbankenmarkt, wobei das eigentliche Ziel der EZB den Interbankenmarkt durch zusätzliche Liquidität (LTRO) anzuschieben verfehlt werden könnte, wie die hohe Einlagefazilität zeigt. Auch scheint wesentlich mehr Liquidität ins Bankensystem geschossen zu werden, als die Banken an aktuellen Refinanzierungsbedarf haben.

    Danke!!!!

    Gruß Steffen

    • Ert - 28. Dezember 2011 Antworten

      @Querschuss

      Meinst Du nicht, das die (Groß-) Banken erstmal eingesammelt haben und dann demnächst die Anleihen einzusammeln? Der nächste 3-Jahres Tender soll doch erst ende Feb. rauskommen.

      Die Frage ist ja, wo parkt man mal eben knapp über 200 Milliarden Euro… so ganz einfach ist das ja nicht. Und was sollen Sie mit der Kohle auch anders machen? Ich denke das ist klar der Deal und nach Basel II belastet ja der Staatsanleihenkauf das EK nicht. Das währe ja auch ein Problem, da die (Groß-) Banken jetzt ggf. wieder Liquide – aber dennoch nicht solvent sind.

      • Catweazle - 28. Dezember 2011 Antworten

        Ich denke auch das Ert hier recht hat. Viele der Entscheider bei den Banken sind im Urlaub und das viele Geld will solange sicher geparkt sein. Bei der DB oder CoBa würde ich es jedenfalls nicht über die Feiertage liegen lassen ;)

      • Querschuss - 28. Dezember 2011 Antworten

        Hallo Ert,
        kann sein, muss aber nicht, denn die Einlagefazilität hatte auch schon vor dem LTRO einen hohen Stand.

        Gruß Steffen

  • Systemfrager - 28. Dezember 2011 Antworten

    Tja,
    was geht ja nur vor sich, ist die Wirtschaft verrückt ?????????????
    Im analytischen Rahmen des partikel-mechansichen Modells der DAmplokingenieure W & P wäre nicht davon möglich
    Nach der lächerlichen Formel genannt Quantitätststheorie d. G. (war 1 Nobelpreis wert) müsste die Welt schon längst eine Weimar-deutsche Hypedrinflation haben
    Beide “großartigen” Theorien/Modell in die Tonne treten
    und weiteren monetaristischen Kram zugleich
    (Die monetäre Analyse – sowohl nachfragetheoretische als angebostheoretische – ist auf den Hund gekommen.)
    Was tun?

    Es gibt ein Modell, dass die Ökonomen sich selbst augedacht haben (sic!), die Physiker habes es dann abgekuckt: Kreislaufmodell (Quesnay, 1758) Wenn man alle mathematischen Nachbesserungen berücksichtigt, aht man ein Modell, dass die Wirklichkeit richtig beschreibt. Mit dem analytisch srengen Ergebnis:

    1) Die freie (laissez-faire) Marktwirtschaft kann nur zyklisch funktionieren
    2) Nachdem das wachstum die spitze erreicht hat, muss die Wirtschaft kollabieren, wegen des Nachfragemangels (die Einkünfte feheln, was nichts mit dem Geldhorten zu tun hat)
    3) Die reale Wirtschaft saugt Geld wie verrückt (Durchhaltekredite), und real geschieht gar nichts, Preise sinken sogar, oder zumindest fallen sie nicht

    4. Phase des ökonomischen Zyklus: Der Abschwung (Rezession)
    Der obere Wendepunkt des ökonomischen Zyklus und der Absturz in die Tiefe
    weiter >>>

    • Systemfrager - 28. Dezember 2011 Antworten

      Verdammt, warum muss ich immer nachhacken, wenn ich so was höre wie Model, analytisch, Theorie, …
      :(
      Übrigens:
      Als Quesnay am ersten (unvorstellbar primitiven) Kreislaufmodell bastellte, bastellten die Physiker noch wie besessen am partikel-mechansichen Modell
      Als die Ökonomen mit dem partikel-mechansichen Modell zu tricksen begonnen haben, war die Physik schon kurz davor, dieses Modell für immer aus der Physik rauszuschmeißen
      Die einzige “Wissenschaft”, die mit dem Galilei-Newtonschen Modell ihren Unsinn treibt, ist schon sein einem Jahrhundert nur die WiWi
      Na da PROSIT!

  • Systemfrager - 28. Dezember 2011 Antworten

    >>> Nur im Verbund mit einer Strategie zur Ankurbelung der Wertschöpfung in der Süd….
    Süd wie Süddeutschland zB? Also Stuttbart 21! Super. Mann soll zumindest einma in jedem Bundesland so was wie Stuttgart 21 bauen!

    Ups!
    Habe ich aber nicht gegen Stuttgart 21 votiert? Auch meine Frau habe ich gefesselt und dorthin geschleppt. Habe ich irgendwo von Afganen abgekuckt – ganz raffinierte Kerle, die Afganen. ;-)

    Ja! Habe ich! Ja verdammt! Weil mir die heutige “Demokratie” stinkt! – diplomatisch ausgedrückt. Und weil die neoliberalen Ganoven dann immer neue Kosten den Bürgern aufbürden würden. Eine neue Umverteilung von unten nach oben. Im Ländle wird man bestimmt nicht wie in China (und wie bei unserem Adolf) das frische Geld in die Hand genommen und mit ihm gebaut.

    2. Phase des ökonomischen Zyklus: Die Erholung (Aufschwung)
    Staatliche Investitionen als Alternative zu Krediten von privaten Banken
    weiter >>>

  • Ashitaka - 28. Dezember 2011 Antworten

    Der Systemfrager und sein Versuch die Herkunft der Nachfrage durch verkorkste Modellexperimente zu trivialisieren. Es gähnt mir langsam aber sicher. Da werden Begriffe wie Geld, Nachfrage, Deflation und ein paar besagte Ökonomen in den Topf geworfen und fertig ist die Erklärung dessen, was stets auf ausgeklammerten Fundamenten (Schuldverhältnissen) ruht. Ach was rege ich mich eigentlich wieder auf. Du müsstest mal in unserer Laube Platz nehmen und anfangen dein ganzes Wissen über die volkswirtschaftlichen Erklärungsmodelle über den haufen zu werfen. Ich spendier dir auch einen Säbel.

    Wer heute noch von Kreisläufen spricht und von Kreisläufen spricht, wo doch dank ein paar guten Geldtheoriebüchern die Abläufe auf Geschäftsbank- und Notenbankebene glasklar zu verstehen sind, der liebäugelt damit, an bestehendem Aberglauben festzuhalten. Im Herbst 2008 wurde gar nichts überflutet, sondern einzig die Sicherheitenlage durch massive Eingriffe gestärkt. Mit QE wird kein Geld in die Märkte gepumpt, sondern die vorhandene Liquidität durch Verhinderung von Bank- und Staatsinsolvenzen ( durch Bürgen und Kauf von stinkenden Papieren/Titeln) weiterhin in die richtigen Ströme gelenkt. Deshalb begreifen es die USAler auch nicht, dass ihre ach so gefürchtete Inflation noch in 10 Jahren auf sich warten lässt.

    http://www.dasgelbeforum.de.org/forum_entry.php?id=100668

    Gruß,

    Ashitaka

    • Systemfrager - 28. Dezember 2011 Antworten

      @ Ashitaka
      >>> Da werden Begriffe … in den Topf geworfen und fertig ist die Erklärung

      1: Hast du überhaupt eien Ahnung, was Wissenschaft ist?
      2: Und wie unterscheidet sie sich von den Märchen, Ideolgien und Religionen?

      Also aufschreiben:
      1: Die Wissenschaft bedeutet in einem streng logischn Kontext zu denken. Ich habe also gar nichts “in den Topf geworfen”, sondern alles steht in einem eindeutigen logischen Zusammenhang.
      2: Wie eben gesagt, weil sie ein logisches Ganzes ist (“System” – würde Kant sagen), und weil dieses logisches Ganzes der realen Welt korrespondiert.

      Noch Fragen?

      PS
      Die Märchenerzähler, Ideologen und Pfaffen waren schon immer gegen Theorien und Modelle, weil sie unfähig sind logisch zu denken. Hat also mit IQ zu tun.

      • M.U. - 28. Dezember 2011 Antworten

        1: Hast du überhaupt eien Ahnung, was Wissenschaft ist?
        “Einer der Faktoren, die das Ende des Industriezeitalters für viele so schwer begreifbar machen, ist der Unterschied zwischen Wissenschaft und dem (auch als Szientismus bekannten) Wissenschaftsglauben.
        Bei der Wissenschaft handelt es sich im Kern um eine Methode der praktischen Logik, mit der Hypothesen aufgestellt und in der Praxis getestet werden. Der Wissenschaftsglaube hingegen ist eine Weltanschauung und ein Wertesystem. Zugrunde liegt ihm das Beharren darauf, dass jene Fragen, die mit Hilfe der wissenschaftlichen Methode beantwortet werden können, die wichtigsten Fragen darstellen, die ein Mensch stellen kann, und dass das von der Wissenschaft gezeichnete Bild der Welt eine bessere Annäherung an die Realität darstellt als jedes andere. Wissenschaft und Wissenschaftsglaube sind nicht identisch, aber es gehört zu den am weitesten verbreiteten Denkgewohnheiten der Moderne, von dieser Identität auszugehen – oder, besser gesagt, von einer „Wissenschaft als solcher“, ohne den Unterschied zum Wissenschaftsglauben als Weltanschauung überhaupt wahrzunehmen.
        Dies ist kein neues Phänomen; die Mehrheit der Werkzeuge, deren sich der Intellekt bedient, haben zu entsprechenden Weltanschauungen und Wertvorstellungen geführt. Dies lässt sich beispielsweise am Beispiel der klassischen Logik belegen. Die griechischen und römischen Philosophen entwickelten die Logik zu ihrem grundlegenden Werkzeug, definierten die Realität als all das, was auf verbale Aussagen reduziert und durch logische Mittel analysiert werden kann, und verbannten den Rest in das Apeiron, das Reich des Formlosen und Unbestimmbaren. Die Ergebnisse waren maßgebend für die Mehrzahl der Erfolge und Fehlschläge der antiken Geistesgeschichte. Es fällt nicht schwer, den alten Philosophen ihre Unterlassungen vorzuhalten – bei den Debatten um Gerechtigkeit etwa kam es keinem der Beteiligten in den Sinn, die ökonomische Abhängigkeit der antiken Welt von der Sklaverei in die Problemstellung mit einzubeziehen –, aber natürlich ist das moderne Denken von nicht weniger großen blinden Flecken gekennzeichnet.
        Was der klassischen Logik ihre Verbalaussagen waren, ist der wissenschaftlichen Methode ihre Quantifizierung: Phänomene, die sich nicht in Zahlen ausdrücken lassen, können in der Regel nicht durch die wissenschaftliche Methode untersucht werden. Konsequenterweise haben viele Wissenschaftler alles, was sich nicht quantifizieren lässt, in ihre eigene Version des Apeiron verbannt. Der Hinweis auf diese schlechte Denkgewohnheit bedeutet keine Verdammung der Wissenschaft oder auch nur des Wissenschaftsglaubens; vielmehr zollt man dadurch einfach der Tatsache Tribut, dass kein Werkzeug für alle Arbeitseinsätze geeignet ist. Trotzdem ist die natürliche Neigung kleiner Kinder mit einem Hammer in der Hand, die Welt um sich herum als großen Nagel zu betrachten, nicht der einzige relevante Faktor, der hier zur Wirkung kommt. Auch die wissenschaftliche Methode selbst wird oftmals zu einem Hindernis beim Bemühen um Klarheit.
        Denn schließlich gehören Weltanschauungen und Wertvorstellungen zu den Dingen, die über die wissenschaftlichen Methodik am schlechtesten erfasst werden können – wie sollte man auch ein Werturteil quantifizieren? –, und dieses Problem wird besonders gravierend, wenn die Wissenschaft die von ihr selbst ausgegangenen Weltanschauungen und Wertvorstellungen untersucht. Durch keine kontrollierte Doppelblindstudie der Welt ist herauszufinden, ob die von der Wissenschaft enthüllten Wahrheiten wichtiger sind als solche, die auf andere Weise ans Licht kommen, und noch viel weniger, ob die wissenschaftliche Methode die größte Hoffnung für die Zukunft der Menschheit darstellt. Nur, weil es Wissenschaftler sind, die solche Behauptungen aufstellen, werden sie noch lange nicht zu Wissenschaft. Vielmehr gehören sie zu den Wertvorstellungen, die vom Wissenschaftsglauben herrühren.”
        Quelle: http://www.oelschock.de – Unterwegs zur Ökosophie by John Michael Greer
        2: Wie eben gesagt, weil sie ein logisches Ganzes ist (“System” – würde Kant sagen), und weil dieses logisches Ganzes der realen Welt korrespondiert.
        Kurt Gödel bewies Anfang der 1930 Jahre, dass es Fragestellungen gibt, welche mit Logik, also der Reduzierung auf verbale Aussagen, nicht zu beantworten sind. Die Antwort auf eine solche Frage kann wahr oder falsch sein. Jedoch lässt sich innerhalb des gleichen Systems nicht beweisen das dieses Ergebnis wirklich wahr oder falsch ist. Gödel bewies die Intuition.

        • Systemfrager - 28. Dezember 2011 Antworten

          Eien sehr gute Beschreibung, nur eins stört mich:
          Die Kritik kann man den Sozial- und WiWi, also Geisteswissenschaften auf den Tisch hauen. Die Naturwissenschaften sind (unendlich) weiter. Das ist oben nicht klar.

          • M.U. - 28. Dezember 2011

            Sehr beruhigend, dass wir wissen, wie ein Frosch von innen aussieht. Jedoch wüsste ich nicht, wo uns das bei den Wirtschaftswissenschaften helfen soll. Und wenn wir unser Wirtschaftssystem jetzt als etwas Natürliches bezeichnen wollen, wird es, glaube ich, ganz verrückt. Es wäre letztendlich auch nur die menschliche Sichtweise von natürlich.

    • Ert - 28. Dezember 2011 Antworten

      Danke für den Link zum DGF – Klasse Beitrag.

  • Thorsten Eckau - 28. Dezember 2011 Antworten

    OT:

    pigbonds.info von eben:
    Germany -0.04 +13.3% 0.19 +10.7% 0.86 +3% 1.93 +0.5%

    Hat es das schon mal gegeben, einjährige BUNDS mit negativen Zinsen? Sehe ich heute das erste Mal…

    • Ert - 28. Dezember 2011 Antworten

      Danke für den Hinweis.

      Sieht das nicht irgendwie nach dem Szenario aus: Alle trauen keinem und jeder versucht sich in Sicherheit zu bringen – Entweder ZB Konto oder alles in kurzfristigen STtaatsanleichen parken – und das bei den Systemisch besten Schuldnern (USA/D)?

  • RF - 28. Dezember 2011 Antworten

    @Systemfrager, ergänzend zu Ashitaka,

    „Nach der lächerlichen Formel genannt Quantitätstheorie d. G. …, müsste die Welt schon längst eine … Hyperinflation haben,“ offenbart ein Mißverständnis des Begriffs Geld. Zentralbanken schaffen kein Geld, sondern nur Liquidität, also die Basis für die Geldschöpfung der Geschäftsbanken (M0). Am Verbraucherpreisindex ablesbare „Weimarer Verhältnisse“ bekommen wir erst dann, wenn die Liquiditätsflut vom Bankensektor ins Publikum überschwappt, also zu Nachfrage nach Realgütern schaffendem Kredit und, mithin, zusätzlichem Geld (M3) wird. Dafür bedarf es aber wohl der tätigen Mitwirkung des Staates, d. h. Aufgabe des Schuldenbremse-Mythos, höherer Löhne und höherer Transferzahlungen. Warum sich der Private Sektor derzeit schwer tut, an der Hyperinflation mitzuwirken, erklärt Ihnen Gunnar Heinsohn: Es fehlt ihm mittlerweile am Pfand (und wohl an hinreichenden Rentabilitätserwartungen).

    • Systemfrager - 28. Dezember 2011 Antworten

      Ja, im Grunde ist es so, wie du es penibel beschreibst, wir sollen aber nicht so sehr auf die Benennung achten: Prinzipiell verusachen sowohl die Geldscheine als auch das Buchgeld (Kredite) die Inflation. Was konkret der Fall ist muss konkret herausgefudnen werden.
      —-
      >>> Es fehlt ihm mittlerweile am Pfand (und wohl an hinreichenden Rentabilitätserwartungen)
      Sowohl das eine als auch das andere ist falsch.
      1) Wenn die Gesellchaft reicher ist (Häuser, Autos, …), gibt es mehr Güter die alle Pfand sein können
      2) Die Rentabilität sinkt, weil die Nachfrage sinkt. Würde die Nachfrage steigen, dann würde die Rentabilität automatisch steigen: a) bessere Auslastung der vorhandenen Kapazitäten b) niedrigere Vorräte c) die nicht fallenden, sonder eher steigenden Preise

      (Was Heinsohn verzapft ist alles Unsinn – ein raffinierter und verschleierter Neolibralismus: Wie eben dies mit der Rentabiliät. Ein erhrlicher Neoliberaler würde einfach sagen: hohe Kosten. Heinsohn erst in dem zweiten Satz, und zwar bei dem Nachhacken)

  • King Balance - 28. Dezember 2011 Antworten

    Bundesbankpräsident Weidmann verteidigt Rekordkredit an Banken. “Es ist eine Überbrückungshilfe für die Banken, die erst dann wieder gefestigt dastehen können, wenn die Staatsschuldenkrise überwunden ist”.

    Das Beste, was ich bislang zur Weltwährungskrise gesehen habe. Leicht verständlich, benennt Ross und Reiter! Eine Produktion – Hut ab! – des Schweizer Fernsehens SF1.
    http://kingbalance.blogspot.com/2011/06/der-euro-am-abgrund-wie-deutschland-und.html

    Sonderbar, dass es den Wölfen immer wieder gelingt, die Welt von der Gefährlichkeit der Schafe zu überzeugen. -Austin O’Malley

  • Ashitaka - 28. Dezember 2011 Antworten

    @Systemfrager:

    Du wirst immer niedlicher. Mal Spass beiseite. Ich habe den ganzen Zirkus an der Uni durchlebt und war froh als ich mich davon verabschieden durfte. Das eigentliche Studium ging für mich erst im Anschluss los und dauert ganz klar weiter an. Ich möchte dir gar nicht besserwisserisch mit Predigten daherkommen, sondern verzweifle langsam daran, wie du und auch andere Interessierte die Gedankenkonstrukte “Nachfrage” und “Wertfindung von Vermögen” aus allen Blickwinkeln umkreisen, dabei jedoch nicht das Fundament erkennen wollen, auf dem diese Wissenschaften beruhen.

    Was als „neue Erkenntnis“ gepriesen wird, was in den Kanon wissenschaftlicher Tatsachen aufgenommen wird, warum bestimmte Entdeckungen als bedeutsam gelten, warum für andere „die Zeit noch nicht reif ist“ oder warum wieder andere auf immer in der Schublade verschwinden – all dies unterliegt Selektionsprozessen, ist Verhandlungssache.

    Dass ein Jeder handeln möchte und seine Beobachtungen und Arbeiten einem Publikum zugänglich machen möchte ist klar. Nur fehlt es mir an einer konkreten Verhandlung und Einigung beider Seiten, dass bisher “erkannte” gemeinsam zu drehen und für eine geöffnetere Wahrnehmung der systematischen Vorgänge zu nutzen.

    Du hast auf diesen Kommentar von RF:

    “Es fehlt dem privaten Sektor mittlerweile am Pfand (und wohl an hinreichenden Rentabilitätserwartungen)

    folgendes geantwortet:

    “Sowohl das eine als auch das andere ist falsch.

    1) Wenn die Gesellchaft reicher ist (Häuser, Autos, …), gibt es mehr Güter die alle Pfand sein können

    2) Die Rentabilität sinkt, weil die Nachfrage sinkt. Würde die Nachfrage steigen, dann würde die Rentabilität automatisch steigen: a) bessere Auslastung der vorhandenen Kapazitäten b) niedrigere Vorräte c) die nicht fallenden, sonder eher steigenden Preise”

    Beide Antworten sind in einer mikroökonomischen Betrachtung, losgelöst richtig, nur kann ich damit in einer umfassenderen Betrachtung und Analyse nichts anfangen. Du machst den gleichen Fehler wie ein Kollege bei uns im Forum:

    Zu 1) Reich bzw Vermögens, das sind Begriffe, die nur mittels zusätzlicher Nachfrage (Preisverhandlungen) gedacht werden können. Kauft die Person mittels Ausweitung der Kreditlinie, so wird die Bewertbarkeit in Geld (Money of Account) aufrecht erhalten. Kauft niemand mittels Ausweitung der Kreditlinie, so sinkt die in Geld ausgedrückte, nominale Bewertung bzw. Preisfindung (Preise). Alles was zeitlich auf den heutigen Tag folgt sind – bei gleichbleibender Kreditlinie – sehr wohl Käufe im Sinne des bürgerlich rechtlichen Gesetzes, aber eben keine Käufe, welche im Stande wären, die bestehende Kreditlinie unserer Gesellschaft auszudehnen.

    Zu 2.) Die Rentabilität sinkt, weil die Nachfrage sinkt, “WEIL DIE KREDITLINIE NICHT WÄCHST UND DESHALB DIE PREISE/WERTE SINKEN”. Partiziell ist deine Betrachtung richtig, nur bietet sie mir keinen Raum um eine gesamtsystematische Funktion zu basteln. Dazu brauch es ganz klar der soeben geschriebenen Großbuchstaben.

    Du kannst dir das ja gerne mal in folgender Beitragskette aus unserem Forum durchlesen und mir deinen Kommentar dazu schenken. Dazu müsstest du bei folgendem Beitrag von onkel Otto starten. Ich würde mich freuen, da ich gerade an einer ausführlichen Darstellung und Präsentation des Kernproblems arbeite.

    http://www.dasgelbeforum.de.org/forum_entry.php?id=243067

    Viele Grüße,

    Ashitaka

    • Systemfrager - 28. Dezember 2011 Antworten

      >>> Du kannst dir das ja gerne mal in folgender Beitragskette aus unserem Forum durchlesen

      So was könnte ich in der Tat
      Habe ich auch irgendwann
      Ich habe in diesem Forum viel Blödsinn gelesen
      Aber gut, ein Forum kann sich seine Kommentatoren nicht wählen
      Ups!
      Aber doch!
      Bei meinem ersten Kommentar hat man mich hochkantig reusgteschmissen. Als ich protestiert habe, kamen noch ein paar weitere Inquisitoren und bestätigten mir, dass das Urteil richtig war

      Ich werde mir gar nichts anschauen, was dort steht!

  • Ashitaka - 28. Dezember 2011 Antworten

    Es geht mir dabei nicht um die durch den Staat seit Jahrzehnten bewirkte Inflation. Die Staatsverschuldung kann als Staatsausgaben niemals einen anderen Effekt bewirken. Die Staaten sind niemals in der Lage zu tilgen. Der private Sektor hingegen Tag für Tag.

    • Systemfrager - 28. Dezember 2011 Antworten

      Und wozu bracht der Staat zu tilgen.
      Auch meine Kinder habe bei mir noch nie getilgt. Und es geht!

  • Ashitaka - 28. Dezember 2011 Antworten

    Nun ja, ob nun Thematik oder Rechtschreibung. Es hatte wohl seinen Grund. Dir noch viel Spass beim rumdoktorn. Verhandlung gescheitert ;-)

    Grüße,

    Ashitaka

  • Bernd Klehn - 28. Dezember 2011 Antworten

    Eurosystem Bilanzsumme um 239Mrd. auf 2.73Mrd. gestiegen.

    .http://www.bundesbank.de/download/ezb/pressenotizen/2011/20111228.ausweis.pdf

    Dieses zusätzliche Zentralbankbankgeld wird letztendlich die Leistungsbilanzungleichgewichte prolongieren, als weitere Target2-Ungleichgewichte aufschlagen und damit insbesondere Kapitalflucht zu Lasten der deutschen öffentlichen Hand ermöglichen.

  • Systemfrager - 28. Dezember 2011 Antworten

    Versagen der Uni-Ökonomen
    Warum bringt uns keiner Krise bei?

    Der Markt wird’s schon richten: Während ganze Staaten taumeln, lehren die Volkswirtschaftler unverdrossen ihre überkommenen Theorien. Jetzt rütteln Studenten die alte Professorengarde wach – und organisieren sich ihre Seminare zu Krise und Wirtschaftsethik selbst.”
    Die Volkswirtschaftslehre kreist um sich selbst”, sagt Arbeitskreismitglied Steffen Bettin, 22. “Niemand ist bereit, die alten Modelle zu überdenken – obwohl sich gerade jetzt in der Krise gezeigt hat, dass sie überhaupt nicht nutzen.” Andere Denkansätze als die Neoklassik fänden in der offiziellen Lehre keinerlei Beachtung.

    SPON >>>

  • Systemfrager - 28. Dezember 2011 Antworten

    @ Ashitaka
    “gelbe Seten”
    Der Name sagt schon alles.
    Dort sind die Mikroökonomie-Experten, die pars-pro-toto-”Denker”, diejenigen die wissen, wenn einer im Kino aufsteht, sieht er besser, also alle sollen aufstehen, wüden alle besser sehen. Leistung lohnt sich immer!

    Jetzt ist es mir klar, warum du gegen die Theorien und Modelle bist. Die Theorien und Modelle können entdecken, dass der gesunde Menschenverstand weder gesund noch Verstand sind. Dass es ein Unsinn ist, was und die Hayek, Mises Röpke usw – die “geniale Idioten” – es verzapft haben.

    @Ashitaka, etwas für dich und deinesgleichen

    Der Neoliberalismus | für Eilige
    Ein intellektuelles Verbrechen gegen die Menschlichkeit

    Die Bezeichnung neoliberal täuscht. Sie erweckt den Eindruck, es würde sich um eine Weiterentwicklung der ursprünglichen liberalen Theorie handeln. Davon kann keine Rede sein. Wir werden in den nächsten Beiträgen zeigen, dass der Neoliberalismus etwas völlig anderes ist. Er ist in theoretischer Hinsicht eine realitätsfremde akademische Grübelei in steriler Sprache, in politischer Hinsicht eine rechtsstaatlich organisierte Räuberei und in ethischer Hinsicht ein sozialer Genozid. Knapp gefasst: Der Neoliberalismus ist ein geistiger Kannibalismus. Als solcher ist er ein kompletter Verrat am ursprünglichen Liberalismus, der sich den humanistischen und aufklärerischen Idealen der europäischen Moderne verpflichtet sah.

    weiter >>>

  • SLGramann - 28. Dezember 2011 Antworten

    Die These, dass es zwischen EZB, Politik und Geschäftsbanken ein Gentlemen’s Agreement der Art geben könnte, dass die EZB den Banken beliebige Summen für letztlich beliebige Zeiträume zur Verfügung stellt, damit diese davon Staatsanleihen von Eurostaaten kaufen, die ihnen dann sicher wieder von der EZB abgenommen werden, scheint sich zu bestätigen.

    Die jüngste Plazierung italienischer Anleihen war ein großer Erfolg:

    “Italien konnte am Mittwoch in einer Auktion fast 11 Milliarden Euro erlösen und musste je nach Laufzeit nur zwischen 3,25 und 4,85 Prozent bezahlen.”

    Damit ist die EZB über den Umweg über die Geschäftsbanken nunmehr endgültig zum Staatsfinanzierer geworden.

    Die Frage ist, welche Konsequenzen das haben wird?

    Kann es überhaupt Inflation geben, in einer Welt, in der Arbeitnehmer keinerlei Verhandlungsmacht mehr haben?

    Aber wenn es keine Konsequenzen hat, wäre es dann nicht der free lunch, den es eigentlich nicht geben kann?

    Rätsel in der Dunkelheit…

  • Tourist - 29. Dezember 2011 Antworten

    Heiliger Brombosius,

    Systemfrager wasn mit dir los??

    Bevor du die Paschalkritik rausholst, erstmal das Feld sichten! … Die Naturwissenschaftler sind weiter,..also ehrlich, der war gut! Womit denn? Der Selbstbeweihräucherung^^!?

    Bald kommt nen Film raus, den muss sich sehen, da geht es auch um zwei Naturwissenschaftler in der victorianischen Hochzeit und diese zwei Ärzte behandeln Frauen und deren “Erregbarkeit” als geisteskranke Hysterie! Kein Witz! Der Film kommt ganz oben auf die Liste! Als Gegenmittel, um diese sogenannte “Hystrie” zu behandeln, erfinden sie den Massagestab für Damen!

    Hier der Trailer:

    http://www.youtube.com/watch?v=aJPapU7FUR4

    Soviel dazu, die Naturwissenschaftler sind weiter! ^^

    Aber zum Artikel:

    Da fällt mir nur ein:

    Wenn Finanzkapitalisten auf Zinsgewinne verzichten, stimmt was genau nicht? Das der Zins nicht mehr bedient werden kann!?!?!?!?!?!?!?!

    ” Hey du Kollege Banker, parkste meine Geld?”

    “Och nö nö, lass mal lieber…! ..hm parkst du meins?”

    “Ach hm weiss nett.. du…lieber nicht, näääääääÄÄ ander mal vielleicht!”

    “warum denn nicht?”

    “Tja, hm….sag ich dir lieber nett, Geschäftsgeheimnis,….du willst ja meins auch nett!”

    ” Hm ich hab ja auch Gründe?”

    ” JA und welchen?”

    “Wenn ich nix hab, weiss ich das du auch nix hast”

    “Gehen wa zu Draghi…?”

    “Naaa gut, da kriegen wa nen bisschen was!”

    Und von solchen hochtrabenden interlektuellen Enscheidungsdiskussionen hängt das Weltgeschehen ab! Hallejulia!

    Tourist

1 Trackback

Kommentieren

Bitte Pflichtfelder ausfüllen