EZB: ELAs mit Volldampf

von am 30. Mai 2012 in Allgemein

Gestern veröffentlichte die EZB ihren konsolidierten Wochenausweis des Eurosystems zum 25. Mai 2012. Dieser Wochenausweis enthält höchstinteressante Details, denn obwohl die Bilanzsumme nur leicht stieg und generell seit Wochen in der Nähe des Niveaus nach LTRO2 verharrt, kam es zu ordentlichen Bewegungen innerhalb der Bilanz. Die Bilanzsumme weitete sich zur Vorwoche um +5,049 Mrd. Euro auf 2,980310 Billionen Euro aus, die Kreditgewährung durch das Eurosystem an die Banken sank aber um -25,281 Mrd. Euro auf 1,101736 Billionen Euro und ein Posten bei den Aktiva stieg kräftig, um +34,087 Mrd. Euro zur Vorwoche, auf 246,582 Mrd. Euro. Unter dem harmlosen Namen Sonstige Forderungen in Euro an Kreditinstitute im Euro-Währungsgebiet ist diese Summe versteckt, dahinter verbergen sich vor allem die ELAs der nationalen Zentralbanken (NZBs) im Eurosystem.

Die Emergency Liquidity Assistance sind Notliquiditätshilfen der NZBs und diese stellen eine Geldschöpfung außerhalb des Eurosystems durch die NZBs dar, die zwar vom EZB-Rat genehmigt werden müssen, wo aber nicht EZB-fähige Sicherheiten im Gegenzug der ELA-Kreditgewährung hinterlegt werden können und die nationalen NZB und nicht das gesamte Eurosystem die Kreditrisiken trägt und als Krönung der jeweilige Staat für die ELAs der gewährenden NZB haftet! Potentielle Pleite-Staaten haften für die zusätzliche Notkreditgewährung ihrer NZBs, großes Kino eines Ponzi Scheme.

Die Entwicklung der Total Assets der EZB seit der Kalenderwoche 53 1998 bis zur KW21 2012. In der KW21 stiegen die Total Assets um +5,049 Mrd. Euro zur Vorwoche auf 2,980310 Billionen Euro. Der Chart offenbart eine enorme Ausweitung der Bilanz des Eurosystems.

Der enormen Bilanzausweitung und den damit verbundenen Risiken auf der Aktiva-Seite der Bilanz stehen nur 85,548 Mrd. Euro an Eigenkapital und Rücklagen auf der Passiva-Seite gegenüber! Dies gereicht mit einem Leverage Ratio (Aktiva zu Eigenkapital inkl. Rücklagen) von 34,8 einem zockenden Hedgefond die Ehre. Alleine die Exposition gegenüber Griechenland beträgt ca. 177 Mrd. Euro und verschlingt im nicht auszuschließenden Falle, eines unkontrollierten Zusammenbruches Griechenlands oder eines Austritts aus dem Euro und einer damit verbundenen Zahlungsunfähigkeit, bereits das doppelte des vorhandenen Eigenkapitals der Zentralbanken im Eurosystem! Zusätzlich destabilisiert die unlimitierte Liquidität aus den LTROs, wie auch von den ELAs für Banken das Eurosystem, denn sie fördern die Kapitalflucht über das Target2 Zahlungssystem.

Die Ausweitung der Bilanz lief vor allem über die längerfristigen Refinanzierungsgeschäfte der EZB, insbesondere den LTRO1 und 2. Die Geschäftsbanken konnten sich unlimitiert zu einem Zinssatz von 1% bei einer Laufzeit von 3 Jahren, zusätzliches Zentralbankgeld gegen “notenbankfähige Sicherheiten” beschaffen:

Die Entwicklung der Forderungen in Euro aus geldpolitischen Operationen an Kreditinstitute im Euro-Währungsgebiet seit der Kalenderwoche 53 1998 bis zur KW21 2012 im Chart. In der KW21 2012 betrugen die Forderungen 1,101736 Billionen Euro.

Unter der Position 5.0 im Wochenausweis des Eurosystems befinden sich vor allem die Hauptrefinanzierungsgeschäfte (Haupttender) und längerfristigen Refinanzierungsgeschäfte (Basistender).

Richtig Feuer im Ofen ist in der Position 6.0 im Wochenausweis:

Die Entwicklung der Sonstigen Forderungen in Euro an Kreditinstitute im Euro-Währungsgebiet (6.0) von der Kalenderwoche 27 2009 bis zur KW21 2012 im Chart. In der KW21 2012 explodierte das Volumen um +34,087 Mrd. Euro zur Vorwoche, auf 246,582 Mrd. Euro. Unter der Position 6.0 im Wochenausweis befinden sich vor allem die ELAs, ohne dass detailliert ausgewiesen wird, wie hoch der Anteil ist, noch von welchen NZBs er verursacht wird. Also mehr als suboptimale Transparenz, aber der steile Anstieg dürfte ein bezeichnendes Licht werfen!

Diese Daten zum konsolidierten Wochenausweis verdeutlichen wieder einmal, dass die Zentralbanken mit allen Mitteln das marode europäische Bankensystem stützen und damit auch unhaltbare Strukturen, ohne damit in der Sache der zu Grunde liegenden Ursachen der Krise in der Eurozone auch nur einen Schritt voranzukommen.

Quelle Daten: Ecb.int/Konsolidierter Ausweis des Eurosystems zum 25. Mai 2012

Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

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21 KommentareKommentieren

  • paernu - 30. Mai 2012

    …. und dann wächst M3 heute nur um 2,5% auf Jahresbasis.
    Hätte die Dicke Bertha M3 stärkere Auswirkungen haben müssen oder versinkt das alles im Schwarzen Loch?

    Für mich ist da ein Widerspruch. Kann mir das einer erklären?

    • Holly01 - 30. Mai 2012

      Wenn Geld nicht zirkuliert, dann wird auch kein neues erzeugt. Es gibt einfach viel zu viel Geld und viel zu wenige “Abnehmer”. -Anlagenotstand-
      Es ist schliesslich eine Sicherheitenkrise, keine Geldmengenkrise. Die Geldmenge erdrückt die Wirtschaft, sie hilft schon lange nicht mehr.
      Die Bens und Draghis und Krugmänner haben versagt.
      Die Scherben werden andere auffegen.

      • Bernd Rickert - 30. Mai 2012

        Die Anbieter führen sich immer noch auf, als wären sie Monopolisten eines nachgefragten Produkts. Wenn eine Bank mir keinen Kredit gibt, hat sie entweder kein Geld oder kein Vertrauen oder es mangelt an beidem. Warum sollte ich jemandem mein ganz persönliches Vertrauen “schenken”, der mir nicht vertraut? Man sieht doch wie die Banken wirtschaften. Kredite werden aus Krediten erschaffen. Stets wird man angestoßen dieser Seifenblase hinterher zu rennen, als ob es im Leben nichts wichtigeres gäbe.
        Möglicherweise folgen viele Investoren auch nur Merkels Aufruf zum Sparen.

  • Bernd Klehn - 30. Mai 2012

    Steffen,

    woher bist Du Dir sicher, dass ELAs unter 6.0 sonstige Forderungen in der Eurosystembilanz auftauchen? Denn ELAs sind doch rein rechtlich nicht Teil des Eurosystems oder? Auf der anderen Seite muss natürlich das Eurosystem alle Forderungen auf Euros bilanzieren. Ist die Eurosystembilanz eigentlich exakt die Summe der Nationalen Zentralbankenbilanzen plus der der EZB oder nicht?

    Gruß

    Bernd

    • Querschuss - 30. Mai 2012

      Hallo Bernd,
      was ist wirklich sicher, wenn man kein Insider ist, aber ich wage mich mal vor bzw. bin mir “sicher”. Unter 6.0 im Wochenausweis sind auch Sonstige Forderungen und Geschäfte, die nicht im Zusammenhang mit geldpolitischen Operationen des Eurosystems stehen, da dürften die ELAs drinstecken.

      Klar ist, der konsolidierte Wochenausweis des Eurosystem inkludiert die Bilanzen der NZBs, da können die ELAs nicht aussen vor bleiben.
      Sollte ich falsch liegen was ich nicht glaube, kann ja die EZB aufklären, hat sie es nicht nötig, stehen halt solche “Halbwahrheiten/Unwahrheiten” im Raume. Auf jeden Fall werde ich mir die einzelnen NZB-Bilanzen für April und Mai genau ansehen und schauen ob dort dieser Anstieg nachvollzogen wird, denn da bin ich mir sicher, wo die ELAs zu finden sind. Ein richtiger Wirtschaftsblog muss auch mal investigativ unterwegs sein, dies beinhaltet auch u.U. falsch zu liegen, dann muss man sich eben korrigieren oder eben an 6.0 im Wochenausweis erst recht dranbleiben.

      Gruß Steffen

      • MFK - 30. Mai 2012

        Ist schon richtig, die ELAs werden unter “other assets” bilanziert.

        • MFK - 30. Mai 2012

          ELAs sind derzeit nur außenstehnd für Belgien, Griechenland, Irland und Zypern.

  • ergo sum - 30. Mai 2012

    Als allerneuestes Finanzexperiment proponierte die EU soeben eine “Europäische Bankunion”, um den Betroffenen zu helfen. Doch das wäre vermutlich auch wieder nur eine Vergemeinschaftung, ein gemeinsamer Topf, aus dem sich jeder bedienen kann, genau wie die Eurobonds.

    • Andres Müller - 30. Mai 2012

      Das ist doch nur die bereits real exstierende Realität, die EU ist zur Bankenunion verkommen. Die EU -Politik dreht sich nur noch um das Wohl der Banken, das ergibt letzlich einen Bruch mit den demokratisch organisierten Nationalsystemen.

      Sofern Demokratie (noch) einen Einfluss hätte in der EU, wo bleibt die Mitbestimmung in den Fragen von Bankenrettung und Ausgabepolitik? Die Stimmbürger in der EU würden wohl kaum mehrheitlich für eine Bankenonion stimmen. Die EU ist nun eine versteckte monetarische Diktatur, das wird durch den kommenden ESM Vertrag noch unterstrichen.

      • Holly01 - 30. Mai 2012

        Ganz egal wie sehr sich die europäischen Banken rechtlich verschanzen. Die Märkte in Form der City und der WallStreet werden nicht das Riskio eingehen, wie im Kampf PepsiCola-CocaCola dazustehen. Die machen weiter bis sie den Euroraum komplett zerschossen haben.
        Danach wird alles abgezogen was Wert hat und die anglikanische Hegemonie dauert weitere 50 Jahre.
        Die Amis schauen nach Asien und brauchen Geld. Egal wie.
        Europa ist eine Warnung an China und Mittel zum Zweck.
        Auch der ESM wird weggespült von der “Krise” die nur Machtpolitik darstellt.

  • Chris - 30. Mai 2012

    Tach,

    hab mal eine ganz naive Frage… Sitzen in den Banken nicht auch Analysten, die diese Infos hier, von querschuesse schön aufbereitet, noch früher und womöglich noch detaillierter ausarbeiten und ihren Händlern unter die Nase reiben?
    Wie kann die Entwicklung an der Börse mittlerweile völlig losgelöst von den Fakten funktionieren? Sind nicht alle relevanten Fakten mehr als Grund genug, längstens das Handtuch geworfen zu haben?
    Ich bin (trotz langjähriger und intensiver Beschäftigung) doch halbwegs irritiert, wie das ganze Finanzcasino noch so zusammenpasst.
    Von den Zahlen her müsste doch das Zähneklappern aus dem Börsenparkett schon durch die PC Lautsprecher zu hören sein.
    Gruß Chris
    und Danke für die hervorragend aufbereiteten Infos

    • Holly01 - 30. Mai 2012

      Wenn man den Derivatemarkt mit 100 Billionen annimmt und die weltweite Geldmenge mit 10 Billionen, ergäben sich bei 3% Zinsen nur etwa 3300 Milliarden an Zuwachs pro a und ohne Zinseszins.
      Banken, Versicherungen, Investoren und wer auch immer Geld hat, kauft was am markt verfügbar ist und auch nur einen Hauch von Werthaltigkeit verspricht.
      Die sogenannte Staatsschuldenkrise verschärft den Zustand, weil, die anlagefähigen Güter abgenommen haben.
      Die Blasenbildung ist damit zwangsläufig. Wo die Lemminge hinlaufen gibt es kein halten. Ich warte nur auf die Goldbugs, die sind wie Schnupfen … so ein zwei Mal im Jahr sind die dabei.
      Aktien und Sachgüter haben zumindest einen realen Wert, die werden eher steigen als sinken. Das Finale werden rasende Börsen sein. Rasen weil die Leute wie wild nach Zukunft suchen und genauso wild aus dem Risiko raus wollen.
      Die Volatilität wird jedenfalls noch erheblich zunehmen und das Geld wird noch schwer in Bewegung geraten.
      Die Banken bieten jetzt bereits für Konsumgüter Nullzins für 36 Mon. an.
      Das bedeutet man bekommt (inflationsbedingt) Geld, wenn man Waren kauft mit negativem Zins. Man könnte das pure Verzweiflung nennen ….
      FMH für 10J bei 2,73 .. .auch das ist beinahe historisch wenig.

    • Holly01 - 30. Mai 2012

      Nur am Rande :
      Würde die LOTR mit ihrer Billion in den 3 jahren entsprechend zirkulieren, ergäben sie bei 1% Mindestreserve eine Geldmenge von etwa 55 Billionen Euro.
      Anders ausgedrückt : niemand in der EZB glaubt an eine Wirkung der Massnahmen, in der pressewirksamen Form. Das Geld dient nicht dem Wirtschaftswachstum. Das sind nur noch die Alibiphrasen.

  • paernu - 30. Mai 2012

    @Chris
    Zu Deiner naiven Frage, die keine naive Frage ist.

    Aus eigener Bankerfahrung kann ich Dir sagen, nicht alles was ein Analyst sieht, darf er auch erzählen, insbesondere nicht bei den grossen Häusern und den Landesbanken.

    Interessanter sind die Analysen von den kleinen unabhängigen Häusern wie z.B. Metzler etc., da sieht man die Welt schon anders.

  • paernu - 30. Mai 2012

    Außerdem wenn ich mir heute Rohstoffmärkte, damit verbundene Indices z.B. CRB Index und die asiatischen Aktienmärkte ansehen, dann denke ich hat der Sturm ab heute richtig begonnen.

    Da kommen jetzt einfach zuviele Dinge zusammen, die Frage ist wie lange schaut die EZB noch zu. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die nicht noch einmal versuchen zu intervenieren. Obwohl man wirklich sagen muss, die Wirkung bisher ist lächerlich.

  • Frankenfurter - 30. Mai 2012

    Da ist doch immer die Rede von “Sterilisation” der Geldmengenausweitung durch die EZB. Sie soll die Inflationsgefahren mindern, aber wie funktioniert die Sterilisation durch die EZB eigentlich?

    • Thorsten Eckau - 31. Mai 2012

      Kleine Bemerkung dazu meinerseits: Wen interessiert das? Das Inflations-Ding ist eine Medienhype, nicht die zu erwartenden Realität. Steffen platziert hier eins ums andere Mal, dass wir satt auf eine Deflations-Depressions-Situation zusteuern und man VERSUCHT Inflation zu erzeugen. Aber es wird keine geben und daher wird auch keine Sterilisation notwendig werden, im Gegenteil: Aktuelle Inflationsrate “unerwartet” auf 1.9% gesunken, FMH 10-Jahre-Index mittlerweile bei 2.73% (mal ehrlich: Welche Bank verleiht denn Geld für 10 Jahre unter 3%, wenn man eine über 2% liegende Inflationsrate schon in Bälde erwartet, geschweige denn erwarten muss, dass in 10 Jahren die Inflation eher hyperinflationär ist)?!
      Nein, es ist das ungewollte, massive und spontan einsetzende Deleveraging, welches wir alle fürchten müssen und welches Steffen hier immer und immer wieder zeigt und sagt: Spart nicht wie blöde, schaut, dass die Probleme mit inflationierenden Massnahmen stabilisiert UND die Kernprobleme gelöst werden. Aber da letzteres nicht mal ansatzweise passiert ist und politisch nicht passieren darf (weil = Eingeständnis), werden wir weitere Inflationserzeugunsversuche sehen, die am Ende nur die gerne erwähnte Fallhöhe steigern, aus der wir aber zwingend fallen werden (unter unveränderten Umständen zu jetzt). It’s deflation, stupid.

  • Erich - 30. Mai 2012

    So wie es jetzt aussieht verliert die Bundesbank jetzt jeden Monat so zwischen 100 und 200 Mrd Euro. Insolvenzverschleppung eben. Mal sehen, wie lange unsere Politiker das Spiel mitmachen.

  • Mark - 30. Mai 2012

    Wenn selbst SPIEGEL Online darüber berichtet, dass die Spanier “im April” bereits 31,5 Mrd. Euro abgehoben haben, dann wissen wir: das Ende ist nah!

    http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/ezb-meldet-abhebungen-von-konten-in-spanien-a-836119.html

    Der Mai ist ja nun fast rum, und die Bankia-Krise verschärfte sich ja erst in den letzten Wochen. Da wird noch einiges zu berichten sein. Und es wird nichts Gutes sein.

  • jmg - 30. Mai 2012

    “Nützlicher Schleier über den Notkrediten der Zentralbanken”
    Neue Zürcher Zeitung
    Claudia Aebersold Szalay, Frankfurt

    Zur Frage: Wo werden die ELA’s verbucht?
    “Im wöchentlichen Ausweis des Euro-systems sind ELA unter dem Posten «Sonstige Forderungen in Euro an Kreditinstitute im Euro-währungsgebiet» zusammengefasst”
    Das bestätigt nochmal die Auffassung von Steffen und MFK.

    Zur Intransparenz der ELA Kredite:
    “der Gesamtumfang der in der Eurozone ausstehenden Notkredite [kann] nur geschätzt werden”
    “Da darin [im Posten «Sonstige Forderungen ..., jmg] auch noch andere Forderungen ausser ELA enthalten sind, muss dieser Wert als Obergrenze betrachtet werden.
    “Im Dunkeln lassen die Notenbanken die Öffentlichkeit hingegen bezüglich der Bedingungen, zu denen die Notkredite gewährt werden, auch wenn vereinzelte ihre Auflagen «ex post» publik machen.”

    LINK: http://www.pressdisplay.com/pressdisplay/de/viewer.aspx